Donnerstag, 30. Juli 2026

Illuminierte Fragmente aus mittelalterlichen Handschriften

Eine Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg zeigt derzeit illuminierte Fragmente aus mittelalterlichen Handschriften.
Das Museum zählt mit rund 400 Fragmenten mittelalterlicher Handschriften zu den bedeutendsten Sammlungen im deutschen Sprachraum. Es sind teilweise ganze Seiten oder ausgeschnittene, kunstvolle und farbenfrohe Initialen. Sie entstanden zwischen dem 9. und 15. Jahrhundert und stammen aus Gradualen, Antiphonarien, Missalien, Bibeln, religiösen Texten und Heiligenlegenden. Damit eröffnen sie einen faszinierenden Einblick in die Vielfalt und Schönheit der mittelalterlichen Buchkunst.

Nach der Revolution von 1789 in Frankreich wurde es zunehmend üblich, alte Kodizes zu zerlegen – eine Art kultureller „Vandalismus“. Zwar wurden die einzelnen Blätter aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen. Trotzdem zeigen sie weiterhin ihre chronologische, regionale und thematische Vielfalt. Durch umfangreiche Forschungsarbeiten in den letzten Jahren konnte eine Rekonstruktion ursprünglicher Zusammenhänge erreicht und somit bislang Aspekte aufgedeckt werden.

Die intensive Farbigkeit, die präzise Naturbeobachtung sowie die fantasievollen Randverzierungen und Initialen verleihen den Blättern eine außergewöhnliche erzählerische Lebendigkeit. Obwohl die meisten dieser Blätter bereits 1903 veröffentlicht wurden, gab es bislang keine umfassende Präsentation, die einen vollständigen Überblick bot.

1. Juli 2026 – 31. Januar 2027, um die empfindlichen Originale zu schützen, werden sie Anfang Nov. durch andere Exemplare ersetzt

Germanisches Nationalmuseum
Kartäusergasse 1, 90402 Nürnberg

Mittwoch, 29. Juli 2026

Heinz Knobloch - Mit Feuilletons gegen Geschichtsvergessenheit

Bei endlich sommerlichen Temperaturen von annähernd 30° zog es Mitglieder des Berliner Bibliophilen Abend und Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin in die zwar dunklen, aber kühlen Räume des Stabi-Kulturwerks zu einem inhaltsschweren Vortrag von Helmut Mehnert vom Freundeskreis Heinz Knobloch zu einer kleinen Ausstellung aus Anlass seines 100. Geburtstages in drei Vitrinen über diesen Schriftsteller und Journalisten. 
Fotod © ad, lks, rechts im Bild: Helmut Mehnert, Freundeskreis Heinz Knobloch
Bildmitte Gwendolyn Mertz-Jork, Geschäftsführerin der Freunde der Staatsbibliothek
Heinz Knobloch (3.3.1926 – 24.7.2003), geboren in Dresden, fand als Journalist und Schriftsteller in Berlin den Mittelpunkt seines Schaffens und Wirkens.
Im Mitgliederverzeichnis von 1981 der Pirckheimer-Gesellschaft, in der er bis 1985 Mitglied war, wird er als Sammler von Feuilleton, Berlin, Zeitungen, Judaica und (sic!) Friedhöfe ausgewiesen.
Übrigens, wer Zugriff auf die Zeitschrift „Marginalien“, 65. Heft (1977) hat, dem sei die „Perleberger Würfel-Rede“ von Heinz Knobloch ans Herz gelegt, die dieser anlässlich eines Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft hielt.

Ausstellung: 13. Mai - 27. September 2026
Stabi-Kulturwerk
Unter den Linden 8, 10117 Berlin
Führungen möglich unter knobloch100@web.de

Der Friedhof der vergessenen Bücher

Laut Schätzungen wurden nach 1989 mehr als 80.000.000 Bücher aus der DDR-Zeit unwiederbringlich vernichtet. Ganze Deponien stapelten Bücher, die kurz zuvor noch oft, gern und liebevoll von Menschen der DDR gelesen wurden, meterhoch.
Ich selbst habe diese Deponien noch in den 1990ern gesehen.
Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt nur einmal Vergleichbares gesehen: Auf Fotos aus dem Jahr 1933...
Nach 1990 verschwanden nicht nur Betriebe, Biografien und Lebensleistungen. Es verschwanden Bücher. Millionen. Ganze Bibliotheksbestände aus der DDR wurden entsorgt, verramscht, verbrannt oder schlicht ignoriert.

