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Freitag, 24. Juli 2026

Restitution geraubter Bücher

Sieben Bücher aus der Bibliothek des französischen Historikers Marc Bloch (1886– 1944) und seiner Ehefrau Simonne Vidal, die während der NS-Zeit geraubt wurden, sind in Berlin an an die Familie des Historikers restituiert worden. Die Provenienz der Bücher konnte anhand von Besitzeinträgen und eines Exlibris eindeutig zugeordnet werden.
Marc Bloch wurde als Mitglied der Résistance am 16. Juni 1944 von der Gestapo hingerichtet. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft war er während der deutschen Besatzung antisemitischer Verfolgung und Enteignung ausgesetzt. Die nun restituierten Bücher stammen aus seiner umfangreichen Bibliothek, die im Dezember 1941 von den deutschen Besatzern in Paris beschlagnahmt worden war.
Organisiert wurde die Restitution von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz mit Unterstützung der französischen Kommission für die Rückgabe von Kulturgütern und die Entschädigung der Opfer antisemitischer Enteignungen (CIVS).

Auf Wunsch der Erbengemeinschaft werden alle in Deutschland wiedergefundenen Bücher an die Bibliothèque Halphen der Universität Sorbonne Paris I übergeben, um den serienmäßigen Charakter der Bibliothek Blochs zu bewahren.

(DEG)

Mittwoch, 4. Februar 2026

Frisch gedruckt: Stabi Journal 2025

40 reich bebilderte Seiten geben einen Einblick in den Arbeitsalltag der Staatsbibliothek zu Berlin und berichten unter anderem über neue Serviceangebote, über digitale Neuerungen und über einen anstehenden, für November 2026 vorgesehenen Webrelaunch.
Von den Kurzmeldungen seien drei erwähnt: Die Stabi hat 2025 eine umfangreiche Sammlung zum Spanischen Bürgerkrieg mit zeitgenössischen Broschüren, Erlebnisberichten, Flugblättern und Periodika aus dem Umfeld der Internationalen Brigaden, sowie Tarnschriften, sowie Musikalien wie Schellack- und Vinylplatten übernommen. Innerhalb einer Restitution wurden 221 Bücher an die Erben des französischen Rechtsanwalts Henry Torrès zurückgegeben und die Universitätsbibliothek Lund gab eine nach 1945 als verschollen gegoltene französischsprachige Buchhandschrift aus dem späten 14. Jhdt. an die Stabi zurück.
Die Broschüre ist durch Klick auf die Abb. nachzulesen.

Montag, 19. Mai 2025

Gemeinsame Restitution

In einer von der Deutschen Nationalbibliothek koordinierten gemeinsamen Restitution haben 14 deutsche Bibliotheken und Archive, darunter die Staatsbibliothek zu Berlin, insgesamt 41 Bücher aus dem Eigentum des österreichischen Schriftstellers Raoul Fernand Jellinek-Mercedes (1888 Algier–1939 Baden bei Wien) zurückgegeben. Jellinek-Mercedes wurde nach dem ‘Anschluss’ Österreichs im März 1938 aufgrund seiner jüdischen Herkunft verfolgt. Unter dem Druck der Repressionen nahm er sich im Februar 1939 das Leben.

Raoul Fernand Jellinek-Mercedes war förderndes Mitglied des Wiener Musikvereins und besaß eine große Sammlung von Musikalien, Gemälden und Büchern. Nach seinem Tod war seine Witwe Léopoldine Weiss (1885–1981) gezwungen, große Teile der Sammlung zu veräußern. Darunter befand sich die wertvolle Privatbibliothek, die anschließend über den Antiquariatshandel völlig zerstreut wurde.
Besitzvermerk von R. F. Jellinek-Mercedes in „Die Aller-Durchlauchtigste Käyserin Statira“, Leipzig 1685
Im Zuge der Provenienzforschung sind in den letzten Jahren 41 Bände aus der Sammlung Jellinek-Mercedes‘ identifiziert worden. Die Bücher wurden an die Gemeinschaft der Erbinnen und Erben Raoul Fernand Jellinek-Mercedes zurückgegeben. Sie konnten im Sinne einer gerechten und fairen Lösung anschließend für die Sammlungen der Bibliotheken wieder angekauft werden.

(Vincent Schmidt, Staatsbibliothek zu Berlin...)

Donnerstag, 13. März 2025

Restitution eines Romans von Friedrich Nicolais

Die Herzog August Bibliothek restituiert eine dreibändige Ausgabe von Friedrich Nicolais satirischem Roman „Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker“ an die Erbberechtigten des Wiener Bibliothekars und Kunstsammlers Moriz Grünebaum (1873 bis 1941).

