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Donnerstag, 24. September 2026

Gold. Macht. Papier

Eine Ausstellung  im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig steht unter dem Thema „Gold. Macht. Papier – Blick in die Sammlung“.
Foto: DNB
Seit Jahrtausenden fasziniert das glänzende Gold: als Symbol von Schönheit und Macht, von Transzendenz und Wissen, aber auch von Hybris und Habgier.
Die Ausstellung spürt der Verbindung zwischen Gold und Papier – und anderer Trägermaterialien – in Buchkunst und Design nach. Das Edelmetall ziert kostbare geprägte Leder- oder Pergamenteinbände mit Goldschnitten, illuminierte Handschriften, farbenprächtige Brokatpapiere bis hin zu Comics und Alltagsgegenständen.

Anhand ausgewählter Objekte aus den Sammlungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums verfolgt die Schau den Weg des goldenen Metalls vom Goldnugget über das geschlagene Blattmetall bis zur Goldtinte.

29. November 2026 - 14. März 2027
Deutsche Nationalbibliothek
Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Mittwoch, 3. Juni 2026

Towel Day in Leipzig

Es ist der Deutschen Nationalbibliothek gelungen, den „Towel Day“ zu sich an den Deutschen Platz zu locken. Der Anlass: der 25. Todestag von Douglas Adams, Autor der Popkultur-Ikone „Per Anhalter durch die Galaxis“, die Generationen von Lesern prägte – und im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek mit über 100 Einträgen vertreten ist.
Grafik: Leipziger WissensSpuren
Douglas Adams war weit mehr als ein Science-Fiction-Autor; er war ein Meister des absurden Humors und ein scharfsinniger Beobachter des modernen Wahnsinns und ein Verehrer des Handtuchs… Zu Ehren des Mannes, der uns lehrte, dass die Antwort auf alles 42 lautet, haben wir gemeinsam mit den WissensSpuren der Universität Leipzig und der Inspirata unter dem Titel „Don’t Panic!“ ein „kosmisches Spektakel“ auf die Beine gestellt, das eine ungewöhnlich Neuentdeckung von Adams Werk ermöglichte: u.a. mit kniffligen Quizrunden, Improtheater, Lesungen, einem Raumschiffbauwettbewerb und einem vogonischen Prosaworkshop (Vorsicht: Lyrik auf eigene Gefahr!) – dazu sphärische Klänge, die das Publikum direkt in andere Galaxien entführten.

(Stephanie Jacobs)

Sonntag, 17. Mai 2026

„Ich habe mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.“

Wer käme schon auf die Idee, das Paradies in einem Atemzug mit einer Bibliothek zu nennen? Jorge Luis Borges schon.
Allein der Vorstellungsversuch lässt vermuten, dass er damit den Anspruch erhebt, der Beziehung des Menschen zum Paradies eine neue Dimension abzugewinnen. Mit diesem ebenso abenteuerlich wie eindeutig formulierten Ansinnen wird auch der Gedanke verständlich, der Borges bewegte, eine Idee zu thematisieren, die manche Menschen mit einem Wunsch verbinden. Aber dann setzt man das Paradies mit einer Bibliothek gleich und hat im besten Fall eine Paradies-Bibliothek!? Naja, klingt zugegeben befremdlich… Vermutlich würde kein Mensch wissen, was gemeint ist und beides voneinander trennen. Immerhin funktioniert das Paradies nicht ohne den Sündenfall und jeder, der schon einmal in einer Bibliothek war, ist vielleicht unangenehm berührt, wenn menschliche Schwäche teuflischen Verlockungen erliegt. Damit wird nur aufgezeigt, dass Bibliotheken ein Vorbild für das Paradies sein können und in ihrer Machart ganz besonders sind. Doch paradiesische Zustände werden dadurch nicht generiert. Wenn schon paradiesisch, dann müssen die Engel warten, bis der Himmel ein Einsehen hat. Vielleicht baut Gott auch eine Bibliothek zwischen den Wolken und bestimmt die Literatur zum achten Sakrament? Dann wissen wir wieder, dass wir nichts wissen, aber das ist reine Spekulation. Dafür ist Borges mit seiner Vorstellung nicht mehr allein und so gedeiht die Hoffnung, dass sich das Paradies in eine Bibliothek verwandelt.

