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Mittwoch, 14. Oktober 2026

LIVRES! LIVRES! LIVRES! BÜCHER! BÜCHER! BÜCHER!

Mit LIVRES! LIVRES! LIVRES! BÜCHER! BÜCHER! BÜCHER! wird das Deutsche Buch- und Schriftmuseum zum Kino für alle ab 5 Jahren. Gezeigt wird ein spannendes Programm mit experimentellen Kurzfilmen und Künstlervideos, entwickelt von der französischen Künstlerin und Kuratorin Marie-Pierre Bonniol.
In Form von neun sehr kurzen Filmen offenbaren sich Bücher als Karten, Fanzines, Handbücher, Blättererlebnisse, Bibliotheken, Signaturen und Animationen – in zahlreichen Sprachen, aber auch in der Stille. Es springen Fische aus Büchern, Blumen wachsen zwischen den Seiten, Texte werden in Computerfenstern geschrieben, Kinder gestalten eine neue Karte ihres Stadtviertels, Zeichnungen und Bücher werden lebendig.
Fotos: DNB, Isabell Sickert
Mit Filmen und Videos von Dorothée Billard, Marie-Pierre Bonniol, Jean-Michel Bouhours, Sylvie Chan-Liat, Elena Duque, Camille Goujon, Linnéa Haviland und Lei Lei.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der 31. Französischen Filmtage Leipzig (18.-25. November 2026) und u.a. in Zusammenarbeit mit der Pirckheimer-Gesellschaft und dem Institut français Leipzig statt.

21. November 2026, 14:30 Uhr
Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig

Donnerstag, 24. September 2026

Gold. Macht. Papier

Eine Ausstellung  im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig steht unter dem Thema „Gold. Macht. Papier – Blick in die Sammlung“.
Foto: DNB
Seit Jahrtausenden fasziniert das glänzende Gold: als Symbol von Schönheit und Macht, von Transzendenz und Wissen, aber auch von Hybris und Habgier.
Die Ausstellung spürt der Verbindung zwischen Gold und Papier – und anderer Trägermaterialien – in Buchkunst und Design nach. Das Edelmetall ziert kostbare geprägte Leder- oder Pergamenteinbände mit Goldschnitten, illuminierte Handschriften, farbenprächtige Brokatpapiere bis hin zu Comics und Alltagsgegenständen.

Anhand ausgewählter Objekte aus den Sammlungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums verfolgt die Schau den Weg des goldenen Metalls vom Goldnugget über das geschlagene Blattmetall bis zur Goldtinte.

29. November 2026 - 14. März 2027
Deutsche Nationalbibliothek
Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Donnerstag, 12. März 2026

Waffe Buchumschlag


Eine Schau des DBSM in Kooperation mit dem Wiener Photoinstitut BONARTES, eröffnet im Vorfeld der Leipziger Buchmesse: In der neuen Kabinettausstellung „Waffe Buchumschlag! Foto, Cover und Propaganda in den 1930er Jahren“ fragt das Deutsches Buch- und Schriftmuseum, inwiefern gerade in gesellschaftspolitisch aufgeheizten Zeiten auf den Covern von Büchern politische Diskurse und ideologische Kämpfe ausgefochten werden - inwieweit der Buchumschlag also zur Waffe wird.

Und dann erwartet das Publikum der Leipzoger Buchmesse ein prallvolles Programm, darunter: Medien – Demokratie – Geschichte, Klimabuchmesse, Revolution im Leseland sowie „Am eigenen Leib“ mit eindrücklichen Zeitzeugenberichten aus der Ukraine.

(Stephanie Jacobs)

Deutsche Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Dienstag, 20. Januar 2026

Ein Schmutzfink namens Robert Crumb

Den öffentliche Abschlussvortrag des Studium universale im Wintersemester 2025/2026 der Universität Leipzig zum Thema „Eros, Macht und Märkte – Sexualität im Spiegel der Gesellschaft“ hält Andreas Platthaus in der Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig zum Thema "Ein Schmutzfink namens Robert Crumb."
DNB / Laura Stein
Er gilt als der größte lebende Comiczeichner: Mit der Einführung radikal autobiografischen Erzählens machte der 1943 geborene Amerikaner Robert Crumb in den späten sechziger Jahren Epoche – als Erfinder des „Underground“. Aber die Rücksichtslosigkeit seines Erzählens beschränkt sich nicht auf den Umgang mit der eigenen Person, Crumb nimmt auch bei allen anderen kein Blatt vor den Mund. Das hat ihm den Vorwurf des Rassisten, Misogynen und Antisemiten eingebracht. Andreas Platthaus stellt den „Schmutzfink“ und umstrittenen Erfinder des „Underground“ Robert Crumb in einem Vortrag vor. Zugleich ist es der 

Andreas Platthaus ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und dort seit zehn Jahren verantwortlich für Literatur und literarisches Leben. Seine Leidenschaft gilt Ästhetik und Geschichte der Comics, denen er zahlreiche Bücher gewidmet hat.

