![]() |
Montag, 27. Juli 2026
Steidl-Verlag weiterhin optimistisch
Vor einigen Tagen machten in einigen Medien Insolvenzgerüchte des Steidl-Verlags die Runde: der Verlag, Rechtehalter u.a. für Günter Grass (1927–2015), sei in finanzielle Schieflage geraten, es wurde sogar spekuliert, der Verlag befände sich in Insolvenz und die Rechte am Werk von Günter Grass seien vakant. Als Grund für diese Gerüchte wurde angeführt, dass mehrere Klagen bezüglich nicht oder verzögert bezahlter Gehälter sowie offener Sozialabgaben anhängig seien. Auch die Günter und Ute Grass-Stiftung hatte angestrengt, wegen wiederholter Zahlungsausfälle die Verwertungsrechte an Grass-Werken wieder zurückzuholen. Der Verleger Gerhard Steidl selbst hatte eine wirtschaftliche Schieflage eingeräumt, da das Auslandsgeschäft durch amerikanische Zölle und chinesische Zensur um die Hälfte eingebrochen ist.
Eine drohende Insolvenz ist jedoch vom Tisch und die finanzielle Situation bessert sich. Gerhard Steidl wörtlich: „Wir sind mittlerweile über den Berg und kommen auch über die Runden. Inzwischen haben sich zwölf Investoren gemeldet: vier aus der Schweiz, drei aus den USA, zwei aus Singapur, einer aus Korea“.
Herzliche Glückwünsche zum 55sten
![]() |
| Hanif Lehmann auf der BuchDruckKunst Hamburg 2026 |
Die herzlichsten Glückwünsche gehen heute an Hanif Lehmann!
Der Künstler und Betreiber der Widukind-Presse, seit 9 Jahren Pirckheimer, ist Bücherfreunden kein Unbekannter: für die Marginalien № 203 schuf er das Blatt „Entwässerungsgraben“, für das Pirckheimer-Jahrestreffen 2018 die traditionelle Speisekarte und die Aquatintaradierung „Bücherfenster“, der Berliner Bibliophilen Abend verdankt ihm die Graphik „Walter Benjamin“ als Bestandteil der Jahresgabe 2024.
Vor 5 Jahren stellte ich im damals von mir betriebenen Pirckheimer-Blog seinen Katalog „Radierungen aus fünfzehn Jahren. Verzeichnis der Tiefdrucke 2005 bis 2020“ vor.
Sonntag, 26. Juli 2026
Kornfeld-Auktionen
Die Schweizerische Bibliophilen kommen zu ihrem nächsten Büchertreff zu einer Führung durch die Vorbesichtigung der Highlights aus der September-Auktion mit Fokus auf die illustrierten Bücher und Portfolios aus der Privatsammlung von Eberhard W. Kornfeld zusammen.
| Käthe Kollwitz, Die Freiwilligen |
In der Ausstellung sind nebst Kunstwerken auch seltene Kunstbücher aus der Sammlung von Eberhard W. Kornfeld zusehen. Das Auktionshaus Kornfeld in Bern zählt zu den renommiertesten Adressen für Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts, für Druckgrafik und illustrierte Bücher, und unterhält neu eine Repräsentanz in Zürich.
Die Führung dauert ungefähr eine Stunde. Im Anschluss an die Führung bleibt noch Zeit für ein gemütliches Apéro und Austausch mit den Experten des Hauses Kornfeld. Anders als bei den Treffen der Schweizerischen Bibliophilen üblich findet dieser Anlass ohne anschließendes Nachtessen statt.
27. August 2026, um 18.30, Anmeldung erbeten
Kornfeld Zürich
Kirchgasse 50, 8001 Zürich
Samstag, 25. Juli 2026
Bram Stokers Dracula in Miniatur
Der Schweizer Buchbinder Roland Meuter, von dem hier bereits eine Liebhaberbindung für den Band „Bibliophilie“ von Ernst Fischer, die als Jahresgabe an alle Maximilianer ging, vorgestellt wurde, nahm sich einer dreibändigen Minibuch-Ausgabe von Bram Stokers „Dracula“ aus dem Miniaturbuchverlag Leipzig an.
![]() |
Es entstanden wunderschöne Ganzlederbände in Kalb- und Oasenziegenleder in verschiedenen Farben mit dreiseitigem Goldschnitt, dessen vordere Untermalung jeweils von Susanne Smaijc gestaltet wurde. Der Rückentitel sind in Gold und die Deckelbemalungen stammen ebenfalls von Susanne Smaijc.
Die drei Bände erhielten eine Ganzlederkassette.
Bram Stoker, Dracula
Bd. 1 - 3, Miniaturbuchverlag Leipzig
Bd. 1 - 3, Miniaturbuchverlag Leipzig
Englisch, 4 x 5,5, cm
CHF 2600
Katalog „Graue Literatur“
Inspiriert von der sog. Wiener "Broschürenflut", als deren Auslöser Friedrich Schillings 1781 anonym erschienene Schrift "Über die Begräbnisse in Wien" gilt, haben wir einen Katalog mit mehr als 100 Publikationen des 17. bis 19. Jahrhunderts aus dem Bereich "Graue Literatur" zusammengestellt.
Enthalten sind neben Schillings Schrift (und einer Publikation in Re-Reaktion darauf) eine große Vielfalt an Gelegenheitsdrucken, Kleinschriften, Privatdrucken, Hochschulschriften, Kalendern, Almanachen, Erbauungsbüchern und ähnlichem - die meisten davon in zeitgenössischen Buntpapier-Einbänden, und viele entweder nicht oder nur selten in Bibliotheken nachgewiesen.
Frohes planschen in der farbenfrohen Broschüren-Flut wünscht:
(Daniela Kromp)
![]() |
| Streitschriften – Aufklärung – [Friedrich Schilling], 1781, Broschur der Zeit mit zweifarbigen Kattunpapier, Antiquariatskatalog durch Klick auf die Abb.) |
Frohes planschen in der farbenfrohen Broschüren-Flut wünscht:
(Daniela Kromp)
Freitag, 24. Juli 2026
Gedenktafel für Heinz Knobloch
In Berlin Pankow wurde einer Gedenktafel am Heinz-Knobloch-Platz im Beisein seiner Kinder und Helmut Mehnert, Sprecher des Freundeskreises Heinz Knobloch, eingeweiht.
Heinz Knobloch, der vermutlich bekannteste Feuilletonist der DDR, schrieb unter anderem zu einem Jahrestreffen in Rostock 1976 der Pirckheimer-Gesellschaft, der er bis 1985 angehörte, einen Text, der in einem Heftchen aus der Reihe "Angebote" des Verlags Tribüne Berlin nachzulesen ist.
Für den Blogbetreiber ist diese Ehrung mit einer Gedenktafel ein wichtiges Ereignis, verbindet mich doch mit diesem Autor eine lange freundschaftliche Bekanntschaft, die ihren Höhepunkt in der Präsentation seiner „Geisterbahnhöfe“ im Hinterhof-Antiquariat fand.
![]() |
| Foto oben rechts: Helmut Mehnert, Sprecher des Freundeskreises Heinz Knobloch |
![]() |
Thomas J. Richter (1955 - 2026)
![]() |
| Thomas J. Richter, 15. Juni 2025, Vernissage zum 70. Geburtstag, Foto © ad |
Richter wurde am 15. Juni 1955 in Berlin geboren, bereits Vater und Großvater waren Maler. Er studierte zunächst an der Karl-Marx-Universität Leipzig, bevor er 1978 an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee wechselte, wo er bei Dieter Goltzsche und Dietrich Noßky Malerei lernte. Nach seinem Studium erhielt Richter wichtige Aufträge wie die Mitgestaltung des U-Bahnhofs Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin (1986/1987) oder die Monumentalskulptur »Schiff zur Rettung der Unschuld der Kunst« (1988/89, mit Martin Wilke) in Berlin-Pankow. Er schuf Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen. Besonders nach 1990 widmete sich Richter in seiner künstlerischen Arbeit der Verschränkung von Erotik und Revolution.
Vor einem Jahr fand in der jW-Ladengalerie, Thomas J. Richter wurde als „Hauskünstler“ der jungen Welt gesehen, die Ausstellung „Wenn Kommunisten träumen“ zum 70. Geburtstag des Künstlers statt, die Laudatio hielt der Pirckheimer Archi Galentz. Die Neujahrskarten, die Thomas J. Richter für Thomas Kaemmel schuf, finden sich in den PF-Sammlungen vieler Pirckheimer. U.a. erschien auch in der von Andreas Wessel, seinerzeit ebenfalls Pirckheimer, herausgegeben jW-Kunstedition der Holzschnitt des Künstlers „Paar am Strand“, ein schönes und provozierendes Gegenstück zu Walter Womackers gleichlautendem und wohl bekanntesten Gemälde aus der DDR der 60ger.
Restitution geraubter Bücher
Sieben Bücher aus der Bibliothek des französischen Historikers Marc Bloch (1886– 1944) und seiner Ehefrau Simonne Vidal, die während der NS-Zeit geraubt wurden, sind in Berlin an an die Familie des Historikers restituiert worden. Die Provenienz der Bücher konnte anhand von Besitzeinträgen und eines Exlibris eindeutig zugeordnet werden.
![]() |
Marc Bloch wurde als Mitglied der Résistance am 16. Juni 1944 von der Gestapo hingerichtet. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft war er während der deutschen Besatzung antisemitischer Verfolgung und Enteignung ausgesetzt. Die nun restituierten Bücher stammen aus seiner umfangreichen Bibliothek, die im Dezember 1941 von den deutschen Besatzern in Paris beschlagnahmt worden war.
Organisiert wurde die Restitution von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz mit Unterstützung der französischen Kommission für die Rückgabe von Kulturgütern und die Entschädigung der Opfer antisemitischer Enteignungen (CIVS).
Auf Wunsch der Erbengemeinschaft werden alle in Deutschland wiedergefundenen Bücher an die Bibliothèque Halphen der Universität Sorbonne Paris I übergeben, um den serienmäßigen Charakter der Bibliothek Blochs zu bewahren.
(DEG)
(DEG)
Donnerstag, 23. Juli 2026
Das Erbe der Menschheit
Mit »Das Erbe der Menschheit« präsentiert das Goethe-Institut München eine ebenso kraftvolle wie vielschichtige Ausstellung, die visuelle Welten zwischen Erinnerung und Zukunftsvision entfaltet.
Zu sehen sind eindringliche Illustrationen und Grafiken, die furchtlos politische, gesellschaftliche und tabuisierte Themen ins Zentrum rücken.
Die stilistische und thematische Vielfalt dieser Bildwelten beeindruckt nicht nur durch das außergewöhnliche Können der beteiligten Zeichner, sondern auch durch ein ungewöhnliches Druckverfahren: Offset-Lithographien in bis zu fünf Sonderfarben verleihen jedem Exponat eine besondere Tiefe, Leuchtkraft und physische Präsenz.
Ein zentrales Motiv der Ausstellung ist das spannungsreiche Verhältnis zwischen Menschen und Technik. Die chinesische Science-Fiction-Autorinnen Gu Shi und Chi Hui entwerfen in ihren Erzählungen faszinierende Zukunftsszenarien: Städte, die auf dem Ozean wurzeln. Künstliche Intelligenzen, die Blockbuster schreiben. Leben, die gespeichert, zurückgespult und neu gestartet werden können. Die bildmächtigen Visionen zu diesen Fragen wurden von Studierenden der Hochschule Düsseldorf und der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig entwickelt. Die Bilder erschienen in den Büchern »Das Erbe der Menschheit« und »Im Ozean ein Mutterschiff«.
Die Ausstellung reicht weit über Science-Fiction hinaus. Die Ausstellung entfaltet außerdem ein Panorama von unterschiedlichen Themen und inspirierenden Illustrationen, die in der Reihe »MaroHefte« veröffentlich wurden. Sie lädt zur Begegnung mit fragwürdigen Verschwörungstheorien, gesellschaftlichen Absurditäten und eigenwilligen Erfindungen ein.
Die stilistische und thematische Vielfalt dieser Bildwelten beeindruckt nicht nur durch das außergewöhnliche Können der beteiligten Zeichner, sondern auch durch ein ungewöhnliches Druckverfahren: Offset-Lithographien in bis zu fünf Sonderfarben verleihen jedem Exponat eine besondere Tiefe, Leuchtkraft und physische Präsenz.
| © Mandy Dziubek |
| © Ulrike Steinke |
Insgesamt werden Bilder und Plakate aus 14 der bisher erschienenen 22 »MaroHefte« gezeigt.
Vernissage: 24. Juli 2026, 18.30 Uhr, Dr. Imke Mohr (Institutsleiterin), Einführung: Gudrun Bouchard (Kuratorin), musikalische Begleitung: Matthias Heiligensetzer (Jazz-Pianist)
Ausstellung: 27. Juli – 18. September 2026
Goethe-Institut München
Rablstraße 24, München
Rablstraße 24, München
nach der Fußball-WM
![]() |
| gescheiterter Versuch eines Gruppenbildes des BBA |
| 2024 gelang dann doch noch ein ein Foto mit einigen Mitgliedern des BBA, aufgenommen von Susanne Rothe |
Mittwoch, 22. Juli 2026
Michaela Melián, Straße
Hartmut Andryczuk vermeldet mit „Michaela Melián, Straße“ eine Neuerscheinung im Hybriden Verlag.
Es ist die Nachzeichnung unserer äußeren Welt: Mit einem schwarzen Faden auf weißem Papier, in bloßer Andeutung, ähnlich dem Rest einer Erinnerung, ähnlich dem Rest einer Erinnerung an einen Traum. Manchmal sind die Linien einfach, manchmal sind sie gestisch oder sogar verspielt. Manchmal hängen sie in Schlaufen aus dem Bogen heraus und ändern ihre Form, ändern ihren Verlauf. Dann beginnen sich die Ränder der Bäume zu wölben, dann hängen die Außenwände der Häuser aus dem Bild heraus. Das wäre der zufällige, spontane Anteil des Materials, das wäre der zufällige, spontane Anteil der Geschichte. Alle Linien wurden mit der Nähmaschine gemacht. Die Hände haben ihre Spontanität an die Maschine abgegeben, während die Maschine sich ihre eigene Spontanität nicht verkneifen konnte. Durch ihre Außenlinien wirken Straßen und Häuser und Bäume und Berge stark abstrahiert. Sie bleiben als Außenlinien stehen, die so umrissenen Flächen bleiben leer, im Kopf kann man sie selbst füllen. Das wäre ihre allgemeine Form. Allgemein sind zunächst auch die Motive: Straßen und Häuser und Bäume und Berge kommen überall vor. Gleichzeitig sind diese Zeichnungen von Landschaften aus schwarzem Faden auf weißem Papier dokumentarisch und damit konkret. Sie haben eine reale Referenz, beziehen sich auf reale Straßen und Häuser und Bäume und Berge. Das Blatt Papier, mit seinen oben aufliegenden Fäden und den darunter liegenden Einstichen entspricht der realen Landschaft. Sie beide sind erst geworden, indem sie abgespeichert haben, was ihnen widerfahren ist. Eine bloß natürliche Landschaft gibt es nicht, alle Landschaft ist voller historischer Spuren, manche sind blutig und manche banal. Die meisten Spuren liegen tief und werden erst sichtbar, wenn man von ihnen weiß, wenn man sie freilegt. Spuren verschwinden zwar unter Spuren, aber ganz los wird man sie nicht. Es ist mit ihnen, wie mit ihren Zeichnungen aus schwarzem Faden auf weißem Papier: wenn man die Fäden zieht, dann bleibt die Perforierung.
(Radek Krolczyk)
Künstleredition, 58 Seiten
mit drei Bildserien von Michaela Melián
Audio-CD von Michaela Melián,
(Hand-Siebdruck, signiert und nummeriert)
Texte von Radek Krolczyk
Hybriden-Verlag, Berlin
in Zusammenarbeit mit der Galerie K’, Bremen 2026
Auflage: 100 €
Preis: 90 € (exklusive 8 € Postgebühren in Europa)
(Radek Krolczyk)
| Michaela Melián, Triangel (2002), Panorama (2003) |
mit drei Bildserien von Michaela Melián
Audio-CD von Michaela Melián,
(Hand-Siebdruck, signiert und nummeriert)
Texte von Radek Krolczyk
Hybriden-Verlag, Berlin
in Zusammenarbeit mit der Galerie K’, Bremen 2026
Auflage: 100 €
Preis: 90 € (exklusive 8 € Postgebühren in Europa)
Wo Buchkunst Geschichte schreibt
Augsburg blickt auf eine beeindruckende Tradition als eines der bedeutendsten Druck- und Buchzentren Europas zurück.
Namen wie Erhard Ratdolt oder Johann Schönsperger prägten den Ruf der Stadt. Wo viel gedruckt wird, wächst der Bedarf an Einbänden – und so entstand im 15. und 16. Jahrhundert eine enorme Dichte an spezialisierten Werkstätten. Die Augsburger Meister orientierten sich am Geschmack des wohlhabenden Bürgertums und des Adels, daher entwickelten sich Bucheinbände in Augsburg früh zu einer Kunstform. Sie waren bekannt für ihre Experimentierfreudigkeit und die Übernahme von Stilen aus anderen Regionen. Ein wesentlicher Motor war die Familie Fugger: Johannes Fugger ließ als leidenschaftlicher Sammler tausende Werke in prachtvolle, einheitliche Einbände hüllen. Diese Aufträge lockten die besten Handwerker an und setzten europaweite Standards für bibliophile Sammlungen.
Das Zusammenspiel von erstklassigen Papiermühlen, meisterhafter Typografie und edler Einbandkunst machte die »Augsburger Qualität« zum Markenzeichen. Im 18. Jahrhundert folgten die berühmten Augsburger Buntpapiere – insbesondere die Brokatpapiere – wurden weltweit exportiert und veredeln bis heute unter anderem die Vorsatzblätter kostbarer Luxuseinbände.
Heute ist von dieser einstigen Vielfalt nur noch eine handwerkliche Buchbinderei geblieben. Die AltstadtBuchbinderei ist ein meistergeführter Betrieb, der sich auf Einzel- und Sonderfertigungen spezialisiert hat und damit die bewegte Geschichte des Augsburger Handwerks fortschreibt. Die Wurzeln des Betriebs reichen bis in das Jahr 1885 zurück, als Leonhard Kraus die Werkstatt gründete. Die AltstadtBuchbinderei blieb ihrem historischen Standort im Handwerkerviertel treu.
Nachdem Roswitha Hilpert den Betrieb ab 2001 geführt hatte, übernahm 2016 Buchbindemeisterin Elisabeth Zelck das Zepter. Sie hat unter anderem 2024 Jahr das neue »Goldene Buch der Stadt Augsburg« gebunden.
In diesem Sommer gibt es ein besonderes Jubiläum zu feiern: Elisabeth Zelck blickt auf 10 Jahre Selbstständigkeit und gleichzeitig auf die stolze 141-jährige Geschichte der AltstadtBuchbinderei zurück.
Namen wie Erhard Ratdolt oder Johann Schönsperger prägten den Ruf der Stadt. Wo viel gedruckt wird, wächst der Bedarf an Einbänden – und so entstand im 15. und 16. Jahrhundert eine enorme Dichte an spezialisierten Werkstätten. Die Augsburger Meister orientierten sich am Geschmack des wohlhabenden Bürgertums und des Adels, daher entwickelten sich Bucheinbände in Augsburg früh zu einer Kunstform. Sie waren bekannt für ihre Experimentierfreudigkeit und die Übernahme von Stilen aus anderen Regionen. Ein wesentlicher Motor war die Familie Fugger: Johannes Fugger ließ als leidenschaftlicher Sammler tausende Werke in prachtvolle, einheitliche Einbände hüllen. Diese Aufträge lockten die besten Handwerker an und setzten europaweite Standards für bibliophile Sammlungen.
Das Zusammenspiel von erstklassigen Papiermühlen, meisterhafter Typografie und edler Einbandkunst machte die »Augsburger Qualität« zum Markenzeichen. Im 18. Jahrhundert folgten die berühmten Augsburger Buntpapiere – insbesondere die Brokatpapiere – wurden weltweit exportiert und veredeln bis heute unter anderem die Vorsatzblätter kostbarer Luxuseinbände.
| Foto: Marcus Janssens |
Nachdem Roswitha Hilpert den Betrieb ab 2001 geführt hatte, übernahm 2016 Buchbindemeisterin Elisabeth Zelck das Zepter. Sie hat unter anderem 2024 Jahr das neue »Goldene Buch der Stadt Augsburg« gebunden.
In diesem Sommer gibt es ein besonderes Jubiläum zu feiern: Elisabeth Zelck blickt auf 10 Jahre Selbstständigkeit und gleichzeitig auf die stolze 141-jährige Geschichte der AltstadtBuchbinderei zurück.
Dienstag, 21. Juli 2026
Buchbinderei schloss nach 130 Jahren
Die alt eingesessene Buchbinderei Grieser in Berlin hat ab dem 1. Juli 2026 nach 130 Jahren ihre Türen für immer geschlossen.
![]() |
Sie wurde 1896 vom Buchbinder Ernst Grieser gegründet und in Prenzlauer Berg bereits in der vierten Generation geführt, seit 1996 war Cris Grieser Inhaber.
Seit ich sie vor gut 40 Jahren das erste Mal besuchte, ich ließ eine Diplomarbeit binden, fand ich dort hilfreiche Unterstützung bei der Restaurierung und Neubindung von erhaltenswerten Büchern des damals in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen, inzwischen ebenfalls seit nunmehr bereits 10 Jahren erloschenen, Hinterhof-Antiquariats.
WH : M
Die Künstlerin begleitet den Transformationsprozess, den das Ende der Braunkohleindustrie hervorruft, im intensiven Austausch mit Wolfgang Hilbigs Dichtung, begab sich sowohl in und um Meuselwitz als auch in Hilbigs poetischem Werk auf eine produktive Reise und schuf zunächst 14 grafische Blätter, die 2025 bei einer Pop-up-Ausstellung in Altenburg gezeigt wurden. Im Literaturhaus präsentiert sie jetzt, anlässlich von Wolfgang Hilbigs 85. Geburtstag 2026, einen größeren Werkausschnitt.
Die Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft macht auf etablierte, aber auch weniger bekannte Künstler und Künstlerinnen aufmerksam, die sich mit Hilbigs Werk beschäftigen, beispielsweise Johannes Heisig 2021 und Strawalde 2023 oder Katja Enders-Plate 2022. Die Offenheit seines Werkes für die künstlerische Adaption ist ein Aspekt, der mit Sabine Müllers Grafikausstellung eine weitere interessante Form gefunden hat.
Vernissage: 21. Juli 2026, 18 Uhr, Gespräch zwischen der Künstlerin und Katrin Hanisch (Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft e.V.). Die den Grafiken zugrunde liegenden Gedichte und Texte werden zu hören sein.
Ausstellung: 8. Juli - 2. September 2026
Literaturhaus Leipzig
Montag, 20. Juli 2026
Internationaler Schachtag
Manfred Funke zum 86sten
Heute gratuliere ich Manfred Funke, einem langjährigem Mitarbeiter der Staatsbibliothek zu Berlin und Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft , sowie des Berliner Bibliophilen Abend recht herzlich zu seinem heutigem 86. Geburtstag.
Sonntag, 19. Juli 2026
Gedenktafel für Heinz Knobloch
Anlässlich seines Todestages am 24.7.2003 wird am Heinz-Knobloch-Platz in Berlin Pankow eine Gedenktafel zu Ehren des Journalisten, Schriftstellers und zeitweiligem Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft Heinz Knobloch eingeweiht. Nach verschiedenen Ansprachen lesen Mitglieder des Freundeskreises Heinz Knobloch ausgewählte Feuilletons des Autors. Die Pankower Saxophonistin Dr. Brigitta Flick wird die Veranstaltung musikalisch begleiten.
Heinz Knobloch lebte fast fünf Jahrzehnte an dem Platz, der seit dem 3. März 2005 seinen Namen trägt.
24. Juli 2026, 17 Uhr
Heinz-Knobloch-Platz
an der Berliner Str. 32-34, 13189 Berlin
![]() |
| Gedenkstein am Heinz-Knobloch-Platz, Relief : Gerhard Thieme |
24. Juli 2026, 17 Uhr
Heinz-Knobloch-Platz
an der Berliner Str. 32-34, 13189 Berlin
Tundalus im Höllenfeuer: Ein Ritter zwischen Verdammnis und Erlösung
Die Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD), in der sechs Bibliotheken kooperieren, vermeldet den Neuerwerb eines überaus seltenen, bisher nur bibliographisch nachgewiesenen Drucks, den die Bayerische Staatsbibliothek München zum Buch des Monats Juli 2026 whlte:
Tundalus Ritter. Gedruckt tzo Coellen vp dem Eygelstein by myr Henrich van Nuyß. Jn dem jair vns heren. M. CCCCC. vnd xiiij. (Köln: Heinrich von Neuß)
Der Text beschreibt in einer niederdeutschen Prosafassung die Visio Tnugdali, die Vision einer Reise des irischen Ritters Tundalus durch Paradies und Verdammnis. Die Erzählung war von einem Wandermönch namens Marcus im 12. Jh. in Regensburg niedergeschrieben worden und fand rasche Verbreitung.
Die vorliegende Ausgabe aus dem Jahr 1514 (VD16 T 2267) folgte einer gleichfalls niederdeutschen Edition desselben Druckers, die unter dem abweichenden Titel DJT ys die Hystorie van deme Strengen Rytter Tundalus bereits 1509 erschienen war (VD16 T 2266). Im Jahre 1516 brachte der in Köln ansässige Heinrich von Neuß zudem eine weitere deutsche Ausgabe unter dem Titel Tundalus Ritter heraus (VD16 T 2264).
Der neu erworbene Druck der BSB hat einen Umfang von 20 Blatt und enthält einen qualitätvollen Titelholzschnitt, der den Ritter Tundalus hoch zu Ross mit wehender Standarte zeigt. Den Abschluss des Werkes flankieren weitere etwa viertelseitige Holzschnitte, die Stationen der Jenseitsreise des Ritters illustrieren: Abgebildet ist zum einen die Erlösung armer Sünder durch Engel aus dem Fegefeuer, zum anderen das Leid der Verdammten in der Hölle, die von teuflischen Dämonen gequält werden. Ergänzt werden diese Szenen durch eine etwas kleiner gehaltene Darstellung der Geburt Jesu in der Krippe sowie ein Bildnis des Heiligen Marcus mit seinem symbolischen Attribut, dem Löwen, als Verweis auf den Verfasser. Zwischen den Abbildungen erläutert ein begleitender Text den Leserinnen und Lesern den Inhalt der geschilderten Vision:
Tundalus ei[n] rytter rvail geboren got hait in darzo visserkoren. Dat he soulde sien die groisse pin, die in d[er] hellen un[d] vegefuyr syn.
(Dr. Matthias Reif)
Tundalus Ritter. Gedruckt tzo Coellen vp dem Eygelstein by myr Henrich van Nuyß. Jn dem jair vns heren. M. CCCCC. vnd xiiij. (Köln: Heinrich von Neuß)
Der Text beschreibt in einer niederdeutschen Prosafassung die Visio Tnugdali, die Vision einer Reise des irischen Ritters Tundalus durch Paradies und Verdammnis. Die Erzählung war von einem Wandermönch namens Marcus im 12. Jh. in Regensburg niedergeschrieben worden und fand rasche Verbreitung.
Die vorliegende Ausgabe aus dem Jahr 1514 (VD16 T 2267) folgte einer gleichfalls niederdeutschen Edition desselben Druckers, die unter dem abweichenden Titel DJT ys die Hystorie van deme Strengen Rytter Tundalus bereits 1509 erschienen war (VD16 T 2266). Im Jahre 1516 brachte der in Köln ansässige Heinrich von Neuß zudem eine weitere deutsche Ausgabe unter dem Titel Tundalus Ritter heraus (VD16 T 2264).
| Tundalus Ritter, Köln, 1514: Titelholzschnitt mit Darstellung des Ritters. Abb. BSB München |
Tundalus ei[n] rytter rvail geboren got hait in darzo visserkoren. Dat he soulde sien die groisse pin, die in d[er] hellen un[d] vegefuyr syn.
| Tundalus Ritter, Köln, 1514: Schlussblatt mit Abbildungen des Fegefeuers und der Hölle (oben) bzw. Geburt Christi und Hl. Marcus (unten) , Abb. BSB München. |
Samstag, 18. Juli 2026
Hot Printing!
Bereits zum dritten Mal bringt das Klingspor Museum mit einem Druckfestival druckbegeisterte Menschen an einem Wochenende zusammen, um Drucke zu machen, zu sehen und zu kaufen. Vom risogedruckten Zine bis zur traditionellen Druckgrafik ist das gesamte Spektrum der Möglichkeiten vertreten. Workshops, Vorträge, Musik und Getränke vervollständigen das Erlebnis.
Bei Hot Printing treffe sich über 90 Künstlerinnen und Künstler, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Thema Drucken beschäftigen. Eine junge und agile Szene zeigt ihre Druckerzeugnisse.
Die Besucher und Teilnehmer erwarten Stände, Workshops, Lesungen, Vorträge, Ausstellungen, Musik, eine Bar, gutes Essen und spannender Austausch. Das Festival ist gewachsen und findet sich jetzt im Klingspor Museum, auf dem Museumsvorplatz, im Hof des Büsingpalais, im Haus der Stadtgeschichte und in der Druckwerkstatt im Bernardbau.
Mit dabei sind Barbara Beisinghoff, Edition Wasser im Turm, Ingo Cesaro, Inka Greb, Meister der Einbandkunst und der Verein für die Schwarze Kunst.
Die Besucher und Teilnehmer erwarten Stände, Workshops, Lesungen, Vorträge, Ausstellungen, Musik, eine Bar, gutes Essen und spannender Austausch. Das Festival ist gewachsen und findet sich jetzt im Klingspor Museum, auf dem Museumsvorplatz, im Hof des Büsingpalais, im Haus der Stadtgeschichte und in der Druckwerkstatt im Bernardbau.
Mit dabei sind Barbara Beisinghoff, Edition Wasser im Turm, Ingo Cesaro, Inka Greb, Meister der Einbandkunst und der Verein für die Schwarze Kunst.
22. / 23. August 2026
Offenbach
Freitag, 17. Juli 2026
Schätze aus Kirchenbibliotheken heben
| Kirchenbibliothek in Salzwedel, Foto: Margit Scholz / EKM |
In den kommenden drei Jahren sollen die Bestände von 17 bedeutenderen Pfarrbibliotheken in Sachsen-Anhalt erfasst werden, sagte Projektleiterin Margit Scholz vom landeskirchlichen Archiv in Magdeburg.
Vermutlich seien dies mehr als 23.000 historische Drucke und Handschriften aus der Zeit bis 1850. Davon sollen etwa 5.000 Titel auch digitalisiert werden. Voruntersuchungen hätten bereits einige unbekannte Drucke oder Werke mit handschriftlichen Kommentaren und Anmerkungen zu Tage gefördert, teilten die Projektpartner mit.
Gerade in Mitteldeutschland gebe es „durchgängig sehr alte Bibliotheken, die bisher kaum erschlossen sind“, oft aus dem 16. oder frühen 17. Jahrhundert, sagte Thomas Fuchs von der Universitätsbibliothek Leipzig.
Gerade in Mitteldeutschland gebe es „durchgängig sehr alte Bibliotheken, die bisher kaum erschlossen sind“, oft aus dem 16. oder frühen 17. Jahrhundert, sagte Thomas Fuchs von der Universitätsbibliothek Leipzig.
Insgesamt gebe es auf dem Gebiet der mitteldeutschen Kirche etwa 1.000 Pfarrbibliotheken, die vielfach unbekannte Drucke und Handschriften aus der Reformationszeit und folgenden Jahrhunderten beherbergten. Das Projekt solle helfen, dieses reiche kulturelle Erbe zu bewahren und zugänglich zu machen.
| Die Pfarrbibliothek Zeitz gehört zu den größten Partnern im Projekt, Foto: Margit Scholz / EKM |
Mancherorts haben Krieg oder Feuchtigkeit die historischen Schriften komplett vernichtet oder schwer geschädigt. Nicht selten hätten die Bücherschränke in muffigen Kirchtürmen gestanden. Deshalb müssten etliche Werke wohl fachmännisch konserviert oder sogar restauriert werden, bevor sie digitalisiert werden könnten. Dafür seien vermutlich weitere Aufwendungen nötig, hieß es.
Zu den herausragenden Objekten im Projekt zählen mittelalterliche Handschriften, Wiegendrucke, Flugblätter, Leichenpredigten, Noten und frühe Zeitungen. Die umfangreichste der ausgewählten Sammlungen sei die Bibliothek von St. Michaelis in Zeitz, deren Entstehung in die Zeit vor der Reformation zurückreicht. Sie verwahrt mehr als 7.400 Titel, darunter eines von weltweit nur drei erhaltenen Exemplaren des Plakatdrucks der 95 Thesen Martin Luthers von 1517.
Die eine oder andere Überraschung verspreche auch die sogenannte „Turmbibliothek“ der Andreaskirche in Eisleben, hieß es weiter. Ihre etwa 2.700 Schriften umfassen auch Bestände des Klosters Helfta und lagern mittlerweile im Archiv der Luther Museen. Kostbarkeiten werden zudem in der Bibliothek der Stephanikirche Aschersleben vermutet, deren Bestände zum Teil auf die Sammlung des Theologen Johannes Olearius (1611-1684) zurückgehen.
(Thomas Nawrath, kompl. Artikel hier)
Abonnieren
Posts (Atom)