(Jan Schäfer, weiterlesen auf Blog der DNB)

Mittwoch, 1. April 2026

Maximilian-Gesellschaft wird in Weimer-Stiftung überführt

Die Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst hat ihre Mitglieder in Auswertung der tiefgründigen Analyse des Kulturstaatsministers Weimer, die diesen zu dem Schluss brachte, das Sammeln von Büchern sei mit dem Fortschritt der Digitalisierung nicht mehr zeitgemäß, aufgerufen, ihre Bibliotheksbestände, seien es Inkunabeln, Künstler- oder auch Taschenbücher, an die Geschäftsstelle der Maximilian-Gesellschaft mit dem Ziel abzugeben, diese Bücher wieder dem Antiquariatsmarkt zuzuführen. Der Verkaufserlös soll dann in eine Stiftung der Maximilian-Gesellschaft zum Aufbau einer Deutschen Digitalbibliothek fließen, die künftig die Deutsche Nationalbibliothek ersetzen soll.
Obwohl die Namensgebung der neugeschaffenen Stiftung lange diskutiert wurde - einige Maximilianer wollten am ursprünglichen Namen festhalten und die Gesellschaft durch den Namen Maximilian-Stiftung in die moderne Zeit retten - wurde sie durch endgültige Entscheidung des Kulturstaatsministers "Weimer-Stiftung zur Digitalisierung alter und neuer Buchkunst" benannt und die Maximilian-Gesellschaft gab mit heutigem Datum ihre Auflösung zum Ende des Geschäftsjahrs bekannt. Weitere bibliophile Gesellschaften wollen diesem Beispiel, so Wolfram Weimer in einem Interview, folgen.

3 Kommentar(e):
1. April 2026: Bücherfreundin hat gesagt…
Kluge Entscheidung!😀





1. April 2026: Abel Doering hat gesagt…
genauer Wortlaut des Interviews hier
1. April 2026: Rainer Schulze hat gesagt…
Hoffen wir mal, dass es nicht irgendwann wirklich soweit kommt, dass die Literatur und Kunst nicht nur kaputtgespart, sondern tatsächlich dematerialisiert wird und in einem virtuellen Nirwana verschwindet.





2. April 2026: Abel Doering hat gesagt…
Das war natürlich ein Aprilscherz!

Obwohl ... ?
Das Interesse am Besitz des gedruckten Buches nimmt ab, Viele lesen verstärkt auf E-Readern und Laptops. Zwar steigen die Umsätze der Buchhandlungen noch immer, wenn auch sehr geringfügig, aber das ist sicher auch auf erhöhte Buchpreise zurückzuführen. Und Künstlerbücher und gut gemachte bibliophile Ausgaben haben halt ein kleines Klientel. Diese bibliophilen Freunde werden darüber hinaus immer weniger, wie sich gerade am Erlöschen des „Verein(s) der Bibliophilen und Graphikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt“ zeigt.

Auf der anderen Seite ist es gerade deshalb wichtig, das gedruckte Buch als Kulturgut zu bewahren!

Dienstag, 20. Januar 2026

Ein Schmutzfink namens Robert Crumb

Den öffentliche Abschlussvortrag des Studium universale im Wintersemester 2025/2026 der Universität Leipzig zum Thema „Eros, Macht und Märkte – Sexualität im Spiegel der Gesellschaft“ hält Andreas Platthaus in der Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig zum Thema "Ein Schmutzfink namens Robert Crumb."
DNB / Laura Stein
Er gilt als der größte lebende Comiczeichner: Mit der Einführung radikal autobiografischen Erzählens machte der 1943 geborene Amerikaner Robert Crumb in den späten sechziger Jahren Epoche – als Erfinder des „Underground“. Aber die Rücksichtslosigkeit seines Erzählens beschränkt sich nicht auf den Umgang mit der eigenen Person, Crumb nimmt auch bei allen anderen kein Blatt vor den Mund. Das hat ihm den Vorwurf des Rassisten, Misogynen und Antisemiten eingebracht. Andreas Platthaus stellt den „Schmutzfink“ und umstrittenen Erfinder des „Underground“ Robert Crumb in einem Vortrag vor. Zugleich ist es der 

Andreas Platthaus ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dort seit zehn Jahren verantwortlich für Literatur und literarisches Leben. Seine Leidenschaft gilt Ästhetik und Geschichte der Comics, denen er zahlreiche Bücher gewidmet hat.

Kuratorinnen-Führung: „Forget it?! Zukünfte und Geschichten der Wissensspeicherung“, 4. Februar 2026, 18 Uhr 
Ausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums

Vortrag: Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig
Lesesaal Geisteswissenschaften
Abschlussvortrag des Studium universale: 19 Uhr, Anmeldung erforderlich

Donnerstag, 15. Januar 2026

Bücherschicksale

Im Jahr 2007 wurden dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutsche Nationalbibliothek von einer Privatperson mehrere Dissertationen von 1933 mit einem Durchschuss angeboten. Nach dessen Aussage stammt der Durchschuss aus dem Zweiten Weltkrieg, als 1945 in Berlin-Mitte tausende Bücher als Sichtschutz genutzt wurden. Leider weiß man nicht, ob das in einer Bibliothek geschah oder was genau der Hintergrund war. Auf jeden Fall ging der Durchschuss durch mehrere der dünnen Hefte.
DNB, Cornelia Ranft
Bis zur Wende waren die Dissertationen im Besitz der Universitätsbibliothek Berlin. Im Zuge der Vereinigung von Beständen, so schrieb der Schenker, wurden dann doppelte Exemplare ausgesondert und verschenkt. Der Stempel „Universitätsbibliothek Berlin“ wurde mit „ungültig“ überstempelt. Das Museum bewahrt zwei der Dissertationen im Originalzustand auf. Dass sie so nicht als Publikation benutzbar sind, ist unproblematisch, da sich jeweils ein unbeschädigtes Exemplar im Bestand der DNB befindet. Aufgrund ihrer Bedeutung als Zeugnisse der Zeitgeschichte sind sie auf jeden Fall wert, im Museum aufbewahrt und mit ihren Besonderheiten gezeigt zu werden.

Dienstag, 30. Dezember 2025

Die Raubdrucksammlung Albrecht Götz von Olenhusen

Sarah Käsmayr (lks.) präsentiert ihre Diplomarbeit, „Das Raubdruckbuch“,
Foto DNB: Cornelia Ranft
Eine Tagung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig beschäftigte sich Ende November mit dem Thema „Raubdruck“, angeregt durch die in Umfang und Vollständigkeit einzigartige Raubdrucksammlung von Albrecht Götz von Olenhusen (1935–2022), die 2024 an das Deutsche Buch-und Schriftmuseum vermittelt werden konnte. Sie umfasst knapp 4.000 Raubdrucke und sogenannte subversive Drucke mit zusätzlichen Archivmaterial aus dem Umfeld der Raubdruckbewegung, inklusive Justiz- und Polizeiakten und Fachliteratur zum Thema. Damit schließt sie eine Lücke, deren Ausmaß jetzt überhaupt erst als solche erkenntlich wird, denn Raubdrucke haben aufgrund ihres rechtlichen Status bisher kaum (wissentlich) Eingang in die Sammelinstitutionen gefunden. Götz von Olenhusen selbst präsentierte im Laufe seiner Sammeltätigkeit seinen Bestand in diversen Ausstellungen und verfasste zahlreiche Publikationen, darunter die bedeutende Bibliographie zu seiner Sammlung: „Das Handbuch der Raubdrucke“.

(weiterlesen: Schwarzer Markt für rote Bücher)

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Stöbern im Nachlass

Carola Staniek, Leiterin der Sammlung Archivalien und Dokumente zur Buchgeschichte im DBS stellt innerhalb der Reihe Stöbern im Nachlass ;»Das Archiv des Leipziger Bibliophilen-Abends im Deutschen Buch- und Schriftmuseum« vor.
Der LBA übergab der Deutschen Nationalbibliothek 2017 sein historisches Archiv.Es enthält die seit 1904 herausgegebenen über 300 Drucke sowie umfangreiches Schriftgut zur Geschichte des Vereins im kulturellen und sozialgeschichtlichen Umfeld Leipzigs im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, Recherchen zu seinen ehemaligen Mitgliedern sowie lückenlose Unterlagen zur Tätigkeit des Vereins seit Wiedergründung 1991.

21. Oktober 2025, 18.30 Uhr

Buch- und Schriftmuseum der DNB
Großes Sitzungszimmer
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Donnerstag, 29. Mai 2025

Ratatouille

Nagetiere sind ihr Metier, und ihre international beachteten Arbeiten ein wahres „Ratatouille“ – eine Mischung aus Comic, Zeichnung und Illustration: Anna Haifisch wird 2025 – als erste Comiczeichnerin - mit dem Gutenbergpreis der Stadt Leipzig geehrt.

1986 in Leipzig geboren zählt sie zu den „Stars der deutschen alternativen Comicszene“ (Karoline Bofinger). Nach ihrem Studium des Grafikdesigns und der Buchkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig folgte ein Meisterschülerstudium bei Thomas M. Müller.
© Anna Haifisch
Die Arbeiten von Anna Haifisch zeichnen sich durch ein breites Spektrum an Medien und Formaten aus: Neben Comics, Illustrationen und freien Druckgrafiken umfasst ihr Werk auch Plakate. Ihre besondere Vorliebe gilt aber dem Medium Buch: „Ich denke beim Zeichnen immer in Doppelseiten!“.

Mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig werden seit 1959 im Gedenken an Johannes Gutenberg Persönlichkeiten und Einrichtungen geehrt, die sich laut Satzung „durch hervorragende, beispielgebende Leistungen um die Förderung der Buchkunst verdient machen“. Seit 1993 wird er im jährlichen Wechsel mit dem gleichnamigen Preis der Stadt Mainz verliehen.

Die Stadt Leipzig verleiht ihr den Gutenberg-Preis im Themenjahr 2025, das unter dem Motto „Mehr als (eine) Geschichte“ die Buchstadt Leipzig in den Fokus rückt. Sie würdigt damit nicht nur die außergewöhnliche künstlerische Qualität ihrer Arbeiten, sondern auch Anna Haifischs Rolle als internationale Botschafterin für die Stadt.

