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Montag, 9. Januar 2023

Pirckheimer bei Ossietzky

Die »Marginalien«, die von der Pirckheimer-Gesellschaft herausgegebene Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, ist sicher die wichtigste Zeitschrift für den bibliophilen Sammler, es gibt weitere, wie z.B. die von der Arbeitsgemeinschaft Antiquariat und Versandbuchhandel im Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit Unterstützung der Maximilian-Gesellschaft herausgegebene Zeitschrift »Aus dem Antiquariat«.Darüber hinaus publizieren Sammler, Mitglieder der bibliophilen Gesellschaften und Freunde des Gedruckten ihre Eindrücke und Erkenntnisse in zahlreichen Blogs, Zeitungen und Zeitschriften - hier konnte auf diese Beiträge häufig hingewiesen werden.

Prof. Dr. Peter Arlt, 2013
Foto © Ralf Parkner
Die Artikel der Pirckheimer Peter Arlt und Harald Kretzschmar, die häufiger für den Nachfolger der Weltbühne Ossietzky schreiben, wurden von dieser Zweiwochenzeitschrift für Politik, Kultur und Wirtschaft jetzt, wie man es von anderen Printmedien kennt, für den Zeitraum ab 2019 übersichtlich zusammengefasst und können hier (Peter Arlt) und hier (Harald Kretschmar) nachgelesen werden.
Artikel von Peter Arlt finden sich übrigens auch im Blättchen, einem weiteren Nachfolger der Weltbühne.

Freitag, 10. Juli 2026

Verdienstorden des Freistaats Thüringen für Prof. Dr. Peter Arlt

Foto © Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin
Seit vielen Jahrzehnten prägt Prof. Dr. Peter Arlt das kulturelle Leben Thüringens auf besondere Weise – als Kunstwissenschaftler, Publizist, Hochschullehrer, Schriftsteller und engagierter Begleiter zahlreicher Künstler. Schon während seines Studiums engagierte er sich in literarischen Zirkeln und Autorenvereinigungen und entwickelte jene wissenschaftliche und künstlerische Neugier, die sein weiteres Wirken prägen sollte. Auch später brachte er sich in bedeutende Künstler-, Wissenschafts- und Kulturvereinigungen ein und wurde zu einer festen und hochgeschätzten Persönlichkeit der Thüringer Kunst- und Kulturlandschaft.

Seine wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen zur Kunstgeschichte und Kunsttheorie haben weit über Thüringen hinaus Beachtung gefunden. Insbesondere seine Veröffentlichungen zur bildenden Kunst der DDR und zur Methodik der Kunstwissenschaft in der DDR haben Generationen von Schülern und Studierenden geprägt und einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Kunstentwicklung in Ostdeutschland geleistet. Dabei zeichnete ihn stets eines besonders aus: die Fähigkeit, immer einen offenen Horizont innerhalb der Kunst- und Kulturpolitik zu bewahren.

Professor Arlt blieb Thüringen stets eng verbunden. Besondere Verdienste erwarb er sich auch als Hochschullehrer an der Universität Erfurt. Viele seiner Studierenden erinnern sich an einen Professor, der Wissen nicht nur vermittelte, sondern Begeisterung weckte. Der Kunst nicht als Gegenstand verstand, sondern als Einladung zum Nachdenken, zum Entdecken und zum Gespräch. Darüber hinaus hat er als Kurator, Autor zahlreicher Ausstellungskataloge und Monografien sowie als Lyriker und Schriftsteller künstlerische Lebenswege dokumentiert und kulturelle Zeugnisse für kommende Generationen bewahrt.

Mit seinem publizistischen, wissenschaftlichen und kulturellen Lebenswerk hat sich Professor Arlt in herausragender Weise um Kunst und Kultur in Thüringen verdient gemacht.
Für diese außergewöhnlichen Verdienste verleihe ich Prof. Dr. Peter Arlt den Verdienstorden des Freistaats Thüringen.

(Laudatio Mario Voigt, Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen)

