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Dienstag, 1. September 2026

Theodor Körners erster Brief ...

Bibliophiles des Monats September ist der Faksimile-Druck „Theodor Körners erster Brief vom 26. März 1811 an seine Eltern nach seiner Ankunft in Berlin“.
Damit wurde in diesem Monat eine Schrift gewählt, die den Teilnehmern der Gründungsveranstaltung des Berliner Bibliophilen-Abend am 12. Januar 1905 überreicht wurde und die einen Monat zuvor den Teilnehmern der Generalversammlung der Gesellschaft der Bibliophilen aus Anlass ihrer Generalversammlung in Berlin am Sonntag, dem 18. Dezember 1904 von Ernst Frensdorff, dem späteren Schriftführer des BBA, gewidmet wurde.
Sie erschien 1904 in Berlin und besteht aus 2 broschierten Blättern in Kordelbindung im Format 8° (21 x 13,5 cm).
Dieser Titel ist die erste Gabe des Berliner Bibliophilen-Abend, zu dessen Gründung sich 27 Mitglieder in den Frederichs Weinstuben in der Potsdamer Str. zusammengefunden haben und wird zur internationalen Antiquariatsmesse, der Rare Books Berlin, im Kronprinzenpalais gezeigt.

Samstag, 1. August 2026

Das illustrierte Wörterbuch des Buches

Bibliophiles des Monats ist diesmal ein Buch, welches Bibliophilie selbst zum Thema hat: das „Wörterbuch des Buches“ in einer illustrierten Neuausgabe der Favoritenpresse.

Sicher hat fast Jeder, der in irgendeiner Weise mit dem Buch zu tun hat, diesen Titel, entweder in der 1. Auflage von Helmut Hiller, die bei dem inzwischen erloschenen Verlag Vitttorio Klostermann 1954 erschien, oder in einer späteren, mit Stefan Füssel (der seit 2024 alleiniger Rechteinhaber ist) überarbeiteten Auflage in seiner Bibliothek.
Die im August zum Bibliophilen des Monats gekürte Ausgabe wird jedoch nicht nur als Standardwerk oder wegen der erneuten Überarbeitung und Ergänzung mit Begriffen computergestützter Herstellung und Vertrieb von Büchern interessant, sondern vor allem durch die Gestaltung, die dem Buchinhalt nun auch eine adäquate Form gibt.
Das mag vermutlich auch der Grund sein, dass dieses Wörterbuch mehr ist als ein bloßes Nachschlagewerk. Man möchte die genaue Bedeutung eines Begriff nachlesen oder einfach nur schauen, ob ein selten gebrauchtes Wort aufgeführt ist, bleibt an den Illustrationen hängen, blättert in diesem Fachbuch herum und merkt erst nach einiger Zeit, dass man dabei ist, ein Lexikon wie einen Roman von vorn bis hinten zu lesen. Was gibt es für ein größeres Lob für diese Ausgabe eines Wörterbuches!
Abb.: Line Moerath, Taschenbuch
Bodo von Hodenberg, selbst Mitglied bibliophiler Gesellschaften wie dem Berliner Bibliophilen Abend, betont, dass für ihn und seine Favoritenpresse das „schöne Buch … aus Text und Illustration“ besteht, „in dieser Kombination erst vermittelt sich … die Leichtigkeit und die ‚Wirkung auf die Sinne‘“. Diese Aufwertung ist in hohem Masse gelungen und wurden von 24 Graphikern, darunter Cäcilie Hoff, die die Gestaltung übernahm, illustrativ beigesteuert, unter künstlerischer Leitung und konzipiert von Jakob Hinrichs und mit Pantone-Farbe auf 115gsm Munken white gedruckt.

Stefan Füssel, Das illustrierte Wörterbuch des Buches
8. erneut überarbeitete und neugestaltete Ausgabe 2026
auf der Grundlage des „Wörterbuch des Buches“ von Helmut Hiller

Mittwoch, 1. Juli 2026

Bertolt Brecht, Tagebuch No. 10

Bibliophiles des Monats ist das Faksimile des Tagebuchs No. 10 von Bertolt Brecht, welches der damals 15jährige Schüler 1913 führte. 
Siegfried Unseld (1924 - 2002) gab dieses im Oktober 1989 in Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, jetzt mit Sitz in Berlin, heraus, brachte diese Handschrift mit einer Transkription und Anmerkungen von Günter Berg und Wolfgang Jeske (1951 - 2012) heraus, 2 Bd. im Schuber, Fester Einband, 116 Seiten, Auflage 1200 Expl., Einband von G. Lachmaier, Reutlingen.
»Ein Tagebuch des Fünfzehnjährigen, das minutiös Aufschluss gibt über mehr als ein halbes Jahr seines Lebens, vom 15. Mai bis zum 25. Dezember 1913, Aufschluss über Schreiben, Tun, Denken, und das gleichzeitig ein faszinierendes Dokument des Fünfzehnjährigen ist, Schriftsteller, Dichter werden zu wollen, werden zu müssen: »Ich muss immer dichten«
(Siegfried Unseld, Einführung)

Montag, 1. Juni 2026

Deutschland, Deutschland über alles

Das Bibliophile des Monats Juni, „Deutschland, Deutschland über alles: ein Bilderbuch. Von Kurt Tucholsky und vielen Fotografen. Montiert von John Heartfield.“, erschien 1929 im Neuen Deutschen Verlag in Berlin. Es zählt, als gesellschaftskritisches Werk mit rund hundert Foto-Text-Montagen, zu den bekannteren Werken Kurt Tucholskys. Im Buch werden dessen Texte u.a. mit Fotomontagen von John Heartfield, der am 19. Juni vor 135 Jahren geboren wurde, kombiniert, wobei die Texte die Abbildungen nicht einfach erläutern, sondern die Fotografien umdeuten oder kritisch kommentieren.
Neuer Deutscher Verlag, Berlin 1929 (1. - 20. Tausend, 1. Aufl.), Gr.8°, 231 S., zahlreiche Abb., OLwd. mit montierten farbigen Deckelbildern, gelber Kopfschnitt
Als Präambel ist dem Buch Zitat von Friedrich Hölderlin vorangestellt: „So kam ich unter die Deutschen. Ich forderte nicht viel und war gefasst, noch weniger zu finden. Demütig kam ich, wie der heimatlose blinde Oedipus zum Tore von Athen, wo ihn der Götterhain empfing; und schöne Seelen ihm begegneten – Wie anders ging es mir!“
(Friedrich Hölderlin: Hyperion, Kapitel 67: Hyperion an Bellarmin)

Die Themen, die Tucholsky in seinem Buch anspricht, beziehen sich vor allem auf die damalige politische und gesellschaftliche Situation Deutschlands. Der Weltkrieg war 1918 zu Ende gegangen, die Revolution von 1918/19 war gescheitert, die Inflation war erst gerade abgeflaut. Die finanziellen und psychologischen Auswirkungen dieser Ereignisse prägten die deutsche Gesellschaft, die Demokratie steckte noch in den Kinderschuhen. Die Gesellschaft war geteilt durch starke soziale Gegensätze und Militarismus, wie auch ein überbordender Nationalismus waren immer noch an der Tagesordnung.
Obwohl sogar der Börsenverein der Deutschen Buchhändler versuchte, ein Boykott des Buches durchzusetzen und Anzeigenwerbung für den Titel ablehnte, worauf er sicher nicht stolz sein kann, und das Buch in der Weimarer Republik zu den umstrittensten Publikationen zählte, wurde es in den ersten zehn Tagen über 12.000-mal verkauft - bis heute wurde das inzwischen weltweit in vielen Sprachen erschienene Buch allein in Deutschland in mehr als 100.000 Exemplare gedruckt, so bereits 1929 als Lizenzausgabe parallel als Universum-Bücherei, bei Rowohlt ab 1964 und später als Taschenbuch, sowie in großen Auflagen in Verlag Volk und Welt in der DDR.

Freitag, 1. Mai 2026

Berliner Schriftsteller erzählen

Bibliophiles des Monats ist im Mai ein Zeitdokument - die von vielen Autoren der DDR signierte Anthologie „Berliner Schriftsteller erzählen“.
Er erschien 1976 im Aufbau-Verlag, herausgegeben im Auftrag des Vorstandes des Bezirksverbandes Berlin des Schriftstellerverbandes der DDR und wurde den Delegierten der XI. Bezirksdelegiertenkonferenz Berlin der SED von Günter Görlich, Vors. des Bezirksverbandes, „mit einem herzlichen Dank für gute Leistungen bei der Verwirklichung der Beschlüsse des VIII. Parteitages der SED und bei der Entwicklung neuer Initiativen  zu Ehren des IX. Parteitages der SED“ übergeben.
Das Vorwort von Werner Neubert ist datiert „Berlin, 3, Januar 1976, am Tag des 100. Geburtstages von Wilhelm Pieck“.
Arno Mohr, Junges Paar im Treptower Park, Lithografie
Der Band enthält Texte von Autoren der Hautstadt der DDR, wie Ludwig Renn, Anna Seghers, Erwin Strittmatter, Stephan Hermlin, Karl-Heinz Jakobs und Volker Braun, von Erwin Strittmatter, Jo Schulz und Dieter Noll als Vorabveröffentlichung aus unvollendeten Romanen.
Anlässlich eines Leseabends im gerade eingeweihten Palst der Republik versahen zahlreiche Schriftsteller, darunter Uwe Berger, Wieland Herzfelde, Jan Koplowitz, Harald Hauser, Ruth Kraft, Helmut Baierl, Heinz Knobloch, Hermann Kant, Eberhard Panitz, Fritz Rudolf Fries, Sarah Kirsch, Uwe Kant, Walter Kaufmann, Günter Görlich, Gerhard Holtz-Baumert, Horst Bastian, Wolfgang Kohlhaase, Benito Wogatzki, Alexander Abusch, Helmut Hauptmann, Heinz Kahlau und Gabriele Eckart ihre Beiträge mit einer Signatur.
Illustriert wurde der Band von den Berliner Künstlern Kurt Zimmermann, Herbert Sandberg, Fritz Duda, Ronald Paris (farbig), Peter Edel, Theo Balden, Peter Hoppe, Heinrich Teßmer, Arno Mohr und Helmut Diehl.
Ronald Paris, Spanien 75, Aquarellzeichnung
Der Band mit 278 Seiten im Format 8° (20,5 x 14,5 cm), der auch im Buchhandel zum Preis von 6 Mark verkauft wurde, ist mit Farbkopfschnitt in rotes Kunstleder eingebunden, die Einbandgestaltung übernahm Heinz Helmis.
Herbert Sandberg, Aus dem Kommunistischen Manifest, Linolschnitt

Mittwoch, 1. April 2026

E.T.A. Hoffmann im Verlag „Serapion vom See“

Im Jahr des 250. Geburtstages von E.T.A. Hoffmann am 24. Januar soll mit dem Bibliophilen des Monats an den Verlag „Serapion vom See“ von Michael Duske erinnert werden, der in Berlin ausschließlich Titel von E.T.A. Hoffmann verlegte - Künstlerbücher und Mappenwerke, u.a. von Michael Knobel, Anke Dziewulski, Stephan Klenner-Otto oder Horst Hussel, auch einen Faksimile-Druck nach einem Skizzenbuch von Fritz Fischer. Der zwischen 1995 und 2010 aktive Verlag ist inzwischen erloschen, der Verlagsinhaber, das ehemalige Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft und des Berliner Bibliophilen Abend, lebt in einem Berliner Pflegeheim.

Michael Duske stellte, gerade eben, weil Hoffmann bereits oft illustriert wurde, an die Editionen seines Verlags hohe Ansprüche und verwendete möglichst klassische Originalgrafik wie Radierung, es sind somit jeweils seltene Originalkunstwerke in Buchform.
Als Bibliophiles des Monats, gleichzeitig die Empfehlung für den Bibliophilen des Hamburger Bothen, wird hiermit Band II der „Berlinische Geschichten“ vorgestellt, eine Graphikmappe, die E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Die Brautwahl“, illustriert von Steffen Faust enthält; Band I dieser Reihe war „Aus dem Leben eines bekannten Mannes“, illustriert und gestaltet von Xago.

Die 2001 erschienen Mappe „Die Brautwahl“ enthält neun Farbradierungen von Steffen Faust, alle vom Künstler betitelt, nummeriert und signiert. Die Titelgrafik wurde handkoloriert. Ein zehnseitiges Beiheft erläutert die Graphiken im Format 20 x 15cm, Blattgröße 28 x22cm, in einer handgearbeiteten Flügelmappe mit Fenster für das Aquarell. Diese Grafiksuite erschien in einer Auflage von 30 Exemplaren und 10 Künstlerexemplaren. Acht Exemplare enthalten zusätzlich einen Farbentwurf zu einer Einzelradierung.

Donnerstag, 5. März 2026

Luttertaler Illustrierter Sonderdruck № 10

Ein kürzlich in meine dankenden Hände gelangtes kleines sechszehnseitige fadengeheftetes Heftchen mit einer kleinen Widmung ist es wert, hier als Bibliophiles außer der Reihe vorgestellt zu werden, der Luttertaler Illustrierter Sonderdruck № 10 mit dem Titel „Regeln für Umzüge. Aus gegebenem Anlass zusammengestellt von einem Schwieso“, erschienen 2003 in Bargfeld, Im Luttertal 113B in einer Auflage von 5 Exemplaren.
Das Heft (© Ulrich Goerdten) wurde, wie auf der letzten Seite vermerkt, „Geschrieben mit einem von Hans geschenkten Stift, auf Papier, das von Paul gerade mal nicht benötigt wurde, zur Stunde, da Susanne mit beiden an der frischen Luft war, an Pauls Eßplatz am großen Familientisch, mit Ideen, die vom Anblick eines behandschuhten Eiskratzers beflügelt wurden, über Themen von hoher Aktualität, weniger für uns, mehr für eine Nahestehende, von einem allzeit dankerfüllten, verehrungsvollen, hilfreiche Handreichungen ersinnenden Schwieso.“
einen kleinen Einblick in die „Regeln für Umzüge“ erhält man durch Klick auf die Abbn.

Sonntag, 1. März 2026

Heinrich Heine. Erinnerungen

Bibliophiles des Monats ist eine Erinnerung an Heinrich Heine, dem vor 170 Jahren, am 17. Februar in Paris verstorbenen deutschen Dichter, Schriftsteller und Publizisten, der als letzter Vertreter und Überwinder der Romantik gilt.
Der Reprint des Zentralantiquariats der DDR „Heinrich Heine, Erinnerungen von Alfred Meißner“. in Zweiten Auflage 1856 bei Hoffmann u. Campe, Hamburg erschienen, wurde mit einem Nachwort von Bruno Kaiser den Mitgliedern der Pirckheimer-Gesellschaft als Jahresgabe 1972 zu Ehren des 175. Geburtstages von Heine und des 150. Geburtstages von Alfred Meißner überreicht.

Es ist damit die erste Gabe dieser Gesellschaft, die ich als neues Mitglied, 1973 dort eingetreten, zur Begrüßung erhielt. Und das ist auch der Grund, dieses Büchlein hier als mein ganz persönliches "Bibliophiles des Monats" vorzustellen, den heutzutage ist es problemlos und für kleines Geld, sogar als Erstausgabe oder in Ausgaben des frühen 20. Jahrhunderts, zu erstehen.

Dienstag, 10. Februar 2026

Bert Brecht, * 10. Februar 1898

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!

„Brecht bibliophil“ aufrufen durch Klick auf die Abb.
Zu seinem heutigen Geburtstag sei hiermit an Einiges zu Bertolt Brecht in der Rubrik „Bibliophiles des Monats“ erinnert.

Montag, 2. Februar 2026

Bibliophiles des Monats: Mary W Shelleys Frankenstein

Am 1. Februar vor 175 Jahren verstarb Mary W. Shelley, die Autorin von „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“, Tochter des Begründers desphilosophischen Anarchismus William Godwin und der Verfasserin der grundlegenden Arbeit „Verteidigung der Rechte der Frau“, Mary Wollstonecraft.

Dieser Roman, 1818 erschienen, ist seitdem nicht nur fester Bestandteil in internationalen Verlagsprogrammen, sondern beeinflusste immer wieder das Schaffen von Künstlern, insbesondere natürlich Illustratoren, sowie auch Autoren und ist seit Veröffentlichung auch im Theater, bei Komponisten oder der Filmindustrie präsent.

Vor sieben Jahren, anlässlich des 200.Jahrestag der Erstveröffentlichung, erschien in der Büchergilde Gutenberg ein modern gestalteter illustrierter Druck, der hier stellvertretend für die bislang zehnmal allein ins Deutsche übersetzten Ausgaben als Bibliophiles des Monats vorgestellt wird. Der Titel wurde von Karl Bruno Leder und Gerd Leetz übersetzt, ihren bibliophilen, von Cosima Schneider gestalteten Charakter verdankt diese Ausgabe jedoch dem Illustrator Martin Stark. 
Der Illustrator wurde 1973 in Offenbach am Main geboren, wo er visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung studierte. Neben Buchgestaltung zeichnet er für Zeitschriften, so für das Wrap Magazine, London, oder das Onlinemagazin Paternoster und zeichnet Comics für die Kulturfabrik Mainz.

Der Titel, der mit der Goldmedaille (Book& Editorial Illustration) des European Design Award ausgezeichnet wurde, ist in Leinen in 8° (158 x 220mm) mit Gold- und Blindprägung gebunden, gesetzt aus der Bodoni und gedruckt auf Werkdruckpapier Fly (natur) und hellblauem Papier Popset (eisblau), hat eine farbige Fadenheftung und Lesebändchen und enthält auf 388 Seiten neben 55 Illustrationen zum Text des „Frankenstein“ eine Nachbemerkung des Illustrators.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Bibliophiles des Monats - Philosophisch Ehzuchtbüchlin

Bibliophiles des Monats und gleichzeitig Buch des Monats der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft ist im Januar Johann Fischarts «Philosophisch Ehzuchtbüchlin», in dem er verschiedene Autoren zum Thema übersetzt und sie mit weiteren Texten kumuliert hat.
Es erschien illustriert mit 71 Holzschnitten von Tobias Stimmer (1539–1584) 1578 bei Fischarts Schwager Bernhard Jobin (†1593) in Straßburg (Duodezformat, 18 Lagen à 16 Seiten, unpaginiert). Neuauflagen: erweitert 1591; 1597; 1607; 1614.
Johann Fischart (* ca. 1547; † 1591) hat ein umfangreiches, sprachgewaltiges, buntscheckiges literarisches Werk verfasst. Immer wieder greift er ältere Texte auf, übersetzt, überarbeitet und erweitert sie mit eigenen Worten und Gedanken. So setzt er «Dyl Ulenspiegel» um in eine versifizierte Fassung «Eulenspiegel Reimensweiß» (1572). Einen Text von Mathias Holtzwart gestaltet er aus zur «Flöh Hatz / Weiber Tratz» (1573) und erweitert das Büchlein vier Jahre später um das Doppelte. Fischart hat den «Gargantua» von Rabelais übersetzt und erweitert, auch seine eigene Fassung zwei Mal amplifizierend überarbeitet: «Geschichtklitterung» 1575 / 1582 / 1590.

(Paul Michel, Zürich)

Montag, 15. Dezember 2025

4. Brandenburger Bilderbogen

Bibliophiles außer der Reihe ist ein ganz aktueller Druck - die Jahresgabe 2025 des Berliner Bibliophilen Abend - ein separat gedrucktes Blatt eines BRANDENBURGER BILDERBOGENs.

Dieser, in der Galerie Sonnensegel e.V. gedruckte Bilderbogen, traditionell im Format 50 x 70 cm, vereint wieder von 16 Künstlern geschaffene originalgrafischen Postkartenmotive, diesmal zum Thema "Chapeau", welche am 15. März 2025, dem Tag der Druckkunst zum „Vierten BRANDENBURGER BILDERBOGEN 2025“ vereint wurden.
Die einzelnen Motive, die auf der Rückseite den Namen des Künstlers tragen, können auch ausgeschnitten und als Postkarten verwendet werden.
Bei den zweifarbigen Linolschnitten handelt es sich um Arbeiten von (zeilenweise von lks. oben nach rechts unten):

 
Hagen Bäcker - 14,
Frank Eißner - 4,
Matthias Frohl - 12,
Irmela Gertsen - 13,
Moritz Götze - 9,
H. Hoffmann - 15,
Ikosidio - 3,
Nancy Jahns - 6,
Phillip Janta - 11,
Erwin Leber - 2,
Sven Märkisch - 10,
Steffi Möbius - 1,
Janine Wentorf - 5,
Moïra Swan - 7,
G. Westermann - 8,
Jana Wilsky - 16.

Die 30 Exemplare des Bilderbogens für den BBA wurden als separate Auflage mit einem entsprechenden Vermerk gedruckt und nummeriert, davon jeweils 15 Exemplare in einem eigenen Farbton.
Der Brandenburger Bilderbogen, dessen 4. Edition gleichzeitig Jahresgabe 2025 des BBA ist, führt seit 2021 die alte Tradition weiter, mittels manueller Druckverfahren aktuelle oder allgemein interessierende Themen in der Öffentlichkeit zu behandeln und zu verbreiten.
Vorgabe für die dazu zum vierten mal von der Galerie Sonnensegel eingeladenen Künstler ist ein Thema, die Technik (zweifarbiger Linolschnitt), das Format (Postkarte) und die jährlich wechselnde Druckfarbe. Beim Ersten Brandenburger Bilderbogen war dies das Thema "KARAMBOLAGE", beim Zweiten Brandenburger Bilderbogen das Thema "RENDEZVOUS" und beim Dritten Brandenburger Bilderbogen das Thema "SOMNAMBUL".

Bislang waren neben den oben genannten folgende Künstlern an den Brandenburger Bilderbogen beteiligt:
Jan Beumelburg
, Dietmar Block, Marina Block, Jeannette Goldmann, Frieder Heinze, Sabine Herrmann, Tobias Jacob, Constanze Kreiser, Ruth Loibl, Paul Pribbernow, Christian Radeke, Martina Stein, Gertrud Zucker, Anne Deuter, Inka Grebner, Lydia Lander, Urte von Maltzahn-Lietz, Martina Stein, Anya Triestram, Annegret Frauenlob, Angela Hampel, Ulrike Jänichen, Katja Labedzki, Rita Lass, Lars Peterson, Thomas Rabisch, Anke Tippelt, Hanneke van der Hoeven, Katja Zwirnmann.

Montag, 1. Dezember 2025

Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper

Vor 2 ½ Monaten erschien bei Suhrkamp ein Titel, der jetzt als Bibliophiles des Monats vorgestellt werden soll.
Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper
(The Beggar`s Opera. Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern nach dem Englischen des John Gay . Übersetzt von Elisabeth Hauptmann, Deutsche Bearbeitung von Bert Brecht)
Die Dreigroschenoper wurde von der in Berlin lebenden, 1979 geborenen Katja Spitzer kongenial und modern illustriert. Katja Spitzer hat Kunstgeschichte und Geschichte in Halle und Illustration an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und der Hochschule Luzern studiert. Sie arbeitet für verschiedene Magazine wie Brigitte, Mare und Geolino sowie zahlreiche Verlage in Deutschland und Großbritannien. 
Abbn. © Suhrkamp
Das von Paulina Pysz gestaltete Buch im Pappband hat 169 Seiten und wurde bei Beltz Grafische Betriebe Bad Langensalza gedruckt.

Dienstag, 11. November 2025

CHESS ... and Illustration

Eine Ausstellung der World Chess Hall of Fame & Galleries zeigt seltene Bücher, Kunstwerke und Artefakte zu Romanen, Gedichten, Autoren und Dichtern vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, darunter die Holzschnitte der deutschen Künstlerin Elke Rehder, die Szenen aus Stefan Zweigs Schachnovelle darstellen.
Abb, aus den Ausstellungskatalog derWorld Chess Hall of Fame
oben: Wedgewood Schachfiguren, 2004 | unten: Elke Rehder, Schachnovelle, 1996 - 2014
Holzschnitte zum Schach von Elke Rehder, welche z.B. auch die Graphik zum Jahrestreffen 2021 der Pirckheimer schuf, lagen für Mitglieder u.a. den Marginalien 156 und 231 bei und auch unter den Titeln, die zum Bibliophilen des Monats gekürt wurden, stammen einige aus der Rehder Presse.

Ausstellung: 18. September 2025 - 12. April 2026

World Chess Hall of Fame & Galleries
4652 Maryland Ave, St. Louis, MO 63108

Samstag, 1. November 2025

Vom Mehrwert des Einhorns

Seit 2008 widmen sich die Bücherkinder Brandenburg unter Betreuung durch ihren „Büchervater“ Armin Schubert jährlich einem Buchprojekt, wobei sie zu einem gemeinsamen Thema forschen, eigene Gedanken und Geschichten schreiben und Graphiken schaffen, unterstützt durch Künstler.
S. 44: Beschwerde der Fische, Mattis, 10 Jahre / S. 45: Petrus Akkordeon, Einhorn als Pegasus
So entstand seit 2016 z.B. ein Buch zum 100. Geburtstag des Buchgestalters und Illustrators Werner Klemke, „Du liebe Hühnerkastanie. Auf den Spuren von Jurek Beckers Postkarten-Poesie“, „Arno Mohr von hinten oder Nichts geht verloren“, „Metzkes & Metzkes / Ein Pferd für den König und den Prinzen“, zu Ehren von Franz Fühmanns „Egbert Herfurt. Bücher fallen nicht vom Himmel“, „Die Farben der Kindheit“, das Friedensbuch “Pax questuosa”, „Vom Aufstehen mit Eva, mit Abel, mit Noah und mir“ und in diesem Jahr „Vom Mehrwert des Einhorns“.
Dieses Buch ist Bibliophiles des Momats. Den Titel des in bewährter Weise von Henry Günther (BuchKunstBalance) gestalteten und gebundenen, in 65 Exemplaren erschienen Titels ziert eine Graphik von Angela Hampel, die auch als signierter Gicleédruck, gedruckt von Klaus Raasch, in das Buch eingebunden ist, auf dem Rücktitel eine Zeichnung von Pètrus Akkordéon. Auf den 72 Seiten finden sich u.a. weitere Illustrationen als Radierungen von den Bücherkindern Brandenburg, die unter Leitung von Dietmar Block und Armin Schubert in der AG Grafik/Buchillustration, entstanden., Satz und Layout übernahm Sven Märkisch vom Gutenberg-Druckladen Brandenburg.
erstes und letztes Bild: Pètrus Akkordéon, mittig: Bücherkinder

Sonntag, 26. Oktober 2025

a lamp and a number

Bibliophiles des Monats ist das Künstlerbuch „a lamp and a number“, mit dem sich der Offenbacher Künstler Ulrich Zwick an einem internationalen Künstlerwettbewerb unter dem Leitgedanken beteiligte, Menschen sollten nicht wie vor einer nordkoreanischen Führer-Statue ehrfürchtig erstarren oder sich von der monumentalen Größe einer Skulptur erschlagen fühlen, sondern sich mit einem großen Gedanken anfreunden, ihn für sich überprüfen und auch weiterdenken und ganz ohne Ehrfurcht und frei das Büchlein auch in der Hosentasche mit sich führen können.

Das kleine weiße Faltbuch enthält zwei Sätze, die sich ab wechselnd durch das Buch mit 4 unterschiedlichen Faltungen = 8 Seiten ziehen:
„a lamp shining in a dark place until the day dawn and the day-star arise in your heart“ |
„and that no man should be abele to buy or or to sell save he that hath the marks, even the name of the beast or the number of his name“ ¹)

Beide Sätze sind aus einer sehr alten Bibel, das Englisch ist also auch kein heute gebräuchliches.
Der erste Satz ist positiv, der andere negativ. Beide Sätze gehen in ihren Teilen sich abwechselnd durchs ganze Buch, dessen Größe in geschlossenem Zustand höchstens 5 x 5 x 1 Zoll und dessen Gewicht 1lb betragen durfte. Allerdings waren Faltungen erlaubt, die über dieses Maß hinausgingen und auch eine dreidimensionale Form haben durften. 
Bei diesem Kunstwettbewerb mussten alle erfolgreichen 140 Teilnehmer aus aller Welt eine Auflage herstellen, da die Bücher weltweit ausgestellt werden sollten und es auch gleichzeitig stattfindende Ausstellungen gab. Ausgestellt wurde auf allen Kontinenten, soweit ich das recherchieren konnte außer in Afrika in dieser von Prof. Hui-Chu Ying von der Mary Schiller Myers School of Art, The University of Akron, Ohio kuratierten Ausstellungsserie.
____________________
¹ (a lamp) Ein Licht scheint an einem dunklen Ort bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht.
(a number) … dass niemand kaufen oder verkaufen kann, es sei denn er hat das Zeichen des Tieres, seinen Namen oder seine Zahl 

Sonntag, 12. Oktober 2025

Künstlerportraits von Bertolt Brecht

In Ergänzung des Beitrages im Hamburger Bothen „Mitteilungen aus dem Sammlerleben“ werden drei Porträts von Bertolt Brecht aus der Sammlung von Abel Doering als „Bibliophiles außer der Reihe“ vorgestellt, die jeweils in einem Abstand einer Generation, davon in einem Fall von einem Künstler, der den Dichte zu Lebzeiten befreundet war, entstanden.
Horst Janssen – Bertolt Brecht
Gustav Seitz – Portraitstudie Bert Brecht
Bodo W. Klös – Berthold Brecht
Die Liste der Brecht-Portraits von Künstlern ist lang, einige, wie Herbert Sandberg, der sein Schaffen am Berliner Ensemble begleitet, der mit ihm befreundet Arno Mohr, oder Bernhard Heisig kannten Brecht noch persönlich, andere wie Hans Ticha, oder der in den Informationen eines Pirckheimers früher schon vorgestellte Hanfried Wendland oder Steffen Büchner mussten auf überlieferte Abbildungen zurückgreifen.
Das wird zum Teil auch in den ausgewählten Drucken deutlich – Künstler, die persönlich Brecht kennenlernen durften, legen den Fokus mehr auf seine Wesensart, diejenigen, die ihn lediglich aus seinen Werken kennen, setzen seine Person eher in Beziehung zu seinem Schaffen.

Nähere Angaben zu den vorgestellten Arbeiten können im Blog „Bibliophiles des Monats“ nachgelesen werden.

1 Kommentar:
15. Oktober 2025: Bücherfreundin hat gesagt…
Eine schöne Ergänzung zu deinem Artikel im Hamburger Bothen. Danke!

Mittwoch, 1. Oktober 2025

BDK | Jean Paul

Bibliophiles des Monat Oktober 2025 ist die von Wolfgang Hecht 1968 bearbeitete zweibändige Werkauswahl von Jean Paul, die insgesamt 6 Auflagen erlebte.

Naheliegender Anlass für diese Wahl ist der 200ste Todestag des Dichters am 14. November, jedoch hat es auch die „Bibliothek Deutscher Klassiker“, jene Reihe, in der die Werkauswahl erschien, verdient, für den bibliophilen Sammler empfohlen zu werden. Es handelt sich bei dieser, zumal in hohen Auflagen erschienenen Reihe zwar nicht im klassischen Sinne um eine bibliophile Kostbarkeit, die Gestaltung und Ausstattung, sowie das Interesse, das sie bei Sammlern hervorrief, erlaubt es dennoch nicht, sie in dieser Rubrik unbeachtet zu lassen.
Die leinengebundene Klassikerreihe mit dem goldgeprägten BDK und Lorbeerkranz, farblich teilweise nach Literaturepochen gestaltet, war anfangs als gesamtdeutsche Edition gedacht. Sie erschien zwischen 1956 und 1992, bis 1964 im Volksverlag Weimar, danach im Aufbau-Verlag, und wurde insgesamt in mehr als sieben Millionen Bände in beiden deutschen Staaten verkauft. 1991 konnte der Pirckheimer, Germanist und zeitweilige Herausgeber der Reihe, Hans Mayer, schreiben: „Die Bibliothek der Deutschen Klassiker, die in Weimar herausgegeben wurde, ist sensationell gewesen … In allen germanistischen Seminaren der Bundesrepublik hat man sich der Weimarer Ausgaben bedient. …“. Neben ihm waren als Herausgeber tätig: Reinhard Buchwald (Heidelberg), Louis Fürnberg (Weimar), Helmut Holtzhauer (Weimar), Leopold Magon (Berlin), Joachim Müller (Jena), Wilhelm Rücker (Weimar), Heinz Stolpe (Weimar) und Hedwig Voegt (Leipzig). Insgesamt erschienen in 165 Bänden 74 meist mehrbändige Werkausgaben von Texten, die zwischen 1488 und 1916 erschienen sind, davon 7 Briefausgaben, von 62 Autoren und Autorinnen, darunter 7 aus Österreich und 5 aus der Schweiz.
Bereits die erste Werkausgabe Jean Pauls (Reimer, Berlin 1826–1838) umfasste 65 Bände, die Herausgabe einer Historisch-kritischen Ausgabe von Helmut Pfotenhauer und Barbara Hunfeld erfolgt seit 2008 im Max Niemeyer Verlag.
Die von Wolfgang Hecht eingeleitet Ausgabe auf rund 750 Seiten kann und sollte also nur ein Blick in die bekanntesten Werke Jean Pauls sein. Sie enthält in Band 1 die Texte: Selberlebensbeschreibung, Des Rektors Florian Fälbels und seiner Primaner Reise nach dem Fichtelberg, Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz in Auenthal, Leben des Quintus Fixlein, aus fünfzehn Zettelkästen gezogen, Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht und in Band 2: Des Feldpredigers Schmelzle, Reise nach Flätz, Dr. Katzenbergers Badereise, Mein Aufenthalt in der Nepomukskirche während der Belagerung der Reichsfestung Ziebingen, Die Doppelheerschau in Großlausau und in Käuzen samt Feldzügen. Eine Groteske, Friedenspredigt an Deutschland, Kriegserklärung gegen den Krieg.

Donnerstag, 11. September 2025

Gedenken an den 11. September

HAP Grieshaber, Epitaph für Allende: "Denn du wirst Grab der Freien sein oder Asyl vor Knechtschaft", Holzschnitt in Silber und Schwarz auf Japanpapier, Auflage 500 Expl. 56,5 x 38,5 cm (Blattgröße 66 x 51,5 cm)
1973 konnte die Pirckheimer-Gesellschaft das Epitaph für Allendes als Jahresgabe ausreichen, im Juli 2023 wurde es als Bibliophiles des Monats vorgestellt.

Sonntag, 7. September 2025

13 Typo-Sünden

„13 Typo-Sünden. Die richtigen Begriffe für falsche Typografie. Vorgeschlagen von Hans Peter Willberg“
Dieses kleine, 20 gr. leichte und nur 16 Seiten starke, klebegbundenes Heftchen im Format 16°, im Verlag Hermann Schmidt in Mainz 2003 erschienen, wird hiermit als Bibliophiles des Monats außer der Reihe vorgestellt.
Das Büchlein erschien als Privatdruck für die Freunde von Hans Peter Willberg und kam kürzlich als freundliche Schenkung in meine Bibliothek.

Der Autor und Buchgestalter Hans Peter Willberg (1930 - 2003), studierte von 1949 – 1957 Gebrauchsgrafik in Nürnberg, sowie Schrift, Typografie, Illustration und freie Grafik in Stuttgart, arbeitete danach als freier Buchgestalter und war von 1968 – 1996 Professor für Buchgestaltung an der Fachhochschule Mainz.
Das Büchlein mit den 13 beschriebenen Typo-Sünden in einer nummerierten Auflage von 1000 Exemplaren (hier #706) ist mit 13 Vignetten von Christof Tisch illustriert, den Satz aus Enigma und Balance, sowie die Gestaltung übernahmen Christine Fent und Gilmar Wendt. Als Papier für Vor- und Nachsatz kam Surbalin, Moiré, 115 f/m² zum Einsatz, gedruckt wurde auf Plano Pak Dünndruck, holzfrei weiß, 50 g/m² und das Heftchen wurde gebunden in Lederfasermaterial Cabra.