Ausstellung: 17. Juni 2025 - 30. Januar 2026

Deutschen Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

Donnerstag, 22. Mai 2025

Das künstlerische Erbe Jan Tschicholds

Linda Wößner, wissenschaftliche Projektmitarbeiterin im 2021 abgeschlossenen DFG-Forschungsprojekt zur Digitalisierung des Nachlasses von Jan Tschichold (1902-1974), folgt auf der Seite der Deutschen Nationalbibliothek den Spuren dieses Jahrhunderttypografen:

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts ergänzen vermehrt Nachlässe die Bestände des Deutschen Buch- und Schriftmuseums. So auch der Arbeitsnachlass des Typografen, Buchgestalters und Autors Jan Tschichold, der dem Museum 2006 zunächst als Depositum von den Erben übergeben und knapp zehn Jahre später als Schenkung überlassen wird. Für die Bestände des Museums ein wahrer Schatz der Typografie und Buchgestaltung im 20. Jahrhundert. Die Materialien umfassen knapp 60 Jahre künstlerisches Schaffen und konservieren als Arbeitsnachlass eines Einzigen den mediengeschichtlichen Wandel in der Buchgestaltung: vom kalligrafischen Schriftschreiben über die Arbeit im klassischen Handsatz der 1920er und 30er Jahre und die Anfänge des Fotosatzes bis hin zu den letzten Jahrzehnten der analogen Buchgestaltung. Doch trotz materieller Vielfalt erzählen sie auch etwas über die Lücken in der persönlichen Überlieferungsgeschichte eines Jahrhundertkünstlers
Jan Tschichold: Skizzenbuch, 1917-1919. © Lilo Tschichold-Link, Repro: DNB
Dimension und Bedeutung eines Lebenswerks
Dieser Arbeitsnachlass ist der bisher größten Nachlass des Deutschen Buch- und Schriftmuseums. Jan Tschichold prägt wie kein Zweiter die Typografie und Buchgestaltung des 20. Jahrhunderts. Auch als Autor für Fachbücher macht er sich einen Namen, insbesondere im Bereich der Schrift- und Buchgestaltung. Zeitlebens bewahrt Tschichold sein Arbeitsmaterial auf. Die frühesten Objekte lassen sich auf 1917, die spätesten auf sein Todesjahr 1974 datieren: Der Nachlass zeichnet das Leben eines Berufenen nach, eines Workaholic – vom 16-jährigen Jungen bis zum 72 Jahre alten Mann. Die Kisten machen einen künstlerischen Weg nachvollziehbar, nicht zu trennen von der persönlichen Lebensgeschichte der Privatperson Jan Tschichold.
Jan Tschichold: Entwürfe für die Schrift Sabon, 1962. © Lilo Tschichold-Link, Repro: DNB
Zu Lebzeiten trifft Tschichold keine Aussage darüber, was mit seinem materiellen Erbe nach seinem Tod passieren soll. Die Materialien lagerten unsortiert auf dem Dachboden seines Wohnhauses im Tessin.
Mehrere Versuche, in Basler Museen eine Heimat für den Nachlass zu finden, scheitern. Über die Planung einer Ausstellung anlässlich Tschicholds 100. Geburtstag im Jahr 2002 entsteht erstmalig Kontakt zwischen der Familie Tschichold und dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum. Die Familie bietet dem Museum den 176 Kisten umfassenden Nachlass zunächst als Depositum an, im Jahr 2015 folgt die Schenkung.

... Auszug, gesamten Artikel im Blog der DNB lesen

Montag, 19. Mai 2025

Gemeinsame Restitution

In einer von der Deutschen Nationalbibliothek koordinierten gemeinsamen Restitution haben 14 deutsche Bibliotheken und Archive, darunter die Staatsbibliothek zu Berlin, insgesamt 41 Bücher aus dem Eigentum des österreichischen Schriftstellers Raoul Fernand Jellinek-Mercedes (1888 Algier–1939 Baden bei Wien) zurückgegeben. Jellinek-Mercedes wurde nach dem ‘Anschluss’ Österreichs im März 1938 aufgrund seiner jüdischen Herkunft verfolgt. Unter dem Druck der Repressionen nahm er sich im Februar 1939 das Leben.

Raoul Fernand Jellinek-Mercedes war förderndes Mitglied des Wiener Musikvereins und besaß eine große Sammlung von Musikalien, Gemälden und Büchern. Nach seinem Tod war seine Witwe Léopoldine Weiss (1885–1981) gezwungen, große Teile der Sammlung zu veräußern. Darunter befand sich die wertvolle Privatbibliothek, die anschließend über den Antiquariatshandel völlig zerstreut wurde.
Besitzvermerk von R. F. Jellinek-Mercedes in „Die Aller-Durchlauchtigste Käyserin Statira“, Leipzig 1685
Im Zuge der Provenienzforschung sind in den letzten Jahren 41 Bände aus der Sammlung Jellinek-Mercedes‘ identifiziert worden. Die Bücher wurden an die Gemeinschaft der Erbinnen und Erben Raoul Fernand Jellinek-Mercedes zurückgegeben. Sie konnten im Sinne einer gerechten und fairen Lösung anschließend für die Sammlungen der Bibliotheken wieder angekauft werden.

(Vincent Schmidt, Staatsbibliothek zu Berlin...)

Montag, 5. Mai 2025

Zwischen Zeilen und Zeiten. Buchhandel und Verlage 1825–2025

In 216 Episoden werfen 69 Autoren aus der Wirtschafts- und Kulturgeschichte, aus Literatur- und Medienwissenschaften, Bibliotheksgeschichte, Zukunftsforschung, Buchwissenschaft und Designgeschichte – um nur die wichtigsten Wissenschaftsgebiete dieses interdisziplinären Kompendiums zu nennen – einen Blick nicht nur auf die großen Meilensteine der Buchhandelsgeschichte, sondern vor allem auch auf die versteckten Episoden und noch nie erzählten Ränke, auf kleine Kriminalgeschichten und verheerende politische Irrwege.
Viele Essays bewegen sich durchaus abseits der offiziellen Historiographie des Branchenverbands, der in diesem Jahr sein 200jähriges Bestehen feiert..
Unter den Autor auch Mitarbeiter der Deutschen National Bibliothek: Johannes Neuer, Linus Hartmann-Enke, Katrin Heuer, Helene Schlicht, Julia Rinck, Carola Staniek, Sylvia Asmus und Ruprecht Langer.
Die aufwändige Bildredaktion für den Band hatte im Wesentlichen Fanni Fröhlich in der Hand.

Zwischen Zeilen und Zeiten. Buchhandel und Verlage 1825-2025
Hrsg.: Christine Haug und Stephanie Jacobs
Göttingen: Wallstein Verlag, 2025
568 Seiten, zahlr. Abb., Klappenbroschur, Farbschnitt, 17 x 21,5 cm
ISBN 978-3-8353-5847-8
28 Euro

Samstag, 19. April 2025

200 Jahre Börsenverein - Zwischen Zeilen und Zeiten

Aus Anlass des 200. Stiftungsfestes des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig findet im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek im Rahmen des Themenjahres „Mehr als eine Geschichte. Buchstadt Leipzig“ eine Ausstellung statt.
Repro: DNB
Vor 200 Jahren, am 30. April 1825, unterzeichneten 101 Buchhändler und Verleger ihre Börsenordnung, die zugleich die Geburtsstunde des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig war.
Eine der vorrangigen Aufgaben des Börsenvereins war die Organisation eines komplexen Abrechnungsgeschäftes, das aufgrund der verschiedenen Währungen während der Buchmesse entstand. Zweimal im Jahr reisten die auswärtigen Buchhändler in die Buchhandelsmetropole Leipzig. Da ein zentraler Platz für die Abwicklung der Geschäfte fehlte, mietete der Potsdamer Verleger Carl Christian Horvath von 1797 bis 1824 das Auditorium der theologischen Fakultät, das in der Messezeit nicht benutzt wurde. Später übernahm der Börsenverein die Anmietung der Räumlichkeit. Im Jahr 1836 wurde die Deutsche Buchhändlerbörse in der Ritterstraße eingeweiht.
In den folgenden Jahrzehnten setzte sich sich der Börsenverein gegen Raubdruck und Schleuderpreise ein. 1888 führte der Börsenverein den festen Ladenpreis ein. Darüber hinaus wirkte er an der Gestaltung des Urheberrechts mit. Für den expandierenden Wirtschaftsverband wurde die Buchhändlerbörse bald zu klein, so dass 1888 in der Hospitalstraße (heute Gutenbergplatz) ein repräsentativer Neubau, das Deutsche Buchhändlerhaus, erbaut wurde. Im Dezember 1943 zerstört, befindet sich heute dort das Haus des Buches, in welchem auch der Leipziger Bibliophilen-Abend seinen Sitz fand.
Nach 1945 wurde in der damaligen BRD ein eigener Börsenverein des Deutschen Buchhandels gegründet. Am 1. Januar 1991 wurden beide Börsenvereine mit Sitz in Frankfurt am Main zusammengeschlossen.
Heute sind im Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. insgesamt rund 4.000 Verlage, Buchhandlungen und Antiquariate, Zwischenbuchhändler und Verlagsvertreter organisiert.

Anlässlich des 200. Jubiläums erscheint eine Publikation im Wallstein-Verlag, die unter dem Titel „Zwischen Zeilen und Zeiten. Buchhandel und Verlage 1825–2025“ in über 200 kurzen Essays eine andere Geschichte des Börsenvereins erzählt.

Eröffnung: Mittwoch, 23. April 2025, 18 Uhr, Begrüßung: Dr. Stephanie Jacobs, Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, Grußwort: Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels
Ausstellung: 24. April - 15. Dezember 2025

Deutsche Nationalbibliothek
Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Donnerstag, 17. April 2025

Ein neuer Edelstein - die Briefsammlung Georg Joachim Göschen

Der Verleger und Typograf Georg Joachim Göschen, 1752 in Bremen geboren, gründet 1785 einen Verlag in Leipzig, dem er 1793 eine Druckerei angliedert. Bis zu seinem Tod 1828 in Grimma verlegt er rund 850 Titel sowie diverse Zeitschriften und Almanache. Zu seinen Autoren gehören Schiller, Goethe und Wieland. Nach Göschens Tod geht ein Großteil seines Verlagsarchivs verloren. Ein Kernbestand wird jedoch von seinem Enkel zusammengetragen und gelangt 1913 in die Bibliothek des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig. 1959 vom Buchmuseum übernommen, steht er seitdem für Forschende zur Verfügung.
Porträt von Georg Joachim Göschen, Lithografie von J. G. Bach in Leipzig nach einer Zeichnung von Samuel Graenicher, Leipzig, um 1854.- Repro: DNB
Der Börsenverein der Deutschen Buchhändler erwarb mit Unterstützung der Kröner-Stiftung die einzigartige Göschen-Sammlung für seine Bibliothek im Buchhändlerhaus, das 1943 im Bombenhagel schwer beschädigt wird. Die durch Hitzeeinwirkung teilweise beschädigten Briefe werden nach der Übernahme in das Buchmuseum restauriert und erschlossen.
Abschrift eines Briefes von August Wilhelm von Schlegel (1767-1845) an Georg Joachim Göschen vom 27. April 1798. - Repro: DNB
Das Buchmuseum erwirbt weiterhin Göschen-Briefe, erforscht deren Provenienz und gehört damit neben dem Verlagsarchiv von Walter de Gruyter und der Stiftung Weimarer Klassik zu den bedeutendsten Bewahrern von Göschens Korrespondenzen.

(Carola Staniek, gesamten Beitrag im Blog der DNB lesen)

Montag, 24. März 2025

Nachts in Deutschen Bliotheken

Wer herausfinden möchte, wo die Medien der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig „schlafen“ und wie deren wiedereröffneten Lesesäle im Dunkeln wirken, besucht die größte Bibliothek Deutschlands im Rahmen der bundesweiten Nacht der Bibliotheken. Nur mit dem nötigsten Licht und einer Taschenlampe in der Hand...
Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig bei Nacht, Foto: Klaus D. Sonntag
Am frühen Abend startet dort ein Familienprogramm: Historische Abspielgeräte begeistern die Kinder und beim Entdecker-Quiz lernen junge Leser das Leipziger Gebäude kennen.
Hier das gesamte Programm.

Auch die Staatsbibliothek zu Berlin lädt zur Nacht der Bibliotheken zu einem umfangreichen Programm ins Haus Unter den Linden ein. Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen und verfolgen den Weg eines Buches vom Magazin zur Ausgabe, erfahren Sie Details zur Digitalisierung alter Menükarten, werden Sie in einem Escape-Game zum Stabi-Profi oder seien Sie live beim Literaturpodcast blauschwarzberlin dabei. Im Stabi Kulturwerk erkunden Sie in geführten Rundgängen oder auf eigene Faust Highlights aus den vielfältigen Sammlungen der Stabi – darunter die größte hebräische Pergamentbibel der Welt, originale Notenhandschriften des italienischen Komponisten Luigi Nono sowie einige der ältesten gedruckten Bücher.

4. April 2025, 18 . 22 Uhr

Deutsche Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Staatsbibliothek zu Berlin
Unter den Linden 8, 10117 Berlin

Samstag, 8. März 2025

Elisabeth-Handschrift

Zum Internationalen Frauentag: Von Frauen über Frauen

Die Elisabeth-Handschrift ist die wertvollste und schönste Handschrift des Museums der Deutschen Nationalbibliothek. Hergestellt in einem südwestdeutschen Frauenkloster und illuminiert von einer der besten Buchmalerinnen der Zeit, hat sie, wie auch die Heilige Elisabeth, von deren Leben Text und Bilder handeln, ein wechselvolles Schicksal erlitten.
Elisabeth-Handschrift, Doppelseite Fol. 108v und 190r, Miniatur von Sibilla von Bondorf (Elisabeth und die Kinder verlassen die Burg), Foto: DNB
Neben einer hagiografischen Lebensbeschreibung der Heiligen Elisabeth von Thüringen enthält der Band weitere handschriftliche Texte, die sich inhaltlich auf die Elisabeth-Legende beziehen. Geschrieben wurde der Text 1481 im Klarissenkloster Freiburg im Breisgau von Elisabeth Vogtin. 14 farbige Miniaturen, gemalt von Sibilla von Bondorf, illustrieren die Stationen des Heiligenlebens.

