| Memento mori: Die private Büchersammlung eines verstorbenen Deutschlehrers empfängt die Besucher im Deutschen Romantikmuseum.© Maximilian von Lachner |
Das war einer der Gedanken auf einem Symposium, das unter dem Titel „Die Zukunft der Privatbibliotheken“ am Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt abgehalten wurde.
Sammlungen werden lange aufgebaut und treffen nach dem Tod des Besitzers auf Erben, die kein Interesse und keinen Platz für oft an die zehntausend Bücher haben, wohl aber wissen, wie wichtig dem Verstorbenen das alles war. Antiquare kaufen nur einen Bruchteil an, weil sie wiederum keine Käufer für die meisten Bände haben.
Wenn, wie Anne Bohnenkamp vorschlug, eine Büchersammlung auch „das geistige Porträt“ eines Individuums darstellt, dann schmerzt der Anblick eines Bauschuttcontainers vor einer Wohnung, in dem Tausende Bücher dem Regen ausgesetzt sind, bevor sie auf den Schuttplatz wandern, eben doppelt: einmal um der Bücher willen, dann aber auch, weil auf diese Weise die Erinnerung an einen Menschen entwertet und ausgelöscht wird.
Was also tun, wenn die Klassiker – behalten, verschenken, verkaufen – aus unterschiedlichen Gründen wenig geeignet sind, das Problem zu lösen? An diesem Nachmittag kamen viele Perspektiven zusammen, die im Publikum vielfach geteilte des besorgten Liebhabers, aber auch die kühle des Frankfurter Antiquars Wolfgang Rüger, der zu Recht auf das Internet als Schicksal seiner Branche verwies: Am Anfang war die Reichweitenvergrößerung ein Segen für sein Antiquariat, dann machte die totale preisliche Transparenz das Geschäft kaputt, weil nun jeder den anderen unterbiete.
(aus: Tilman Spreckelsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung)
☞ Dank an Klaus Bartel für den Hinweis ☜








