Montag, 1. Juni 2026

Deutschland, Deutschland über alles

Das Bibliophile des Monats Juni, „Deutschland, Deutschland über alles: ein Bilderbuch. Von Kurt Tucholsky und vielen Fotografen. Montiert von John Heartfield.“, erschien 1929 im Neuen Deutschen Verlag in Berlin. Es zählt, als gesellschaftskritisches Werk mit rund hundert Foto-Text-Montagen, zu den bekannteren Werken Kurt Tucholskys. Im Buch werden dessen Texte u.a. mit Fotomontagen von John Heartfield, der am 19. Juni vor 135 Jahren geboren wurde, kombiniert, wobei die Texte die Abbildungen nicht einfach erläutern, sondern die Fotografien umdeuten oder kritisch kommentieren.
Neuer Deutscher Verlag, Berlin 1929 (1. - 20. Tausend, 1. Aufl.), Gr.8°, 231 S., zahlreiche Abb., OLwd. mit montierten farbigen Deckelbildern, gelber Kopfschnitt
Als Präambel ist dem Buch Zitat von Friedrich Hölderlin vorangestellt: „So kam ich unter die Deutschen. Ich forderte nicht viel und war gefasst, noch weniger zu finden. Demütig kam ich, wie der heimatlose blinde Oedipus zum Tore von Athen, wo ihn der Götterhain empfing; und schöne Seelen ihm begegneten – Wie anders ging es mir!
(Friedrich Hölderlin: Hyperion, Kapitel 67: Hyperion an Bellarmin)

Die Themen, die Tucholsky in seinem Buch anspricht, beziehen sich vor allem auf die damalige politische und gesellschaftliche Situation Deutschlands. Der Weltkrieg war 1918 zu Ende gegangen, die Revolution von 1918/19 war gescheitert, die Inflation war erst gerade abgeflaut. Die finanziellen und psychologischen Auswirkungen dieser Ereignisse prägten die deutsche Gesellschaft, die Demokratie steckte noch in den Kinderschuhen. Die Gesellschaft war geteilt durch starke soziale Gegensätze und Militarismus, wie auch ein überbordender Nationalismus waren immer noch an der Tagesordnung.
Obwohl sogar der Börsenverein der Deutschen Buchhändler versuchte, ein Boykott des Buches durchzusetzen und Anzeigenwerbung für den Titel ablehnte, worauf er sicher nicht stolz sein kann, und das Buch in der Weimarer Republik zu den umstrittensten Publikationen zählte, wurde es in den ersten zehn Tagen über 12.000-mal verkauft - bis heute wurde das inzwischen weltweit in vielen Sprachen erschienene Buch allein in Deutschland in mehr als 100.000 Exemplare gedruckt, so bereits 1929 als Lizenzausgabe parallel als Universum-Bücherei, bei Rowohlt ab 1964 und später als Taschenbuch, sowie in großen Auflagen in Verlag Volk und Welt in der DDR.

Künstlergespräch mit Siân BOWEN

Siân Bowen, eine bildende Künstlerin und Papierspezialistin, untersucht in ihrer zeichnungsbasierte Praxis Materialität, Zeit und Ort. Nach ihrem Kunststudium in Großbritannien lebte sie vier Jahre in Japan. Ihre Arbeiten entstehen häufig aus Recherchen in Archiven, Museen und archäologischen Stätten und beschäftigen sich mit fragilen Materialien und Transformation. Sie forscht derzeit als Honorary Research Associate in Kew Gardens und verbrachte jüngst einige Monate in Japan um traditionelle Pflanzenfärbungen und das seltene Schneebleichen von Washi-Papier zu erlernen. Ihre Arbeiten - komplexe Künstlerbücher zu Nova Zembla und zum Hortus Malabaricus - befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Victoria and Albert Museum, der New York Public Library, der Stanford University, des Boston Athenaeums und der Königlichen Bibliothek in Den Haag.
Die Arbeiten sind Teil eines fortlaufenden Projekts über Räume, die gefaltet, erweitert, neu konstruiert und transportiert werden können. Die Werke aus der Serie „Collapsible Spaces: urushi“ bewegen sich zwischen Falten und Entfalten sowie zwischen Zwei- und Dreidimensionalität. Im kleinen Maßstab entstanden, schaffen sie eine intime Verbindung zum Raum und verweisen zugleich auf größere architektonische Zusammenhänge.

(Susanne Padberg)

Künstlergespräch: 2. Juni 2026, 19 Uhr, eine Online-Version folgt in Kürze
GALERIE DRUCK & BUCH
Berggasse 21, 1090 Wien

Sonntag, 31. Mai 2026

Frühjahrskatalog des Roten Antiquariats

hinten.: Fritz Kahn, Der Mensch als Industriepalast, Farb-Litho.,
vorn: Acht Stunden, hrsg. Zentralstelle für Künstlerhilfe 1924
Die Liste Frühjahr 2026 des Roten Antiquariats und der Galerie Meridian ist erschienen.

Sie enthält 228 Positionen aus den Gebieten Architektur/Design, Kunst, Literatur und Exil-Literatur, wie gewohnt ausführlich beschrieben und größtenteils mit farbigen Abbildungen.

Zu beziehen ist der Katalog über Rotes Antiquariat und Galerie Meridian , Knesebeckstr. 13/14, 10623 Berlin.

Mittleilungen der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft

Nach Vorstellung des neuen Vorstands (Michael G. Schimek, Wolfgang Rudolf Kainrath, Alexandra S. Vogler, Michael Gryksa, Dorothea Stepan) werden im Heft Ausstellungen beschrieben: China und gemalte Musik, Ex Libris der Sammlung Haffld, Exlibris als Auftrag und die Sonderausstellung der Franz Traunfellner Dokumentation 2026, ergänzt durch Kurzrezensionen von Neuerscheinungen. Weiterhin findet man deb FISAE Newsletter und u.a. Termine 2026. Als Beilage Programmfolder der ÖEG Jahrestagung 2026 in Seitenstetten.
Das Exlibris auf der Titelseite  Exlibris stammt vom deutsch-österreichischen Heraldiker und Wappenmaler Ernst August Krahl (1858-1926): Geistliches Exlibris des Hugo Springer (1873-1920), 58. Abt (1908-1920) des Benediktinerstiftes Seitenstetten. In hochformat-rechteckigem Rahmen gebildet aus Arkanthusornament das Wappen: gespalten, vorne in Rot auf einem grünen Dreiberg ein silbernes Astkreuz, das Querholz und Vertikalholz mit je vier Astansätzen schrägrechtsgestellt [ähnlich dem Motiv des Wappens der Marktgemeinden Seitenstetten und Ybbsitz].

Gernot Blum (1939 - 2026)

Am 27. Mai starb einer der längstfungierenden Präsidenten der DEG, Dr. Gernot Blum im Alter von 86 Jahren. Nach längerer Krankheit mit fast unzähligen Krankenhausaufenthalten in einem Seniorenheim. Seine fast 200.000 Exlibris und Gelegenheitsgrafik umfassende Sammlung bildet heute den Grundstamm des Internationalen Exlibris Zentrum Mönchengladbach (IEZ).

Im Verlauf weniger Jahre gelang es Gernot durch groβzügige Erteilung von Aufträgen an bekannte, aber auch weniger bekannte, Künstler, seine umfangreiche Sammlung aufzubauen und er wurde der Präsident der DEG über eine Spanne von 20 Jahren!

Er war aber nicht nur Sammler, Präsident und damit federführend für die DEG, er war auch Verfasser wichtiger Publikationen und nicht zuletzt vieler relevanter Artikel.

Für diesen langjährigen Einsatz, nicht immer ohne Schwertschläge um Konsensus zu erreichen, wurden ihm zwei der bedeutenden Auszeichnungen der DEG zuteil: die Verleihung der Walter-von-Zur-Westen-Medaille und die Ernennung zum Ehrenmitglied der DEG.

Der DEG und ihren Mitgliedern wird er in Erinnerung bleiben und durch das IEZ-Mönchengladbach auch einer ergiebigen Umwelt.

(Klaus Rödel, Nachruf)

Samstag, 30. Mai 2026

Von Tieren und anderen seltsamen Wesen

24. Juni 2026, 20 Uhr
Reha-Zentrum Seehof
Lichterfelder Allee 55, 14513 Teltow

Walzpostkarte Nr. 15

Marie-Luise Charlotte Weier
Stipendiatin des Vereins für die Schwarze Kunst
Schriften: Aurora 24 p, Futura 192 p, Helvetia 12 p
Gedruckt auf der FAG Swiss Proof 40 bei slowtype.
Ludwigshafen, 2026

Freitag, 29. Mai 2026

Jahrestreffen der Maximilian-Gesellschaft

Die 1911 in Berlin entstandene und 1946, also vor 80 Jahren in Hamburg neu gegründete Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst, hielt heute in der Hansestadt ihr Jahrestreffen ab.

Im Museum für Kunst & Gewerbe präsentierte Kurator Dr. Thomas Gilbhard im Spiegelsaal ausgewählte Werke aus der Sammlung, dazu gab es weitere Beiträge zu einzelnen Themen (humanistische Frühdrucke, Bucheinbände von Carl Otto Czeschka und Kurt Londenberg, zeitgenössische Buchkunst). Es folgten Einblicke in weitere Sammlungen und Abteilungen des Museums mit dem Kurator Olaf Kirsch in die Sammlung Musikinstrumente, mit Dr. Joanna Klysz-Hackbarth in die Grafische Sammlung und mit dem Restaurator Maximilian Muncke in die Werkstatt der Papierrestaurierung.
Nach der Jahresversammlung im Spiegelsaal des MK&G stand noch eine Führung durch die Sondersammlungen der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg durch Dr. Anne Liewert) auf dem Programm, das eintägige Jahrestreffen wurde mit einem geselliges Beisammensein im Café David beendet.

Keller 111, Altenbourg 99, Grass 99

In der Jahresreihe des Museums für Steindruck Keller 111, Altenbourg 99, Grass 99 ehren Künstler in der derzeitigen Ausstellung Gerhard Altenbourg mit ihren Arbeiten der Mappe „wie Gras im Wind" von 1990. 
Von Altenbourg selbst zeigen wir eine Reihe von graphischen Blättern in der Technik der Kaltnadelradierung. 
In einem Museumsgespräch wird der Leipziger Galerist Volker Zschäckel aus aus dem Leben und Schaffen Gerhard Altenbourgs berichten. 
Der jüngste Künstler eines Steindruckes aus der Mappe „wie Gras im Wind", Jens Pfuhler, wird ebenfalls anwesend sein. Er schuf für diese Ausstellung im Steindruck jeweils das Plakatmotiv, ein Einlageblatt der Einladungskarte und eine Vorzugsgraphik, die er vor Ort signieren wird, gedruckt von Christian Müller, ohne Titel, Auflage 30 Exemplare, signiert, nummeriert, Büttenpapier Hahnemühle 300g/qrn, Motivformat 38 x 28 cm, Blattformat 45 x 35 cm, Vorzugspreis 60 €, nach der Ausstellung 120 €. 

(Christian und Bärbel Müller)

30. Mai - 25. Juli 2026 
Museumsgespräch: 6. Juni 2026, 14 Uhr, mit Volker Zschäckel

Kunsthaus Müller
è Kunsthaus Müller & Galerie für zeitgenössische Kunst
Markt 6, 07343 Wurzbach/Thüringen

Donnerstag, 28. Mai 2026

Ausflugstipp des BBA

© Annette Hauschild, Agentur OSTKREUZ
Mit einem Konzert des BuWa Orchesters unter der Leitung von Sebastian Bade wird in Waldsieversdorf, östlich von Berlin in der Märkischen Schweiz gelegen, mit Blasmusik und Big Band Swing aus Anlass von Wieland Herzfeldes 130. Geburtstags eine neue Ausstellung mit John Heartfields Fotomontagen und Herzfeldes Kommentaren eröffnet.
Manfred Dietrich (Autor und Regisseur) wird im Gespräch mit Ronald Weber (Autor und Literaturwissenschaftler) über das Duo Heartfield und Herzfelde sprechen und die Ausstellung, die von erstaunlicher Aktualität ist, eröffnen. Die Ausstellungstafeln gestalteten Astrid Landsmann und Sabine Frost.
Berliner Bibliophile besuchten das Heartfield-Haus zur Jahresexkursion vor 7 Jahren
31. Mai 2026, 15 Uhr