Was blieb, war eine kulturelle Leerstelle. Und genau hier beginnt die Geschichte der Peter-Sodann-Bibliothek.
Peter Sodann (1936 . 2024) beim Pirckheimer-Jahrestreffen 2015, Foto: Ralf Wege
In Staucha bei Meißen entstand ein Ort, den es so kein zweites Mal gibt: eine Bibliothek, die sich ausschließlich Büchern widmet, die zwischen 1945 und 1990 in DDR-Verlagen erschienen sind. Keine Auswahl nach politischer Opportunität, keine westliche Nachsortierung, kein "das kann weg": Alles bleibt.
Heute umfasst der Bestand mehrere hunderttausend Bücher. Rund 210.000 Titel sind bereits katalogisiert, viele weitere warten noch auf Sichtung und Erfassung. Darunter Belletristik, Kinder- und Jugendbücher, Sachliteratur, Lyrik, Theatertexte – und sogenannte graue Literatur: Betriebsdrucksachen, Gewerkschaftsmaterial, Broschüren, Publikationen, die sonst nirgends überliefert wurden.

(Markus Gelau, gesamter Artikel hier)

Dienstag, 28. Juli 2026

Wasserkunst, Malerei und Grafik

In Wurzbach ist aktuell die Ausstellung Wasserkunst, Malerei und Grafik, u,a, mit computerbasierter Grafik von Sieglinde Kunath, zu sehen.
Druck nach einer Zeichnung von Sieglinde Kunath
Auch das Sommerfest für die Kunst des Kunsthauses Müller steht in diesem Jahr unter dem Thema Wasser. Traditionell hängt Grafik auf der Wäscheleine. Die Musiker des Hot Club d´ Allemagne erfreuen mit Swing und Jazz und man kann bei hausgebackenen Kuchen und Kaffee inmitten von Kunst beisammen sein.
Zur Ausstellung erscheint eine Vorzugsgrafik „Landung eines U-Bootes“ von Michael Fischer-Art

Ausstellung: 29. Juli - 2. Oktober 2026
Lesung: 1. August 2026, 14 Uhr „Zwei Wassertropfen auf Reisen“. Mit der Autorin Irene Zoch und der Illustratorin Sieglinde Kunath
Sommerfest: 22. August 2026 um 14.00 Uhr
Tag des offenen Denkmals: 13. September 2026, 10 - 18 Uhr
Kunsthaus Müller
è Kunsthaus Müller & Galerie für zeitgenössische Kunst
Markt 6, 07343 Wurzbach/Thüringen

Ikfiiqaromiko. Wie bitte!

Unter dem Titel „Ikfiiqaromiko. Wie bitte!“ erschien im Hybriden-Verlag eine Mappe mit achtzehn Originalzeichnungen von Ulrich Tarlatt & Hartmut Robert Andryczuk.
© Ulrich Tarlatt
© Hartmut Robert Andryczuk
Achtzehn Originalzeichnungen
Ohne Text & Interpretationen
Arbeiten in einer Mappe
Signiert & Nummeriert
Format der Arbeiten: A5
Auflage: 8 Exemplare
450 €

Montag, 27. Juli 2026

Steidl-Verlag weiterhin optimistisch

Vor einigen Tagen machten in einigen Medien Gerüchte zum Steidl-Verlag die Runde: der Verlag, Rechtehalter u.a. für Günter Grass (1927–2015), sei in finanzielle Schieflage geraten, es wurde sogar spekuliert, der Verlag befände sich in Insolvenz und die Rechte am Werk von Günter Grass seien vakant. Als Grund für diese Gerüchte wurde angeführt, dass mehrere Klagen bezüglich nicht oder verzögert bezahlter Gehälter sowie offener Sozialabgaben anhängig seien. Auch die Günter und Ute Grass-Stiftung hatte angestrengt, wegen wiederholter Zahlungsausfälle die Verwertungsrechte an Grass-Werken wieder zurückzuholen. Der Verleger Gerhard Steidl selbst hatte eine wirtschaftliche Schieflage eingeräumt, da das Auslandsgeschäft durch amerikanische Zölle und chinesische Zensur um die Hälfte eingebrochen ist.
Eine drohende Insolvenz ist jedoch vom Tisch und die finanzielle Situation bessert sich. Gerhard Steidl wörtlich: „Wir sind mittlerweile über den Berg und kommen auch über die Runden. Inzwischen haben sich zwölf Investoren gemeldet: vier aus der Schweiz, drei aus den USA, zwei aus Singapur, einer aus Korea“.