Nach der Aufhebung des Klosters im Zuge der Josephinischen Reformen 1782 verliert sich die Spur der Handschrift für die nächsten 50 Jahre. Der nächste Besitzereintrag stammt von Karl Wilhelm Justi und ist datiert auf den 2. August 1834. Für mehr als 140 Jahre verbleibt die Handschrift in der Gelehrtenfamilie, zuletzt bei Adelheid Justi, die als Vorerbin des 1957 verstorbenen Ludwig Justi eingesetzt ist.
Elisabeth-Handschrift, Fol. 13v und 14r, Miniatur (Elisabeth mit Kruzifix) von Sibilla von Bondorf und Textanfang der Heiligenlegende St. Elisabeth, Foto: DNB
Das Schicksal der Handschrift nach dem Tode von Adelheid Justi bleibt im Ungefähren. Von der Geschichte ihrer Überlieferung gibt es verschiedene Versionen, die von Eigentumsentzug bis zu Schenkung und späteren freiwilligen Verkauf durch die Beschenkte reichen. Letztendlich steht die Handschrift im Zentralantiquariat der DDR im Jahr 1976 für 70.000 DDR-Mark zum Verkauf. Das Museum erwirbt sie in gutem Glauben und ohne die Provenienzgeschichte zu hinterfragen. Nachdem sie bereits 1984 in einer Publikation zum 100-jährigen Bestehen des Museums als besonderer Schatz gewürdigt worden ist, stellt der Altphilologe Rainer Kößling 1997 die Handschrift einer breiteren Öffentlichkeit vor.

Jetzt fordert die Familie Justi die Herausgabe der Handschrift und geht schließlich den gerichtlichen Weg. Nach langwierigen Verhandlungen kann 2003 die Deutsche Nationalbibliothek mit den Erben einen Vergleich erreichen. Zunächst Leihgabe der Erbengemeinschaft, geht die Handschrift nach zehn Jahren, nunmehr rechtlich abgesichert, als Schenkung in den Besitz des Museums über.

(Bettina Rüdiger, DNB)

Donnerstag, 27. Februar 2025

Koloniale Reisesouvenirs

Asiatica aus Seifhennersdorf

Zwei Palmblatt-Handschriften, zwei chinesische Bücher, ein chinesischer Holzschnitt, japanische Postkarten und ein Briefmarkenalbum – so setzt sich das Konvolut zusammen, das 1952, vermittelt durch das sächsische Landesamt für Denkmalpflege, als „Tauschmaterial Seifhennersdorf“ in den Museumsbestand gelangt.
Detail eines chinesischen Holzschnitts „Beschreibung
der Krabbe mit menschlichem Gesicht“.
Vermutlich um 1900 an das Heimatmuseum
Seifhennersdorf übergeben. Foto: DNB Laura Stein
[...] sowohl die Palmblatt-Handschriften als auch die chinesischen und japanischen Objekte [sind] bereits seit der Wende zum 20. Jahrhundert Bestandteil des Seifhennersdorfer Museums [...]. Die Sammlung gehört zu diesem Zeitpunkt dem örtlichen Humboldt-Verein, der in der Tradition der Humboldt-Bewegung steht und vom Interesse an der Entdeckung der Welt und den Naturwissenschaften geprägt ist. Die Sammlungen dieser Vereine profitieren vom Forscherinteresse ihrer Mitglieder und deren Reisen nach Übersee.[...]
Nicht nur die Verknüpfungen zwischen Provinz und Übersee werfen Fragen hinsichtlich der Provenienz der Asiatica auf. Zu Beginn der 1950er Jahren gerät die inzwischen zu einem Heimatmuseum umgewandelte Vereinssammlung ins Visier der DDR-Museumspolitik: Um die Profile einzelner Museen schärfer herauszubilden, initiiert das Landesamt für Denkmalpflege einen museumsübergreifenden Objektetausch. Die meisten Seifhennersdorfer Ethnographica werden an die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen in Leipzig und Dresden abgegeben – doch warum wird auch das Deutsche Buch- und Schriftmuseum berücksichtigt? Fallen die Abgaben überhaupt in den Kontext der Museumsprofilbildungen? Und impliziert der Begriff „Tauschmaterial“, dass das Deutsche Buch- und Schriftmuseum im Gegenzug Objekte abgeben musste? Klar ist bislang nur: Die Provenienz der Seifhennersdorfer Asiatica zeugt nicht nur von globaler Vernetzung, sondern ebenso von den Wechselfällen der sächsischen Museumsgeschichte.
... gesamten Beitrag lesen

(Dr. Emily Löffler. verantwortlich in der DNB für Provenienzforschung)

Samstag, 15. Februar 2025

DADA-Abend in Leipzig

Anlässlich der Wiedereröffnung ihrer historischen Lesesäle lädt die Deutsche Nationalbibliothek zu einem DADA-Abend in ihren großen Lesesaal ein. Wo im Lektürealltag eigentlich andächtige Stille herrscht, wird das Ensemble „Fümms Bö Brass“  mit dem berühmten Lautgedicht „Ursonate“ von Kurt Schwitters ordentlich einheizen.
 Thomas Krüger & Anke Lucks Fümms Bö Brass, Foto © Sergei Gavrylov
Das spektakuläre, so stilbildende wie sinnentleerte Lautgedicht, hat auch hundert Jahre nach seiner Erfindung nichts von seiner Sprengkraft eingebüßt: Immer noch spannt dieser Schlüsseltext der Avantgarde den Bogen zwischen Ordnung und Irrationalität, Witz und Unsinn, sprachkünstlerischer Experimentierfreude und Perfektion. Die erste Version des Textes ist unwesentlich jünger als die Deutsche Nationalbibliothek und mitten in einer kulturell und gesellschaftlich enorm aufbruchsbereiten Zeit entstanden. Zugleich bündelt das Lautgedicht die drei Sammlungsschwerpunkte der Deutschen Nationalbibliothek: Schrift, Bild und Ton.