Moriz Ritter von Grünebaum war trotz seiner Konversion zum Katholizismus nach der Eingliederung Österreichs ins Deutsche Reich im März 1938 antisemitischen Verfolgungen durch das NS-Regime ausgesetzt.
In Vorbereitung seiner Zwangsumsiedlung musste der leidenschaftliche Exlibris-, Grafik- und Büchersammler seine umfassende Sammlung im Herbst 1940 bei der Spedition J. Z. Dworak junior einlagern.
Exlibris von Moriz Grünebaum, anhand dessen die Besitzhistorie rekonstruiert werden konnte, © HAB
Die restituierte Nikolai-Ausgabe kam als Teil der Bibliothek des Komponisten und Hochschullehrers Ernst Pepping (1901 bis 1981) 1985 in den Bestand der HAB. Peppings Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus wird als ambivalent eingestuft. Seine etwa 2.300 Bände umfassende Sammlung von Werken der deutschen und europäischen Literatur in historischen Ausgaben stellte Pepping eigenen Aussagen zufolge seit der Nachkriegszeit zusammen. Ein Erwerb einzelner Bände während der NS-Zeit ist jedoch nicht auszuschließen.
Die Provenienz der Bände awurde im Rahmen des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekts »NS-Raubgut unter den Zugängen der Herzog August Bibliothek 1933-1969« recherchiert.

Herzog August Bibliothek
Lessingplatz 1, 38304 Wolfenbüttel

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Dienstag, 11. Februar 2025

Antiquarisches für den Wiederaufbau des DBSM in der DDR

Zu den Mitteln der Buchbeschaffung, mit denen das Deutsches Buch- und Schriftmuseum in der DDR in den 1950er Jahren den Wiederaufbau seiner Sammlungen vorantreibt, zählen auch antiquarische Ankäufe, die im Ausland erfolgen Auf diesem Weg erwirbt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum auf Auktionen der Westberliner Kunst- und Antiquariatshandlung Gerd Rosen seltene Bücher, aber auch ägyptische Kleinplastiken und südostasiatische Palmblatthandschriften.
Blick in den Katalog des Antiquariats Gerd Rosen, Berlin zur Versteigerung 27 (1956), Die Nr. 1688 ist mit der Zugangsnummer des Museums annotiert. Foto: DNB, Laura Stein
Gerd Rosen ist heute vor allem als Inhaber der ersten Kunstgalerie bekannt, die 1945 im kriegszerstörten Berlin neu eröffnet wird. Ihr Schwerpunkt sind die Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst. Die wertvollen und seltenen Bücher, die der gelernte Antiquar im hinteren Teil seiner Geschäftsräume zeigt, finden anfangs wenig Beachtung. Erst als einige der von ihm vertretenen Künstler sich von ihm trennen, kehrt Rosen zu seinen Ursprüngen im Antiquariatshandel zurück.
Goethe, Johann Wolfgang von: West-oestlicher Divan. EA. Stuttgart, Cotta 1819, nach einem Foto der  DNB, Laura Stein
Die im Deutschen Buch- und Schriftmuseum aufbewahrten Kataloge dieser Auktionen sind gleichermaßen Sammlungsobjekt, Quelle zur Geschichte des Antiquariatshandels und Dokumentation der eigenen Erwerbungen. Als Handexemplare der Sammlungsleiter genutzt, enthalten sie annotierte Kaufpreise und Zugangsnummern des Museums. Über die Vorgeschichte der Objekte geben die Kataloge jedoch nur bedingt Aufschluss: Wer die Objekte bei Rosen in den Verkauf eingeliefert hat, wird im Katalog durch codierte Nummern angegeben, deren Auflösung bislang nicht entschlüsselt ist. In manchen Fällen verweist die Katalogbeschreibung auf Provenienzmerkmale, so etwa bei einer in der Auktion XXVII angekauften Erstausgabe von Goethes West-Oestlichem Divan: „Sauberes Exemplar. Exlibris. Vorsatz mit Widmungsgedicht, dat. 1842“.

Das Exlibris ermöglicht es, ein Verfolgungsschicksal aufzudecken: Seine Eigner Emil und Jenny Baerwald waren ein jüdisches Kaufmannsehepaar, dem nach den Novemberpogromen 1938 die Flucht in die USA gelang. Teile ihres Umzugsgutes wurden in Hamburg beschlagnahmt und dort mutmaßlich 1942 versteigert. Das Buch konnte im Sommer 2022 an die Erben zurückgegeben werden. Da das Museum es vor der Restitution digitalisieren durfte, ist es für die Öffentlichkeit in digitaler Form weiterhin zugänglich.

In anderen Fällen werfen die Katalogeinträge neue Fragen auf. Verschiedene Quellen deuten darauf hin, dass Rosen vor allem für Privatverkäufer aus der DDR ein beliebter Anlaufpunkt war und selbst Ankaufsreisen in die DDR unternahm. Sind die Erwerbungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums insofern das Ergebnis innerdeutscher Ost-West-Ost-Transfers? Dieser Spur ist weiter nachzugehen.