Sonntag, 14. März 2010

Leinwände bleiben leer

Zum Tod des Berliner Malers und Zeichners Peter Hoppe

»Der Mensch im Kreislauf der Natur« – Mosaik von Peter Hoppe Foto: Peter Arlt

Jetzt ist das E-Mail-Gespräch, in dem wir uns stritten und verständigten, abgebrochen, wie ein Brief, mitten durchgerissen, ohne je zu wissen, was im unteren Teil geschrieben sein soll. Über dem Riss steht noch seine frohe Kunde, mit seinen »Gefühlten Landschaften« im »Intermezzo« der Galerie am Gendarmenmarkt zwischen Skulpturen und Bildern von Theo Balden bis Ursula Strozynski präsent zu sein.
Wie ein Sisyphos ging Peter Hoppe jeden Morgen an sein Tagewerk. Doch kein Gott zwang ihn dazu und kontrollierte sein Steinerollen, den Werdegang des Bildes. Die Stechuhr tickte in seinem Gewissen. Selbstbestimmt schuf er sein Werk. Die leeren Leinwände umstellten ihn fordernd. Graue Flächen, die erst Form, Farbe und Leben gewinnen wollten. Im Kunstwerk durchspielte er Formen des Wahrscheinlichen wie Möglichen. Stiltendenzen trennten sich in eigene Bildserien oder Suiten, als konkrete Kunst in »Geometries« und als gestische und figürliche Malerei. In den Stilkontrasten lebte er gegensätzliche Denk- und Fühlaspekte aus, die in der Persönlichkeit ihr Kontrastprogramm austrugen.
So durchlebte der Künstler Metamorphosen und seine Katharsis. Eine Reinigung, in der der Künstler einen Abstand gewann von vorherigen Bildformulierungen.
»Und immer die metamorphosen im sinn / die versuchung / neuzubeginnen wenn das leben vorbeitaumelt«, schrieb Peter Hoppe, ein Dichter, in seinen »Frühstückstischtexten«. Doch in den Gegensätzen und Wandlungen blieb Peter Hoppe erkennbar. Es war ein Wandel in der Identität, eine »Kontinuität in der Ambivalenz«. Abwechslungsreich pendelt seine Kunst zwischen Farbbrillanz und strenger Farbreduktion, die ihre stilistischen Endpunkte in den Grisaillen wie in den konstruktiven Formen aus Kreisen, Ellipsen, Rechtecken gefunden haben. In den Serien, wie »ATELIER«, 2008, oder »oktoberlandschaften«, 2000, gibt es formale und gedankliche Zusammenhänge, klingen die Variationen wie in einer Satzfolge zusammen.
Ein Wandel in der Kontinuität zeigte sich auch in der Vita des Künstlers: Peter Hoppe wurde im November 1938 in Chemnitz geboren, erlernte den Beruf eines Baumalers, studierte 1956-59 an der Fachschule für Angewandte Kunst Berlin/Potsdam und im Anschluss an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee bei den Professoren Ernst Rudolf Vogenauer, Fritz Dähn, Arno Mohr und Walter Womacka. Das Diplom für Malerei erhielt er 1965, und es folgte eine einjährige Aspirantur. Seit 1967 war Hoppe freiberuflich in Berlin tätig. Vielseitig kreativ war er als Grafiker und am Theater, wo er für Schauspiel und Ballett Ausstattungen schuf. Vor allem aber war Peter Hoppe mit Leib und Seele ein exzellenter Zeichner und Maler.
Bekannt geworden ist Peter Hoppe Mitte der 70er Jahre mit eher veristischen Bildern des Nature morte und den herausragenden Porträts von Herbert Sandberg. Einen künstlerischen Übergang von diesen zu einer malerischeren Bildform bezeichnet sein »autoritratto quattro« von 1985. Höhepunkte seines Schaffens sind Wandbilder in Berlin, namentlich das Mosaik »Der Mensch im Kreislauf der Natur«, 1979/80, am Helene-Weigel-Platz, das 2007 bei der Wärmedämmung des Hauses überkleidet wurde. Unter der Dämmung: Ikarus. Sein Marzahner Plafond von 1991 markiert eine Zäsur, denn hier entwickelte er die betont malerische Bildform mit schwelgenden Farbräumen, in denen er die innere Geste und psychische Verfassung umsetzte. An seinem Sommersitz Wölsickendorf schuf er 1993 in der Dorfkirche die Altarwandbemalung im Selbstauftrag.
In Hoppes Bildern besitzt Nonfiguratives eine gleichnishafte Figurbezogenheit, Zeitgeschichte ist ins Leibhaftige und Zeichenhafte übersetzt, so 1990 in den Zeichnungen und Gouachen zur »Schönen Neuen Welt«, Aldous Huxleys satirischem Buch »Brave New World« entlehnt. In freier poetischer Weise überhöhte er seine Gestalten metaphorisch zu Topoi und verankerte sie mythisch in Orpheus, Apollon, Dionysos. Der Künstler führte als Parisurteil-Meister unterschiedliche Aspekte der Geschlechterbeziehungen voll Erotik, Eitelkeiten, Sehnsüchten, Leidenschaften und Spannungen in einer reichen, formelhaften Ausdrucksskala vor Augen. Impulsive Sinnlichkeit und artifizielles Vermögen gewannen hier Gestalt .
Auf meine Mail vom 3. März mit der Bitte, an der Merseburger Kassandra-Ausstellung teilzunehmen, blieb die Antwort weg. Leinwände bleiben leer. An diesem Mittwoch voriger Woche ist Peter Hoppe auf einer Straße in Berlin tot zusammengebrochen.
(Peter Arlt)

© Neues Deutschland

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Herzlichen Glückwunsch zum 70sten

Foto © Ralf Parkner
Unser Mitglied Prof. Dr. Peter Arlt, seit 1975 im Verein und bis vor zwei Jahren aktiv im Vorstand tätig, wird heute Siebzig.
Herzlichen Glückwunsch!
Vor Allem ist zu wünschen, dass sich Peter Arlt seinen kritischen Humor bewahrt, den die Thüringer bei ihren Abenden erlebt haben und alle Pirckheimer von seinen Beiträgen auf Jahrestreffen kennen. Auch die nie angepasste, weil ehrliche Haltung, mit der Peter Arlt sachkundig hinterfragt, was ansonsten bei gemeinsamen Ausstellungs- oder Bibliotheksbesuchen nicht so offensichtlich zu Tage treten würde, möge ihm und uns erhalten bleiben. Und natürlich wünschen wir uns noch viele Publikationen des Jubilars, sei es zur Bibliophilie, zur Bildenden Kunst der DDR oder zur Rezeption und Neudeutung antiker Mythologie.

Samstag, 27. November 2010

Der Fliehende, die Wissende

Vom Mythos in der Kunst - Sonderschau in der Willi-Sitte-Galerie Merseburg
Von Hendrik Lasch

Mattheuer -  Sisyphos im Rad, 1975, Bronze, Stahlring. Foto: Peter Arlt, klick zum VergrößernWas hätten sich Ikarus und Sisyphos zu sagen, wenn sie sich träfen? Übermütiger Himmelsstürmer der eine, mit großer Geste aufbegehrend, wagemutig alles auf eine Karte setzend, um grandios zu scheitern; ein beharrlich-zäher Arbeiter der andere, der den Stein im Schweiße seines Angesichts auf den Berg hinaufwuchtet und doch schon weiß, dass er wieder und wieder zu Tale rollen wird. Im Bild von Ronald Paris sind sie sich begegnet – und schauen sich stumm in die Augen: Ikarus mit milder Herablassung, in der Pose des jugendlichen Rebellen die Flügel lupfend, Sisyphos mit Augen, die zu staunen, aber auch das Erschrecken über den jähen Sturz vorwegzunehmen scheinen. Der eine wird für Aufsehen sorgen: durch Tat und Tod. Der andere hält den Stein am Rollen.
Foto: Peter Arlt, klick zum VergrößernMit seinem 2005 entstandenen Bild hat Paris den Mythos gewissermaßen weitererzählt. In dessen überlieferter Form kreuzt sich Ikarus' Weg nicht mit dem des Sisyphos, ebensowenig wie mit dem von Kassandra, deren zermürbendes Schicksal es ist, die Wahrheit zu kennen, aber kein Gehör zu finden. Diese beiden brachte Klaus Süß in einem 1986 geschaffenen Farbholzschnitt zusammen. Er vereinte damit auf einem Blatt die beiden Vertreter aus dem antiken Mythenarsenal, die wohl nicht zufällig zu den präsentesten in der DDR jener Tage gehörten: einen Fliehenden und eine Wissende, der freilich niemand Glauben schenkt.
Überhaupt sind Kassandra, Sisyphos und die anderen Helden des antiken Mythos häufige Gäste in der DDR-Kunst. Peter Arlt spricht gar von einer »in Europa einzigartigen Kumulierung«. ...
è weiterlesen
(Neues Deutschland, 15.11.2010)

Ausstellung: 5. November 2010 bis 28. Februar 2011
è Willi-Sitte-Galerie Merseburg

Dienstag, 26. September 2023

»p.f. - Neujahrsgrafik«

Pirckheimer in der Ausstellung, Fotos: ad
Herbert Kästner und Kurator Peter Arlt eröffneten im Rahmen des Jahrestreffens der Pirckheimer-Gesellschaft eine Sonderausstellung im Spiegelsaal des Gothaer Schlosses mit originalgrafischen Neujahrsgrüßen aus nahezu 6o Jahren.
Vitrinen mit Neujahrsgraphiken von Heinz Plenk, Foto: Peter Arlt
Zur Eröffnung wurden innerhalb der Ausstellung auch Graphiken zu Willibald Pirckheimer gezeigt, darunter zum ersten mal gemeinsam Baldwin Zettls »Melancholie II (Bahnhof)« und Albrecht Dürers »Melencolia I«, letzteren natürlich nur in einem ausgezeichneten Druck der Bundesdruckerei.
An die Stelle des abgebauten Teiles der Ausstellung hat Peter Arlt mit Frau Albrecht sechs große p. f.- Neujahrsgrüße von Heinz Plank platziert.

Ausstellung: 23. September - 31. Oktober 2023

Forschungsbibliothek Gotha
Schloss Friedenstein
Schlossplatz 1, 99867 Gotha

Montag, 26. Oktober 2015

Angela Hampel und die Pirckheimer bei Peter Sodann

Mit Büchern – so sagt Angela Hampel – „halte ich auch Zeitgeschichte in der Hand“. Bei der „Kleopatra“ von Theophile Gautier erinnert sie sich an die herrlichen Tage, als sie dafür Illustrationen schuf, doch ebenso an die „Zeit der Container vor den Buchhandlungen“, als sie das weggeworfene frischgedruckte Büchlein entdeckte. Auch deshalb schätzt sie die Arbeit von Peter Sodann als Buchfreund und Verteidiger kultureller Leistungen der DDR, der viele Bücher vor dem Müllkippenschicksal bewahrt hat und jetzt in seiner Bibliothek in Staucha sammelt. Zu den aktuellen Befürchtungen von Spiegel online: Staucha steht! Doch die noch nicht eingearbeiteten und ausgelagerten Bücher in Oschatz sollen aus ihrer Räumlichkeit heraus, weil der freundliche Holländer als Besitzer davongeflogen ist. Doch wohin mit der Büchermenge?
Die Sammlung der Bibliothek in Staucha umfasst in zunehmender Vollständigkeit die 40jährige Buchproduktion der DDR von vier Millionen Büchern. Die kompakte Buchproduktion eines Landes kann sinnlich wahrgenommen werden. Woanders muss man wissen, was man sucht. Doch bei Sodann findet man Ungesuchtes, Überraschendes, stößt auf Bücher und Verlage, von denen man schon viel oder noch nie etwas gehört hat. Jeder kann im Angebot der Bibliothek für seine eigene Büchersammlung, ob er sich für Belletristik, Lyrik, Biologie, Mathematik oder Rechtswissenschaft, Statistik, für Philosophie und Kunst oder für Religion, Geschichte oder Politik interessiert, vielfältige Anregungen bekommen. Das komplexe Publikationsgebiet eines Landes lässt Möglichkeiten und Beschränkungen der DDR erkennen und nähert sich zur deutschen Geschichte nach 1945 in gewissem Sinn der historischen Wahrheit an. Das ist kein Anliegen nur einer Partei, denn es geht darum, die Bücher der DDR, ob herausragende Buchkunst oder schreckliche Druckerzeugnisse als eine Verkörperung dieses Staates geschlossen vorzuweisen.
Peter Sodann (links), hier mit Elmar Faber, Foto © Peter Arlt
Die Pirckheimer-Gesellschaft, die anregt, schöne, wertvolle Bücher und Grafik zu sammeln, steht dem bewundernswerten Anliegen Peter Sodanns, der selbst ein „Pirckheimer“ ist, nahe. Sie nutzte ihr Jahrestreffen im September, um dieses Kulturdenkmal ersten Ranges zu besuchen, und versprach mit dem neuen Vorsitzenden Ralph Aepler, zur öffentlichen Resonanz und Unterstützung beizutragen. Manche Pirckheimer wünschen den Sammlungsbestand der Peter-Sodann-Bibliothek zu vervollständigen und, soweit Lust dazu besteht, mit wissenschaftlicher und sammlerischer Potenz den Bestand zu durchforschen, um neue Aspekte darzulegen und die Bücher einer Nutzung in die Zukunft hinein zuzuführen. Zum Jahrestreffen widmete der Verleger und Publizist Elmar Faber Peter Sodann seine historisch weitgreifende Festrede, mit welcher er die Zensur in der Weltgeschichte kompakt erfasste und die verschiedensten Formen in der DDR im Licht der scharfen Analyse grell bis satirisch hervortreten ließ.
Angela Hampel (1956) stattete die Jahresmappe für jeden Teilnehmer mit Grafiken aus, über eine Doppelseite hinweg eine farbige Buffet-Grafik mit Liebespaar aus Faun und Nymphe beim Schmaus von Weintrauben unterm Flötenspiel eines Faunes, und eine Grafik zu Christa Wolfs „Kassandra“, ein Fall bibliophiler Buchkunst. Mit der Schriftstellerin auf das freundschaftlichste verbunden, erarbeitete die Dresdener Malerin und Grafikerin Angela Hampel 1984 parallel zur Auseinandersetzung mit deren Buch sieben Blätter zu „Kassandra“, Kopfstudien einer jungen Frau mit ekstatischen Gebärden in Lithographien. Bei ihr wird Kassandra zu einer ganz und gar gegenwärtigen, jugendlichen Frau, einer Punkerin. Sie wird zum Synonym einer ausgesprochen individuellen Lebensart, gegen die das gesellschaftliche Leben – gegen das es aufmüpfig zu provozieren gilt – einförmig und spießig erscheint. Die Künstlerin zeichnete eine fackeltragende Heroin mit Tusche auf Alu-Platte zu einer Algrafie, ein Flachdruck und Lithographie-Variation (vgl. Lothar Lang: „Der Graphiksammler“, Berlin 1979). Darunter schrieb sie Zeilen aus dem Roman „Kassandra“ von Christa Wolf: „Wohin ich blicke oder denke, kein Gott, kein Urteil, nur ich selbst.“ Ein symptomatischer Monolog aus Christa Wolfs Erzählung, der die souveräne Selbstbehauptung dieser Frau und, attribuiert mit der Fackel, ihren prometheischen Geist erleben lässt.
In der kurzzeitigen Stauchaer Ausstellung in den Regalen eines Bibliothekteiles, mit den Bildern vor den Büchern, ließ Hampel den funktionalen Aspekt deutlich hervortreten und betonte die Beziehung, welche die Bilder oft zur Literatur eingehen. Die kleinen Grafiken und Leinwände zeigten mit expressiver Bildsprache und exaltiertem Bewegungsausdruck und Farbkontrasten zwischen rot und schwarz, ihre Themen: Minotaurus, Amazone, Medusen, Frauen mit Tieren, Kain und Abel, Rapunzel ... In vereinfachter, fast hieroglyphischer, Gestalt merkwürdige Paarungen, gefleckte Frauen mit Raubtieren oder im „gewand einer schlange“, wie es die sorbische Dichterin Róža Domašcyna bildhaft fasste. Fische und Vögel umspielen die Köpfe der Frauen mit wehendem Haarschopf, wie Organe, von denen Schutz und Gefahr ausgeht. Hampels „Physiologus“ versammelt keine Darstellungen von Tieren, sondern diese verkörpern Eigenheiten bei Frauen wie Männern, wie das Starke und Verletzende, das Schutzsuchende und Zärtliche, die rasende Leidenschaft und besänftigte Wildheit. Frauen zu Frauen und zu Männern, sinnlich zugeneigt, wie Distanz gebietend. Muster abgründiger Triebe und extremer Lebenssituationen, von einer sich mit ungezügelter Leidenschaft durchsetzenden Selbstbestimmtheit in einer menschen- und tierfeindlichen Umwelt. Als Meisterstück wirkte ihr großes magisches Triptychon „Minotaurus“, Mischtechnik auf Leinwand, je 140 x 120 cm. Unter den dolchartigen Hörnern weist sein Blick aus rötlichem Auge zurück und erschreckt; sein animalischer Körper ist mit ihrem Leib, voll zarter Weiblichkeit, vereint, sie wollen ewig Liebe spüren, ein Totentanz, in beängstigender Unmittelbarkeit.
(Peter Arlt)

Peter-Sodann-Bibliothek, Thomas-Müntzer-Platz 8, 01594 Staucha
Dienstag bis Freitag 8 – 14 Uhr und auf Anfrage 035268 – 949574
Geldspenden an: DE35 850550003150005000, Sparkasse Meißen

In: Ossietzky. Zweiwochenschrift für Politik / Kultur / Wirtschaft, hrsg. von Matthias Biskupek, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke, Otto Köhler und Eckart Spoo. Interdruck Berger + Herrmann Hannover, 18. Jg., 2015, Heft 21, S. 776-777

Montag, 21. September 2015

Fotos vom Pirckheimer-Treffen

Herbert Kästner im Gespräch mit Prof. Dr. Peter Arlt, der das Treffen organisierte
Ralf Parkner hat die ersten Fotos vom Jahrestreffen 2015 der Pirckheimer-Gesellschaft in Meißen und Staucha in seinem Facebook-Konto zur Verfügung gestellt, darunter auch die oberen hier abgebildeten.
Ralf Parkner im Gespräch mit Peter Sodann
Auch Peter Arlt hatte seine Kamera dabei - hier eine Aufnahme anlässlich des Festvortrags von Elmar Faber mit Peter Sodann am Rednerpult in der Bibliothek.

Samstag, 2. Dezember 2023

Wandelhalle Herbst 2023

Die Ausgabe Herbst 2023 der Wandelhalle für Bücherfreunde ist soeben erschienen.

Darin berichtet unter dem Titel "Schatzsuche auf Schloss Friedenstein" Ralf Wege auch über das 50. Jahrestreffen der Pirckheimer in Gotha, an welchem rund 60 Mitglieder und Freunde teilnahmen.

"Organisator Peter Arlt begrüßte im KunstForum Hannah Höch die Teilnehmer. An seiner Seite war Thomas Offhaus [...], der Künstler, der die Grafik zum Jahrestreffen gestaltet hat: die Kupferradierung «Ein Buch, das ich träumte». Zugleich präsentierte er sich als Musiker, improvisierte mit Gitarre, Theremin und Elektronik. [...]
Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch [führte] durch seine Stadt. In der Schlosskirche trafen sich die Pirckheimer am Abend zu einem speziellen Konzert. Dort nahm sie Sabine Linder mit auf eine musikalische Reise in die Epoche Willibald Pirckheimers und seiner Zeitgenossen. [... Gotha gilt] mit seiner Bibliothek als eine «Goldgrube für die geistes- und kulturwissenschaftliche Forschung». Kreuch erinnerte auch an die Bedeutung Gothas als namhaften Verlagsstandort, der auf eine über 375-jährige Geschichte zurückblicken kann.
[... die Forschungsbibliothek] ... bewahrt etwa eine Million physische Bibliotheksobjekte. Darunter rund 350000 Drucke bis zum Erscheinungsjahr 1900, 8200 mittelalterliche, frühneuzeitliche und neuzeitliche Handschriften sowie 3500 orientalische Handschriften, 185000 Karten, 1650 Kupferplatten sowie 62 frühneuzeitliche und neuzeitliche Globen. Dazu kommt eine Sammlung von 11130 Briefen deutscher Auswanderer nach Amerika aus dem 19.Jahrhundert. [... Die Teilnehmer besuchten auch die] von Peter Arlt kuratierten Ausstellung «p.f. – Neujahrsgrafik» im Spiegelsaal. [...]
Der Beitrag enthält auch den Hinweis auf das nächste Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft, welches vom 13. bis 15. September 2024 in Magdeburg stattfinden wird.

Mittwoch, 21. Juni 2023

50. Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft

In der alten Residenzstadt Thüringens, in Gotha, wird das 50. Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft stattfinden, organisiert von Prof. Dr. Peter Arlt.

Thomas Offhaus, Foto privat
Wie Till Schröder im aktuellen Heft der Marginalien mitteilt, stehen auf dem Programm eine Führung in der Origami-Ausstellung in der Stadtbibliothek, eine musikalisch improvisierte Ausstellung: »(Ein)Klang mit Bildender Kunst, Gitarre, Theremin und Elektronik« des Künstlers Thomas Offhaus, Schöpfer der Grafikgabe zum Jahrestreffen, eine Führung durch die Altstadt Gothas und im Schloss Friedenstein und ein Konzert mit Sabine Lindner unter dem Motto Eyn neues Lied wir heben an«.
Sabine Lindner, alias Klara vom Querenberg
Am nächsten Tag steht die Forschungsbibliothek im Schloss Friedenstein auf dem Programm. Auch die von Peter Arlt kuratierte Ausstellung »p.f. -Neujahrsgrafik« mit originalgrafischen Neujahrsgrüßen aus nahezu 6o Jahren und eine virtuelle Tour von Christiane und Norbert Grewe durch ihre gemeinsame, über mehrere Jahrzehnte und in verschiedenen Ländern gewachsene Sammlung von Buchkunst und Grafik erwartet die Teilnehmer.
Das traditionelle Festessen wird im Cranach-Saal des Hotels Der Lindenhof eingenommen, in welchem am letzten Tag des Treffens auch die Mitgliederversammlung abgehalten wird. Auf der Tagesordnung steht u.a. die Wahl des Vorstandes, zu der, lt. Till Schröder "Teile des derzeitigen Vorstands nicht mehr antreten".

Jahrestreffen: 22. bis 24. September 2023
Mitgliederversammlung: 24. September 2023, 9 Uhr

Gotha
Schloss Friedenstein, Cranach-Saal im »Lindenhof«

Montag, 8. Mai 2023

50. Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft

In Gotha feiert die Pirckheimer-Gesellschaft in diesem Jahr ein Jubiläum, das 50. Jahrestreffen.
Es wird organisiert durch Prof. Peter Arlt. Das erste Jahrestreffen dieser, 1956 in der DDR gegründeten Bibliophilen-Gesellschaft, fand 1972 in Dresden statt.
Die Residenzstadt Gotha, in der der vor 300 Jahren geborene Melchior Grimm verstarb (siehe Bibliophiles des Monats April), "bietet Führungen durch die Forschungsbibliothek Gotha, eine musikalische Reise in der Schlosskirche zu Willibald Pirckheimer und seinen Zeitgenossen mit Sabine Lindner, Bildende Kunst und Musik von Thomas Offhaus, eine Ausstellung im Spiegelsaal mit Neujahrsgrafiken aus fünf Jahrzehnten der Sammlung Peter Arlt und das Sammlerpaar Christiane und Norbert Grewe geben im Vortrag und Gespräch Einblicke in ihre Buch- und Grafikschätze.
Das Programm und die Modalitäten der Anmeldung werden im Frühsommer auf der Internetseite der Pirckheimer und in Heft 249 der Marginalien veröffentlicht", so der stellv. Vorsitzende der Pirckheimer-Gesellschaft Till Schröder.

Im Rahmen des Jahrestreffens wird am 24. September um 9 Uhr im Cranach-Saal des Hotels "Der Lindenhof" eine Mitgliederversammlung mit Wahl des Vorstandes stattfinden. (Ergänzungen zur  Tagungsordnung waren bis zum 10. April 2023 einzureichen, wie dem Heft 248 der Marginalien zu entnehmen war.)

Jahrestreffen: 22. - 24. September 2023

Gotha

Dienstag, 17. Januar 2023

Pirckheimer-Jahrestreffen 2023

Das Jahrestreffen 2023 der Pirckheimer-Gesellschaft wird in Gotha, wie gewohnt im September, stattfinden.

Dieses Jahrestreffen, es ist das 50. dieser Gesellschaft, wird organisiert von Prof. Dr. Peter Arlt.

Auf dem Programm stehen, so informiert der stellv. Vorsitzende der Pirckheimer-Gesellschaft, Till Schröder, auf deren Homepage "Führungen durch die Forschungsbibliothek Gotha, eine musikalische Reise in der Schlosskirche zu Willibald Pirckheimer und seinen Zeitgenossen mit Sabine Lindner, Bildende Kunst und Musik von Thomas Offhaus, eine Ausstellung im Spiegelsaal mit Neujahrsgrafiken aus fünf Jahrzehnten der Sammlung Peter Arlt, und auch das Sammlerpaar Christiane und Norbert Grewe gibt im Vortrag und Gespräch Einblicke in ihre Buch- und Grafikschätze."

22. bis 24. September 2023

Residenzstadt Gotha

Freitag, 22. September 2023

Start des Pirckheimer-Jahrestreffen 2023

Das Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft 2023 hat begonnen. 63 Teilnehmer besuchen in den nächsten 3 Tagen in Gotha die Stadtbibliothek, das KunstForum, das Rathaus und die Historische Altstadt, Schloss Friedenstein mit der Schlosskirche und der Forschungsbibliothek, das Schlosstheater und führen ihre Mitgliederversammlung mit einer Neuwahl des Vorstandes durch.

In der Tagungsmappe finden sich neben einer Graphik von Thomas Offhaus eine Karte pour féliciter vom Organisator des Treffens Prof. Peter Arlt.
Peter Arlt, Thomas Offhaus
Vom Kunstforum gingen die Pirckheimer zum Alten Rathaus. Dort erwartete sie Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch. Er führte informativ, faktenreich, humorvoll und mt Augenzwinkern durch die Altstadt. Ein Erlebnis! (Text und Foto: Ralf Wege)
Schloss Friedensstein, Schlosskirche
Sabine Lindner, "Eyn neues Lied wir heben an" - Musikalische Reise zu Pirckheimer und zu seinen Zeitgenossen (Fotos © ad)

Samstag, 23. September 2023

Pirckheimer-Treffen - Neujahrsgrafik

Peter Arlt
Eröffnung der Ausstellung "p.f. - Neujahrsgrafik" durch Herbert Kästner und Kurator Peter Arlt im Spiegelsaal der Forschungsbibliothek auf Schloss Friedenstein in Gotha.
Herbert Kästner
Ralf Parkner
Matthias Haberzettl, Fotos © ad

Mittwoch, 23. September 2015

Resümee: Pirckheimer-Jahrestreffen und Mitgliederversammlung 2015

Ralph Aepler, Foto: privat
Der 45-jährige Unternehmer Dr. Ralph Aepler aus Mannheim wurde am 18. September durch die Mitgliederversammlung zum Vorsitzenden der Pirckheimer-Gesellschaft gewählt. Er löste damit den Germanisten Ulrich Goerdten ab, der, wie auch die bisherigen Vorstandsmitglieder Ferdinand Puhe, Prof. Dr. Roland R. Berger und Abel Doering, nicht mehr zur Wahl angetreten waren. Neu in den Vorstand wurden für die Mitgliederbetreuung Jutta Osterhof (Berlin), für die Koordinierung der Regionalgruppen Matthias Haberzettl (Augsburg) und für die Öffentlichkeitsarbeit Ralf Wege (Magdeburg) gewählt, wiedergewählt wurde der bisherige Schriftführer Ernst Reif (Reichertshofen) als Schatzmeister.
Begrüßt wurden die Teilnehmer des Jahrestreffens durch den Landrat des Landkreises Meißen im historischen Ratssaal des Meißener Rathauses, in dem auch die Mitgliederversammlung stattfand. Das zentrale Thema des Jahrestreffen war der Besuch der Peter-Sodann-Bibliothek in Staucha.
Tagungsmappe
Für die Unterstützung dieses Anliegens bedankte sich der Organisator des Jahrestreffen Prof. Dr. Peter Arlt beim Landrat Arndt Steinbach u.a. mit folgenden Worten: "... herzlichen Dank! Dieses Entgegenkommen von Ihnen ist sicher nicht allein ein Ausdruck, sich der dringlichen Bitte Peter Sodanns zu entledigen, wie Sie scherzhaft gesagt haben, sondern ein Ausdruck Ihrer großen Achtung für Peter Sodann, für den Theatermann, Buchfreund und Verteidiger kultureller Leistungen der DDR ... und für Ihre Bewunderung seiner Bibliothek in Staucha. Uns ist es ein Ausdruck dafür, dass der Landrat damit rechnet, dass wir als Pirckheimer-Gesellschaft den Aufbau und die Arbeit der Bibliothek unterstützen.
Alle unsere Mitglieder mit unterschiedlicher politischer Einstellung könnten in der allmählichen Vollständigkeit des Bibliothekbestandes, die Möglichkeiten und Beschränkungen der DDR erkennen und sich so der historischen Wahrheit annähern."
Foto © Ralf Parkner
Der Pirckheimer Peter Sodann führte die Teilnehmer durch die Bibliothek. Auf großes Interesse stießen ebenso die Ausstellung mit Werken der Dresdener Malerin und Illustratorin Angela Hampel und das Theaterstück „Speer“ von Esther Vilar, aufgeführt durch Peter Sodann und Schauspielkollegen. Den Festvortrag hielt Elmar Faber, Publizist und ehemaliger Cheflektor und Verlagsleiter bei Edition Leipzig, Direktor des Aufbau-Verlags und Verleger von Faber & Faber. Das traditionelle Festessen mit einer Auktion von Graphiken aus Sammlungen der Mitglieder beendete den offiziellen Teil des Treffens in der Winzergenossenschaft Meißen.
Die Teilnehmer einigten sich darauf, dass das Jahrestreffen 2016 Anfang September in München stattfinden wird.
(ad)

Samstag, 11. Juni 2016

Eröffnung in Staucha: Haus zum guten Buch

Das Anliegen der Bibliothek, dem Haus des Vergessens ist, dass man eben nichts vergisst, dass man sich vieler Dinge erinnert, denn die Erinnerung ist eine mysteriöse Macht und bildet den Menschen um. Wer vergisst, was schön war, wird böse. Wer das vergisst, was schlecht war, wird dumm. Und so habe ich manchmal den Gedanken, ich lebe nur unter bösen oder schlechten oder dummen Menschen, aber das stimmt ja nicht. Es gibt ja immer die Ausnahme und die ist ziemlich groß.
(Peter Sodann)
Peter Sodann (links), hier mit Elmar Faber, Foto © Peter Arlt
Nach seinem 80. Geburtstag eröffnet Peter Sodann – Schauspieler, Regisseur und Theater-Intendant, Tatort-Kommissar, Ex-Bundespräsidentenkandidat, Ehrenbürger der Stadt Halle und Bücher-Sammler – in Staucha, dem neuen Lebensdomizil und Ort für seine DDR-Bibliothek, am 18. Juni 2016 ein "Haus zum guten Buch“. Das Haus soll ein Haus gegen das Vergessen und eine Herberge für Menschen sein, die ihn in seinem letzten großen Vorhaben unterstützen wollen oder einfach nur lesen.
(MDR Kultur)

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Ein ganzes Land in einer Lagerhalle

Vor wenigen Tagen fand das Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft bei ihrem Mitglied Peter Sodann in Staucha statt und die Teilnehmer bewunderten eine einzigartige Sammlung der in der DDR und zuvor in der SBZ erschienenen Bücher, die durch den "Verein zur Förderung, Erhaltung und Erweiterung einer Sammlung von 1945-1990 im Osten Deutschlands erschienener Literatur" ausgebaut wird. Und in wenigen Tagen wird die Initiative Buchkultur diese, nicht nur kulturgeschichtlich wichtige, Sammlung in der Vortragsreihe "Buch, Kultur & Gesellschaft" würdigen.
Peter Sodann (links), hier mit Elmar Faber, Publizist, ehemaliger Cheflektor und Verlagsleiter bei Edition Leipzig, Direktor des Aufbau-Verlags und Verleger von Faber & Faber, Foto © Peter Arlt
Im Spiegel erschien jetzt ein Artikel über diese Sammlung, in welchem Peter Sodann als "trotziger Nachlassverwalter der DDR" vorgestellt wird, der als "linker Querkopf" in Sachsen, ähnlich dem bekannten gallischen Dorf, der Realität des "kollektiven Wandels" widersteht, es ist die Rede, von "West-Literatur, die hier keiner braucht", wie ein Mitarbeiter zitiert wird, die Rote Armee wird zum "Iwan" und die traurigen Wahrheit, dass in Staucha "das Wissen des Ostens in den Bananenkisten des Westens schlummert" wird als Treppenwitz der Geschichte bezeichnet.
Aber vielleicht lese ich den Text einfach zu genau und dem Autor Adrian-Basil Müller ist selbst gar nicht bewusst, wessen Sprache er dort spricht.
Der Grund, hier auf diesen Artikel hinzuweisen, ist ohnehin ein anderer, allerdings ein noch bedrückenderer: In Oschatz gibt es ein noch nicht erschlossenes Außenlager, hier stapeln sich 25 LKW-Ladungen mit Bananenkisten voller Bücher.
Ein niederländischer Investor mit Adresse auf der Karibikinsel Curaçao ... versprach dem Büchersammler Sodann angeblich (weiß es der Autor besser?) lebenslanges Nutzungsrecht für dieses Lager. "Nun wird der Holländer mit internationalem Haftbefehl gesucht, und ich soll weg hier." wird Sodann zitiert.

