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Freitag, 24. Juli 2026

Thomas J. Richter (1955 - 2026)

Thomas J. Richter, 15. Juni 2025, Vernissage zum 70. Geburtstag, Foto © ad
Der Maler und Grafiker Thomas J. Richter ist im Alter von 71 Jahren gestorben, er wurde am 17. Juli 2026 tot in seiner Berliner Wohnung aufgefunden.

Richter wurde am 15. Juni 1955 in Berlin geboren, bereits Vater und Großvater waren Maler. Er studierte zunächst an der Karl-Marx-Universität Leipzig, bevor er 1978 an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee wechselte, wo er bei Dieter Goltzsche und Dietrich Noßky Malerei lernte. Nach seinem Studium erhielt Richter wichtige Aufträge wie die Mitgestaltung des U-Bahnhofs Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin (1986/1987) oder die Monumentalskulptur »Schiff zur Rettung der Unschuld der Kunst« (1988/89, mit Martin Wilke) in Berlin-Pankow. Er schuf Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen. Besonders nach 1990 widmete sich Richter in seiner künstlerischen Arbeit der Verschränkung von Erotik und Revolution.

Vor einem Jahr fand in der jW-Ladengalerie, Thomas J. Richter wurde als „Hauskünstler“ der jungen Welt gesehen, die Ausstellung „Wenn Kommunisten träumen“ zum 70. Geburtstag des Künstlers statt, die Laudatio hielt der Pirckheimer Archi Galentz. Die Neujahrskarten, die Thomas J. Richter für Thomas Kaemmel schuf, finden sich in den PF-Sammlungen vieler Pirckheimer. U.a. erschien auch in der von Andreas Wessel, seinerzeit ebenfalls Pirckheimer, herausgegeben jW-Kunstedition der Holzschnitt des Künstlers „Paar am Strand“, ein schönes und provozierendes Gegenstück zu Walter Womackers gleichlautendem und wohl bekanntesten Gemälde aus der DDR der 60ger.

Mittwoch, 8. Juli 2026

Michael Duske (1941 - 2026)

Michael Duske, langjährig Mitglied der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft, des Berliner Bibliophilen Abend und der Pirckheimer-Gesellschaft ist, wie jetzt bekannt wurde, Anfangs des Monats gestorben.
Michael Duske 2016, Foto Ralf Parkner
Ich lernte Michael Duske Ende der 90ger Jahre auf einer Antiquariatsmesse im Berliner Museum für Deutsche Geschichte kennen, wir teilten uns einen Stand. Bereits damals trat er schon als Person hinter seinem Werk als Herausgeber zurück und er vermied seitdem immer stärker die Öffentlichkeit.
Vor einem viertel Jahr, er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seine Vergangenheit hinter sich gelassen, Mitgliedschaften in bibliophilen Vereinigungen beendet und alle Kontakte zu seinen Freunden abgebrochen, stellte ich die Problikation seines von 1995 bis 2010 bestehenden Verlags „Serapion vom See“, der in Berlin ausschließlich Titel von E.T.A. Hoffmann verlegte, anhand einer beispielhaft ausgewählten Mappe als „Bibliophiles des Monats“ vor.

Die Nachricht von seinem Tod hat mich schwer berührt - die Erinnerung an Michael Duske wird durch die von ihm herausgegebenen bibliophilen Titel bleiben.

(Abel Doering)

1 Kommentar(e):
09. Juli 2026: Stephan Klenner-Otto hat gesagt ...
Ich bin Michael für all das was er mir ermöglicht hat mehr als dankbar! Ich werde ihn immer in Ehren halten!

Freitag, 3. Juli 2026

Bernd Rauschenbach (1952 – 2026)

Bernd Rauschenbach ist in der Nacht zum 2. Juli 2026 in Celle verstorben.
Unvergessen sind die zahlreichen Veranstaltungen zu Arno Schmidt, die Bernd Rauschenbach im Verlauf von etwa 20 Jahren in meiner Buchhandlung gemacht hat – alleine, aber auch mit Joachim Kersten: wunderbare Lesungen mit kenntnisreichen Erläuterungen. Meine Kundinnen und Kunden hat er in einer ganz besonderen Weise an Arno Schmidt herangeführt und begeisterte Schmidtleserinnen und Schmidtleser aus ihnen gemacht.
Im Mai 2022 hat er sein Lesebuch zu Zettel's Traum vorgestellt, für das ich mittlerweile unzählige Käuferinnen und Käufer gefunden habe - meist ganz junge Leute, die sich mit Rauschenbachs Hilfe an dieses Mammutwerk herantasten.
Zuletzt haben wir ihn im Februar 2024 in meiner Buchhandlung mit Texten erlebt, die er zusammen mit Jörg W. Gronius verfasst hat. Die beiden Katastrophendramatiker waren über 50 Jahre ein Duo. Sie trugen an dem Abend Texte aus der TRILOGIE DES SCHÖNEN LEBENS vor; es ist der Abschluss ihres Lebenswerkes zum Generationenpakt.
Zahlreiche ihrer Bücher - von beiden signiert - sind noch im Bestand meiner Buchhandlung. Ein Schatz!
Ich werde Bernd Rauschenbach nicht vergessen.

(Alfred Böttger)

1 Kommentar(e):
07. Juli 2026: Thomas Franke hat gesagt…
Rauschenbach war mir aus dem Schmidtvorlesetriumvirat, das er mit Joachim Kersten und JP Reemtsma bildete, stets der liebste. Neben seinen zahlreichen Aufsätzen habe ich vor allem das "Totengrundgespräch" zwischen Zappa und Schmidt in guter Erinnerung. Schade, dass er Schmidt nicht noch andere Popmusiker treffen ließ. Ich hätte da schon einige Ideen.