(Emily Löffler)

Sonntag, 19. November 2023

NS-Raubgut restituiert

Die Herzog August Bibliothek restituiert zwei Bücher an die Erben von Felix Ganz und Olga Kreiß-Ganz.

Bei der Suche nach NS-Raubgut unter den antiquarischen Erwerbungen ermittelte die HAB zwei Bücher aus dem Besitz der aus Mainz stammenden Familie Ganz.
Beide Bände, der von Felix Ganz und der von Olga Kreiß-Ganz, kamen 1998 als Teil einer mehrere Bände umfassenden Schenkung einer Benutzerin in die HAB.
Die Erben, vertreten durch den Urenkel Adam Ganz (London), schenkten die Bücher nach der feierlichen Restitution am 6. November 2023 der Wolfenbütteler Bibliothek, so dass sie weiterhin für die Nutzung zur Verfügung stehen.
Bei den Büchern handelt es sich um „Die Gärtnerin aus Liebe. Komische Oper von W. A. Mozart. Neueinrichtung von R. u. L. Berger, Mainz [1912]“ von Felix Ganz (1869‒1944) und „Georg Friedrich Händel, Neun deutsche Arien, hrsg., gesetzt und eingeleitet von Herman Roth, München 1921“ mit einem Besitzeintrag von Olga Kreiß-Ganz (1900‒1974), einer Tochter von Felix Ganz.
Als jüdische Familie waren Felix Ganz, seine Frau und seine Kinder der antisemitisch motivierten Verfolgung durch das NS-Regime ausgesetzt. Bis zur „Arisierung“ des Unternehmens im Jahr 1934 hatte sich Ganz auf den Import von Textilien und Ausstattungsgegenständen aus dem Nahen und Mittleren Osten spezialisiert. Gesellschaftlich war er als Förderer zahlreicher kultureller Vereinigungen aktiv, so in der Gutenberg-Gesellschaft, der Mainzer Liedertafel, dem Mainzer Altertumsverein und als Spender für das Römisch-Germanische Zentralmuseum. In seiner Privatvilla auf dem Mainzer Michelsberg versammelte Ganz eine überregional bekannte Sammlung von Kunstgegenständen sowie eine fachlich weitgespannte Privatbibliothek. Der bisher weitgehend ungeklärte Verbleib der Sammlung ‒ insbesondere nach der erzwungenen Räumung der Mainzer Villa im Jahr 1941 und der 1942 erfolgten Deportation von Felix und seiner Frau Erna Ganz von Mainz über Darmstadt ins Ghetto Theresienstadt, von wo das Ehepaar 1944 nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet wurde – ist aktuell Gegenstand eines Forschungsprojekts in der Abteilung Kunstgeschichte der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

Mittwoch, 14. Juni 2023

Literatur als koloniale Beute?

Aufzeichnen – Extrahieren – Sammeln – Anonymisieren – Abschreiben – Umdichten – Zirkulieren – Zurückgeben und am Ende die Frage: „Wie viel koloniale Beute gibt es in dieser Bibliothek?“
Die aktuelle Ausstellung Provenienzgeschichten 1910 – 2021 des Masterseminars „Looted literature“ an der FU Berlin unter der Leitung von Prof. Irene Albers und Andreas Schmid zeigt Provenienzgeschichten anhand einzelner Buchtitel und Exponate. 

Die Vitrinen in der Philologischen Bibliothek mit den roten Titelüberschriften erzeugen Aufmerksamkeit und erfordern zugleich Ruhe und Zeit für das Verstehen und Betrachten der vielschichtigen Ausstellung. Bücher, Zeichnungen, Fotos, Karteikarten, Quellentexte, Reproduktionen, Titelcover und ein Phonograph aus dem Ethnologischen Museum zeigen und erzählen Geschichten über die europäischen Aufzeichnungen von sog. Oralliteraturen. Die Beschaffung der Reproduktionen und einzelner Originalausgaben war mit intensiver Recherchearbeit und Archivbesuchen verbunden. Eine Kernfrage zieht sich wie ein roter Faden durch die Vitrinen: Kann Literatur – analog zur Raubkunst – zu kolonialer Beute werden? Im Licht aktueller Debatten über Aneignung, Raub und Restitution im Anschluss an die Veröffentlichung des von Bénédicte Savoy und Felwine Sarr im Auftrag von Macron erstellten Berichts und sich anschließenden Publikationen bei Matthes und Seitz versucht die Ausstellung, die literarische Moderne anhand von Herkunftsgeschichten neu zu denken.

Ausstellung: noch bis 20. Juli 2023

Philologische Bibliothek der Freien Universität Berlin
Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin