Hartmut Andryczuk vermeldet mit „
Michaela Melián, Straße“ eine Neuerscheinung im
Hybriden Verlag.
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Es ist die Nachzeichnung unserer äußeren Welt: Mit einem schwarzen Faden auf weißem Papier, in bloßer Andeutung, ähnlich dem Rest einer Erinnerung, ähnlich dem Rest einer Erinnerung an einen Traum. Manchmal sind die Linien einfach, manchmal sind sie gestisch oder sogar verspielt. Manchmal hängen sie in Schlaufen aus dem Bogen heraus und ändern ihre Form, ändern ihren Verlauf. Dann beginnen sich die Ränder der Bäume zu wölben, dann hängen die Außenwände der Häuser aus dem Bild heraus. Das wäre der zufällige, spontane Anteil des Materials, das wäre der zufällige, spontane Anteil der Geschichte. Alle Linien wurden mit der Nähmaschine gemacht. Die Hände haben ihre Spontanität an die Maschine abgegeben, während die Maschine sich ihre eigene Spontanität nicht verkneifen konnte. Durch ihre Außenlinien wirken Straßen und Häuser und Bäume und Berge stark abstrahiert. Sie bleiben als Außenlinien stehen, die so umrissenen Flächen bleiben leer, im Kopf kann man sie selbst füllen. Das wäre ihre allgemeine Form. Allgemein sind zunächst auch die Motive: Straßen und Häuser und Bäume und Berge kommen überall vor. Gleichzeitig sind diese Zeichnungen von Landschaften aus schwarzem Faden auf weißem Papier dokumentarisch und damit konkret. Sie haben eine reale Referenz, beziehen sich auf reale Straßen und Häuser und Bäume und Berge. Das Blatt Papier, mit seinen oben aufliegenden Fäden und den darunter liegenden Einstichen entspricht der realen Landschaft. Sie beide sind erst geworden, indem sie abgespeichert haben, was ihnen widerfahren ist. Eine bloß natürliche Landschaft gibt es nicht, alle Landschaft ist voller historischer Spuren, manche sind blutig und manche banal. Die meisten Spuren liegen tief und werden erst sichtbar, wenn man von ihnen weiß, wenn man sie freilegt. Spuren verschwinden zwar unter Spuren, aber ganz los wird man sie nicht. Es ist mit ihnen, wie mit ihren Zeichnungen aus schwarzem Faden auf weißem Papier: wenn man die Fäden zieht, dann bleibt die Perforierung.
(
Radek Krolczyk)
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| Michaela Melián, Triangel (2002), Panorama (2003) |
Künstleredition, 58 Seiten
mit drei Bildserien von
Michaela MeliánAudio-CD von Michaela Melián,
(Hand-Siebdruck, signiert und nummeriert)
Texte von Radek Krolczyk
Hybriden-Verlag, Berlin
in Zusammenarbeit mit der Galerie K’, Bremen 2026
Auflage: 100 €
Preis: 90 € (exklusive 8 € Postgebühren in Europa)
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