Herzliche Glückwünsche zum 55sten

Hanif Lehmann auf der BuchDruckKunst
Hamburg 2026
Die herzlichsten Glückwünsche gehen heute an Hanif Lehmann!

Der Künstler und Betreiber der Widukind-Presse, seit 9 Jahren Pirckheimer, ist Bücherfreunden kein Unbekannter: für die Marginalien № 203 schuf er das Blatt „Entwässerungsgraben“, für das Pirckheimer-Jahrestreffen 2018 die traditionelle Speisekarte und die Aquatintaradierung „Bücherfenster“, der Berliner Bibliophilen Abend verdankt ihm die Graphik „Walter Benjamin“ als Bestandteil der Jahresgabe 2024.
Vor 5 Jahren stellte ich im damals von mir betriebenen Pirckheimer-Blog seinen Katalog „Radierungen aus fünfzehn Jahren. Verzeichnis der Tiefdrucke 2005 bis 2020“ vor.

Sonntag, 26. Juli 2026

Kornfeld-Auktionen

Die Schweizerische Bibliophilen kommen zu ihrem nächsten Büchertreff zu einer Führung durch die Vorbesichtigung der Highlights aus der September-Auktion mit Fokus auf die illustrierten Bücher und Portfolios aus der Privatsammlung von Eberhard W. Kornfeld zusammen.
Käthe Kollwitz, Die Freiwilligen
In der Ausstellung sind nebst Kunstwerken auch seltene Kunstbücher aus der Sammlung von Eberhard W. Kornfeld zusehen. Das Auktionshaus Kornfeld in Bern zählt zu den renommiertesten Adressen für Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts, für Druckgrafik und illustrierte Bücher, und unterhält neu eine Repräsentanz in Zürich.
Die Führung dauert ungefähr eine Stunde. Im Anschluss an die Führung bleibt noch Zeit für ein gemütliches Apéro und Austausch mit den Experten des Hauses Kornfeld. Anders als bei den Treffen der Schweizerischen Bibliophilen üblich findet dieser Anlass ohne anschließendes Nachtessen statt.

27. August 2026, um 18.30, Anmeldung erbeten

Kornfeld Zürich
Kirchgasse 50, 8001 Zürich

Samstag, 25. Juli 2026

Bram Stokers Dracula in Miniatur

Der Schweizer Buchbinder Roland Meuter, von dem hier bereits eine Liebhaberbindung für den Band „Bibliophilie“ von Ernst Fischer, die als Jahresgabe an alle Maximilianer ging, vorgestellt wurde, nahm sich einer dreibändigen Minibuch-Ausgabe von Bram Stokers „Dracula“ aus dem Miniaturbuchverlag Leipzig an.
Es entstanden wunderschöne Ganzlederbände in Kalb- und Oasenziegenleder in verschiedenen Farben mit dreiseitigem Goldschnitt, dessen vordere Untermalung jeweils von Susanne Smaijc gestaltet wurde. Der Rückentitel sind in Gold und die Deckelbemalungen stammen ebenfalls von Susanne Smaijc.
Die drei Bände erhielten eine Ganzlederkassette.

Bram Stoker, Dracula
Bd. 1 - 3, Miniaturbuchverlag Leipzig
Englisch, 4 x 5,5, cm
CHF 2600

Katalog „Graue Literatur“

Inspiriert von der sog. Wiener "Broschürenflut", als deren Auslöser Friedrich Schillings 1781 anonym erschienene Schrift "Über die Begräbnisse in Wien" gilt, haben wir einen Katalog mit mehr als 100 Publikationen des 17. bis 19. Jahrhunderts aus dem Bereich "Graue Literatur" zusammengestellt.
Streitschriften – Aufklärung – [Friedrich Schilling], 1781, Broschur der Zeit mit zweifarbigen Kattunpapier, Antiquariatskatalog durch Klick auf die Abb.)
Enthalten sind neben Schillings Schrift (und einer Publikation in Re-Reaktion darauf) eine große Vielfalt an Gelegenheitsdrucken, Kleinschriften, Privatdrucken, Hochschulschriften, Kalendern, Almanachen, Erbauungsbüchern und ähnlichem - die meisten davon in zeitgenössischen Buntpapier-Einbänden, und viele entweder nicht oder nur selten in Bibliotheken nachgewiesen.

Frohes planschen in der farbenfrohen Broschüren-Flut wünscht:

(Daniela Kromp)

Freitag, 24. Juli 2026

Gedenktafel für Heinz Knobloch

In Berlin Pankow wurde einer Gedenktafel am Heinz-Knobloch-Platz im Beisein seiner Kinder und Helmut Mehnert, Sprecher des Freundeskreises Heinz Knobloch, eingeweiht.
Foto oben rechts: Helmut Mehnert, Sprecher des Freundeskreises Heinz Knobloch
Heinz Knobloch, der vermutlich bekannteste Feuilletonist der DDR, schrieb unter anderem zu einem Jahrestreffen in Rostock 1976 der Pirckheimer-Gesellschaft, der er bis 1985 angehörte, einen Text, der in einem Heftchen aus der Reihe "Angebote" des Verlags Tribüne Berlin nachzulesen ist.
Für den Blogbetreiber ist diese Ehrung mit einer Gedenktafel ein wichtiges Ereignis, verbindet mich doch mit diesem Autor eine lange freundschaftliche Bekanntschaft, die ihren Höhepunkt in der Präsentation seiner „Geisterbahnhöfe“ im Hinterhof-Antiquariat fand.

Thomas J. Richter (1955 - 2026)

Thomas J. Richter, 15. Juni 2025, Vernissage zum 70. Geburtstag, Foto © ad
Der Maler und Grafiker Thomas J. Richter ist im Alter von 71 Jahren gestorben, er wurde am 17. Juli 2026 tot in seiner Berliner Wohnung aufgefunden.

Richter wurde am 15. Juni 1955 in Berlin geboren, bereits Vater und Großvater waren Maler. Er studierte zunächst an der Karl-Marx-Universität Leipzig, bevor er 1978 an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee wechselte, wo er bei Dieter Goltzsche und Dietrich Noßky Malerei lernte. Nach seinem Studium erhielt Richter wichtige Aufträge wie die Mitgestaltung des U-Bahnhofs Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin (1986/1987) oder die Monumentalskulptur »Schiff zur Rettung der Unschuld der Kunst« (1988/89, mit Martin Wilke) in Berlin-Pankow. Er schuf Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen. Besonders nach 1990 widmete sich Richter in seiner künstlerischen Arbeit der Verschränkung von Erotik und Revolution.

Vor einem Jahr fand in der jW-Ladengalerie, Thomas J. Richter wurde als „Hauskünstler“ der jungen Welt gesehen, die Ausstellung „Wenn Kommunisten träumen“ zum 70. Geburtstag des Künstlers statt, die Laudatio hielt der Pirckheimer Archi Galentz. Die Neujahrskarten, die Thomas J. Richter für Thomas Kaemmel schuf, finden sich in den PF-Sammlungen vieler Pirckheimer. U.a. erschien auch in der von Andreas Wessel, seinerzeit ebenfalls Pirckheimer, herausgegeben jW-Kunstedition der Holzschnitt des Künstlers „Paar am Strand“, ein schönes und provozierendes Gegenstück zu Walter Womackers gleichlautendem und wohl bekanntesten Gemälde aus der DDR der 60ger.

Restitution geraubter Bücher

Sieben Bücher aus der Bibliothek des französischen Historikers Marc Bloch (1886– 1944) und seiner Ehefrau Simonne Vidal, die während der NS-Zeit geraubt wurden, sind in Berlin an an die Familie des Historikers restituiert worden. Die Provenienz der Bücher konnte anhand von Besitzeinträgen und eines Exlibris eindeutig zugeordnet werden.
Marc Bloch wurde als Mitglied der Résistance am 16. Juni 1944 von der Gestapo hingerichtet. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft war er während der deutschen Besatzung antisemitischer Verfolgung und Enteignung ausgesetzt. Die nun restituierten Bücher stammen aus seiner umfangreichen Bibliothek, die im Dezember 1941 von den deutschen Besatzern in Paris beschlagnahmt worden war.
Organisiert wurde die Restitution von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz mit Unterstützung der französischen Kommission für die Rückgabe von Kulturgütern und die Entschädigung der Opfer antisemitischer Enteignungen (CIVS).

Auf Wunsch der Erbengemeinschaft werden alle in Deutschland wiedergefundenen Bücher an die Bibliothèque Halphen der Universität Sorbonne Paris I übergeben, um den serienmäßigen Charakter der Bibliothek Blochs zu bewahren.

(DEG)

Donnerstag, 23. Juli 2026

Das Erbe der Menschheit

Mit »Das Erbe der Menschheit« präsentiert das Goethe-Institut München eine ebenso kraftvolle wie vielschichtige Ausstellung, die visuelle Welten zwischen Erinnerung und Zukunftsvision entfaltet.
Zu sehen sind eindringliche Illustrationen und Grafiken, die furchtlos politische, gesellschaftliche und tabuisierte Themen ins Zentrum rücken.
Die stilistische und thematische Vielfalt dieser Bildwelten beeindruckt nicht nur durch das außergewöhnliche Können der beteiligten Zeichner, sondern auch durch ein ungewöhnliches Druckverfahren: Offset-Lithographien in bis zu fünf Sonderfarben verleihen jedem Exponat eine besondere Tiefe, Leuchtkraft und physische Präsenz.
© Mandy Dziubek
Ein zentrales Motiv der Ausstellung ist das spannungsreiche Verhältnis zwischen Menschen und Technik. Die chinesische Science-Fiction-Autorinnen Gu Shi und Chi Hui entwerfen in ihren Erzählungen faszinierende Zukunftsszenarien: Städte, die auf dem Ozean wurzeln. Künstliche Intelligenzen, die Blockbuster schreiben. Leben, die gespeichert, zurückgespult und neu gestartet werden können. Die bildmächtigen Visionen zu diesen Fragen wurden von Studierenden der Hochschule Düsseldorf und der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig entwickelt. Die Bilder erschienen in den Büchern »Das Erbe der Menschheit« und »Im Ozean ein Mutterschiff«.
© Ulrike Steinke
Die Ausstellung reicht weit über Science-Fiction hinaus. Die Ausstellung entfaltet außerdem ein Panorama von unterschiedlichen Themen und inspirierenden Illustrationen, die in der Reihe »MaroHefte« veröffentlich wurden. Sie lädt zur Begegnung mit fragwürdigen Verschwörungstheorien, gesellschaftlichen Absurditäten und eigenwilligen Erfindungen ein.
Insgesamt werden Bilder und Plakate aus 14 der bisher erschienenen 22 »MaroHefte« gezeigt.

Vernissage: 24. Juli 2026, 18.30 Uhr, Dr. Imke Mohr (Institutsleiterin), Einführung: Gudrun Bouchard (Kuratorin), musikalische Begleitung: Matthias Heiligensetzer (Jazz-Pianist)
Ausstellung: 27. Juli – 18. September 2026

Goethe-Institut München
Rablstraße 24, München

nach der Fußball-WM

gescheiterter Versuch eines Gruppenbildes des BBA
2024 gelang dann doch noch ein ein Foto mit einigen Mitgliedern des BBA,
aufgenommen von Susanne Rothe

Mittwoch, 22. Juli 2026

Michaela Melián, Straße

Hartmut Andryczuk vermeldet mit „Michaela Melián, Straße“ eine Neuerscheinung im Hybriden Verlag.
Es ist die Nachzeichnung unserer äußeren Welt: Mit einem schwarzen Faden auf weißem Papier, in bloßer Andeutung, ähnlich dem Rest einer Erinnerung, ähnlich dem Rest einer Erinnerung an einen Traum. Manchmal sind die Linien einfach, manchmal sind sie gestisch oder sogar verspielt. Manchmal hängen sie in Schlaufen aus dem Bogen heraus und ändern ihre Form, ändern ihren Verlauf. Dann beginnen sich die Ränder der Bäume zu wölben, dann hängen die Außenwände der Häuser aus dem Bild heraus. Das wäre der zufällige, spontane Anteil des Materials, das wäre der zufällige, spontane Anteil der Geschichte. Alle Linien wurden mit der Nähmaschine gemacht. Die Hände haben ihre Spontanität an die Maschine abgegeben, während die Maschine sich ihre eigene Spontanität nicht verkneifen konnte. Durch ihre Außenlinien wirken Straßen und Häuser und Bäume und Berge stark abstrahiert. Sie bleiben als Außenlinien stehen, die so umrissenen Flächen bleiben leer, im Kopf kann man sie selbst füllen. Das wäre ihre allgemeine Form. Allgemein sind zunächst auch die Motive: Straßen und Häuser und Bäume und Berge kommen überall vor. Gleichzeitig sind diese Zeichnungen von Landschaften aus schwarzem Faden auf weißem Papier dokumentarisch und damit konkret. Sie haben eine reale Referenz, beziehen sich auf reale Straßen und Häuser und Bäume und Berge. Das Blatt Papier, mit seinen oben aufliegenden Fäden und den darunter liegenden Einstichen entspricht der realen Landschaft. Sie beide sind erst geworden, indem sie abgespeichert haben, was ihnen widerfahren ist. Eine bloß natürliche Landschaft gibt es nicht, alle Landschaft ist voller historischer Spuren, manche sind blutig und manche banal. Die meisten Spuren liegen tief und werden erst sichtbar, wenn man von ihnen weiß, wenn man sie freilegt. Spuren verschwinden zwar unter Spuren, aber ganz los wird man sie nicht. Es ist mit ihnen, wie mit ihren Zeichnungen aus schwarzem Faden auf weißem Papier: wenn man die Fäden zieht, dann bleibt die Perforierung.

(Radek Krolczyk)
Michaela Melián, Triangel (2002), Panorama (2003)
Künstleredition, 58 Seiten
mit drei Bildserien von Michaela Melián
Audio-CD von Michaela Melián,
(Hand-Siebdruck, signiert und nummeriert)
Texte von Radek Krolczyk

Hybriden-Verlag, Berlin
in Zusammenarbeit mit der Galerie K’, Bremen 2026
Auflage: 100 €
Preis: 90 € (exklusive 8 € Postgebühren in Europa)

Wo Buchkunst Geschichte schreibt

Augsburg blickt auf eine beeindruckende Tradition als eines der bedeutendsten Druck- und Buchzentren Europas zurück.
Namen wie Erhard Ratdolt oder Johann Schönsperger prägten den Ruf der Stadt. Wo viel gedruckt wird, wächst der Bedarf an Einbänden – und so entstand im 15. und 16. Jahrhundert eine enorme Dichte an spezialisierten Werkstätten. Die Augsburger Meister orientierten sich am Geschmack des wohlhabenden Bürgertums und des Adels, daher entwickelten sich Bucheinbände in Augsburg früh zu einer Kunstform. Sie waren bekannt für ihre Experimentierfreudigkeit und die Übernahme von Stilen aus anderen Regionen. Ein wesentlicher Motor war die Familie Fugger: Johannes Fugger ließ als leidenschaftlicher Sammler tausende Werke in prachtvolle, einheitliche Einbände hüllen. Diese Aufträge lockten die besten Handwerker an und setzten europaweite Standards für bibliophile Sammlungen.
Das Zusammenspiel von erstklassigen Papiermühlen, meisterhafter Typografie und edler Einbandkunst machte die »Augsburger Qualität« zum Markenzeichen. Im 18. Jahrhundert folgten die berühmten Augsburger Buntpapiere – insbesondere die Brokatpapiere – wurden weltweit exportiert und veredeln bis heute unter anderem die Vorsatzblätter kostbarer Luxuseinbände.
Foto: Marcus Janssens
Heute ist von dieser einstigen Vielfalt nur noch eine handwerkliche Buchbinderei geblieben. Die AltstadtBuchbinderei ist ein meistergeführter Betrieb, der sich auf Einzel- und Sonderfertigungen spezialisiert hat und damit die bewegte Geschichte des Augsburger Handwerks fortschreibt. Die Wurzeln des Betriebs reichen bis in das Jahr 1885 zurück, als Leonhard Kraus die Werkstatt gründete. Die AltstadtBuchbinderei blieb ihrem historischen Standort im Handwerkerviertel treu.
Nachdem Roswitha Hilpert den Betrieb ab 2001 geführt hatte, übernahm 2016 Buchbindemeisterin Elisabeth Zelck das Zepter. Sie hat unter anderem 2024 Jahr das neue »Goldene Buch der Stadt Augsburg« gebunden.