(Johannes Neuer und Stephanie Jacobs)

25. Februar 2025, 18 Uhr 

Deutsche Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Dienstag, 11. Februar 2025

Antiquarisches für den Wiederaufbau des DBSM in der DDR

Zu den Mitteln der Buchbeschaffung, mit denen das Deutsches Buch- und Schriftmuseum in der DDR in den 1950er Jahren den Wiederaufbau seiner Sammlungen vorantreibt, zählen auch antiquarische Ankäufe, die im Ausland erfolgen Auf diesem Weg erwirbt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum auf Auktionen der Westberliner Kunst- und Antiquariatshandlung Gerd Rosen seltene Bücher, aber auch ägyptische Kleinplastiken und südostasiatische Palmblatthandschriften.
Blick in den Katalog des Antiquariats Gerd Rosen, Berlin zur Versteigerung 27 (1956), Die Nr. 1688 ist mit der Zugangsnummer des Museums annotiert. Foto: DNB, Laura Stein
Gerd Rosen ist heute vor allem als Inhaber der ersten Kunstgalerie bekannt, die 1945 im kriegszerstörten Berlin neu eröffnet wird. Ihr Schwerpunkt sind die Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst. Die wertvollen und seltenen Bücher, die der gelernte Antiquar im hinteren Teil seiner Geschäftsräume zeigt, finden anfangs wenig Beachtung. Erst als einige der von ihm vertretenen Künstler sich von ihm trennen, kehrt Rosen zu seinen Ursprüngen im Antiquariatshandel zurück.
Goethe, Johann Wolfgang von: West-oestlicher Divan. EA. Stuttgart, Cotta 1819, nach einem Foto der  DNB, Laura Stein
Die im Deutschen Buch- und Schriftmuseum aufbewahrten Kataloge dieser Auktionen sind gleichermaßen Sammlungsobjekt, Quelle zur Geschichte des Antiquariatshandels und Dokumentation der eigenen Erwerbungen. Als Handexemplare der Sammlungsleiter genutzt, enthalten sie annotierte Kaufpreise und Zugangsnummern des Museums. Über die Vorgeschichte der Objekte geben die Kataloge jedoch nur bedingt Aufschluss: Wer die Objekte bei Rosen in den Verkauf eingeliefert hat, wird im Katalog durch codierte Nummern angegeben, deren Auflösung bislang nicht entschlüsselt ist. In manchen Fällen verweist die Katalogbeschreibung auf Provenienzmerkmale, so etwa bei einer in der Auktion XXVII angekauften Erstausgabe von Goethes West-Oestlichem Divan: „Sauberes Exemplar. Exlibris. Vorsatz mit Widmungsgedicht, dat. 1842“.

Das Exlibris ermöglicht es, ein Verfolgungsschicksal aufzudecken: Seine Eigner Emil und Jenny Baerwald waren ein jüdisches Kaufmannsehepaar, dem nach den Novemberpogromen 1938 die Flucht in die USA gelang. Teile ihres Umzugsgutes wurden in Hamburg beschlagnahmt und dort mutmaßlich 1942 versteigert. Das Buch konnte im Sommer 2022 an die Erben zurückgegeben werden. Da das Museum es vor der Restitution digitalisieren durfte, ist es für die Öffentlichkeit in digitaler Form weiterhin zugänglich.

In anderen Fällen werfen die Katalogeinträge neue Fragen auf. Verschiedene Quellen deuten darauf hin, dass Rosen vor allem für Privatverkäufer aus der DDR ein beliebter Anlaufpunkt war und selbst Ankaufsreisen in die DDR unternahm. Sind die Erwerbungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums insofern das Ergebnis innerdeutscher Ost-West-Ost-Transfers? Dieser Spur ist weiter nachzugehen.

(Emily Löffler)

Mittwoch, 8. Januar 2025

... von mir aus

einen – trotz allem – zuversichtlichen Sprung ins neue Jahr wünscht das Deutsche Buch- und Schriftmuseum!

Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum zeigt in einer Foyerausstellung „... von mir aus“ – papan an papan. Ein Leben in Postkarten.

Manfred von Papen – alias papan – lässt uns, nachdem er Jahrzehnte für ein Massenpublikum gezeichnet hat, einen persönlichen Blick in sein Leben als Cartoonist werfen: mit an sich selbst adressierten und gezeichneten Postkarten. Eine augenzwinkernde Ode an das Leben, ein Prost auf das neue Jahr und ein mal ironischer, mal gesellschaftskritischer Blick auf unsere merkwürdige Welt.

(Dr. Stephanie Jacobs)

Eröffnung: 12. Januar 2025, 11 Uhr, zur Matinee spricht papan mit seinem Cartoon-Kollegen BECK

Deutsche Nationalbibliothek
DBSM
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig