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Mittwoch, 26. August 2026

Unvergessen: Werner Klemke - Der Mann, der den Büchern der DDR ein Gesicht gab

Heute vor 32 Jahren, am 26. August 1994, starb Werner Klemke, Gründungsmitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, in Berlin. Geboren wurde er am 12. März 1917.
Werner Klemke gehörte zu den Künstlern, die das Erscheinungsbild von Büchern und Zeitschriften in der DDR über Jahrzehnte mitprägten. Er war Grafiker, Buchillustrator und Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Von 1954 bis 1989 gestaltete er die Titelseiten der Zeitschrift „Das Magazin“ und war auch der Schöpfer des berühmten kleinen Magazin-Katers. Für seine Arbeiten erhielt er unter anderem dreimal den Nationalpreis der DDR.
Klemke illustrierte Bücher für Kinder ebenso wie große Werke der Weltliteratur. Boccaccio, Cervantes, Brecht und viele andere bekamen durch seine Feder eine ganz eigene Handschrift. Seine Zeichnungen waren oft leicht, lebendig, manchmal verschmitzt und trotzdem mit erstaunlich wenigen Strichen auf den Punkt gebracht. Man musste nicht erst auf den Namen des Illustrators schauen. Bei vielen seiner Arbeiten wusste man einfach: Das könnte ein Klemke sein.
Und genau an dieser Stelle schließt sich für mich ein ganz persönlicher Kreis.
Wer mein Buch DDR 2.0 - Was wäre, wenn wir geblieben wären? irgendwann zum ersten Mal in der Hand hält, soll nämlich nicht nur eine Geschichte über eine DDR lesen, die niemals verschwunden ist. Ich wollte, dass sich bereits das Buch selbst ein wenig so anfühlt, als wäre es irgendwann um 1970 herum entstanden.
Deshalb habe ich mich bei der gesamten Gestaltung bewusst an dieser Zeit orientiert. Das Papier, die Schrift, die Initialen am Anfang der Kapitel, die kleinen Vignetten und schließlich die insgesamt 40 Zeichnungen im Buch. Diese Illustrationen wurden im Grundstil jener klassischen DDR-Buchgrafik entwickelt, für die Künstler wie Werner Klemke stehen.
Die Bilder, von denen ihr hier einige Beispiele seht, sollen eben nicht aussehen wie moderne Hochglanzillustrationen aus dem Computer. Sie sollen wirken, als hätte ein Zeichner mit Feder und Tusche am Tisch gesessen und anschließend wären sie auf leicht vergilbtem Papier in einem DDR-Verlag gedruckt worden.
Das war für mich von Anfang an wichtig. Ich wollte kein modernes Buch, auf dessen Umschlag zufällig „DDR“ steht. Ich wollte versuchen, ein Buch zu schaffen, bei dem man beim Aufschlagen für einen kurzen Moment denkt: Das könnte seit 50 Jahren in meinem Bücherschrank stehen.
Und vielleicht ist genau das auch eine schöne Form der Erinnerung an Menschen wie Werner Klemke. Nicht indem man ihre Arbeiten einfach kopiert, sondern indem man sich daran erinnert, welche Wärme, welchen Humor und welche unverwechselbare Handschrift solche Zeichnungen einem Buch geben konnten.
Wenn ihr also irgendwann im Dezember mein Buch aufschlagt und euch eine dieser Zeichnungen irgendwie bekannt vorkommt, obwohl ihr sie garantiert noch nie gesehen habt, dann ist genau das beabsichtigt.
Werner Klemke starb heute vor 32 Jahren. Seine Bilder aber stehen noch immer in unzähligen Bücherregalen. Manchmal ziemlich gut versteckt zwischen zwei Buchdeckeln. Und vielleicht ist das für einen Buchillustrator ohnehin die schönste Form von Unsterblichkeit.

Das „DDR 2.0 - Was wäre, wenn wir geblieben wären“ erscheint in der ersten Dezemberwoche 2026 und kann bereits jetzt vorbestellt werden.