In diesem Sommer gibt es ein besonderes Jubiläum zu feiern: Elisabeth Zelck blickt auf 10 Jahre Selbstständigkeit und gleichzeitig auf die stolze 141-jährige Geschichte der AltstadtBuchbinderei zurück.

Dienstag, 21. Juli 2026

Buchbinderei schloss nach 130 Jahren

Die alt eingesessene Buchbinderei Grieser in Berlin hat ab dem 1. Juli 2026 nach 130 Jahren ihre Türen für immer geschlossen.
Sie wurde 1896 vom Buchbinder Ernst Grieser gegründet und in Prenzlauer Berg bereits in der vierten Generation geführt, seit 1996 war Cris Grieser Inhaber.
Seit ich sie vor gut 40 Jahren das erste Mal besuchte, ich ließ eine Diplomarbeit binden, fand ich dort hilfreiche Unterstützung bei der Restaurierung und Neubindung von erhaltenswerten Büchern des damals in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen, inzwischen ebenfalls seit nunmehr bereits 10 Jahren erloschenen, Hinterhof-Antiquariats.

WH : M

Im Literaturhaus Leipzig sind die Druckgrafiken der Altenburger Künstlerin Sabine Müller zu sehen, deren Ausstellungstitel "WH: M." eine Verneigung vor dem Dichter Wolfgang Hilbig ist, der sein Lebensthema in immer neue literarisch anspruchsvolle Symbole verwandelte. Eine wesentliche Dimension dessen speist sich aus "M.", der "heimatstraße" und der jahrhundertelang von der Braunkohle geprägten Landschaft mit ihren Menschen, die auch Ausgangspunkt von Sabine Müllers Schaffen ist.

Die Künstlerin begleitet den Transformationsprozess, den das Ende der Braunkohleindustrie hervorruft, im intensiven Austausch mit Wolfgang Hilbigs Dichtung, begab sich sowohl in und um Meuselwitz als auch in Hilbigs poetischem Werk auf eine produktive Reise und schuf zunächst 14 grafische Blätter, die 2025 bei einer Pop-up-Ausstellung in Altenburg gezeigt wurden. Im Literaturhaus präsentiert sie jetzt, anlässlich von Wolfgang Hilbigs 85. Geburtstag 2026, einen größeren Werkausschnitt.

Die Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft macht auf etablierte, aber auch weniger bekannte Künstler und Künstlerinnen aufmerksam, die sich mit Hilbigs Werk beschäftigen, beispielsweise Johannes Heisig 2021 und Strawalde 2023 oder Katja Enders-Plate 2022. Die Offenheit seines Werkes für die künstlerische Adaption ist ein Aspekt, der mit Sabine Müllers Grafikausstellung eine weitere interessante Form gefunden hat.

Vernissage: 21. Juli 2026, 18 Uhr, Gespräch zwischen der Künstlerin und Katrin Hanisch (Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft e.V.). Die den Grafiken zugrunde liegenden Gedichte und Texte werden zu hören sein.
Ausstellung: 8. Juli - 2. September 2026

Literaturhaus Leipzig

Montag, 20. Juli 2026

Internationaler Schachtag

Elke Rehder, Irrationale Stellung, 1991
Heute ist Internationaler Schachtag, der seit 1966 jährlich am Gründungstag (20. Juli 1924) des Internationalen Schachverbandes (FIDE), gefeiert wird.
Ein Gruß von Elke Rehder an alle schachbegeisterten Bibliophilen.