Kuratorinnen-Führung: „Forget it?! Zukünfte und Geschichten der Wissensspeicherung“, 4. Februar 2026, 18 Uhr 
Ausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums

Vortrag: Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig
Lesesaal Geisteswissenschaften
Abschlussvortrag des Studium universale: 19 Uhr, Anmeldung erforderlich

Donnerstag, 15. Januar 2026

Bücherschicksale

Im Jahr 2007 wurden dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutsche Nationalbibliothek von einer Privatperson mehrere Dissertationen von 1933 mit einem Durchschuss angeboten. Nach dessen Aussage stammt der Durchschuss aus dem Zweiten Weltkrieg, als 1945 in Berlin-Mitte tausende Bücher als Sichtschutz genutzt wurden. Leider weiß man nicht, ob das in einer Bibliothek geschah oder was genau der Hintergrund war. Auf jeden Fall ging der Durchschuss durch mehrere der dünnen Hefte.
DNB, Cornelia Ranft
Bis zur Wende waren die Dissertationen im Besitz der Universitätsbibliothek Berlin. Im Zuge der Vereinigung von Beständen, so schrieb der Schenker, wurden dann doppelte Exemplare ausgesondert und verschenkt. Der Stempel „Universitätsbibliothek Berlin“ wurde mit „ungültig“ überstempelt. Das Museum bewahrt zwei der Dissertationen im Originalzustand auf. Dass sie so nicht als Publikation benutzbar sind, ist unproblematisch, da sich jeweils ein unbeschädigtes Exemplar im Bestand der DNB befindet. Aufgrund ihrer Bedeutung als Zeugnisse der Zeitgeschichte sind sie auf jeden Fall wert, im Museum aufbewahrt und mit ihren Besonderheiten gezeigt zu werden.

Dienstag, 29. Juli 2025

Vermittler in den Underground

Leib- und Magengedichte von Rotraut Susanne Berner. Foto: DNB / Christine Hartmann
Mit der Comic-Sammlung von Armin Abmeier (1940 – 2012) kann eine museale Herkunftsgeschichte gewürdigt werden, die für das Deutsche Buch- und Schriftmuseum ein Glücksfall ist. Der Erwerbung von 2021 reiht sich einerseits in die Serie umfangreicher Bestandszuwächse ein, die nur dank der Leidenschaft und Expertise eines einzelnen Sammlers zustande kommen konnten. Denn kaum eine Gedächtnisinstitution kann es sich leisten, über viele Jahrzehnte lang in der Welt nach einer ganz bestimmten Objektgattung zu suchen. Andererseits schließt die Sammlung von US-amerikanischen Undergroundcomics ein Desiderat im Bestand des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, das zwar bereits vor vielen Jahren identifiziert, aber lange nicht geschlossen werden konnte, da im Bereich der frühen Künstlercomics nur selten größere Konvolute auf den Markt kommen. Kurz: ein doppelt „unbezahlbarer“ Zuwachs.

(Stephanie Jacobs, Artikel lesen)

Freitag, 11. Juli 2025

Buchtüten aus aller Welt

Seit Ende 2020 nennt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum eine Sammlung von annähernd 3.000 Buchtüten sein eigen, die der Leipziger Verleger und Buchhistoriker Mark Lehmstedt über mehr als zwei Jahrzehnte auf seinen Reisen durch die Buchhandlungen und Messen in Deutschland, Europa und auch darüber hinaus zusammengetragen hat. Was sich „ursprünglich durch simples Nicht-Wegwerfen“ angehäuft hatte, bekommt mit den Jahren eine Systematik, die ersichtlich macht, was die Buchtüte kulturhistorisch ausmacht. Nachdem Lehmstedt bereits kistenweise Buchtüten aufgehäuft hatte, bat er im Herbst 2020 durch ein Rundschreiben an etwa 500 Verlage und 1.500 Buchhandlungen im deutschen Sprachraum und durch einen Appell in der Zeitschrift ‚Aus dem Antiquariat‘ um breite Unterstützung. Daraufhin strömte eine Flut von Tüten in das Leipziger Verlagsbüro. Die vielgestaltigen, auch international zusammengetragenen Ephemera sind ein Beispiel, wie sehr Museum und Archive von privater Sammelleidenschaft profitieren. Das gilt ganz besonders im Kontext historischer Verbrauchsmaterialien wie der Tüte, die die Zeitläufte selten überdauern.
Buchtüten aus der Sammlung, Fotos: Mark Lehmstedt & DNB/Christine Hartmann
Als Verpackungs- und Transportmedium für das Buch ist die Buchtüte ein Zeugnis der Buchhandelsgeschichte. Sie ergänzt den unikalen Bestand des Museums an buchhandelsgeschichtlichen Archivalien und Dokumenten als eines der Alleinstellungsmerkmale des Museums. Der Handel mit gedruckten Büchern hat spätestens mit dem Aufkommen von Messekatalogen im 16. Jahrhundert immer auch nach Möglichkeiten gesucht, für das Buch zu werben. Ob sachlich, selbstbewusst oder knallbunt: Der für das Lesen werbende Aufdruck der Buchtüte spiegelt nicht nur Anspruch und Realität, sondern auch Erfolge und Krisen des Buchhandels. Als Barometer der Buchbranche sind sie wichtige Zeitzeugen, gesammelt wurde das Wegwerfprodukt Buchtüte bislang aber nirgends. Sowohl in der begrenzten Lebensdauer als auch der fehlenden Aufmerksamkeit des Sammlermarktes ist die Buchtüte verwandt mit vielen anderen Beständen der Buchhandelsgeschichte, die in den Depots des Deutschen Buch- und Schriftmuseums lagern und als historische Verbrauchsmaterialien retrospektiv nobilitiert werden. Nach Jahrzehnten, Jahrhunderten haben viele von diesen Beständen in ihrer Seltenheit unikalen Wert, zum Beispiel die umfangreiche Sammlung von Messkatalogen. Als Verbrauchsmaterial produziert, kommt der Buchtüte erst mit zeitlicher Distanz der Status von Kulturgut zu, dem allgemeingültige Aussagen über historische Entwicklungen zugetraut werden. Dabei ist die Buchtüte nicht nur für die Buchhandelsgeschichte interessant, vielmehr steht ihre Geschichte an der Kreuzung ganz unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen: Neben der Alltags- und Wirtschaftsgeschichte sind es die Industriegeschichte oder die Design- und Konsumgeschichte. ...

(Stephanie Jacobs und Benjamin Sasse, kompletten Artikel hier lesen)

Freitag, 4. Juli 2025

Otto Rohse zum 100. Geburtstag

Am 2. Juli 1925, vor genau 100 Jahren, wurde Otto Rohse geboren, einer der bedeutendsten deutschen Buchkünstler des 20. Jahrhunderts. 
Aus diesem Anlass zeigt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum eine dauerhafte virtuelle Ausstellung (siehe hier), die mit zahlreichen Exponaten aus Familienbesitz und der Sammlung des Museums einen reich bebilderten Einblick in das Leben und Werk des Künstlers bietet. Zudem ist eine kleine Auswahl der DBSM-Sammlung Otto Rohse ab dem 07.07.2025 im Museumslesesaal der DNB Leipzig zu besichtigen.

Seine privat betriebene Otto Rohse Presse verkörperte das Ideal des Künstlers, der sämtliche Aspekte des Buches selbst gestaltet – vom Schriftsatz über Graphik, Papier und Druck bis hin zum Einband.
Otto Rohse: Druckstock zum Holzstich „Süden“ (1988). Repro © Marc Autenrieth 2025
Geboren und aufgewachsen in Ostpreußen, zeigte er schon als Schüler eine künstlerische Neigung, die er nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem Studium in Hamburg fortsetzte. Die Freie und Hansestadt sollte Mittelpunkt seines Lebens bleiben. Eigene Buchgestaltungen übernahm Rohse ab 1953 und machte sich 1956 selbständig. Für die Graphik blieben ihm über Jahrzehnte hinweg Holzstich und Kupferstich die bevorzugten Ausdrucksmittel.
Seit 1964 gab Rohse in seiner Privatpresse klassische literarische Texte mit eigenen Graphiken und in höchster Vollendung der Buchform heraus. Mit diesen vielfach preisgekrönten Pressendrucken entwickelte er in der Nachkriegszeit, als die Massenproduktion von Büchern neue Ausmaße erreichte, den hohen Anspruch der Buchkunstbewegung der Jahrhundertwende weiter.
Zeit seines Lebens arbeitete Otto Rohse mit zahlreichen Künstlern zusammen, darunter mit dem Graphiker und Schriftkünstler Werner Bunz. 30 Jahre lang gab er die Zeitschrift Sigill: Blätter für Buch und Kunst heraus. Seine Arbeiten schmückten bibliophile Bände für Buchgesellschaften wie die Maximilian-Gesellschaft oder die Büchergilde Gutenberg, aber auch Gedichtbände, Kinderbücher, Kalender, Schulbücher und kirchliche Gesangbücher.
Zwei Drucke der Otto Rohse Presse in geprägten Ledereinbänden von Christian Zwang. Repro © Marc Autenrieth 2025
Otto Rohse starb 2016 in Hamburg.

(Benjamin Sasse, ges. Art. hier)

Donnerstag, 29. Mai 2025

Ratatouille

Nagetiere sind ihr Metier, und ihre international beachteten Arbeiten ein wahres „Ratatouille“ – eine Mischung aus Comic, Zeichnung und Illustration: Anna Haifisch wird 2025 – als erste Comiczeichnerin - mit dem Gutenbergpreis der Stadt Leipzig geehrt.

1986 in Leipzig geboren zählt sie zu den „Stars der deutschen alternativen Comicszene“ (Karoline Bofinger). Nach ihrem Studium des Grafikdesigns und der Buchkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig folgte ein Meisterschülerstudium bei Thomas M. Müller.
© Anna Haifisch
Die Arbeiten von Anna Haifisch zeichnen sich durch ein breites Spektrum an Medien und Formaten aus: Neben Comics, Illustrationen und freien Druckgrafiken umfasst ihr Werk auch Plakate. Ihre besondere Vorliebe gilt aber dem Medium Buch: „Ich denke beim Zeichnen immer in Doppelseiten!“.

Mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig werden seit 1959 im Gedenken an Johannes Gutenberg Persönlichkeiten und Einrichtungen geehrt, die sich laut Satzung „durch hervorragende, beispielgebende Leistungen um die Förderung der Buchkunst verdient machen“. Seit 1993 wird er im jährlichen Wechsel mit dem gleichnamigen Preis der Stadt Mainz verliehen.

Die Stadt Leipzig verleiht ihr den Gutenberg-Preis im Themenjahr 2025, das unter dem Motto „Mehr als (eine) Geschichte“ die Buchstadt Leipzig in den Fokus rückt. Sie würdigt damit nicht nur die außergewöhnliche künstlerische Qualität ihrer Arbeiten, sondern auch Anna Haifischs Rolle als internationale Botschafterin für die Stadt.

