Mittwoch, 20. Mai 2026

Buch des Monats: Ballspenden

Buch des Monats Mai 2026 der AG Sammlung Deutscher Drucke ist eine „Ballspende“, ein im Rahmen der Sammlung Deutscher Drucke hat die Staatsbibliothek zu Berlin jüngst erworbenes handliches kleines Heft, das in jede Jackentasche passt: die Secessionistische Zeitung vom 17. April 1899, erschienen in Wien im Verlag des Wiener Journalisten- und Schriftsteller-Vereines „Concordia“.
„Ballspenden“ haben nichts mit Sport zu tun, sondern mit Festen und Tänzen! Bei einem Tanzball wurde die sogenannte Ballspende vom Veranstalter an die anwesenden Damen überreicht, eine Vorform des Werbegeschenks, allerdings in einer höchst kultivierten Form. Die Blütezeit der Ballspenden war in Wien – wo auch sonst?! – um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Der Inhalt besteht aus satirischen Prosatexten und Gedichten, die auf aktuelle, vor allem literarische Ereignisse Bezug nehmen. Schließlich wurde dieser Ball vom Journalisten- und Schriftsteller-Verein veranstaltet. Der Verein wurde 1859 gegründet und veranstaltet seit 1863 und bis heute regelmäßig seinen Concordia-Ball.
Worauf es aber eigentlich bei einer Ballspende ankommt, das findet sich hier ganz hinten auf dem letzten Blatt: Die Tanzkarte.
Diese Tanzkarte ist Ursprung und Hauptsache der Ballspende: Es handelt sich um eine Liste der Tänze, die bei dem Ball gespielt werden. Daneben ist Platz gelassen zum Eintragen der Herren, die den jeweiligen Tanz gewährt bekommen haben.
Diese Tanzkarte schafft der Dame nun ein ganz praktisches Problem: Wohin mit der Karte, woher einen Stift nehmen?
Deshalb haben sehr viele Ballspenden gleich alles dabei: Neben der Karte noch einen kleinen Bleistift und einen Haken zum Anhängen am Kleid.

Im Kulturwerk der Staatsbibliothek zu Berlin kann man derzeit Ballspenden im Original bestaunen oder virtuell hier.

(Silke Trojahn)

Staatsbibliothek zu Berlin / Stabi Kulturwerk
Unter den Linden 8, 10117 Berlin

Dienstag, 19. Mai 2026

Ergebnisse des DEG-Wettbewerbs 2026

Auf der vor einer Woche zu Ende gegangenen Jahrestagung der Deutschen Exlibris-Gesellschaft wurden die Ergebnisse des hauseigenen Wettbewerbs 2026 bekannt gegeben.

Der Preis der Jury (Wolfgang Fiedler, Lydia Willemsen und Gert Groeneveld) für den „Besten Künstler“ bzw. die „Beste Künstlerin“ ging an Horst Brandenburg aus Mecklenburg-Vorpommen, dem von der „Society of Wood Engravers“ der „First-Time Exhibitor Price“ für das Exlibris „Despair“, mit einem palästinensischen Jungen auf Trümmern hockend im Gazastreifen verliehen wurde und dessen Exlibris „Der König der Lüftehier als Exlibris des Monats April der DEG vorgestellt wurde.
Den Publikumspreis erhielten die Ukrainer Marina Kupkina und Sergey Kirnitskiy, sowie Jochen Kublik aus Deutschland, die Abbn. der von den Künstlern geschaffenen Exlibris werden hiermit nachgereicht,

Montag, 18. Mai 2026

Harald Metzkes (1929 - 2026)

Die Stadt Altlandsberg trauert um ihren Ehrenbürger Harald Metzkes. Der Maler und Grafiker ist am 14. Mai im Alter von 97 Jahren verstorben.
Harald Metzkes Sept. 2021 in seinem Atelier in Wegendorf, Foto: Armin Schubert
Harald Metzkes gehörte zu den bedeutenden deutschen Künstlern seiner Generation. Sein Werk war eigenständig, vielschichtig und von einem wachen Blick auf den Menschen geprägt. Er suchte nicht das Vordergründige, sondern das Dahinterliegende: die Brüche, die Würde, die Verletzlichkeit und die leisen Wahrheiten des Lebens.
Geboren 1929 in Bautzen, führte ihn sein Weg über das Handwerk des Steinmetzen und das Studium der Malerei in Dresden nach Berlin. Als Vertreter der Berliner Malschule blieb er künstlerisch unabhängig und entwickelte eine Bildsprache, die sich einfachen Deutungen entzog. Seine Figuren, Harlekine, Gaukler und Bühnenbilder sind nicht bloß Motive, sondern Gleichnisse des Menschseins. Neben seinen Gemälden im Konferenzraum im inzwischen abgerissenen Palast der Republik war er Bücherfreunden vor allem als Illustrator zahlreicher Bücher aus DDR-Verlagen bekannt. Die Bücherkinder Brandenburg schufen 2020 für den Maler Harald Metzkes und seinen Sohn, den Bildhauer Robert Metzkes, das Hommage-Buch „Metzkes & Metzkes // Ein Pferd für den König und den Prinzen“. 

Es bleibt ein Werk, das weiter spricht und die Erinnerung an einen Menschen, dessen Haltung, Freundlichkeit und stille Würde über den Augenblick hinaus nachwirkt.

1 Kommentar(e)
19. Mai 2026: Armin Schubert hat gesagt
Ohe je, ich habe gerade all die Stimmen von mir wichtigen Menschen, vom AB/Telefon gespeichert, vorgespielt; dabei auch die von Harald Metzkes, der sich im Januar 2026 für meine Gratulation zum Geburtstag bedankt hatte. Seine Stimme war sehr gebrochen und er beklagte sein Alter . . .
Die Stimmen von guten Freunden und nahen Menschen, die verstorben sind, nehmen weiter zu. Das ist wohl das Schwererträglich-Normale. Bin sehr traurig.

artGrafik Ahrenshoop 2026

Die artGrafik 2026 ist Geschichte - hier noch einmal ein Rückblick auf ihre Eröffnung durch Henry Günther.

Sonntag, 17. Mai 2026

Marie Luise Charlotte Weier hält ein altes Handwerk am Leben

Die Rheinpfalz“ berichtet über die Walzstipendiatin Marie Luise Charlotte Weier des Vereins für die Schwarze Kunst bei Wolfgang Vogel.
Marie Luise Charlotte Weier ist Mediengestalterin und „auf der Walz“. Kürzlich machte sie Station in der Druckwerkstatt Slow Type in Ludwigshafen.

Die Tradition der Walz, auf die vor allem Handwerker aus dem Baugewerbe gehen, um unterschiedliche Betriebe und Arbeitstechniken kennenzulernen, ist an strenge Regeln geknüpft: Die Wandergesellen müssen ledig sein, kinderlos, schuldenfrei und jünger als 30 Jahre. Es gibt viele Traditionen zu beachten, zu der auch das Tragen der Zunftkleidung gehört. Am bekanntesten ist die der Zimmerleute: schwarze Cord-Schlaghose, Weste, ...

„Ich habe mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.“

Wer käme schon auf die Idee, das Paradies in einem Atemzug mit einer Bibliothek zu nennen? Jorge Luis Borges schon.
Allein der Vorstellungsversuch lässt vermuten, dass er damit den Anspruch erhebt, der Beziehung des Menschen zum Paradies eine neue Dimension abzugewinnen. Mit diesem ebenso abenteuerlich wie eindeutig formulierten Ansinnen wird auch der Gedanke verständlich, der Borges bewegte, eine Idee zu thematisieren, die manche Menschen mit einem Wunsch verbinden. Aber dann setzt man das Paradies mit einer Bibliothek gleich und hat im besten Fall eine Paradies-Bibliothek!? Naja, klingt zugegeben befremdlich… Vermutlich würde kein Mensch wissen, was gemeint ist und beides voneinander trennen. Immerhin funktioniert das Paradies nicht ohne den Sündenfall und jeder, der schon einmal in einer Bibliothek war, ist vielleicht unangenehm berührt, wenn menschliche Schwäche teuflischen Verlockungen erliegt. Damit wird nur aufgezeigt, dass Bibliotheken ein Vorbild für das Paradies sein können und in ihrer Machart ganz besonders sind. Doch paradiesische Zustände werden dadurch nicht generiert. Wenn schon paradiesisch, dann müssen die Engel warten, bis der Himmel ein Einsehen hat. Vielleicht baut Gott auch eine Bibliothek zwischen den Wolken und bestimmt die Literatur zum achten Sakrament? Dann wissen wir wieder, dass wir nichts wissen, aber das ist reine Spekulation. Dafür ist Borges mit seiner Vorstellung nicht mehr allein und so gedeiht die Hoffnung, dass sich das Paradies in eine Bibliothek verwandelt.

(Jan Schäfer, weiterlesen auf Blog der DNB)

Samstag, 16. Mai 2026

16. Gemeinschaftskatalog der Antiquare

Der Gemeinschaftskatalog der Antiquare 2026, herausgegeben von der Genossenschaft der Internetantiquare, ist erschienen und kann durch Klick auf die Abbildung ausgerufen werden.
Er enthält auf 128 Seiten Angebote von 35, der GIAQ angeschlossenen, Antiquariaten und ein siebenseitiges Personenregister.
Der Gemeinschaftskatalog kann in Kürze hier eingesehen und heruntergeladen werden und ist in allen teilnehmenden Antiquariaten erhältlich.

Freitag, 15. Mai 2026

Erinnerung an Werner Klemke

Werner Klemke (1917-1994), Gründungsmitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, Kunstprofessor und ein toller Vater mit 5 Kindern.
Allein seine Buchgestaltung umfasst weit über 800 Titel. Dazu gehören Klassiker der Weltliteratur wie das »Decamerone«, die »Canterbury Tales«, »Fredmanns Episteln« oder die »Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull«, aber auch viele zeitgenössische Autoren, über 400 Titelbilder für das Magazin, Briefmarken, Theaterplakate, Prospekte, Bühnenbilder, Figurinen, Filmplakate, Abziehbilder, Entwürfe für Bleiverglasungen ...
Besonders bekannt sind seine Illustrationen von Kinderbüchern und -zeitungen: »Die Hausmärchen der Brüder Grimm«, »Hirsch Heinrich«, »Das Wolkenschaf«, die »Trommel«, »ABC-Zeitung«, sowie von Schulbüchern und der Fibel.
Ausstellungseröffnung: 6. Juni 2026, 14 Uhr, in Anwesenheit seiner Tochter Christine Klemke

Bürgerbüro BSW Landesverband Berlin Pankow
Bizetstr. 124, 13088 Berlin

Donnerstag, 14. Mai 2026

Skadi Engeln in Ahrenshoop

Heute begann die ARTGRAFIK 2026 Ahrenshoop.

Skadi Engeln schickte uns Bilder vom Aufbau ihres Standes.
Sie zeigt dort ihre aktuellen Druckgrafiken. Im Mittelpunkt stehen zwei neue Serien: „Strandspaziergänge“ (Holzschnitt), „Frauen und das Meer“ (Siebdruck, 2026). Dazu kommen die Serie „bunte Kühe“ sowie eine Auswahl älterer Arbeiten, die einen Einblick in ihre künstlerische Entwicklung geben. Alle Werke sind originale Druckgrafiken – in kleinen Auflagen oder mit Unikatcharakter.
Der Berliner Bibliophilen Abend wird die Künstlerin 18. Juni 2026 in ihrem Weißenseer Atelier besuchen.

14. - 17. Mai 2026
Strandhalle Ahrenshoop
Dorfstraße 16 b, 18347 Ahrenshoop

Mittwoch, 13. Mai 2026

Türkisch-deutscher Druckabend

Buchdruck verbindet – über Grenzen und Sprachen hinweg. Zum UNESCO-Welttag der kulturellen Vielfalt lassen wir die Lettern sprechen: Wir laden euch ein, gemeinsam auf Deutsch und Türkisch zu drucken. Dabei nutzen wir historische Setzkästen aus den 50er Jahren, die ihre eigene Geschichte erzählen. Warum fehlen eigentlich in der ehemaligen Kreuzberger Druckerei, die heute im Museum steht, bestimmte türkische Schriftzeichen? Gemeinsam füllen wir diese Lücken kreativ und gestalten unsere Botschaften für ein kulturell vielfältiges Miteinander in unserer Gesellschaft. Kommt vorbei, setzt ein Zeichen und druckt mit!

Der Abend wird vom Verein für die Schwarze Kunst veranstaltet und richtet sich an alle, die Lust haben, den Handsatz und den Buchdruck und damit die Vielfalt der Schrift und ihre Geschichte ganz praktisch zu erleben. Das Ergebnis kann als Erinnerung mit nach Hause genommen werden.

21. Mai 2026, 18 Uhr
FHXB-Museum
Adalbertstr. 98A, Berlin-Kreuzberg

PAPIER! Handgeschöpftes von John Gerard

In der Papiermühle Alte Dombach in Bergisch Gladbach ist die Ausstellung: „PAPIER! Handgeschöpftes von John Gerard“ zu sehen.
LVR-Industriemuseum, Fotos: Jürgen Hoffmann
Vorgestellt wird das Werk des Papierkünstlers, der seit über 40 Jahren mit handgeschöpftem Papier arbeitet. Die Ausstellung zeigt seine großformatigen Collagen, farbenfrohen „Pulp Paintings“ sowie poesievolle Künstlerbücher.
In der eigens für die Ausstellung eingerichteten Papierwerkstatt sind die Besucher eingeladen, selbst kreativ zu werden und können jederzeit während der Öffnungszeiten an den Werktischen verschiedene Collagen und Falttechniken ganz individuell ausprobieren.
Weitere Infos zur Ausstellung sowie Führungen gibt es hier.

19. April - 8. November 2026

LVR-Industriemuseum
Papiermühle Alte Dombach, 51465 Bergisch Gladbach

Dienstag, 12. Mai 2026

artGrafik Ahrenshoop

Rainer Ehrt, Foto: Kurverwaltung Ahrenshoop
Die Ostseezeitung weist mit einem kleinen Artikel auf die artGrafik Ahrenshoop hin:

Die 5. „artGrafik" - eine Messe für zeitgenössische Druckgrafik, Fotografie, Zeichnung und Künstlerbücher (organisiert von Henry Günther) - ist in der Ahrenshooper Strandhalle zu sehen.
16 Ausstellende zeigen ihr Portfolio. Mit dabei sind unter anderem Frank Eißner mit Holzschnitt, Susanne Theumer mit Kaltnadel und Zeichnung, Gudrun Illert mit ihren kalligrafischen Arbeiten sowie Lokalmatador Hans Götze, der im Ostseeort lebt und arbeitet.

14. - 17. Mai 2026
Ahrenshooper Strandhalle
Dorfstraße 16

Gelungene Jahresversammlung der Schweizer Bibliophilen

Tag 1: SARNEN mit Besichtigung der Sammlung Burch-Korrodi (Goldschmied), des Staatsarchivs im Hexenturm mit dem “Weissen Buch von Sarnen” (1. Erwähnung der Tell-Sage um 1470) und des Benediktinerinnenklosters St. Andreas.
Tag 2: Benediktinerkloster Engelberg.

Montag, 11. Mai 2026

Jahrestagung 2026 der Deutschen Exlibris-Gesellschaft

Diese fand dieses Mal zum zweiten Mal (nach 2019) im schönen Wetzlar statt, bestens organisiert von unserem Mitglied Matthias Wenger. Von Donnerstag bis Samstag trafen sich 80 Exlibrissammler- und Künstler aus 14 Ländern zum Tausch und Beisammensein.
Es gab Gelegenheit für Spaziergänge und Stadtbesichtigung, ebenso ein Ausflug ins Waldmuseum in Braunfels. Es war ein - wie immer - lebendiges und intensives Zusammensein in freundschaftlicher und gelöster Atmosphäre.
Höhepunkt war das Festdinner am Samstag Abend mit Ehrungen. Es wurden die Sieger des Exlibris-Wettbewerbs verkündet. Preisträger des Jurypreises war der Holzstecher Horst Brandenburg aus Mecklenburg-Vorpommen. Den Publikumspreis teilten sich Marina Kupkina und Sergiy Kirnitsky aus der Ukraine und Jochen Kublik aus Deutschland.
an den Exlibris-Tausch-Tischen: Klaus-Jürgen und Marita Tischer
Utz Benkel wurde in Würdigung seiner herausragenden Verdienste um die Exlibris-Bewegung die Walter-von-Zur-Westen-Medaille von unserem Vizepräsidenten Siegfried Bresler verliehen.
Dr. Henry Tauber wurde von unserem Präsidenten Utz Benkel in Würdigung und Anerkennung seiner Verdienste um die Deutsche Exlibris-Gesellschaft e.V. zum Ehrenpräsidenten unserer Gesellschaft ernannt.
Dies waren bewegende Momente an diesem wunderbaren Abschlussabend.

(Utz Benkel)

Jahresgruß 2026 des Vereins für die Schwarze Kunst

Mit etwas Verspätung, aber umso größerer Freude überreicht der Verein für die Schwarze Kunst seinen Mitgliedern den Jahresgruß für 2026, die Chronik 

10 Jahre Verein für die Schwarze Kunst. Eine Chronologie 2013 -2023.

Die Redaktion, die Gestaltung und den Satz übernahm Willi Beck, Sabine Fehmer und Wolfgang Vogel, die Titelseite schuf Heike Sehnotale.
In einem umfangreichen Teil werden die Walzstipendiaten und Walzstätten, sowie die Walzarbeiten der ersten 10 Jahre vorgestellt.
Besucher der BuchDruckKunst Hamburg 2026 konnten bereits einen noch ungebundenen Vorabdruck des Heftes am Stand des Vereins für die Schwarze Kunst betrachten.

Bibliophilentage 2026 in Kassel (Sonntag)

Gestern war der Abschluss der Jahrestagung der Gesellschaft der Bibliophilen in Kassel. Am Morgen konnten wir im wunderbaren Antiquariat Jenior nach - Überraschung! - Büchern stöbern. Der ein oder die andere musste feststellen, dass irgendwann auch der größte Koffer endgültig voll ist. Ein aller letztes Buch passt aber dennoch rein.
Vor dem Antiquariat gab es anschließend einen inspirierenden Vortrag/Dialog des Buchgestalters Friedrich Forssman.
Zum Abschluss ging es zur Grimm-Gesellschaft, wo es einen letzten Einblick in die Welt dieser faszinierenden Brüder und ihrer nicht weniger faszinierenden Fans ging.
Danke für die große Gastfreundschaft, die wir in den vergangenen Tagen erleben durften und ganz herzlichen Dank unserem wunderbaren Organisator Sebastian Eichenberg vom Antiquariat Hamecher.

(Marc Strehler)

Sonntag, 10. Mai 2026

notabene: Bibliophilentage 2026

Auch das erfuhr man beim Ausflug der Gesellschaft der Bibliophilen zur Fürstlich Waldeckschen Bibliothek im Schloss Bad Arolsen:
Die mit roten Fähnchen versehenen Bücher waren Teil eines beispiellosen Diebstahls: Ein Mitarbeiter einer hessischen Wissenschaftsbibliothek wurde dabei erwischt, wie er 80 Bücher aus der Fürstlich Waldeckschen Bibliothek in sein Privatauto lud. Als die Polizei sein Haus durchsuchte, fand sie 20.000 Bücher, die er aus Bibliotheken aus ganz Mitteleuropa gestohlen hatte. Außerdem auch einen Saurierknochen aus dem Senckenbergmuseum
Er wurde (lediglich) zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt.


1 Kommentar(e):
10. Mai 2026: Bernd Friedrich Schulz hat gesagt…
Absolut rekordverdächtig, oder? Pure Kleptomanie oder reine Wissbegierde, das noch wäre hier die Frage...

zum Gedenken an die Bücherverbrenung 1933

Die Universitätsbibliothek Augsburg bewahrt die Bibliothek der verbrannten Bücher von Georg P. Salzmann.
Bibliothek der verbrannten Bücher - Sammlung Georg P. Salzmann
Jahrzehntelang sammelte Georg P. Salzmann (1929-2013) jene deutschsprachige Literatur in Erstausgaben, die in der Zeit des Nationalsozialismus verboten war und 1933 in deutschen Städten öffentlich verbrannt wurde. Hunderte Regalmeter mit Romanen, Gedichten und Theaterstücken - geschrieben von Jüdinnen und Juden, politisch Andersdenkenden und vielen weiteren, die in den Augen der neuen Machthaber keine Daseinsberechtigung mehr hatten. In dieser einzigartigen, einst privaten Büchersammlung ist somit ein großer Teil jener Autorinnen und Autoren dokumentiert, die auf den Schwarzen Listen der Nazis standen, die ins Exil flüchten mussten, teilweise inhaftiert und ermordet wurden. 
Diese beeindruckende Schau deutscher Literatur des 20. Jahrhunderts lädt ein, die zusammengetragenen Texte und Kontexte, die literarischen Schätze und Schicksale dieser Epoche zu entdecken.

Bibliophilentage 2026 in Kassel (Sonnabend)

Gestern ging es mit der Gesellschaft der Bibliophilen zunächst in das documenta archiv, wo es eine sehr kurzweilige Führung mit Schätzen aus der documenta-Geschichte gab.
Danach ging es nach Bad Arolsen, wo wir zwei wunderschöne Bibliotheken besichtigen durften: Die Fürstlich Waldecksche Hofbibliothek und die Bibliothek Brehm, beide nur ein Bücherregal voneinander entfernt.
In ersterer haben wir gelernt, dass manch Adeliger sich prächtige Bibliotheken aufbauen konnte, weil er schlicht die Rechnungen für die gekauften Bücher nicht beglich.
In der Brehm Bibliothek wurde klar, welch unfassbare Bibliothek ein Mensch allein aufbauen kann, wenn er nur besessen genug ist. Und natürlich das nötige Kleingeld dafür hat (außer natürlich, er ist Adeliger, siehe oben).
Das letzte Foto zeigt übrigens, wie ich mir im Traum meinen Arbeitsplatz vorstelle.

(Marc Strehler)

Samstag, 9. Mai 2026

Christian Ewald (1949 - 2026)

Christian Ewald ist in der Nacht vom 8. zum 9. Mai nach langer Krankheit für immer eingeschlafen.
1949 in Weimar geboren, war Christan Ewald nach einer Ausbildung zum Schriftsetzer und Plakatmaler und einem Studium der Typografik und Gebrauchsgrafik an der FHS Berlin ab 1973 in verschiedenen Verlagen tätig. Seit 1976 war er Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR und arbeitete freischaffend für Film, Fernsehen, Verlage und kulturelle Institutionen.

Ich lernte Christian Ewald 1990 anlässlich der Gründung seines Verlags „Katzengraben-Presse", dem in einem der ältesten Häuser von Berlin Köpenick (erbaut 1683) „Anderthalbmann-Verlag bibliophiler Bücher“ kennen, in welchem als erster Titel das letzte Buch der DDR erschien, ausgeliefert am 2. Oktober 1990 um 23:59 Uhr.
Von da an trafen wir uns ständig und ich lernte seine offene, humorvolle Art und sein kenntnisreiches Urteil schätzen, sei es bei persönlichen Begegnungen oder in den Offenen Ateliers in Friedrichshagen, auf der Leipziger Buchmesse, der BuchDruckKunst in Hamburg und der artbook.berlin, sowie natürlich auf dem maßgeblich von ihm mitgestalteten Katzengraben-Fest in Köpenick. Und zu den Jahreswechseln erfreute er Mitstreiter für das Buch mit Neujahrskarten, immer erkennbar an der individuellen Besonderheit seines Verlages, dem „Faden“.

Sein Engagement für das gut gemachte Buch wurde durchaus zur Kenntnis genommen und wurde mit zahlrechen Preisverleihungen honoriert, so durch die "Stiftung Buchkunst", den Hauptpreis im "Cartoon-Wettbewerb Faber-Castell". oder mit dem Gewinn des Wettbewerbs der Anna-Amalia-Bibliothek Weimar, nachzulesen u.a. in einem Beitrag von Helmut Garritzmann in den Marginalien Heft 256.

Mit dem Tod von Christian Ewald hat die bibliophile Gemeinde einen weiteren großen Verlust erlitten, er wird uns fehlen.

(Abel Doering)
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Abschied mit Urnenfeier in Berlin
Rathaus Friedrichshagen
am 19. Juni 2026 um 16.00 Uhr
Abschied und Kondolenz bis 19.30 Uhr
Bölschestraße 87, 12587 Berlin

Urnenbeisetzung in Weimar
Friedhofskapelle Weimar-Ehringsdorf
am 3. Juli 2026 um 13.30 Uhr
Hinter dem Friedhof, 99425 Weimar
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