Sonntag, 12. Juli 2026

Treffen der Kiewer Bibliophilen

Am Sonnabend fand die letzte Sitzung des Kiewer Bibliophilen-Klubs vor den Sommerferien statt.
Man sprach über ukrainische bibliophile Veröffentlichungen (Ю. Воронцов), aus Anlass seines 150jährigem Geburtstag über das Werk des herausragenden amerikanischen Schriftstellers Jack London (Юрій Симоненко) und über weitere besondere bibliophile Entdeckungen (Олег Войтович).

(Наталия Василишина)

Jan Tschichold, Erfreuliche Drucksachen ...

Was Typographie genannt wird, ist nichts anderes als die Entscheidung für oder gegen eine Schriftauswahl, die Textformatierung oder eine individuelle Schriftzurichtung. Das betrifft beispielsweise Kapitälchen oder Mediävalziffern. Keine Sorge, liebe Leser, solche Fach begriffe können Sie nach der Lektüre korrekt einsetzen und das Gelernte praktisch anwenden. Eine für alle gut verdauliche Lektüre über die Gestaltung von Texten.
Jan Tschichold (Johannes Tzschichhold) wurde am 2. April 1902 in Leipzig geboren. Er war Schriftgestalter, Lehrer und Autor viel beachteter Fachbücher, darunter „Die neue Typographie. Ein Handbuch für zeitgemäß Schaffende“. 1926 wurde Tschichold von Paul Renner – dem Schöpfer der Futura – an die Münchener Meisterschule für Typographie berufen. Tschichold arbeitete später für den Baseler Birkhäuser Verlag als Buchhersteller und ging 1947 für zwei Jahre nach England, wo er unter anderem bei Penguin Books entscheidend mitwirkte. 1966 schuf er die Schrift Sabon, eine Renaissance-Antiqua im Stil der Garamond, die sich durch ihr klares Schriftbild mit einer relativ hohen Mittellänge auszeichnet. Er starb am 11. August 1974 in Locarno, Schweiz.
(Ralf Plenz)

Band 38 „Perlen der Literatur“
Input Verlag 2026, Originalausgabe von 1960
128 Seiten, geb., Leinen, 12,6 x 21,1 cm
Lizenzausgabe © 1971 Ravensburger Verlag GmbH, Ravensburg, Germany
ISBN: 978-3-941905-73-3, 24 €

Samstag, 11. Juli 2026

Erich Mühsam-Ehrung in Oranienburg

>Knapp 100 Freunde, darunter die Erich Mühsam-Gesellschaft, der Rat der Stadt Oranienburg, der Gedenkstätte des KZ Sachsenhausen und andere, es war auch die Friedrich Wolf-Gesellschaft und der BBA auf dieser Ehrung präsent, ehrten Erich Mühsam, der am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg ermordet wurde, heute auf einer Gedenkdemo mit einer Kranzniederlegung und einem Kulturprogramm.
Mühsam-Ehrung, Oranienburg, 11. Juli 2026, unten rechts: Paul Geigerzähler
Die Redner wurden musikalisch begleitet von Paul Geigerzähler, der einige Texte von Erich Mühsam für die Geige vertonte, darunter auch der „Der Revoluzzer“, ein Gedicht, welches das Theater v. Tallercito anschließend als Theaterstück aufführte.
Fotos ansehen durch Klick auf die Abb.

Vielseitige Buchpatienten im Domherrenhaus

Die Ausstellung "Vielseitige Buchpatienten" im Domherrenhaus zeigt neben den Ergebnissen auch den Prozess der aufwendigen Restaurierung. FOCKE STRANGMANN
Der Weser Kurier berichtet unter der Überschrift „Was sich aus restaurierten Büchern lesen lässt“ über eine Sonderausstellung "Vielseitige Buchpatienten" im Domherrenhaus in Verden, in welcher aktuell restaurierte Bände aus der Bibliothek des Domgymnasiums zu sehen sind.

In dieser Sonderausstellung zeigt das Historische Museum Domherrenhaus zusammen mit dem Kreisarchiv und dem Domgymnasium Verden besondere Exponate aus der rund 25.000 Bände umfassenden Historischen Bibliothek des Domgymnasiums, in der sich verschiedenste Atlanten, Landkarten, Handschriften und frühe Drucke aus ganz Europa befinden.
Seit 2022 konnten bisher 14 von rund 1700 beschädigten Titeln dieser Sammlung aus den Jahren 1550 bis 1836 aufwändig restauriert werden.

In der Meldung weist Museumsleiterin Frauke Müller darauf hin, dass eine Rezension des Begleitbands vom Hallenser Michael Spyra zur Ausstellung erschien, der „die verborgenen Geschichten enthüllt“, was, wie sie betont, auch von der Pirckheimer-Gesellschaft gewürdigt wurde. Malte Oehl schreibt über dieses Buch im Weser KurierDer Begleitband erzählt davon: Was lässt sich aus Büchern alles lesen? Nicht nur die Buchstaben, die in ihnen stehen. Wer sich Buchrücken, Einbände und beschädigte Seiten genauer anschaut, bringt mitunter Unerwartetes ans Tageslicht.“

13. Mai - 23. August 2026

Historisches Museum Domherrenhaus
Untere Straße 13, 27283 Verden (Aller)

Freitag, 10. Juli 2026

Verdienstorden des Freistaats Thüringen für Prof. Dr. Peter Arlt

Foto © Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin
Seit vielen Jahrzehnten prägt Prof. Dr. Peter Arlt das kulturelle Leben Thüringens auf besondere Weise – als Kunstwissenschaftler, Publizist, Hochschullehrer, Schriftsteller und engagierter Begleiter zahlreicher Künstler. Schon während seines Studiums engagierte er sich in literarischen Zirkeln und Autorenvereinigungen und entwickelte jene wissenschaftliche und künstlerische Neugier, die sein weiteres Wirken prägen sollte. Auch später brachte er sich in bedeutende Künstler-, Wissenschafts- und Kulturvereinigungen ein und wurde zu einer festen und hochgeschätzten Persönlichkeit der Thüringer Kunst- und Kulturlandschaft.

Seine wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen zur Kunstgeschichte und Kunsttheorie haben weit über Thüringen hinaus Beachtung gefunden. Insbesondere seine Veröffentlichungen zur bildenden Kunst der DDR und zur Methodik der Kunstwissenschaft in der DDR haben Generationen von Schülern und Studierenden geprägt und einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Kunstentwicklung in Ostdeutschland geleistet. Dabei zeichnete ihn stets eines besonders aus: die Fähigkeit, immer einen offenen Horizont innerhalb der Kunst- und Kulturpolitik zu bewahren.

Professor Arlt blieb Thüringen stets eng verbunden. Besondere Verdienste erwarb er sich auch als Hochschullehrer an der Universität Erfurt. Viele seiner Studierenden erinnern sich an einen Professor, der Wissen nicht nur vermittelte, sondern Begeisterung weckte. Der Kunst nicht als Gegenstand verstand, sondern als Einladung zum Nachdenken, zum Entdecken und zum Gespräch. Darüber hinaus hat er als Kurator, Autor zahlreicher Ausstellungskataloge und Monografien sowie als Lyriker und Schriftsteller künstlerische Lebenswege dokumentiert und kulturelle Zeugnisse für kommende Generationen bewahrt.

Mit seinem publizistischen, wissenschaftlichen und kulturellen Lebenswerk hat sich Professor Arlt in herausragender Weise um Kunst und Kultur in Thüringen verdient gemacht.
Für diese außergewöhnlichen Verdienste verleihe ich Prof. Dr. Peter Arlt den Verdienstorden des Freistaats Thüringen.

(Laudatio Mario Voigt, Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen)

Buchpatenschaft anlässlich der 250-Jahrfeier der USA

Doyle, Thomas: Five years in a lottery office; or an exposition of the lottery system in the United States. Boston, 1841.“ ist eine kleine Buchpatenschaft zum Thema Lotterie als Einnahmequelle, Gefährdung der Sitten und Betrugsmöglichkeit.
Lotterien dienten lange nicht der Unterhaltung allein, sondern wurden häufig zur Finanzierung öffentlicher Projekte eingesetzt – etwa für Straßen, Brücken, Schulen, Universitäten (z. B. Harvard, Yale) und sogar zur Unterstützung der Unabhängigkeitsbewegung. Viele frühe US-Staaten nutzten Lotterien als wichtige Einnahmequelle.
In den 1830er Jahren wuchs die Ablehnung der Lotterien in der Öffentlichkeit. Die Menschen hatten nicht nur Einwände gegen die vermeintlich schädlichen Auswirkungen der Lotterien auf die Sitten, sondern auch gegen deren sehr reale wirtschaftliche Folgen: Während man früher nur ein- oder zweimal im Jahr einen Lottoschein kaufen konnte, war es nun möglich, täglich an mehreren verschiedenen Lotterien teilzunehmen. Da viele Lotterien jedoch manipuliert waren, wurden die versprochenen hohen Gewinne selten ausgezahlt. Anfang der 1840er Jahre hatten die meisten Bundesstaaten den öffentlichen Lotterien ein Ende gesetzt, doch private Lotterien wurden das ganze Jahrhundert über weiter betrieben.
„Five Years in a Lottery Office“ ist eine seltene Enthüllungsgeschichte, die die inneren Abläufe von Lotteriesystemen bis hin zu den geringen Gewinnchancen und den Gewinnspannen der Veranstalter detailliert beschreibt. Auf gerade mal vierzig, eng bedruckten Seiten wird von der Geschichte der Lotterie über die verschiedenen Formen der Lotterien das Thema ausführlich und eindringlich warnend dargestellt. Leider ist über diesen Autor nicht mehr bekannt.

Donnerstag, 9. Juli 2026

Umsatzrückgang im Buchhandel

Die Buchbranche in der BRD hat das Jahr 2025 mit einem Umsatzminus von durchschnittlich 5 % abgeschlossen. Dieser Umsatzrückgang setzte sich im 1. Halbjahr 2026 in gleichem Maße fort. Die Titelproduktion der Verlage sinkt ebenfalls kontinuierlich, von 69.180 Titel 2020 auf 52.611 Titel 2025, allein im Jahr 2025 sank die Zahl der Neuerscheinungen um 9,9 %. 
Laut Börsenverein spielen dabei vor allem sinkende Lesekompetenz, Bürokratie und die gesamtwirtschaftliche Lage eine Rolle. Gleichzeitig heißt es jedoch: „Stabil zeigte sich die Belle­tristik mit einem Umsatzplus von 1,2 Prozent. Ausreißer nach oben waren die Genres Young Adult und New Adult, die einen Aufschwung erlebten. Der Umsatz mit Young-Adult-Titeln erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 4,8 Prozent, mit New-Adult-Titeln wurden sogar 9,6 Prozent mehr eingenommen. Die Zahl der Käufer kletterte hier ebenfalls nach oben – um 8,8 Prozent im Vergleich zu 2024 und um 47,5 Prozent seit 2021.“ Und inwiefern "überbordende bürokratische Anforderungen, die Ressourcen in den Unternehmen binden“ einen Umsatzrückgang im Buchhandel bedeuteten, bleibt unbeantwortet, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins sieht als Grund für den Kaufschwund „Verbraucherunsicherheit“ und führt eine „schwache Konjunktur“ ins Feld, statt die Rezession beim Namen zu nennen.

Auch der Buchmarkt Österreichs verzeichnet einen Rückgang des Umsatzes in der ersten Jahreshälfte, dort ging der Absatz um ebenfalls ca. 5 % zurück. Unserem Nachbarn bemühten allerdings neben der gesamtwirtschaftlichen Lage keinen weiteren Grund, eine Einschätzung, die anhand der vorliegenden Zahlen plausibler und ehrlicher erscheint.

25. Internationaler Bucheinbandwettbewerb

Zum Abschluss des 25. Internationalen Bucheinbandwettbewerbs für Auszubildende 2026 zeigt eine Ausstellung in Köln alle Bücher, die für den Wettbewerb eingereicht wurden.
Ausgelobt wurde dieser internationale Lehrlings-Wettbewerb vom Bund Deutscher Buchbinder e.V. (BDBI) in Zusammenarbeit mit der Stiftung zur Förderung des Bucheinbandes in der Schweiz (SFB) und der Bundesinnung der Kunsthandwerke die Berufsgruppe der Buchbinder, Kartonagenwaren- und Etuierzeuger Österreichs. Teilnahmeberechtigt waren alle Auszubildenden, die in einem Ausbildungsverhältnis in der Schweiz, Deutschland und Österreich oder in anderen Staaten, die den Ausbildungsverordnungen der ausschreibenden Länder entsprechen, stehen.

Im Rahmen der Buchherstellung ist es die Aufgabe von Buchbindern, das Buch in seine letztendliche äußere Form zu bringen, d.h. den Einband zu fertigen. Entsprechend bekamen die Teilnehmenden an dem Wettbewerb die Rohbögen jeweils gleichen Buches. Die Ausführung der Bindung wurde hinsichtlich Gestaltung, Technik und Materialwahl freigestellt. Es wurde jedoch empfohlen, einfache, aber gekonnte Einbände herzustellen.

Ausstellungseröffnung: 24. Juli 2026, 19 Uhr
Ausstellung: 25. Juli - 6. September 2026

Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln
Heinrich-Böll-Platz/Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln

Mittwoch, 8. Juli 2026

Michael Duske (1941 - 2026)

Michael Duske, langjährig Mitglied der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft, des Berliner Bibliophilen Abend und der Pirckheimer-Gesellschaft ist, wie jetzt bekannt wurde, Anfangs des Monats gestorben.
Michael Duske 2016, Foto Ralf Parkner
Ich lernte Michael Duske Ende der 90ger Jahre auf einer Antiquariatsmesse im Berliner Museum für Deutsche Geschichte kennen, wir teilten uns einen Stand. Bereits damals trat er schon als Person hinter seinem Werk als Herausgeber zurück und er vermied seitdem immer stärker die Öffentlichkeit.
Vor einem viertel Jahr, er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seine Vergangenheit hinter sich gelassen, Mitgliedschaften in bibliophilen Vereinigungen beendet und alle Kontakte zu seinen Freunden abgebrochen, stellte ich die Problikation seines von 1995 bis 2010 bestehenden Verlags „Serapion vom See“, der in Berlin ausschließlich Titel von E.T.A. Hoffmann verlegte, anhand einer beispielhaft ausgewählten Mappe als „Bibliophiles des Monats“ vor.

Die Nachricht von seinem Tod hat mich schwer berührt - die Erinnerung an Michael Duske wird durch die von ihm herausgegebenen bibliophilen Titel bleiben.

(Abel Doering)

1 Kommentar(e):
09. Juli 2026: Stephan Klenner-Otto hat gesagt ...
Ich bin Michael für all das was er mir ermöglicht hat mehr als dankbar! Ich werde ihn immer in Ehren halten!

BuchBerlin 2026

Der Termin der BuchBerlin 2026 steht fest, sie wird am letzten Oktober-Wochenende an gewohnter Stelle stattfinden.
Näheres durch Klick auf die Abb.
Auf dieser Berliner Buchmesse werden über 300 unabhängige Verlage und Autoren aus ganz Deutschland ihre Bücher auf der vorstellen. Die Besucher können auf der Messe vor allem Bücher entdecken, die nicht in jeder Buchhandlung erhältlich sind. Bei der BUCHBERLIN stehen die Freude am Lesen und Schreiben, persönliche Kontakte und gute Gespräche im Mittelpunkt.

Auch der Berliner Bibliophilen Abend wird auf dieser Messe über seine Veranstaltungen und Publikationen informieren.


31. Oktober und 1. November 2026
ARENA Berlin
Eichenstraße 4, 12435 Berlin

Dienstag, 7. Juli 2026

Herbsttagung der Fränkischen Bibliophilengesellschaft

Die Herbsttagung der Fränkischen Bibliophilengesellschaft wird anlässlich des 450. Todestags von Hans Sachs stattfinden.
Hans Sachse war ein Schuh-
Macher, Poet dazu.

(Johann Wilhelm Jakob Bornemann)

Er wird als talentiertester und berühmtester der Meistersinger erachtet und ist wohl der einzige mit anhaltender Berühmtheit.
Im 17. Jahrhundert geriet Sachs weitgehend in Vergessenheit. Durch Grimmelshausen wird er zwar im Roman „Der abenteuerliche Simplicissimus“ mehrfache erwähnt aber erst durch Goethe, Wieland und vor allem durch Richard Wagner, der Hans Sachs in seiner Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ zu einer der Hauptfiguren machte, wurde er offiziell wieder entdeckt.
 
Herbsttagung: 18. - 20. September 2026

Nürnberg

Montag, 6. Juli 2026

Die Bibliothek des Gutenbergmuseums wird Veranstaltungsort

Die Meister der Einbandkunst und der Verein für die Schwarze Kunst laden herzlich zu einer besonderen Vernissage ein.
Die Eröffnung besteht aus zwei Teilen:
Im ersten Teil in direkter Nähe zur Ausstellung im Lesesaal der Gutenberg-Bibliothek werden nach einem Grußwort seitens des Gutenberg-Museums die Künstler das Projekt vorstellen.
Im zweiten Teil – im Kulturbiergarten im Hof des Mainzer Schlosses – zeigt das Improvisationstheater DIE AFFIRMATIVE in einer mitreißenden Show eine Interpretation des lyrischen Werks von Christian Morgenstern – neu, unerwartet und voller Überraschungen.

Mit der Ausstellung wird gleichzeitig die Bibliothek des Gutenberg-Museums als neuer Veranstaltungsort in Mainz für Kabinettausstellungen, Vorträge und Lesungen eingeführt.

Eröffnung: 8. Juli 2026, 18 Uhr 
Ausstellung: 9. Juli - 28. August 2026

Gutenberg-Bibliothek Mainz
Gutenberg-Carré, Ernst-Ludwig-Platz 2, 55116 Mainz

Sonntag, 5. Juli 2026

Zwischen Faden und Fläche

Vivian Fischer, Kommunikationsdesignerin aus dem Ruhrgebiet, stellt in Offenbach ihr Buch „Zwischen Faden und Fläche“ vor. Darin untersucht sie das Potenzial der Webtechnik als Inspirationsquelle und methodisches Werkzeug für den Gestaltungsprozess in der Druckgrafik am Beispiel der Risographie. Wie lässt sich das räumliche Gewebe über die Zeichnung hin zur risographischen Druckgrafik übertragen und welche neuen gestalterischen Ansätze und Ausdrucksformen entstehen durch diesen interdisziplinären Transfer?

Buchvorstellung: 17. Juli 2026, 18 Uhr

Klingspor Museum
Herrnstraße 80, 63065 Offenbach am Main

Samstag, 4. Juli 2026

Michael Eschmann, Zueignungen

die Vorzugsausgabe enthält eine Graphik (lks.) des Autors von Steffen Büchner
In der Lyrik-Edition NEUN des Verlags der 9 Reiche von Steffen Marciniak erscheint im August als Band 54 der Titel „Zueignungen“ des Pirckheimers Michael Eschmann, illustriert mit Linolschnitten von Steffen Büchner. Wie immer wird es eine Vorzugsausgaben im Pappband mit Originalgrafik geben.

31 Gedichte erzählen in poetischer Sprache vom Suchen und Finden – und manchmal auch vom Nichtfinden.
Manches bleibt offen. Wir schreiten nachdenklich voran. Was bleibt, sind Fragen und Staunen über ein Rätsel, das man Leben nennt.

Michael Eschmann - Zueignungen, Widmungsgedichte
Verlag der 9 Reiche, Berlin 2026
Mit Grafiken von Steffen Büchner
32 Seiten, Illustrierter Pappeinband
ISBN: 978-3-948999-54-4
Preis: 9 Euro plus Versand (bei Bestellung bis 16. August 2026 über das Antiquariat Michael Eschmann versandkostenfrei)

Antiquariat Michael Eschmann
Edith-Stein-Weg 2A
64521 Groß-Gerau

1 Kommentar(e):
04. Juli 2026: Michael Eschmann hat gesagt ...
Abel Doering ist seit Jahren bekannt für sein Engagement für die Bibliophilie. In seinem Blog "Informationen eines Pirckheimer" berichtet er täglich über Neuigkeiten aus der Buch- und Kulturszene. *** Heute bin ich dran mit meinem nächsten Lyrikband "Zueignungen" der von Steffen Marciniak in dessen Verlag & Antiquariat der 9 Reiche verlegt wird. Das Buch kostet 9,00 Euro plus Versand. Wer es bis zum 16. August 2026 bei mir direkt er Email bestellt, erhält es versandkostenfrei zugeschickt.
Email: antiquariat.eschmann@t-online.de

Albert Joseph Conlin, Der christliche Weltweise beweint die Torheit der Narrenwelt

Das Buch des Monats Juli der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft ist Albert Joseph Conlins siebenbändiges Werk "Der christliche Weltweise beweint die Torheit der Narrenwelt" (Band 1: 1706).

Abraham a Sancta Clara (1644–1709) hatte für den Buchhändler Daniel Walder in Augsburg ein Werk «Der christliche Weltweise beweint die Torheit der Narrenwelt» zu schreiben unternommen, wurde aber durch andere Arbeiten daran verhindert. Weil die Kupfer bereits fertig waren, ersuchte Walder den Weltgeistlichen Albert Joseph Conlin (1669–1753), das Werk mit Texten zu versehen, was dieser ‹abrahamisierend› in sieben Bänden unternahm. (So stellt das Karl Friedrich Flögel in seiner «Geschichte der Komischen Literatur» 1786 dar.)

Conlin steht also in der Tradition von Abrahams Buch «Wunderlicher Traum von einem großen Narren-Nest» (1703), wo bereits 12 Narren (aber ohne Bilder) beschrieben sind. Hier der Titel des ersten Bandes von Conlin, der mit einem Anagramm signiert:

Der Christliche Welt=Weise Beweinent Die Thorheit Der neu-entdeckten Narrn=Welt/ Welcher die in disem Buch befindliche Narrn zimblich durch die Hächel ziecht/ jedoch alles mit sittlicher Lehr und H. Schrifft untermischet. Worin über 200. lustig und lächerliche Begebenheiten/ deren sich nit allein die Herrn Pfarrer auf der Cantzel/ sondern auch ein jede Privat-Persohn/ bey ehrlichen Gesellschafften nutzlich bedienen können. Vorgestellt von Alberto Josepho Loncin von Gominn, Augspurg: Walder [1706].
Ich führ Process schon lange Jahr
Daß mir jetzt wachsen graue Haar.
Der Richter nimmt sein Deputat,
Das Recht verkehrt der Advocat,
Von oben ab bis an die Hol
Wann ich sie schmier, so fahr ich wol.
Es folgen dann: Ander Theil (1707); Der Dritte Theil (1708); Vierdter Teil (1708); 5. Theil (1709) — und dann: «Der Christliche Welt-Weise Beweinet die Thorheit derer in diesem Buch beschriebener Närrinnen» (1710 und 1711); insgesamt werden 100 Narren und 50 Närrinnen zwecks Besserung der Leserschaft verspottet. (In den beiden Bänden 1710/11 ist der richtige Namen Albert Joseph Conlin, Pfarrer zu Moning im Rieß auf dem Frontispiz angegeben.)
 
(Paul Michel, komplette Beschreibung hier)

Freitag, 3. Juli 2026

Bernd Rauschenbach (1952 – 2026)

Bernd Rauschenbach ist in der Nacht zum 2. Juli 2026 in Celle verstorben.
Unvergessen sind die zahlreichen Veranstaltungen zu Arno Schmidt, die Bernd Rauschenbach im Verlauf von etwa 20 Jahren in meiner Buchhandlung gemacht hat – alleine, aber auch mit Joachim Kersten: wunderbare Lesungen mit kenntnisreichen Erläuterungen. Meine Kundinnen und Kunden hat er in einer ganz besonderen Weise an Arno Schmidt herangeführt und begeisterte Schmidtleserinnen und Schmidtleser aus ihnen gemacht.
Im Mai 2022 hat er sein Lesebuch zu Zettel's Traum vorgestellt, für das ich mittlerweile unzählige Käuferinnen und Käufer gefunden habe - meist ganz junge Leute, die sich mit Rauschenbachs Hilfe an dieses Mammutwerk herantasten.
Zuletzt haben wir ihn im Februar 2024 in meiner Buchhandlung mit Texten erlebt, die er zusammen mit Jörg W. Gronius verfasst hat. Die beiden Katastrophendramatiker waren über 50 Jahre ein Duo. Sie trugen an dem Abend Texte aus der TRILOGIE DES SCHÖNEN LEBENS vor; es ist der Abschluss ihres Lebenswerkes zum Generationenpakt.
Zahlreiche ihrer Bücher - von beiden signiert - sind noch im Bestand meiner Buchhandlung. Ein Schatz!
Ich werde Bernd Rauschenbach nicht vergessen.

(Alfred Böttger)

1 Kommentar(e):
07. Juli 2026: Thomas Franke hat gesagt…
Rauschenbach war mir aus dem Schmidtvorlesetriumvirat, das er mit Joachim Kersten und JP Reemtsma bildete, stets der liebste. Neben seinen zahlreichen Aufsätzen habe ich vor allem das "Totengrundgespräch" zwischen Zappa und Schmidt in guter Erinnerung. Schade, dass er Schmidt nicht noch andere Popmusiker treffen ließ. Ich hätte da schon einige Ideen.

Offene Ateliers Maxvorstadt + Schwabing





Offene Ateliers
04./05. Juli 2026 Maxvorstadt + Schwabing

Über 80 Künstler*innen zeigen ihre Arbeiten im Atelier. Jeweils von 12 bis 19 Uhr können Besucherinnen und Besucher einen Einblick in die Münchener Kunstszene gewinnen und unterschiedliche künstlerische Positionen kennenlernen und direkt mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch kommen.
Von Malerei über Fotografie, Grafik, Schmuck, Glaskunst, Plastik und Skulptur bis hin zu Installation, Videokunst, Publikationen und Performance – die offenen Ateliers zeigen ein breites Spektrum und laden dazu ein, Neues zu entdecken.

Das AAP ist geöffnet:
Samstag 12-16 Uhr /
Sonntag 12-19 Uhr. 


zeigen die über 130 Ausgaben der so-VIELE.de Heftreihe:
Publikation von 82 Künstlern von 2009 bis heute.
Türkenstr. 60 UG

Donnerstag, 2. Juli 2026

Exlibris des Monats: Karel Demel für M. C.

Das Bild eines Saxophon-Spielers, nicht aber irgendeines Jazzmusikers. Das Exlibris verdient es, sich genauer damit zu beschäftigen, auch wenn nur wenige Details erkennbar sind. Ungefähr 15 Jahre dauerte seine Karriere. In dieser Zeit stellte er, zusammen mit einigen bedeutenden Musikern, die Jazzwelt auf den Kopf und legte den Grundstein für einen neuen Stil, mit Melodielinien, die noch heute als Maßstab für den Jazz-Nachwuchs gelten. Mit einer wilden, sprunghaften Musik veränderten sie die Musikszene in den USA radikal.
Erst mit etwa 17 Jahren zeigte der 1920 in Kansas City geborene Charlie Parker Interesse für das Altsaxophon. Er übte Tag und Nacht und schon bald spielte er professionell mit diversen Bands. Ab 1942 wirkte er an den legendären Jamsessions im Monroe’s und im Minton’s Playhouse in Harlem mit, wo er gemeinsam mit dem Trompeter Dizzy Gillespie (1917 – 1993) und Thelonious Monk (1917 – 1982) am Piano entscheidende Grundlagen für den Modern Jazz legte. Dabei spielte er, für damalige Verhältnisse, kühne Dissonanzen und rhythmische Verschiebungen. Auch in sehr schnellen Stücken vermochte er prägnant und stimmig mit hoher Intensität zu improvisieren. Harte Intervallsprünge und abgerissenen Melodiefetzen charakterisierten diese neue Musik, die lautmalerisch „Bebop“ genannt wurde – eine radikale Antwort auf den Swing der Big-Band-Ära, der musikalisch immer glatter wurde. Sperrig und unbequem klang diese Musik damals, ältere Musiker reagierten befremdet.

Auch der Prager Exlibriskünstler Karel Demel (1942 – 2024) hat sich viel mit Musik beschäftigt. Am Konservatorium in Prag studierte er Posaune, Tuba und Kontrabass, ehe er den Grafiker-Beruf erlernte. Wie vibrierend die Melodiebögen und Improvisationen Charlie Parkers auf seinem Altsaxofon wirkten, stellt er eindringlich in dieser Radierung für M. C. dar. Die Luftschwingungen scheinen sich zu erhitzen, ja zu flackern. Vergleichen wir es ruhig mit dem Phänomen einer Fatamorgana, die wir über dem heißen Wüstensand beobachten. Wie auf vielen Fotos ist er elegant mit Smoking oder Anzug und Krawatte dargestellt. 

(Heinz Neumaier, gesamter Artikrl hier)

Mittwoch, 1. Juli 2026

Bertolt Brecht, Tagebuch No. 10

Bibliophiles des Monats ist das Faksimile des Tagebuchs No. 10 von Bertolt Brecht, welches der damals 15jährige Schüler 1913 führte. 
Siegfried Unseld (1924 - 2002) gab dieses im Oktober 1989 in Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, jetzt mit Sitz in Berlin, heraus, brachte diese Handschrift mit einer Transkription und Anmerkungen von Günter Berg und Wolfgang Jeske (1951 - 2012) heraus, 2 Bd. im Schuber, Fester Einband, 116 Seiten, Auflage 1200 Expl., Einband von G. Lachmaier, Reutlingen.
»Ein Tagebuch des Fünfzehnjährigen, das minutiös Aufschluss gibt über mehr als ein halbes Jahr seines Lebens, vom 15. Mai bis zum 25. Dezember 1913, Aufschluss über Schreiben, Tun, Denken, und das gleichzeitig ein faszinierendes Dokument des Fünfzehnjährigen ist, Schriftsteller, Dichter werden zu wollen, werden zu müssen: »Ich muss immer dichten«
(Siegfried Unseld, Einführung)

Klaus Märtens (1937 - 2026)

Die Galeristen-Legende Klaus Märtens ist am 28. Juni, 89-jährig, im Seniorenhaus Johannes Rau in Moers gestorben.
Klaus Märtens (1937–2026) vor seinem unergründlichen Grafikschrank in seiner Wilmersdorfer Galerie Taube, © Archi Galentz
Klaus Märtens, der Kunst-Enthusiast mit seiner Galerie Taube und dem alljährlichen Dezembersalon, ist eine Legende. 1973 gründete der 1937 in Pommern geborene, nach der Flucht 1945 im niederrheinischen Viersen aufgewachsene Kunstpädagoge die Galerie Taube in der Pariser Straße, Wilmersdorf.

Märtens bekannte bei vielen Gelegenheiten, nach dem Mauerfall auch als aktives Mitglied in der nunmehr auch im Westen wirkenden Pirckheimer-Gesellschaft, wer sein Vorbild in Sachen Haltung zu Figur und Gegenständlichkeit war: „Karl Hofer ist mein Prophet!“
Bis zum 30-jährigen Galerie-Jubiläum hatte Märtens 189 durchnummerierte Ausstellungen auf die Beine gestellt und dabei darauf geachtet, dass er Bilder zeigte, die er „selber gerne gemalt hätte“. Da waren Namen wie die des jüdischen Stillleben-Malers Pavel Feinstein, des kauzigen Schweizers Rudolf Stüssi, des Bildhauers Robert Metzkes aus dem Berliner Osten und des Landschaftsradierers Walter Herzog aus Dresden dabei. Und selbstredend Urgesteine der Galerie wie der Stadtmaler Klaus Jurgeit, dessen Motive Lokalkolorit versprühen. Oder Edwin Dickmann, dessen 1960 entstandenes, dunkles Ölbild „Die Hinrichtung“ heute, in Zeiten von neuen Machtkämpfen und Kriegen wieder erschreckend aktuell wirkt.

Corona-Pandemie und Krankheit zwangen den Galeristen 2022, sein Lebens- und Herzensprojekt aufzugeben.

(Ingeborg Ruthe, Berliner Zeitung)