Dienstag, 29. November 2022

Ein Katalog der Besten

Bevor der Bibliophile zu den preisgekrönten Buchtiteln vorstößt, wird er zunächst das »Objekt Katalog« erkunden. Und hier zeigt sich einmal mehr, was Print, diesmal die Agentur Pixelgarten (Frankfurt), zu leisten vermag: Verschiedene Leseebenen, haptische Interaktion mit dem Leser, intuitive Gewichtung von Informationen … welche Website könnte da schon mithalten? Eine graue Klappenbroschur, die ein grafisches Muster preisgibt, die sich durchaus mit Elementen der Buchgestaltung assoziieren lassen, wird von einem gelben Gummiband umschlungen. Dieses fixiert wiederum eine ungebundene Broschüre, die die handschriftlichen Kommentare der diesjährigen Juroren (ohne Namensnennung) zum jeweiligen Titel offenlegt. So ist diese Dokumentation in diesem Jahr auch äußerst aufschlussreich – kann man an doch nachlesen, an welchen Punkten ganz genau hingesehen wird.
© pixelgarten
Schon sind wir das erste Mal »hängengeblieben«, obwohl das eigentliche Vergnügen noch auf uns wartet: Mit gelben, schmalen Halbleinen gebunden (farblich perfekt abgestimmt zu einem Innenseitenteil) folgen auf über 280 fadengebundenen Seiten zunächst sehr atmosphärische Fotografien der Siegertitel. Diese Art der Inszenierung – wenn das Buch »Keimzelle« auf einer Malerleiter Platz nimmt oder »Against and for Method« vor Dosentomaten posiert – zeigt, wo Bücher hingehören: ins Leben! Mit viel typografischem Fingerspitzengefühl setzte Pixelgarten ebenso die Informationen der einzelnen Titel und präsentiert in einem stringenten und doch dynamischen Layout weitere Innenseiten.
Auf gelben Seiten können schließlich sowohl die Shortlist als auch die Informationen zu den Juror*innen, Veranstaltungstermine der Stiftung sowie der Jurybericht nachgelesen werden.

Die Liebe zum Detail drückt sich bei »Die Schönsten Deutschen Bücher« (ISBN 978-3-9822108-0, 20 Euro) auch in der Papierwahl aus: Zum Einsatz kamen vier verschiedene Qualitäten aus dem SELECTION-Sortiment der IGEPA. Gedruckt wurde bei der Druckerei Karl Grammlich, die Buchbindung oblag der Josef Spinner Großbuchbinderei.

(Bettina Schulz)

Adventskarten von zeitgenössischen Künstlern


Марина Колдобская,
Комета. Из жизни снеговиков.
29х21,5 см, бумага, акрил
In einer Gruppenausstellung zeigen zeitgenössische Künstler Adventskarten. An der Ausstellung nehmen teil AES+F, Alexander Povzner, Aljescha Blau, Andrei Hmiliar, Danja AkulinDima Že, Felix Scheinberger, Frantz Rotvalt, Iliya Chichkan, Julia Katan, Kanta Kimura, Liudmila Siewersli, Maria Koldobskaya, Mascha Nauvova, Masha Shubina, Natascha Schwarz, Pavel Zeldovich, Philipp Grigorian, Tanja Sklyar und inferno_girlando.

Vernissage: 2. Dezember 2022, 18 Uhr
Ausstellung: 2. Dezember 2022 - 2. Januar 2023

Glaserei Galery
Ginn City & Longe
Möckernstr, 49, 10936 Berlin

Montag, 28. November 2022

Dark Academia

Dark Academia ist ein in den sozialen Medien entstandener ästhetischer Stil, der seine Inspiration aus einer romantischen Betrachtung des klassischen Mode- und Einrichtungsbilds englischer Eliteuniversitäten bezieht. Der Trend im Zuge der COVID-19-Pandemie erstmals weite Aufmerksamkeit.
Bayerische Staatsbibliothek, Ort des Jahrestreffens 2016 der Pirckheimer-Gesellschaft 
"Wenn ich mir einen Sehnsuchtsort vorstelle, dann sehe ich alte Universitätsgebäude vor mir, Tweed und Regale voller viktorianischer Bücher und historischer Stehrümchen im Kerzenlicht. Diese Atmosphäre hat einen Namen: Dark Academia. In den sozialen Medien haben sich ganze Subkulturen gebildet, die sich dieser und anderen sogenannten Aesthetics widmen.
Literatur ist ein großer Bestandteil von Dark Academia. E.M Forster, alles von Byron, griechische Tragödien sowieso, Mary Shelley, vielleicht auch Ginsberg und Langston Hughes. Und weil Aesthetics vor allem visuell funktionieren, sind ansprechende Ausgaben natürlich beliebt. Sammeln wird zum Lifestyle. Die neuen Penguin Clothbound Classics zum Beispiel sind besonders populär. Doch eigentlich sind es alte Bibliotheken und verwinkelte Antiquariate, die der Traum von Dark-Academia-Fans sind.
So gibt es einiges an Fanart und Fanfiction über das fiktive Londoner Antiquariat von Aziraphale, dem büchersammelnden Engel aus
Neil Gaimans und Terry Pratchetts Roman Good Omens. Und – der Twitteraccount des Antiquariats Sotheran’s interagiert regelmäßig mit einem Fanaccount, der als das fiktive Antiquariat schreibt. Vom Autor der Sotheran-Tweets, Oliver Darkshire, erschien übrigens vor kurzem ein Buch über sein Leben als Antiquar (Once Upon A Tome: The Misadventures of a Rare Bookseller).
Es gibt ein großes Problem in der schönen Welt der Dark Academia: Mit Oxford um 1910 als einer Inspiration birgt die Gefahr eines problematischen Eurozentrismus und eines unangenehmen Elitismus. Ja, es geht nur um das Aussehen, nicht um die Werte, aber historisch ist das eine nicht ohne das andere denkbar. Ich finde, wer den Traum von Dark Academia lebt, muss deshalb lautstark offen und inklusiv sein. Von außen sieht man sonst nämlich ziemlich verstaubt aus.
"

(Elisabeth Wittkowski, VDA 23.11.2022)

DruckKunst im Kupferstichkabinett

Am 2. Dezember 2022 trifft sich der vom Pirckheimer Nikolaus Topic-Matutin, sowie von Elisabeth Topic-Matutin und Christoph H. Wecht gegründete Verein zur Förderung und Verbreitung der bildenden Künste DruckKunst im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste.
Die Künstlerin Anna Artaker hat in ihrem Projekt „The pencil of nature“, ausgehend von den Mitte des 19. Jahrhunderts in der Österreichischen Staatsdruckerei entwickelten und verfeinerten technischen Verfahren, das „Selbstbildnis“ des Objekts als zeitgenössischen konzeptuellen Ansatz neu definiert und verwirklicht. Die Teilnehmer lernen nicht nur ihre Drucke, sondern auch das Verfahren kennen und können die Druckstöcke besichtigen.
Anna Artaker, Drei Eichenblätter, Naturselbstdruck 2017 (Detail), Ausschnitt Naturselbstdruckplatte drei Eichenblätter, 2017
Am 5. Dezember 2022 ist die DruckKunst zu Gast bei Mag. Matthias Svojtka, in der Fachbereichsbibliothek Botanik der Universität Wien.
Die Fachbereichsbibliothek Botanik besitzt Kupferdruckplatten aus dem Projekt von Constantin von Ettingshausen/Alois PokornyPhysiotypia Plantarum Austriacarum. Die Gefässpflanzen Österreichs in Naturselbstdruck“. Im Gespräch mit Mag. Svojtka lernen die Teilnehmer so die historisch- technischen Grundlagen der Arbeiten von Anna Artaker kennen.

2. Dezember 2022, 15 Uhr

Akademie der bildenden Künste
Schillerplatz 3, 1010 Wien

5. Dezember2022, 15 Uhr

Fachbereichsbibliothek Botanik der Universität Wien
Rennweg 14, 1030 Wien

Sonntag, 27. November 2022

Advent in der Staatsbibliothek zu Berlin

In diesem Jahr findet der Besucher der Staatsbibliothek zu Berlin im Internet nicht den gewohnten Weihnachtskalender mit einem bis zur Weihnachtszeit täglich zu öffnenden Türchen, sondern ein Adventskalender mit einem "Türchen" für jeden Adventssonntag.

Verschneiter Brunnenhof. © SBB-PK / Bearbeitung mit Canva Original Stickers

Das erste ist heute durch Klick auf die Abbildung zu öffnen und zeigt informative Rundgänge durch die beiden Häuser Unter den Linden und Potsdamer Straße, sowie Hinweise zum kostenlosen Bibliotheksausweis.

Hommage an die Grafik

Im November 1972 fand in der Alten Handelsbörse am Leipziger Naschmarkt die erste Leipziger Grafikbörse statt. Zum 50jährigen Bestehen der LGB erscheint im November 2022 die Sonderedition »Hommage an die Grafik«. Diese Festgabe vereint in einer Auflage von 100 Exemplaren sechs grafische Techniken in einem von Katja Zwirnmann handgebundenen Buch.
Radierung von Sighard Gille, Lithografie von Gudrun Petersdorff, Linolschnitt von Harald Alff, Holzschnitt von Christine Ebersbach, Siebdruck von Petra Natascha Mehler, Lichtdruck von Katrin Kunert.
Begleitet werden die Grafiken von literarischen Miniaturen des Schriftstellers Manfred Jendryschik.

Der Band kann hier zum Preis von 250 € erworben werden.

Samstag, 26. November 2022

Graphische Kunst 2/2022

Heute wurde das letzte Heft der Graphischen Kunst aus der Hand von Jürgen Schweitzer ausgeliefert.

Titelgraphik: Hanfried Wendland, "Bertolt
Brecht, Die Ausnahme und die Regel.
Lehrstück", Farbholzschnitt 2016
Musste ich jedoch noch zum Erscheinen des vorigen Heftes anmerken: "Mit dem Heft 2/2022 wird die Zeitschrift eingestellt", kann jetzt Entwarnung gegeben werden. Die Herausgabe der Graphischen Kunst wird nach Erlöschen der Edition Curt Visel vom Maximilian Dietrich Verlag fortgeführt.

Dieses letzte Heft der Edition Curt Visel enthält eine Besprechung des Pirckheimers und Sammlers von Brecht-Graphik Volkmar Häußler der drei Künstlerbücher zu diesem Autor von Hanfried Wendland, ebenfalls Pirckheimer, sowie von Eva Masthoff zu Safiya Piskun, vom Pirckheimer Hanif Lehmann über Christine Ebersbach.
Unter dem Titel "Die Währung der Kunst" schreibt Jochen Stücke unter Bezugnahme auf die Graphik-Edition am Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein in Krefeld über ein neues Phänomen auf dem Kunstmarkt, den NFTs (Non-Fungible-Tokens).
Den Ausgaben A und B liegen Graphiken der in diesem Artikel besprochenen Künstler bei, Die Ausgabe B enthält Linolschnitte von Jessica Bayerlein, Annika Strehlau und Jana Zeitz, die Ausgabe A enthält zusätzlich den Farblinolschnitt "Küchenutensilien" von Klaus Eberlein und die Radierung "Landschaft" von Hanif Lehmann.

Hans Magnus Enzensberger ( 1929 - 2022)

Vorgestern verstarb Hans Magnus Enzensberger, einer der Großen, hervorgegangen aus den 68gern, zuvor geschult als Hörfunkautor bei Alfred Andersch.
Grund genug, wieder einmal das Kursbuch in die Hand zu nehmen, in der untenstehenden Abbildung in der handlichen, gut gemachten Dünndruckausgabe bei Zweitausendundeins.
Foto © ad
Für Bibliophile besonders interessant, Die Andere Bibliothek, die Enzensberger von 1985 bis 2007 zusammen mit Franz Greno herausgab.
1998 hatte ich, ein "Ossie", wie er mich und meine Mitbürger bereits 1987 vorausahnend nannte, die Ehre, für den Carl Hansa Verlag eine Rezension zu seinem Buch "Wo warst du, Robert" zu schreiben, dieses Rezensionsexemplar hat noch heute einen Ehrenplatz in meiner Bibliothek.

Ein freier Geist, ein großer Literat, ein kluger Analyst des Politischen. Ich werde ihn, seine Texte und seine Stellungnahmen vermissen.

Freitag, 25. November 2022

Nord–Süd–Verbindung

Heute eröffnete im Rahmen des Themenjahres Humanum in der Brotfabrik Galerie die Ausstellung Nord-Süd-Verbindung.

Der nüchterne Titel der Ausstellung täuscht: Betritt man die Räume an einem grauen Novembertag, dann knallt es den Besuchern in farbstarken Seherlebnissen entgegen: Wald und Seelandschaften zu allen Jahres- und Tageszeiten von Volker Scharnefsky in Zwiesprache mit lebensgroßen Skulpturen von Clemens Heinl. Hier trifft Berliner Lokaltradition auf fränkische Bildhauerschule. Beide Künstler verbindet nicht nur eine überregionale Künstlerfreundschaft, sondern auch der Modus Operandi: Scharnefskys kraftvoller schrundiger Farbauftrag ist bisweilen so haptisch, dass er plastisch wirkt und Heinls grob gehauene lebensgroße Figuren aus Pappelholz (oder kleiner und wundervoll mit Bronze kombiniert) werden erst durch die polychrom gefassten Teile in ihrer Dreidimensionalität betont. Im oberen Geschoss sind auch Lithografien von Volker zu sehen.

Ausstellung: 25. November 2022 - 15. Januar 2023

Brotfabrik
Caligariplatz 1, 13086 Berlin

Schenkung an die Staatsbibliothek zu Berlin

Die Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin konnte die rund 8.000 Bilder und Porträts von Komponisten, Musikern und szenischen Darstellungen in ihrem Bestand um 470 Porträts bereichern, einer Schenkung aus der Privatsammlung des Herrn Ministerialrats a.D. Helmut von Dreising.
Präsentation von 27 ausgewählten Objekten am 4. November 2022 im Fontane-Saal, Foto: Staatsbibliothek
Die Porträts zeigen Bildnisse von Komponisten, Musikern, Sängern und Instrumentenbauern, überwiegend des 18. und 19. Jahrhunderts, die nicht nur im Kontext der Berliner Musikgeschichte stehen. Oftmals erreicht die Staatsbibliothek Anfragen von Benutzern, die für geplante wissenschaftliche Publikationen auf der Suche nach geeigneten Bildmaterialien sind. Von besonderem Wert sind einige unikale Lithographien mit handschriftlichen Eintragungen. Bemerkenswert sind einige Abbildungen, die weniger bekannte Komponisten und Künstler zeigen, wie u.a. den Lautenisten und Komponisten Jean Baptiste Besard (1567-1625), die Komponisten Henry Montan Berton (1767-1844) und Johann Friedrich Schwencke (1792-1852). Die Porträt-Sammlung ist eine hervorragende Ergänzung der Porträt-Sammlung in der Musikabteilung. Außer Lithographien, die den größten Anteil der Porträts ausmachen, liegen weitere Drucktechniken, wie Radierungen, Stahl- und Holzstiche vor.

Donnerstag, 24. November 2022

Typographische Colaboration

So langsam legt sich die Kälte über´s Land aber unsere Freude am Drucken und Büchermachen nimmt nicht ab. Glücklich können wir verkünden, dass wir gemeinsam mit elf weiteren Handpressen einen großformatigen Kalender im Bleisatz für das Jahr 2023 hergestellt haben. Jede Handpresse hat sich grafisch einem Buchstaben des Alphabets gewidmet. Natürlich ist er in unserem Webshop zu erwerben und das ideale Weihnachtsgeschenk. Der Kalender ist auf 100 Exemplare limitiert. Bei uns können noch acht Exemplare erworben werden. 

In unserem Shop finden sich weitere schöne bibliophile Drucksachen, von Postkarten bis zu unseren Bleisatzblättern zu Heinrich Heine, Wenzel, und Theodor Fontane. Alles im traditionellen Bleisatz und Buchdruck und mit Sicherheit schöne Weihnachtsgeschenke. 

(Marc Johne, edition bodoni)

Beim Einkauf im bodoni-
Shop erhalten Leser dieses Blogs mit dem Gutscheincode Bodoni2022 auf alle Käufe ab 25 € 10% Rabatt.

Einladung zur Subskription

Pegasus-Presse auf der artbook.berlin 2022, Foto © ad

Das in der Pegasus-Presse von Peter J. Moosbrugger erscheinende Kunstmärchen Hans Christian Andersens über den Kleinen und den großen Klaus wurde 1835 erstmals veröffentlicht und in den Folgejahren in zahlreichen Übersetzungen neu ediert. 1900 erschien in einer auf wendigen Publikation (Stuttgart: Paul Neff) die "David-und-Goliat-Geschichte" in Pauline Klaibers Übertragung ins Deutsche. Ihr folgt die vorliegende bibliophile Neuausgabe. 

  • Kongenial illustriert mit sechs Farblinolschnitten von Thomas Escher 
  • Vom Künstler nummeriert und signiert 
  • Satz in der Kleukens-Fraktur 
  • 100 Exemplare auf Büttenpapier "Alt Worms"
  • Von Han geheftet und gebunden 
  • 80 Exemplare als Ganzleinenban in Schuber (Ausgabe A: € 380 
  • 15 römische Nummern in Karawanenziegen-Leder mit einem weiteren Linolschnitt, Schuber (Ausgabe B): € 680 
  • 5 Exemplare mit unikalem Einband und handkolorierter Extragraphik: bitte anfragen 

Subskription bis 28. Februar 2023
Ausgabe A: € 340
Ausgabe B: € 620

Mittwoch, 23. November 2022

Bücherkinder Brandenburg im Internet

Die Bücherkinder Brandenburg, die vom Pirckheimer Armin Schubert betreut werden, sind ab sofort mit einer eigenen Homepage im Internet präsent.

Die Seite ist unter der Adresse http://bücherkinder-brandenburg.de zu erreichen und wird in den kommenden Tagen und Wochen mit Inhalten gefüllt.

Christian Rothenhagen – Vom Künstler zum Autor

Der Quintus-Verlag des Pirckheimers André Förster. startete eine Crowdfunding-Kampagne für das Buch "FÜR IMMER IST MORGEN VORBEI" mit ca. 160 Buchseiten in 19 Kapiteln, die als kurze Episoden aus und von Christian Rothenhagens Leben erzählen, und die mit Zeichnungen versehen sind.

Die Kampagne läuft noch bis zum 15. Januar 2023 und ist hier auf startnext.com zu erreichen.

Dienstag, 22. November 2022

THINK TANK PANZERHAUBITZE KLING KLING

Hartmut Andryczuk schreibt über die soeben in seinem Hybriden-Verlag erschiene Publikation, einem Leporello und einem Katalog:
»Auf der Kreml-Seite fand ich den Text „Über die historische Einheit von Russen und Ukrainern“ von Wladimir Wladimorowitsch. Großartig. Ein richtiger idenditärer Schwurbel-Text, den ich für diese Künstleredition sehr gut verwenden konnte. Dort wird die Nationalisten-Karte gezogen, die historische Einheit aller Russen beschworen. Russland ist seit Jahren in einem heiligen Krieg gegen „Gayropa“. Glaube, Vaterland, Familie, ewige Werte, Orthodoxie. Männer sind noch richtige Männer und Frauen noch wahre Frauen. Bringt mich das Selenskij oder den Nationalismus der Ukrainer näher? Nein, natürlich nicht. Aber ich unterstelle den Menschen in der Ukraine, dass sie dieses „russische“ System nicht mehr wollen. Und was mich angeht: ich lebe lieber im satanischen Westen als in einem idenditären Mafia-Imperium.«
"Auch Stepan Bandera hat's im Westen immer schwerer"
Aus dem Katalog: Johann Andrijczuk (1920 – 1992):
»Mein Vater sprach nie von seiner Vergangenheit. Das war typisch für die traumatisierte Weltkriegsgeneration, obwohl er nie Soldat gewesen ist. Er ist 1920 in Kolomya (Galizien) in der Westukraine geboren. Sein Vater war Landwirt, aber seinen Vornamen hat er nie genannt. Seine Mutter hieß Xenia. Geschwister hatte er nicht. Ob die Familie direkt in der Stadt Kolomya wohnte oder im Bezirk Kolomea weiß ich nicht. Stadtansichten in Reiseführeren zeigen imposante Bürger- und Verwaltungshäuser, das Ostereimuseum und das Nationalmuseum für Volkskunst von Huzulien und Pokutien. Von Berlin aus kann man mit dem Bus, mit dem Zug oder mit dem Auto dorthin reisen. Die Busfahrt dauert über 20 Stunden über Lwiw; mit dem Zug ist es noch komplizierter.«
Moskau. Foto-Etüden – Überzeichnetes Fotobuch. Unikat
Sammlung Karl Manfred Fischer und Liselotte Spreng
Leporello mit siebzehn Originalzeichnungen von Hartmut Andryczuk
Katalog mit 48 Seiten, Texten, Abbildungen. Ortsbeschreibungen und Titel zu den Abbildungen zu Moskau. Foto-Etüden. Jede Seite nummeriert und handbestempelt.
30 Expl., 950 €

Das Undbuch

Foto © Sybille Zimmermann
DAS UNDBUCH WORIN ES LEBT ist ein Künstlerbuch von Albrecht Walter (Potsdam) mit 112 phantastischen Gedankenausflügen zwischen ES und dem „Schreiber', sowie 112 mit acht Füllfederhaltern und einem Füllfilzhalter gezeichneten „Bildgedichten".

Albrecht Welter auf der artbook.berlin, Foto © ad
Sie liegen vor- und rückseitig auf 112 Papieren in einer im Siebdruckverfahren bedruckten, aufklappbaren Buchschachtel ein.

Es braucht Zeit, um sich auf ES einzulassen. Mit Muße ermöglicht ES auf still humorvolle Art und Weise das eigene ES zu entdecken.

Das UNDBUCH erscheint in einer durchnummerierten und handsignierten Auflage von 224 Exemplaren zum Preis von 112 € (+ 9 € Versand).

Montag, 21. November 2022

12 Monate 12 Originale

Seit 33 Jahren haben sich Jahr für Jahr inzwischen 70 Künstler in einer Kunstsammlung in Kalenderform zusammengefunden. Die Arbeiten werden von den Künstlern in den jeweiligen Handdruckverfahren selbst gedruckt, handsigniert und nummeriert.

2022 Hatten die Papierlieferanten Lieferschwierigkeiten und die Produktionskosten stiegen enorm… Trotzdem schaffte man es wieder, dass ein exklusiver Kunstkalender mit hochwertigen Originalen entstand.

An der 34. Ausgabe dieses Kalenderprojektes sind folgende, vorwiegend in Berlin arbeitende, Künstler beteiligt:
Helmut Gutsbrod auf der artbook.berlin 2022, Foto © ad
Viola Bendzko, Christoph Damm, Helmut Gutsdbrod, Claudia Hertwig, Heehyun Jeong, Jase Kala, Patrick Kaufmann, Carmen McPherson, Helga Nteve, Deborah Philips, Matthias Taube und Ila Wingen.

Die Auflage beträgt 130 Exemplare, jedes einzelne Blatt ist handsigniert und nummeriert. 12 limitierte Kalender unterscheiden sich von der normalen Auflage: in einer Farbvariation, mit einer zusätzlichen Farbe oder sogar handkoloriert. Diese 12 Kalender sind römisch nummeriert. Der Kalender ist 70 x 50 cm groß und spiralisiert. Die Graphiken sind mit ph-neutralem Klebeband befestigt und können für eine spätere Rahmung verwendet werden.

Bibliophilie

© Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft
Beim Besuch der Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft in der ICZ-Bibliothek hielt der Bibliothekar Oded Fluss folgende interessante Einführung:

"Bibliophilie wird manchmal als eine Krankheit, eine Art Fetischismus beschrieben. Die bibliophile Person kann sich in ein Buch verlieben wie in einen Menschen. Wie bei der Liebe zu Menschen hat dies oft weniger mit dem Inhalt als mit den äusseren Merkmalen und der Schönheit zu tun. Wie bei der Liebe gibt es einen fast unkontrollierbaren Willen, das Objekt der Begierde zu besitzen. Im Gegensatz zur Liebe zu Menschen wird das Buch jedoch mit zunehmendem Alter immer attraktiver.
Die Bibliophilie in diesem Sinne hatte das jüdische Volk erst spät erreicht. Für die Juden der alten Zeit galt die Bewunderung von Objekten und der Wunsch, sie zu besitzen, noch als Sünde. Und doch in vielen alten Büchern in unserem Bestand finden wir am Anfang des Buches die Worte לאלוהים הארץ ומלואה… "Gott ist der einzige Eigentümer des Landes und seines Inhalts und obwohl unsere Väter verboten haben, in das heilige Buch zu schreiben, schreibe ich jetzt meinen Namen und erkläre, dass es mir gehört, falls jemand vom Markt kommt und sagt, dass dieses Buch ihm gehört."
Auch wenn es nicht im rein bibliophilen Sinne ist, waren das jüdische Volk und das Buch im Laufe der Geschichte immer eng miteinander verbunden. Der Begriff "das Volk des Buches" wurde erstmals im Koran mit einer negativen Konnotation verwendet. Er wurde sowohl auf die Juden als auch auf die Christen als Völker angewandt, die Bücher besitzen, die die Worte Gottes enthalten, die aber von diesen Menschen verfälscht werden. Bei den Juden hatte sich dieser Begriff festgesetzt und eine positive Konnotation erhalten. Damit gelten die Juden als ein Volk mit einer recht starken Bindung an das Buch. Man kann sogar sagen, dass das jüdische Volk in ein Buch eingebunden war. Heinrich Heine bezeichnete die Bibel als "portatives Vaterland der Juden". Das Volk, das überall gejagt und verfolgt wurde, hatte seine Heimat unter dem Arm mit sich getragen.
Die deutschen Juden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts waren bereits mit dem bibliophilen Virus angesteckt. Sie spielten eine dominierende Rolle in der Buchbranche; von der Produktion von Büchern als Schriftsteller und Verleger über den Verkauf als Buchhändler bis hin zum Kauf als Büchersammler. Diese deutschen Juden taten dies jedoch mehr als Deutsche denn als Juden. Das Buch, das immer ihre jüdische Identität definierte, wurde nun ironischerweise zum Mittel für ihre Assimilation.
Die Assimilierung der deutschen Juden ist tragischerweise gescheitert. Die Bücherverbrennung in Deutschland 1933 war das deutlichste Zeichen für das, was noch folgen sollte. "Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen." Dieses prophetische Zitat des getauften Juden Heine in seinem "Almansor" bezieht sich nicht auf jüdische Bücher. Es ist das Buch, das wir bereits als dasjenige erwähnt haben, das die Juden zuerst als "Volk des Buches" bezeichnete, der Koran, der in dieser Tragödie verbrannt wird.
Wenn Bibliophilie tatsächlich eine Krankheit ist, dann scheinen die meisten Menschen heute immun zu sein. Es gibt immer weniger Menschen, die sich für Bücher interessieren. Noch weniger schätzen das Buch als ein Objekt der Schönheit. Immer mehr glauben, dass ein Buch als blosses Objekt völlig überflüssig ist und dass das Lesen auf Bildschirmen und die Digitalisierung einen angemessenen Ersatz darstellen.
Wir in der größten jüdischen Bibliothek der Schweiz, die einzige jüdische Bibliothek im deutschsprachigen Raum, die während der Zeit des Holocausts ununterbrochen geöffnet bleiben konnte, wissen, wie wichtig ein physisches Buch ist. Wir wissen, dass ein Buch manchmal nicht nur ein Buch ist, sondern eine Zeitkapsel. Zwischen seinen Seiten birgt es Spuren von Menschen, Institutionen und manchmal ganzen Gemeinden, die sonst völlig in Vergessenheit geraten wären. Heute Abend werden wir versuchen, Ihnen ein paar Beispiele für solche Bücher zu geben.
"

Sonntag, 20. November 2022

alte Freunde und neue Bekannte

Wir feierten das Buch, wir feierten die Druckgraphik, wir feierten die Schwarze Kunst, die Kunst des Papiers und wir feierten die Wiederbegegnung.
Und wir danken corn.elius und Hanneke van der Hoeven.

Hier kann eine Fotostrecke zur artbook.berlin 2022 angeschaut werden, sofern nicht anders angegeben, © ad.
(Mir ist bewusst, dass es Lücken gibt, also: für alle, die hier nicht unter "alte Freunde und neue Bekannte" aufgeführt sind, also nicht abgelichtet wurden, bitte ich um weitere Fotos an pirckheimer.org).

klick auf den Stapel, um das Album anzuschauen

Astronomie-Rätsel in der Bleilaus

Achim Tribelhorn, Vorsitzender  des Arbeitskreises Astronomie Handeloh, hat einen bilderreichen Vortrag im Gepäck, um das Geheimnis zu lüften, das Astronomen schon seit dem Mittelalter umtreibt: das Himmelsphänomen des Sterns von Bethlehem. War es ein seltenes Zusammenspiel der beiden hellen Planeten Jupiter und Saturn, das es um diese Zeit gleich mehrfach gab? Der schnelle Jupiter zog dabei am langsameren Saturn vorbei und beide wurden scheinbar von der Erde überholt. Erst 1600 Jahre später verstand man alle Effekte rund um diese interessanten Planetenschleifen. Oder war es ein Komet, der aus den Tiefen des Sonnensystems auftauchte und den drei Weisen aus dem Morgenland den Weg zu Jesus Krippe zeigte? „Die schmutzigen Schneebälle verlieren in Sonnennähe ständig etwas von ihrer eisigen Masse. Dadurch entsteht ihr Schweif aus Plasma oder Staub“, verrät der begeisterte Amateurastronom Tribelhorn, der als dritte Alternative auch eine Supernova nicht ausschließt. Dabei handelt es sich um eine helle Explosion eines großen Sterns am Ende seiner Lebenszeit. Solche Ereignisse passieren in großen Galaxien alle 300 Jahre.

Das Plakat zur Veranstaltung wurde in der alten Technik à la Gutenberg vor Ort gestaltet, gesetzt und gedruckt. Reinhard Riedel hat es entworfen. Reinhard Walleneit setzte es mit alten Holz- bzw. Bleilettern und Fritz van Rechtern hat es zusammen mit Günther Weber auf der Korrex-Maschine gedruckt, echte Schwarze Kunst! Alle, die kommen, können noch die Druckform bestaunen, mit der das Plakat hergestellt wurde.

Vortrag: 4. Dezember 2022, 18 Uhr

Die Bleilaus – Schrift- und Druckwelt Soltau
Kirchstraße 2, 29614 Soltau