Mittwoch, 1. Juli 2026

Klaus Märtens (1937 - 2026)

Die Galeristen-Legende Klaus Märtens ist am 28. Juni, 89-jährig, im Seniorenhaus Johannes Rau in Moers gestorben.
Klaus Märtens (1937–2026) vor seinem unergründlichen Grafikschrank in seiner Wilmersdorfer Galerie Taube, © Archi Galentz
Klaus Märtens, der Kunst-Enthusiast mit seiner Galerie Taube und dem alljährlichen Dezembersalon, ist eine Legende. 1973 gründete der 1937 in Pommern geborene, nach der Flucht 1945 im niederrheinischen Viersen aufgewachsene Kunstpädagoge die Galerie Taube in der Pariser Straße, Wilmersdorf.

Märtens bekannte bei vielen Gelegenheiten, nach dem Mauerfall auch als aktives Mitglied in der nunmehr auch im Westen wirkenden Pirckheimer-Gesellschaft, wer sein Vorbild in Sachen Haltung zu Figur und Gegenständlichkeit war: „Karl Hofer ist mein Prophet!“
Bis zum 30-jährigen Galerie-Jubiläum hatte Märtens 189 durchnummerierte Ausstellungen auf die Beine gestellt und dabei darauf geachtet, dass er Bilder zeigte, die er „selber gerne gemalt hätte“. Da waren Namen wie die des jüdischen Stillleben-Malers Pavel Feinstein, des kauzigen Schweizers Rudolf Stüssi, des Bildhauers Robert Metzkes aus dem Berliner Osten und des Landschaftsradierers Walter Herzog aus Dresden dabei. Und selbstredend Urgesteine der Galerie wie der Stadtmaler Klaus Jurgeit, dessen Motive Lokalkolorit versprühen. Oder Edwin Dickmann, dessen 1960 entstandenes, dunkles Ölbild „Die Hinrichtung“ heute, in Zeiten von neuen Machtkämpfen und Kriegen wieder erschreckend aktuell wirkt.

Corona-Pandemie und Krankheit zwangen den Galeristen 2022, sein Lebens- und Herzensprojekt aufzugeben.

(Ingeborg Ruthe, Berliner Zeitung)

Dienstag, 9. Juni 2026

Klaus Raasch (1960 - 2026)

Klaus Raasch ist in der Nacht von Sonntag zu Montag nach langer schwerer Krankheit eingeschlafen.
Klaus Raasch, ein letztes Mal in der Öffentlichkeit auf der BuchDruckKunst April 2026
Klaus Raasch, geboren 1960 in Wanne-Eickel, studierte von 1981–1986 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg Visuelle Kommunikation. Mit Artur Dieckhoff gründete er 1984 die Buchdruckwerkstatt Schwarze Kunst. Seit 1986 ist er als freier Künstler in Hamburg tätig und 

Neben seinem Schaffen als Grafiker, Drucker und Verleger der Edition Klaus Raasch, in der er mit zahlreichen Künstlern zusammenarbeitete, wird er allen Freunden des bibliophilen Buches und der Druckgraphik als langjähriger Ausrichter der BuchDruckKunst im Museum der Arbeit in Hamburg unvergessen in Erinnerung bleiben.

8 Kommentar(e):
09. Juni 2026: Abel Doering hat gesagt
Ich bin dankbar, Klaus Raasch kennengelernt zu haben. Wir begegneten uns das erste Mal 2013 auf der artbook.berlin und ich lernte seine entgegenkommende Art zu schätzen. Seitdem bereicherten seiner Drucke und Bücher meine Sammlung, viele davon geschenkt. Das Internet war ihm ein notwendiges Übel, er liebte auf Papier fixiertes. Ich werde unsere Korrespondenz vermissen.
Die Trauerfeier zum Gedenken an Klaus Raasch wird am 25. Juni 2026, 13.30 Uhr in Hamburg stattfinden.
09. Juni 2026: Silke Konschak hat gesagt
Ich lernte Klaus Raasch in Hamburg kennen, als ich Ausstellende war. Und es tut mir so unendlich leid, dass er nicht mehr hier auf der Erde weilt. Danke! Schade, dass ich ihn nicht selbst verabschieden kann, da ich zu diesem Zeitpunkt in China bin. Wir, die wissen, was Du für Druck/ Buch und alle getan hast, werden Dich nicht vergessen.
09. Juni 2026: Brigitte Iseli-Neustäbler hat gesagt
Mein Beileid
10. Juni 2026: Astrid Foese hat gesagt
Es gibt Menschen, ohne die die Welt einfach ärmer ist und Klaus ist (ich weigere mich noch „war“ zu schreiben) so ein Mensch. Nun möchte ich mir vorstellen, dass Artur irgendwo schon eine neue kleine alte Scheune gefunden hat, in der die beiden vergnügt ihrem Handwerk nachgehen werden, in einem anderen Aller-Leine-Tal.
11. Juni 2026: Kerstin Schlömer hat gesagt
Ein in jeder Hinsicht wunderbarer und besonderer Mensch, welcher viel zu früh gehen musste. RIP 🖤 Er hat wunderbare Werke geschaffen und wird immer in Erinnerung bleiben. 😢.
11. Juni 2026: Ralf Plenz hat gesagt
R.I.P.
11. Juni 2026: Jürgen Kipp hat gesagt
Ich blickte immer bewundernd nach oben, wie schön Du das alles hinbekommen hast. Ruhe in Frieden, lieber Klaus.
11. Juni 2026: Ralf Plenz hat gesagt
Nicht zu vergessen Artur Dieckhof, der bereits am 21.11.2020 verstarb. R.I.P. – wunderbar das Buch von Klaus Raasch über dessen Leben. Mit ihm hat er sehr lange den Verlag „Schwarze Kunst“ geleitet. *Ralf

