Montag, 5. Dezember 2022

Ein Buch aus der Werkstatt von John Gerard

Der 1955 in Michigan/USA geborene John Gerard lebt und arbeitet seit 1984 in Deutschland, zuerst in Berlin, seit 1992 in der Voreifel. Er schafft nicht nur eigene Bücher aus dem Zusammenguss verschiedenfarbiger Papierfasermassen, er sucht für seine absolut außergewöhnlichen Buchprojekte auch die Zusammenarbeit mit anderen bildenden Künstlern. In Aschaffenburg präsentierte er ein Buch, das ich bei meinem Atelierbesuch nicht gesehen hatte. 
Für dieses Projekt konnte Gerard eine der bekanntesten Scherenschnittkünstlerinnen Deutschlands gewinnen: Die viel zu früh gestorbene Marion Grimm Kirchner (1956 – 2019) hat von Gerard handgeschöpfte Büttenpapiere, die mit zarten Farbeinschöpfungen das Herbstlicht andeuten, so perforiert, dass man teilweise durch das ganzen Buch hindurchsehen kann. Der Kalligraph Rolf Lock hat das berühmte Herbstgedicht Rilkes („Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr ..“) in jedes Buch von Hand eingeschrieben. 20 x 36 cm, japanische Blockbuchbindung in mit Leinen bezogener Edelkassette mit Titelprägung, 2016 entstanden, im Impressum signiert und nummeriert.
Rainer Maria Rilke/ Marion Grimm Kirchner/ Rolf Lock/ John Gerard – Herbsttag, Fotos © Wolfgang Grätz
Im Moment arbeitet er an einem Großprojekt unter dem Titel „Orbit“, bei dem ellipsenförmige Büttencollagen aus handgeschöpften farbigen Papierfetzen entstehen. Eine größere Anzahl davon hat er gerade im Papiermuseum in Düren zu einer Rauminstallation arrangiert, und auch in unseren Räumen finden sich farbenfrohe Spiralnebel an den scheinbar unmöglichsten Stellen.
Daneben gibt es ein bislang 170 Bücher umfassendes buchkünstlerisches Werk von einer ungeheuren Vielfalt, einem Ideenreichtum und nie gesehener Ästhetik, größtenteils in eigener Gestaltung, z.T. in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. Man kann diese Bücher nicht beschreiben – weil sie sich oft allen bislang bekannten Kriterien entziehen. Gerard versucht auch beim Buch das Prinzip „Papier pur“ zu realisieren, d.h. seine Bücher sind oft nicht gebunden, sondern gesteckt oder gefaltet (werden aber mit schützender Leinenkassette geliefert). Auf die Spitze getrieben hat er das mit dem aus gutem Grund nur in einer Auflage von 5 Exemplaren existierenden Buch „Chaos“, das aus 10 ineinandergefalteten Bögen besteht, die sich gegenseitig halten und Buchbild und -struktur sind für ein ausgeklappt ca. 120 cm langes Leporello sind.

(Wolfgang Grätz)

Sonntag, 4. Dezember 2022

Widerdruckkalender: Früher war mehr Lametta

Thema des Widerdruckkalenders für 2023 vom Schwarzdrucker ist der 100. Geburtstag von Loriot. Es gibt wohl wenige Menschen in diesem Land, die Loriot nicht kennen. Weil er das weit verbreitete Vorurteil, die Deutschen hätten keinen Humor, in genialer Weise widerlegt hat. Die Deutschen können Humor haben - sogar einen sehr eigenen. Neben seinen Cartoons, Filmen, Fernsehsketchen, Trickfilmen hat er auch ein umfangreiches literarisches Werk hinterlassen. Und dabei auch etliche politische Themen bearbeitet, was leider mittlerweile etwas in Vergessenheit geraten ist. Aber natürlich in unserem Kalender eine nicht unerhebliche Rolle spielt.

Das wunderschöne Thema haben sehr vielfältig originell und original(typo)grafisch bearbeitet:
Oskar Bernhard
(Rehlensche Handpresse Nördlingen), Daniel Kunz (Basel), Birgit Reichert (Sonnenbergpresse Chemnitz), Annette Vogel (Vogelpresse, München), Werner Enke (Harrisfeldwegpresse, Schweinfurt), Jürgen Meyer Jurkowski (Hamburg), Julienne Jattiot (carpe plumbum, Leipzig), Roland R. Berger (Edition Linksrum, Hohen Neuendorf), Thomas Konietschke (Kaefertalpresse, Eppenhausen), Marc Berger (Edition Schwarzdruck, Gransee) und als neues Gesicht in diesem erlesenen Kreis Heike Schnotale aus Dresden.

Es wurden wie immer 100 Exemplare im Format von 58 x 21 cm gefertigt, von denen allerdings die meisten nicht in den Handel kommen. Solange der Vorrat reicht, können Verkaufsexemplare zu Preis von 80 Euro in unserem Shop geordert werden.
Und, da wir in Zeiten leben, in denen man nicht unbedingt Drucksachen kauft, haben wir die mittlerweile eigentlich auch beim Widerdruckkalender dringend mal nötige Preiserhöhung vorläufig verschoben …

(Marc Berger)

Nähere Infos und Bestellmöglichkeit hier.

Hamburger Bothe #13

Klick auf das Bild zum Anzeigen
Der „Hamburger Bothe“, wie wir unser Mitteilungsorgan für die norddeutschen Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft benannt haben und dafür im „Wandsbecker Bothen“ des Matthias Claudius ein anregendes Vorbild fanden, geht mit der Nr. 13 in den dritten Jahrgang und hat mittlerweile viele Leser über den ursprünglichen regionalen Bereich hinaus gefunden. Das freut die beiden Herausgeber [Rudolf Angeli, Peter Engel] sehr, und sie erhielten für ihre bisherige Arbeit auch eine Art Bestätigung von quasi offizieller Seite. Die Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek sammelt nämlich künftig die Ausgaben unseres Blattes und stellt auch die bisher erschienenen Nummern den interessierten Forschern zur Verfügung. 

Es gehört ja zu den gewohnten „Highlights“ jeder Nummer, dass wir darin unveröffentlichte literarische Texte durchweg bekannter Autoren vorstellen. Diesmal sind es drei Gedichte und Überlegungen zur Zeit von Mirko Bonné, die wir den Lesern zur Lektüre empfehlen.
Auch unsere Reihe, in der sich „Pirckheimer“ selbst vorstellen und ihre bibliophilen Interessen darlegen, setzen wir in dieser Ausgabe fort. Diesmal berichtet die russische Wissenschaftlerin
Maria Bogdanovich, die ihre Heimat verlassen musste, über ihr Engagement in Sachen Bibliophilie in ihrem Ursprungsland und jetzt auch in Deutschland.
Hinzuweisen ist ferner auf eine neue Rubrik, in der wir über bemerkenswerte Ereignisse im Bereich der Bibliotheken, der Kunstzeitschriften oder des Druckwesens informieren.

(Peter Engel)

Hamburger Bothe #13

Samstag, 3. Dezember 2022

Deutschen Jugendliteraturpreis für Hans Ticha

Hans Ticha, zu DDR-Zeiten Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, wurde 2022 mit dem „Deutschen Jugendliteraturpreis“ für sein Lebenswerk in der Kinder- und Jugendbuch-Illustration ausgezeichnet!
neu in der Büchergilde Gutenberg Gedichte,
mit 30 farbigen Bildern von Hans Ticha
„Ein Buchkünstler einzigartiger Klasse“ schreibt die Jury, und weiter: „Der mit 12.000 Euro dotierte Sonderpreis Gesamtwerk geht an den 1940 geborenen Illustrator Hans Ticha, dessen kinderliterarisches Schaffen seinen Höhepunkt in den 1970er und 1980er Jahren in der DDR hatte. Seine Bilderwelten bewegen sich klug ausbalanciert zwischen Poesie, Pop-Art und Persiflage ... 
Der Deutsche Jugendliteraturpreis ehrt einen einzigartigen Bilderbuchkünstler, dessen Bücher zwischen Eigensinn und politischer Geste einen erneuten Auftritt in allen Haushalten, Schulen und Kindergärten verdienen.“
Da gratulieren wir sehr gerne, und zwar auch der Jury, die ausdrücklich eine der DDR-Kultur zuzuordnende Leistung würdigt und damit anerkennt, dass, wer einen Teil seines Lebenswerkes unter den widrigen Bedingungen des DDR-Staates erbracht hat, nicht mit diesem in einen Kritik-Topf geworfen gehört. Möge sich die Kunst auch hier als Vorreiter gesellschaftlichen Wandels erweisen.

(Wolfgang Grätz)

Ein Gruß der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft


Endlich kommen wir alle ganz aus den COVID-Einschränkungen heraus und können unsere Aktivitäten wieder in vollem Umfang wahrnehmen. ...

Die nächste Jahrestagung findet am 13. und 14. Mai 2023 im Wallis statt. Jacques Berchtold ist mit den dortigen Akteuren im Kontakt und hat für uns ein tolles Programm zusammengestellt. ...

(Dr. Alex Rübel, Vorsitzender)


Freitag, 2. Dezember 2022

Internationale Kinderbuchausstellung

Extrem bunt wird es dieses Jahr zur Kinderbuch-Ausstellung im Klingspor Museum. Farben spielen für uns Menschen eine große Rolle. Wir ordnen sie den Gegenständen in unserem Leben zu, umgeben uns mit den Farben, die wir mögen und verbinden Gefühle und Stimmungen mit ihnen. Gleichzeitig sind Farbwahrnehmungen auch sehr individuell und können sich sogar kulturell unterscheiden. In diesem Jahr spürt die Ausstellung aktueller Kinderbücher den Farben hinterher und wir wagen das Experiment, die Bücher einfach mal farblich zu sortieren. Mal schauen, was uns das erzählt. Und auch ihr dürft an vielen Stellen in der Ausstellung etwas über eure Lieblingsfarben und eure Gedanken schreiben oder malen. Wir laden ein zum Schauen, Lesen und Entdecken!

Eröffnung: 17. Dezember 2022, 11 Uhr
Ausstellung: 17. Dezember 2022 - 26. Februar 2023

è Klingspor-Museum
Herrnstr. 80, 63065 Offenbach

Rückblick und Ausblick

Gestern Abend trafen sich einige Berlin-Brandenburger Pirckheimer ein letztes Mal in diesem Jahr, wie üblich um sich in der Büchergilde-Buchhandlung bei Johanna Binger über die interessantesten Neuerwerbungen des Jahres auszutauschen.
Obwohl diesmal krankheitsbedingt nur Wenige zusammenkamen ein interessanter Abend mit Informationen zu Kinderbüchern, seltenen Zeitschriften, eine historische Schrift zur Gesundheitsaufklärung, zu Conrad Felixmüller und ein Ausblick auf das Programm des kommenden Jahres, darunter auch ein erster Hinweis auf das nächste Jahrestreffen, das für Ende September in Gotha von Peter Arlt organisiert wird.

Donnerstag, 1. Dezember 2022

Bibliophiles des Monats: Geschichte vom verlorenen Spiegelbilde

E.T.A. Hoffmann-Jahres wird hier ein Objekt von Michael Bensman zu einer Erzählung des Jubilars vorgestellt, welches auch in der Vitrine mit einer Vorschau auf die Ausstellung im Kulturwerk Berlin zu Ehren des 200. Todestages des Autors, Juristen, Komponisten, Kapellmeisters, Musikkritikers, Zeichners und Karikaturisten zu sehen war.
Michael Bensman, E.T.A. Hoffmann - Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbilde, im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin
Michael Bensman, von dem u.a. hier bereits das Buchobjekt zu Hoffmanns "Nussknacker und Mäusekönig" vorgestellt wurde, schuf 2015 das Buchobjekt "Geschichte vom verlorenen Spiegelbilde". Mit diesem Kunstwerk wird das Ausgangsmedium Buch zur raumgreifenden Skulptur. Der Text ist auf ein Minimum reduziert, dafür versinnbildlichen schwarze Hände, die nach dem Spiegelbild greifen, die psychologischen Untertöne in Hoffmanns Erzählung.

Der heute in Berlin lebende Michael Bensman wurde 1957 in Moskau geboren. Er studierte von 1970 - 1974 an der Jugendabendschule für bildende Künste und diplomierte 1985 an der Hochschule für Architektur in Moskau. 1982 machte er ein Praktikum im Bauhaus in Weimar.
In den letzten 40 Jahren arbeitet Michael Bensman in die Richtung Recycling Art und Design, zahlreichen Ausstellungen, ART- Festivals und einigen Kunstprojekten befinden sich auf seinem Konto. Seit Anfang des neuen Jahrhunderts arbeitet Michael Bensman an den Künstlerbüchern, nimmt teil an den Buchmessen, Ausstellungen, Konferenzen so wie - TYPO Berlin, ist auch Preisträger von Kunst Wettbewerbs so wie „Secondo Salone LiberBook“, in Parma 2015.
2019 kuratierte er die Kunstausstellung "Angekommen" im Rahmen der Jüdischen Kulturtage Berlin.

Oskar Kokoschka für Lilly und Arthur Fürst

Exlibris von Oskar Kokoschka für Lilly und Arthur Fürst.

"[...] Das Exlibris zeigt zentral eine sitzende geflügelte Gestalt, die mit großer Innigkeit eine Taube in den Armen hält. Die Taube erwidert diese zärtliche Geste, indem sie mit ihrem Schnabel die Nase des ihr zugeneigten, liebevoll und heiter blickenden Kopfes berührt. Links davon sieht man eine zweite Taube mit einem Olivenzweig im Schnabel fliegen. Oben rechts erblickt man einen Himmelskörper, die Sonne. Ansonsten sind viele Schraffierungen zu sehen, seien sie in Form von Notenlinien oder als Markierungen eckiger, sogar spitzer Formen, von denen manche teilweise wie unbewusst angetrieben gezeichnet ausschauen. Über der Zeichnung sind die Namen der beiden Eigner LILLY und ARTHUR, darunter FÜRST verzeichnet, ganz unten – ebenfalls links, die kräftige Initiale OK sowie das EX und getrennt davon rechts das LIBRIS. Die kleine Szene ist in einen mit schnellem Strich gezeichneten Rah-men gesetzt, und unter dem Rahmen erfolgt eine erneute, doppelte Zuschreibung OK OKOKOSCHKA FECIT.
[...]
Was das vorliegende Exlibris [...] unfreiwillig besonders als Mahnung und Friedensgruß zu Weihnachten geeignet macht, ist die Tatsache, dass es auf ein Stück braunes Packpapier mit dem amtlichen Stempel Kriegszuschlag über seiner unteren rechten Ecke aufmontiert ist."

(Ulrike Ladnar, komplette Beschreibung auf der Seite der DEG)

Mittwoch, 30. November 2022

redfoxpress

Die redfoxpress aus Irland von Francis Van Maele konnte ein neues Projekt verwirklichen.
Es entstand ein erster Siebdruck für ein Konzertina-Buch (auch Ziehharmonika- oder Akkordeon-Buch) des Pirckheimers Hartmut Andryczuk.
Titel des Buches ist COVUKRAIN: Die Wissenschaft hat eine Methode gefunden, Coronaviren wie Tennisbälle aufzublasen und sie hinterher in der Ukraine zu bombardieren.
Bei den Konzertina-Büchern handelt es sich um eine Carte blanche an einen Künstler, um ein Thema seiner Wahl auf 20 Seiten im Format 10 x 16 cm zu entwickeln. Diese Konzertina-Bücher zwischen zwei Holzeinbänden erscheinen in einer Auflage zwischen 50 und 100 Exemplaren, sind nummeriert und signiert und kosten 85 Euro.

Dienstag, 29. November 2022

Ein Katalog der Besten

Bevor der Bibliophile zu den preisgekrönten Buchtiteln vorstößt, wird er zunächst das »Objekt Katalog« erkunden. Und hier zeigt sich einmal mehr, was Print, diesmal die Agentur Pixelgarten (Frankfurt), zu leisten vermag: Verschiedene Leseebenen, haptische Interaktion mit dem Leser, intuitive Gewichtung von Informationen … welche Website könnte da schon mithalten? Eine graue Klappenbroschur, die ein grafisches Muster preisgibt, die sich durchaus mit Elementen der Buchgestaltung assoziieren lassen, wird von einem gelben Gummiband umschlungen. Dieses fixiert wiederum eine ungebundene Broschüre, die die handschriftlichen Kommentare der diesjährigen Juroren (ohne Namensnennung) zum jeweiligen Titel offenlegt. So ist diese Dokumentation in diesem Jahr auch äußerst aufschlussreich – kann man an doch nachlesen, an welchen Punkten ganz genau hingesehen wird.
© pixelgarten
Schon sind wir das erste Mal »hängengeblieben«, obwohl das eigentliche Vergnügen noch auf uns wartet: Mit gelben, schmalen Halbleinen gebunden (farblich perfekt abgestimmt zu einem Innenseitenteil) folgen auf über 280 fadengebundenen Seiten zunächst sehr atmosphärische Fotografien der Siegertitel. Diese Art der Inszenierung – wenn das Buch »Keimzelle« auf einer Malerleiter Platz nimmt oder »Against and for Method« vor Dosentomaten posiert – zeigt, wo Bücher hingehören: ins Leben! Mit viel typografischem Fingerspitzengefühl setzte Pixelgarten ebenso die Informationen der einzelnen Titel und präsentiert in einem stringenten und doch dynamischen Layout weitere Innenseiten.
Auf gelben Seiten können schließlich sowohl die Shortlist als auch die Informationen zu den Juror*innen, Veranstaltungstermine der Stiftung sowie der Jurybericht nachgelesen werden.

Die Liebe zum Detail drückt sich bei »Die Schönsten Deutschen Bücher« (ISBN 978-3-9822108-0, 20 Euro) auch in der Papierwahl aus: Zum Einsatz kamen vier verschiedene Qualitäten aus dem SELECTION-Sortiment der IGEPA. Gedruckt wurde bei der Druckerei Karl Grammlich, die Buchbindung oblag der Josef Spinner Großbuchbinderei.

(Bettina Schulz, selection.blog)

Adventskarten von zeitgenössischen Künstlern


Марина Колдобская,
Комета. Из жизни снеговиков.
29х21,5 см, бумага, акрил

In einer Gruppenausstellung zeigen zeitgenössische Künstler Adventskarten. An der Ausstellung nehmen teil AES+F, Alexander Povzner, Aljescha Blau, Andrei Hmiliar, Danja AkulinDima Že, Felix Scheinberger, Frantz Rotvalt, Iliya Chichkan, Julia Katan, Kanta Kimura, Liudmila Siewersli, Maria Koldobskaya (Abb.), Mascha Nauvova, Masha Shubina, Natascha Schwarz, Pavel Zeldovich, Philipp Grigorian, Tanja Sklyar und inferno_girlando.

Vernissage: 2. Dezember 2022, 18 Uhr
Ausstellung: 2. Dezember 2022 - 2. Januar 2023

Glaserei Galery
Ginn City & Longe
Möckernstr, 49, 10936 Berlin

Montag, 28. November 2022

Dark Academia

Dark Academia ist ein in den sozialen Medien entstandener ästhetischer Stil, der seine Inspiration aus einer romantischen Betrachtung des klassischen Mode- und Einrichtungsbilds englischer Eliteuniversitäten bezieht. Der Trend fand im Zuge der COVID-19-Pandemie erstmals weite Aufmerksamkeit.
Bayerische Staatsbibliothek, Ort des Jahrestreffens 2016 der Pirckheimer-Gesellschaft 
"Wenn ich mir einen Sehnsuchtsort vorstelle, dann sehe ich alte Universitätsgebäude vor mir, Tweed und Regale voller viktorianischer Bücher und historischer Stehrümchen im Kerzenlicht. Diese Atmosphäre hat einen Namen: Dark Academia. In den sozialen Medien haben sich ganze Subkulturen gebildet, die sich dieser und anderen sogenannten Aesthetics widmen.
Literatur ist ein großer Bestandteil von Dark Academia. E.M Forster, alles von Byron, griechische Tragödien sowieso, Mary Shelley, vielleicht auch Ginsberg und Langston Hughes. Und weil Aesthetics vor allem visuell funktionieren, sind ansprechende Ausgaben natürlich beliebt. Sammeln wird zum Lifestyle. Die neuen Penguin Clothbound Classics zum Beispiel sind besonders populär. Doch eigentlich sind es alte Bibliotheken und verwinkelte Antiquariate, die der Traum von Dark-Academia-Fans sind.
So gibt es einiges an Fanart und Fanfiction über das fiktive Londoner Antiquariat von Aziraphale, dem büchersammelnden Engel aus
Neil Gaimans und Terry Pratchetts Roman Good Omens. Und – der Twitteraccount des Antiquariats Sotheran’s interagiert regelmäßig mit einem Fanaccount, der als das fiktive Antiquariat schreibt. Vom Autor der Sotheran-Tweets, Oliver Darkshire, erschien übrigens vor kurzem ein Buch über sein Leben als Antiquar (Once Upon A Tome: The Misadventures of a Rare Bookseller).
Es gibt ein großes Problem in der schönen Welt der Dark Academia: Mit Oxford um 1910 als einer Inspiration birgt die Gefahr eines problematischen Eurozentrismus und eines unangenehmen Elitismus. Ja, es geht nur um das Aussehen, nicht um die Werte, aber historisch ist das eine nicht ohne das andere denkbar. Ich finde, wer den Traum von Dark Academia lebt, muss deshalb lautstark offen und inklusiv sein. Von außen sieht man sonst nämlich ziemlich verstaubt aus.
"

(Elisabeth Wittkowski, VDA 23.11.2022)

DruckKunst im Kupferstichkabinett

Am 2. Dezember 2022 trifft sich der vom Pirckheimer Nikolaus Topic-Matutin, sowie von Elisabeth Topic-Matutin und Christoph H. Wecht gegründete Verein zur Förderung und Verbreitung der bildenden Künste DruckKunst im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste.
Die Künstlerin Anna Artaker hat in ihrem Projekt „The pencil of nature“, ausgehend von den Mitte des 19. Jahrhunderts in der Österreichischen Staatsdruckerei entwickelten und verfeinerten technischen Verfahren, das „Selbstbildnis“ des Objekts als zeitgenössischen konzeptuellen Ansatz neu definiert und verwirklicht. Die Teilnehmer lernen nicht nur ihre Drucke, sondern auch das Verfahren kennen und können die Druckstöcke besichtigen.
Anna Artaker, Drei Eichenblätter, Naturselbstdruck 2017 (Detail), Ausschnitt Naturselbstdruckplatte drei Eichenblätter, 2017
Am 5. Dezember 2022 ist die DruckKunst zu Gast bei Mag. Matthias Svojtka, in der Fachbereichsbibliothek Botanik der Universität Wien.
Die Fachbereichsbibliothek Botanik besitzt Kupferdruckplatten aus dem Projekt von Constantin von Ettingshausen/Alois PokornyPhysiotypia Plantarum Austriacarum. Die Gefässpflanzen Österreichs in Naturselbstdruck“. Im Gespräch mit Mag. Svojtka lernen die Teilnehmer so die historisch- technischen Grundlagen der Arbeiten von Anna Artaker kennen.

2. Dezember 2022, 15 Uhr

Akademie der bildenden Künste
Schillerplatz 3, 1010 Wien

5. Dezember2022, 15 Uhr

Fachbereichsbibliothek Botanik der Universität Wien
Rennweg 14, 1030 Wien

Sonntag, 27. November 2022

Advent in der Staatsbibliothek zu Berlin

In diesem Jahr findet der Besucher der Staatsbibliothek zu Berlin im Internet nicht den gewohnten Weihnachtskalender mit einem bis zur Weihnachtszeit täglich zu öffnenden Türchen, sondern ein Adventskalender mit einem "Türchen" für jeden Adventssonntag.

Verschneiter Brunnenhof. © SBB-PK / Bearbeitung mit Canva Original Stickers

Das erste ist heute durch Klick auf die Abbildung zu öffnen und zeigt informative Rundgänge durch die beiden Häuser Unter den Linden und Potsdamer Straße, sowie Hinweise zum kostenlosen Bibliotheksausweis.

Hommage an die Grafik

Im November 1972 fand in der Alten Handelsbörse am Leipziger Naschmarkt die erste Leipziger Grafikbörse statt. Zum 50jährigen Bestehen der LGB erscheint im November 2022 die Sonderedition »Hommage an die Grafik«. Diese Festgabe vereint in einer Auflage von 100 Exemplaren sechs grafische Techniken in einem von Katja Zwirnmann handgebundenen Buch.
Radierung von Sighard Gille, Lithografie von Gudrun Petersdorff, Linolschnitt von Harald Alff, Holzschnitt von Christine Ebersbach, Siebdruck von Petra Natascha Mehler, Lichtdruck von Katrin Kunert.
Begleitet werden die Grafiken von literarischen Miniaturen des Schriftstellers Manfred Jendryschik.

Der Band kann hier zum Preis von 250 € erworben werden.

Samstag, 26. November 2022

Graphische Kunst 2/2022

Heute wurde das letzte Heft der Graphischen Kunst aus der Hand von Jürgen Schweitzer ausgeliefert.

Titelgraphik: Hanfried Wendland, "Bertolt
Brecht, Die Ausnahme und die Regel.
Lehrstück", Farbholzschnitt 2016
Musste ich jedoch noch zum Erscheinen des vorigen Heftes anmerken: "Mit dem Heft 2/2022 wird die Zeitschrift eingestellt", kann jetzt Entwarnung gegeben werden. Die Herausgabe der Graphischen Kunst wird nach Erlöschen der Edition Curt Visel vom Maximilian Dietrich Verlag fortgeführt.

Dieses letzte Heft der Edition Curt Visel enthält eine Besprechung des Pirckheimers und Sammlers von Brecht-Graphik Volkmar Häußler der drei Künstlerbücher zu diesem Autor von Hanfried Wendland, ebenfalls Pirckheimer, sowie von Eva Masthoff zu Safiya Piskun, vom Pirckheimer Hanif Lehmann über Christine Ebersbach.
Unter dem Titel "Die Währung der Kunst" schreibt Jochen Stücke unter Bezugnahme auf die Graphik-Edition am Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein in Krefeld über ein neues Phänomen auf dem Kunstmarkt, den NFTs (Non-Fungible-Tokens).
Den Ausgaben A und B liegen Graphiken der in diesem Artikel besprochenen Künstler bei, Die Ausgabe B enthält Linolschnitte von Jessica Bayerlein, Annika Strehlau und Jana Zeitz, die Ausgabe A enthält zusätzlich den Farblinolschnitt "Küchenutensilien" von Klaus Eberlein und die Radierung "Landschaft" von Hanif Lehmann.

Hans Magnus Enzensberger ( 1929 - 2022)

Vorgestern verstarb Hans Magnus Enzensberger, einer der Großen, hervorgegangen aus den 68gern, zuvor geschult als Hörfunkautor bei Alfred Andersch.
Grund genug, wieder einmal das Kursbuch in die Hand zu nehmen, in der untenstehenden Abbildung in der handlichen, gut gemachten Dünndruckausgabe bei Zweitausendundeins.
Foto © ad
Für Bibliophile besonders interessant, Die Andere Bibliothek, die Enzensberger von 1985 bis 2007 zusammen mit Franz Greno herausgab.
1998 hatte ich, ein "Ossie", wie er mich und meine Mitbürger bereits 1987 vorausahnend nannte, die Ehre, für den Carl Hansa Verlag eine Rezension zu seinem Buch "Wo warst du, Robert" zu schreiben, dieses Rezensionsexemplar hat noch heute einen Ehrenplatz in meiner Bibliothek.

Ein freier Geist, ein großer Literat, ein kluger Analyst des Politischen. Ich werde ihn, seine Texte und seine Stellungnahmen vermissen.

Freitag, 25. November 2022

Nord–Süd–Verbindung

Heute eröffnete im Rahmen des Themenjahres Humanum in der Brotfabrik Galerie die Ausstellung Nord-Süd-Verbindung.

Der nüchterne Titel der Ausstellung täuscht: Betritt man die Räume an einem grauen Novembertag, dann knallt es den Besuchern in farbstarken Seherlebnissen entgegen: Wald und Seelandschaften zu allen Jahres- und Tageszeiten von Volker Scharnefsky in Zwiesprache mit lebensgroßen Skulpturen von Clemens Heinl. Hier trifft Berliner Lokaltradition auf fränkische Bildhauerschule. Beide Künstler verbindet nicht nur eine überregionale Künstlerfreundschaft, sondern auch der Modus Operandi: Scharnefskys kraftvoller schrundiger Farbauftrag ist bisweilen so haptisch, dass er plastisch wirkt und Heinls grob gehauene lebensgroße Figuren aus Pappelholz (oder kleiner und wundervoll mit Bronze kombiniert) werden erst durch die polychrom gefassten Teile in ihrer Dreidimensionalität betont. Im oberen Geschoss sind auch Lithografien von Volker zu sehen.

Ausstellung: 25. November 2022 - 15. Januar 2023

Brotfabrik
Caligariplatz 1, 13086 Berlin

Schenkung an die Staatsbibliothek zu Berlin

Die Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin konnte die rund 8.000 Bilder und Porträts von Komponisten, Musikern und szenischen Darstellungen in ihrem Bestand um 470 Porträts bereichern, einer Schenkung aus der Privatsammlung des Herrn Ministerialrats a.D. Helmut von Dreising.
Präsentation von 27 ausgewählten Objekten am 4. November 2022 im Fontane-Saal, Foto: Staatsbibliothek
Die Porträts zeigen Bildnisse von Komponisten, Musikern, Sängern und Instrumentenbauern, überwiegend des 18. und 19. Jahrhunderts, die nicht nur im Kontext der Berliner Musikgeschichte stehen. Oftmals erreicht die Staatsbibliothek Anfragen von Benutzern, die für geplante wissenschaftliche Publikationen auf der Suche nach geeigneten Bildmaterialien sind. Von besonderem Wert sind einige unikale Lithographien mit handschriftlichen Eintragungen. Bemerkenswert sind einige Abbildungen, die weniger bekannte Komponisten und Künstler zeigen, wie u.a. den Lautenisten und Komponisten Jean Baptiste Besard (1567-1625), die Komponisten Henry Montan Berton (1767-1844) und Johann Friedrich Schwencke (1792-1852). Die Porträt-Sammlung ist eine hervorragende Ergänzung der Porträt-Sammlung in der Musikabteilung. Außer Lithographien, die den größten Anteil der Porträts ausmachen, liegen weitere Drucktechniken, wie Radierungen, Stahl- und Holzstiche vor.