Mittwoch, 2. April 2025

Hamburger Bothe #27

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Die Serie mit „Meistern der Illustration“, die wir mit Svato Zapletal und Pétrus Akkordéon gestartet haben, ist jetzt bei dem Künstler Moritz Götze angelangt, den Jens-Fietje Dwars sehr intensiv vorstellt.
Darüber vergessen wir natürlich nicht die eigene Verlagsarbeit von Angeli & Engel. Unser nächstes Buch, der bereits dritte Band mit dem Hamburger Zeichner Klaus Waschk, wird jetzt in Berlin gedruckt und kann subskribiert werden. Der Titel „Övelgönne – Zeichnungen gegen den Strich“ deutet schon an, dass dieser besondere Hamburger Stadtteil am Elbufer nicht als „reine“ Idylle dargestellt wird, sondern dass der Zeichner Klaus Waschk auch manches in den Blick nimmt, was ihn an seinem Wohnquartier stört und zur Kritik herausfordert.
Ferner ist ein Hinweis auf den ziemlich vergessenen Schriftsteller Melchior Vischer zu finden, der vor 50 Jahren in Westberlin gestorben ist und 1920 mit seinem schmalen Debütwerk „Sekunde durch Hirn“ eine Sternstunde erlebt hatte.
Der Autor Urs Heftrich, von dem wir 2023 den Lyrikband „Gehäuseschutt - House of Rubble“ herausgebracht haben, steuert ein Gedicht-Triptychon bei mit dem Titel „Drei Ansichten von Wallace Stevens“ bei, angereichert mit Fotos des Autors und einem längeren erläuternden Text.

Einladung zur Subskription

Der Verlag Angeli & Engel bringt im Juni 2025 seine 6. Edition, den dritten Band mit dem Hamburger Künstler Klaus Waschk heraus. „Övelgönne – Zeichnungen gegen den Strich“.
Wie immer ediert Angeli & Engel die Auflage (144 Ex.) in zwei Ausstattungsvarianten, diesmal mit bemerkenswerten Besonderheiten: Die 55 Vorzugsausgaben werden wie gewohnt von Klaus Waschk nummeriert und signiert. Für diese neue Edition hat er sich was Besonderes ausgedacht: er schuf für jeden Band eine Original-Pastellzeichnung die als Unikat jedem Band beigelegt wird. Als Verleger und Herausgeber sind wir sehr glücklich unseren Bücher- und Kunstliebhabern, allen Waschk-Bewunderern diese Exklusivität anbieten zu können. Das ist originale Kunst mit einem Buch als Zugabe. 
Der Preis dieser Vorzugsausgabe bleibt gegenüber unseren bisherigen Vorzugsausgaben unverändert!
Auch die restlichen 89 Standardausgaben gehen über die Typisierung „normal“ hinaus, denn alle werden von Klaus Waschk signiert.

Klaus Waschk: Övelgönne Zeichnungen gegen den Strich 
Verlag Angeli & Engel, Hamburg, Juni 2025 
Format: 21 x 29,7 cm, 84 S. durchgehend ill.
ISBN: 978-3-9824980-3-
Aufl. 144 Expl., davon 55 Expl. mit bibliophiler Sonderausstattung:
nummeriert von 1-55, mit 55 für das Buch geschaffenen Original-Pastellzeichnung 
Vorzugsausgabe: 98 € (+ Versand 6 € für D), Subskriptionspreis: 75 €
Standardausgabe: 38 € (+ Versand 6 € für D), Subskriptionspreis: 30 €
Freunde des Verlages erhalten zusätzlichen Nachlass von 7 € (VZA) und 3 € (STA) 

Bestellungen an: Rudolf Angeli 
oder: Klaus Waschk 
Ende der Subskription: 31. Mai 2025

Dienstag, 1. April 2025

Bibliophiles des Monats - Die Erstausgaben der Grimm’schen Märchen

Zu den bedeutendsten und am meisten verbreitetsten Werken der deutschen Literatur zählen wohl unangefochten Grimms Kinder- und Hausmärchen. Übersetzt wurden diese Märchen in weit mehr als 100 Sprachen, und seit 2005 gehören sie mit zum Weltdokumentenerbe.

Die Erstausgabe davon erschien 1812 in Reimers Realschulbuchhandlung in Berlin unter dem Titel „Kinder- und Haus-Märchen gesammelt durch die Brüder Grimm“, und 1814, vordatiert auf 1815, ein ergänzender Zweite Band. Jedoch der erhoffte kommerzielle Erfolg stellte sich nicht ein, und von etlichen Seiten gab es recht harsche Kritik.