Sonntag, 7. Juni 2026

262. Frankfurter Grafikbrief

Dem aktuellen Grafikbrief ist u.a. ein Nachruf von Wolfgang Grätz auf Hermann Naumann zu entnehmen, einen Künstler, den die Berlin-Brandenburger Pirckheimer im Juni 2012 im Rahmen ihrer Jahresexkursion in seinem Dresdener Atelier besuchten.
Hermann Naumann wurde in Kötzschenbroda geboren, lebte aber ab 1947 in Dresden, wo er eine Bildhauerlehre absolvierte und ab 1950 als freischaffender Künstler arbeitete. Aus einem Granatsplitter des 2. Weltkriegs schliff er sich einen Stichel, mit dem er die alte grafische Tiefdrucktechnik des Punzenstichs wiederbelebte: Aus vielen Tausenden in die Kupferplatte gehämmerten Punkten entsteht das Bild. In dieser Technik schuf er eindrucksvolle orig.-grafische Buchillustrationen, u.a. zu Texten von Arthur Rimbaud und Knut Hamsun. Sein malerisches und das umfangreiche grafische Werk umfassen abstrakte wie gegenständliche Arbeiten. Naumann, der seit 1994 etwas abseits des Kunstbetriebs auf einem Gutshof in Dittersbach lebte, gehörte zu den bedeutendsten Künstlern der DDR. Er starb im Alter von 95 Jahren.

Freitag, 5. Juni 2026

Klaus Witte († 7.4.2026)

Am 7. April diesen Jahres starb Klaus Witte, seit 1980 Mitglied der Deutschen Exlibris-Gesellschaft und ab 1992 einige Jahre Vorstandsmitglied als Archivar.
Utz Benkel, 1991, Op. 153, C3,
"Unser tägliches Brot...", Aufl. 50
1971 - 1980 Studium von Politologie, Soziologie, Pädagogik und Ur- und Frühgeschichte in Münster. Danach war er als Kodikologe und Padäograph am Institut für Neutestamentliche Textforschung in Münster tätig. Er verfasste eine Reihe von Exlibrisbüchern, darunter „Monogramm-Lexikon europäischer Exlibriskünstler“, "Exlibris-Bibliographie europäischer Künstler" sowie Werkverzeichnisse und Monographien von bzw. über Martin E. Philipp, Ottohans Beier und Georg Broel (alle 1984), Fidus (1990, 1995) und Adolf Kunst (1996).
Auf der DEG-Jahrestagung letztes Jahr in Memmingen nahm er in Begleitung seiner Tochter nach längerer Abwesenheit wieder einmal teil.

(Utz Benkel)

Mittwoch, 3. Juni 2026

Peter Hoffmann (1924 - 2026)

Dr. Peter Hoffmann, Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, ist am 16. Mai im Alter von 101 Jahren gestorben.
Peter Hoffmann, 2016
Foto © Prof. Dr. Ingrid Kästne

Der Historiker studierte er Geschichte und Slawistik an der Humboldt-Universität zu Berlin, war Assistent und Aspirant am Institut für Geschichte der Völker der UdSSR und ab 1958 wissenschaftlicher Mitarbeiter am historischen Institut der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. In dieser Zeit erforschte er vorwiegend die russische Geschichte und die deutsch-russischen Beziehungen des 18. Jahrhunderts sowie Fragen der Aufklärung und des Absolutismus. Später leitete Peter Hoffmann die „Arbeitsgruppe Geschichte der slawischen Völker“ am Institut für Geschichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften, Berlin.

Neben weiteren Publikationen wurde seine Dissertation B an der Akademie der Wissenschaften der DDR mir dem Titel „Russland im Zeitalter des Absolutismus“ 1988 veröffentlicht.

Sonntag, 31. Mai 2026

Gernot Blum (1939 - 2026)

Am 27. Mai starb einer der längstfungierenden Präsidenten der DEG, Dr. Gernot Blum im Alter von 86 Jahren. Nach längerer Krankheit mit fast unzähligen Krankenhausaufenthalten in einem Seniorenheim. Seine fast 200.000 Exlibris und Gelegenheitsgrafik umfassende Sammlung bildet heute den Grundstamm des Internationalen Exlibris Zentrum Mönchengladbach (IEZ).

Im Verlauf weniger Jahre gelang es Gernot durch groβzügige Erteilung von Aufträgen an bekannte, aber auch weniger bekannte, Künstler, seine umfangreiche Sammlung aufzubauen und er wurde der Präsident der DEG über eine Spanne von 20 Jahren!

Er war aber nicht nur Sammler, Präsident und damit federführend für die DEG, er war auch Verfasser wichtiger Publikationen und nicht zuletzt vieler relevanter Artikel.

Für diesen langjährigen Einsatz, nicht immer ohne Schwertschläge um Konsensus zu erreichen, wurden ihm zwei der bedeutenden Auszeichnungen der DEG zuteil: die Verleihung der Walter-von-Zur-Westen-Medaille und die Ernennung zum Ehrenmitglied der DEG.

Der DEG und ihren Mitgliedern wird er in Erinnerung bleiben und durch das IEZ-Mönchengladbach auch einer ergiebigen Umwelt.

(Klaus Rödel, Nachruf)

Montag, 18. Mai 2026

Harald Metzkes (1929 - 2026)

Die Stadt Altlandsberg trauert um ihren Ehrenbürger Harald Metzkes. Der Maler und Grafiker ist am 14. Mai im Alter von 97 Jahren verstorben.
Harald Metzkes Sept. 2021 in seinem Atelier in Wegendorf, Foto: Armin Schubert
Harald Metzkes gehörte zu den bedeutenden deutschen Künstlern seiner Generation. Sein Werk war eigenständig, vielschichtig und von einem wachen Blick auf den Menschen geprägt. Er suchte nicht das Vordergründige, sondern das Dahinterliegende: die Brüche, die Würde, die Verletzlichkeit und die leisen Wahrheiten des Lebens.
Geboren 1929 in Bautzen, führte ihn sein Weg über das Handwerk des Steinmetzen und das Studium der Malerei in Dresden nach Berlin. Als Vertreter der Berliner Malschule blieb er künstlerisch unabhängig und entwickelte eine Bildsprache, die sich einfachen Deutungen entzog. Seine Figuren, Harlekine, Gaukler und Bühnenbilder sind nicht bloß Motive, sondern Gleichnisse des Menschseins. Neben seinen Gemälden im Konferenzraum im inzwischen abgerissenen Palast der Republik war er Bücherfreunden vor allem als Illustrator zahlreicher Bücher aus DDR-Verlagen bekannt. Die Bücherkinder Brandenburg schufen 2020 für den Maler Harald Metzkes und seinen Sohn, den Bildhauer Robert Metzkes, das Hommage-Buch „Metzkes & Metzkes // Ein Pferd für den König und den Prinzen“. 

Es bleibt ein Werk, das weiter spricht und die Erinnerung an einen Menschen, dessen Haltung, Freundlichkeit und stille Würde über den Augenblick hinaus nachwirkt.

1 Kommentar(e)
19. Mai 2026: Armin Schubert hat gesagt
Ohe je, ich habe gerade all die Stimmen von mir wichtigen Menschen, vom AB/Telefon gespeichert, vorgespielt; dabei auch die von Harald Metzkes, der sich im Januar 2026 für meine Gratulation zum Geburtstag bedankt hatte. Seine Stimme war sehr gebrochen und er beklagte sein Alter . . .
Die Stimmen von guten Freunden und nahen Menschen, die verstorben sind, nehmen weiter zu. Das ist wohl das Schwererträglich-Normale. Bin sehr traurig.

Samstag, 9. Mai 2026

Christian Ewald (1949 - 2026)

Christian Ewald ist in der Nacht vom 8. zum 9. Mai nach langer Krankheit für immer eingeschlafen.
1949 in Weimar geboren, war Christan Ewald nach einer Ausbildung zum Schriftsetzer und Plakatmaler und einem Studium der Typografik und Gebrauchsgrafik an der FHS Berlin ab 1973 in verschiedenen Verlagen tätig. Seit 1976 war er Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR und arbeitete freischaffend für Film, Fernsehen, Verlage und kulturelle Institutionen.

Ich lernte Christian Ewald 1990 anlässlich der Gründung seines Verlags „Katzengraben-Presse", dem in einem der ältesten Häuser von Berlin Köpenick (erbaut 1683) „Anderthalbmann-Verlag bibliophiler Bücher“ kennen, in welchem als erster Titel das letzte Buch der DDR erschien, ausgeliefert am 2. Oktober 1990 um 23:59 Uhr.
Von da an trafen wir uns ständig und ich lernte seine offene, humorvolle Art und sein kenntnisreiches Urteil schätzen, sei es bei persönlichen Begegnungen oder in den Offenen Ateliers in Friedrichshagen, auf der Leipziger Buchmesse, der BuchDruckKunst in Hamburg und der artbook.berlin, sowie natürlich auf dem maßgeblich von ihm mitgestalteten Katzengraben-Fest in Köpenick. Und zu den Jahreswechseln erfreute er Mitstreiter für das Buch mit Neujahrskarten, immer erkennbar an der individuellen Besonderheit seines Verlages, dem „Faden“.

Sein Engagement für das gut gemachte Buch wurde durchaus zur Kenntnis genommen und wurde mit zahlrechen Preisverleihungen honoriert, so durch die "Stiftung Buchkunst", den Hauptpreis im "Cartoon-Wettbewerb Faber-Castell". oder mit dem Gewinn des Wettbewerbs der Anna-Amalia-Bibliothek Weimar, nachzulesen u.a. in einem Beitrag von Helmut Garritzmann in den Marginalien Heft 256.

Mit dem Tod von Christian Ewald hat die bibliophile Gemeinde einen weiteren großen Verlust erlitten, er wird uns fehlen.

(Abel Doering)
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Abschied mit Urnenfeier in Berlin
Rathaus Friedrichshagen
am 19. Juni 2026 um 16.00 Uhr
Abschied und Kondolenz bis 19.30 Uhr
Bölschestraße 87, 12587 Berlin

Urnenbeisetzung in Weimar
Friedhofskapelle Weimar-Ehringsdorf
am 3. Juli 2026 um 13.30 Uhr
Hinter dem Friedhof, 99425 Weimar
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Donnerstag, 9. April 2026

Roland Berger (1942 - 2026)

Roland Berger (14.11.1942 - 4.4.2026), Foto 2019 © ad
Am 4. April 2026 ist Prof. Dr. Roland Berger nach langer Krankheit gestorben.

Bücherfreunden ist Prof. Dr. Roland Berger nicht nur als zeitweiliges Vorstandmitglied der Pirckheimer-Gesellschaft bekannt, wir kennen ihn durch seine Vorträge zur Bildenden Kunst und aus Ausstellungen eigener Werke, durch seinen originellen Neujahrsgrüße, die u.a. in der Edition Schwarzdruck erschienen, und andere Grafiken, wie z.B. zu Jahrestreffen oder den Marginalien.

Die junge Welt veröffentlichte am 9. April einen Nachruf auf Roland Berger von Peter Michel:
Roland Berger gehörte in der DDR zu den aktivsten Mitgestaltern der Grafikedition der jungen Welt. Geboren 1942 in Weinböhla bei Dresden, erwarb er 1972 sein Diplom als Maler und Grafiker an der Kunsthochschule Berlin, wurde 1983 zum Dozenten mit künstlerischer Lehrtätigkeit an der Humboldt-Universität berufen und bestimmte seitdem das hohe Niveau grafischer Techniken im Osten Deutschlands mit: in der freien Zeichnung, der Lithographie, dem Holz- und Linolschnitt, dem Farblinoldruck, der Frottage, der Farbaquatinta und anderem. Auch plastische Gestaltungen gehörten zu seinen Arbeitsmethoden. Bergers Werke wurden in Berlin, Rotterdam, Mainz, Am-heim, Warschau, Moskau, Banska Bystrica und vielen weiteren Orten gezeigt. Bekannt wurde er mit Arbeiten zu den Werken von Anna Seghers und Franz Fühmann und mit seinen Beiträgen zur Kunst des Exlibris. Seine letzte große Einzelausstellung fand erst vor zwei Jahren im Schloss Oranienburg statt. Am 4. April 2026 verstarb Berger im Alter von 83 Jahren in Hohen Neuendorf. Vielleicht erinnert sich. mancher Leser, der die junge Welt aus den DDR-Jahren kennt, an seine frischen Editionsgrafiken.

1 Kommentar:
15. April 2026: Peter Arlt hat gesagt…
In den vielen Jahrzehnten unserer Bekanntschaft als Kollegen von Einrichtungen, die Kunsterzieher ausbildeten, die wir in unserem Leben der DDR viel zu danken haben, als verlässliche Neujahrsgruß-Verfasser waren wir befreundete Pirckheimer, die auch beim Meißener-Staucha-Treffen zur Freude vieler gemeinsam Grafiken versteigerten. Seine künstlerischen Arbeiten schätze ich, besonders seinen am Stuhl gefesselten "Ikarus" von 1980!

Samstag, 24. Januar 2026

Norbert H. Ott (1942 - 2026)

Norbert H. Ott, der am 10. November 1942 in Coburg geboren wurde, war 22 Jahre alt, als er Mitglied der Deutschen Exlibris-Gesellschaft wurde.
[...] Der Einfluss, den Norbert H. Ott auf die Entwicklung der Deutschen Exlibris-Gesellschaft und der Exlibriskunst nach den 1960er Jahren nahm, ist kaum hoch genug einzuschätzen. In zahlreichen Aufsätzen und sonstigen Beiträgen gab er entscheidende Impulse zur Überwindung älterer und eher konservativer Ausrichtungen und Geschmackstendenzen in der Exlibriskunst und bei Sammlern und Sammlerinnen sowie Künstlern und Künstlerinnen – hin zu progressiveren Auffassungen und Ausdrucksformen [...]. Womit er einer großen Anzahl zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen den Weg bahnte. Ott gehörte auch zu denen, die (an)erkannten, dass „fast alles Neue auf dem Gebiet der Exlibriskunst der siebziger und achtziger Jahre, neue Namen, Stilrichtungen und Techniken, aus den Ländern des [damaligen] Ostblocks stammten“. Folgerichtig war er es, der – neben Klaus Rödel – den Eisernen Vorhang für die Exlibriswelt weit öffnete. [...]
Wie wir erst jetzt erfuhren, ist der bedeutende Exlibrist und Mittelalterforscher Dr. Norbert H. Ott bereits am 28. August 2025 in München verstorben. Er wird einen Ehrenplatz im kollektiven Gedächtnis der DEG einnehmen.

(Henry Tauber, gesamten Nachruf auf der DEG-Homepage)

Donnerstag, 22. Januar 2026

Erich Hirsch (1936 - 2026)

Erich Hirsch ist am 20. Januar 2026 von uns gegangen.
Bücherfreunden, Verehrern der Schwarzen Kunst und Besucher der BuchDruckKunst wird Erich Hirsch an der Monotype im Museum der Arbeit in Hamburg immer in Erinnerung bleiben.

Freitag, 16. Januar 2026

Werner Grebe (1935 - 2026)

Am 9. Januar starb der 1935 geborene Prof. Dr. Werner Grebe und damit wieder einer der seit vielen Jahren aktiven Exlibrissammler der DEG und nicht zuletzt ein langjähriger Freund. So schön es ist, sich mit gleichgesinnten zu treffen, zu diskutieren und schöne Stunden gemeinsam zu verbringen, z.B. bei einem guten Glas Wein, so schmerzlich ist der Verlust. So ist es auch in Verbindung mit Werner Grebe, ein Freund des Exlibris und nicht zuletzt auch ein Freund des guten Weines, immer bereit gemeinsam ein Glas zu trinken und vor allem dessen Qualität zu diskutieren. Dazu boten die Tagungen der Deutschen Exlibris Gesellschaft immer eine gute Gelegenheit, denn wenn der Druck des Tauschens überhandnahm, gab es die Gelegenheit sich diskret in einer Ecke mit einem Glas zum Gespräch zurückzuziehen.
Werner Grebe begann das Studium der Fächer Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft und nach dem Staatsexamen für den höheren Schuldienst im Jahre 1965 uns promoviert zwei Jahre später (1967) an der Universität Köln. Im selben Jahr trat er als Bibliotheksreferendar an der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln in die Ausbildung für den höheren Bibliotheksdienst ein und legte am Bibliothekar-Lehrinstitut des Landes Nordrhein-Westfalen 1969 die Fachprüfung hierfür ab. Anschließend lehrte er zunächst als Dozent, seit 1977 als Bibliotheksdirektor und ab 1982 bis 1999 als Professor an dieser Bildungseinrichtung, die später an der Fachhochschule Köln den Fachbereich Bibliotheks- und Informationswesen bildete. Schwerpunkte seiner Lehrtätigkeit vor allem für den mittleren und gehobenen Dienst an Bibliotheken waren die Bereiche Bibliographie/ Information sowie Buch- und Medienkunde.

Im Bereich des Exlibris war er einer der profilierten Sammler mit einer groβen Zahl an persönlichen Exlibris sowie Exlibris für seine Gattin Hannele. Er sammelte zielbewusst und mit bestimmten Themen und vor allem Künstler wie Egbert Herfurth, Hedwig Pauwels und Karl-Georg Hirsch, – aber auch zahlreiche andere von hoher Qualität.

Das Frederikshavn Kunstmuseum hatte im Rahmen der Serie „Exlibrissammler der Gegenwart“ eine umfangreiche Ausstellung mit Exlibris geschaffen für Hannele und Werner Grebe. Im FISAE Newsletter 436 wurde er gemeinsam mit Hannele 2024 mit einer Auswahl ihrer Exlibris vorgestellt. Seine umfangreiche Sammlung ist als eine Donation an die Universität in Köln gegangen und wird dort hoffentlich somit der Nachwelt erhalten.

(Klaus Rödel)

Dienstag, 13. Januar 2026

Michael Ley (1953 - 2026)

Michael Ley, vielem Liebhabern des Künstlerdrucks als miley bekannt, ist am 6. Januar verstorben.
miley, Selfie
Wir lernten uns auf der ersten artbook.berlin 2012 näher kennen, kannten uns aber schon zuvor als Bücher- und Graphikfreunde, Michael kam dann durch mich zur Pirckheimer-Gesellschaft. In den Folgejahren verband uns fast so etwas wie eine Freundschaft, ich verpasste keinen seiner Auftritte zum Ortstermin Moabit des Kunstvereins Tiergarten, war auf der Mainzer Minipressen-Messe, besuchte seine Ausstellungen, zuletzt 2022 in der Heilandskirche. Ich erlebte die Geburt von Drittbrett, einem Künstlerkollektiv, welches er gemeinsam mit Udo Würtenberger und Werner Noske gründete und begeisterte mich an seinen Beiträgen zu verschiedenen Mailart-Projekten. Bei all dem, was er tat, war es ihm wichtig, Anderen das Verständnis für die Kunst, vor allem die Möglichkeit Druckkunst, nahezubringen.
2023 trat Michael Ley aus der Pirckheimer-Gesellschaft 2023 aus und dem Berliner Bibliophilen Abend bei, an dessen Arbeit er schon zuvor teilnahm.
Als Künstler engagierte sich Michael Ley für ein humanistisches Verhältnis zur Natur und ein verständnisvolles Miteinander der Menschen. Neben seiner künstlerischen Arbeit investierte Michael Ley, nach einer Krebsoperation 2002 mit Verlust seines Kehlkopfes gesundheitlich schwer gezeichnet, seine Kraft als Vorsitzender einer Krebs-Selbsthilfegruppe. Im September 2021 wurde sein Künstlerbuch, ein visuelles Tagebuch nach der Mahnung von Joseph Beuys „Zeige Deine Wunde“, wie zuvor schon andere Arbeiten, Bibliophiles des Monats.

(Abel Doering)

Samstag, 13. September 2025

Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann (1956 - 2025)

Foto © Andrea Fabry (mit freundlicher Genehmigung der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe)
Glück und Verstand – Minutenlektüren von Johann Peter Hebel lautet der Titel eines kleinen Büchleins, welches uns Hansgeorg Schmidt-Bergmann am 3. Juni 2018 auf der Jahrestagung in Freiburg beim Festabend schenkte. Es war ursprünglich eine Jahresgabe der Literarischen Gesellschaft/Scheffelbund 2010, welche Schmidt-Bergmann zusammen mit Franz Littmann bei Hoffmann und Campe herausgegeben und mit einem Nachwort versehen hat.

Dort heißt es: «Die Auswahl des vorliegenden Bandes versucht eine Antwort abseits der heute überlebten konventionellen Denkweisen. Mit Verstand glücklich werden hieß ja für Hebel […] nichts anderes als die Kunst, die Lebenskräfte durch eine Vergegenwärtigung des Todes zu stärken. Gleichberechtigt neben der ‹ars moriendi› findet der Leser zahlreiche Aufforderungen zur ‹ars vivendi›, deren Horizont die Gelassenheit und die Zufriedenheit mit sich und der Welt bilden.» Laut Hebel muss man beides können: Sich um die Zukunft sorgen, als auch sorglos in der Gegenwart leben, und – das Wichtigste dabei – seinen Humor und seine Heiterkeit nicht verlieren. Es allen recht zu machen, kann nicht gelingen.

Wenn Hansgeorg Schmidt-Bergmann seine Ehefrau, unsere Erste Vorsitzende Dr. Annette Ludwig, jährlich zu den Jahrestagungen begleitete, konnte man genau dieses Motto immer wieder bei ihm erleben. Gespräche, ernst in der Thematik, waren nie zynisch. Humorvolle Stunden wurden nie zum Unsinn. Es schien so, als ob Hansgeorg Schmidt-Bergmann genau diese, eigentlich recht schwierige Art der «Lebenskunst», nämlich mit Hilfe des Verstandes glücklich werden, durchdrungen hatte. Eine im wahrsten Sinne des Wortes logische Sache, wenn man dabei sein umfangreiches literarisches Wissen und seine Erfahrungen als kluger Analytiker in der Literaturwissenschaft berücksichtigt. Seine Teilnahmen waren stets eine große Bereicherung für die Tagungen.

Doch beim näheren Kennenlernen offenbarte sich die Symbiose zwischen Verstand und vor allem Herz. Wenn er etwas fragte, tat er dies nicht aus Gefälligkeit, sondern weil es ihn wirklich interessierte. Seine Ratschläge und Anmerkungen waren nicht belehrend, sondern immer Angebote, seine Ansichten und Erfahrungen in die persönlichen Überlegungen mit einzubeziehen. Dabei blieb er stets empathisch, offen und nahbar. Mit dieser Art hat er damit den Kreis der Lebenskunst ganz im Sinne Hebels geschlossen. Dieses Beispiel an «ars vivendi», die vielen klugen, schönen und empathischen Gespräche werden fehlen.

Am 3. September 2025 ist Hansgeorg Schmidt-Bergmann nun im Alter von 69 Jahren für alle überraschend in Weimar gestorben. Unser Mitgefühl gilt unserer Ersten Vorsitzenden Frau Dr. Annette Ludwig sowie der gesamten Familie.

(Sebastian Eichenberg)

Montag, 11. August 2025

NIX FÜR DIE KATZ – Zum Tod von Jens Henkel

Einige Mal war ich in Rudolstadt bei Jens und Renate Henkel. Bei meinen ersten Besuchen lag Jens Büro noch über der Stadt in den oberen Etagen der Heidecksburg. Unten bei der Anmeldung stellte ich mich als Dr. Fischer aus Berlin vor und so wurde ich nach oben geleitet. Gemeldet wurde dann folgerichtig ein Dr. Fischer aus Berlin und Jens war überhaupt nicht verwundert mich zu sehen – als würde gleich ein Gespräch von Kustos zu Kustos beginnen. Er zeigte mir dann die Säle der Heidecksburg, Waffensammlung, Roccoco en miniature und die Bibliothek mit den seltenen botanischen Büchern von Johann Hieronymous Kniphof (1704 – 1763). Die Pflanzenabbildungen aus den Büchern dienten mir dann als Vorlage für das Künstlerbuch Kniphofia obscura, das im gleichen Jahr in der burgart presse erschien. Vorgestellt wurde diese Edition auf der Frankfurter Buchmesse 2012 und die burgart presse war wie geplant das letzte Mal dort. Jens wollte sich diese Buchmesse nicht mehr antun. In Leipzig war er ja noch bis 2018 mit seinen Editionen vertreten. Frankfurt war nervig, laut, eng, voll, teuer und man schlief bei Freunden oder Bekannten und ging denen fünf Tage lang vielleicht auf die Nerven, weil Hotels in Frankfurt zur Buchmesse entweder ausgebucht oder zu teuer waren. In späteren Jahren quartierten Jens und ich uns in Bad Vilbel ein. Jahrelang war die burgart presse zu Gast bei Wolf Rosenthal in Bergen-Enkheim und es war über ein Jahrzehnt lang eine Art Tradition, dass ich mich mit Jens und Wolf einen Abend während der Buchmessenzeit in Bergen-Enkheim traf.
Jens Henkel, Mein Käseheft (1963)
Ich erinnere mich nicht mehr genau daran, wann ich Jens kennen gelernt habe und wo es war. Jedenfalls auf einen der Buchmessen in Leipzig oder Frankfurt in den 1990er Jahren. Er wirkte auf mich zunächst nicht wie ein Verleger sondern eher wie ein Direktor einer Kulturinstituts und ihm eilte der Ruf voraus, ein sehr guter Verkäufer zu sein. Immer in derselben Buchmessen-Uniform: schwarzer Anzug, schwarze Schuhe, weißes Hemd. Und er war tatsächlich ein sehr guter Verkäufer, was an seinen Büchern und seiner Ausstrahlung lag. Wer ihn nur kurz kannte, spürte bald seine integrative und herzliche Ausstrahlung, seinen Humor und seine Souveränität. Keine Spur von Eile, Druck, Verkaufenmüssen. Und auf jeder Messe war der Stand der burgart-presse bei den Künstlerbüchern der Platz, wo man sich traf, ein Hotspot von Sammlern und Sammlerinnen, Künstlerinnen und Künstlern.
Die burgart-presse war ein eigener Kosmos. Parallel zu seinem Beruf als Historiker in einem der größten Barockschlösser Deutschlands begann Jens Henkel in den 1980er Jahren mit dem Sammeln von Künstlerbüchern des DDR-Untergrunds.
[...]
Weihnachten bei den Henkels.
Doch "Alles für die Katz"?
Foto: Jens Henkel
2020 erschien das letzte Buch der burgart presse Alles für die Katz – Dreissig Jahre burgart. Im Herbst wütete Corona besonders stark in Thüringen. 2023 schickte er mir ein Foto mit Bodo Ramelow bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für herausragend kulturelle Leistungen. Alle drei Monate schickte ich ihn mein DIARIUM. Oft bestätigten wir uns darin, dass wir froh sind, nicht mehr auf Buchmessen verkaufen zu müssen. Und er erzählte mir von seinen Reisen, oft nach Ahrenshoop, wo er in diesem Jahr noch 25 km mit dem E-Bike gefahren ist. Ein Wiedersehen war immer geplant. In diesem Sommer wollte ich wieder einmal nach Rudolstadt fahren, aber es gab Komplikationen, Klinikaufenthalte und es kam nicht mehr dazu. Renate Henkel schrieb mir am 7. August eine Nachricht, dass Jens gestorben ist – friedlich um 13 Uhr 50. Ohne sie hätte er all die Jahre wahrscheinlich nicht überlebt. Und es waren noch sieben gute Jahre. Ich bin glücklich darüber, ihn kennengelernt zu haben und sein Freund zu sein.

(Hartmut Andryczuk, weiterlesen auf Hybriden-Verlag)

Freitag, 8. August 2025

Trauer um Jens Henkel

Jens Henkel an seinem letzten Arbeitstag auf Schloss Heidecksburg, Foto: Peter Lahann
Wir trauern um den langjährigen Jens Henkel. Der 72-Jährige ist am Donnerstag, 7. August 2025, nach langer schwerer Krankheit verstorben.
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Jens Henkel konzipierte und realisierte eine Reihe von hochwertigen Büchern (zwischen 120 und 250 Seiten mit Pappband und Schutzumschlag) „Künstler in Thüringen“ und widmete sich damit dem zeitgenössischen Kunstschaffen in Thüringen, wie es vorher noch nicht und nachher nicht wieder geschehen ist. Jeder Titel enthält ein Werkverzeichnis des betreffenden Künstlers. Die Bände erschienen anlässlich der jeweiligen Personalausstellungen im Museum Heidecksburg, in der Kunsthalle Erfurt und im Schlossmuseum Sondershausen. Mit der Schriftenreihe lieferte Jens Henkel im Laufe einer Dekade eine thüringenweit bedeutsame Dokumentation über zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, die weit über die anlassgebenden Ausstellungen und den Rahmen des Landesmuseums hinausgeht.
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Von 1991 bis 2020 erschienen in der von Jens Henkel 1990 gegründeten burgart-presse 49 Pressendrucke, 8 bibliophile Drucke und 27 weitere Druckerzeugnisse in limitierten Auflagen. Es entstanden Künstlerbücher und bibliophile Kostbarkeiten, die gemeinsam mit bedeutenden bildenden Künstlern, wie Alfred Traugott Mörstedt, Steffen Volmer, Moritz Götze, Max Thalmann und mit Schriftstellern wie Walter Jens, Adolf Endler, Christa Wolf, Kerstin Hensel u. a. entstanden.

(Nachruf auf rudolstadt.de lesen)

5 Kommentare:
8. August 2025: Annerose Kirchner hat gesagt…
Ich bin so traurig... Jens ging es schon seit Jahren nicht gut.
9. August 2025: Helge Leiberg hat gesagt ...
RIP lieber Jens!

9. August 2025: Armin Schubert hat gesagt…
Welch ein Verlust. Unser Buch "Vom Aufstehen" hat uns ja tolle Impulse durch ihn gegeben. Ich habe ihn einmal in seinem Museum mit dem Bundesverband der JuKu- Schulen erlebt. Warum kann man nicht in Würde 103 werden und bis zum Schluss auch arbeiten.
10. August 2025: Peter Arlt hat gesagt…
Uns Thüringer Pirckheimern hat Jens Henkel in Rudolstadt großartige, sachkundige und temperamentsdurchdrungene Führungen angedeihen lassen, für die wir ihm weiterhin Dank sagen wollen.

Donnerstag, 24. Juli 2025

Dietmar Becker (1942 - 2025)

Dietmar Becker ist am 28. Juni verstoben,
... ein großartiger Mensch und unterschätzter Künstler, ich lernte ihn und seine Frau, die bekannte Sozialwissenschaftlerin Regina-Becker Schmidt, die im September letzten Jahres gestorben ist, Anfang der 1980er Jahre kennen. Das war auf einer Lesung auf der sogenannten Literanover 1985. Danach verloren wir uns aus den Augen, ...
Anfang der 1990er Jahre betrieben Rainer Wichering und Cornelia Leunig die Galerie 13 in Hannover. Die Räume dienten früher den Zeugen Jehovas als Königsreichsaal. Die Galerie befand sich im Ortsteil Linden; nicht sehr weit vom Kötnerholzweg entfernt, wo Dietmar und Regina wohnten. Die Wege zur Galerie waren kurz, die Verbindungen wurden eng. Rainer und Cornelia waren aller experimentellen und randständigen Kunst gegenüber aufgeschlossen und Dietmar passte mit seinen bescheidenen und exzentrischen Werken sehr gut ins Programm. Und ich war häufiger Im Kötnerholzweg, wenn ich in der Galerie 13 zu tun hatte, übernachtete dort und freute mich auch über die finanzielle Unterstützung, denn Dietmar und Regina waren unter den ersten privaten Sammlern, die Künstlerbücher vom Hybriden-Verlag erwarben.
Wir hatten uns wohl über zehn Jahre lang nicht mehr gesehen, aber immer Kontakt gehalten – via Mail und gelegentlichen Anrufen. Vor einigen Jahren war er für einige Wochen im Krankenhaus und dem Tod wohl nahe. Später meinte er am Telefon, dass er diese Erfahrung wohl noch gebraucht hätte. Wie immer folgte eine spezielle Schilderung seiner Wahrnehmungen, die ich aber nicht mehr wiedergeben kann und es vereinfacht verstand, dass er diese Erfahrung noch brauchte, um die Angst vor dem Tod zu verlieren.

Er lud mich nach Engen ein. Der Bodensee wäre nicht weit und war bequem mit dem Zug zu erreichen. Ich fuhr nicht nach Engen und zum Bodensee.

Ist das ein Nachruf? Nein. Nachrufe auf Menschen werden oft gemacht, um sie endgültig zu begraben. Ich glaube, dass Dietmar solche Sätze wie „Man lebt nur einmal“ wie ich nicht ausstehen konnte. Nichts ist verloren. Man muss es nur wiederfinden, neu entdecken. . .


(Hartmut Andryczuk)