Dienstag, 21. Juli 2026

Buchbinderei Grieser schloß nach 130 Jahren

Die alt eingesessene Buchbinderei Grieser in Berlin hat ab dem 1. Juli 2026 nach 130 Jahren ihre Türen für immer geschlossen.
Sie wurde 1896 vom Buchbinder Ernst Grieser gegründet und in Prenzlauer Berg bereits in der vierten Generation geführt, seit 1996 war Cris Grieser Inhaber.
Seit ich sie vor gut 40 Jahren das erste Mal besuchte, ich ließ eine Diplomarbeit binden, fand ich dort hilfreiche Unterstützung bei der Restaurierung und Neubindung von erhaltenswerten Büchern des damals in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen, inzwischen ebenfalls seit nunmehr bereits 10 Jahren erloschenen, Hinterhof-Antiquariats.

WH : M

Im Literaturhaus Leipzig sind die Druckgrafiken der Altenburger Künstlerin Sabine Müller zu sehen, deren Ausstellungstitel "WH: M." eine Verneigung vor dem Dichter Wolfgang Hilbig ist, der sein Lebensthema in immer neue literarisch anspruchsvolle Symbole verwandelte. Eine wesentliche Dimension dessen speist sich aus "M.", der "heimatstraße" und der jahrhundertelang von der Braunkohle geprägten Landschaft mit ihren Menschen, die auch Ausgangspunkt von Sabine Müllers Schaffen ist.

Die Künstlerin begleitet den Transformationsprozess, den das Ende der Braunkohleindustrie hervorruft, im intensiven Austausch mit Wolfgang Hilbigs Dichtung, begab sich sowohl in und um Meuselwitz als auch in Hilbigs poetischem Werk auf eine produktive Reise und schuf zunächst 14 grafische Blätter, die 2025 bei einer Pop-up-Ausstellung in Altenburg gezeigt wurden. Im Literaturhaus präsentiert sie jetzt, anlässlich von Wolfgang Hilbigs 85. Geburtstag 2026, einen größeren Werkausschnitt.

Die Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft macht auf etablierte, aber auch weniger bekannte Künstler und Künstlerinnen aufmerksam, die sich mit Hilbigs Werk beschäftigen, beispielsweise Johannes Heisig 2021 und Strawalde 2023 oder Katja Enders-Plate 2022. Die Offenheit seines Werkes für die künstlerische Adaption ist ein Aspekt, der mit Sabine Müllers Grafikausstellung eine weitere interessante Form gefunden hat.

Vernissage: 21. Juli 2026, 18 Uhr, Gespräch zwischen der Künstlerin und Katrin Hanisch (Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft e.V.). Die den Grafiken zugrunde liegenden Gedichte und Texte werden zu hören sein.
Ausstellung: 8. Juli - 2. September 2026

Literaturhaus Leipzig

Montag, 20. Juli 2026

Internationaler Schachtag

Elke Rehder, Irrationale Stellung, 1991
Heute ist Internationaler Schachtag, der seit 1966 jährlich am Gründungstag (20. Juli 1924) des Internationalen Schachverbandes (FIDE), gefeiert wird.
Ein Gruß von Elke Rehder an alle schachbegeisterten Bibliophilen.

Manfred Funke zum 86sten



Heute gratuliere ich Manfred Funke, einem langjährigem Mitarbeiter der Staatsbibliothek zu Berlin und Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft , sowie des Berliner Bibliophilen Abend  recht herzlich zu seinem heutigem 86. Geburtstag.

Sonntag, 19. Juli 2026

Gedenktafel für Heinz Knobloch

Anlässlich seines Todestages am 24.7.2003 wird am Heinz-Knobloch-Platz in Berlin Pankow eine Gedenktafel zu Ehren des Journalisten, Schriftstellers und zeitweiligem Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft Heinz Knobloch eingeweiht. Nach verschiedenen Ansprachen lesen Mitglieder des Freundeskreises Heinz Knobloch ausgewählte Feuilletons des Autors. Die Pankower Saxophonistin Dr. Brigitta Flick wird die Veranstaltung musikalisch begleiten.
Gedenkstein am Heinz-Knobloch-Platz, Relief : Gerhard Thieme
Heinz Knobloch lebte fast fünf Jahrzehnte an dem Platz, der seit dem 3. März 2005 seinen Namen trägt.

24. Juli 2026, 17 Uhr
Heinz-Knobloch-Platz
an der Berliner Str. 32-34, 13189 Berlin

Tundalus im Höllenfeuer: Ein Ritter zwischen Verdammnis und Erlösung

Die Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD), in der  sechs Bibliotheken kooperieren, vermeldet den Neuerwerb eines überaus seltenen, bisher nur bibliographisch nachgewiesenen Drucks, den die Bayerische Staatsbibliothek München zum Buch des Monats Juli 2026 whlte: 

Tundalus Ritter. Gedruckt tzo Coellen vp dem Eygelstein by myr Henrich van Nuyß. Jn dem jair vns heren. M. CCCCC. vnd xiiij. (Köln: Heinrich von Neuß)

Der Text beschreibt in einer niederdeutschen Prosafassung die Visio Tnugdali, die Vision einer Reise des irischen Ritters Tundalus durch Paradies und Verdammnis. Die Erzählung war von einem Wandermönch namens Marcus im 12. Jh. in Regensburg niedergeschrieben worden und fand rasche Verbreitung.
Die vorliegende Ausgabe aus dem Jahr 1514 (VD16 T 2267) folgte einer gleichfalls niederdeutschen Edition desselben Druckers, die unter dem abweichenden Titel DJT ys die Hystorie van deme Strengen Rytter Tundalus bereits 1509 erschienen war (VD16 T 2266). Im Jahre 1516 brachte der in Köln ansässige Heinrich von Neuß zudem eine weitere deutsche Ausgabe unter dem Titel Tundalus Ritter heraus (VD16 T 2264).
Tundalus Ritter, Köln, 1514: Titelholzschnitt mit Darstellung des Ritters. Abb. BSB München
Der neu erworbene Druck der BSB hat einen Umfang von 20 Blatt und enthält einen qualitätvollen Titelholzschnitt, der den Ritter Tundalus hoch zu Ross mit wehender Standarte zeigt. Den Abschluss des Werkes flankieren weitere etwa viertelseitige Holzschnitte, die Stationen der Jenseitsreise des Ritters illustrieren: Abgebildet ist zum einen die Erlösung armer Sünder durch Engel aus dem Fegefeuer, zum anderen das Leid der Verdammten in der Hölle, die von teuflischen Dämonen gequält werden. Ergänzt werden diese Szenen durch eine etwas kleiner gehaltene Darstellung der Geburt Jesu in der Krippe sowie ein Bildnis des Heiligen Marcus mit seinem symbolischen Attribut, dem Löwen, als Verweis auf den Verfasser. Zwischen den Abbildungen erläutert ein begleitender Text den Leserinnen und Lesern den Inhalt der geschilderten Vision:
Tundalus ei[n] rytter rvail geboren got hait in darzo visserkoren. Dat he soulde sien die groisse pin, die in d[er] hellen un[d] vegefuyr syn.
Tundalus Ritter, Köln, 1514: Schlussblatt mit Abbildungen des Fegefeuers und der Hölle (oben) bzw. Geburt Christi und Hl. Marcus (unten) , Abb. BSB München.
(Dr. Matthias Reif)

Samstag, 18. Juli 2026

Hot Printing!

Bereits zum dritten Mal bringt das Klingspor Museum mit einem Druckfestival druckbegeisterte Menschen an einem Wochenende zusammen, um Drucke zu machen, zu sehen und zu kaufen. Vom risogedruckten Zine bis zur traditionellen Druckgrafik ist das gesamte Spektrum der Möglichkeiten vertreten. Workshops, Vorträge, Musik und Getränke vervollständigen das Erlebnis.
Bei Hot Printing treffe sich über 90 Künstlerinnen und Künstler, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Thema Drucken beschäftigen. Eine junge und agile Szene zeigt ihre Druckerzeugnisse.
Die Besucher und Teilnehmer erwarten Stände, Workshops, Lesungen, Vorträge, Ausstellungen, Musik, eine Bar, gutes Essen und spannender Austausch. Das Festival ist gewachsen und findet sich jetzt im Klingspor Museum, auf dem Museumsvorplatz, im Hof des Büsingpalais, im Haus der Stadtgeschichte und in der Druckwerkstatt im Bernardbau.
Mit dabei sind Barbara Beisinghoff, Edition Wasser im Turm, Ingo Cesaro, Inka Greb, Meister der Einbandkunst und der Verein für die Schwarze Kunst.

22. / 23. August 2026 
Offenbach

Freitag, 17. Juli 2026

Schätze aus Kirchenbibliotheken heben

Kirchenbibliothek in Salzwedel, Foto: Margit Scholz / EKM
Ein Forschungsprojekt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der Staatsbibliothek zu Berlin soll in Vergessenheit geratene Bücherschätze wieder bekannt machen.
In den kommenden drei Jahren sollen die Bestände von 17 bedeutenderen Pfarrbibliotheken in Sachsen-Anhalt erfasst werden, sagte Projektleiterin Margit Scholz vom landeskirchlichen Archiv in Magdeburg.
Vermutlich seien dies mehr als 23.000 historische Drucke und Handschriften aus der Zeit bis 1850. Davon sollen etwa 5.000 Titel auch digitalisiert werden. Voruntersuchungen hätten bereits einige unbekannte Drucke oder Werke mit handschriftlichen Kommentaren und Anmerkungen zu Tage gefördert, teilten die Projektpartner mit.
Gerade in Mitteldeutschland gebe es „durchgängig sehr alte Bibliotheken, die bisher kaum erschlossen sind“, oft aus dem 16. oder frühen 17. Jahrhundert, sagte Thomas Fuchs von der Universitätsbibliothek Leipzig.
Insgesamt gebe es auf dem Gebiet der mitteldeutschen Kirche etwa 1.000 Pfarrbibliotheken, die vielfach unbekannte Drucke und Handschriften aus der Reformationszeit und folgenden Jahrhunderten beherbergten. Das Projekt solle helfen, dieses reiche kulturelle Erbe zu bewahren und zugänglich zu machen.
Die Pfarrbibliothek Zeitz gehört zu den größten Partnern im Projekt, Foto: Margit Scholz / EKM
Die wohl älteste noch bestehende Bibliothek in Sachsen-Anhalt sei jene der Katharinenkirche in Salzwedel. Diese sei nachweislich vor 1467 angelegt worden. Mit rund 4.200 Titeln sei sie zudem die zweitgrößte der am Projekt beteiligten 17 Pfarrbibliotheken.
Mancherorts haben Krieg oder Feuchtigkeit die historischen Schriften komplett vernichtet oder schwer geschädigt. Nicht selten hätten die Bücherschränke in muffigen Kirchtürmen gestanden. Deshalb müssten etliche Werke wohl fachmännisch konserviert oder sogar restauriert werden, bevor sie digitalisiert werden könnten. Dafür seien vermutlich weitere Aufwendungen nötig, hieß es.
Zu den herausragenden Objekten im Projekt zählen mittelalterliche Handschriften, Wiegendrucke, Flugblätter, Leichenpredigten, Noten und frühe Zeitungen. Die umfangreichste der ausgewählten Sammlungen sei die Bibliothek von St. Michaelis in Zeitz, deren Entstehung in die Zeit vor der Reformation zurückreicht. Sie verwahrt mehr als 7.400 Titel, darunter eines von weltweit nur drei erhaltenen Exemplaren des Plakatdrucks der 95 Thesen Martin Luthers von 1517.
Die eine oder andere Überraschung verspreche auch die sogenannte „Turmbibliothek“ der Andreaskirche in Eisleben, hieß es weiter. Ihre etwa 2.700 Schriften umfassen auch Bestände des Klosters Helfta und lagern mittlerweile im Archiv der Luther Museen. Kostbarkeiten werden zudem in der Bibliothek der Stephanikirche Aschersleben vermutet, deren Bestände zum Teil auf die Sammlung des Theologen Johannes Olearius (1611-1684) zurückgehen.

(Thomas Nawrath, kompl. Artikel hier)

Donnerstag, 16. Juli 2026

Heinz Knobloch - Mit Feuilletons gegen Geschichtsvergessenheit

Heinz Knobloch (3.3.1926 – 24.7.2003), geboren in Dresden, fand als Journalist und Schriftsteller in Berlin den Mittelpunkt seines Schaffens und Wirkens.
Im Mitgliederverzeichnis von 1981 der Pirckheimer-Gesellschaft, der er bis 1985 angehörte, wird er als Sammler von „Feuilleton, Berlin, Zeitungen, Judaica und (sic!) Friedhöfe“ ausgewiesen.

Das Stabi-Kulturwerk zeigt unter der Überschrift „Heinz Knobloch - Mit Feuilletons gegen Geschichtsvergessenheit“ eine Ausstellung aus Anlass seines 100. Geburtstages. Die Freunde des Staatsbibliothek zu Berlin und der Berliner Bibliophilen Abend wird in einer Führung diese Ausstellung besuchen.

Ausstellung: 13. Mai - 27. September 2026
Führung: 29. Juli 2026, 15 Uhr, Anmeldung erforderlich

Stabi-Kulturwerk
Unter den Linden 8, 10117 Berlin

Mittwoch, 15. Juli 2026

Die Murhardsche Bibliothek

Am 03.06.1845 verfassten die Brüder Karl und Friedrich Murhard ihr Testament, in dem sie der Stadt Kassel ihr gesamtes Vermögen vermachten. Sie machten zur Auflage, dieses in einen Fonds, die „Murhardsche Stiftung“, zu überführen und zu verwalten: „Die Zinsen der Murhardschen Stiftung sollen verwendet werden zur Bildung und Unterhaltung einer der Stadt Kassel … angehörigen Bibliothek“.[1]
Brüder Karl und Friedrich Murhard (Bild: UB/LMB Kassel)
Sie bestimmten: „Die Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel soll eine öffentliche sein, sie soll … dem gesammten Publicum zum Gebrauch und zur Benutzung offen stehen“.[2]. Besonders wichtig war ihnen, dass das Ziel ihrer Stiftung, – die Gründung und der Betrieb einer öffentlich zugänglichen Bibliothek – für die Bürger der Stadt Kassel dauerhaft gewährleistet und überwacht wird. Um dies sicherzustellen, legten die Brüder Murhard fest, dass ein Gremium über ihre Bestimmungen und Anordnungen wachen solle – die Testamentswächter: „Zu Executoren und künftigen Wächtern und Beschützern dieses unsers Testaments … bestellen wir drei unserer Mitbürger … mit allen Befugnissen, Rechten und Attributionen, die englischen Trustees zustehen.[3] Weiter heißt es im Testament: „Diese drei Vertrauens-Männer werden ein Kollegium für die genaue Vollziehung, Ausführung und Aufrechterhaltung unseres letzten Willens bilden, welches niemals ausstirbt, indem dasselbe sich für alle Zukunft durch eigene freie Wahl selbst ergänzt. Um zu verhüten, dass jemals in diesem Kollegium eine Lücke entstehe, haben die drei Mitglieder desselben sich im Voraus ungesäumt drei Ersatzmänner oder Stellvertreter zu erwählen, die bestimmt sind, für den Fall ihres Ablebens oder Austritts sie zu ersetzen und im Fall einer eintretenden Vakanz an ihre Stelle in das Kollegium einzutreten, auch schon bei Lebzeiten der zeitigen Testamentsvollstrecker in Verhinderungsfällen deren Funktion auszuüben.[4] Mit dieser Vorgabe, dass die drei Testamentswächter noch zu Lebzeiten drei Stellvertreter ernennen sollen, haben die Brüder Murhard den dauerhaften Fortbestand des Gremiums sichergestellt.

(Martin Reymer, Ltr Murhardsche Bibliothek)
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[1] Vgl.: Testament der Brüder Friedrich und Karl Murhard §5, aus: 125 Jahre Murhardsche Stiftung der Stadt Kassel und ihrer Bibliothek, S. 133. https://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/image/1508930262525/137/#topDocAnchor zuletzt abgerufen: 13.04.2026
[2] Ebd., §18, S. 135
[3] Ebd., §26, S. 138
[4] Ebd.
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Creative-Commons-Lizenz Namensnennung International (CC BY 4.0)

Dienstag, 14. Juli 2026

Interview mit Armin Schubert und den Bücherkindern Brandenburg

nähere Informationen durch Klick auf die Abb.
Die aktuelle Folge der DENKMALZEIT des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege geht dem Geheimnis dieses mittelalterlichen Einhorns auf den Grund. Die Folge begleitet die feierliche Rückkehr des Kunstwerks in die Kirche und lässt verschiedene Menschen zu Wort kommen, die sich kreativ mit dem Einhornteppich auseinandergesetzt haben: Besucherinnen und Besucher, Wissenschaftler, sowie die „Brandenburger Bücherkinder“ mit ihrem Mentor Armin Schubert.

Widerspenstige Frauenfiguren in der Literatur

Eine Ausstellung in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg „Carl von Ossietzky“ „Wider die Norm. Widerspenstige Frauenfiguren in der deutschsprachigen Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ widmet sich literarischen Frauenfiguren vom Mittelalter bis heute, die aus unterschiedlichsten Gründen als „widerspenstig“ gelesen werden können. Stets sind ihren Identitätsentwürfen genderspezifische Aushandlungsprozesse eingeschrieben, die sich an den gesellschaftlichen, sozialen wie familiären Rollenzuschreibungen ihrer Zeit reiben. Die Auswahl an Frauenfiguren aus einem breiten Spektrum an Gattungen und Textsorten über die gesamte Zeitspanne der deutschsprachigen Literatur soll den Figurentypus der „widerspenstigen Frau“ als ein Motiv zeigen, das die Geschlechternormen seiner jeweiligen Entstehungszeit reflektiert und damit in vielen Fällen erst sichtbar macht.
(Markus Trapp)

Die ausgestellten studentischen Arbeiten entstanden im Rahmen eines teilfachübergreifenden Lehrprojekts der Älteren und Neueren deutschen Literatur.
Seminarleitung und Ausstellungsorganisation: Dr. Hannah Rieger (Ältere deutsche Sprache und Literatur) und Dr. Jara Schmidt (Neuere deutsche Literatur). Beide sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für Germanistik der Universität Hamburg.

Ausstellungseröffnung: 14. Juli 2026, 18 Uhr
Ausstellung: 15. Juli - 15. September 9.2026

Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky
Durchgang Informationszentrum / Altbau.
Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg

Montag, 13. Juli 2026

Mozart-Fake aus dem 20. Jahrhundert


Die Musikgeschichte ist voller Fälschungen, "gestohlener" Melodien und sogar vollständig frei erfundener Komponisten. Auch das aktuelle "besondere Objekt" im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek veranschaulicht dies eindrucksvoll: das Violinkonzert in D-Dur (KV Anh. C 14.05) aus dem Jahr 1933 stammt von einem musikalischen "Trittbrettfahrer".
Marius Casadesus arrangierte 1931 einige Mozart-Fragmente zu einem Violinkonzert und gab es als neu entdeckte Komposition des zehnjährigen Wolfgang Amadé Mozart aus. Auch, dass es am Versailler Hof entstanden und Prinzessin Adelaide von ihrem "sehr ergebenen und sehr kleinen Diener" gewidmet sein soll, ist reine Erfindung. Der Schwindel flog erst 1977 bei einem Urheberrechtsstreit auf – denn auf die Tantiemen wollte Casadesus dann doch nicht verzichten.

Expertenvortrag: 14. Juli 2026, 18 Uhr, Dr. Julia Ackermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek
Ausstellung: 14. Juli - 11. Oktober 2026
Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek

Sonntag, 12. Juli 2026

Treffen der Kiewer Bibliophilen

Am Sonnabend fand die letzte Sitzung des Kiewer Bibliophilen-Klubs vor den Sommerferien statt.
Man sprach über ukrainische bibliophile Veröffentlichungen (Ю. Воронцов), aus Anlass seines 150jährigem Geburtstag über das Werk des herausragenden amerikanischen Schriftstellers Jack London (Юрій Симоненко) und über weitere besondere bibliophile Entdeckungen (Олег Войтович).

(Наталия Василишина)

Jan Tschichold, Erfreuliche Drucksachen ...

Was Typographie genannt wird, ist nichts anderes als die Entscheidung für oder gegen eine Schriftauswahl, die Textformatierung oder eine individuelle Schriftzurichtung. Das betrifft beispielsweise Kapitälchen oder Mediävalziffern. Keine Sorge, liebe Leser, solche Fach begriffe können Sie nach der Lektüre korrekt einsetzen und das Gelernte praktisch anwenden. Eine für alle gut verdauliche Lektüre über die Gestaltung von Texten.
Jan Tschichold (Johannes Tzschichhold) wurde am 2. April 1902 in Leipzig geboren. Er war Schriftgestalter, Lehrer und Autor viel beachteter Fachbücher, darunter „Die neue Typographie. Ein Handbuch für zeitgemäß Schaffende“. 1926 wurde Tschichold von Paul Renner – dem Schöpfer der Futura – an die Münchener Meisterschule für Typographie berufen. Tschichold arbeitete später für den Baseler Birkhäuser Verlag als Buchhersteller und ging 1947 für zwei Jahre nach England, wo er unter anderem bei Penguin Books entscheidend mitwirkte. 1966 schuf er die Schrift Sabon, eine Renaissance-Antiqua im Stil der Garamond, die sich durch ihr klares Schriftbild mit einer relativ hohen Mittellänge auszeichnet. Er starb am 11. August 1974 in Locarno, Schweiz.
(Ralf Plenz)

Band 38 „Perlen der Literatur“
Input Verlag 2026, Originalausgabe von 1960
128 Seiten, geb., Leinen, 12,6 x 21,1 cm
Lizenzausgabe © 1971 Ravensburger Verlag GmbH, Ravensburg, Germany
ISBN: 978-3-941905-73-3, 24 €

Samstag, 11. Juli 2026

Erich Mühsam-Ehrung in Oranienburg

>Knapp 100 Freunde, darunter die Erich Mühsam-Gesellschaft, der Rat der Stadt Oranienburg, der Gedenkstätte des KZ Sachsenhausen und andere, es war auch die Friedrich Wolf-Gesellschaft und der BBA auf dieser Ehrung präsent, ehrten Erich Mühsam, der am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg ermordet wurde, heute auf einer Gedenkdemo mit einer Kranzniederlegung und einem Kulturprogramm.
Mühsam-Ehrung, Oranienburg, 11. Juli 2026, unten rechts: Paul Geigerzähler
Die Redner wurden musikalisch begleitet von Paul Geigerzähler, der einige Texte von Erich Mühsam für die Geige vertonte, darunter auch der „Der Revoluzzer“, ein Gedicht, welches das Theater v. Tallercito anschließend als Theaterstück aufführte.
Fotos ansehen durch Klick auf die Abb.

Vielseitige Buchpatienten im Domherrenhaus

Die Ausstellung "Vielseitige Buchpatienten" im Domherrenhaus zeigt neben den Ergebnissen auch den Prozess der aufwendigen Restaurierung. FOCKE STRANGMANN
Der Weser Kurier berichtet unter der Überschrift „Was sich aus restaurierten Büchern lesen lässt“ über eine Sonderausstellung "Vielseitige Buchpatienten" im Domherrenhaus in Verden, in welcher aktuell restaurierte Bände aus der Bibliothek des Domgymnasiums zu sehen sind.

In dieser Sonderausstellung zeigt das Historische Museum Domherrenhaus zusammen mit dem Kreisarchiv und dem Domgymnasium Verden besondere Exponate aus der rund 25.000 Bände umfassenden Historischen Bibliothek des Domgymnasiums, in der sich verschiedenste Atlanten, Landkarten, Handschriften und frühe Drucke aus ganz Europa befinden.
Seit 2022 konnten bisher 14 von rund 1700 beschädigten Titeln dieser Sammlung aus den Jahren 1550 bis 1836 aufwändig restauriert werden.

In der Meldung weist Museumsleiterin Frauke Müller darauf hin, dass eine Rezension des Begleitbands vom Hallenser Michael Spyra zur Ausstellung erschien, der „die verborgenen Geschichten enthüllt“, was, wie sie betont, auch von der Pirckheimer-Gesellschaft gewürdigt wurde. Malte Oehl schreibt über dieses Buch im Weser KurierDer Begleitband erzählt davon: Was lässt sich aus Büchern alles lesen? Nicht nur die Buchstaben, die in ihnen stehen. Wer sich Buchrücken, Einbände und beschädigte Seiten genauer anschaut, bringt mitunter Unerwartetes ans Tageslicht.“

13. Mai - 23. August 2026

Historisches Museum Domherrenhaus
Untere Straße 13, 27283 Verden (Aller)

Freitag, 10. Juli 2026

Verdienstorden des Freistaats Thüringen für Prof. Dr. Peter Arlt

Foto © Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin
Seit vielen Jahrzehnten prägt Prof. Dr. Peter Arlt das kulturelle Leben Thüringens auf besondere Weise – als Kunstwissenschaftler, Publizist, Hochschullehrer, Schriftsteller und engagierter Begleiter zahlreicher Künstler. Schon während seines Studiums engagierte er sich in literarischen Zirkeln und Autorenvereinigungen und entwickelte jene wissenschaftliche und künstlerische Neugier, die sein weiteres Wirken prägen sollte. Auch später brachte er sich in bedeutende Künstler-, Wissenschafts- und Kulturvereinigungen ein und wurde zu einer festen und hochgeschätzten Persönlichkeit der Thüringer Kunst- und Kulturlandschaft.

Seine wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen zur Kunstgeschichte und Kunsttheorie haben weit über Thüringen hinaus Beachtung gefunden. Insbesondere seine Veröffentlichungen zur bildenden Kunst der DDR und zur Methodik der Kunstwissenschaft in der DDR haben Generationen von Schülern und Studierenden geprägt und einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Kunstentwicklung in Ostdeutschland geleistet. Dabei zeichnete ihn stets eines besonders aus: die Fähigkeit, immer einen offenen Horizont innerhalb der Kunst- und Kulturpolitik zu bewahren.

Professor Arlt blieb Thüringen stets eng verbunden. Besondere Verdienste erwarb er sich auch als Hochschullehrer an der Universität Erfurt. Viele seiner Studierenden erinnern sich an einen Professor, der Wissen nicht nur vermittelte, sondern Begeisterung weckte. Der Kunst nicht als Gegenstand verstand, sondern als Einladung zum Nachdenken, zum Entdecken und zum Gespräch. Darüber hinaus hat er als Kurator, Autor zahlreicher Ausstellungskataloge und Monografien sowie als Lyriker und Schriftsteller künstlerische Lebenswege dokumentiert und kulturelle Zeugnisse für kommende Generationen bewahrt.

Mit seinem publizistischen, wissenschaftlichen und kulturellen Lebenswerk hat sich Professor Arlt in herausragender Weise um Kunst und Kultur in Thüringen verdient gemacht.
Für diese außergewöhnlichen Verdienste verleihe ich Prof. Dr. Peter Arlt den Verdienstorden des Freistaats Thüringen.

(Laudatio Mario Voigt, Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen)

Buchpatenschaft anlässlich der 250-Jahrfeier der USA

Doyle, Thomas: Five years in a lottery office; or an exposition of the lottery system in the United States. Boston, 1841.“ ist eine kleine Buchpatenschaft zum Thema Lotterie als Einnahmequelle, Gefährdung der Sitten und Betrugsmöglichkeit.
Lotterien dienten lange nicht der Unterhaltung allein, sondern wurden häufig zur Finanzierung öffentlicher Projekte eingesetzt – etwa für Straßen, Brücken, Schulen, Universitäten (z. B. Harvard, Yale) und sogar zur Unterstützung der Unabhängigkeitsbewegung. Viele frühe US-Staaten nutzten Lotterien als wichtige Einnahmequelle.
In den 1830er Jahren wuchs die Ablehnung der Lotterien in der Öffentlichkeit. Die Menschen hatten nicht nur Einwände gegen die vermeintlich schädlichen Auswirkungen der Lotterien auf die Sitten, sondern auch gegen deren sehr reale wirtschaftliche Folgen: Während man früher nur ein- oder zweimal im Jahr einen Lottoschein kaufen konnte, war es nun möglich, täglich an mehreren verschiedenen Lotterien teilzunehmen. Da viele Lotterien jedoch manipuliert waren, wurden die versprochenen hohen Gewinne selten ausgezahlt. Anfang der 1840er Jahre hatten die meisten Bundesstaaten den öffentlichen Lotterien ein Ende gesetzt, doch private Lotterien wurden das ganze Jahrhundert über weiter betrieben.
„Five Years in a Lottery Office“ ist eine seltene Enthüllungsgeschichte, die die inneren Abläufe von Lotteriesystemen bis hin zu den geringen Gewinnchancen und den Gewinnspannen der Veranstalter detailliert beschreibt. Auf gerade mal vierzig, eng bedruckten Seiten wird von der Geschichte der Lotterie über die verschiedenen Formen der Lotterien das Thema ausführlich und eindringlich warnend dargestellt. Leider ist über diesen Autor nicht mehr bekannt.

Donnerstag, 9. Juli 2026

Umsatzrückgang im Buchhandel

Die Buchbranche in der BRD hat das Jahr 2025 mit einem Umsatzminus von durchschnittlich 5 % abgeschlossen. Dieser Umsatzrückgang setzte sich im 1. Halbjahr 2026 in gleichem Maße fort. Die Titelproduktion der Verlage sinkt ebenfalls kontinuierlich, von 69.180 Titel 2020 auf 52.611 Titel 2025, allein im Jahr 2025 sank die Zahl der Neuerscheinungen um 9,9 %. 
Laut Börsenverein spielen dabei vor allem sinkende Lesekompetenz, Bürokratie und die gesamtwirtschaftliche Lage eine Rolle. Gleichzeitig heißt es jedoch: „Stabil zeigte sich die Belle­tristik mit einem Umsatzplus von 1,2 Prozent. Ausreißer nach oben waren die Genres Young Adult und New Adult, die einen Aufschwung erlebten. Der Umsatz mit Young-Adult-Titeln erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 Prozent, mit New-Adult-Titeln wurden sogar 9,6 Prozent mehr eingenommen. Die Zahl der Käufer kletterte hier ebenfalls nach oben – um 8,8 Prozent im Vergleich zu 2024 und um 47,5 Prozent seit 2021.“ Und inwiefern "überbordende bürokratische Anforderungen, die Ressourcen in den Unternehmen binden“ einen Umsatzrückgang im Buchhandel bedeuteten, bleibt unbeantwortet, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins sieht als Grund für den Kaufschwund „Verbraucherunsicherheit“ und führt eine „schwache Konjunktur“ ins Feld, statt die Rezession beim Namen zu nennen.

Auch der Buchmarkt Österreichs verzeichnet einen Rückgang des Umsatzes in der ersten Jahreshälfte, dort ging der Absatz um ebenfalls ca. 5 % zurück. Unserem Nachbarn bemühten allerdings neben der gesamtwirtschaftlichen Lage keinen weiteren Grund, eine Einschätzung, die anhand der vorliegenden Zahlen plausibler und ehrlicher erscheint.

25. Internationaler Bucheinbandwettbewerb

Zum Abschluss des 25. Internationalen Bucheinbandwettbewerbs für Auszubildende 2026 zeigt eine Ausstellung in Köln alle Bücher, die für den Wettbewerb eingereicht wurden.
Ausgelobt wurde dieser internationale Lehrlings-Wettbewerb vom Bund Deutscher Buchbinder e.V. (BDBI) in Zusammenarbeit mit der Stiftung zur Förderung des Bucheinbandes in der Schweiz (SFB) und der Bundesinnung der Kunsthandwerke die Berufsgruppe der Buchbinder, Kartonagenwaren- und Etuierzeuger Österreichs. Teilnahmeberechtigt waren alle Auszubildenden, die in einem Ausbildungsverhältnis in der Schweiz, Deutschland und Österreich oder in anderen Staaten, die den Ausbildungsverordnungen der ausschreibenden Länder entsprechen, stehen.

Im Rahmen der Buchherstellung ist es die Aufgabe von Buchbindern, das Buch in seine letztendliche äußere Form zu bringen, d.h. den Einband zu fertigen. Entsprechend bekamen die Teilnehmenden an dem Wettbewerb die Rohbögen jeweils gleichen Buches. Die Ausführung der Bindung wurde hinsichtlich Gestaltung, Technik und Materialwahl freigestellt. Es wurde jedoch empfohlen, einfache, aber gekonnte Einbände herzustellen.

Ausstellungseröffnung: 24. Juli 2026, 19 Uhr
Ausstellung: 25. Juli - 6. September 2026

Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln
Heinrich-Böll-Platz/Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln

Mittwoch, 8. Juli 2026

Michael Duske (1941 - 2026)

Michael Duske, langjährig Mitglied der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft, des Berliner Bibliophilen Abend und der Pirckheimer-Gesellschaft ist, wie jetzt bekannt wurde, Anfangs des Monats gestorben.
Michael Duske 2016, Foto Ralf Parkner
Ich lernte Michael Duske Ende der 90ger Jahre auf einer Antiquariatsmesse im Berliner Museum für Deutsche Geschichte kennen, wir teilten uns einen Stand. Bereits damals trat er schon als Person hinter seinem Werk als Herausgeber zurück und er vermied seitdem immer stärker die Öffentlichkeit.
Vor einem viertel Jahr, er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seine Vergangenheit hinter sich gelassen, Mitgliedschaften in bibliophilen Vereinigungen beendet und alle Kontakte zu seinen Freunden abgebrochen, stellte ich die Problikation seines von 1995 bis 2010 bestehenden Verlags „Serapion vom See“, der in Berlin ausschließlich Titel von E.T.A. Hoffmann verlegte, anhand einer beispielhaft ausgewählten Mappe als „Bibliophiles des Monats“ vor.

Die Nachricht von seinem Tod hat mich schwer berührt - die Erinnerung an Michael Duske wird durch die von ihm herausgegebenen bibliophilen Titel bleiben.

(Abel Doering)

1 Kommentar(e):
09. Juli 2026: Stephan Klenner-Otto hat gesagt ...
Ich bin Michael für all das was er mir ermöglicht hat mehr als dankbar! Ich werde ihn immer in Ehren halten!

BuchBerlin 2026

Der Termin der BuchBerlin 2026 steht fest, sie wird am letzten Oktober-Wochenende an gewohnter Stelle stattfinden.
Näheres durch Klick auf die Abb.
Auf dieser Berliner Buchmesse werden über 300 unabhängige Verlage und Autoren aus ganz Deutschland ihre Bücher auf der vorstellen. Die Besucher können auf der Messe vor allem Bücher entdecken, die nicht in jeder Buchhandlung erhältlich sind. Bei der BUCHBERLIN stehen die Freude am Lesen und Schreiben, persönliche Kontakte und gute Gespräche im Mittelpunkt.

Auch der Berliner Bibliophilen Abend wird auf dieser Messe über seine Veranstaltungen und Publikationen informieren.


31. Oktober und 1. November 2026
ARENA Berlin
Eichenstraße 4, 12435 Berlin

Dienstag, 7. Juli 2026

Herbsttagung der Fränkischen Bibliophilengesellschaft

Die Herbsttagung der Fränkischen Bibliophilengesellschaft wird anlässlich des 450. Todestags von Hans Sachs stattfinden.
Hans Sachse war ein Schuh-
Macher, Poet dazu.

(Johann Wilhelm Jakob Bornemann)

Er wird als talentiertester und berühmtester der Meistersinger erachtet und ist wohl der einzige mit anhaltender Berühmtheit.
Im 17. Jahrhundert geriet Sachs weitgehend in Vergessenheit. Durch Grimmelshausen wird er zwar im Roman „Der abenteuerliche Simplicissimus“ mehrfache erwähnt aber erst durch Goethe, Wieland und vor allem durch Richard Wagner, der Hans Sachs in seiner Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ zu einer der Hauptfiguren machte, wurde er offiziell wieder entdeckt.
 
Herbsttagung: 18. - 20. September 2026

Nürnberg

Montag, 6. Juli 2026

Die Bibliothek des Gutenbergmuseums wird Veranstaltungsort

Die Meister der Einbandkunst und der Verein für die Schwarze Kunst laden herzlich zu einer besonderen Vernissage ein.
Die Eröffnung besteht aus zwei Teilen:
Im ersten Teil in direkter Nähe zur Ausstellung im Lesesaal der Gutenberg-Bibliothek werden nach einem Grußwort seitens des Gutenberg-Museums die Künstler das Projekt vorstellen.
Im zweiten Teil – im Kulturbiergarten im Hof des Mainzer Schlosses – zeigt das Improvisationstheater DIE AFFIRMATIVE in einer mitreißenden Show eine Interpretation des lyrischen Werks von Christian Morgenstern – neu, unerwartet und voller Überraschungen.

Mit der Ausstellung wird gleichzeitig die Bibliothek des Gutenberg-Museums als neuer Veranstaltungsort in Mainz für Kabinettausstellungen, Vorträge und Lesungen eingeführt.

Eröffnung: 8. Juli 2026, 18 Uhr 
Ausstellung: 9. Juli - 28. August 2026

Gutenberg-Bibliothek Mainz
Gutenberg-Carré, Ernst-Ludwig-Platz 2, 55116 Mainz

Sonntag, 5. Juli 2026

Zwischen Faden und Fläche

Vivian Fischer, Kommunikationsdesignerin aus dem Ruhrgebiet, stellt in Offenbach ihr Buch „Zwischen Faden und Fläche“ vor. Darin untersucht sie das Potenzial der Webtechnik als Inspirationsquelle und methodisches Werkzeug für den Gestaltungsprozess in der Druckgrafik am Beispiel der Risographie. Wie lässt sich das räumliche Gewebe über die Zeichnung hin zur risographischen Druckgrafik übertragen und welche neuen gestalterischen Ansätze und Ausdrucksformen entstehen durch diesen interdisziplinären Transfer?

Buchvorstellung: 17. Juli 2026, 18 Uhr

Klingspor Museum
Herrnstraße 80, 63065 Offenbach am Main

Samstag, 4. Juli 2026

Michael Eschmann, Zueignungen

die Vorzugsausgabe enthält eine Graphik (lks.) des Autors von Steffen Büchner
In der Lyrik-Edition NEUN des Verlags der 9 Reiche von Steffen Marciniak erscheint im August als Band 54 der Titel „Zueignungen“ des Pirckheimers Michael Eschmann, illustriert mit Linolschnitten von Steffen Büchner. Wie immer wird es eine Vorzugsausgaben im Pappband mit Originalgrafik geben.

31 Gedichte erzählen in poetischer Sprache vom Suchen und Finden – und manchmal auch vom Nichtfinden.
Manches bleibt offen. Wir schreiten nachdenklich voran. Was bleibt, sind Fragen und Staunen über ein Rätsel, das man Leben nennt.

Michael Eschmann - Zueignungen, Widmungsgedichte
Verlag der 9 Reiche, Berlin 2026
Mit Grafiken von Steffen Büchner
32 Seiten, Illustrierter Pappeinband
ISBN: 978-3-948999-54-4
Preis: 9 Euro plus Versand (bei Bestellung bis 16. August 2026 über das Antiquariat Michael Eschmann versandkostenfrei)

Antiquariat Michael Eschmann
Edith-Stein-Weg 2A
64521 Groß-Gerau

1 Kommentar(e):
04. Juli 2026: Michael Eschmann hat gesagt ...
Abel Doering ist seit Jahren bekannt für sein Engagement für die Bibliophilie. In seinem Blog "Informationen eines Pirckheimer" berichtet er täglich über Neuigkeiten aus der Buch- und Kulturszene. *** Heute bin ich dran mit meinem nächsten Lyrikband "Zueignungen" der von Steffen Marciniak in dessen Verlag & Antiquariat der 9 Reiche verlegt wird. Das Buch kostet 9,00 Euro plus Versand. Wer es bis zum 16. August 2026 bei mir direkt er Email bestellt, erhält es versandkostenfrei zugeschickt.
Email: antiquariat.eschmann@t-online.de

Albert Joseph Conlin, Der christliche Weltweise beweint die Torheit der Narrenwelt

Das Buch des Monats Juli der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft ist Albert Joseph Conlins siebenbändiges Werk "Der christliche Weltweise beweint die Torheit der Narrenwelt" (Band 1: 1706).

Abraham a Sancta Clara (1644–1709) hatte für den Buchhändler Daniel Walder in Augsburg ein Werk «Der christliche Weltweise beweint die Torheit der Narrenwelt» zu schreiben unternommen, wurde aber durch andere Arbeiten daran verhindert. Weil die Kupfer bereits fertig waren, ersuchte Walder den Weltgeistlichen Albert Joseph Conlin (1669–1753), das Werk mit Texten zu versehen, was dieser ‹abrahamisierend› in sieben Bänden unternahm. (So stellt das Karl Friedrich Flögel in seiner «Geschichte der Komischen Literatur» 1786 dar.)

Conlin steht also in der Tradition von Abrahams Buch «Wunderlicher Traum von einem großen Narren-Nest» (1703), wo bereits 12 Narren (aber ohne Bilder) beschrieben sind. Hier der Titel des ersten Bandes von Conlin, der mit einem Anagramm signiert:

Der Christliche Welt=Weise Beweinent Die Thorheit Der neu-entdeckten Narrn=Welt/ Welcher die in disem Buch befindliche Narrn zimblich durch die Hächel ziecht/ jedoch alles mit sittlicher Lehr und H. Schrifft untermischet. Worin über 200. lustig und lächerliche Begebenheiten/ deren sich nit allein die Herrn Pfarrer auf der Cantzel/ sondern auch ein jede Privat-Persohn/ bey ehrlichen Gesellschafften nutzlich bedienen können. Vorgestellt von Alberto Josepho Loncin von Gominn, Augspurg: Walder [1706].
Ich führ Process schon lange Jahr
Daß mir jetzt wachsen graue Haar.
Der Richter nimmt sein Deputat,
Das Recht verkehrt der Advocat,
Von oben ab bis an die Hol
Wann ich sie schmier, so fahr ich wol.
Es folgen dann: Ander Theil (1707); Der Dritte Theil (1708); Vierdter Teil (1708); 5. Theil (1709) — und dann: «Der Christliche Welt-Weise Beweinet die Thorheit derer in diesem Buch beschriebener Närrinnen» (1710 und 1711); insgesamt werden 100 Narren und 50 Närrinnen zwecks Besserung der Leserschaft verspottet. (In den beiden Bänden 1710/11 ist der richtige Namen Albert Joseph Conlin, Pfarrer zu Moning im Rieß auf dem Frontispiz angegeben.)
 
(Paul Michel, komplette Beschreibung hier)

Freitag, 3. Juli 2026

Bernd Rauschenbach (1952 – 2026)

Bernd Rauschenbach ist in der Nacht zum 2. Juli 2026 in Celle verstorben.
Unvergessen sind die zahlreichen Veranstaltungen zu Arno Schmidt, die Bernd Rauschenbach im Verlauf von etwa 20 Jahren in meiner Buchhandlung gemacht hat – alleine, aber auch mit Joachim Kersten: wunderbare Lesungen mit kenntnisreichen Erläuterungen. Meine Kundinnen und Kunden hat er in einer ganz besonderen Weise an Arno Schmidt herangeführt und begeisterte Schmidtleserinnen und Schmidtleser aus ihnen gemacht.
Im Mai 2022 hat er sein Lesebuch zu Zettel's Traum vorgestellt, für das ich mittlerweile unzählige Käuferinnen und Käufer gefunden habe - meist ganz junge Leute, die sich mit Rauschenbachs Hilfe an dieses Mammutwerk herantasten.
Zuletzt haben wir ihn im Februar 2024 in meiner Buchhandlung mit Texten erlebt, die er zusammen mit Jörg W. Gronius verfasst hat. Die beiden Katastrophendramatiker waren über 50 Jahre ein Duo. Sie trugen an dem Abend Texte aus der TRILOGIE DES SCHÖNEN LEBENS vor; es ist der Abschluss ihres Lebenswerkes zum Generationenpakt.
Zahlreiche ihrer Bücher - von beiden signiert - sind noch im Bestand meiner Buchhandlung. Ein Schatz!
Ich werde Bernd Rauschenbach nicht vergessen.

(Alfred Böttger)

1 Kommentar(e):
07. Juli 2026: Thomas Franke hat gesagt…
Rauschenbach war mir aus dem Schmidtvorlesetriumvirat, das er mit Joachim Kersten und JP Reemtsma bildete, stets der liebste. Neben seinen zahlreichen Aufsätzen habe ich vor allem das "Totengrundgespräch" zwischen Zappa und Schmidt in guter Erinnerung. Schade, dass er Schmidt nicht noch andere Popmusiker treffen ließ. Ich hätte da schon einige Ideen.

Offene Ateliers Maxvorstadt + Schwabing





Offene Ateliers
04./05. Juli 2026 Maxvorstadt + Schwabing

Über 80 Künstler*innen zeigen ihre Arbeiten im Atelier. Jeweils von 12 bis 19 Uhr können Besucherinnen und Besucher einen Einblick in die Münchener Kunstszene gewinnen und unterschiedliche künstlerische Positionen kennenlernen und direkt mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch kommen.
Von Malerei über Fotografie, Grafik, Schmuck, Glaskunst, Plastik und Skulptur bis hin zu Installation, Videokunst, Publikationen und Performance – die offenen Ateliers zeigen ein breites Spektrum und laden dazu ein, Neues zu entdecken.

Das AAP ist geöffnet:
Samstag 12-16 Uhr /
Sonntag 12-19 Uhr. 


zeigen die über 130 Ausgaben der so-VIELE.de Heftreihe:
Publikation von 82 Künstlern von 2009 bis heute.
Türkenstr. 60 UG

Donnerstag, 2. Juli 2026

Exlibris des Monats: Karel Demel für M. C.

Das Bild eines Saxophon-Spielers, nicht aber irgendeines Jazzmusikers. Das Exlibris verdient es, sich genauer damit zu beschäftigen, auch wenn nur wenige Details erkennbar sind. Ungefähr 15 Jahre dauerte seine Karriere. In dieser Zeit stellte er, zusammen mit einigen bedeutenden Musikern, die Jazzwelt auf den Kopf und legte den Grundstein für einen neuen Stil, mit Melodielinien, die noch heute als Maßstab für den Jazz-Nachwuchs gelten. Mit einer wilden, sprunghaften Musik veränderten sie die Musikszene in den USA radikal.
Erst mit etwa 17 Jahren zeigte der 1920 in Kansas City geborene Charlie Parker Interesse für das Altsaxophon. Er übte Tag und Nacht und schon bald spielte er professionell mit diversen Bands. Ab 1942 wirkte er an den legendären Jamsessions im Monroe’s und im Minton’s Playhouse in Harlem mit, wo er gemeinsam mit dem Trompeter Dizzy Gillespie (1917 – 1993) und Thelonious Monk (1917 – 1982) am Piano entscheidende Grundlagen für den Modern Jazz legte. Dabei spielte er, für damalige Verhältnisse, kühne Dissonanzen und rhythmische Verschiebungen. Auch in sehr schnellen Stücken vermochte er prägnant und stimmig mit hoher Intensität zu improvisieren. Harte Intervallsprünge und abgerissenen Melodiefetzen charakterisierten diese neue Musik, die lautmalerisch „Bebop“ genannt wurde – eine radikale Antwort auf den Swing der Big-Band-Ära, der musikalisch immer glatter wurde. Sperrig und unbequem klang diese Musik damals, ältere Musiker reagierten befremdet.

Auch der Prager Exlibriskünstler Karel Demel (1942 – 2024) hat sich viel mit Musik beschäftigt. Am Konservatorium in Prag studierte er Posaune, Tuba und Kontrabass, ehe er den Grafiker-Beruf erlernte. Wie vibrierend die Melodiebögen und Improvisationen Charlie Parkers auf seinem Altsaxofon wirkten, stellt er eindringlich in dieser Radierung für M. C. dar. Die Luftschwingungen scheinen sich zu erhitzen, ja zu flackern. Vergleichen wir es ruhig mit dem Phänomen einer Fatamorgana, die wir über dem heißen Wüstensand beobachten. Wie auf vielen Fotos ist er elegant mit Smoking oder Anzug und Krawatte dargestellt. 

(Heinz Neumaier, gesamter Artikrl hier)

Mittwoch, 1. Juli 2026

Bertolt Brecht, Tagebuch No. 10

Bibliophiles des Monats ist das Faksimile des Tagebuchs No. 10 von Bertolt Brecht, welches der damals 15jährige Schüler 1913 führte. 
Siegfried Unseld (1924 - 2002) gab dieses im Oktober 1989 in Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, jetzt mit Sitz in Berlin, heraus, brachte diese Handschrift mit einer Transkription und Anmerkungen von Günter Berg und Wolfgang Jeske (1951 - 2012) heraus, 2 Bd. im Schuber, Fester Einband, 116 Seiten, Auflage 1200 Expl., Einband von G. Lachmaier, Reutlingen.
»Ein Tagebuch des Fünfzehnjährigen, das minutiös Aufschluss gibt über mehr als ein halbes Jahr seines Lebens, vom 15. Mai bis zum 25. Dezember 1913, Aufschluss über Schreiben, Tun, Denken, und das gleichzeitig ein faszinierendes Dokument des Fünfzehnjährigen ist, Schriftsteller, Dichter werden zu wollen, werden zu müssen: »Ich muss immer dichten«
(Siegfried Unseld, Einführung)

Klaus Märtens (1937 - 2026)

Die Galeristen-Legende Klaus Märtens ist am 28. Juni, 89-jährig, im Seniorenhaus Johannes Rau in Moers gestorben.
Klaus Märtens (1937–2026) vor seinem unergründlichen Grafikschrank in seiner Wilmersdorfer Galerie Taube, © Archi Galentz
Klaus Märtens, der Kunst-Enthusiast mit seiner Galerie Taube und dem alljährlichen Dezembersalon, ist eine Legende. 1973 gründete der 1937 in Pommern geborene, nach der Flucht 1945 im niederrheinischen Viersen aufgewachsene Kunstpädagoge die Galerie Taube in der Pariser Straße, Wilmersdorf.

Märtens bekannte bei vielen Gelegenheiten, nach dem Mauerfall auch als aktives Mitglied in der nunmehr auch im Westen wirkenden Pirckheimer-Gesellschaft, wer sein Vorbild in Sachen Haltung zu Figur und Gegenständlichkeit war: „Karl Hofer ist mein Prophet!“
Bis zum 30-jährigen Galerie-Jubiläum hatte Märtens 189 durchnummerierte Ausstellungen auf die Beine gestellt und dabei darauf geachtet, dass er Bilder zeigte, die er „selber gerne gemalt hätte“. Da waren Namen wie die des jüdischen Stillleben-Malers Pavel Feinstein, des kauzigen Schweizers Rudolf Stüssi, des Bildhauers Robert Metzkes aus dem Berliner Osten und des Landschaftsradierers Walter Herzog aus Dresden dabei. Und selbstredend Urgesteine der Galerie wie der Stadtmaler Klaus Jurgeit, dessen Motive Lokalkolorit versprühen. Oder Edwin Dickmann, dessen 1960 entstandenes, dunkles Ölbild „Die Hinrichtung“ heute, in Zeiten von neuen Machtkämpfen und Kriegen wieder erschreckend aktuell wirkt.

Corona-Pandemie und Krankheit zwangen den Galeristen 2022, sein Lebens- und Herzensprojekt aufzugeben.

(Ingeborg Ruthe, Berliner Zeitung)