Montag, 10. November 2014

Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft 2015

Das Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft 2015 wird in Meißen und Staucha vom 18. bis 20. September stattfinden. Es wird von Prof. Dr. Peter Arlt gemeinsam mit der Peter-Sodann-Bibliothek organisiert. Bislang ist vorgesehen, dass am Freitag Nachmittag Führungen durch die Altstadt in Meißen und danach die Mitgliederversammlung und unsere tradítionelle Auktion stattfinden. Am Sonnabend ist eine Busfahrt nach Staucha geplant, wo die Teilnehmer unter verschiedenen Aspekten wie Buchproduktion ausgewählter Verlage oder Buchaustattung durch die Peter-Sodann-Bibliothek geführt werden, verbunden mit einem Besuch der Ausstellung der Dresdener Malerin und Illustratorin Angela Hampel. Anschließend ist ein Festvortrag, vermutlich ebenfalls zum DDR-Buchschaffen und die Aufführung eines Stückes von Peter Sodann und Schauspielkollegen vorgesehen. Abends geht es dann mit dem Bus zurück nach Meißen zum Festessen in der Winzergenossenschaft. Am Sonntag sind Führungen durch die Stätten der Porzellanproduktion, eine Fahrt mit dem Shuttle-Bus zum Burgberg und der selbstständiger Besuch des Domes, der Albrechtsburg, der Kirche St. Afra, Wanderung auf dem Burgweg oder in der Stadt geplant. Bis auf den Termin sind diese Angaben noch vorläufig.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Kassandra auf dem Forum

Mythos und Kunst, Malerei, Zeichnung und Skulptur

Die Ausstellung "Kassandra auf dem Forum" in der Galerie der Willi-Sitte-Stiftung für Realistische Kunst, also auf der forumgleichen Stadtkrone Merseburgs, vereint Skulptur, Malerei, Zeichnung und Grafik von einigen wichtigen Künstlern in Deutschland der Zeit nach 1945, mit Betonung der Gegenwart, die sich mit einer eigenständigen Rezeption des antiken Mythos ausgewiesen haben.

Rolf Kuhrt - Kassandra und wir, 1982, Holzschnitt 55,2 x 82,5
Wie vielgestaltig dies geschieht, dafür stehen die Namen Falko Behrendt, Kurt Bunge, Carl Crodel, Bärbel Dieckmann, Albert Ebert, Wilfried Fitzenreiter, Wieland Förster, Bernd Göbel, Marcus Golter, Angela Hampel, Heidrun Hegewald, Bernhard Heisig, Peter Hoppe, Rolf Kuhrt, Harald Larisch, Markus Lüpertz, Gerhard Marcks, Wolfgang Mattheuer, Hans Mayer-Foreyt, Bernhard Michel, Hermann Naumann, Philipp Oeser, Karl Ortelt, Siegfried Otto-Hüttengrund, Ronald Paris, Uwe Pfeifer, Heinz Plank, Nuria Quevedo, Jürgen Schieferdecker, Wieland Schmiedel, Baldur Schönfelder, Willi Sitte, Klaus Süß, Werner Tübke, Jorge Villalba, Falko Warmt, Heinz Zander und in der Karikatur Peter Muzeniek, Rainer Schwalme. Die Künstler verbinden aktuelle Sinnfragen des Menschen mit dem Mythos, der getragen wird von der menschlichen Figur. Eine Besinnung auf den vornehmsten Ausdrucksträger der Kunst erscheint in Zeiten neuer Medien und Virtualität so notwendig wie zwangsläufig.

Willi Sitte - Die guten und die bösen Harpien, 1956, Öl auf Karton, 55 x 61
Die Werke werden nach zeitlichem Entstehen und unter den Topoi, wie Schwelgen und Schindung, zusammengefasst. Auf diese Weise können sie die gesellschaftliche Verständigung über die Leitbilder für den modernen Menschen befördern, über den zum Biotechniker verkommenen Menschenbildern Prometheus, den selbstverliebten Narziss, Sisyphos, dessen Stein wieder einmal zum Grunde gerollt ist, Ikarus, der kühn aufsteigt, aber abstürzt, den schwelgenden Bacchus, die sich verwandelnde Daphne oder die Leidensfigur Marsyas. Im Raum des Dachgeschosses sollen ironische Grafiken, Medaillen und aktuelle Karikaturen mit eingreifender, ironischer Mythenrezeption eine Art Satyrspiel bieten.
(Peter Arlt)

Ausstellung: 5. November 2010 bis 28. Februar 2011
è Willi-Sitte-Galerie Merseburg

Dienstag, 1. August 2023

Hamburger Bothe #17

In der 17. Ausgabe des „Hamburger Bothen“ warten wir mit einer neuen Rubrik auf, die wir weiterhin pflegen wollen. Der Hamburger Zeichner und Illustrator Klaus Waschk hat auf unsere Bitte hin seinen Arbeitsalltag geschildert, den täglichen Blick auf die Elbe von seiner Wohnung aus und seinen peniblen Umgang mit Stift und Feder. Daraus ist ein neues Buch erwachsen, eine intensiv mit frischen Bildern versehene Sammlung deutscher Balladen von den Anfängen im Mittelhochdeutschen bis zu Peter Rühmkorf. Der Band wird noch in diesem Jahr bei Angeli & Engel erscheinen.
Hamburger Bothen aufrufen durch Klick auf die Abb.
Als Weiterführung unserer Beiträge über die bibliophilen Gesellschaften im deutschsprachigen Raum bringen wir einen Text von Abel Doering über den Berliner Bibliophilen Abend, der länger dahinsiechte, jüngst aber wiederbelebt werden konnte. Der „Pirckheimer“ Peter Arlt stellt anhand seiner eigenen Sammlung dar, welch große Bedeutung die Rezeption antiker Mythen in der DDR hatte.

Das Autorenporträt, das wir von Anbeginn an im „Hamburger Bothen“ geboten haben, gilt diesmal dem Hamburger Schriftsteller Herbert Hindringer.

(Peter Engel)