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Freitag, 4. September 2026

Karl J. Lüthi, Hebräisch in der Schweiz

Dass die Schweiz ein mehrsprachiges Land ist, ist bekannt. Weniger bekannt ist jedoch, dass bereits vor 100 Jahren eine weitere, unerwartete Sprache versucht hat, sich hier einen Platz zu erobern. Ein kleines, seltenes Büchlein in der Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde in Zürich mit dem Titel Hebräisch in der Schweiz, das 1926 in Bern erschien, zeigt, wie wichtig die hebräische Sprache damals für die Schweiz war – und umgekehrt. Dies geschah zu einer Zeit, in der sich das Hebräische noch immer in einem Erneuerungsprozess befand und versuchte, sich als Sprache des neuen jüdischen Siedlungsgebiets in Palästina zu etablieren.
Karl J. Lüthi – Hebräisch in der Schweiz.
Buchdruckerei Büchler & Co. Bern, 1926
Der Autor dieses ungewöhnlichen Büchleins, das in einer Auflage von nur 300 Exemplaren gedruckt wurde, war der Schweizer Karl Jakob Lüthi (1876–1958). Er war Bibliothekar, Buchsammler und damals Leiter des Schweizer Gutenberg-Museums. Obwohl er selbst kein Jude war, faszinierte ihn die hebräische Sprache bereits im Kindesalter. 
Als begeisterter Büchersammler, vor allem von Bibeln, wurde er nicht nur Liebhaber, sondern auch Experte der hebräischen Schrift. 

Allgemein bekannt ist, dass das Studium der hebräischen Sprache und Literatur, insbesondere des Alten Testaments, in der Schweiz seit der Reformation eine lange Tradition hat. Lüthi wollte jedoch aufzeigen, dass nicht nur das Studium, sondern auch der Druck hebräischer Bücher und die Entwicklung der hebräischen Druckschrift auf eine Tradition zurückblicken können, auf die die Schweiz stolz sein kann.

Anhand zahlreicher Beispiele, die durch Abbildungen ergänzt werden, zeigt er, dass nicht nur Basel, das in dieser Hinsicht bekannt war und nach wie vor eine führende Rolle einnimmt, sondern auch Zürich, Genf sowie Bern und Neuchâtel eine herausragende Rolle spielten.
Mit sorgfältiger und gründlicher Recherche widerlegte Lüthi alte Mythen – so wurde das erste hebräische Lehr-, Lese- und Wörterbuch beispielsweise nicht in Basel gedruckt – und präsentierte zugleich neue Erkenntnisse: So fand etwa die Reform der hebräischen Quadratschrift in die moderne hebräische Literatur durch den Typografen Josef Kaplan in der Schweiz statt. Mit seinem fachkundigen Wissen erstellte Lüthi eine umfassende Bibliografie der in der Schweiz gedruckten hebräischen Bücher vom 16. Jahrhundert bis zur Zeit des Zionismus, die nach Regionen (Basel, Zürich, Genf, Bern, Lausanne und Neuchâtel) geordnet ist.
(Oded Fluss. Zürich, gesamter Beitrag hier)

Montag, 31. August 2026

Sammlermorgen der AIB

Das Kolloquium der Association Internationale des Bibliophiles wird dieses Jahr von Prof. Jacques Berchtold, Pierre Boillat und Dr. Alex Rübel organisiert, die Teilnahme ist Mitgliedern der AIB vorbehalten. Es dauert vom 20.9. – 26.9.26 und findet in Genf statt. Zum Abschluss findet ein Sammlermorgen der AIB statt, zu dem auch die Schweizer Bibliophilen eingeladen sind.
Folgende Schweizer Sammler werden Ihre Schätze zeigen:
  • Nicolas Ducimetière
  • Fondation Barbier-Mueller pour l’étude de la Poésie italienne de la Renaissance (Université de Génève)
  • Collection Diane Barbier-Mueller
  • Einbandsammlung von Hans Burkhardt
  • Struwwelpeter-Sammlung Hasso und Dominique Böhme
  • Sammlung Klaus Wellershoff
  • Sammlung Gertrud und Marcus Benz
Daneben offerieren Schweizer Buchhändler in einem zweiten Raum ihre schönsten Bücher.

Sammlermorgen: 26. September 2026, 9.30 Uhr, Anmeldung erforderlich

Musée national suisse du Château de Prangins
Avenue Général Guiguer 3, 1197 Prangins

Freitag, 28. August 2026

Treffen der Schweizerische Bibliophilen

Die Schweizerische Bibliophilen besichtigten gestern im Auktionshaus Kornfeld Kunstwerke aus der Privatsammlung von Eberhard W. Kornfeld, die in der September-Auktion zur Auktion kommen.
Vorgestellt wurden neben Kunstwerken auch seltene Kunstbücher aus dessen Sammlung.

Das Auktionshaus Kornfeld in Bern unterhält neu eine Repräsentanz in Zürich.

Freitag, 21. August 2026

Buch- und Druckkunst-Messe Frauenfeld

Die Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft lädt ein zur Handpresse-Messe HPM im Kulturzentrum Eisenwerk Frauenfeld.
Über 60 Aussteller zeigen Handwerkskunst wie Bleisatz, Handpressendruck, Linolschnitt und Buchbindekunst und Papierdruck, sowie Live-Druckvorführungen an historischen Maschinen. Für Besucher gibt es kostenlose Mitmachaktionen (Setzen, Drucken, Prägen und Falzen), sowie für Familien Letternschatzsuche.
Der Ehrengast 2026 ist die Papier- und Buch-Künstlerin Nadine Werner.

Weitere Informationen unter https://www.buch-und-druckkunst-messe.ch/

6. bis 8. November 2026
Eisenwerk Frauenfeld
Industriestrasse 23, 8500 Frauenfeld

Montag, 17. August 2026

Buch des Monats August

Das Buch des Monats August der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft ist der 2024 erschienene Roman "El año en que hablamos con el mar" des 1990 in Santiago de Chile geborenen Schriftstellers Andrés Montero.
"Das Jahr, in dem wir mit dem Meer sprachen“ ist ein Roman über die Wege, die wir wählen, und jene, die wir hinter uns lassen, darüber, was es bedeutet, zu einem Ort zu gehören, und über all das, was die Sprache dem Meer zu sagen versucht.

(Albert von Brunn, Zürich)

Sonntag, 26. Juli 2026

Kornfeld-Auktionen

Die Schweizerische Bibliophilen kommen zu ihrem nächsten Büchertreff zu einer Führung durch die Vorbesichtigung der Highlights aus der September-Auktion mit Fokus auf die illustrierten Bücher und Portfolios aus der Privatsammlung von Eberhard W. Kornfeld zusammen.
Käthe Kollwitz, Die Freiwilligen
In der Ausstellung sind nebst Kunstwerken auch seltene Kunstbücher aus der Sammlung von Eberhard W. Kornfeld zusehen. Das Auktionshaus Kornfeld in Bern zählt zu den renommiertesten Adressen für Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts, für Druckgrafik und illustrierte Bücher, und unterhält neu eine Repräsentanz in Zürich.
Die Führung dauert ungefähr eine Stunde. Im Anschluss an die Führung bleibt noch Zeit für ein gemütliches Apéro und Austausch mit den Experten des Hauses Kornfeld. Anders als bei den Treffen der Schweizerischen Bibliophilen üblich findet dieser Anlass ohne anschließendes Nachtessen statt.

27. August 2026, um 18.30, Anmeldung erbeten

Kornfeld Zürich
Kirchgasse 50, 8001 Zürich

Samstag, 4. Juli 2026

Albert Joseph Conlin, Der christliche Weltweise beweint die Torheit der Narrenwelt

Das Buch des Monats Juli der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft ist Albert Joseph Conlins siebenbändiges Werk "Der christliche Weltweise beweint die Torheit der Narrenwelt" (Band 1: 1706).

Abraham a Sancta Clara (1644–1709) hatte für den Buchhändler Daniel Walder in Augsburg ein Werk «Der christliche Weltweise beweint die Torheit der Narrenwelt» zu schreiben unternommen, wurde aber durch andere Arbeiten daran verhindert. Weil die Kupfer bereits fertig waren, ersuchte Walder den Weltgeistlichen Albert Joseph Conlin (1669–1753), das Werk mit Texten zu versehen, was dieser ‹abrahamisierend› in sieben Bänden unternahm. (So stellt das Karl Friedrich Flögel in seiner «Geschichte der Komischen Literatur» 1786 dar.)

Conlin steht also in der Tradition von Abrahams Buch «Wunderlicher Traum von einem großen Narren-Nest» (1703), wo bereits 12 Narren (aber ohne Bilder) beschrieben sind. Hier der Titel des ersten Bandes von Conlin, der mit einem Anagramm signiert:

Der Christliche Welt=Weise Beweinent Die Thorheit Der neu-entdeckten Narrn=Welt/ Welcher die in disem Buch befindliche Narrn zimblich durch die Hächel ziecht/ jedoch alles mit sittlicher Lehr und H. Schrifft untermischet. Worin über 200. lustig und lächerliche Begebenheiten/ deren sich nit allein die Herrn Pfarrer auf der Cantzel/ sondern auch ein jede Privat-Persohn/ bey ehrlichen Gesellschafften nutzlich bedienen können. Vorgestellt von Alberto Josepho Loncin von Gominn, Augspurg: Walder [1706].
Ich führ Process schon lange Jahr
Daß mir jetzt wachsen graue Haar.
Der Richter nimmt sein Deputat,
Das Recht verkehrt der Advocat,
Von oben ab bis an die Hol
Wann ich sie schmier, so fahr ich wol.
Es folgen dann: Ander Theil (1707); Der Dritte Theil (1708); Vierdter Teil (1708); 5. Theil (1709) — und dann: «Der Christliche Welt-Weise Beweinet die Thorheit derer in diesem Buch beschriebener Närrinnen» (1710 und 1711); insgesamt werden 100 Narren und 50 Närrinnen zwecks Besserung der Leserschaft verspottet. (In den beiden Bänden 1710/11 ist der richtige Namen Albert Joseph Conlin, Pfarrer zu Moning im Rieß auf dem Frontispiz angegeben.)
 
(Paul Michel, komplette Beschreibung hier)

Dienstag, 12. Mai 2026

Gelungene Jahresversammlung der Schweizer Bibliophilen

Tag 1: SARNEN mit Besichtigung der Sammlung Burch-Korrodi (Goldschmied), des Staatsarchivs im Hexenturm mit dem “Weissen Buch von Sarnen” (1. Erwähnung der Tell-Sage um 1470) und des Benediktinerinnenklosters St. Andreas.
Tag 2: Benediktinerkloster Engelberg.

Mittwoch, 29. April 2026

Der Mensch auf Sinnbilder-Art vorgestellt

Das Buch des Monats Mai der Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft ist Laurens van Haecht / Gerard de Jode, Mikrokosmos. Parvus Mundus, 1579.

Die lateinische Erstausgabe des vorgestellten Buchs mit dem Titel «Mikrokosmos. Parvus Mundus» ist mit Laurentius Haechtanus (Laurens van Haecht Goidtsenhoven, 1527–1603) signiert, dem Verfasser der Texte, und mit Kupferstichen von Gerard de Jode († 1591) versehen; es erschien 1579 in dessen Verlag in Antwerpen.

Das Buch nutzt die Struktur des (seit 1531 gebräuchlichen) Emblems: Lemma – Bild – Epigramm (hier Bibelzitate) – zusätzlich sind jeweils auf der rechten Buchseite Erläuterungen in Versform (elegisches Distichon) beigefügt. Wie in der Emblematik üblich, werden anhand von exemplarischen Geschichten, mythologischen Darstellungen, Fabeln, u.a.m. gutes und übles menschliches Handeln veranschaulicht.

Das Buch enthält 74 solche Text-Bild-Kombinationen. Wie bei diesen Werken üblich, sind die Embleme keine Neuerfindungen, sondern beruhen meistens auf antiken Texten. Erstaunlich ist, welche Kenntnisse der Tradition diese Verfasser hatten.

Das Buch wurde mehrmals neu aufgelegt. Für die folgenden Ausgaben (1618, 1644, 1670) wurden neue Bilder (Kopien der Radierungen von Gerard de Jode) von Jacob de Zetter (Wirkungsdaten 1609–1636) verwendet. Dann wurde das Buch auch ins Deutsche übersetzt.
Das Titelbild zeigt den Menschen als Mikrokosmos mit dem Haupt in einem Kugelkreuz, der als ganzer in einem Kugelkreuz steht, das für die große Welt steht, inmitten der vier durch Tiere repräsentierten Elemente des Makrokosmos, die den vier Temperamenten zugeordnet werden: der Feuersalamander (die sanguinische Natur), der Maulwurf (die melancholische Natur), der Stör (die phlegmatische Complexion), das Chamäleon (das gemäß Plinius von Luft lebt, die cholerische Complexion). Winde aus den vier Himmelsrichtungen blasen ihn an, sie bedeuten die vier Haupt-Lebensalter.

(Paul Michel, Zürich, kompletter Artikel hier)

Donnerstag, 9. April 2026

Jahresversammlung der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft

Die Jahresversammlung der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft findet 2026 in Sarnen und Engelberg statt.
Am Samstag ist der Besuch des Klosters St. Andreas, des Staatsarchivs Obwalden im Hexenturm und Burch-Korrodi geplant, abends findet die Generalversamm-lung der Gesellschaft statt. 
Am Sonntag steht eine Führung durch Bibliothek und Archiv des Klosters Engelberg und abschließendes Mittagessen im Gastbetrieb des Klosters auf dem Programm.

9. / 10. Mai 2026

Sonntag, 5. April 2026

LIBRARIUM I/2026

Heft 1 des Jahres der Zeitschrift der Schweizerischen Bibliophilen Gesellschaft, Librarium, ist erschienen.

Inhalt
  • Rolf De Kegel: «Sine libris vita est mors». Die Bücherschenkung des Beat F. Zurlauben an die Stiftsbibliothek Engelberg.
  • Gerhard Seibold gen. Stoffele: Steigerung der Wertigkeit neuzeitlicher Standes-erhebungen mittels Einsatz künstlerischer Ausdrucksmittel.
  • Rene E. Honegger: Das böse Krokodil? Das fremde Lebewesen Krokodil in der europäischen Kultur.Anna Lehninger: Exlibris für Zürich. Bücherzeichen von Ida Maly aus den ig2oerjahren.
  • Konrad Tobler: Augenscheinliche Erfahrung aller Kunstdrucktechniken. Zu einem neuen bibliophilen Grundlagenwerk.
  • Simone Gehr: Von Ehrenmitgliedschaften und Mitgliedschaften. Die ersten Frauen in der Zürcher Künstlergesellschaft.
  • Alex Rübel: Kongress der Association Internationale de Bibliophilie. Kopenhagen, 7.-14. September 2025.

Donnerstag, 12. März 2026

Abend der Schweizerischen Bibliophilen

In einer interessanten Zusammenkunft  am 9. März präsentierte in Zürich der Verleger Michael Rothe den Mitgliedern der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft von ihm publizierte Künstlerbücher.

Dienstag, 3. März 2026

Der "Höngger Bericht" von 1489 zum Waldmann-Handel

Das Buch des Monats März der Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft ist die Faksimile-Neuausgabe des "Höngger Bericht" von 1489 zum Waldmann-Handel.

Der Sturz des Zürcher Bürgermeisters Hans Waldmann (1435-1489) im April 1489, dessen Folter und Hinrichtung, gehört zu den dramatischen Höhepunkten der spätmittelalterlichen Zürcher und eidgenössischen Geschichte. Das wichtigste erhalten gebliebene Dokument dazu ist der sogenannte Höngger Bericht. Ein des Schreibens kundiger Mann aus der damaligen Bauerngemeinde Höngg war Augenzeuge und hat in lebendiger Sprache handschriftlich geschildert und auch selbst illustriert, was damals geschah. Der Zürcher Historiker mit Herkunft aus dem Maggiatal Ernst Gagliardi hat den Bericht in seiner Quellensammlung zum Waldmann-Handel 1911 veröffentlicht, und die Eigentümer-Familie hat ihn 1989 in fotografischer Wiedergabe publiziert, samt einem historischen Kommentar und einer Version in modernem Deutsch. Dieser Band ist längst vergriffen.
Jetzt legt die Zunft zur Waag eine neue Ausgabe vor. Die Digitalisierung durch das Zürcher Staatsarchiv hat die Wiedergabe des Originals in nahezu perfekter Qualität erlaubt. Es wird begleitet von der seinerzeitigen Übertragung des ursprünglichen Texts in spätmittelalterlichem Schweizerdeutsch in Druckschrift sowie eine Übersetzung in modernes Deutsch und von einer historischen Einordnung durch den damaligen Eigentümer der Handschrift, den Fraumünster-Pfarrer und Historiker Peter Vogelsanger (1912-1995).

(Philippe Welti, Altzunftmeister der Zunft zur Waag, Zürich)
«Sonderdruck. Der dramatische Sturz des Zürcher Bürgermeisters Hans Waldmann. Der Höngger Bericht eines Zeitzeugen von 1489», 
ISBN 978-3-9525231-4-8

Freitag, 13. Februar 2026

Künstlerbücher aus dem Verlag Rothe Drucke

Michael Rothe vom Verlag Rothe Drucke wird uns die in seinem Verlag erschienenen Künstlerbücher präsentieren. Die Künstlerbücher sind limitierte, handgefertigte Originaleditionen, die in enger Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern und Kunstwissenschaftlern entstehen. Sie verbinden Originalgrafik, Text und Gestaltung zu künstlerischen Buchobjekten. Die Künstlerbücher werden in einer kleinen, limitierten Auflage mit handgefertigtem Einband veröffentlicht, oft begleitet von signierten Grafikeditionen. Nach der Präsentation ist Zeit gegeben zu diskutieren und das Werk anzuschauen.
Im Anschluss bleiben die Teilnehmer des Abends für die Diskussionen und zum gemütlichen Abschluss beim Abendessen am gleichen Ort.

(Gian-Reto Schulthess)

9. März 2026, 18 Uhr
Hotel Engimatt
Engimattstr. 14, 8002 Zürich

Samstag, 31. Januar 2026

Zemaria Pinto, Folia no seringal: ensaios sobre a literatura do Amazonas

Buch des Monats Februar der Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft ist Zemaria Pintos Folia no seringal: ensaios sobre a literatura do Amazonas. Von Francisco de Orellana zum Liebhaber der Amazonen - ein literarisches Panorama des größten Regenwaldes auf Erden.

Das irdische Paradies ist der in der Genesis beschriebene Garten Eden. Obwohl es auf der Erde lokalisiert ist, verspricht es neben sinnlichen Genüssen und Kostbarkeiten das ewige Leben, wobei hier die Einschränkung gilt, dass das ewige Leben auf den Aufenthalt im Garten beschränkt ist. Es gibt dort keine Kälte und keine Hitze, nur gemäßigtes Klima. In der Mitte entspringt eine Quelle und teilt sich in vier Flüsse. Das irdische Paradies wird in fast allen Quellen als nicht zugänglich beschrieben. Dennoch war die Suche danach ein beliebtes Thema, wurde immer als strapaziös und gefährlich geschildert und nach der Entdeckung Amerikas in die Neue Welt verlegt.
Der Spanier Gaspar de Carvajal (1504-1584) war der erste Chronist, der sich für die Landschaft Amazoniens begeisterte und dort das irdische Paradies zu lokalisieren versuchte. Auf einer Reise mit Francisco de Orellana von den Anden bis zum Atlantik (1541-1542) beschrieb er die Bewohner der Region und schuf dabei den Mythos der Amazonen, kriegerischen Indianerinnen – weiße, große Frauen mit langen Haaren - die den spanischen Dominikaner an den griechischen Mythos von den männergleichen Kämpferinnen erinnerten. Ein europäischer Mythos wurde in die Neue Welt verpflanzt und verlieh dem größten tropischen Regenwald auf der Erde seinen Namen.
Hundert Jahre später befuhr der spanische Jesuit Cristóbal de Acuña (1597-1675) ebenfalls den Amazonas auf der Route von Carvajal als Chronist der Expedition von Pedro Teixeira und widmete neben den Beschreibungen von Flora und Fauna auch ein Kapitel den Riten und Gottheiten seiner Bewohner, wenn auch aus einer eurozentrischen Perspektive.
Erst Euclides da Cunha (1866-1909), Begründer der modernen brasilianischen Literatur, und sein Freund Alberto Rangel (1871-1945) stellten unter dem Eindruck des Kautschukbooms und den sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen der Gummi-Zapfer das Bild des irdischen Paradieses auf den Kopf: Inferno verde (1908), eine Sammlung von 11 Erzählungen von Alberto Rangel schildern den Menschen Amazoniens als Opfer eines grausamen Schicksals.
Zemaria Pinto, Professor für brasilianische Literatur an der Universidade Federal do Amazonas (UFAM), rekonstruiert in seinem Buch das Bild Amazoniens in der europäischen Geistesgeschichte seit der Entdeckung Amerikas. Forscher, Reisende und Abenteurer formten das ambivalente Vexierbild einer Region, die als Experimentierfeld für Utopien aller Art ökonomisch und ideologisch umkämpft geblieben ist, so bei Jules Verne.
Doch wie reagierten die Schriftsteller und Intellektuellen Amazoniens selbst auf diese Stereotypen? Darauf gibt diese Monographie eine Antwort und zeichnet das Bild einer Region, die Opfer wirtschaftlicher Ausbeutung und zugleich Projektionsfläche europäischer Phantasien und exotischer Träume geblieben ist, wie sie im Roman Der Liebhaber der Amazonen (3) parodiert werden, einer Allegorie des Kautschukbooms.

(Albert von Brunn, Zürich)

Donnerstag, 1. Januar 2026

Bibliophiles des Monats - Philosophisch Ehzuchtbüchlin

Bibliophiles des Monats und gleichzeitig Buch des Monats der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft ist im Januar Johann Fischarts «Philosophisch Ehzuchtbüchlin», in dem er verschiedene Autoren zum Thema übersetzt und sie mit weiteren Texten kumuliert hat.
Es erschien illustriert mit 71 Holzschnitten von Tobias Stimmer (1539–1584) 1578 bei Fischarts Schwager Bernhard Jobin (†1593) in Straßburg (Duodezformat, 18 Lagen à 16 Seiten, unpaginiert). Neuauflagen: erweitert 1591; 1597; 1607; 1614.
Johann Fischart (* ca. 1547; † 1591) hat ein umfangreiches, sprachgewaltiges, buntscheckiges literarisches Werk verfasst. Immer wieder greift er ältere Texte auf, übersetzt, überarbeitet und erweitert sie mit eigenen Worten und Gedanken. So setzt er «Dyl Ulenspiegel» um in eine versifizierte Fassung «Eulenspiegel Reimensweiß» (1572). Einen Text von Mathias Holtzwart gestaltet er aus zur «Flöh Hatz / Weiber Tratz» (1573) und erweitert das Büchlein vier Jahre später um das Doppelte. Fischart hat den «Gargantua» von Rabelais übersetzt und erweitert, auch seine eigene Fassung zwei Mal amplifizierend überarbeitet: «Geschichtklitterung» 1575 / 1582 / 1590.

(Paul Michel, Zürich)

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Weihnachtsapéro in Zürich

Am 10. Dezember waren die Schweizerischen Bibliophilen vom EOS Buchantiquariat Benz in Zürich eingeladen, wo ihnen Herr Benz einige Preziosen seiner umfangreichen Sammlung von Orchideen-Büchern zeigte.

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Frohe Festtage wünschen die Schweizerischen Bibliophilen

Zuvor werden zu einem Weihnachts-Apéro Gertud und Marcus Benz eine einmalige, kürzlich übernommene Sammlung von Orchideenbücher des Sammlers Otto Emanuel Pfenninger (1891 - 1976) zeigen.
Albrecht Dürer, Die Geburt Christi, Holschnitt, um 1510
Die nächste Jahrestagung der Schweizerischen Bibliophilen findet in der Innerschweiz statt, wo Claudia Engler unter anderem Besuche der Klöster in Sarnen und Engelberg organisiert. Auch ein Blick ins Weisse Buch mit der Tellgeschichte, die Goethe zu sehen bekam, wird nicht fehlen.

(Dr. Alex Rübel, Vorsitzender)

Weihnachts-Apéro: 9. Dezember 2025
EOS Buchantiquariat
Kirchgasse 17, 8001 Zürich

Jahrestagung: 9. und 10. Mai 2026
Sarnen und Engelbergt

Montag, 1. Dezember 2025

Romeyn de Hooghe - Hieroglyphica of Merkbeelden Der Oude Volkeren

Buch des Monats Dezember der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft ist der Titel „Hieroglyphica, oder Denkbilder der alten Völker“.
Der Herausgeber der niederländischen Erstausgabe „Hieroglyphica of Merkbeelden Der Oude Volkeren“, Arnold Heinrich Westerhov (1677–1738), berichtet (im Vorwort 1735), dass ihm Freunde eine Handschrift von R. de Hooghe übergaben mit der Bitte, sie zum Druck zu befördern. Westerhov war von der Belesenheit des Verfassers begeistert, legte noch letzte Hand an den Text und die Bilder an und brachte das Werk zum Druck. (Die Kupfertafeln sind mithin nach dem Tod von de Hooghe 1708 verfertigt worden.)
Bald erschien eine deutsche Übersetzung: „Hieroglyphica, oder Denkbilder der alten Völker, namentlich der Aegyptier, Chaldäer, Phönizier, Jüden, Griechen, Römer, u.s.w. Nebst einem umständlichen Berichte von dem Verfalle und der eingeschlichenen Verderbniß in den Gottesdiensten, durch verschiedene Jahrhunderte, und endlich die Glaubensverbesserung, bis auf diese Zeit fortgesetzt, in LXIII Capiteln, und so viel Kupfertafeln beschrieben und vorgestellet durch Romeyn de Hooghe, Rechtsgelehrten. Uebersehen und besorgt von Arnold Heinrich Westerhovius, V.D.M. Gymnas. Goud. Rector. Ihrer Schönheit wegen ins Hochdeutsche übersetzt, und mit einer Vorrede des Herrn D. Siegmund Jacob Baumgartens, Professors der Gottesgelahrheit zu Halle, begleitet.“ Amsterdam, Arkstee und Merkus 1744. [Großoktav, 396 Seiten plus Register; 63 Kupfer + Titelblatt]

R. de Hooghe wendet sich sodann gegen eine naive Verwendung der damals beliebten ikonographischen Musterbücher. Er zitiert namentlich Cesare Ripa (erste illustrierte Ausgabe der «Iconologia» 1603) und Valeriano Pierio («Hieroglyphica» 1575). Es geht de Hooghe nicht nur um die Vermittlung von ikonographischem Wissen. Er schreibt im Vorwort, er sei gleichsam gezwungen worden, den Uebergang der einen Religion zu der andern mit einzumengen und er habe es auch für gut gehalten, in diesem Werke der Denkbilder, die Geschichte der verfallenen oder emporgekommenen Religionen mit ihren Jahren anzumerken, und den Leser bis auf unsere Zeit zu führen.

Deshalb beschreibt er Vorstellungen der Religionen in der Antike, im Judentum, im Islam und in exotischen Religionen des Fernen Ostens und Amerikas in Bild und Text genauer und zeigt Ähnlichkeiten zwischen den verschiedenen mythischen Konzepten und den verschiedenen historischen Epochen auf. Insofern betreibt de Hooghe bereits ‹Vergleichende Religionsgeschichte›. 

(Paul Michel, Zürich,     ... weiterlesen)

Samstag, 15. November 2025

«Buchkultur Zürich»: Was ist Aufklärung?

In der Veranstaltungsreihe Buchkultur Zürich der Buchantiquariate Peter Bichsel Fine Books, Biblion Leonidas Sakellaridis, EOS Buchantiquariat Benz und August Laube Buch- und Kunstantiquariat wird Ursula Caflisch-Schnetzler zum Thema «Was ist Aufklärung?» sprechen.

Zürich im 18. Jahrhundert. Immanuel Kant etablierte in der Berliner Monatsschrift von 1784 mit seiner berühmt gewordenen Frage den Begriff der Aufklärung. Die darin geforderte Befreiung des «Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit» setzte sich im Zürich des 18. Jahr hunderts bereits früher über Wochenschriften, eine äusserst rege Publikationstätigkeit sowie ein neues Verständnis von Literatur durch. Die um das Beziehungsgenie Johann Caspar Lavater gewachsene Generation trug jenes Selbst- und Weltgefühlt über die Grenzen der Limmatstadt nach ganz Europa.

19. November 2025, 19 Uhr
August Laube Buch- und Kunstantiquariat
Kirchgasse 32, 8001 Zürich
Johann Balthasar Bullinger, Grendeltor um 1770