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Donnerstag, 27. November 2025

Núria Quevedo (18.03.1938 - 22.11.2025)

Eine große Künstlerin ist gegangen.
Núria Quevedo 2022 unter einem Ginkgo bei der Vernissage einer Ausstellung
mit Illustrationen zu Kinder- und Jugendbüchern Franz Fühmanns, Foto © ad

Sonntag, 1. Juni 2025

Lesung der Bücherkinder Brandenburg

Einige Fotoimpressionen von der Lesung der Bücherkinder Brandenburg auf der ersten Off.Lit in Brandenburg an der Havel am Samstag, dem 31. Mai 2025 können durch Klick auf die Abb. oder unter bücherkinder-brandenburg.de/category/galerie/ aufgerufen werden.
Unser Programm begann nach zwei wertschätzenden Auszügen aus Briefen von Jean Radvanyi aus Paris und von Marion Tauschwitz vom PEN-Zentrum Deutschland mit unserem Video zu “Ensikat unter der Lupe” und Lesung aus den Büchern “Die Farben der Kindheit”, u.a. zur Kindheit von Christa Wolf in Landsberg, die Geschichte zu Dr. Leitner und zur Flucht mit dem LKW der Fa. Otto Bohnsack.
Danach kamen zwei Texte aus dem Buch “Pax questuosa- ein Friedensbuch” zu einem Gemälde von Nuria Quevedo und zu Anna Seghers “Das Obdach” und zu Georg Heislers Flucht in den Mainzer Dom.
Das dritte Buch aus der Lesung war dann “Vom Aufstehen mit Eva, mit Abel, mit Noah und mir”. Da ging es uns besonders um die emanzipatorische Idee von Dorotee Sölle, um Gedichte von Hilde Domin und zu Bildern von Edward Munch. Hier wählten wir unser Lese-Motto von Christa Wolf: “Merkwürdigerweise müssen wir nicht glauben, was wir wissen.” Dazu gab es von Helge Leiberg die Grafik mit Eva in der Arche.
Am Schluss sag eine Gruppe der Evangelischen Grundschule das Lied von Friedrich Schorlemmer “Und sag es weiter”. An der Geige ein Neffe von Friedrich. Dieses Lied haben die Kinder auch mit eigenen Texten erweitert.
Wir haben noch erwähnt, woran wir gerade arbeiten und dass uns weitere Finanzen fehlen. (Einhorn-Buch 2025 )

(Armin Schubert)

Montag, 17. März 2025

Hello Again in der Galerie Sonnensegel

Die Idee einer Kinder- und Jugend-Kunstgalerie in Brandenburg an der Havel hat von der ersten Stunde an von Künstlerinnen und Künstlern aus Ost und auch West Unterstützung erhalten.
Diese fanden das Konzept der Verbindung von Kunstrezeption und -produktion in einer entstehenden Kunstschule so interessant sowie überzeugend, dass sie aufgeschlossen auf die Bitten der Galerie-Gründer um Unterstützung reagierten. Zahlreiche Kunstspenden trafen in Brandenburg an der Havel ein. So konnte die Galerie in den letzten Jahrzehnten ein ansehnliches Deputat an Bildnerischem sammeln.
In einer Ausstellung werden derzeit einige dieser Kunstwerke, zumeist Druckgraphik in der noch bis zum 1. Juni laufenden Ausstellung „Hello Again“ gezeigt und damit  nicht nur die breite Unterstützung durch Kunstschaffende gezeigt, sondern auch ein Überblick über das anspruchsvolle Spektrum des Kunstbetriebes der letzten Jahrzehnte, insbesondere der DDR, offeriert.
Die erste Graphik, die man beim Betreten der Galerieräume zu Gesicht bekommt, eine Radierung von Reinhard Minkewitz, gab der Kinder- und Jugend-Kunstgalerie 1989 ihren Namen, „Das Sonnensegel“.
Reinhard Minkewitz, Das Sonnensegel, Radierung
Was dann folgt, ist eines Museums würdig - Graphiken von Käthe Kollwitz, Arno Mohr, HAP Grieshaber, Heidrun Hegewald oder Nuria Quewedo bis Moritz Götze, das sind nur einige der ausgestellten, in der von Matthias Frohl , dem Galerieleiter, kuratierten Ausstellung findet der Besucher an die 70 weitere Namen bedeutender Künstler aus der Sammlung.
Arno Mohr
Angela Hampel, lks.: Meine beiden Schatten. Kunterbu7nt bin ich, Algrafie, 1986
Max Uhlig, Kleines Selbstporträt, Litho, 1985
Wolfgang Mattheuer
Ellen Fuhr, Mann mit Kindern, Litho
Reinhard Minkewitz, Die ungleichen Schwestern, Radierung, 1997
Heidrun Hegewald, Das Gesicht, Ätzradierung, 1986
Moritz Götze, Fotos © as
Ausstellung: noch bis 1. Juni 2025

Kinder- und Jugend- Kunst- Galerie "Sonnensegel"
Gotthardtkirchplatz 4/5, 14770 Brandenburg

Samstag, 1. Juni 2024

Bibliophiles des Monats: „Engel der Geschichte“ von HAP Grieshaber

Mit Blick auf den Jahrestag des Deutschen Bauernkrieges - die erste „Erhebung“ fand vor 500 Jahren am 23. Juni 1524 in Wutachtal bei Stühlingen statt - ist das Bibliophiles Monat Juni (gleichzeitig bibliophile Empfehlung des Hamburger Bothen) die Nummer 22 der Heftreihe „Engel der Geschichte“, welches vor 50 Jahren aus Anlass des 450. Jahrestages des Deutschen Bauernkrieges erschien.
„Engel der Geschichte“ ist eine von HAP Grieshaber (1909 – 1991) herausgegebene Künstler-Zeitschrift mit Original-Graphiken, von der in den Jahren 1964 bis 1981 dreiundzwanzig Ausgaben erschienen. Der Titel bezieht sich direkt auf Walter Benjamins Texte, der schon 1921 plante, eine Zeitschrift mit streitbaren philosophischen und literarischen Texten unter dem Titel „Angelus Novus“ herauszugeben.

Die Werke von HAP Grieshaber, der sich u.a. auch für den Brückenschlag zwischen den beiden deutschen Staaten DDR und BRD einsetzte, gehörte schon immer auch bei Pirckheimern und anderen Bibliophilen zu den gesammelten Künstlern. 1973 konnte diese Gesellschaft das Epitaph für Allende: "Denn du wirst Grab der Freien sein oder Asyl vor Knechtschaft" als Jahresgabe ausreichen (das Blatt wurde im Juli 2023 als Bibliophiles des Monats vorgestellt) und selbst den Marginalien lag eine Grafik des Künstlers bei. Der Mentor der Bücherkinder Brandenburg Armin Schubert führte zum 90. Geburtstag von HAP Grieshaber die Reihe mit dem Projekt „Engel der Geschichte - ein Jugendengel“ fort, an dem u.a. Volker Braun, Christa Wolf, Friedrich Schorlemmer, Margot Fürst, Nuria Quevedo und viele Jugendliche mitgewirkt haben. Seitdem trägt der Gutenberg-Druckladen der Galerie Sonnensegel, in welchem die Bücherkinder Brandenburg ihre Graphiken drucken, als Logo einen von HAP Grieshaber geschaffenen Holzschnitt.

Die hier als bibliophile Empfehlung vorgestellte Publikation „Engel der Geschichte Nr. 22“ erschien 1975 in Folio (43 x 30,5 cm), gebunden im Pappband, enthält auf 19 Seiten in 10 Blättern 4 Original-Holzschnitte von HAP Grieshaber und ein doppelblattgroßes Flugblatt für Wahlhelfer "Ein Stein aus Barmherzigkeit" von Johannes Poethen, sowie Beiträge von Walter Benjamin, Charlotte Christoff, HAP Grieshaber, Margarete Hannsmann und Johannes Poethen. Das Heft erschien 1975 im Verlag Claassen in Düsseldorf, die Gesamtherstellung besorgte die Buchdruckerei Wilhelm Röck in Weinsberg.

Mittwoch, 7. Februar 2024

Pax questuosa - Ein Friedensbuch

Das 2023 von den Bücherkindern Brandenburg geschaffene Buch heißt im Untertitel "Eine Hommage an Nuria Quevedo und Anna Seghers" - dieses Buch geht jedoch gemäß dem Titel "Pax questuosa" über eine Hommage an die Künstlerin oder die Autorin hinaus.
Einband und Bindung: Henry Günther mit Graphiken von Sophia (10) , Helene (12) und Prägedruck Edition BuchKunstBalance
So haben sich die Bücherkinder auch mit Texten zum Frieden von Bertolt Brecht, sowie Heinrich Böll, der Kindergärtnerin Erika Schirmer, die das Lied "Kleine weiße Friedenstaube" nach dem Bild, welches Pablo Picasso dem Berliner Ensemble widmete, sowie Wilhelm Busch, Astrid Lindgren und Friedrich Schorlemmer auseinandergesetzt und dabei ihre Gedanken in eigenen Texten, Gedichten und talentiert in Graphiken zu Papier gebracht.
Text und colorierte Radierung von Yuna (11)
Entstanden ist in dem einjährigen Projekt unter Leitung durch Armin Schubert und Christine Becker und mit Unterstützung weiterer Künstler, Vereinigungen und Institutionen ein bibliophil bedeutsames Buch in einer nummerierten Auflage von 60 Exemplaren, welches wieder von Henry Günther gebunden wurde, eingebunden eine Originalgraphik von Egbert Herfurth. Die Graphiken der Bücherkinder in diesem Buch wurden unter Anleitung von Sven Märkisch im Druckladen der Galerie Sonnensegel gedruckt.
Während der Arbeit am Buch lernten die Kinder durch die Vermittlung von Kunst und Literatur die Welt ein wenig besser zu begreifen und etwas über Humanismus, wofür den Initiatoren des Projekts nicht genug gedankt werden kann.
Graphik: Egbert Herfurth
Mein Interesse an diesem Buch galt insbesondere dem 3. Kapitel "Die Bücherkinder lesen Texte von Bertolt Brecht" und es ist wirklich erstaunlich, mit welcher Auffassungsgabe und welchem Verständnis die Acht- bis Zwölfjährigen zum Beispiel "An die Nachgeborenen" oder die "Mutter Courage" interpretieren. Bert Brecht hätte sicher seine Freude an dem resümierenden Satz des 8jährigen Leonard zur "Mutter Courage" gehabt: "Nu steht sie da mit ihrer Wurscht, den Schuhen und dem bisschen Geld."
Gedichte von Adele und Helene (12), Malte (12) und Ernst (11)

Freitag, 12. Januar 2024

Pax questuosa - Ein Friedensbuch

Umschlaggestaltung und Bindung: Henry Günther
Die Bücherkinder Brandenburg unter der Mentorenschaft des Pirckheimers Armin Schubert haben Ende des Jahres ihr Bücherprojekt 2023 abgeschlossen.
In einer Feierstunde mit Jahresrückblick auf ein ereignisreiches-kulturvolles Jahr bekamen die Kinder am 14. Dezember ihr Buch “Pax questuosa – ein Friedensbuch” mit Texten zu Anna Seghers und Nuria Quevedo als Hommage, und mit weiteren Texten zu Böll, zu Brecht und zur Lindgren.
Von dem, auch von der Pirckheimer-Gesellschaft unterstützten Projekt, hat die die  Seghers-Gesellschaft Texte der Bücherkinder übernommen, wie Armin Schubert mitteilte.

Samstag, 16. Dezember 2023

Meetingpoint Brandenburg berichtet über die Bücherkinder

Zum Jahresende haben die Brandenburger Bücherkinder ein weiteres Buch fertiggestellt, das weit über die Grenzen der Stadt schon im Vorfeld große Bedeutung erlangte. Ein Jahr haben zehn Bücherkinder aus Brandenburg an der Havel, Klein Kreutz und Marzahne mit und an einem Buch unter dem Titel „Pax questuosa – ein Friedensbuch – Hommage an Nuria Quevedo und Anna Seghers“ gearbeitet. Am Donnerstag konnten sie nun im Kunstraum der Evangelischen Grundschule in einer weihnachtlichen Feierstunde aus den Händen ihres Mentors Armin Schubert und des Grafikers Dietmar Block ihr ganz persönliches Exemplar entgegennehmen.
[...]
Entstanden ist das Buch unter Mitarbeit und Hilfe der Berliner Literaturwissenschaftlerin Christine Becker, dem Grafiker Dietmar Block aus Brandenburg und dem Buchbinder Henry Günther aus Ribnitz-Damgarten.  (rb)

Sonntag, 11. Dezember 2016

Angebot zum Weihnachtsfest

Zum 5. Todestag von Christa Wolf ist bei Suhrkamp gerade ein Band mit Briefen erschienen. darin auch einen Briefwechsel, den Sie mit Armin Schubert, dem Projektleiter der "Bücherkinder Brandenburg" und seinen Schülern geführt hat.
"Volle Kraft voraus oder Wohin soll denn die Reise gehen" ( II) , 6 / 15
Das ist Anlass vorm Weihnachtsfest noch einmal daran zu erinnern, dass zur Unterstützung der Arbeit zu "Bücherkinder Brandenburg" die beiden aktuellen Lithografien von Angela Hampel (siehe hier) für nur 250 € pro Blatt (früher 290 €) anzubieten.
Nach dem Text von Christa Wolf „Stadt der Engel oder The Overcoat od Dr. Freund“ haben die Bücherkinder Brandenburg Schuber eine Hommage für die Schriftstellerin "Da fing ich an zu singen" mit 20 Originalen der Künstlerfreunde Wolfs und 10 von den Bücherkindern geschaffen (siehe hier). Die meisten Grafiken entstanden durch die Malerfreunde von Christa und Gerhard Wolf. Dabei sind u.a. Manfred Butzmann, Angela Hampel, Barbara Henniger, Helge Leiberg, Gerda Lepke, Ronald Paris, Nuria Quevedo u.v.a. Alle Grafiken wurden von den Künstlern signiert. Vom ehemaligen Subskriptionspreis von 300,- werden zum Fest noch einmal 50 € Rabatt gewährt, so dass dieser Titel bis für 250 € erworben werden kann.
Bestellungen bitte an Armin Schubert.

Dienstag, 13. September 2016

Nuria Quevedo


Henry Günther schließt sich der Unterstützung der Bücherkinder Brandenburg an und spendet die Kaltmadelradierung von Nuria Quevedo zu dem Buch "KANTS AFFE" von Karl Mickel, erschienen als 3. Druck der edition balance, 1992.
Blattformat: 70 x 55 cm
Bildformat: 50 x 36 cm
€ 250


1 Kommentar:

Armin Schubert hat gesagt...
Danke für die anhaltende Solidarität, die ich seit 1989 - beginnend auf dem Alexanderplatz von Berlin - erfahre. Es scheint jetzt wieder nötig zu sein. Das nächste Buch der Bücherkinder Brandenburg wird sich mit der Postkarten-Poesie von Jurek Becker befassen.
15. September 2016

Dienstag, 19. Januar 2016

Arno Mohr und seine Schüler

An Arno Mohr (Posen 1910 – 2001 Berlin) kommt man nicht vorbei, wenn man sich mit Graphik und Zeichnung in Berlin nach 1945 beschäftigt. Sein Werk steht für höchste Verknappung bei vollendeter Beherrschung der künstlerischen Mittel, es erzählt Geschichten, ohne zu fabulieren. Seine Motive fand er vor allem in alltäglichen Begebenheiten im Leben der Menschen und in seiner Wahlheimatstadt Berlin. Mohrs hintersinniger Humor, seine Menschenfreundlichkeit und der scharfe Blick fürs Detail sind bis heute beim Publikum bekannt und beliebt.
In 30jähriger Lehrtätigkeit an der Kunsthochschule Weißensee bildete er ganze Generationen nachfolgender Künstler aus und prägte so die Ostberliner Kunstszene entscheidend mit.
Arno Mohr - Einzeichnung für Wolfram Körner
Eine Ausstellung der Galerie der Berliner Graphikpresse will an diesen großen Meister erinnern, eine (Wieder-) Begegnung mit seinen bekannten und weniger bekannten graphischen Arbeiten ermöglichen. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf Mohrs Lithographien aus den späten 50er Jahren. Hinzu kommen Pastelle, Zeichnungen und Acrylmalerei, um die enorme Bandbreite seines künstlerischen Schaffens abzubilden. Im Kabinett werden Arbeiten von Schülern Arno Mohrs, unter anderem von Konrad Knebel, Christine Perthen, Volker Pfüller, Nuria Quevedo, Hans Ticha und Dieter Tucholke gezeigt.

Vernissage: 4. Februar 2016, 19 Uhr
Einführende Worte: Andreas Wessel,  Musik: Felix Korinth, Viola
Ausstellung: 4. Februar - 11. März 2016


è Galerie der Berliner Graphikpresse
Silvio-Meier-Str. 6
10247 Berlin

Montag, 23. November 2015

Hommage für Christa Wolf

In einem interessanten Projekt haben sich 22 Künstler und 10 Schüler der Kinder- und Jugend-Kunstgalerie Sonnensegel aus Brandenburg an der Havel zusammengefunden, um anläßlich des 85. Geburtstags von Christa Wolf das Künstlerbuch „Da fing ich an zu singen“ zu schaffen. Entstanden ist ein Buchkunstwerk in zwei Bänden mit Grafiken und Texten zu Liedern, die die Schriftstellerin in einer Nacht in Los Angeles gesungen hat. Die Buchgestaltung und Bindung übernahm Henry Günther Edition Balance / Atelier BuchKunst. Die Textvorgabe für das Projekt findet sich in „Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud“.
Die meisten Grafiken entstanden durch die Malerfreunde von Christa und Gerhard Wolf und wurden extra für diesen Band neu geschaffen. Dabei sind Manfred Butzmann, Jan Beumelburg, Regina Conrad, M. Enderlein, Ellen Fuhr, Dieter Goltzsche, Annette Gundermann, Henry Günther, Angela Hampel, Barbara Henniger, Martin Hoffmann, Rolf Kuhrt, Helge Leiberg, Gerda Lepke, Liz Mields-Kratochwil, Thomas K. Müller, Ronald Paris, Nuria Quevedo, Dagmar Ranft-Schinke, Christine Schlegel, Ruth Tesmar und Antje Wichtrey. Die Schirmherrschaft übernahm dankenswerte Weise Gerhard Wolf.

Von diesem Künstlerbuch sind noch zwei Exemplare erhältlich, die # 30/50 und die # 43/50.

Schuber mit zwei Bänden
Auflage 50 nummerierte Exemplare
Alle Grafiken wurden von den Künstlern signiert
Preis: 350 €


Armin Schubert – Projektleitung
14776 Brandenburg
03381 – 22 51 59

Dienstag, 13. November 2012

Ikarus im Offenen

Rolf Kuhrt - Kassandra und wir, 1982, Holzschnitt 55,2 x 82,5
 
Mit dieser »Kunst aus einem fremden, fernen Land« trifft manchen, wie eine Jüngere sagte, der Schlag. Wie wird da Kunst der DDR in der Ausstellung »Abschied von Ikarus« aufgenommen? Üblicherweise wurde sie im Kalten Krieg und seiner Fortsetzung nach 1990 als unfrei bewertet und mit solchen Entstehungsbedingungen verquickt, um sie auf »Staatskunst« zurückschneiden zu können, als hätte sich ihr Sinn mit dem Ende der DDR verschlissen. Höhepunkt, sie als nichtig und lächerlich zu diffamieren, war der Eklat mit »Aufstieg und Fall der Moderne« von 1999 in Weimar. Zum 60. Jahrestag der BRD mit der Schirmherrin Merkel ließ man die DDR-Kunst einfach weg, weil sie nicht als freie Kunst auf dem Boden des Grundgesetzes habe entstehen können; wie auch Werner Fuld unterstellte, eine in der DDR veröffentlichte Literatur, »verdient diesen Namen nicht«.
Dem steht 2012 in Weimar eine andere Richtung gegenüber. Schon 2003 präsentierte eine Retrospektive der Nationalgalerie »Kunst in der DDR« als kulturelles Erbe und führte 2006 im Schloß Oberhausen Ost- und West-Kunst zu »Deutsche Bilder« zusammen und entdeckte, wie 2009/10 in Nürnberg »Kunst und Kalter Krieg«, nationale Gemeinsamkeiten. Seit 2009 durchforsteten mit bewundernswertem Engagement Karl-Siegbert Rehberg und Paul Kaiser im Verbundprojekt »Bildatlas: Kunst in der DDR« der Technischen Universität Dresden lokale Museen und 87 öffentliche, niedergelegte Sammlungen. Die dort meist unsichtbar bleibenden Werke wollten sie aus dem Depot ins Offene holen, um sie und ihren wertenden Sinn aus der Abgeschiedenheit zu befreien. Dazu legten sie eine umfassende Dokumentation an und bereiteten Ausstellungen vor. Mit korrespondierenden Expositionen in Erfurt zur biblischen Thematik und Gera zu Atelierbildern zeigen sie mit dem Museumsdirektor Wolfgang Holler im Neuen Museum Weimar bis zum 3. Februar ein wirkliches Großereignis: 260 Arbeiten, vor allem Gemälde, wenige Plastiken und Grafiken aus allen Zeitphasen und Genres, staatsnah und -fern. Wie die Neue Zürcher Zeitung zurecht meint, habe man es nicht auf kunstrichterliche Wertungen abgesehen, sondern auf kulturhistorische und kunstsoziologische Deutung, die verfolge, wie sich die gesellschaftliche Situation der DDR in der Entwicklung der bildenden Künste spiegelt. Zur Neubewertung empfiehlt Karl-Siegbert Rehberg zu lernen, »daß es in der DDR nicht eine Einheitskunst gegeben hat, obwohl es eine einheitliche Kunstpolitik gab. Und daß nicht durch die Diktatur und die autoritären Verhältnisse die Bilder entwertet sind.« Das hätte jeder wissen können. Bereits 1977 präsentierte die Kasseler documenta, ein Hort der Freiheit der Kunst, realistische Kunst aus der DDR; und als Quelle zu einer Neubewertung gehören selbstverständlich die in der DDR erarbeiteten kunsthistorischen Sichten. Immerhin schwingt man sich mit der umfangreichen Arbeit am »Bildatlas« zur Behauptung auf: Das ist erstens Kunst und zweitens nicht Antimoderne, sondern Andere Moderne. Richtigerweise wird die Moderne plural und unter Einschluß der realistischen Strömungen definiert.
Weil das gesellschaftliche Projekt mit der Republik abgestürzt ist und wohl auch, was zu bezweifeln ist, die sozialistische Utopie, wird die Exposition mit »Abschied von Ikarus« überschrieben, ein Rahmenthema, das allerdings vielfältige Themen von Aufmunterung zum Übermut bis Niedersturz umfaßt. Das prägt den Auftakt mit der Konfrontation von Bernhard Kretzschmars zukunfts-weisender »Eisenhüttenstadt (Stalinstadt)«, 1955, und Wolfgang Mattheuers »Freundlicher Besuch im Braunkohlenwerk«, 1974, das nicht nur Landschaftszerstörung, sondern auch sozialen Dissens zeigt. Bergleute, profanierte Brüder des Sisyphos, beim landschaftsfressenden Steinwälzen, werden von maskenlachenden, schattenlosen Prüfern kontrolliert.

Die Masken herunterzureißen, die Wahrheit und Veränderungsbedürftigkeit der Realität zu sehen, fordern solche Bilder; in ihnen wird wie bei den Stürzenden von Fritz Cremer, Wieland Förster und Waldemar Grzimek ein tragischer Widerspruch von Utopie und Realität ausgetragen, Sinnbilder der entfremdeten Arbeit mit neuer globaler und gegenwärtiger Dimension.
Verwundert begegnen manche Bildern einer volksnahen Welt Arbeiter und Brigaden, der Maurerlehrling von Otto Nagel, die Mamais von Walter Dötsch und Willi Neuberts Parteidiskussion bis zu Volker Stelzmann mit seinem Schweißer oder die Brigaden von Lothar Zitzmann, Werner Tübke, Wolfgang Peuker, Nobert Wagenbrett und das badende Kollektiv von Wilfried Falkenthal. Jüngere wissen nicht, wie der Meister Falk damals die Leute vor die Fernseher zog, weil ihnen der Erfolg der gemeinschaftlichen Anstrengung wichtig war. Ein humanes Menschenbild mit Sinnlichkeit, gepriesen von Liebespaaren Willi Sittes oder Nuria Quevedos, und mit wissenschaftlichen Rationalismus und technokratischer Idealität illusorisch gesteigert vom spanischen Immigranten Josep Renau. Oft wurde die ostdeutsche Kunst kritisiert, weil sie mit dem Staat DDR identifiziert werden kann. Nunmehr heißt ein neuer Weg, die DDR zu delegitimieren: Jetzt machen wir die Kunst der DDR zu unserem Verbündeten und loben sie als engagierten Gegner der DDR, Kunst versus Staat. Gezeigt, gedeutet, vermutet Rehberg irrtümlich im Katalog beim Bildmotiv einer Tricolore, diese sei bundesrepublikanisch, obwohl sie, auf die französische Revolution bezogen, davon sprach, zur Revolution zu eilen und nicht zur Einheit. Natürlich bediente sich die Kritik im Lande nicht zuletzt der Kunst als Organ kollektiver Selbstverständigung und subversiver Kraft. Dazu hinterfragten Künstler in allen Phasen der DDR ungewöhnlich häufig antike Mythen auf deren aktuelle Bedeutung. Mit Kassandra, Prometheus, Parisurteil oder Angela Hampels »Penthesilea« zeigt Weimar nicht allein Ikarus' Schicksal. Dieses erschien allerdings sowohl für optimistische Hochphasen als auch für krisenhafte persönliche wie gesellschaftliche Situationen paradigmatisch: Ikarus als kosmischer Flugpionier bei Willi Sitte, 1957; Absturz des begeisterten Ikarus und sein Tod bei Bernhard Heisig, 1979; behinderte Ikarusse wie bei Via Lewandowsky, 1988. Manches fehlt, zum Beispiel Winfried Wolks Ikarus, der eine angedeutete Flughaltung mit realem Duckmäusertum verbindet, oder die Sturzgestalten Bernd Göbels und Ronald Paris' Ikarus, dem Sisyphos begegnet, die zeigen, daß das Leitbild Bestand hat. Ikarus, die kritische und innovative Kraft der Menschheit, wird immer wieder von Künstlern verabschiedet und willkommengeheißen, um im Offenen zu wirken.
(Peter Arlt)
 
aus Ossietzki 23/2012, S. 900 - 902

Dienstag, 8. März 2011

Künstlerbücher

Texte und originale Grafik als Einheit

Foto © Jürgen Domes

Eine Sonderform des Buches, das "Künstlerbuch", ist Thema der neuen Ausstellung des Halleschen Kunstvereins, veranstaltet mit besonderer Unterstützung des Stadtarchivs Halle. Zwar ist der Begriff "Künstlerbuch" nicht so fest umrissen, aber Kriterien sind u.a. die kleinen Auflagen, oft die Verwendung von ausgesuchten Materialien z.B. bei Papier und Einband, eine besonders gestaltete Typografie und die Einbindung originaler Grafik, die zumeist signiert ist. Manchmal geschieht das auch zusammen mit der Exemplar-Nummer im Impressum des jeweiligen Buches. Dabei können die Grafiken gleichberechtigt in sich gegenseitiger Ergänzung mit dem Text erscheinen und auch ineinander - einschließlich der  Typografie - verarbeitet werden. In diesem Falle kann man auch vom "Malerbuch" sprechen, während ansonsten die Bilder eher ergänzend dem Text gegenüberstehen, sozusagen illustrativ dienend. Die aufwendige Herstellung und die Einbeziehung originaler Kunst sowie die kleinen Auflagen bedingen einen oft auch weit höheren Preis als in üblichen Druckverfahren des in Massenauflage hergestellten Buches. Seine Verbreitung ist auch stark eingeschränkt und bezieht sich im wesentlichen auf Sammler und Bibliophile, ausgewählte Bibliotheken und die Grafischen Kabinette größerer Museen. Dazu kommt, dass Bücher sich auch in Ausstellungen meist schlecht präsentieren lassen. So ist auch diese Ausstellung nur möglich dank des Entgegenkommens einer Reihe von halleschen Sammlern und Buchfreunden und der Unterstützung des Stadtarchivs Halle und der Stiftung Moritzburg. Vertreten sind u.a. bekannte Künstler wie Nuria Quevedo, Andreas Dress, Rolf Münzner, Karl-Georg Hirsch, Guillermo Deisler, Olaf Wegewitz, Wolfgang Henne, Volker Stelzmann, dazu an halleschen Künstlern u.a. Lars Petersohn, Gerhild Ebel, Sabine Kunz und Dagmar Varady. Besonders zu nennen sind darüber hinaus HAP Grieshaber und Gerhard Altenbourg, letzterer mit seinen legendären "Wunddenkmalen".
(Dr. Hans-Georg Sehrt)

Stadtarchiv Halle, Rathausstraße 1, 06108 Halle
17. Februar bis 25. März 2011

Sonderveranstaltungen anlässlich dieser Ausstellung:
8. März 2011, 18 Uhr: Künstlerbücher hautnah. Dr. Hans-Georg Sehrt stellt einige Bücher aus den Vitrinen einzeln vor
22. März 2011, 18 Uhr: Zur Arbeit des Buchgestalters an eigenen Beispielen. Helmut Stabe, Buchgestalter

Ausstellung des è Halleschen Kunstverein e.V.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Kassandra auf dem Forum

Mythos und Kunst, Malerei, Zeichnung und Skulptur

Die Ausstellung "Kassandra auf dem Forum" in der Galerie der Willi-Sitte-Stiftung für Realistische Kunst, also auf der forumgleichen Stadtkrone Merseburgs, vereint Skulptur, Malerei, Zeichnung und Grafik von einigen wichtigen Künstlern in Deutschland der Zeit nach 1945, mit Betonung der Gegenwart, die sich mit einer eigenständigen Rezeption des antiken Mythos ausgewiesen haben.

Rolf Kuhrt - Kassandra und wir, 1982, Holzschnitt 55,2 x 82,5
Wie vielgestaltig dies geschieht, dafür stehen die Namen Falko Behrendt, Kurt Bunge, Carl Crodel, Bärbel Dieckmann, Albert Ebert, Wilfried Fitzenreiter, Wieland Förster, Bernd Göbel, Marcus Golter, Angela Hampel, Heidrun Hegewald, Bernhard Heisig, Peter Hoppe, Rolf Kuhrt, Harald Larisch, Markus Lüpertz, Gerhard Marcks, Wolfgang Mattheuer, Hans Mayer-Foreyt, Bernhard Michel, Hermann Naumann, Philipp Oeser, Karl Ortelt, Siegfried Otto-Hüttengrund, Ronald Paris, Uwe Pfeifer, Heinz Plank, Nuria Quevedo, Jürgen Schieferdecker, Wieland Schmiedel, Baldur Schönfelder, Willi Sitte, Klaus Süß, Werner Tübke, Jorge Villalba, Falko Warmt, Heinz Zander und in der Karikatur Peter Muzeniek, Rainer Schwalme. Die Künstler verbinden aktuelle Sinnfragen des Menschen mit dem Mythos, der getragen wird von der menschlichen Figur. Eine Besinnung auf den vornehmsten Ausdrucksträger der Kunst erscheint in Zeiten neuer Medien und Virtualität so notwendig wie zwangsläufig.

Willi Sitte - Die guten und die bösen Harpien, 1956, Öl auf Karton, 55 x 61
Die Werke werden nach zeitlichem Entstehen und unter den Topoi, wie Schwelgen und Schindung, zusammengefasst. Auf diese Weise können sie die gesellschaftliche Verständigung über die Leitbilder für den modernen Menschen befördern, über den zum Biotechniker verkommenen Menschenbildern Prometheus, den selbstverliebten Narziss, Sisyphos, dessen Stein wieder einmal zum Grunde gerollt ist, Ikarus, der kühn aufsteigt, aber abstürzt, den schwelgenden Bacchus, die sich verwandelnde Daphne oder die Leidensfigur Marsyas. Im Raum des Dachgeschosses sollen ironische Grafiken, Medaillen und aktuelle Karikaturen mit eingreifender, ironischer Mythenrezeption eine Art Satyrspiel bieten.
(Peter Arlt)

Ausstellung: 5. November 2010 bis 28. Februar 2011
è Willi-Sitte-Galerie Merseburg