Freundeskreis John Heartfield Waldsieversdorf e.V.
Heartfield Haus, 15377 Waldsieversdorf

Don Quijote – Kunst und Kuriosa

Der Roman des spanischen Schriftstellers Miguel de Cervantes (1547-1616) um die Abenteuer von Don Quijote und seinem weltklugen Knappen, Sancho Panza, gehört zu den Klassikern der Weltliteratur. Von der Symbolfigur des an der Realität scheiternden Idealisten ließen sich zahlreiche Künstler inspirieren.

Auch unter Exlibris-Künstlern und Künstlerinnen sind die Abenteuer des tragikomischen Ritters ein verbreitetes Thema, das von den Sammlern gerne aufgenommen wird. Eine einzigartige Sammlung von Papierarbeiten und Skulpturen europäischer Künstler aus verschiedenen Jahrhunderten mit Darstellungen des Don Quijote beherbergt das Mönchehaus Museum in Goslar.
Darunter auch die Don Quijote Exlibris-Sammlung des ehemaligen DEG-Ehrenpräsidenten Paul G. Becker, die er vor einigen Jahren dem Museum gestiftet hatte. Ein Buch zu der Sammlung Paul G. Beckers mit einem ausführlichen Text von ihm ist im Museumsshop erhältlich. Auf Nachfrage ist ein Einblick in die einmalige Sammlung möglich.

Mönchehaus Museum Goslar
Verein zur Förderung moderner Kunst e.V.
Mönchestraße 1, 38640 Goslar

Mittwoch, 27. Mai 2026

Börsenblatt: „Bibliophile trafen sich in Kassel“

Prof. Jürgen Wolf erklärt Klebebücher in der Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek, lks.: Ninon Suckow© Silvia Werfel
Die Gesellschaft der Bibliophilen hat vom 7. bis 10. Mai ihre 125. Jahresversammlung in Kassel abgehalten. Rund 25 Teilnehmende kamen in der documenta-Stadt sowie bei Ausflügen nach Höxter und Bad Arolsen zusammen.

Der Freitag begann mit einer Führung durch die GRIMMWELT Kassel. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblick in das sprach- und kulturwissenschaftliche Erbe der Brüder Grimm, unter anderem Grimms Handexemplare der Volksmärchen, die zum Weltdokumentenerbe der UNESCO gehören, sowie die Präsentation der "Zettelwirtschaft" der Brüder.

Am Nachmittag führte das Programm nach Höxter zum UNESCO-Weltkulturerbe Schloss Corvey. Besichtigt wurde die Fürstliche Bibliothek, eine Privatbibliothek des 19. Jahrhunderts mit rund 74.000 Bänden. Als Bibliothekar wirkte dort Heinrich Hoffmann von Fallersleben.
In der Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek, © Kai Weber
Am Samstag öffnete das documenta-Archiv seine Türen. Martin Groh (Archiv) und Marlene Theinhardt (Bibliothek) führten durch Lesesaal und Aktenarchiv und präsentierten Rara zu Buchkunst und Künstlerbüchern.
Anschließend reiste die Gruppe nach Bad Arolsen. Dort führten Sina Degenhardt und Prof. Dr. Jürgen Wolf durch die Fürstlich Waldecksche Hofbibliothek. Kerstin Braun und Philipp Wecker stellten die Stiftung Bibliothek Brehm vor.

Höhepunkt des Sonntags war der Festvortrag des Buchgestalters Friedrich Forssman im Hof vor dem Antiquariat Jenior. Unter dem Titel "Buch und Schönheit. Ein Dialog mit dem Publikum" unterschied Forssman zwischen dem funktionalen Gebrauchsgegenstand Buch und besonders aufwendig gestalteten Büchern.
Den Abschluss bildete eine Führung von Dr. Bernhard Lauer durch Räume und Garten der Brüder-Grimm-Gesellschaft. Die Organisation des Programms lag bei Sebastian Eichenberg, Antiquar und zweiter Vorsitzender der Gesellschaft der Bibliophilen.

Die nächste Jahresversammlung soll voraussichtlich im Frühjahr 2027 in Potsdam stattfinden.

Aus der eigenen Sammlung

Dr. Jens Katzek wird dem Leipziger Bibliophilen Abend in der Reihe „Aus der eigenen Sammlung“ zum Thema „Von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus und zur Exil-Literatur“ mit Originalausgaben vorstellen.
Die Literatur über die Entstehung des Nationalsozialismus füllt ganze Bibliotheken. Dennoch hat Götz Aly mit seinem jüngst erscheinen Buch „Wie konnte das geschehen?« eine Lücke geschlossen, wenn es darum geht, für die Menschen von heute emotional nachvollziehbarer zu machen, wie aus der Revolution 1918 im Laufe der Weimar Republik der Nationalsozialismus erstarkte; wie alle Anstrengungen von Widerstand am Ende brutal niedergeschlagen wurden und sich viele ins Exil begaben, um von dort aus ihren Kampf fortzusetzen. Diesen Weg nicht nur formal zu kennen, sondern auch emotional besser nachvollziehen zu können - dabei hilft das Blättern und Lesen in den Quellen der Zeit. Die Schlagzeilen der LVZ aus dem Jahr 1918 oder des Vorwärts der SPD aus dem Prager und später dann dem Pariser Exil von 1933-1940 lassen uns heute in einer Intensität in die Geschehnisse der damaligen Zeit eintauchen, wie dies trockene Wahlstatistiken und politische Analysen kaum vermögen. Wenn man sich heute die satirischen Wochenzeitschriften aus den 1920er Jahren betrachtet, in denen der Nationalsozialismus mit Hohn bedacht, und damit wohl auch unterschätzt wurde; wenn man die Analysen über die Zeit in Exilpublikationen wie der zweiwöchentlich erscheinen Zeitschrift „Das neue Tage-Buch“ liest, die von 1933-1939 in den Niederlanden herausgegeben wurde; wenn man die raffinierte Technik des „zwischen den Zeilen schreibens“ im von der SPD in Berlin herausgegebenen „Blick in die Zeit“ aus den Jahren 1934/1935 betrachtet, dann bekommt man ein eindringlicheres Bild und damit ein besseres Verständnis für die damaligen Entwicklungen.
Jens Katzek wird dabei Ausschnitte aus Originalpublikationen zeigen, die z.T. auch vor Ort zu besichtigen sind.

9. Juni 2026, 19.30 Uhr

Haus des Buches Leipzig
Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

Dienstag, 26. Mai 2026

Exkursion Ukrainischer Bibliophiler

Am 26. Mai unternahm Bücherfreunde des Odessa-Hauses der Wissenschaften einen Ausflug ins Konstantin Georgijewitsch Paustowski-Museum.
In Vorträgen wurden den Teilnehmern der Exkursion Bücher mit literarischen Skizzen von der Krim, Gurzuf und Odessa, präsentiert.

Bücher sammeln, Bücher verstreuen

Die Frage, was mit der eigenen oder einer ererbten Bibliothek werden soll, treibt viele um.
Memento mori: Die private Büchersammlung eines verstorbenen Deutschlehrers empfängt die Besucher im Deutschen Romantikmuseum.© Maximilian von Lachner
Sollten wir uns nicht als „Gastgeber“ von Büchern verstehen, die wir dann irgendwann wieder ziehen lassen?
Das war einer der Gedanken auf einem Symposium, das unter dem Titel „Die Zukunft der Privatbibliotheken“ am Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt abgehalten wurde.
Sammlungen werden lange aufgebaut und treffen nach dem Tod des Besitzers auf Erben, die kein Interesse und keinen Platz für oft an die zehntausend Bücher haben, wohl aber wissen, wie wichtig dem Verstorbenen das alles war. Antiquare kaufen nur einen Bruchteil an, weil sie wiederum keine Käufer für die meisten Bände haben. 
Wenn, wie Anne Bohnenkamp vorschlug, eine Büchersammlung auch „das geistige Porträt“ eines Individuums darstellt, dann schmerzt der Anblick eines Bauschuttcontainers vor einer Wohnung, in dem Tausende Bücher dem Regen ausgesetzt sind, bevor sie auf den Schuttplatz wandern, eben doppelt: einmal um der Bücher willen, dann aber auch, weil auf diese Weise die Erinnerung an einen Menschen entwertet und ausgelöscht wird.
Was also tun, wenn die Klassiker – behalten, verschenken, verkaufen – aus unterschiedlichen Gründen wenig geeignet sind, das Problem zu lösen? An diesem Nachmittag kamen viele Perspektiven zusammen, die im Publikum vielfach geteilte des besorgten Liebhabers, aber auch die kühle des Frankfurter Antiquars Wolfgang Rüger, der zu Recht auf das Internet als Schicksal seiner Branche verwies: Am Anfang war die Reichweitenvergrößerung ein Segen für sein Antiquariat, dann machte die totale preisliche Transparenz das Geschäft kaputt, weil nun jeder den anderen unterbiete.

(aus: Tilman Spreckelsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Dank an Klaus Bartel für den Hinweis

Montag, 25. Mai 2026

„Schlaf der Vernunft“

Die Ausstellung „Schlaf der Vernunft“ lädt zu einer verrückten Auseinandersetzung mit einem der ältesten und vielfältigsten Themen der Menschheitsgeschichte ein. „El sueño de la razon produce monstruos“, heißt es bei Goya: „Der Schlaf der Vernunft bringt Ungeheuer hervor.
Ungeheuer – also schreckliche, spukhafte, gespenstische, grausige Geschöpfe – begleiten die künstlerische Reise durch die Innen- und Außenwelten von acht Künstlern, die dieses gruselige Phänomen aus subjektiven Perspektiven erkunden:
Claudia Arndt | Martin Bartels | Julienne Jattiot | Susann Pönisch | Nadine Respondek | Thomas Siemon | Steve Viezens | Magda Voerster,
Der Begriff „Monstrum“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet ursprünglich „Wunder“ oder „Missbildung“. Historisch wurde das Ungeheuer als Anomalie betrachtet, die das Bekannte sprengt und zugleich fasziniert. In der Kulturgeschichte sind Monstren Symbole für das Unbekannte, das Unerklärliche und das Angst-Einflößende, aber auch für das Staunen über die Vielfalt des Lebens.

Die teilnehmenden Künstler nähern sich dem Thema auf äußerst unterschiedliche Weise – von figurativen Darstellungen bis hin zu abstrakten Installationen. Dabei reflektieren sie nicht nur die historischen Bedeutungen, sondern auch aktuelle gesellschaftliche Fragen rund um Identität, Andersartigkeit und Angst. Die Ausstellung lädt dazu ein, in eine Welt voller Wunder und Kuriositäten einzutauchen und die vielschichtige Faszination schräger Gestalten und wilder Welten zu entdecken sowie den Tönen aus fernen Galaxien zu lauschen.
Zur Ausstellung ist eine wunderbare Publikation erschienen: Liminal – das ektoplasmische Magazin. 12 Seiten im Bleisatz und Buchdruck mit originalgrafischen Illustrationen im herrlich unpraktischen Großformat!
Eröffnung: 30 Mai 2026, 18 Uhr
Ausstellung: 30. Mai - 20. Juni 2026