(Holger Jacob)

Freitag, 14. August 2026

Graphik-Kalender zu Bertolt Brecht

Ich benötige keinen Grabstein,
aber
Wenn ihr einen für mich benötigt
Wünschte ich, es stünde darauf:
Er hat Vorschläge gemacht. Wir
Haben sie angenommen. ...

Anlässlich des heutigen 70. Todestages von Bertolt Brecht werden hier Künstler-Kalender mit Originalgraphik, die in den ersten Jahrgängen zu diesem bedeutenden Dramatiker und Schriftsteller als „Brecht-Graphikkalender“ erschienen, vorgestellt und die zwischen 1965 und 2006 in Karlsruhe im Selbstverlag herausgegeben wurden.
1969 vier Blätter, je 1 Blatt 1970 und 1974
Der in einer nummerierten Auflage von 150 Exemplaren mit häufig signierten, teils mehrfarbigen Holzschnitten und -stichen, sowie Linolschnitten (u.a. K. G. Hirsch, Benno Huth, Guido Zingerl, Volker Stelzmann, Annette Ziegler und Eberhard Dänzer) herausgegebene Kalender für Graphikfreunde enthielt jeweils zwischen 12 und 16 Graphiken.

Mittwoch, 1. Juli 2026

Bertolt Brecht, Tagebuch No. 10

Bibliophiles des Monats ist das Faksimile des Tagebuchs No. 10 von Bertolt Brecht, welches der damals 15jährige Schüler 1913 führte. 
Siegfried Unseld (1924 - 2002) gab dieses im Oktober 1989 in Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, jetzt mit Sitz in Berlin, heraus, brachte diese Handschrift mit einer Transkription und Anmerkungen von Günter Berg und Wolfgang Jeske (1951 - 2012) heraus, 2 Bd. im Schuber, Fester Einband, 116 Seiten, Auflage 1200 Expl., Einband von G. Lachmaier, Reutlingen.
»Ein Tagebuch des Fünfzehnjährigen, das minutiös Aufschluss gibt über mehr als ein halbes Jahr seines Lebens, vom 15. Mai bis zum 25. Dezember 1913, Aufschluss über Schreiben, Tun, Denken, und das gleichzeitig ein faszinierendes Dokument des Fünfzehnjährigen ist, Schriftsteller, Dichter werden zu wollen, werden zu müssen: »Ich muss immer dichten«
(Siegfried Unseld, Einführung)

Mittwoch, 10. Juni 2026

Schwarmwissen gefragt

Wer kann zu dem abgebildeten Flohmarktfund oder weiteren Publikationen der Reihe „★ Kinderbuch #“ Angaben machen?
„★ Kinderbuch 2, Bertolt Brecht, Die Drei Soldaten“, mit Zeichnungen von Georg Grosz, ein offensichtlicher Raubdruck, vermutlich um 1968, im Format A5, klammergeheftet, Abdruck aus „Versuche 14" (1932), S. 462-519.

Mittwoch, 25. März 2026

seltenes Exemplar von Bert Brecht jetzt in Marbach

Das Deutsche Literatur Archiv Marbach hat eines der beiden noch überlieferten Exemplare von Bertolt Brechts Theaterstück ›Furcht und Elend des III. Reiches‹ erworben!
Das Exemplar, ehemals im Besitz von Marco Pinkus, trägt handschriftliche Spuren aus der Verlagsarbeit und eine Zustimmung zum »Besitzerwechsel« durch Wieland Herzfelde. Als Dokument der gegen den Nationalsozialismus engagierten Literatur und des intellektuellen deutschen Exils ist dies ein bedeutendes Stück für die Marbacher Sammlungen.
Bertolt Brechts Stück ›Furcht und Elend des III. Reiches‹ zählt zu den zentralen Texten des politischen deutschen Exils nach 1933. In 27 Szenen wird der Alltag im national-sozialistischen Deutschland dargestellt und mit den Brecht’schen Methoden kritisch-analytisch aufbereitet. Zwischen 1934 und 1943 arbeitete Brecht an dem Text, der ihn somit in all seinen Exilstationen (Dänemark, Schweden, USA) begleitete. 1938 hätte das Stück im Malik-Verlag von Wieland Herzfelde im Prager Exil erscheinen sollen. Die deutsche Annexion der Tschechoslowakei verhinderte das, deutsche Behörden zerstörten die Druckstöcke. Zwei Korrektur-Abzüge konnten gerettet werden. Die geplante Ausgabe im Malik-Verlag enthält Szenen, die in keiner der späteren Veröffentlichung enthalten sind. Somit können die beiden Korrektur-Abzüge als verlorene Erstdrucke des Textes gelten.

Dienstag, 10. Februar 2026

Bert Brecht, * 10. Februar 1898

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!

„Brecht bibliophil“ aufrufen durch Klick auf die Abb.
Zu seinem heutigen Geburtstag sei hiermit an Einiges zu Bertolt Brecht in der Rubrik „Bibliophiles des Monats“ erinnert.

Montag, 22. Dezember 2025

„Graphische Kunst“ 1|2 2025 erscheint im Januar

Vor 2 Monaten musste Rainer Stec allen Abonnenten und Lesern mitteilen, dass die „Graphischen Kunst“ aus gesundheitlichen Gründen in diesem Jahr einmalig als Doppel-Ausgabe ausgeliefert wird. Leider klappte es auch nicht, die Zeitschrift noch 2025 unter den Weihnachtsbaum zu legen, sie ist jetzt in der Druckerei, ihre Auslieferung wird Mitte/Ende Januar 2026 erfolgen.
Klaus Eberlein, Holzschnitt, aus Illustration 63, Heft 2/1998
So wird hier noch einmal ein Doppelblatt mit einem Originalholzschnitt von Klaus Eberlein zum Gedicht von Bertolt Brecht „Empfehlung eines langen, weiten Rocks“ aus Illustration 63, einem Vorläufer der Graphischen Kunst, vorgestellt.

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Berliner Bibliophiler Adventsabend

Abel Doering und Maria Bogdanovich
Heute kam der Berliner Bibliophilen Abend traditionell bei Susanne Rothe und seinem Mitglied Ulrich Goerdten zur Adventsveranstaltung zusammen, um sich über die beglückendsten Momente im Sammlerleben 2025 auszutauschen.
Bernd Illigner und Bernd Friedrich
Das waren z.B. für Jürgen Wilke die Zeitschrift „Der Mensch“ mit Original-Holzschnitten von Conrad Felixmüller, „Rilke zeichnet“ aus der Anderen Bibliothek und ein bemerkenswerter Flohmarktfund für Ulrich Goerdten, bei Abel Doering die Rohbögen eines nicht komplett erschienenen Pressendrucks von Brechts „Tao-te-king“, für Wilhelm Lehberger die Kassette „Typoeten“ der Officina Ludi oder seltene „Raubdrucke“ aus dem 18. Jahrhundert, die Fritz Jüttner in seine Sammlung einreihen konnte.
Manfred Funke, Fritz Jüttner, Irmtraud Jüttner, Detlef Porth
vorn: Bernd Illigner, stehend: Ulrich Goerdten
Neben der Jahresgabe 2025 des BBA erhielten die Teilnehmer des Abends auch ein PF von Bernd Friedrich.
Bernd Friedrich, Maria Bogdanovich, Dr. Fouquet-Plümacher, Günter Reichl, Wilhelm Lehberger, Jürgen Wilke

Montag, 1. Dezember 2025

Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper

Vor 2 ½ Monaten erschien bei Suhrkamp ein Titel, der jetzt als Bibliophiles des Monats vorgestellt werden soll.
Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper
(The Beggar`s Opera. Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern nach dem Englischen des John Gay . Übersetzt von Elisabeth Hauptmann, Deutsche Bearbeitung von Bert Brecht)
Die Dreigroschenoper wurde von der in Berlin lebenden, 1979 geborenen Katja Spitzer kongenial und modern illustriert. Katja Spitzer hat Kunstgeschichte und Geschichte in Halle und Illustration an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und der Hochschule Luzern studiert. Sie arbeitet für verschiedene Magazine wie Brigitte, Mare und Geolino sowie zahlreiche Verlage in Deutschland und Großbritannien. 
Abbn. © Suhrkamp
Das von Paulina Pysz gestaltete Buch im Pappband hat 169 Seiten und wurde bei Beltz Grafische Betriebe Bad Langensalza gedruckt.

Dienstag, 11. November 2025

Rotes Antiquariat und Galerie Meridian - Liste Herbst 2025

Pünktlich zur Buch Wien erscheint die Liste Herbst des Roten Antiquariats und Galerie Merian, die auf dieser internationale besetzten Antiquariatsmesse präsent sein werden.
Im Katalog werden wieder auf 54 Seiten 216 Positionen von Henry Aldrich bis Bruno Taut, von Ernst Barlach bis Herwarth Walden, von Otto Arnold bis Carl Zuckmayer und von Allert de Lange bis Stefan Zweig aus den Bereichen Architektur, Kunst, Literatur und Exil-Literatur angeboten.

Rotes Antiquariat und Galerie C. Bartsch
Knesebeckstr. 13/14, 10623 Berlin
Rotes Antiquariat und Galerie Wien-Berlin
Florianigasse 36, 1080 Wien

Buch Wien: 12. - 16. November 2025
Messe Wien, Hallen D + C
2. Bezirk, Trabrennstraße

Sonntag, 12. Oktober 2025

Künstlerportraits von Bertolt Brecht

In Ergänzung des Beitrages im Hamburger BothenMitteilungen aus dem Sammlerleben“ werden drei Porträts von Bertolt Brecht aus der Sammlung von Abel Doering als „Bibliophiles außer der Reihe“ vorgestellt, die jeweils in einem Abstand einer Generation, davon in einem Fall von einem Künstler, der den Dichte zu Lebzeiten befreundet war, entstanden.
Horst Janssen – Bertolt Brecht
Gustav Seitz – Portraitstudie Bert Brecht
Bodo W. Klös – Berthold Brecht
Die Liste der Brecht-Portraits von Künstlern ist lang, einige, wie Herbert Sandberg, der sein Schaffen am Berliner Ensemble begleitet, der mit ihm befreundet Arno Mohr, oder Bernhard Heisig kannten Brecht noch persönlich, andere wie Hans Ticha, oder der in den Informationen eines Pirckheimers früher schon vorgestellte Hanfried Wendland oder Steffen Büchner mussten auf überlieferte Abbildungen zurückgreifen.
Das wird zum Teil auch in den ausgewählten Drucken deutlich – Künstler, die persönlich Brecht kennenlernen durften, legen den Fokus mehr auf seine Wesensart, diejenigen, die ihn lediglich aus seinen Werken kennen, setzen seine Person eher in Beziehung zu seinem Schaffen.

Nähere Angaben zu den vorgestellten Arbeiten können im Blog „Bibliophiles des Monats“ nachgelesen werden.

1 Kommentar:
15. Oktober 2025: Bücherfreundin hat gesagt…
Eine schöne Ergänzung zu deinem Artikel im Hamburger Bothen. Danke!

Montag, 9. Juni 2025

Pirckheimer besichtigen Augsburger Brechtsammlung

Die Regionalgruppe Bayern der Pirckheimer-Gesellschaft wird in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburrg Neuerwerbungen von und zu Bertolt Brecht (1898–1956) besichtigen.
„Ernte“, 4. Heft, gest. von Brechts Freund Fritz Gehweyer., © Staats- und Stadtbibliothek
Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg mit über 10.000 Bänden, einer beachtlichen Zahl an Unikaten und einem umfangreichen Grafikbestand umfasst nach dem Bertolt-Brecht-Archiv in Berlin die weltweit zweitgrößte und -bedeutendste Brechtsammlung.

Brecht-Vorzugsausgabe von Volkmar Häußler
Ein Nachlass von Brechts Bruder Walter, der 1989 erworben wurde und, neben etwa dreißig bislang nicht publizierten Briefen Brechts an seine Augsburger Jugendliebe Paula Banholzer, ein Fotoalbum der Familie und etliche unbekannte Briefe von Freunden und Bekannten an Brecht enthielt.
Zum anderen konnte die Stadt im Juni 2009 von Brechts Tochter ein umfangreiches Konvolut erwerben, zu dem Manuskripte und Dokumente mit Relevanz für Brechts Augsburger Zeit.
Hinzuweisen ist auf den einzigartigen Zeitungsbestand der Staats- und Stadtbibliothek mit Beiträge Brechts für Augsburger Tageszeitungen, über dreißig Texte, die Brecht ab 08. August 1914 schrieb und darüber hinaus seine Theaterkritiken, die zwischen Oktober 1919 und Januar 1921 entstanden und in der USPD-Zeitung Volkswille abgedruckt wurden. Von dieser Zeitung existiert weltweit nur noch das Exemplar der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg.

(Hans Rabenbauer, weitere Informationen hier)

26. Juni 2025, 15 Uhr, um Anmeldung wird gebeten

Staats- und Stadtbibliothek Augsburg
Schillstraße 94, 86167 Augsburg

Mittwoch, 4. Juni 2025

Glückwunsch zum 85.

"Legende von der Entstehung des Buches
Taoteking auf dem Weg des Laotse in
die Emigration", 23 Expl., 1988
Herzliche Glückwünsche zum fünfundachtzigsten Geburtstag gehen heute an Hanfried Wendland.

Arbeiten des Jubilars konnten in meinem, zeitweise auf der Seite der Pirckheimer-Gesellschaft betriebenen Blog, sowie später als Bibliophiles des Monats bereits häufiger vorgestellt werden, vor den Pirckheimern der Regionalgruppe Berlin-Brandenburg konnte er seine Arbeiten auf einer Abendveranstaltung vorstellen, er ist regelmäßig auf der BuchDruckKunst Hamburg oder der artbook.berlin zu finden und für Mitglieder des Berliner Bibliophilen Abends war darüber hinaus die Jahresgabe 2021 ein unvergessener Höhepunkt.

Dienstag, 27. Mai 2025

Albert Kapr – Der Typograf von Grieshabers „Totentanz“

Am 31. März dieses Jahres war sein 30. Todestag. Zugegeben, das ist rund und doch wieder nicht so richtig eines der gängigen Jubiläumsjahre, wir wollen es dennoch zum Anlass nehmen, an den großen Künstler und Typografen, der u.a. Grieshabers „Totentanz“ eindrucksvoll „beschriftet“ hat, zu erinnern, zumal wir über rare Original-Holzschnitte Kaprs aus der unmittelbaren Nachkriegszeit im Schwäbischen verfügen.
Albert Kapr, Ballade vom angenehmen Leben, Holzschnitt, 63 x 48 cm, Aufl. 90 Expl.
Am 20. Juli 1918 in Stuttgart geboren, war Kapr auch Schriftgestalter, Kalligraf, Typograf und Hochschullehrer. 1936 wurde er wegen „Beihilfe der Vorbereitung zum Hochverrat“ – er hatte in Stuttgart eine Statue mit den Worten „Hitler = Krieg“ beschriftet – zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Dennoch konnte er ab 1938 an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart studieren. 1948 wurde Kapr an die Hochschule für bildende Kunst (seit 1996 Bauhaus-Universität) Weimar berufen. Ab 1951 war er Professor für Schrift- und Buchgestaltung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, als solcher bestimmte er die Entwicklung der Schrift- und Buchkunst der DDR maßgeblich mit. Für die Büchergilde schuf er u.a. den Zweiten Gutenberg Pressendruck. Kapr starb 1995 in Leipzig.

(Wolfgang Grätz)

Montag, 12. Mai 2025

125. Geburtstag von Helene Weigel

Mit der Vorstellung eines Titels aus dem Henschel-Verlag als Bibliophiles des Monats außer der Reihe sei heute, an ihrem 125. Geburtstag, Helene Weigel, der österreichisch-deutsche Schauspielerin, Intendantin des Berliner Ensembles und Frau von Bertolt Brecht, geehrt:
Das 3. der Modellbücher des Berliner Ensemble "Couragemodell 1949: Mutter Courage und ihre Kinder" enthält in einer schwarzen, 24,6 x 16,3 cm großen Originalleinen-Flügelmappe drei Hefte: in gelber Originalbroschur auf 96 Seiten den Text des Stückes, sowie 2 schwarze Broschuren mit Leinenrücken auf 177 Seiten einfarbige Szenenfotos der 100. Aufführung am 11. September 1951 und 60 Seiten Anmerkungen.
Herausgegeben wurde die im Henschel-Verlag 1968 erschienene Mappe von Ruth Berlau. Das Heft mit dem Text von Bertolt Brecht ist im Impressum zusätzlich einen Stempel "Suhrkamp-Verlag, Frankfurt(Main) 1958" gekennzeichnet.

Samstag, 10. Mai 2025

Gedenken an die Bücherverbrennung - z.B. Augsburg oder Berlin

Die Bücherverbrennungen 1933 – Auftakt zu Terror und Völkermord 

Die Bücherverbrennungen waren keine spontanen Aktionen. Sie wurden akribisch geplant und dienten der propagandistischen Inszenierung der nationalsozialistischen Machthaber. Ab März 1933 brannten in über 120 deutschen Städten und später auch in besetzten Ländern Bücher. Besonders spektakulär inszeniert wurde die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Münchner Königsplatz. Rund 50.000 Menschen, vorwiegend aus akademischen Kreisen, nahmen daran teil. Verbrannt wurden Bücher von Autorinnen und Autoren, die für Frieden, Gerechtigkeit, Freiheitsrechte, Menschenwürde und gegen Nationalismus, Antisemitismus, Rassenwahn, Militarismus und Rechtsextremismus geschrieben hatten. 

»Alles, was Freiheit, was Friedenswillen, was menschlichkeitsverbindende Kultur bedeutet, wird auf lange Zeit hinaus von der Bildfläche verschwunden sein.« Brief im Dortmunder Generalanzeiger 29.1.1933 – Helene Stöcker (1869 - 1943)

Anna Seghers, Albert Einstein, Sigmund Freud, Alexandra Kollontai, Erich Kästner, Bertolt Brecht, Agnes Smedley, Erich Mühsam, Marie Juchacz, Erich Maria Remarque ...

Auch in Berlin wird an die Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933 gedacht. An der Veranstaltung, die ein Zeichen gegen Hass und Rassismus setzt und an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, deren Bücher am 10. Mai 1933 in 22 deutschen Universitätsstädten öffentlich verbrannt wurden, erinnert, beteiligte sich auch der Berliner Bibliophilen Abend.
Abel Doering (BBA), Foto: Wilfried Platzek
10. Mai 2025 15:00 - 17:00 Uhr
Berlin Mitte, Bebelplatz (an der Staatsoper unter den Linden)

Dienstag, 6. Mai 2025

Literatur illustriert - z.B. Bert Brecht

Die Begleitung literarischer Texte durch Bilder ist keineswegs eine Erfindung der Neuzeit und findet derzeit ihren Höhepunkt in Graphic Novel. Jetzt hat Konomi Kita, eine japanische Künstlerin, die Moritat von Mackie Messer von Bertolt Brecht umfassend illustriert.
Mackie und die Reichen
Konomi Kita hat an der Universität Tokio Germanistik studiert hat und arbeitet derzeit als Illustratorin, hauptsächlich für Coverbilder für Bücher und Zeitschriften. Neben ihrer Vorliebe für das Bibliophile ist sie Amateurmusikerin und gestaltet Videos.
Der Haifisch
"Ich finde sowohl die Texte von Brecht als auch die Musik von Weill extrem fesselnd... Weills einfache und unbeschwerte Melodie steht in herrlichem Widerspruch zur Grausamkeit des Textes selbst."
Großes Feuer in Soho
"Ich glaube, dass es ein äußerst gewagter und verantwortungsvoller Akt ist, Figuren eines literarischen Werkes zu nehmen und sie in einer bildenden Kunstform zu interpretieren. Ich hoffe, dass mein Publikum meinen Respekt und meine Bewunderung für den Originaltext spürt und auch meine frische Interpretation genießt, der ich meine ganze Kraft und Finesse gewidmet habe."

(Konomi Kita auf E-CIBS)

Donnerstag, 24. April 2025

Der Sammler auf Reisen: Augsburg

Für Brecht-Freunde und Besucher von Augsburg gibt es ab sofort die App „Der Brecht Weg“, die zu 8 Stationen im Leben von Bertolt Brecht führt und zeigt, welche besondere Verbindung Bertolt Brecht zur Stadt Augsburg hatte.

Es gibt jeweils am Ort konzentrierte Informationen aus erster Hand: von Augsburger Brecht-Experten, darunter den Mitgliedern des Brechtkreises Erik Völker, Kurt Idrizovic, Karla Andrä und Michael Friedrichs.

Die aufwändig gedrehten Videos, die man übrigens auch anschauen kann, ohne den Weg abzuschreiten und die auch auf das Handy geladen und offline angesehen werden kann, entstanden auf Initiative von Astrid Kellner.

Freitag, 11. April 2025

wiedergerlesen: Typoeten

Auf der BuchDruckKunst Hamburg wurde u.a. an die 2011 erschienene Kassette Typoeten mit typographischen Dichterportraits von Ralf Maurer erinnert - Claus Lorenzen präsentierte am Stand der Officina Ludi einige Blätter dieser Kollektion aus der inzwischen vergriffenen Vorzugsausgabe, die in 125 num. Exemplaren erschien. Die Holzkassette der Buchhandelsausgabe ist inzwischen ebenfalls vergriffen, lediglich die Loseblattsammlung ist beim Verlag noch erhältlich.
Dr. Claus Lorenzen am Stand der Officina Lud auf der BuchDruckKunst 2025, Foto © ad
(zum Vergrößern der Graphiken bitte anklicken)
Das Foto zeigt den Pirckheimer Claus Lorenzen mit zwei für die Vorzugsausgabe von Ralf Maurer signierten Blättern, die gegenüber der Buchhandelsausgabe auf schwererem Karton (350 g/m²) gedruckt wurden, mit dem Portrait von Thomas Mann und dem, nur in dieser Ausgabe enthaltenen Blatt zu Heinrich Mann. Beide gezeigten Graphiken konnten jetzt meiner Kassette (unter den Typographien ist auch ein Blatt mit dem Portrait Bertolt Brechts) hinzugefügt werden. Herzlichen Dank!

Freitag, 21. März 2025

Bernhard Heisig als Buchillustrator

Die Buchillustrationen von Bernhard Heisig, dessen Geburtstag sich am 31. März 2025 zum 100. mal jährt, waren gestern Thema eines Abends der Berlin-Brandenburger Regionalgruppe der Pirckheimer-Gesellschaft.
Stefan Römer, Fotos © ad
Der Pirckheimer Stefan Römer, der sich als Sammler intensiv mit dem Künstler beschäftigte und mit diesem bekannt bekannt war, machte mit dessen wechselvollen Biographie zwischen Anerkennung und Ablehnung, Duldung und Verehrung eines Menschen bekannt, der mit Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke und Willi Sitte zu den Gründern und wichtigsten Vertretern der Leipziger Schule gehörte.
Seine Buchillustrationen, die von Dumas, Grimmelshausen, Böll, Goethe, Heinrich Mann und Bert Brecht reichen, erschienen u.a. bei Henschel, Reclam jun. Leipzig, der Büchergilde Gutenberg und Faber und Faber, häufig auch als Vorzugsausgaben mit beigelegter oder eingebundener Originalgraphik.Auch in den Marginalien #157 lag schon einmal eine Graphik von Bernhard Heisig bei, die vom Künstler signierte Lithografie “Theodor Fontane” (Abb.), gedruckt von der Tabor-Presse Berlin.
In der Reclams Universal-Bibliothek erschien darüber hinaus von ihm als Bd. 1283 "Der faschistische Alptraum" mit seinen Lithographien und Texten.