Heutzutage gehören diese beiden Bände mit zu den seltensten und teuersten deutschen Büchern. Im Auktionshaus Venator & Hanstein aus Köln zum Beispiel wurden sie unlängst für 120.000,00 Euro angeboten, und der Zuschlag erfolgte erst bei 170.000,00 Euro. Allerdings Auktionsgebühren und Mehrwertsteuer sind darin noch nicht mit enthalten.
Ansicht des 3. Bandes, aufgeschlagen, Foto bfs
In jener Erstausgabe von 1812 wurde auf Seite 147 an 33. Stelle das Märchen über einen Gestiefelten Kater aufgenommen. Dieses wurde ihnen neben etlichen anderen von den Geschwistern Hasenpflug aus Hessen erzählt.

Jedoch nachdem sich herausstellte, dieses Märchen sei unter Le Maître Chat ou le Chat botté schon in der französischen Sammlung Charles Perraults von 1697 mit enthalten, entfernten die Grimms den Gestiefelten Kater kurzentschlossen aus ihrer Sammlung.

Ab der zweibändigen stark überarbeitete zweite Auflage von 1819, die dann maßgeblich für alle folgenden autorisierten Veröffentlichungen der Kinder- und Hausmärchen wurde, taucht dieses Märchen bei ihnen nicht mehr mit auf.

Und uns erscheint es daher verwunderlich, wie oft der Gestiefelten Kater unkritisch dennoch bis hin zur Gegenwart für ein Grimm’sches Märchen gehalten wird.

Die Auflagenhöhe dieser zweiten vermehrten und verbesserten Auflage umfasste maximal 1500 Exemplare in einem veränderten fast quadratischen Format.
1822 erschien im selben Format noch ein dritter Band, der ausschließlich wissenschaftliche Anmerkungen sowie Quellenangaben zu den jeweiligen Märchen enthält. Dessen Auflagenhöhe soll sogar nur halb so hoch wie die Auflage der Märchen gewesen sein. Erst 34 Jahre später wurde davon eine weitere Auflage gedruckt.

Die Abbildung zeigt das Titelblatt eines seltenen unbeschnittenen Exemplars aus Privatbesitz. Auf den ersten Blick erscheinen die Angaben dieses Titelblattes irreführend, bedeuten jedoch: Es ist der dritte, die Märchenbände der zweiten Auflage ergänzende Band.

Ab 1825 wurde bei Reimer eine so genannte „Kleine Ausgabe“ mit der Auswahl von 50 Märchen verlegt, die auch wegen der beigefügten Illustrationen breiten Anklang fand. Ihrem Duktus nach war sie durch Überarbeitungen ganz speziell auf Kinder ausgerichtet. Und die Nachfrage war so enorm, dass selbst zu Grimms Lebzeiten noch zehn weitere Auflage gedruckt werden mussten.

Unbestritten verdienen es die Brüder Grimm auf vielfältigste Weise postum geehrt zu werden, für ihr Deutsches Wörterbuch nicht minder wie für ihre Märchensammlung.

Erfreulich daher die 1986 in der DDR vorgenommene offizielle Würdigung durch Prägung einer attraktiven Gedenkmünze aus Anlass des 200. Geburtstages der Brüder Grimm. Was jedoch die dafür Verantwortlichen dazu bewog, als Bildmotiv - und das ist kein Aprilscherz – völlig unpassend den Gestiefelten Kater zu wählen, bleibt im Verborgenen.

Fazit: Wenn man Unwahrheiten nur oft genug als wahrhaftig deklariert, dann hat die Wahrheit kaum noch eine Chance.

(Bernd Friedrich)

Exlibris des Monats April 2025 – Hans am Ende für Luise Mackensen

Die Komposition dieser Radierung zeichnet sich durch einen luftigen und hellen Aufbau aus, der beim Betrachter eine Frühlingsstimmung erzeugt. Der Schriftsteller Theodor Storm (1817–1888) verfasste nach 1843 ein Frühlingsgedicht, in dem er seine Eindrücke vom Erwachen der Natur zum Ausdruck brachte.

Das ist die Drossel, die da schlägt,
Der Frühling, der mein Herz bewegt;
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
Die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fließet wie ein Traum –
Mir ist wie Blume, Blatt und Baum
.
Das Exlibris ist von floralen Elementen dominiert, darunter Blumen, Blätter und Äste, wie sie auch in Storms Gedicht vorkommen. ... In Kürze werden auch die Heckenrosen erblühen, die auf dem Buchzeichen für Luise Mackensen (1839–1919), der Mutter des Worpsweder Malers Fritz Mackensen (1866–1953), dargestellt sind. Die vorliegende Radierung wurde von dem Künstlerkollegen Mackensens Hans am Ende (1864–1918) angefertigt, der durch seine realistischen Darstellungen von Natur- und Landschaftsszenen Berühmtheit erlangte. Der aus Trier stammende Künstler ließ sich nach Abschluss seines Studiums an der Kunstschule in Karlsruhe im Jahr 1889 in Worpswede nieder und zählte damit zu den vier Begründern der Künstlerkolonie Worpswede, gemeinsam mit Fritz Mackensen, Fritz Overbeck und Otto Modersohn. Die Zusammenarbeit der Künstler war anfänglich von Harmonie geprägt, und es stellten sich schnell gemeinsame Erfolge in Form von Ausstellungen in Bremen und München ein, die der Gruppe den Durchbruch brachte und sie reichsweit bekannt machte. Allerdings stieß die angestrebte Führungsrolle von Fritz Mackensen innerhalb der Künstlergemeinschaft auf Widerstand. Ein möglicher Hinweis auf diesen Konflikt findet sich vielleicht in dem Exlibris für Mackensens Mutter.

Hans am Ende verwendete für die Grafik die Technik der Ätzradierung und strukturierte das Bild ausschließlich durch die Dichte der Striche, die Licht und Schatten erzeugen. Das zentrale Motiv des Bildes wird von zwei in der Mitte positionierten Rosenblüten gebildet, die schon weit entwickelt sind. Der Blick des Betrachters wird unmittelbar auf den rechten, hellen Blütenkelch einer Rose gelenkt, die mit ihren Blättern eine zweite Blüte in den Schatten stellt. Im Hintergrund sind weitere Blüten der Rose in der Öffnungsphase zu sehen. Die Frage, ob die vier gezeigten Blüten die Gründergruppe der Worpsweder Künstlerkolonie repräsentieren, bleibt sicher Spekulation. Alle Blüten sind durch Äste verbunden, die aus dem Boden einer Pflanze entspringen. An den verbindenden Ästen sind Stacheln zu sehen, die eine kratzige Beziehung entstehen lassen. Warum die Wahl des Künstlers auf die sogenannte Hundsrose fiel, wie die Heckenrose auch genannt wird, wirft Fragen auf. Er hätte auch eine edle Rosenart zeigen können, die in vielen Grafiken der Zeit des Jugendstils dargestellt ist. Es könnte in dieser frühlingshaften Grafik eine tiefere, noch nicht erkannte Botschaft verborgen sein. Diese bleibt jedoch im Dunkeln.
Diese Interpretation ist gewiss gewagt und Hans am Ende hatte bei der Gestaltung seines frühlingshaften Blattes ganz andere Intentionen. Dennoch ist die Freiheit, die jedem Betrachter bei der Interpretation von Kunstwerken zusteht, eine wichtige Komponente der Kunstrezeption. ...

(Siegfried Bresler, Beitrag der DEG lesen)

Wandelhalle für Bücherfreunde wieder in konservativem Design

Nachdem die Marginalien, Zeitschrift für Buchkunst & Bibliophilie und Aus dem Antiquariat ein neues Design verpasst bekamen, wurde heute auch die Frühjahrsausgabe 2025 der Wandelhalle für Bücherfreunde, den Nachrichten der Gesellschaft der Bibliophilen e. V.&nbsp i>in neuem Gewand ausgeliefert.
Dabei setzt die unter der Redaktion von Silvia Werfel herausgegebene Zeitschrift nicht wie die vorhergenannten Hefte auf ein modernistisches, eher Jugendliche ansprechendes Design, sondern kehrt zurück zu Bewährtem, auf eher betont konservative Traditionen, die das Erscheinungsbild dieser Gesellschaft seit den 50gern ausmachten.
Die bisher sehr farbige, fast bunte Umschlaggestaltung wird aufgegeben und den Titel der jeweils zweimal im Jahr erscheinenden Hefte wird eine schlichte schwarz/weiße Abbildung eines alten Druckes auf einem jeweils wechselnden einfarbig Hintergrund zieren.
Im Jahr 2025, in welchem wir den 500. Jahrestages des Deutschen Bauernkrieges begehen, ziert das erste Heft das Titelblatt der ältesten Eulenspiegel-Volksausgabe von 1515.

1 Kommentar:
01 April, 2025: Abel Doering hat gesagt…
April, April - Klick auf die Abb.!
Abgebildet ist "Wandelhalle für Bücherfreunde, Nachrichten der Gesellschaft der Bibliophilen e.V.", Neue Folge * 13. Jahrgang * Heft 3 * Juli 1971