Freitag, 24. Juli 2026

Thomas J. Richter (1955 - 2026)

Thomas J. Richter, 15. Juni 2025, Vernissage zum 70. Geburtstag, Foto © ad
Der Maler und Grafiker Thomas J. Richter ist im Alter von 71 Jahren gestorben, er wurde am 17. Juli 2026 tot in seiner Berliner Wohnung aufgefunden.

Richter wurde am 15. Juni 1955 in Berlin geboren, bereits Vater und Großvater waren Maler. Er studierte zunächst an der Karl-Marx-Universität Leipzig, bevor er 1978 an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee wechselte, wo er bei Dieter Goltzsche und Dietrich Noßky Malerei lernte. Nach seinem Studium erhielt Richter wichtige Aufträge wie die Mitgestaltung des U-Bahnhofs Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin (1986/1987) oder die Monumentalskulptur »Schiff zur Rettung der Unschuld der Kunst« (1988/89, mit Martin Wilke) in Berlin-Pankow. Er schuf Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen. Besonders nach 1990 widmete sich Richter in seiner künstlerischen Arbeit der Verschränkung von Erotik und Revolution.

Vor einem Jahr fand in der jW-Ladengalerie, Thomas J. Richter wurde als „Hauskünstler“ der jungen Welt gesehen, die Ausstellung „Wenn Kommunisten träumen“ zum 70. Geburtstag des Künstlers statt, die Laudatio hielt der Pirckheimer Archi Galentz. Die Neujahrskarten, die Thomas J. Richter für Thomas Kaemmel schuf, finden sich in den PF-Sammlungen vieler Pirckheimer. U.a. erschien auch in der von Andreas Wessel, seinerzeit ebenfalls Pirckheimer, herausgegeben jW-Kunstedition der Holzschnitt des Künstlers „Paar am Strand“, ein schönes und provozierendes Gegenstück zu Walter Womackers gleichlautendem und wohl bekanntesten Gemälde aus der DDR der 60ger.

Restitution geraubter Bücher

Sieben Bücher aus der Bibliothek des französischen Historikers Marc Bloch (1886– 1944) und seiner Ehefrau Simonne Vidal, die während der NS-Zeit geraubt wurden, sind in Berlin an an die Familie des Historikers restituiert worden. Die Provenienz der Bücher konnte anhand von Besitzeinträgen und eines Exlibris eindeutig zugeordnet werden.
Marc Bloch wurde als Mitglied der Résistance am 16. Juni 1944 von der Gestapo hingerichtet. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft war er während der deutschen Besatzung antisemitischer Verfolgung und Enteignung ausgesetzt. Die nun restituierten Bücher stammen aus seiner umfangreichen Bibliothek, die im Dezember 1941 von den deutschen Besatzern in Paris beschlagnahmt worden war.
Organisiert wurde die Restitution von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz mit Unterstützung der französischen Kommission für die Rückgabe von Kulturgütern und die Entschädigung der Opfer antisemitischer Enteignungen (CIVS).

Auf Wunsch der Erbengemeinschaft werden alle in Deutschland wiedergefundenen Bücher an die Bibliothèque Halphen der Universität Sorbonne Paris I übergeben, um den serienmäßigen Charakter der Bibliothek Blochs zu bewahren.

(DEG)

Donnerstag, 23. Juli 2026

Das Erbe der Menschheit

Mit »Das Erbe der Menschheit« präsentiert das Goethe-Institut München eine ebenso kraftvolle wie vielschichtige Ausstellung, die visuelle Welten zwischen Erinnerung und Zukunftsvision entfaltet.
Zu sehen sind eindringliche Illustrationen und Grafiken, die furchtlos politische, gesellschaftliche und tabuisierte Themen ins Zentrum rücken.
Die stilistische und thematische Vielfalt dieser Bildwelten beeindruckt nicht nur durch das außergewöhnliche Können der beteiligten Zeichner, sondern auch durch ein ungewöhnliches Druckverfahren: Offset-Lithographien in bis zu fünf Sonderfarben verleihen jedem Exponat eine besondere Tiefe, Leuchtkraft und physische Präsenz.
© Mandy Dziubek
Ein zentrales Motiv der Ausstellung ist das spannungsreiche Verhältnis zwischen Menschen und Technik. Die chinesische Science-Fiction-Autorinnen Gu Shi und Chi Hui entwerfen in ihren Erzählungen faszinierende Zukunftsszenarien: Städte, die auf dem Ozean wurzeln. Künstliche Intelligenzen, die Blockbuster schreiben. Leben, die gespeichert, zurückgespult und neu gestartet werden können. Die bildmächtigen Visionen zu diesen Fragen wurden von Studierenden der Hochschule Düsseldorf und der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig entwickelt. Die Bilder erschienen in den Büchern »Das Erbe der Menschheit« und »Im Ozean ein Mutterschiff«.
© Ulrike Steinke
Die Ausstellung reicht weit über Science-Fiction hinaus. Die Ausstellung entfaltet außerdem ein Panorama von unterschiedlichen Themen und inspirierenden Illustrationen, die in der Reihe »MaroHefte« veröffentlich wurden. Sie lädt zur Begegnung mit fragwürdigen Verschwörungstheorien, gesellschaftlichen Absurditäten und eigenwilligen Erfindungen ein.
Insgesamt werden Bilder und Plakate aus 14 der bisher erschienenen 22 »MaroHefte« gezeigt.

Vernissage: 24. Juli 2026, 18.30 Uhr, Dr. Imke Mohr (Institutsleiterin), Einführung: Gudrun Bouchard (Kuratorin), musikalische Begleitung: Matthias Heiligensetzer (Jazz-Pianist)
Ausstellung: 27. Juli – 18. September 2026

Goethe-Institut München
Rablstraße 24, München

nach der Fußball-WM

gescheiterter Versuch eines Gruppenbildes des BBA
2024 gelang dann doch noch ein ein Foto mit einigen Mitgliedern des BBA,
aufgenommen von Susanne Rothe

Mittwoch, 22. Juli 2026

Michaela Melián, Straße

Hartmut Andryczuk vermeldet mit „Michaela Melián, Straße“ eine Neuerscheinung im Hybriden Verlag.
Es ist die Nachzeichnung unserer äußeren Welt: Mit einem schwarzen Faden auf weißem Papier, in bloßer Andeutung, ähnlich dem Rest einer Erinnerung, ähnlich dem Rest einer Erinnerung an einen Traum. Manchmal sind die Linien einfach, manchmal sind sie gestisch oder sogar verspielt. Manchmal hängen sie in Schlaufen aus dem Bogen heraus und ändern ihre Form, ändern ihren Verlauf. Dann beginnen sich die Ränder der Bäume zu wölben, dann hängen die Außenwände der Häuser aus dem Bild heraus. Das wäre der zufällige, spontane Anteil des Materials, das wäre der zufällige, spontane Anteil der Geschichte. Alle Linien wurden mit der Nähmaschine gemacht. Die Hände haben ihre Spontanität an die Maschine abgegeben, während die Maschine sich ihre eigene Spontanität nicht verkneifen konnte. Durch ihre Außenlinien wirken Straßen und Häuser und Bäume und Berge stark abstrahiert. Sie bleiben als Außenlinien stehen, die so umrissenen Flächen bleiben leer, im Kopf kann man sie selbst füllen. Das wäre ihre allgemeine Form. Allgemein sind zunächst auch die Motive: Straßen und Häuser und Bäume und Berge kommen überall vor. Gleichzeitig sind diese Zeichnungen von Landschaften aus schwarzem Faden auf weißem Papier dokumentarisch und damit konkret. Sie haben eine reale Referenz, beziehen sich auf reale Straßen und Häuser und Bäume und Berge. Das Blatt Papier, mit seinen oben aufliegenden Fäden und den darunter liegenden Einstichen entspricht der realen Landschaft. Sie beide sind erst geworden, indem sie abgespeichert haben, was ihnen widerfahren ist. Eine bloß natürliche Landschaft gibt es nicht, alle Landschaft ist voller historischer Spuren, manche sind blutig und manche banal. Die meisten Spuren liegen tief und werden erst sichtbar, wenn man von ihnen weiß, wenn man sie freilegt. Spuren verschwinden zwar unter Spuren, aber ganz los wird man sie nicht. Es ist mit ihnen, wie mit ihren Zeichnungen aus schwarzem Faden auf weißem Papier: wenn man die Fäden zieht, dann bleibt die Perforierung.

(Radek Krolczyk)
Michaela Melián, Triangel (2002), Panorama (2003)
Künstleredition, 58 Seiten
mit drei Bildserien von Michaela Melián
Audio-CD von Michaela Melián,
(Hand-Siebdruck, signiert und nummeriert)
Texte von Radek Krolczyk

Hybriden-Verlag, Berlin
in Zusammenarbeit mit der Galerie K’, Bremen 2026
Auflage: 100 €
Preis: 90 € (exklusive 8 € Postgebühren in Europa)

Wo Buchkunst Geschichte schreibt

Augsburg blickt auf eine beeindruckende Tradition als eines der bedeutendsten Druck- und Buchzentren Europas zurück.
Namen wie Erhard Ratdolt oder Johann Schönsperger prägten den Ruf der Stadt. Wo viel gedruckt wird, wächst der Bedarf an Einbänden – und so entstand im 15. und 16. Jahrhundert eine enorme Dichte an spezialisierten Werkstätten. Die Augsburger Meister orientierten sich am Geschmack des wohlhabenden Bürgertums und des Adels, daher entwickelten sich Bucheinbände in Augsburg früh zu einer Kunstform. Sie waren bekannt für ihre Experimentierfreudigkeit und die Übernahme von Stilen aus anderen Regionen. Ein wesentlicher Motor war die Familie Fugger: Johannes Fugger ließ als leidenschaftlicher Sammler tausende Werke in prachtvolle, einheitliche Einbände hüllen. Diese Aufträge lockten die besten Handwerker an und setzten europaweite Standards für bibliophile Sammlungen.
Das Zusammenspiel von erstklassigen Papiermühlen, meisterhafter Typografie und edler Einbandkunst machte die »Augsburger Qualität« zum Markenzeichen. Im 18. Jahrhundert folgten die berühmten Augsburger Buntpapiere – insbesondere die Brokatpapiere – wurden weltweit exportiert und veredeln bis heute unter anderem die Vorsatzblätter kostbarer Luxuseinbände.
Foto: Marcus Janssens
Heute ist von dieser einstigen Vielfalt nur noch eine handwerkliche Buchbinderei geblieben. Die AltstadtBuchbinderei ist ein meistergeführter Betrieb, der sich auf Einzel- und Sonderfertigungen spezialisiert hat und damit die bewegte Geschichte des Augsburger Handwerks fortschreibt. Die Wurzeln des Betriebs reichen bis in das Jahr 1885 zurück, als Leonhard Kraus die Werkstatt gründete. Die AltstadtBuchbinderei blieb ihrem historischen Standort im Handwerkerviertel treu.
Nachdem Roswitha Hilpert den Betrieb ab 2001 geführt hatte, übernahm 2016 Buchbindemeisterin Elisabeth Zelck das Zepter. Sie hat unter anderem 2024 Jahr das neue »Goldene Buch der Stadt Augsburg« gebunden.

In diesem Sommer gibt es ein besonderes Jubiläum zu feiern: Elisabeth Zelck blickt auf 10 Jahre Selbstständigkeit und gleichzeitig auf die stolze 141-jährige Geschichte der AltstadtBuchbinderei zurück.

Dienstag, 21. Juli 2026

Buchbinderei schloss nach 130 Jahren

Die alt eingesessene Buchbinderei Grieser in Berlin hat ab dem 1. Juli 2026 nach 130 Jahren ihre Türen für immer geschlossen.
Sie wurde 1896 vom Buchbinder Ernst Grieser gegründet und in Prenzlauer Berg bereits in der vierten Generation geführt, seit 1996 war Cris Grieser Inhaber.
Seit ich sie vor gut 40 Jahren das erste Mal besuchte, ich ließ eine Diplomarbeit binden, fand ich dort hilfreiche Unterstützung bei der Restaurierung und Neubindung von erhaltenswerten Büchern des damals in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen, inzwischen ebenfalls seit nunmehr bereits 10 Jahren erloschenen, Hinterhof-Antiquariats.

WH : M

Im Literaturhaus Leipzig sind die Druckgrafiken der Altenburger Künstlerin Sabine Müller zu sehen, deren Ausstellungstitel "WH: M." eine Verneigung vor dem Dichter Wolfgang Hilbig ist, der sein Lebensthema in immer neue literarisch anspruchsvolle Symbole verwandelte. Eine wesentliche Dimension dessen speist sich aus "M.", der "heimatstraße" und der jahrhundertelang von der Braunkohle geprägten Landschaft mit ihren Menschen, die auch Ausgangspunkt von Sabine Müllers Schaffen ist.

Die Künstlerin begleitet den Transformationsprozess, den das Ende der Braunkohleindustrie hervorruft, im intensiven Austausch mit Wolfgang Hilbigs Dichtung, begab sich sowohl in und um Meuselwitz als auch in Hilbigs poetischem Werk auf eine produktive Reise und schuf zunächst 14 grafische Blätter, die 2025 bei einer Pop-up-Ausstellung in Altenburg gezeigt wurden. Im Literaturhaus präsentiert sie jetzt, anlässlich von Wolfgang Hilbigs 85. Geburtstag 2026, einen größeren Werkausschnitt.

Die Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft macht auf etablierte, aber auch weniger bekannte Künstler und Künstlerinnen aufmerksam, die sich mit Hilbigs Werk beschäftigen, beispielsweise Johannes Heisig 2021 und Strawalde 2023 oder Katja Enders-Plate 2022. Die Offenheit seines Werkes für die künstlerische Adaption ist ein Aspekt, der mit Sabine Müllers Grafikausstellung eine weitere interessante Form gefunden hat.

Vernissage: 21. Juli 2026, 18 Uhr, Gespräch zwischen der Künstlerin und Katrin Hanisch (Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft e.V.). Die den Grafiken zugrunde liegenden Gedichte und Texte werden zu hören sein.
Ausstellung: 8. Juli - 2. September 2026

Literaturhaus Leipzig

Montag, 20. Juli 2026

Internationaler Schachtag

Elke Rehder, Irrationale Stellung, 1991
Heute ist Internationaler Schachtag, der seit 1966 jährlich am Gründungstag (20. Juli 1924) des Internationalen Schachverbandes (FIDE), gefeiert wird.
Ein Gruß von Elke Rehder an alle schachbegeisterten Bibliophilen.

Manfred Funke zum 86sten



Heute gratuliere ich Manfred Funke, einem langjährigem Mitarbeiter der Staatsbibliothek zu Berlin und Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft , sowie des Berliner Bibliophilen Abend  recht herzlich zu seinem heutigem 86. Geburtstag.

Sonntag, 19. Juli 2026

Gedenktafel für Heinz Knobloch

Anlässlich seines Todestages am 24.7.2003 wird am Heinz-Knobloch-Platz in Berlin Pankow eine Gedenktafel zu Ehren des Journalisten, Schriftstellers und zeitweiligem Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft Heinz Knobloch eingeweiht. Nach verschiedenen Ansprachen lesen Mitglieder des Freundeskreises Heinz Knobloch ausgewählte Feuilletons des Autors. Die Pankower Saxophonistin Dr. Brigitta Flick wird die Veranstaltung musikalisch begleiten.
Gedenkstein am Heinz-Knobloch-Platz, Relief : Gerhard Thieme
Heinz Knobloch lebte fast fünf Jahrzehnte an dem Platz, der seit dem 3. März 2005 seinen Namen trägt.

24. Juli 2026, 17 Uhr
Heinz-Knobloch-Platz
an der Berliner Str. 32-34, 13189 Berlin

Tundalus im Höllenfeuer: Ein Ritter zwischen Verdammnis und Erlösung

Die Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD), in der  sechs Bibliotheken kooperieren, vermeldet den Neuerwerb eines überaus seltenen, bisher nur bibliographisch nachgewiesenen Drucks, den die Bayerische Staatsbibliothek München zum Buch des Monats Juli 2026 whlte: 

Tundalus Ritter. Gedruckt tzo Coellen vp dem Eygelstein by myr Henrich van Nuyß. Jn dem jair vns heren. M. CCCCC. vnd xiiij. (Köln: Heinrich von Neuß)

Der Text beschreibt in einer niederdeutschen Prosafassung die Visio Tnugdali, die Vision einer Reise des irischen Ritters Tundalus durch Paradies und Verdammnis. Die Erzählung war von einem Wandermönch namens Marcus im 12. Jh. in Regensburg niedergeschrieben worden und fand rasche Verbreitung.
Die vorliegende Ausgabe aus dem Jahr 1514 (VD16 T 2267) folgte einer gleichfalls niederdeutschen Edition desselben Druckers, die unter dem abweichenden Titel DJT ys die Hystorie van deme Strengen Rytter Tundalus bereits 1509 erschienen war (VD16 T 2266). Im Jahre 1516 brachte der in Köln ansässige Heinrich von Neuß zudem eine weitere deutsche Ausgabe unter dem Titel Tundalus Ritter heraus (VD16 T 2264).
Tundalus Ritter, Köln, 1514: Titelholzschnitt mit Darstellung des Ritters. Abb. BSB München
Der neu erworbene Druck der BSB hat einen Umfang von 20 Blatt und enthält einen qualitätvollen Titelholzschnitt, der den Ritter Tundalus hoch zu Ross mit wehender Standarte zeigt. Den Abschluss des Werkes flankieren weitere etwa viertelseitige Holzschnitte, die Stationen der Jenseitsreise des Ritters illustrieren: Abgebildet ist zum einen die Erlösung armer Sünder durch Engel aus dem Fegefeuer, zum anderen das Leid der Verdammten in der Hölle, die von teuflischen Dämonen gequält werden. Ergänzt werden diese Szenen durch eine etwas kleiner gehaltene Darstellung der Geburt Jesu in der Krippe sowie ein Bildnis des Heiligen Marcus mit seinem symbolischen Attribut, dem Löwen, als Verweis auf den Verfasser. Zwischen den Abbildungen erläutert ein begleitender Text den Leserinnen und Lesern den Inhalt der geschilderten Vision:
Tundalus ei[n] rytter rvail geboren got hait in darzo visserkoren. Dat he soulde sien die groisse pin, die in d[er] hellen un[d] vegefuyr syn.
Tundalus Ritter, Köln, 1514: Schlussblatt mit Abbildungen des Fegefeuers und der Hölle (oben) bzw. Geburt Christi und Hl. Marcus (unten) , Abb. BSB München.
(Dr. Matthias Reif)

Samstag, 18. Juli 2026

Hot Printing!

Bereits zum dritten Mal bringt das Klingspor Museum mit einem Druckfestival druckbegeisterte Menschen an einem Wochenende zusammen, um Drucke zu machen, zu sehen und zu kaufen. Vom risogedruckten Zine bis zur traditionellen Druckgrafik ist das gesamte Spektrum der Möglichkeiten vertreten. Workshops, Vorträge, Musik und Getränke vervollständigen das Erlebnis.
Bei Hot Printing treffe sich über 90 Künstlerinnen und Künstler, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Thema Drucken beschäftigen. Eine junge und agile Szene zeigt ihre Druckerzeugnisse.
Die Besucher und Teilnehmer erwarten Stände, Workshops, Lesungen, Vorträge, Ausstellungen, Musik, eine Bar, gutes Essen und spannender Austausch. Das Festival ist gewachsen und findet sich jetzt im Klingspor Museum, auf dem Museumsvorplatz, im Hof des Büsingpalais, im Haus der Stadtgeschichte und in der Druckwerkstatt im Bernardbau.
Mit dabei sind Barbara Beisinghoff, Edition Wasser im Turm, Ingo Cesaro, Inka Greb, Meister der Einbandkunst und der Verein für die Schwarze Kunst.

22. / 23. August 2026 
Offenbach

Freitag, 17. Juli 2026

Schätze aus Kirchenbibliotheken heben

Kirchenbibliothek in Salzwedel, Foto: Margit Scholz / EKM
Ein Forschungsprojekt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der Staatsbibliothek zu Berlin soll in Vergessenheit geratene Bücherschätze wieder bekannt machen.
In den kommenden drei Jahren sollen die Bestände von 17 bedeutenderen Pfarrbibliotheken in Sachsen-Anhalt erfasst werden, sagte Projektleiterin Margit Scholz vom landeskirchlichen Archiv in Magdeburg.
Vermutlich seien dies mehr als 23.000 historische Drucke und Handschriften aus der Zeit bis 1850. Davon sollen etwa 5.000 Titel auch digitalisiert werden. Voruntersuchungen hätten bereits einige unbekannte Drucke oder Werke mit handschriftlichen Kommentaren und Anmerkungen zu Tage gefördert, teilten die Projektpartner mit.
Gerade in Mitteldeutschland gebe es „durchgängig sehr alte Bibliotheken, die bisher kaum erschlossen sind“, oft aus dem 16. oder frühen 17. Jahrhundert, sagte Thomas Fuchs von der Universitätsbibliothek Leipzig.
Insgesamt gebe es auf dem Gebiet der mitteldeutschen Kirche etwa 1.000 Pfarrbibliotheken, die vielfach unbekannte Drucke und Handschriften aus der Reformationszeit und folgenden Jahrhunderten beherbergten. Das Projekt solle helfen, dieses reiche kulturelle Erbe zu bewahren und zugänglich zu machen.
Die Pfarrbibliothek Zeitz gehört zu den größten Partnern im Projekt, Foto: Margit Scholz / EKM
Die wohl älteste noch bestehende Bibliothek in Sachsen-Anhalt sei jene der Katharinenkirche in Salzwedel. Diese sei nachweislich vor 1467 angelegt worden. Mit rund 4.200 Titeln sei sie zudem die zweitgrößte der am Projekt beteiligten 17 Pfarrbibliotheken.
Mancherorts haben Krieg oder Feuchtigkeit die historischen Schriften komplett vernichtet oder schwer geschädigt. Nicht selten hätten die Bücherschränke in muffigen Kirchtürmen gestanden. Deshalb müssten etliche Werke wohl fachmännisch konserviert oder sogar restauriert werden, bevor sie digitalisiert werden könnten. Dafür seien vermutlich weitere Aufwendungen nötig, hieß es.
Zu den herausragenden Objekten im Projekt zählen mittelalterliche Handschriften, Wiegendrucke, Flugblätter, Leichenpredigten, Noten und frühe Zeitungen. Die umfangreichste der ausgewählten Sammlungen sei die Bibliothek von St. Michaelis in Zeitz, deren Entstehung in die Zeit vor der Reformation zurückreicht. Sie verwahrt mehr als 7.400 Titel, darunter eines von weltweit nur drei erhaltenen Exemplaren des Plakatdrucks der 95 Thesen Martin Luthers von 1517.
Die eine oder andere Überraschung verspreche auch die sogenannte „Turmbibliothek“ der Andreaskirche in Eisleben, hieß es weiter. Ihre etwa 2.700 Schriften umfassen auch Bestände des Klosters Helfta und lagern mittlerweile im Archiv der Luther Museen. Kostbarkeiten werden zudem in der Bibliothek der Stephanikirche Aschersleben vermutet, deren Bestände zum Teil auf die Sammlung des Theologen Johannes Olearius (1611-1684) zurückgehen.

(Thomas Nawrath, kompl. Artikel hier)

Donnerstag, 16. Juli 2026

Heinz Knobloch - Mit Feuilletons gegen Geschichtsvergessenheit

Heinz Knobloch (3.3.1926 – 24.7.2003), geboren in Dresden, fand als Journalist und Schriftsteller in Berlin den Mittelpunkt seines Schaffens und Wirkens.
Im Mitgliederverzeichnis von 1981 der Pirckheimer-Gesellschaft, der er bis 1985 angehörte, wird er als Sammler von „Feuilleton, Berlin, Zeitungen, Judaica und (sic!) Friedhöfe“ ausgewiesen.

Das Stabi-Kulturwerk zeigt unter der Überschrift „Heinz Knobloch - Mit Feuilletons gegen Geschichtsvergessenheit“ eine Ausstellung aus Anlass seines 100. Geburtstages. Die Freunde des Staatsbibliothek zu Berlin und der Berliner Bibliophilen Abend wird in einer Führung diese Ausstellung besuchen.

Ausstellung: 13. Mai - 27. September 2026
Führung: 29. Juli 2026, 15 Uhr, Anmeldung erforderlich

Stabi-Kulturwerk
Unter den Linden 8, 10117 Berlin

Mittwoch, 15. Juli 2026

Die Murhardsche Bibliothek

Am 03.06.1845 verfassten die Brüder Karl und Friedrich Murhard ihr Testament, in dem sie der Stadt Kassel ihr gesamtes Vermögen vermachten. Sie machten zur Auflage, dieses in einen Fonds, die „Murhardsche Stiftung“, zu überführen und zu verwalten: „Die Zinsen der Murhardschen Stiftung sollen verwendet werden zur Bildung und Unterhaltung einer der Stadt Kassel … angehörigen Bibliothek“.[1]
Brüder Karl und Friedrich Murhard (Bild: UB/LMB Kassel)
Sie bestimmten: „Die Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel soll eine öffentliche sein, sie soll … dem gesammten Publicum zum Gebrauch und zur Benutzung offen stehen“.[2]. Besonders wichtig war ihnen, dass das Ziel ihrer Stiftung, – die Gründung und der Betrieb einer öffentlich zugänglichen Bibliothek – für die Bürger der Stadt Kassel dauerhaft gewährleistet und überwacht wird. Um dies sicherzustellen, legten die Brüder Murhard fest, dass ein Gremium über ihre Bestimmungen und Anordnungen wachen solle – die Testamentswächter: „Zu Executoren und künftigen Wächtern und Beschützern dieses unsers Testaments … bestellen wir drei unserer Mitbürger … mit allen Befugnissen, Rechten und Attributionen, die englischen Trustees zustehen.[3] Weiter heißt es im Testament: „Diese drei Vertrauens-Männer werden ein Kollegium für die genaue Vollziehung, Ausführung und Aufrechterhaltung unseres letzten Willens bilden, welches niemals ausstirbt, indem dasselbe sich für alle Zukunft durch eigene freie Wahl selbst ergänzt. Um zu verhüten, dass jemals in diesem Kollegium eine Lücke entstehe, haben die drei Mitglieder desselben sich im Voraus ungesäumt drei Ersatzmänner oder Stellvertreter zu erwählen, die bestimmt sind, für den Fall ihres Ablebens oder Austritts sie zu ersetzen und im Fall einer eintretenden Vakanz an ihre Stelle in das Kollegium einzutreten, auch schon bei Lebzeiten der zeitigen Testamentsvollstrecker in Verhinderungsfällen deren Funktion auszuüben.[4] Mit dieser Vorgabe, dass die drei Testamentswächter noch zu Lebzeiten drei Stellvertreter ernennen sollen, haben die Brüder Murhard den dauerhaften Fortbestand des Gremiums sichergestellt.

(Martin Reymer, Ltr Murhardsche Bibliothek)
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[1] Vgl.: Testament der Brüder Friedrich und Karl Murhard §5, aus: 125 Jahre Murhardsche Stiftung der Stadt Kassel und ihrer Bibliothek, S. 133. https://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/image/1508930262525/137/#topDocAnchor zuletzt abgerufen: 13.04.2026
[2] Ebd., §18, S. 135
[3] Ebd., §26, S. 138
[4] Ebd.
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Creative-Commons-Lizenz Namensnennung International (CC BY 4.0)

Dienstag, 14. Juli 2026

Interview mit Armin Schubert und den Bücherkindern Brandenburg

nähere Informationen durch Klick auf die Abb.
Die aktuelle Folge der DENKMALZEIT des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege geht dem Geheimnis dieses mittelalterlichen Einhorns auf den Grund. Die Folge begleitet die feierliche Rückkehr des Kunstwerks in die Kirche und lässt verschiedene Menschen zu Wort kommen, die sich kreativ mit dem Einhornteppich auseinandergesetzt haben: Besucherinnen und Besucher, Wissenschaftler, sowie die „Brandenburger Bücherkinder“ mit ihrem Mentor Armin Schubert.

Widerspenstige Frauenfiguren in der Literatur

Eine Ausstellung in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg „Carl von Ossietzky“ „Wider die Norm. Widerspenstige Frauenfiguren in der deutschsprachigen Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ widmet sich literarischen Frauenfiguren vom Mittelalter bis heute, die aus unterschiedlichsten Gründen als „widerspenstig“ gelesen werden können. Stets sind ihren Identitätsentwürfen genderspezifische Aushandlungsprozesse eingeschrieben, die sich an den gesellschaftlichen, sozialen wie familiären Rollenzuschreibungen ihrer Zeit reiben. Die Auswahl an Frauenfiguren aus einem breiten Spektrum an Gattungen und Textsorten über die gesamte Zeitspanne der deutschsprachigen Literatur soll den Figurentypus der „widerspenstigen Frau“ als ein Motiv zeigen, das die Geschlechternormen seiner jeweiligen Entstehungszeit reflektiert und damit in vielen Fällen erst sichtbar macht.
(Markus Trapp)

Die ausgestellten studentischen Arbeiten entstanden im Rahmen eines teilfachübergreifenden Lehrprojekts der Älteren und Neueren deutschen Literatur.
Seminarleitung und Ausstellungsorganisation: Dr. Hannah Rieger (Ältere deutsche Sprache und Literatur) und Dr. Jara Schmidt (Neuere deutsche Literatur). Beide sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für Germanistik der Universität Hamburg.

Ausstellungseröffnung: 14. Juli 2026, 18 Uhr
Ausstellung: 15. Juli - 15. September 9.2026

Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky
Durchgang Informationszentrum / Altbau.
Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg

Montag, 13. Juli 2026

Mozart-Fake aus dem 20. Jahrhundert


Die Musikgeschichte ist voller Fälschungen, "gestohlener" Melodien und sogar vollständig frei erfundener Komponisten. Auch das aktuelle "besondere Objekt" im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek veranschaulicht dies eindrucksvoll: das Violinkonzert in D-Dur (KV Anh. C 14.05) aus dem Jahr 1933 stammt von einem musikalischen "Trittbrettfahrer".
Marius Casadesus arrangierte 1931 einige Mozart-Fragmente zu einem Violinkonzert und gab es als neu entdeckte Komposition des zehnjährigen Wolfgang Amadé Mozart aus. Auch, dass es am Versailler Hof entstanden und Prinzessin Adelaide von ihrem "sehr ergebenen und sehr kleinen Diener" gewidmet sein soll, ist reine Erfindung. Der Schwindel flog erst 1977 bei einem Urheberrechtsstreit auf – denn auf die Tantiemen wollte Casadesus dann doch nicht verzichten.

Expertenvortrag: 14. Juli 2026, 18 Uhr, Dr. Julia Ackermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek
Ausstellung: 14. Juli - 11. Oktober 2026
Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek

Sonntag, 12. Juli 2026

Treffen der Kiewer Bibliophilen

Am Sonnabend fand die letzte Sitzung des Kiewer Bibliophilen-Klubs vor den Sommerferien statt.
Man sprach über ukrainische bibliophile Veröffentlichungen (Ю. Воронцов), aus Anlass seines 150jährigem Geburtstag über das Werk des herausragenden amerikanischen Schriftstellers Jack London (Юрій Симоненко) und über weitere besondere bibliophile Entdeckungen (Олег Войтович).

(Наталия Василишина)