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| Kirchenbibliothek in Salzwedel, Foto: Margit Scholz / EKM |
Ein Forschungsprojekt der
Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der
Staatsbibliothek zu Berlin soll in Vergessenheit geratene Bücherschätze wieder bekannt machen.
In den kommenden drei Jahren sollen die Bestände von 17 bedeutenderen Pfarrbibliotheken in Sachsen-Anhalt erfasst werden, sagte Projektleiterin
Margit Scholz vom landeskirchlichen Archiv in Magdeburg.
Vermutlich seien dies mehr als 23.000 historische Drucke und Handschriften aus der Zeit bis 1850. Davon sollen etwa 5.000 Titel auch digitalisiert werden. Voruntersuchungen hätten bereits einige unbekannte Drucke oder Werke mit handschriftlichen Kommentaren und Anmerkungen zu Tage gefördert, teilten die Projektpartner mit.
Gerade in Mitteldeutschland gebe es „durchgängig sehr alte Bibliotheken, die bisher kaum erschlossen sind“, oft aus dem 16. oder frühen 17. Jahrhundert, sagte Thomas Fuchs von der Universitätsbibliothek Leipzig.
Insgesamt gebe es auf dem Gebiet der mitteldeutschen Kirche etwa 1.000 Pfarrbibliotheken, die vielfach unbekannte Drucke und Handschriften aus der Reformationszeit und folgenden Jahrhunderten beherbergten. Das Projekt solle helfen, dieses reiche kulturelle Erbe zu bewahren und zugänglich zu machen.
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| Die Pfarrbibliothek Zeitz gehört zu den größten Partnern im Projekt, Foto: Margit Scholz / EKM |
Die wohl älteste noch bestehende Bibliothek in Sachsen-Anhalt sei jene der
Katharinenkirche in Salzwedel. Diese sei nachweislich vor 1467 angelegt worden. Mit rund 4.200 Titeln sei sie zudem die zweitgrößte der am Projekt beteiligten 17 Pfarrbibliotheken.
Mancherorts haben Krieg oder Feuchtigkeit die historischen Schriften komplett vernichtet oder schwer geschädigt. Nicht selten hätten die Bücherschränke in muffigen Kirchtürmen gestanden. Deshalb müssten etliche Werke wohl fachmännisch konserviert oder sogar restauriert werden, bevor sie digitalisiert werden könnten. Dafür seien vermutlich weitere Aufwendungen nötig, hieß es.
Zu den herausragenden Objekten im Projekt zählen mittelalterliche Handschriften, Wiegendrucke, Flugblätter, Leichenpredigten, Noten und frühe Zeitungen. Die umfangreichste der ausgewählten Sammlungen sei die Bibliothek von
St. Michaelis in Zeitz, deren Entstehung in die Zeit vor der Reformation zurückreicht. Sie verwahrt mehr als 7.400 Titel, darunter eines von weltweit nur drei erhaltenen Exemplaren des Plakatdrucks der 95 Thesen
Martin Luthers von 1517.
Die eine oder andere Überraschung verspreche auch die sogenannte „Turmbibliothek“ der
Andreaskirche in Eisleben, hieß es weiter. Ihre etwa 2.700 Schriften umfassen auch Bestände des
Klosters Helfta und lagern mittlerweile im Archiv der Luther Museen. Kostbarkeiten werden zudem in der Bibliothek der
Stephanikirche Aschersleben vermutet, deren Bestände zum Teil auf die Sammlung des Theologen
Johannes Olearius (1611-1684) zurückgehen.
(
Thomas Nawrath, kompl. Artikel
hier)