neurotitan
Rosenthaler Str, 39, 10178 Berlin

Bibliomania – Sachsen-Anhalts Künstlerbücher

Hochhackige Leselust-Objekte und Pop-Up-Cartoons, filigrane Miniaturen und robuste Riesen: Die Landessammlung Künstlerbücher Sachsen-Anhalt, die 1992 in Dessau angelegt wurde und seit 1997 durch Ankäufe durch das Kultusministerium gefördert wird, bietet einen einzigartigen Überblick zur Vielfalt dieses künstlerischen Genres. Die neue Ausstellung „Bibliomania – Sachsen-Anhalts Künstlerbücher“ stellt die formale und thematische Bandbreite des Bestands nun erstmals vor.
Waren die Erwerbungen der ersten Jahre noch stark von der DDR und der Wendezeit geprägt, steht inzwischen der Bezug zur Geschichte und Kultur des Landes und die Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern aus Sachsen-Anhalt im Fokus.
In Buchform umgesetzte Kunstwerke haben seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts Konjunktur. Oft nur bedingt zum Lesen geeignet, stellen Buchobjekte aus Glas, Holz und Eisen unsere eingeübte Vorstellung vom Buch in Frage. In einer faszinierenden Material- und Formenvielfalt laden sie zum Betrachten und Blättern ein. Dabei stellen sie nicht nur den Bibliophilen und Bibliomanen die Frage nach dem Wesen des Buches zwischen Objekt und Text.
Mal als Einzelstück, mal als größere Edition aufgelegt, führen die ausgestellten Künstlerbücher zum Beispiel durch Sachsen-Anhalt oder laden zu einer Winterreise mit Wilhelm Müller ein. Der Bestand an Anthologien, wie dem Magazin für visuelle und experimentelle PoesieUNI/vers(;) oder dem Künstlerbuch-Almanach common sense, wird auszugsweise aufgeblättert. Arbeiten von Lehrenden und Absolventen der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, die Buchkunst als eigenständigen Studiengang anbietet und die gestalterischen Potentiale des Mediums auslotet, geben Einblicke in die aktuelle Produktion.

(Christoph Erdmann)

Eröffnung: 12. Juni 2026, 18 Uhr
Ausstellung: 12. Juni - 9. August 2026

Schloss Köthen
Schlossplatz 5, 06366 Köthen (Anhalt)

Sonntag, 24. Mai 2026

Frohe Pfingsten ...

... wünsche ich allen Lesern dieses Blogs mit diesem Gruß unseres Mitglieds Bernd Friedrich, gedruckt mit historische Bleilettern sowie Klischees im experimentellen Handdruck.

Samstag, 23. Mai 2026

Arno Mohr zum 25. Todestag

Arno Mohr: "Die Treppe", 1995, Kaltnadel, 18,3 x 13,4 cm
Die Berliner Galerie Gesellschaft erinnert an den heutigen 25. Todestag des Berliner Zeichners, Grafikers und Malers Prof. Arno Mohr (29. Juli 1910 - 23. Mai 2001).

Arno Mohr war nicht nur selbst ein begnadeter Bildschöpfer, sondern auch ein Hochschullehrer, der Generationen ostdeutscher Künstler geprägt hat.

Der Deutschlandfunk widmete ihm ein "Kalenderblatt".

(Heike Saborowski & Andreas Wessel)

„Collection of British and American Authors“

Der britische Sammler Alastair Jollans wird seine umfangreiche Tauchnitz-Sammlung mit rund 5.000 Bänden an die Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) übergebem  – einmal von Leipzig in die Welt und zurück.
Im Mittelpunkt steht die legendäre „Collection of British and American Authors“, mit der der Leipziger Verleger Christian Bernhard von Tauchnitz seit 1841 englischsprachige Literatur für das kontinentale Europa zugänglich machte. Tauchnitz gilt damit als Wegbereiter des modernen Taschenbuchs. Mit der Schenkung kehrt ein bedeutender Teil dieses Leipziger Buchstadt-Erbes an seinen Ausgangspunkt zurück.

Bei der Veranstaltung sind erstmals ausgewählte Bände der Sammlung zu besichtigen. Die Direktorin der UBL, Dr. Anne Lipp wird in den Abend einführen und der Tauchnitz-Forscher Charles Johanningsmeier (Nebraska, USA) in einem Vortrag auf die Bedeutung der Sammlung eingehen. Die Leipziger Tauchnitz-Forschergruppe – Dietmar Böhnke, Thomas Keiderling, Melanie Mienert und Stefan Welz –, die die Schenkung vermittelte, meldet sich auch zu Wort. Höhepunkt wird die symbolische Übergabe der Sammlung in Anwesenheit von Alastair Jollans (Großbritannien) an die UBL sein.

10. Juni 2026, 18 Uhr

Universitätsbibliothek Leipzig
Beethovenstrasse 6, 04107 Leipzig