Ausstellung: 17. Juni 2025 - 30. Januar 2026

Deutschen Buch- und Schriftmuseum
Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

Donnerstag, 22. Mai 2025

Das künstlerische Erbe Jan Tschicholds

Linda Wößner, wissenschaftliche Projektmitarbeiterin im 2021 abgeschlossenen DFG-Forschungsprojekt zur Digitalisierung des Nachlasses von Jan Tschichold (1902-1974), folgt auf der Seite der Deutschen Nationalbibliothek den Spuren dieses Jahrhunderttypografen:

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts ergänzen vermehrt Nachlässe die Bestände des Deutschen Buch- und Schriftmuseums. So auch der Arbeitsnachlass des Typografen, Buchgestalters und Autors Jan Tschichold, der dem Museum 2006 zunächst als Depositum von den Erben übergeben und knapp zehn Jahre später als Schenkung überlassen wird. Für die Bestände des Museums ein wahrer Schatz der Typografie und Buchgestaltung im 20. Jahrhundert. Die Materialien umfassen knapp 60 Jahre künstlerisches Schaffen und konservieren als Arbeitsnachlass eines Einzigen den mediengeschichtlichen Wandel in der Buchgestaltung: vom kalligrafischen Schriftschreiben über die Arbeit im klassischen Handsatz der 1920er und 30er Jahre und die Anfänge des Fotosatzes bis hin zu den letzten Jahrzehnten der analogen Buchgestaltung. Doch trotz materieller Vielfalt erzählen sie auch etwas über die Lücken in der persönlichen Überlieferungsgeschichte eines Jahrhundertkünstlers
Jan Tschichold: Skizzenbuch, 1917-1919. © Lilo Tschichold-Link, Repro: DNB
Dimension und Bedeutung eines Lebenswerks
Dieser Arbeitsnachlass ist der bisher größten Nachlass des Deutschen Buch- und Schriftmuseums. Jan Tschichold prägt wie kein Zweiter die Typografie und Buchgestaltung des 20. Jahrhunderts. Auch als Autor für Fachbücher macht er sich einen Namen, insbesondere im Bereich der Schrift- und Buchgestaltung. Zeitlebens bewahrt Tschichold sein Arbeitsmaterial auf. Die frühesten Objekte lassen sich auf 1917, die spätesten auf sein Todesjahr 1974 datieren: Der Nachlass zeichnet das Leben eines Berufenen nach, eines Workaholic – vom 16-jährigen Jungen bis zum 72 Jahre alten Mann. Die Kisten machen einen künstlerischen Weg nachvollziehbar, nicht zu trennen von der persönlichen Lebensgeschichte der Privatperson Jan Tschichold.
Jan Tschichold: Entwürfe für die Schrift Sabon, 1962. © Lilo Tschichold-Link, Repro: DNB
Zu Lebzeiten trifft Tschichold keine Aussage darüber, was mit seinem materiellen Erbe nach seinem Tod passieren soll. Die Materialien lagerten unsortiert auf dem Dachboden seines Wohnhauses im Tessin.
Mehrere Versuche, in Basler Museen eine Heimat für den Nachlass zu finden, scheitern. Über die Planung einer Ausstellung anlässlich Tschicholds 100. Geburtstag im Jahr 2002 entsteht erstmalig Kontakt zwischen der Familie Tschichold und dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum. Die Familie bietet dem Museum den 176 Kisten umfassenden Nachlass zunächst als Depositum an, im Jahr 2015 folgt die Schenkung.

... Auszug, gesamten Artikel im Blog der DNB lesen

Dienstag, 11. Februar 2025

Antiquarisches für den Wiederaufbau des DBSM in der DDR

Zu den Mitteln der Buchbeschaffung, mit denen das Deutsches Buch- und Schriftmuseum in der DDR in den 1950er Jahren den Wiederaufbau seiner Sammlungen vorantreibt, zählen auch antiquarische Ankäufe, die im Ausland erfolgen Auf diesem Weg erwirbt das Deutsche Buch- und Schriftmuseum auf Auktionen der Westberliner Kunst- und Antiquariatshandlung Gerd Rosen seltene Bücher, aber auch ägyptische Kleinplastiken und südostasiatische Palmblatthandschriften.
Blick in den Katalog des Antiquariats Gerd Rosen, Berlin zur Versteigerung 27 (1956), Die Nr. 1688 ist mit der Zugangsnummer des Museums annotiert. Foto: DNB, Laura Stein
Gerd Rosen ist heute vor allem als Inhaber der ersten Kunstgalerie bekannt, die 1945 im kriegszerstörten Berlin neu eröffnet wird. Ihr Schwerpunkt sind die Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst. Die wertvollen und seltenen Bücher, die der gelernte Antiquar im hinteren Teil seiner Geschäftsräume zeigt, finden anfangs wenig Beachtung. Erst als einige der von ihm vertretenen Künstler sich von ihm trennen, kehrt Rosen zu seinen Ursprüngen im Antiquariatshandel zurück.
Goethe, Johann Wolfgang von: West-oestlicher Divan. EA. Stuttgart, Cotta 1819, nach einem Foto der  DNB, Laura Stein
Die im Deutschen Buch- und Schriftmuseum aufbewahrten Kataloge dieser Auktionen sind gleichermaßen Sammlungsobjekt, Quelle zur Geschichte des Antiquariatshandels und Dokumentation der eigenen Erwerbungen. Als Handexemplare der Sammlungsleiter genutzt, enthalten sie annotierte Kaufpreise und Zugangsnummern des Museums. Über die Vorgeschichte der Objekte geben die Kataloge jedoch nur bedingt Aufschluss: Wer die Objekte bei Rosen in den Verkauf eingeliefert hat, wird im Katalog durch codierte Nummern angegeben, deren Auflösung bislang nicht entschlüsselt ist. In manchen Fällen verweist die Katalogbeschreibung auf Provenienzmerkmale, so etwa bei einer in der Auktion XXVII angekauften Erstausgabe von Goethes West-Oestlichem Divan: „Sauberes Exemplar. Exlibris. Vorsatz mit Widmungsgedicht, dat. 1842“.

Das Exlibris ermöglicht es, ein Verfolgungsschicksal aufzudecken: Seine Eigner Emil und Jenny Baerwald waren ein jüdisches Kaufmannsehepaar, dem nach den Novemberpogromen 1938 die Flucht in die USA gelang. Teile ihres Umzugsgutes wurden in Hamburg beschlagnahmt und dort mutmaßlich 1942 versteigert. Das Buch konnte im Sommer 2022 an die Erben zurückgegeben werden. Da das Museum es vor der Restitution digitalisieren durfte, ist es für die Öffentlichkeit in digitaler Form weiterhin zugänglich.

In anderen Fällen werfen die Katalogeinträge neue Fragen auf. Verschiedene Quellen deuten darauf hin, dass Rosen vor allem für Privatverkäufer aus der DDR ein beliebter Anlaufpunkt war und selbst Ankaufsreisen in die DDR unternahm. Sind die Erwerbungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums insofern das Ergebnis innerdeutscher Ost-West-Ost-Transfers? Dieser Spur ist weiter nachzugehen.

(Emily Löffler)

Mittwoch, 8. Januar 2025

... von mir aus

einen – trotz allem – zuversichtlichen Sprung ins neue Jahr wünscht das Deutsche Buch- und Schriftmuseum!

Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum zeigt in einer Foyerausstellung „... von mir aus“ – papan an papan. Ein Leben in Postkarten.

Manfred von Papen – alias papan – lässt uns, nachdem er Jahrzehnte für ein Massenpublikum gezeichnet hat, einen persönlichen Blick in sein Leben als Cartoonist werfen: mit an sich selbst adressierten und gezeichneten Postkarten. Eine augenzwinkernde Ode an das Leben, ein Prost auf das neue Jahr und ein mal ironischer, mal gesellschaftskritischer Blick auf unsere merkwürdige Welt.

(Dr. Stephanie Jacobs)

Eröffnung: 12. Januar 2025, 11 Uhr, zur Matinee spricht papan mit seinem Cartoon-Kollegen BECK

Deutsche Nationalbibliothek
DBSM
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Samstag, 4. Mai 2024

75 Jahre Grundgesetz. Eine Publikationsgeschichte

Die Deutsche Nationalbibliothek Leipzig zeigt eine Ausstellungen „75 Jahre Grundgesetz. Eine Publikationsgeschichte“.
Ausgaben zum Grundgesetz, Foto, Dezember 2023, Leipzig, Deutsche Nationalbibliothek
Vier Jahre nach Ende der nationalsozialistischen Diktatur als demokratischer Gegenentwurf konzipiert, legt das Grundgesetz Bedingungen für unser friedliches Zusammenleben fest. Es nimmt den Staat in die Pflicht, die Menschen vor Willkür und Gewalt zu schützen, und ist zugleich Ausdruck gesellschaftlicher Gerechtigkeitsvorstellungen. Insbesondere die in den ersten Artikeln formulierten Grundrechte schützen die Freiheit eines jeden Einzelnen. Das Grundgesetz zeugt von Menschenliebe und Respekt gegenüber einer pluralistischen Gesellschaft und bietet Schutz vor staatlicher Willkür.

Nicht zuletzt wegen ihrer wirkungsvollen Grundrechte haben sich die Deutschen diese Verfassung wie keine andere zuvor zu eigen gemacht, obwohl der Text ursprünglich als Provisorium gedacht war – bis zur überwundenen Teilung Deutschlands. Aber das Grundgesetz hat sich als klug, anpassungsfähig und dauerhaft erwiesen: Mit der deutschen Einheit von 1990 ist es zur endgültigen Verfassung geworden. Es ist ein juristischer Text, auf dem das staatliche Handeln beruht. Nüchtern und zurückhaltend, fast karg im Stil, ist das Gesetz zugleich aber auch ein „bemerkenswert schöner Text“ – wie der Schriftsteller Navid Kermani sagt.

Als zentrale Archivbibliothek Deutschlands sammelt die Deutsche Nationalbibliothek alle Textausgaben der Verfassung und die dazugehörige Sekundärliteratur. Überraschende, vielfältige Formate und Texturen sind dabei: juristische Fachliteratur, aber auch Comics für Kinder, Künstlerbücher und literarische Bearbeitungen. Manche Veröffentlichungen unterliegen zeitgeschichtlichen Konjunkturen, andere erscheinen seit 1949 in schönster Regelmäßigkeit. Sie alle bilden den Wissensspeicher unserer demokratischen Verfassung.

Virtuelle Ausstellung: ab 1. Mai 2024
Foyerpräsentation: 9. Mai 3 17. November 2024

Deutsches Buch- und Schriftmuseum
der Deutschen Nationalbibliothek

Freitag, 19. April 2024

Thüringer Wasserzeichen

Im Januar 2024 wurde im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek die Erschließung von über 17.000 Thüringer Wasserzeichen (in Originalpapieren oder als Pausen) auf Einzelblattebene abgeschlossen. Die Datensätze sind nun im Online-Katalog weltweit verfügbar.Die Wasserzeichen werden mit einer Spezialkamera aufgenommen.
Arbeit an der Wasserzeichen-Kamera. Foto: DNB, Julia Rinck
Damit ist ein weltweit einmaliger, äußerst dicht belegter Bestand an digital eingearbeiteten Papiermühlen, Papiermacher*innen und Wasserzeichenbelegen entstanden. Dieser ermöglicht es, vergleichende Untersuchungen der erschlossenen Wasserzeichen vorzunehmen, die wiederum papiergeschichtliche und musikwissenschaftliche (etwa in der Bachforschung), wie auch kunsthistorische, literatur- und buchwissenschaftliche Forschungen untermauern können.

Wasserzeichen sind ein Herkunfts- und Qualitätsmerkmal vor allem handgeschöpfter Papiere. Die filigranen Marken entstehen durch auf dem Schöpfsieb aufgebrachte Drahtfiguren:
uf diesen Drähten legt sich beim Schöpfen des Papiers weniger Fasermasse ab als auf den tieferen Teilen des Siebes; das Blatt ist an diesen Stellen dünner, dadurch erscheinen diese Partien im Durchlicht als helle Zeichen im Papier.
Die Wasserzeichensammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek ist mit mehr als 400.000 Objekten die weltweit größte Sammlung ihrer Art. Sie enthält sowohl originale Papiere als auch Reproduktionen von Wasserzeichen (Handpausen oder Kopien). Die Wasserzeichenbelege dienen als Grundlage für die Echtheitsprüfung sowie die Herkunfts- und Altersbestimmung von Papieren.
In Thüringen gab es im Vergleich zu anderen Landschaften besonders viele Papiermühlen. Ein Grund dafür sind die günstigen Wasserverhältnisse, die für die Anlage von Papiermühlen Voraussetzung waren. Menge und Qualität des Wassers waren sowohl als Antriebskraft als auch direkt für das Papierschöpfen ausschlaggebend. Ohne gutes Wasser kann kein gutes Papier hergestellt werden.
Thüringen gilt als eines der bedeutendsten kulturellen Zentren Deutschlands, besonders im Zeitraum von der Reformationszeit bis zur Deutschen Klassik.
Der Thüringer Bestand umfasst ca. 95 Papiermühlen, etwa 500 Papiermacher und Papiermacherinnen und annähernd 25.000 Wasserzeichen, die auf über 17.000 Wasserzeichenbelegen überliefert sind. Eine solche flächendeckende Wasserzeichen-Erschließung eines größeren Gebietes über die Jahrhunderte hinweg ist weltweit einzigartig.

Die Wasserzeichen sind im Online-Katalog der Deutschen Nationalbibliothek recherchierbar unter dem Suchwort „Wasserzeichenbeleg“.

(Andrea Lothe, Julia Rinck, Margareta Schultz)

Montag, 15. April 2024

Zur Tätigkeit des Zentralantiquariats der DDR

Ende 2022 startete das Kooperationsprojekt der Staatsbibliothek zu Berlin mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste: „Das Zentralantiquariat der DDR: Verkaufswege. Empfänger. Provenienzen“.

Das Zentralantiquariat der DDR war in der Zeit seines 30-jährigen Bestehens (1959–1989) ein wichtiger Akteur im europäischen Antiquariatshandel. Als staatlich gelenkte Institution war es dabei mit besonderen Anforderungen konfrontiert. Es sollte zum einen die Bibliotheken, aber auch die DDR-Bürger mit wissenschaftlicher Literatur versorgen. In den Ladengeschäften der Leipziger Innenstadt wurde dieses Angebot auch auf modernes Antiquariat sowie Grafiken und Musikalien ausgeweitet. Zum anderen diente das ZA der Erwirtschaftung von Devisen. Dies gelang durch den Verkauf in das „Nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet“. So wurden nach West-Berlin und in die BRD, nach Westeuropa bis in die USA und Japan Bücher verkauft, sowohl antiquarische Bücher als auch Erzeugnisse aus der eigenen Reprint-Abteilung, die ab 1964 Nachdrucke seltener Werke reproduzierte.

Im Sommer 2023 war eine Provenienzforscherin der Staatsbibliothek zu Berlin für drei Monate zu Gast am Deutschen Buch- und Schriftmuseum (DBSM) der Deutschen Nationalbibliothek (DNB). Sie forscht aktuell an der Staatsbibliothek zu Berlin in einem Kooperationsprojekt mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste zum Zentralantiquariat der DDR. Dabei sollen die Handelspraktiken des ZA und die Verkaufswege der gehandelten Bestände rekonstruiert werden, u.a. durch die Überprüfung zahlreicher Bücher in ausgewählten Bibliotheken und der Kontextualisierung der gefundenen Provenienzspuren.

Die damalige Deutsche Bücherei hatte bei der Belieferung durch das ZA einen klaren Vorteil anderen Institutionen in der DDR gegenüber. Für die Deutsche Bücherei in Leipzig, die Deutsche Staatsbibliothek (DSB) in Berlin, die Bibliothek des Instituts für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in Berlin und die Deutsche Militärbibliothek in Dresden gab es ein befristetes Vorkaufsrecht beim ZA. Das ZA lieferte seine Antiquariatskataloge und Angebotslisten zuerst an diese Institutionen, bevor andere Interessenten Zugang dazu erhielten. Diese Kataloge und Angebotslisten sind heute zu einem großen Teil im DBSM überliefert und stehen in den Digitalisierten Sammlungen zur Verfügung.
Kataloge des Zentralantiquariats der DDR, (c) SBB-PK
Das DBSM hat in der Zeit von 1959 bis 1989 über 2.000 Titel vom ZA erworben. Darunter befinden sich neben zahlreichen antiquarischen Erwerbungen auch zeitgenössische Veröffentlichungen von Verlagen aus der DDR, die das ZA ebenso vertrieb. In den Autopsien – den Überprüfungen der Bücher auf Provenienzmerkmale – wurde eine Auswahl von ca. 2.000 Büchern aus dem 15.–21. Jahrhundert bearbeitet. Dabei konnten mehr als 1.100 Provenienzmerkmale in Form von Stempeln, Exlibris, Autogrammen, Widmungen sowie Altsignaturen und Zugangsnummern von Bibliotheken und Einträgen von Antiquariats- und Buchhandlungen ermittelt werden. Unter den Vorbesitzern finden sich zahlreiche Bibliotheken: Universitäts- und Hochschulbibliotheken, Gymnasial- und andere Schulbibliotheken, aber auch öffentliche Bibliotheken, Landesbibliotheken sowie einige Adels- und Schlossbibliotheken. Unter den Herkunftsregionen sind Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt besonders stark vertreten, sowohl aus der Zeit der DDR als auch zuvor aus dem Gebiet des Deutschen Reichs. Von den 1.100 Provenienzmerkmalen stammen wiederum ca. 400 Merkmale von Personen, von denen ungefähr die Hälfte zugeordnet werden konnte.

Sonntag, 13. August 2023

Ligne claire

Im kommenden Jahr wird das Deutsche Buch- und Schriftmuseum (DBSM) im Rahmen des Gastlandkonzeptes der Leipziger Buchmesse 2024 eine Ausstellung zu niederländischen und flämischen Comic –Zeichnern präsentieren. Die Ausstellung wird den Namen Schön mich kennen zu lernen! tragen. In der Ausstellung werden die Werke der Künstlerinen Barbara Stok, Judith Vanistendael, Mickey Dirkzwager und Maaike Hartjes präsentiert. Diese haben, jede auf ihre eigene Weise, ihre Autobiografien zeichnerisch erforscht.
Comics aus der Samml. Armin Abmeier, Foto (Ausschn.): DNB (Joshua Göbel)
Passend dazu folgt ein kleiner Vorgeschmack auf Niederländische und Flämische Comic-Kunst. Es werden einige ihrer Vertreter vorgestellt, darunter einer ihrer wichtigsten, der Niederländer Joost Swarte. Er prägte 1976 den Begriff der Ligne claire.
[...] 
Ligne claire oder auch De klare Lijn (Die klare Linie) verweist auf den Comic-Stil, der von Hergé in den Abenteuern von Tim und Struppi angewandt wurde. [...]
Mit Ligne claire ist eine Art zu zeichnen gemeint, die folgende Prinzipien berücksichtigt: Farbflächen sind durch eine gleichmäßige Linie mit klaren Konturen abgegrenzt; sie sind flächig koloriert, ohne Schraffuren und Schattierungen.“ Hergé war Künstlerischer Leiter des Magazins Tintin und prägte in dieser Funktion maßgeblich dessen grafisches Erscheinungsbild. Die Figur des Tim war sehr stark in Tintin vertreten und tauchte neben seinen Abenteuern auch in anderen Rubriken des Magazins auf. [...]  Hergé forderte von seinen Mitarbeitern, seinen Regeln der Strenge und Einfachheit zu folgen. Dieser von ihm geprägte Zeichenstil beeinflusste und prägte gerade durch seine Funktion bei Tintin viele Comic Autoren. Sie haben ihn kopiert, angepasst und sich zu eigen gemacht. Hergé selbst wurde beeinflusst von Zeichnern, die Anfang des 20 Jahrhunderts aufgrund der technischen Veränderungen in Reproduktion und Druckverfahren ihren Zeichenstil vereinfachten. Um Qualitative Einbußen während der Druckprozesse zu vermeiden, benutzten sie schwarze Konturen und klare Farben. Vorbilder von Hergé waren zum Beispiel George McManus oder Alain Saint-Ogan deses Zeichnungen Hergé als klar, präzise und lesbar beschrieb. [...]

(Joshua Göbel im Blog der DNB)

Freitag, 21. Juli 2023

Sammlung Abmeier im DBSM

Armin Abmeier (1940–2012) war Buchhändler und Herausgeber der Buchreihe Die Tollen Hefte mit einer Affinität zu Comics und Illustrationen. 
Das Ergebnis seiner jahrzehntelangen Sammeltätigkeit, fast 4.000 Bücher, Hefte und Sammlerobjekte übergab Berner 2022 großzügigerweise dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum.
Armin Abmeier sammelte nicht die klassischen Superhelden-Comics, sondern hauptsächlich Underground- und Independent-Comics, zudem zahlreiche illustrierte Bücher und Originalzeichnungen von bekannten und weniger bekannten Zeichnern. In seiner Sammlung finden sich weder Marvel noch DC Comics.
Gerade dass diese populären Vertreter der Comic-Kultur in der Sammlung Abmeier nicht vertreten sind, hat sie für Joshua Göbel, derzeit Praktikant des DBSM, so interessant gemacht. Der amerikanische Teil dieser Sammlung besteht aus einer Fülle von Zeitschriften, Heften und Büchern, die zum Teil gefüllt sind mit obszönen, abstrusen und grenzüberschreitenden Inhalten. Sie sind teils extrem aus der Zeit gefallen, sexistisch und rassistisch und unterwerfen sich keinen klaren Mustern.

"Es handelt sich nicht mehr um Comics, sondern in der Sprache der Zeit um Comix, was andeutet, dass es sich bei diesen Werken um X-Rated, also nicht für Jugendliche geeignetes Medienmaterial handelt. 
Comix waren Teil der amerikanischen Gegenkulturen der 1960er und 70er Jahre. Gerade die Hippie-Bewegung hatte großen Einfluss auf deren Themen. Sie setzten sich mit freier Liebe, Drogenkonsum, Rockmusik und nicht zuletzt auch kritisch mit der Politik der Zeit auseinander. Die Stories sind häufig grenzüberschreitend, oft sehr kreativ – und manchmal einfach nur verrückt oder abstoßend.
Die meisten Comix [wurden] zu Beginn im Selbstverlag veröffentlicht, da sie aufgrund des sogenannten Comic Code von 1954 niemals von den großen Verlagen veröffentlich worden wären. Hierbei handelte es sich um einen von der Comics Magazine Association of America selbst auferlegten Kodex
[....] man versuchte, zu kontrollieren was gezeigt werden kann und wie sehr versucht wurde, jede Kontroverse zu vermeiden.
[In Comix jedoch] findet man Nacktheit; sie machen sich lustig über Polizei und Staat, zeigen Horror- und Crime-Stories, in denen es nur Verlierer gibt. Ihre „Superhelden“ sind eher Antihelden, sie nehmen Drogen, klauen und töten. Auch stilistisch setzen sie sich stark von den Superhelden-Comics von DC und Marvel ab. Die Zeichenstile der Underground-Künstler unterscheiden sich stark und reichen von qualitativ extrem hochwertigen, detailreichen und realistischen Darstellungen zu absolut amateurhaft anmutenden Zeichnungen."

(Joshua Göbel, kompletter Artikel hier)

Montag, 26. Juni 2023

Spector Books im DBSM

Das Deutsche Buch- und Schrift-Museum Leipzig zeigt in einer Kabinettausstellung "Spector Books: Handapparat". Der Verlag erhielt vor wenigen Tagen den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig 2023.
Spector Books Team, Foto: Arthur Zalewski
Bücher zu verlegen bedeutet für Spector Books, alle an der Buchproduktion Beteiligten in einen lebendigen Austausch zu bringen und das Wechselspiel zwischen Autoren, Künstlern, Gestaltern sowie der Druckerei und der Buchbinderei zu organisieren.
Die verschiedenen Perspektiven und Konflikte, die sich dadurch eröffnen, sind den Büchern mit auf den Weg gegeben: In den grafischen Entscheidungen und in der Materialität des Buchkörpers, in der Gliederung der Doppelseite und in den unterschiedlichen Konstellationen, in die Bilder und Texte zueinander in Beziehung gesetzt werden, zeigt sich, dass ein solcher dialogischer Arbeitsprozess zu dialogischen Formen auch im Medium Buch führt. Doch ebenso wichtig wie der Austausch bei der Arbeit an neuen Büchern ist die fortgesetzte Befragung des Mediums, der Dialog mit dem bereits Produzierten. Der Ort dafür ist die Bibliothek, die Gesellschaft der Bücher.

In der Ausstellung zeigt Spector Books, wie die eigene Produktion sich in vielfältiger Weise mit anderen Büchern und Büchermachern berührt. Die Ausstellung verweist auch auf frühere Gutenberg-Preisträger wie Solomon B. Telingater (1963), Elisabeth Shaw (1984), Lothar Reher (1988) und Hans Peter Willberg (1992).

21. Juni 2023 - 28. Januar 2024

Deutsche Nationalbibliothek
Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Foyer
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Freitag, 24. Februar 2023

Diversität im Kinderbuch

Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum lädt zu einer Veranstaltung über „Diversität im Kinderbuch“ ein.
Titel © Gerstenberg Verlag | Bohem Verlag | Insel Verlag | Hawandel Verlag | Sauerländer Verlag | Edition Assemblage | Reprodukt | Beltz Verlagsgruppe
Monika Osberghaus, Chefin des Klett Kinderbuch Verlags, ist zu Gast in der Reihe DBSM:meet und erzählt im Gespräch mit Stephanie Jacobs, Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, von den Herausforderungen beim Publizieren von Kinderbüchern.
Im Gepäck hat sie nicht nur viele Geschichten und Anekdoten aus dem Verlagsleben, sondern auch Bücher, die Stein des Anstoßes für Debatten und Nachdenken sind. Mit markanten Titeln zu Körperbewusstsein, Diversität, Flucht und Klimawandel verbinden die Bücher des Verlages eine große Portion Aktualität und Realität mit Unterhaltung und spiegeln zugleich die komplexe Alltagsrealität, mit der Kinder heute konfrontiert sind. Die Rezeptionsgeschichte der Bücher zeigt zugleich, wie gut Kinder thematische Zuspitzungen verkraften, manche Erwachsene sich damit aber schwertun.

1. März 2023, 18 Uhr

Deutsche Buch- und Schriftmuseum
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Donnerstag, 3. November 2022

Provenienz und Herkunft

DNB, Sammlung Günter-Karl Bose
Eine neue Publikation des Deutschen Buch- und Schriftmuseums „Tiefenbohrung. Eine andere Provenienzgeschichte” erzählt auf über 400 Seiten mit zahlreichen Abbildungen die Biografien von Objekten, berichtet von Raubzügen und Zerstörungen ebenso wie von Überraschungen und Glücksfällen. Das Buch ist der Beginn eines tieferen Blickes in die Herkunft unserer Bestände aus knapp 140 Jahren Sammeltätigkeit.

Das Buch und die 33 Geschichten, von denen es berichtet, wird am kommenden Sonntag anläßlich des Thementags „Provenienz und Herkunft“ vorgestellt und man kann einem Blick hinter die Kulissen werfen.
Auf dem Programm stehen u.a. Führungen zu verborgenen Orten, Rundgänge in den Magazinen, „Provenienz-Talks“ mit unseren Sammlungsleitern und die Begegnung mit zwei Stipendiatinnen aus der Ukraine, die ihre Projekte zum Thema „Heimat und Herkunft“ erstmals der Öffentlichkeit vorstellen. Premiere hat zudem unsere filmische Miniserie zu „Herkunftsgeschichten“. In die virtuelle Ausstellung zum Thema Provenienz kann man bereits jetzt reinschauen.

6. November 2022, 11 Uhr

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der DNB Leipzig
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig