Freitag, 30. Juni 2023

Nah dran! DÜRERS BÜCHER.

Anlässlich der laufenden Ausstellung Dürer für Berlin. Eine Spurensuche des Kupferstichkabinetts bieten Georg Dietz, leitender Restaurator des Kupferstichkabinetts, und Michael Lailach, Kurator der Kunstbibliothek, in einem "gemeinsamen Abend zweier Sammlungen" einen exklusiven Einblick in die Buchproduktion Albrecht Dürers. Aus der Sammlung der Kunstbibliothek werden seine theoretischen Lehrbücher vorgestellt, aus der Sammlung des Kupferstichkabinetts die großen Holzschnitt-Bücher von 1511. Dazu kommen Bücher, die für Dürer inspirierend und wegweisend waren.

Ausstellung im Kupferstichkabinett: 12. Mai - 27. August 2023
Eröffnung in der Kunstbibliothek: 5. Juli 2023 17:30 Uhr mit einer Kurzführung, Vortrag 18 Uhr
Ausstellung in der Kunstbibliothek: 5. Juli - 5. August 2023

Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin
Matthäikirchplatz 6 · 10785 Berlin

Buntpapiere für Bücherliebhaber

Brokatpapier, Bronzefirnispapier, Herrnhuter Kleisterpapier, Kattun- oder Modeldruckpapier, Sprenkelpapier, Marmorpapier (Kammmarmor – Steinmarmor – Schneckenmarmor), Baummarmor- und Wurzelmarmorpapier, u. v. a. m. Begriffe, die den Bücherliebhaber geläufig sein mögen, aber hier und da zu Fragen führen.
Die Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst startet nach Corona nun endlich mit einer Seminar- und Workshop-Reihe für Bücherliebhaber, Sammler, Antiquare, Studierende und andere Interessierte das Seminar Buntpapiere für Bücherliebhaber.

Seminar: 13. / 14. Oktober 2023

Deutsche Nationalbibliothek Leipzig
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Donnerstag, 29. Juni 2023

Porträts von Steffen Büchner

Steffen Büchner bei der Arbeit zu neuen Linolschnitten, Foto: privat
Für die, von Steffen Marciniak herausgegebene Lyrik-Edition NEUN entstehen die Porträts vom Dresdener Künstler Steffen Büchner, die in der Corvinus Presse bei Hendrik Liersch gedruckt werden.
Heute kann man in Berlin wieder vier Autoren zuhören, die schönen Bände mit seinen Grafiken anschauen und bei Gefallen kaufen.

Lesung: 29. Juni 2023, 20:30

Buchladen Eisenherz
Motzstr. 23, Berlin (Nähe U Nollendorfplatz)

Hinschauen - weiter denken - anders machen?

 Der 14. Workshop der Stiftung Illustration des Bilderbuch-Museums Troisdorf steht unter dem Thema „Hinschauen weiter denken anders machen?".

Felicitas Horstschäfer, "Young Rebels"
Hansa 2020
Wir leben in politischen Zeiten. Auch das Bilderbuch wird zunehmend politisch: Krieg, Verfolgung, Flucht, Gewalt, Klimakrise, ein Oben und Unten in verschiedenen Zusammenhängen kommen genauso vor wie Toleranz, Solidarität und der Mut zu Widerstand und Veränderung. Ist das Bilderbuch deswegen politisch? Macht es sich an Themen fest? Ist das Politische eine Frage der Haltung, des Kontextes, der Erwartungen? Was will der Markt heute? Wie agieren Verlage? Wo steht die Illustration hierzulande? Wo will sie hin? Wie sehr prägt das Poltische den Arbeitsalltag? 

Workshop: 1. - 2. September 2023

Bilderbuchmuseum Troisdorf
Burg Wissem, 53840 Troisdorf 

Mittwoch, 28. Juni 2023

»Turbulenzen« auf Schloss Burgk

Die nächste Station der »Turbulenzen« der 37. Leipziger Grafikbörse ist das Museum Schloß Burgk.

Karl-Georg Hirsch, "Schwofen", Holzschnitt, 2017
Zu diesem Thema hatten 90 Künstlerinnen und Künstler Arbeiten eingereicht. Die Interpretationen sind vielfältig. Es geht um gesellschaftliche Themen wie Wetter, Klima, Politik oder Wirtschaft, aber auch private, zwischenmenschliche oder gedankliche Turbulenzen. Die Ausstellung zeigt die Vielfalt zeitgenössischen druckgrafischen Schaffens.
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Vereins Leipziger Grafikbörse gibt es eine Grafik-Edition mit 6 eingebundenen Originalgrafiken. 
Unter den beteiligten Künstlern ist auch Karl-Georg Hirsch, dessen Holzschnitt "Schwofen", 2017,  in einer Aufl. von 75 nummerierte und signierte Exemplare für die Pirckheimer-Gesellschaft erschien und dessen Holzschnitt "Engel" von 2023 dem letzten Heft der Marginalien beilag.

Eröffnung: 1. Juli 2023, 16 Uhr, Begrüßung: Sabine Schemmrich, Museumsleiterin, Grußwort: Steffen Böttcher, Vorsitzender Leipziger Grafikbörse, Musikalische Umrahmung: Christina Meißner, Violoncello 
Ausstellung: 1. Juli - 15. Oktober 2023

Museum Schloß Burgk
Burgk 17, 07907 Schleiz 

Gutenberg-Jahrbuch 2023 ist erschienen

Seit 1926 veröffentlicht die Gutenberg-Gesellschaft das Gutenberg-Jahrbuch. Es ist das zentrale wissenschaftliche Publikationsorgan der internationalen Gutenberg-Forschung und enthält Fachbeiträge in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch. Die Themen des Jahrbuchs sind weit gefächert und reichen u. a. von Beiträgen zur Geschichte des Buchdrucks, über Papier-, Biblitoheks-, Buchhandels- und Verlagsgeschichte bis hin zur Typografie, Illustration und zum Bucheinband. Bei aller Wissenschaftlichkeit wird darauf geachtet, dass auch der interessierte Laie das Jahrbuch mit Freude und Gewinn lesen kann.

Das von Philip Ajouri, Julia Bangert, Gerhard Lauer und Nikolaus Weichselbaumer herausgegebene Jahrbuch erschien traditionell zur Johannisnacht am 24. Juni.
Der typographisch hochwertig gestaltete Band mit beinhaltet auf 256 Seiten, 92 Abb., 1 Tabelle Fachbeiträge in deutscher, englischer, französischer, italienischer oder spanischer Sprache, darunter von Paul Schweitzer-Martin Zum Verhältnis von Papier und Buchdruck im Spätmittelalter, Falk Eisermann stellt Neue Publikationen zur Inkunabelforschung vor und Hansjörg Rabenser schreibt über Buchhändler, verlegende Buchbinder und druckende Gesellen des 17. und 18. Jahrhunderts in Innsbruck. Quellenfunde und Fragmente.

Gutenberg-Jahrbuch 98 (2023)
(Hardcover)
98,00 Eur
ISBN: 978-3-447-12016-6

Vereinskarte Nr. 16

Vereinskarte Nr. 16 in der Baskerville Korpus Monotype gesetzt und die Holzletter gefräst auf der BuchDruckKunst 2023 von Erich, Daniel und Franz im Museum der Arbeit in Hamburg für den Verein für die Schwarze Kunst, Dresden. Gedruckt im Grafiska Museet Helsingborg.
Nach monatelanger konzentrierter und nervenaufreibender Arbeit in Hamburg und Helsingborg, also gleichsam als transnationales Druckprojekt, ist heute endlich die vom Mitglied des Vereins für die Schwarze KunstFranz Heinnies gesetzte und im Grafiska Museet Helsingborg gedruckte Vereinskarte Nr. 16 an alle 163 Vereinsmitglieder verschickt worden.
Wir freuen uns über Reaktionen und danken Franz, den Mitarbeitern im Museum der Arbeit zu Hamburg und unserem Kooperationspartner in Helsingborg für die hübsche Karte. Vielleicht schafft sie es, auch andere Werkstätten im Verein zu einer Karte oder gar weitere ›Freunde der Schwarzen Kunst‹ zu einem Vereinsbeitritt zu motivieren.

(Verein für die Schwarze Kunst)

Dienstag, 27. Juni 2023

whalewatching

Im Winter 1996/97 besuchte unser Freund, der Maler Günther Nussbaumer die Azoreninsel S. Miguel. Er hatte damals mit dem Winterwetter wenig Glück, es regnete und stürmte.
Aber selbst im Winter finden sich auf den Azoren einzelne Hortensienblüten, und so brachte Günther zwei Motive mit, zu denen er dann bei uns Lithografien schuf:

Das Blatt „Hortensie“ und, in zwei Farbvarianten, das Blatt „Mare Atala“.

Günther Nussbaumer: Hortensie, 
Lithografie 1997, Aufl. 20

Von der „Hortensie“ sind nur noch die letzten Exemplare verfügbar, sodass wir Bestellungen in der Reihenfolge des Einlangens berücksichtigen werden.

Das Blatt „Mare Atala“ evoziert einen Besuch in einer verfallenen Walfangstation im Ort Capelas. Mit Booten, wie der Künstler eines darstellt, und die mit 12 Männern am Ruder besetzt waren, gingen die Azoreaner bis ins 20. Jahrhundert auf Walfang. Der gejagte Wal musste mindestens so groß sein wie das Boot, und er wurde vollständig verwertet: vom Schmierfett bis zu den Knochen, aus denen kleine Kunstwerke geschnitzt wurden.

Günther Nussbaumer: Mare Atala, Lithografie 1997, 48 x 64 cm, Aufl. 20
Heute hat sich diese Tradition als whalewatching fortgesetzt…

(Elisabeth und Nikolaus Topic-Matutin)

einBuch.haus präsentiert den »Förderpreis für junge Buchgestaltung«

Die Berliner Kunstbuch-Plattform einBuch.haus zeigt regelmäßig Ausstellungen von internationalen Künstlern und Designern, die sich spezifisch mit dem Medium Künstlerbuch auseinandersetzen.
Im kommenden Monat werden dort erstmalig in einer Ausstellung die drei Preisträger des »Förderpreises für junge Buchgestaltung« ihre Buchideen in Form einer Ausstellung zu präsentieren.
Dieser Förderpreis der Stiftung Buchkunst möchte außergewöhnliche, neue Ideen zu gedruckten Büchern oder hybriden Buchformen – und damit Entwicklungen im Medium Buchgestaltung – aufspüren und Buchimpulse für morgen sowie Qualitätskonzepte von heute sichtbar machen. Hier steht nicht die technische Perfektion, sondern die Idee im Vordergrund.

Die in Berlin ansässige Projektgalerie überträgt bei ihren Ausstellungskonzepten die Form eines Buches in den dreidimensionalen Raum: Ein Gebäude setzt sich aus einem Bauplan, einer Struktur sowie diversen Materialien zusammen, um ein Gebäude zu werden. Auch ein Buch hat eine ganz eigene systematische Struktur. Das können beispielsweise Text, Raster und Textur sein, um ein Buch zum Buch werden zu lassen.

Ausstellung: 14. - 30. Juli 2022

einbuch.haus
Florastraße 61, 13187 Berlin

Montag, 26. Juni 2023

Herzlichen Glückwunsch, Udo Würtenberger

Der aus Baden-Württemberg stammende und jetzt in Berlin lebende Holzschneider und Galerist Udo Würtenberger, seit 2018 Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, feiert heute seinen 85. Geburtstag - Herzlichen Glückwunsch.
Im selben Jahr gründete er gemeinsam mit Werner Noske und dem Pirckheimer Michel Ley Drittbrett, als deren erste gemeinsame Arbeit die abgebildete Chimäre entstand, das Logo für diese Künstlergemeinschaft.
Leider beendete Corona 2020 diese Zusammenarbeit.

Spector Books im DBSM

Das Deutsche Buch- und Schrift-Museum Leipzig zeigt in einer Kabinettausstellung "Spector Books: Handapparat". Der Verlag erhielt vor wenigen Tagen den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig 2023.
Spector Books Team, Foto: Arthur Zalewski
Bücher zu verlegen bedeutet für Spector Books, alle an der Buchproduktion Beteiligten in einen lebendigen Austausch zu bringen und das Wechselspiel zwischen Autoren, Künstlern, Gestaltern sowie der Druckerei und der Buchbinderei zu organisieren.
Die verschiedenen Perspektiven und Konflikte, die sich dadurch eröffnen, sind den Büchern mit auf den Weg gegeben: In den grafischen Entscheidungen und in der Materialität des Buchkörpers, in der Gliederung der Doppelseite und in den unterschiedlichen Konstellationen, in die Bilder und Texte zueinander in Beziehung gesetzt werden, zeigt sich, dass ein solcher dialogischer Arbeitsprozess zu dialogischen Formen auch im Medium Buch führt. Doch ebenso wichtig wie der Austausch bei der Arbeit an neuen Büchern ist die fortgesetzte Befragung des Mediums, der Dialog mit dem bereits Produzierten. Der Ort dafür ist die Bibliothek, die Gesellschaft der Bücher.

In der Ausstellung zeigt Spector Books, wie die eigene Produktion sich in vielfältiger Weise mit anderen Büchern und Büchermachern berührt. Die Ausstellung verweist auch auf frühere Gutenberg-Preisträger wie Solomon B. Telingater (1963), Elisabeth Shaw (1984), Lothar Reher (1988) und Hans Peter Willberg (1992).

21. Juni 2023 - 28. Januar 2024

Deutsche Nationalbibliothek
Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Foyer
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Sonntag, 25. Juni 2023

40 Jahre Tabor Presse Berlin

Jan Pelkofer, Klaus Bücher und Paul Klös empfingen gestern in ihrer Tabor Presse Berlin Gäste zu einer Ausstellungseröffnung - die Presse besteht nunmehr 40 Jahre.
"... um ein Märchen handelt es sich in der Tat, wenn man sich vor Augen hält, dass vor 40 Jahren drei Drucker und Grafiker die Idee hatten, ihre Vorstellungen von einer Werkstatt für Druckgrafik in Angriff zu nehmen und vierzig Jahre später, zwar in anderer Besetzung, jedoch mit dem selben Enthusiasmus immer noch Drucke vom Lithostein, von der Linolplatte, dem Holzstock oder der Offsetplatte abziehen. 
... Angefangen haben wir, das waren Jürgen Zeidler, Jürgen Prasse und ich mit viel positiver Energie, obwohl es zuerst ein Tasten im Dunklen war; ganz largsam wuchsen wir an unseren Aufgaben und lernten zusammen mit den Künstlern bis wir uns irgendwann endlich freigeschwommen hatten. ...
Bis heute haben wir mit mehr als 500 Künstlern, die Zahl ist nicht genau zu ermitteln, unzählige Auflagen gedruckt. Das werden mehrere zehntausend Drucke gewesen sein. ..."
(Klaus Bücher)
zwei Drucke der Ausstellung: Bernhard Heisig / Strawalde
Zum 40jährigen Jubiläum erschien ein reich bebilderter Katalog, in dem einige der Künstler, die in der Ausstellung vertreten sind, vorgestellt werden.

Ausstellung 24. Juni - 25. August 2023

è Tabor Presse Berlin
Taborstr.22, 10997 Berlin

Grazer Mumienbuch

Das bislang älteste bekannte Buchfragment der Welt erkannten Restauratorinnen der Universität Graz an einem Fadenrest, Nählöchern, dem Mittelfalz und dem in Spalten angeordneten Text. Foto: Uni Graz/Kernasenko
Bei Routinearbeiten an Papyrus-Fragmenten der Sondersammlungen in der Bibliothek der Universität Graz entdeckte die Restauratorin Theresa Zammit Lupi eine Sensation: Ein ägyptischer Papyrus aus dem 3. Jahrhundert vor Christus weist Spuren einer Heftung auf, die darauf deuten, dass er Teil eines Buches gewesen sein muss. Das Fragment war 1902 in der Umhüllung einer Mumie gefunden worden. 400 Jahre älter als die bislang bekannten ersten Bücher der Welt, wird der Fund die davor wissenschaftlich akzeptierte Timeline der Buchgeschichte vermutlich nach vorne verschieben.

Samstag, 24. Juni 2023

Die schönsten deutschen Bücher 2023

603 Bücher wurden zum Wettbewerb der Stiftung Buchkunst eingereicht. In einem aufwendigen zweistufigen Jurierungsverfahren kürten Juroren in zwei Gruppen die 25 Schönsten deutschen Bücher des Jahres 2023.

Wie in der Vergangenheit wurden in 5 Kategorien jeweils 5 Preisträger bestimmt:
Allgemeine Literatur
Wissenschaftliche und Fachbücher, Schul- und Lehrbücher
Ratgeber, Sachbücher
Kunst- und Fotobücher, Ausstellungskataloge
Kinder- und Jugendbücher

Alle prämierten Titel sind für Preis der Stiftung Buchkunst nominiert. Dieser wird in einer Preisverleihung am 8. September 2023 in Frankfurt am Main bekannt gegeben.

Hier oder durch Klick auf die Abb. können die Schönsten Bücher betrachtet werden.

Felix Hamsvaar. Das grafische Werk

Felix Hamsvaar (1927–2022) war ein sozial- und gesellschaftskritischer Künstler. Er widmete sich in besonderer Weise den Benachteiligten und Geschundenen, ließ sich von Bertolt Brecht und Jacques Prévert inspirieren.
Repro © Helga Sigmund
Die Kunstarche Wiesbaden zeigt in den Ausstellungsräumen des Stadtarchivs eine Auswahl von 35 Grafiken aus verschiedenen Themenbereichen, darunter Gesellschaftskritik mit einem besonderen Fokus auf das Militär und die Kirche. Hamsvaar drückte in seinen Werken tiefes Mitgefühl für misshandelte und gequälte Menschen aus und veranschaulichte die hoffnungslose Verlassenheit von Frauen. Seine Kunstwerke sollen den Betrachter aufrütteln und zur Bekämpfung von Ungerechtigkeiten in der Welt anregen.

Einige Editionen der Werke werden zum Verkauf angeboten, wobei der Erlös für die Erstellung eines geplanten Katalogs verwendet wird.

Eröffnung: 2. Juli, 11:30 Uhr, Einführung: Dr. Klaus-Dieter Jasch
Ausstellung: 2. Juli bis 20. August 2023

Kunstarche Wiesbaden e.V.
Im Rad 42, 65197 Wiesbaden

Freitag, 23. Juni 2023

Alea iacta est

Unter die Auflösungsdebatten des Berliner Bibliophilen Abend wurde ein Schlussstrich gezogen: Der Berliner Bibliophilen Abend wird weiterhin bestehen.
Der BBA ist ein zu schützendes Kulturgut, so wurde argumentiert und, im Gegensatz zu einer der vorhergehenden Zusammenkünften waren sich die Teilnehmer an der heutigen außerordentlichen Mitgliederversammlung darüber einig, dass es am Ideal eines Guten Buches eines Fedor von Zobeltitz festzuhalten gilt. Eine 118jährige Kulturtradition darf nicht beendet werden, darüber waren sich die Anwesenden einig, nur weil der bisherige Vorstand an seine Belastungsgrenzen gekommen ist.
Als neuer Vorsitzender wurde gestern einstimmig Abel Doering gewählt, als Vorsitzende der Revisionskommission wurde Ninon Suckow bestätigt.
Abel Doering (lks.) mit dem ehem. Vorstand Dr. Jens Ziegler, Till Schröder und Bernd Illigner (sitzend)

Die Ex Libris des LBA

Ein bibliophiler Verein ist ohne eigenes Ex Libris nur schwer vorstellbar. Mit der Jahresgabe 2023 des LBA wird die bisher kaum beachtete Geschichte der Ex Libris des Leipziger Bibliophilen-Abends aufgearbeitet und mit einer Neuschöpfung aktualisiert.

Noch im Gründungsjahr des alten LBA 1904 wurde das Vereinsmitglied Bruno Héroux (1868-1944) mit Entwurf und Ausführung eines Ex Libris beauftragt. Héroux war Professor an der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe Leipzig. Seine druckgrafische Präferenz lag in der Tiefdrucktechnik der Radierung, welche er auch für das erste Ex Libris des LBA (lks.) nutzte. Der illustrative Stil seines Blattes ist vom Symbolismus geprägt, den in Leipzig exemplarisch sein älterer Kollege Max Klinger verkörperte. 
Es kann nicht mehr nachvollzogen werden, warum dieses Blatt nicht weiter verwendet wurde, doch bereits drei Jahre später schuf Walter Tiemann (1876 - 1951) ein neues Ex Libris (oben). Als Kollege von Héroux und ebenfalls Professor an der Akademie war Tiemann im gleichen Jahr 1907 gemeinsam mit Carl Ernst Poeschel Gründer der Janus-Presse. Sein zweifarbiger Holzschnitt nimmt sehr deutlich Elemente der englischen Buchkunstbewegung auf. Das Signet rechts unten ist zudem eine Reminiszenz an das sogenannte Allianz-Signet der beiden deutschen Frühdrucker Fust & Schöffer.
Der 1991 neugegründete LBA hat nicht nur mit dem Namen an den von 1904-1933 existierenden Vorgängerverein angeknüpft, auch ein neues Ex Libris wurde in Auftrag gegeben. Oswin Volkamer (1930 - 2016) hatte an der Leipziger Akademie studiert, die inzwischen in Hochschule für Grafik und Buchkunst umbenannt wurde. Sein Ex Libris (rechts) von 1996 greift mit der strengen Symmetrie Formen eines geschlossenen Signets auf. 
Um die Tradition durch eine zeitgemäße Formsprache zu begleiten, hat sich der LBA ein neues Ex Libris entwerfen lassen (mitte). Mit dem Leipziger Grafiker Robert Schmiedel schließt sich der Kreis, da er ebenfalls an der HGB studierte. Auch seine bevorzugte Drucktechnik ist die Radierung, die er technisch höchst anspruchsvoll als Strichätzung mit Reservage und Aquatinta in mehreren Ätzstufen ausführte. Das Buch als unabdingbares Attribut bibliophiler Darstellungen kommt auf den vier Varianten in unterschiedlicher Größe vor, bei Robert Schmiedel steht es in seiner charmant-ironischen Darstellung im Mittelpunkt. Der LBA führt mit der Kontinuität eines eigenen Ex Libris die Tradition originalgrafischer Drucktechniken in aktueller Form weiter.

Der Druck der Original-Radierung von Robert Schmiedel erfolgte durch Jeanette und Reinhard Rössler im Künstlerhaus Hohenossig. Text und Gestaltung lagen in den Händen von Thomas Glöss. Alle grafischen Blätter wurden in der Originalgröße reproduziert.

Donnerstag, 22. Juni 2023

Lilo Fromm (1928 - 2023)

Die 1928 in Berlin geborene Malerin, Graphikerin und Kinderbuch-Illustratorin Lilo Fromm starb im Alter von 94 Jahre in Hamburg.
Ihre Jugend verbrachte Lilo Fromm in Berlin, Ostpreußen und an der Nordsee. Ihr Studium begann sie an einer Fachschule in Berlin, ging danach an die Akademien in München, Freiburg/Breisgau und Hamburg. Seit 1965 lebte sie lange Zeit in der Provence in Frankreich.
1957 erschien im Georg-Lentz-Verlag das erste von ihr illustrierte Kinderbuch, inzwischen sind mehr als 250 Bücher erschienen, einige davon wurden in insgesamt 22 Sprachen übersetzt. 1967 wurde ihr für „Der goldene Vogel“ (Ellermann Verlag, Verlagsgruppe Oettinger) der Deutsche Jugendbuchpreis zuerkannt.
Lilo Fromm gestaltete auch viele Poster, Schulbücher und eine Serie von Grußkarten für Unicef und die Schweizer Kinderhilfe.

(dpa)

Plakate aus der DDR

Albrecht von Bodecker, Die Ferien des
Monsieur Hulot (1978)
Der Verein der Bibliophilen und Graphikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt »Willibald Pirckheimer« lädt ein zu einem öffentlichen Vortrag der Treuhänderin der Stiftung Plakat Ost, Dr. Sylke Wunderlich.
Die Referentin, eine ausgewiesene Kennerin der DDR-Plakatkunst, wird ihren Vortrag mit Projektionen von Beispielen aus der Stiftungssammlung, die von allgemeinen politischen Bekundungen über Film- und Theaterankündigungen bis zu Produktwerbungen für Kosmetika, Bekleidungsartikeln und optische Geräte reichen, eingehen. (siehe auch Plakate aus der DDR)
Prof. Matthias Gubig, Wir sind das Volk (1989)
Ein Schwerpunkt werden die Künstlerplakate sein, die einen wesentlichen und für Bibliophile besonders interessanten Teilbereich sind.
Die in der DDR hochentwickelten graphischen Künste hatten hier ein Betätigungsfeld, auf dem ein breites Spektrum von Techniken und Stilen zur Anwendung gebracht werden konnte.

(nach einer Information des Vereins der Bibliophilen und Graphikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt »Willibald Pirckheimer«)

Vortrag: 8. Juli 2023, 14 Uhr

Literaturhaus Magdeburg
Thiemstr. 7, 39104 Magdeburg

Mittwoch, 21. Juni 2023

Henry Büttner. Eigene Auswahl

Im vergangenen Jahr hat der 1928 in Wittgensdorf bei Chemnitz geborene Henry Büttner 1.600 seiner Werke der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz geschenkt.
Eine vom Meister selbst getroffene Auswahl des Zeichners, dessen Karikaturen mit dem unverkennbaren Strich die DDR enorm geprägt haben und der dennoch den großen Preis für sein Lebenswerk ablehnte - mit der Begründung, dass er bereits alles habe, ist nun in der Ausstellung "Eigene Auswahl" im Satiricum zu sehen – auch mit unerwarteten Werken.
Die Ausstellung präsentiert im Gartensaal des Greizer Sommerpalais auch eine Vitrine mit einem Inhalt, den wohl selbst viele der eingefleischtesten Fans ihrem Idol nicht zugetraut hätten. Religiöse Bücher, die er, der nicht Gläubige, zu seiner Verwunderung auf Anfrage christlicher Verlage illustrieren sollte – und das auch tat. Mit seiner typischen kantigen Stilistik, die sich hier zu fast expressionistischer Ausdruckskraft und Schärfe steigert.
Die von Henry Büttner selbst kuratierte, liebevoll gestalte Ausstellung kann das Publikum als eine Art künstlerischer Lebenslauf besichtigen. Beginnend mit den ganz frühen Blättern für Wochenpost und Eulenspiegel aus den 50er-Jahren und endend mit dem allerletzten Blatt - nach dessen Datierung hat Büttner am 1. September 2020 aufgehört zu zeichnen.

10. Juni - 31. Oktober 2023

Satiricum im Sommerpalais
Fürstlich Greizer Park, 07973 Greiz

50. Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft

In der alten Residenzstadt Thüringens, in Gotha, wird das 50. Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft stattfinden, organisiert von Prof. Dr. Peter Arlt.

Thomas Offhaus, Foto privat
Wie Till Schröder im aktuellen Heft der Marginalien mitteilt, stehen auf dem Programm eine Führung in der Origami-Ausstellung in der Stadtbibliothek, eine musikalisch improvisierte Ausstellung: »(Ein)Klang mit Bildender Kunst, Gitarre, Theremin und Elektronik« des Künstlers Thomas Offhaus, Schöpfer der Grafikgabe zum Jahrestreffen, eine Führung durch die Altstadt Gothas und im Schloss Friedenstein und ein Konzert mit Sabine Lindner unter dem Motto Eyn neues Lied wir heben an«.
Sabine Lindner, alias Klara vom Querenberg
Am nächsten Tag steht die Forschungsbibliothek im Schloss Friedenstein auf dem Programm. Auch die von Peter Arlt kuratierte Ausstellung »p.f. -Neujahrsgrafik« mit originalgrafischen Neujahrsgrüßen aus nahezu 6o Jahren und eine virtuelle Tour von Christiane und Norbert Grewe durch ihre gemeinsame, über mehrere Jahrzehnte und in verschiedenen Ländern gewachsene Sammlung von Buchkunst und Grafik erwartet die Teilnehmer.
Das traditionelle Festessen wird im Cranach-Saal des Hotels Der Lindenhof eingenommen, in welchem am letzten Tag des Treffens auch die Mitgliederversammlung abgehalten wird. Auf der Tagesordnung steht u.a. die Wahl des Vorstandes, zu der, lt. Till Schröder "Teile des derzeitigen Vorstands nicht mehr antreten".

Jahrestreffen: 22. bis 24. September 2023
Mitgliederversammlung: 24. September 2023, 9 Uhr

Gotha
Schloss Friedenstein, Cranach-Saal im »Lindenhof«

Dienstag, 20. Juni 2023

Eröffnungsausstellung „Künstler der Galerie“

Zur Wiedereröffnung der „Galerie der Berliner Graphikpresse“ am neuen Standort in Altglienicke wird eine Ausstellunng mit Arbeiten von Künstlern der Galerie mit einer Auswahl an Plastik und Keramik und einem kleinen Graphikmarkt stattfinden.
Bereits jetzt ist hier eine aktuelle Buchliste mit 150 besonderen Künstlerbüchern, teils seltenen Ausstellungskatalogen und illustrierten Ausgaben einzusehen, die fortlaufend aktualisiert wird.

Ausstellung: 1. Juli - 19. September 2023

Galerie der Berliner Graphikpresse
Am Falkenberg 25, 12524 Berlin

Für den Frieden

http://bücherkinder-brandenburg.de
Die MAZ berichtet unter der Überschrift „Für den Frieden: Bücherkinder arbeiten an neuem Werk“ über das aktuelle Projekt, ein Friedensbuch, welches, betreut von Armin Schubert und, wie schon im letzten Jahr zum Kapitel zu „Jacob, der Lügner“ in den „Farben der Kindheit“, auch von Christine Becker, entsteht.

Im Artikel berichtet Heike Schulze: „In der aktuellen Arbeitsphase geht es um Leben und Werk von Bertolt Brecht. Für heute, außer Einspielungen von Gedichten und Liedern, eine anspruchsvolle Szene aus „Mutter Courage“: Alle Kinder bekommen eine Rolle, lesen und spielen gleichzeitig dabei.
Beim kommenden Treffen schreiben die Kinder ihre Gedanken, Gedichte, kleinen Geschichten, kurze Szenen oder was auch immer ihnen zum Stoff einfällt, auf.
Zu einem weiteren Termin lesen sie einander ihre Arbeiten vor und sprechen gemeinsam darüber. Irgendwann im Herbst werden die für das Buch ausgewählten Arbeiten zusammen mit
Dietmar Block illustriert.

Der Artikel kann durch Klick auf das Bild aufgerufen werden.

Montag, 19. Juni 2023

Berliner Bücherfest

Die Büchergilde Gutenberg stellte für intersessierte Besucher des nach 15jähriger Pause erstmals wieder stattfindenden Berliner Bücherfestes eine Sonderveröffentlichung zum Gedenken an die Bücherverbrennung im Mai 1933 mit Texten von Erich Kästner zur Verfügung - vor 90 Jahren brannten Bücher bedeutender Autoren hier auf dem heutigen Bebelplatz, der jetzt wieder Ort der Begegnung von Literatur und Leser wurde.

Auf früheren Berliner Bücherfesten begegnete man traditionell auch der Pirckheimer-Gesellschaft, die sich gemeinsam mit dem Hinterhof-Antiquariat vorstellte.
Steffen Marciniak, Verlag der 9 Reiche
Qintus Verlag, André Förster
Das fehlte in diesem Jahr, aber Pirckheimer waren dennoch vertreten, mit einem eigenen Stand, so André Förster mit dem Quintus-Verlag, Steffen Marciniak mit dem Verlag der 9 Reiche, Catharine Nicely mit PalmArtPress oder Johanna Binger mit der Büchergilde Buchhandlung am Wittenbergplatz.
Johanna Binger, Büchergilde Buchhandlung am Wittenbergplatz
Abel Doering, Foto Steffem Marciniak
Wagenbach, Matthes & Seitz, März, Galiani, u.a. mit einem von Kat Menschik illustrierten Titel von Puschkin, Edition Faust mit wunderbar illustrierten Titeln von E.T.A. Hoffmann, kopf & kragen mit dem Künstlerbuch Metamorphosis von Christian Weber - man könnte ewig schwärmen.
kopf & kragen, Metamorphosis von Christian Weber
Catharine J. Nicely, PalmArtPress, Fotos © ad

Antiquaria mit Pirckheimer-Beteiligung

am Stand der Pirckheimer: Till Schröder
(hinten) und Matthias Haberzettl

Nach mehr als drei Jahren Pause lockte die Antiquaria in der einzigartigen Musikhalle Ludwigsburg mit zahlreichen Schätzen, angeboten und ausgestellt von 51 Antiquarinnen und Antiquaren und die Pirckheimer sind zum ersten Mal mit dabei …

(Katrin Aepler)

Weitere Fotos von der Antiquaria Ludwgsburg, so auch vom Stand der Pirckheimer-Gesellschaft auf dieser Messe, wurden von Ursula Saile-HaedickeVersandantiquariat Tills Bücherwege, zur Verfügung gestellt und können hier betrachtet werden.

Sonntag, 18. Juni 2023

Vorschau des Input-Verlags

Der Hamburger Input-Verlag des Pirckheimers Ralf Plenz legt seiner Verlagsvorschau 2023/2024 vor.

Auf 32 Seiten wird neben der 2018/19 erschienenen Roman-Trilogie von Ralf Plenz "Großstadt-Oasen" und dem "Denkbuch 28", einem Notizbuch mit 35 Gedanken von Walter Benjamin, die Reihe "Perlen der Literatur" vorgestellt, darunter fünf Novitäten - hochkarätig besetzt, auch mit einer Trägerin des Literatur-Nobelpreises.

Die vor anderthalb Jahren gestartete Reihe beschreitet Neuland. Hier werden nur Titel wieder veröffentlicht, die bereits im 19. oder 20. Jahrhundert in Europa erschienen sind und zeitweise sehr erfolgreich waren oder sprachliche Besonderheiten aufweisen und auf jeden Fall richtungsweisend wirkten.

Die sorgfältig gestaltete Reihe erscheint für den besonders bibliophil Interessierten auch in den Vorzugsausgaben Platin und Gold.

122. Mitgliederversammlung der Gutenberg-Gesellschaft

Dieses Jahr ist für die Internationale Gutenberg-Gesellschaft in Mainz ein besonderes.
Sie feiert darüber hinaus ihr 122. Jubiläum und lädt zur 122. Ordentlichen Mitgliederversammlung ein.
Die Mitgliederversammlung wird im Gutenberg-Museum Mainz stattfinden. Auf die Mitgliederversammlung folgt die Festveranstaltung, bei der das neue Gutenberg-Jahrbuch 2023 vorgestellt wird.

24. Juni 2023, 11 Uhr

Gutenberg Museum Mainz

Samstag, 17. Juni 2023

Gutenberg-Album zum 550. Todesjahr

Vor 550 Jahren ist er gestorben, der geniale Tüftler Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg.

Album des Gutenbergfestes 1840
Anlässlich dieses Jubiläums freuen sich die Soltauer „Bleiläuse“ auf Dr. Wolfgang Brandes, der das spannende „Gutenberg-Album“ vorstellen wird. 
Verfasser der bedeutsamen Schrift ist der Zeitungsverleger Wilhelm Schröder, der vor 145 Jahren gestorben ist. Buchhandlungen, Druckereien und Schriftgießereien sowie alles, was Rang und Namen hatte, feierten alle hundert Jahre die ca. 1440 gemachte Erfindung der „beweglichen Lettern“. 
Schröder hat in seinem Album die mehrtägigen Festlichkeiten in Hannover für die Nachwelt festgehalten und ein einzigartiges Zeitdokument geschaffen. Das „nie genug zu würdigende Ereigniß“, wie es im Album heißt, beging man auch in Städten wie Leipzig, Mainz oder Straßburg, und zwar stets ab 24. Juni. Das ist der Johannestag, an dem der Geburt von Johannes dem Täufer gedacht wurde und seit 1540 auch der Erfindung des „andern Lichtverkündigers“, was Gutenbergs damaligen Stellenwert zeigt. Aufwändige Vorbereitungen bedurfte es, um Vorführungen von Pressen und Gießöfen, Festmahle für hunderte geladene Gäste, Reden und Tanzbälle bis in den Morgen zu organisieren.
Im „Gutenberg-Album“ wird der „unsterbliche Erfinder“ vielfach gepriesen, auch dafür, dass er die Voraussetzungen schuf, „die Fessel des Geistes zu lösen“ und „die Fackel der Menschenbildung voranzutragen“. Schröder brachte darin auch seine Forderung nach einer „freien Presse“ unter. Von seinen plattdeutschen Texten ist besonders die sozialkritische Tierfabel „Dat Wettlopen twischen den Hasen un den Swinegel up de lütje Heide bi Buxtehude“ bekannt.

Dr. Wolfgang Brandes studierte Germanistik, Philosophie und Politologie an der Universität Hannover. Er ist Mitglied der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen.

Lesung: 25. Juni 2023, 15 Uhr

Buchdruck-Museum - Guddi die Bleilaus
Kirchstraße 2, Soltau

Marginalien #249

Heft 2/2023 der Marginalien, der von der Pirckheimer-Gesellschaft herausgegebenen Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, ist erschienen.
"Gewollte und nicht gewollte Neuanfänge stehen im Mittelpunkt dieser Marginalien-Ausgabe. Ernst Falk betrachtet die Anfänge der Pop Art. ... Kurt Freyer dagegen fing dreimal neu an: erst als Kunsthistoriker, dann als Antiquar und letztlich vor den Nazis geflüchtet als Bibliothekar in einem Kibbuz in Israel. Rainer Stamm erinnert an sein Antiquariat »Utopia« im Berlin der Weimarer Zeit .... Roland Jaeger ... erzählt die komplexe Geschichte hinter dem Reprint ... von Jan Tschicholds Fotobuchklassiker fotoauge ... Ruth Tesmar dagegen erschuf das »Menzel-Dach«, indem sie Druckmaschinen und Atelierutensilien in die Mansardenräume des ehemals kriminaltechnischen Labors der Humboldt-Universität Berlin wuchtete. Ein universelles Angebot künstlerischen Arbeitens für Studenten aller Fachrichtungen... Renate Reschke berichtet über die Künstlerin und deren Arbeiten fürs Buch. Harald Kretzschmar teilt seine Erfahrungen mit dem Siebdruck ... Jens-Fietje Dwars würdigt den kürzlich verstorbenen Gerhard Wolf als Herausgeber. Erst hob er die literarische Sub- und Gegenkultur mit Außer der Reihe in den Mainstream der späten DDR und versuchte nach der Wende mit seiner Janus Presse erneut, für die Avantgarde ein nun gesamtdeutsches Publikum zu finden. Und letztlich [gratuliert] Gerhard Rechlin ... Karl-Georg Hirsch zum 85. Geburtstag mit einer Fortführung dessen buchgrafischer Bibliografie."
(Till Schröder im Editorial)

Wie immer enthält das Heft eine von Matthias Gubig gestaltete typografische Beilage, diesmal Kurt Freyer "Über das Sammeln kleiner Bücher", sowie, nur für Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft den Holzschnitt von Karl-Georg Hirsch "Engel" in einer 650ger signierten, nicht nummerierten Auflage, gedruckt von Bettina Haller.

Freitag, 16. Juni 2023

OVERSEAS-ÜBERSEE-OUTREMER

Lex Braes, Ute Haring, Melissa MayerGalbraith, o.T., 2023
Holzschnitt & Linoldruck, 70 x 57 cm
Der Titel OVERSEAS-ÜBERSEE-OUTREMER der gesrern eröffneten Ausstellung des Radiervereins München steht für das Konzept einer außergewöhnlichen Korrespondenz mit den Mitteln der Druckgrafik zwischen den drei Künstlern Lex Braes (New York), Ute Haring (London) und Melissa MayerGalbraith (München).
2021, in Zeiten der Pandemie und lockdowns, entstand die Idee sich gegenseitig gedruckte Werke zu schicken, die dann jeweils weiter bearbeitet wurden. Melissa MayerGalbraith, ein aktives Mitglied des Vereins erarbeitete 2022 mit ihren Kollegen ein komplexes System des Austauschens, Reflektieren und Schaffen über drei Städte hinweg und so hängen in der Ausstellung nicht nur Einzelwerke der Künstler, sondern auch ihre gemeinsam geschaffenen Druckgrafiken.

Ausstellung: 16. Juni - 07. Juli 2023

Verein für Original–Radierung München e.V.
Ludwigstr. 7 Rgb., 80539 München

Deutschsein fünfmal anders

Dr. Irene Selle, Foto © ad
Gestern sprach Dr. Irene Selle als Gast der Berlin-Brandenburger Regionalgesellschaft der Pirckheimer im Friedrichshagener Antiquariat von Katrin Brandel gemeinsam mit Prof. Christa Ebert in einem brillanten Vortrag über ihren Vater Rudolf Schottlaender (1900 - 1988), Philosoph, Altphilologe, Übersetzer, Publizist, Zeitzeuge aller politischen Systeme Deutschlands in 100 Jahren, zuletzt mit der Hoffnung auf einen Brückenschlag zwischen Ost und West ...
Seine Erinnerungen unter dem Titel „Deutschsein fünfmal anders“ wurden von dem Pirckheimer André Förster in einer erweiterten Neuausgabe neu aufgelegt und mit dem neuen Untertitel „Erinnerungen eines Unangepassten“ versehen.
Ninon Suckow und Dr. Irene Selle, Foto © ad
Für viele ist der Name Rudolf Schottlaender 35 Jahre nach seinem Tod trotz seiner ungebrochenen humanistischen und systemübergreifenden Haltung kaum ein Begriff, obwohl Generationen von DDR-Schülern seine hervorragende Neuübersetzung von SophoklesAntigone aus der Schule kennen und Proust-Liebhaber vielleicht auch die ersten beiden Bände („Der Weg zu Swann“) „Auf den Spuren der verlorenen Zeit“ in der Übersetzung von Schottlaender gelesen haben..

1921 aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten, studierte Schottlaender Philosophie in Heidelberg (bei Jaspers und Hoffmann), in Marburg (bei Hartmann) und in Freiburg im Breisgau (bei Husserl und Heidegger), er hatte Kontakt zum George-Kreis, lernte Günther Stern (später: Günther Anders) kennen und heiratete dessen Schwester. Nach der Promotion in Heidelberg übersetzte er als Erster Proust ins Deutsche.

Nur mit Glück überstand er die NS-Zeit.

Nach 1945 unterrichtete er in Berlin. 1947 auf einen Lehrstuhl für Philosophie in Dresden berufen, wurde er bereits zwei Jahre später aus politischen Gründen wieder entlassen. Er kehrte nach West-Berlin zurück, wo er erneut als Lehrer tätig war. Aus Sorge vor einer Verschärfung des Kalten Krieges bemühte er sich um einen Dialog mit der DDR und wurde daraufhin suspendiert. Das bewog ihn, 1959 einem Ruf als Professor für römische Literatur an die Ost-Berliner Humboldt-Universität zu folgen, wo er aufgrund seiner Weigerung, sich politisch vereinnahmen zu lassen, und infolge seiner Sympathie mit Systemkritikern sowie nach einem 1979 ohne Genehmigung erteilten Interview im Westfernsehen bis zu seinem Tod 1988 geheimdienstlich überwacht wurde.

Schottlaender, Rudolf
Deutschsein fünfmal anders, Erinnerungen eines Unangepassten
Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2017
Broschur, 224 S., ill.
ISBN: 978-3-945256-39-8
20 €

Donnerstag, 15. Juni 2023

Steffen Büchner

Der aus Haifa (Israel) stammende, jetzt in in Cambridge (Massachusetts lebende Gilead Tadmor, emeritierter Professor im Fachbereich Elektrotechnik & Informatik Ingenieurwesen der Northeastern University, hat den Pirckheimer und Künstler Steffen Büchner aus Dresden porträtiert.
Gilead Tadmor, Steffen Büchner, Holzschnitt 2023

Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig

Kommende Woche wird wieder der Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig verliehen. Er geht in diesem Jahr an den Verlag Spector Books. Eine tolle Auswahl der Jury – hat sich der in Leipzig gegründete Verlag doch seit seiner Gründung 2008 international zu einer DER Adressen für zeitgenössische Buchgestaltung und -produktion entwickelt.
Foto © Arthur Zalewski
Als Auftakt zu unserer Veranstaltungsserie, die die diesjährige Preisträgerausstellung „Spector Books: Handapparat“ begleitet, findet ein Gespräch mit dem Autor und Filmemacher Alexander Kluge statt. Die Verleger Anne König und Jan Wenzel arbeiten seit vielen Jahren mit ihm zusammen und stellen das neueste gemeinsame Projekt vor.

Gespräch: 21. Juni 2023, 19 Uhr

Deutsche Nationalbibliothek
Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

40 Jahre Tabor Presse Berlin


Die 1982 gegründete Tabor Presse Berlin lädt alle Interessierte anlässlich ihres 40jährigen Bestehens zur Eröffnung einer Jubiläumsausstellung in ihre Werkstatträume in Berlin-Kreuzberg ein.

Gezeigt werden in den kommenden zwei Monaten Graphiken aus den letzten 40 Jahren von Curt Mühlenhaupt bis Daniel Richter

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Klaus Büscher, Paul Klö und Jan Pelkofer

Eröffnung: 24. Juni 2023, 17 Uhr
Ausstellung 24. Juni - 25. August 2023

è Tabor Presse Berlin
Taborstr.22, 10997 Berlin

Mittwoch, 14. Juni 2023

Literatur als koloniale Beute?

Aufzeichnen – Extrahieren – Sammeln – Anonymisieren – Abschreiben – Umdichten – Zirkulieren – Zurückgeben und am Ende die Frage: „Wie viel koloniale Beute gibt es in dieser Bibliothek?“
Die aktuelle Ausstellung Provenienzgeschichten 1910 – 2021 des Masterseminars „Looted literature“ an der FU Berlin unter der Leitung von Prof. Irene Albers und Andreas Schmid zeigt Provenienzgeschichten anhand einzelner Buchtitel und Exponate. 

Die Vitrinen in der Philologischen Bibliothek mit den roten Titelüberschriften erzeugen Aufmerksamkeit und erfordern zugleich Ruhe und Zeit für das Verstehen und Betrachten der vielschichtigen Ausstellung. Bücher, Zeichnungen, Fotos, Karteikarten, Quellentexte, Reproduktionen, Titelcover und ein Phonograph aus dem Ethnologischen Museum zeigen und erzählen Geschichten über die europäischen Aufzeichnungen von sog. Oralliteraturen. Die Beschaffung der Reproduktionen und einzelner Originalausgaben war mit intensiver Recherchearbeit und Archivbesuchen verbunden. Eine Kernfrage zieht sich wie ein roter Faden durch die Vitrinen: Kann Literatur – analog zur Raubkunst – zu kolonialer Beute werden? Im Licht aktueller Debatten über Aneignung, Raub und Restitution im Anschluss an die Veröffentlichung des von Bénédicte Savoy und Felwine Sarr im Auftrag von Macron erstellten Berichts und sich anschließenden Publikationen bei Matthes und Seitz versucht die Ausstellung, die literarische Moderne anhand von Herkunftsgeschichten neu zu denken.

Ausstellung: noch bis 20. Juli 2023

Philologische Bibliothek der Freien Universität Berlin
Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin