Montag, 8. Mai 2023

Hell und Dunkel

Im Rahmen der artspring Berlin findet im Theater unter dem Dach die Ausstellung "Hell und Dunkel" mit Druckgraphik von Eberhard Hartwig und Fotografie von Wolfgang Groß statt.
E. Hartwig, SUITE I, 23.06.2010, Kaltnadelradierung, 108x15 cm
Eberhard Hartwig, geboren 1957, studierte nach Schriftsetzer- sowie Druckerausbildung Künstlerweiterbildung an der Hochschule der Künste (jetzt UdK) Berlin und ist seit 1988 in Galerien und Museen mit Einzelausstellungen und Beteiligungen international vertreten. Er arbeitet im Bereich Druck-, Graphik und Malerei.
Wolfgang Groß fotografiert ausnahmslos analog, schwarzweiss und mit Grossformatkamera. Vorliegende Arbeiten sind im Zeitraum von 10 Jahren als Langzeitbelichtungen entstanden. Jede Belichtung dauert ca.3 bis 4 Stunden: Zeichen der Zeit werden sichtbar.

Eröffnung: 9. Mai 2023, 19 Uhr
Ausstellung: 9. Mai - 18. Juni 2023

Theater unterm Dach
Danziger Str. 101, 10405 Berlin

Sonntag, 7. Mai 2023

Stammbücher und Freundschaftsalben des 17. und 18. Jahrhunderts

«Rosen, Tulpen, Nelken, alle drei verwelken, aber wie das Immergrün soll stets unsre Freundschaft blühn», «Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken. Nur die meine Blume nicht, denn sie heißt Vergißmeinnicht.» oder auch «Wahre Freundschaft ist der Tugend Stütze».
Wir kennen sie alle, diese "Weisheiten", denn sie finden sich zuhauf in Poesiealben, die seit dem 19. Jahrhundert ausgesprochen beliebt waren, vermutlich auch in einer eigenen Erinnerung an die Schulzeit.
Die Tradition dieser «Freundschaftsalben (Alba Amicorum)» bzw. die ihrer Vorstufen ist freilich sehr viel älter und reicht bis in die frühe Neuzeit zurück, als protestantische Studenten ihre Professoren darum baten, ihnen doch ‘etwas ins Stammbuch zu schreiben’.

In der thematischen Kurzführung wird der Wandel dieses kultur- und sozialgeschichtlich aussagekräftigen Genres anhand attraktiver Beispiele nachgezeichnet. Der Besuch der Führung ist kostenfrei, eine Anmeldung jedoch erforderlich.

Führung: 13 Mai 2023, 11 Uhr

Zentralbibliothek Zürich
Zähringerpl. 6, Zürich, 8001

Mapping

In einer neuen Ausstellung zeigt die Galerie DRUCK & BUCH Künstlerbücher und Grafiken um Landkarten, Stadtpläne und ähnliche Systeme...
Karten können Orientierungssyteme, politische Manifeste, Planungsideen, Realitätsabgleich und Verirrung sein - und dabei ästhetische Fassungen einer wie auch immer gearteten Wirklichkeit.

Zu sehen sind u.a. Arbeiten von Henriette Leinfellner, Ulrich Wagner, Robbin Ami Silverberg, Déirdre Kelly und Burgi Kühnemann.
Henriette Leinfellner, Spazio Incognito
Henriette Leinfellner wird am 15. Juni 2023 um 19 Uhr in einem Künstlergespräch zu hören sein: Karten sind offene Systeme. Sie befinden sich im Prozess einer dauernden Überarbeitung. Das Territorium ist der existentielle Raum, die gelebte Materie - letzten Endes werden Karten konstruiert, die das eigene Territorium erweitern.

Ulrich Wagner
Ulrich Wagner - Das 2019 begonnene Projekt "Borderline" befasst sich mit den Extremformen von Grenzen: Grenzmauern! Sie bilden eine radikale, agressive Trennung. Ulrich Wagner zeigt nach der Berliner Mauer, die geplante Mauer zwischen den USA und Mexiko und hier nun den Westwall in seinen zeichen- und planorientierten Papierarbeiten auf.
Robbin Ami Silverberg - Simulacrum (oder Mapping) ist eine Antwort auf die in den Geschichten von Jorge Borges und Lewis Carroll dargestellte Idee, dass eine Karte, um der Realität zu entsprechen, notwendigerweise 1:1 sein müsste... ein brillant absurdes und offensichtlich unmögliches Konzept. Zwei Pamphlete mit diesen Texten werden von einer Reihe von Karten begleitet, die die sich ständig verändernden Grenzen der historischen und heutigen Ukraine zeigen. Sie sind ausgeschnitten und in zerrissenes Transparentpapier eingebettet, was uns an die vom Krieg zerrissene Realität dort erinnert. Sie zeigen auch, dass die Kartografie ein Diagramm von Signifikanten darstellt, die sich auf die physische Welt beziehen, und dass die Kartierung daher immer subjektiv ist.
Déirdre Kelly, ‘Meeting of the Waters’ ~ Cruinnú na n-Uiscí
- Eine neue Karte Irlands, auf der sich die Ost- und die Westküste einander annähern, um eine Art Binnensee zu schaffen, eine vom Land eingeschlossene Mischung aus Meer und Ozean. Sie nimmt uns mit auf eine Rundreise durch die Buchten, Landzungen und Landspitzen, die die irische Küstenlinie kennzeichnen. Eine Linie, die die Spannung zwischen Wasser und Land verbindet und bestimmt. Die ursprüngliche Collage wurde aus einer einzigen Landkarte Irlands erstellt, als Hommage an die innovative Verwendung der Collage durch den tschechischen bildenden Künstler und Dichter Jiří Kolář.
Der Titel ist dem Fluss Avoca in der Grafschaft Wicklow entnommen, der ursprünglich aus zwei Flüssen besteht: Avonmore (irisch: Abhainn Mhór, "Großer Fluss") und Avonbeg (irisch: Abhainn Bheag, "Kleiner Fluss"). Der Zusammenfluss dieser beiden Flüsse ist ein anerkannter Ort von großer Schönheit, daher der Name "Meeting of the Waters".
Eröffnung: 11. Mai 2023, 19 Uhr

Galerie DRUCK & BUCH
Susanne Padberg
Berggasse 21/2, A - 1090 Wien

Samstag, 6. Mai 2023

Endinger Büchermarkt

Ende Mai 2023 wird Endingen am Kaiserstuhl wieder über Nacht zur deutschen „Bücherhauptstadt“. Hier treffen sich Bücherfreunde, Sammler, Entdecker, Vinylisten und Bibliophile in der historischen Altstadt beim schon legendären „Endinger Büchermarkt“.

Dann dreht sich im autofreien „Städtli“ alles um gebrauchte und antiquarische Bücher, Schallplatten, CDs und Schellack-Raritäten. Händler aus Baden-Württemberg, dem Elsass und der Schweiz freuen sich schon auf den Markt und die Besucher.

20. / 21. Mai 2023

Bibliophilentage 2023

Nachdem die Bibliophilentage 2022 im sonnigen «Ilm-Athen» ein voller Erfolg waren, triff sich die Gesellschaft der Bibliophilen 2023 im «Nizza des Nordens».
Erstmals seit Bestehen der Gesellschaft, die im kommenden Jahr ihr 125. Jubiläum feiern kann, findet die Jahrestagung in der hessischen Landeshauptstadt statt. Wiesbaden war seit dem 18. Jahrhundert ein Ort des gedruckten, Wortes; die Aufenthalte von Johann Wolfgang von Goethe, Gustav Freytag, Iwan Sergejewitsch Turgenjew, Fjodor Dostojewski, Wilhelm Klemm, Bernard von Brentano und anderen Schriftstellerinnen und Schriftstellern zeugen ebenso davon wie die Um- und Ansiedelung bedeutender Verlage nach dem Zweiten Weltkrieg. Neben der Geschäftstätigkeit von Brockhaus, Insel, Georg Thieme, der Dieterichschen Verlagsbuchhandlung oder dem Musikverlag Breitkopf und Härtel kam es zu Neugründungen wie dem Limes Verlag und dem Aufbau zahlreicher Fachverlage. Berühmtheit erlangte die Stadt aber vor allem als eines der ältesten und führenden europäischen Kurbäder, das nicht nur die genannten Autoren, sondern illustre Gäste aus aller Welt anzog. ...
Der Tagungsort, der in den Grundzügen durch eine Stadtrundfahrt erschlossen wird, bietet ein spannendes und abwechslungsreiches Programm - auch für die spezifischen Interessen, Wünsche und Bedürfnisse der Bibliophilen. Mit dem Fokus auf papierne Originale, seltene und wertvolle Werke, charakteristische Bestände und zum Teil öffentlich nicht zugängliche Bereiche werden die Teilnehmer hinter die Kulissen einschlägiger Institutionen blicken - darunter die Hessische Landesbibliothek, das Literaturhaus Villa Clementine, das Hessische Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, das Museum Wiesbaden-Hessisches Landesmuseum. ...

(Dr. Annette Ludwig)

8. - 12. Juni 2023

Wiesbaden

Freitag, 5. Mai 2023

J. Trojan – Von Warnemünde bis Prerow

Mitgliedern des Berliner Bibliophilen-Abend ist Johannes Trojan (1837–1915), der jahrelange Chefredakteur des Kladderadatsch, durch eine der Jahresgaben, die vom zeitweiligen Vorsitzenden der Pirckheimer-Gesellschaft Ulrich Goerdten gestiftet wurden, bestens bekannt. Aber auch allen weiteren Freunden der Berichte Trojans, des frühen Journalismus oder auch der Ostsee sei dieses Büchlein mit den sorgfältig zusammengetragenen Texte aus der Frühzeit des Ostseetourismus empfohlen.

Johannes Trojan "... wuchs in Danzig auf und hatte eine lebenslange Liebe zur Ostsee. In seinen Sommerferien fuhr er allein, mit Freunden oder mit der Familie dorthin, am häufigsten in die Badeorte des Fischlands.
30 Jahre lang, beginnend 1882, berichtet er darüber in Berliner Zeitungen und vermehrte damit den Ostseetourismus der Berliner. Seine Texte sind anschaulich und lebensfrisch, sie enthalten eine Fülle historischer Detailinformationen, wie sie anderswo kaum zu finden sind. Alle Texte sind mit ironisch-distanzierter Heiterkeit geschrieben, was sie zu einer erfreulichen Lektüre macht.
"

U. Goerdten (Hrsg.), J. Trojan – Von Warnemünde bis Prerow
Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2023
Taschenbuch, 260 Seiten
ISBN 978-3-96045-378-9 14,– €

artGRAFIK Ahrenshoop

Zum zweiten Mal findet im Künstlerort Ahrenshoop die vom Pirckheimer Henry Günther ausgerichtete artGRAFIK, die Messe für zeitgenössische Druckgrafik, Fotografie, Zeichnung und Buchkunst statt, die Künstler aus dem gesamten Bundesgebiet vereint.
In diesem Jahr sind mit dabei: Barbara Beisinghoff / Rainer Ehrt / Christian Ewald / Tina Flau / Hans Götze / Ute Hausfeld / Volkmar Herre / Susann Hoch / Gudrun Illert / Linde Kauert / Katja Lang / Urte von Maltzahn / Britta Matthies / Thomas Offhaus / Klaus Raasch und natürlich Henry Günther.

Die artGRAFIK Ahrenshoop ist eine kleine und feine Messe in attraktiver Umgebung. Auf dem Gelände steht die Ikone Paul Müller-Kaempff – der Gründer der Künstlerkolonie Ahrenshoop –, gestaltet von Moritz Götze. Vor dem Betreten der Strandhalle fällt der Blick auf den »Pegasus« von Ingeborg Hunzinger (1915-2009).
Intensive Gespräche und die Ostsee liegt direkt vor der Tür - überhaupt ist die Region Fischland-Darss-Zingst immer einen Besuch wert! (Klaus Raasch)
Abb. © BuchKunstBalance
Auf der 2. artGRAFIK wird u.a. das hier vorgestellte und in der Reihe Poetische Miniaturen erschienene Künstlerbuch Tango Nocturnes Ahrenshooper Gedichte mit Gedichten von Henry Günther und Zeichnungen von Helge Leiberg zu sehen sein.

Messe: 18. - 21. Mai 2023

Strandhalle Ahrenshoop
Dorfstraße 16 b, 18347 Ahrenshoop

Preview Projekt Hohes Lied

In dem Preview Projekt Hohes Lied der artspring berlin, einem von der Ateliergemeinschaft Milchhof e.V. veranstaltetem Festival in Pankow, werden Arbeiten von 20 Künstlerinnen gezeigt, darunter auch zwei Skizzen und Zeichnungen der Pirckheimerin Anett Lau.

Die Ausstellung bietet einen Vorgeschmack auf die kommende Präsentation zum HOHENLIED SALOMON'S in der Berliner Stephanuskirche im September 2023.
Eröffnung: 6. Mai 2023, 18 Uhr, mit den teilnehmenden Künstlern
Vortrag: 7. Mai 2023, 15 Uhr, Thomas Kilian: „Liebe und Verliebtheit in der Antiken Literatur", ab 18 Uhr Klavierkonzert mit Noelia Sarris
8. Mai 2023, 18 Uhr, Uraufführung von Liedern nach Texten des Hohen Liedes von Ekkehard Böttcher mit Sun Komarova
Finissage: 9. Mai 2023, 13 Uhr

Galerie Vinogradov
Chodowiekistraße 25, 10405 Berlin

Donnerstag, 4. Mai 2023

Grafiker, Buchkünstler, Stiller Held

Es gibt wohl kaum einen Bürger der DDR, der nicht bereits ein von Werner Klemke (*1917) gestaltetes Buch in den Händen gehalten hat. Seine Illustrationen waren ebenso vielfältig wie die Publikationen, in denen sie erschienen: Kinder- und Märchenbücher, Schul- und Lehrbücher, Gedichtbände, Liederbücher, Romane. Darüber hinaus mannigfaltige weitere Gebrauchsgrafik: Briefmarken, Magazine und Zeitschriften, Bühnenbilder, Plakate, Prospekte, Schallplattenhüllen. Er war als eines der Gründungsmitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft Professor für Buchgrafik und Typographie an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee und Mitglied der Akademie der Künste. 1982 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden der DDR in Gold.
Dass das Werk von Werner Klemke jedoch nicht nur in der DDR Anklang fand, sondern bis heute weite Beachtung findet, zeigt der ausgewiesene Klemke-Kenner und -Sammler Matthias Haberzettl in einem Vortrag »Grafiker, Buchkünstler, Stiller Held« – Das Lebenswerk von Werner Klemke. Dabei nimmt der Augsburger nicht nur den Künstler, sondern auch den Menschen Werner Klemke in den Blick, der zeitlebens nicht über seine Rolle im Widerstand während der Zeit des Nationalsozialismus sprach: Als Wehrmachtsoldat auf einer Schreibstube fälschte Werner Klemke Papiere für zahlreiche niederländische Jüdinnen und Juden und trug somit zu deren Überleben bei.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit war Werner Klemke im Lager Tidofeld interniert. In dieser Zeit zeichnete er das Grimm-Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“, das von der Norder Druckerei Siebolts im Steindruckverfahren vervielfältigt und wohl zum ersten deutschen Kinderbuch der Nachkriegszeit wurde.

Bildvortrag: 23. Mai 2023, 19 Uhr, Grußwort: Tielko de Groot (LionsClub Norden-Nordsee)

Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld
Donaustraße 12, 26506 Norden

Illustrationen von Thomas Franke zu Arno Schmidt

Das Bücherhaus Bargfeld von Hermann Wiedenroth zeigt an drei Tagen die zu Arno Schmidts ›Kurzroman aus den Roßbreiten‹ geschaf­fenen Original-Holzstichcollagen von Thomas Franke, die 2022 in einer bibliophilen Ausgabe als erster Band der neuen Buchreihe ›Fulminant Fantastische Folianten‹ erschienen. Thomas Franke ist als freier Graphiker, Buchkünstler und Illustrator für Verlage wie Suhrkamp, Heyne, Goldmann und viele andere tätig. Mehrfach wurde er für seine buchgestalterische Arbeit ausgezeichnet – ebenso für seine Arbeit als Schauspieler. Neben der Bühnenarbeit bestreitet er seit beinahe vierzig Jahren Lesungen. Er liest und produziert Hörbücher, arbeitet als Rundfunksprecher und spielt in Film- und Fernsehproduktionen.
Abbn. © Thomas Franke
»Schmidts anspielungsreiche utopische Satire tarnt sich als Reisebericht eines amerikanischen Repor­ters aus dem sogenannten ›Hominidenstreifen‹ im Westen der USA, wo es unbekannte Mutanten zu entdecken gibt, die nach einem Atomkrieg entstanden sind. Der Journalist Charles Henry Winer bereist außerdem die Gelehrtenrepublik, eine schwimmende Insel, eigentlich ein Asyl für Künstler und Wissenschaftler, tatsächlich aber ein Schauplatz des Kalten Krieges voller grausiger Überraschungen.« (›Arno Schmidt im Suhrkamp Verlag 2023/24‹, Gesamtverzeichnis)

Ausstellungseröffnung: 18. Mai 2023, 16 Uhr, Begrüßung und Einführung Hermann Wiedenroth, Thomas Franke berichtet über die Entstehung seiner Holzstichcollagen und des Buches und trägt er einige Passagen aus Arno Schmidts ›Gelehrtenrepublik‹ vor
19. Mai 2023, 18 Uhr: Thomas Franke: "Scheerbart, Meyrink, Panizza: Grusel, Jux und Trallala"
20. Mai 2023, 16 Uhr: Thomas Franke liest aus ›Gullivers Reisen‹ von Jonathan Swift

DAS BÜCHERHAUS
Im Beckfeld 48 . 29351 Bargfeld/Celle

Der Sammler auf Reisen in den Weiten des Internet

Wie sehr doch die Sammelarbeit durch das Internet einerseits erleichtert, andererseits aber auch vervielfältigt und verkompliziert wird! Oft erlebt man auch Überraschungen.
In der Wikipedia bearbeite ich derzeit die Literaturverzeichnisse von Wissenschaftlern des 16. bis 19. Jahrhunderts. Manche Bücher, deren Titel ich interessant finde, lade ich mir auf den Bildschirm und lese darin herum. Aktuell ist derzeit das Thema Frau, ihre gesellschaftliche Stellung und ihre Rechte und Pflichten in früheren Zeiten. Lesenswert fand ich zum Beispiel „De Eruditis Germaniae Mulieribus“, eine 34 Seiten umfassende Dissertation aus dem Jahre 1688, die in den Bibliothekskatalogen unter dem Namen des Präses erscheint, der hier Magnus Daniel Omeis (1646–1708) heißt. Geschrieben aber wurde das Werkchen vom Respondenten Christoph Christian Händel (1671–1734), der mit der öffentlichen Verteidigung dieser Schrift (unter dem Vorsitz von Omeis) einen akademischen Grad erwarb. Im Hauptwerk werden 67 deutsche Frauen – in einem Anhang 4 weitere – genannt und mit kurzen Würdigungen vorgestellt. Im Vorwort werden die Vorurteile der Männer gegen gelehrte Frauen diskutiert und mit Zitaten aus der Literatur von Euripides bis zu den Zeitgenossen des Autors belegt. Als Sammler von heute werde ich überprüfen, wie viele der von Händel genannten Frauen noch bekannt sind, und anschließend werde ich etwaige Lücken durch neue Wikipedia-Artikel zu füllen versuchen.

Bei der Bearbeitung der übrigen Werke von Omeis fiel mir ein Titel besonders auf, der sich mit Epicur und seiner Wirkungsgeschichte befasst und den antiken Autor vom Vorwurf der Lüsternheit reinwaschen will: „Epicurus ab infami dogmate, quod summum bonum consistat in obscoena corporis voluptate“. (Respondent Andrea Will Meyer, Altdorf 1779.
Die Lektüre gestaltete sich allerdings etwas holprig, weil die Google-Mitarbeiter, die das Werk digitalisiert haben, nicht sorgfältig genug waren. Bei fast allen Seiten mit gerader Zählung ist rechts unten der Text teilweise weggeschnitten.
Oft kann man die fehlenden Buchstaben erraten und ergänzen, manchmal aber versagt diese Methode und man kann den Text nicht mehr verstehen. Das ist besonders lästig auf der letzten Seite, wo eine Literaturangabe nur unvollständig wiedergegeben ist. Vor Jahren schon hat ein Leser, dem diese Nachlässigkeiten öfter untergekommen sind, den schönen Begriff „Google-Pfusch“ geprägt, den ich hier ohne Quellenangabe wiederhole.

Nur einmal habe ich wegen einer solchen Nachlässigkeit ein Wehgeschrei erhoben und beim Digitalisierungszentrum der verantwortlichen Bibliothek die Nachlieferung fehlender Seiten erbeten. Als Antwort erhielt ich den Hinweis, dass die Bibliothek den Fehler nicht verbessern werde, es sei mir aber freigestellt den Mangel auf eigene Kosten beseitigen zu lassen.

(Ulrich Goerdten)

2 Kommentare:

Peter D. Verheyen hat gesagt…

Leider sehr richtig, was Google Books betrifft. Ebenso schlimm, wen nicht schlimmer ergeht es Karten und sonstiges das aufgefaltet werden muss. Da ging es um schnell und im Wesentlichen "good enough" für "discovery". Zum Glück gibt es aber inzwischen mehrere Quellen für etwas. So kann im Falle von „Epicurus ab infami dogmate, quod summum bonum consistat in obscoena corporis voluptate“ hier geholfen werden ... https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb10964629.

Ulrich Goerdten hat gesagt…

Danke für den Hinweis, ich habe die "bessere" Adresse gleich in den Omeis-Artikel eingefügt.

Mittwoch, 3. Mai 2023

Hommage to P. Picasso


Der Pirckheimer Bernd Friedrich reichte zum Offenen MailArt Projekt von Lutz Anders den nebenstehenden Bleiletterndruck und Klischeedruck aus Buchdruckmaterialien der 20. Jahrhunderts auf aluminiumkaschiertem Karton im Format ca. A6 (aufgeblockt auf farbigem Karton) ein.

Die Ausstellung aller angenommenen Einreichungen erfolgt vom 1. - 31. Oktober 2023 in der Mareschstr. 16, 12055 Berlin.

... ein neuer Text zu den Erzählungen aus der Welt der Bücher

Vom Pirckheimer Harald Kugler gibt es einen neuen Text zu den Erzählungen aus der Welt der Bücher. Der Text kann durch Klick auf die Abb. aufgerufen werden.
Vorige Woche hatte Harald Kugler wieder eine gut aufgenommene Lesung aus Tolldreiste Geschichten zur Bücherliebhaberei.
Aufgrund des großen Interesses wird es vermutlich im November eine Wiederholung geben.

Dienstag, 2. Mai 2023

>Marginalien ... #248

Für die Meisten sicher nicht mehr aktuell, aber der Post geschuldet, sei dieser Hinweis hier nachgereicht:

Das Heft 248 der Marginlalien. Zeitschrift für Buchkunsr und Bibliophilie ist erschienen, darin u.a. "Nobilitiertes Pergament" von Till Schröder, Gerhard Seibold im Gespräch über versprengte Wappenbriefe und goldene Miniaturen oder ein Atelierbesuch von Ekkehard Schulreich beim Leipziger Grafiker und Kupferstecher Wolfgang Böttcher. Von Erik Spiekermann, von Manfred Richter und von Susanne Zippel gibt es jeweils Erinnerungen an Eckehart SchumacherGebler und Manfred Krause berichtet über das Christian Schad Museum Aschaffenburg.

Die wie immer von Matthias Gubig gestaltete und kommentierte typografische Beilage widmet sich Klaus Modicks "Casco in Kanda", die für Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft in jeweils einem Exemplar beigelegte originalgraphische Beilage ist ein Kupferstich mit den Motiven "Villa Duodo Balbi", "Fonte Aretusa", "Cavaletta" und "Seiltanz" (siehe Abb.) stammt von Wolfgang Böttcher.

29. Leipziger Antiquariatsmesse 2023

Die Leipziger Antiquariatsmesse darf, trotz des Umstandes, dass sie nicht auf dem Messegelände und auch nur zweitägig stattfand, als voller Erfolg gewertet werden.
"Selfie" (Bildmitte) vor gealtertem Spiegel, dieses und weitere Fotos durch Klick auf das Bild
Von den Pirckheimern hatte Christan Bartsch (siehe hier), Riewert Q. Tode und das Antiquariat von Michael Solder an der Messe teilgenommen.
Riewert Quedens Tode (linkes Foto), Christian Bartsch (rechtes Foto)
Über den Favoriten dieser Messe aus dem Roten Antiquariat von Christian Bartsch wurde hier bereits berichtet, beim Besuch der Messe am Sonnabend konnte man den Koffer mit 287 aufschlussreichen Original-Schreiben an den letzten Kulturminister der DDR zwar noch in Augenschein nehmen, der Koffer hatte in einem Literaturmuseum aber bereits eine neue Heimstatt gefunden und wartet jetzt auf eine wissenschaftliche Aufarbeitung.
Am Stand des Pirckheimers Riewert Q. Tode, den er gemeinsam mit Frau und einem Praktikanten betrieb, konnte der Pirckheimer nicht nur Antiquarisches vorstellen, sondern auch den Band "Im Spiegel" mit Gedichten und Bildern von Klaus-Ove Kahrmann, mit dem er 1986 schon einmal einen Titel herausbrachte.

Wandelhalle Frühjahr 2023

Die Wandelhalle für Bücherfreunde der Gesellschaft der Bibliophilen Frühjahr 2023 ist erschienen.


Dr. Annette Ludwig stimmt im Editorial auf das Jahrestreffen im «Nizza des Nordens» ein (näheres dazu in Kürze auch hier), Bernd Gerlach plaudert über Anekdotisches zur Auffindung und Restaurierung zweier Bücher und Silvia Werfel stellt in der Rubrik "Verlage klein, aber fein" die Offizin S. aus Meran vor.
Ralf Wege berichtet über das Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft 2022 in Oldenburg, Jürgen Schweitzer stellt zwei  Publikationen zu E.T.A. Hoffmanns "Der goldne Topf" vor und Wulf Segebrecht schreibt zum Festvortrag von Claudia Liebrand vor der der Fränkischen Bibliophilengesellschaft. 
Neben dem Exlibris-Porträt No.12 (Alice Wanke für Erna Sack) resümiert Silvia Werfel zu Eckehart SchumacherGeblers Vermächtnis und Kurt Kister outet sich als "Bücherhabenwoller".

Montag, 1. Mai 2023

Bibliophiles des Monats: Vom Ende der Utopie

Bibliophiles des Monats Mai
ist der bei Redfoxpress im Juli 2014 erschienene Siebdruck von Uwe Warnke und dem 2016 verstorbenen Ottfried Zielke "VOM ENDE DER UTOPIE".

Es wird uns täglich aus allen Kanälen erklärt, wir lebten am Ende der Geschichte, alles sei nun gut so, Utopien seien obsolet usw. Die Veränderung des Bestehenden ist aber etwas das uns antreibt. Utopia, der Nicht-Ort, dabei die Folie: ein vages Ziel. Der Text "Vom Ende der Utopie" von Uwe Warnke spielt nun Varianten des Wortes verändern in konjunktiven Wortkombinationen durch. Die Reihung zeigt auf, dass es ohne Veränderungen nicht geht. Ottfried Zielke zerlegt die einzelnen Zeilen und bettete sie ein in eine Bildsprache russischer Avantgardisten des frühen 20sten Jahrhunderts. Damit knüpft er ästhetisch an eine Zeit an, als Utopien noch zum Greifen nah waren.

Das 25 x 33 cm große Buch mit 28 Siebdruckseiten ist handgedruckt und gebunden in Achill Island, Irland und erschien in 60 signierten und nummerierten Exemplare.
Uwe Warnke, geboren 1956 in Wittenberge, aufgewachsen in Schwerin, studierte Kartografie an der Technischen Universität Dresden und lebt und arbeitet in Berlin. 1982 gründete er gemeinsam mit Siegmar Körner die illegal erscheinenden original-grafischen Künstlerzeitschrift Entwerter/Oder, die er ab 1984 allein herausgab. 1991 wurde ihm der V.O. Stomps-Preis verliehen.
Ottfried Zielke wurde 1936 in Berlin geboren. Er lebte und arbeitete in Schiffmühle/Oderbruch bei Berlin. Lehre als Gebrauchswerber. Studium an der Fachschule für angewandte Kunst Berlin. Seit 1968 freischaffend als Grafiker und Maler in Berlin. Er war Mitglied der Künstlerinitiative "Kunst statt Werbung", Berlin und Gründungsmitglied der Cartoonfabrik Köpenick, Berlin. Seit 1992 arbeite mit dem Uwe Warnke Verlag, Berlin, zusammen und schuf unikate Malerbücher und andere original-grafischen Künstlerbücher.

Das Buch findet sich u.a. in den Sammlungen des Klingspor Museums, sowie der State Library of Victoria in Melbourne und der Bibliothèque Nationale de Luxembourg.

Paradiesische Dialoge in Leipzig

Auf der Leipziger Buchmesse wurde am Stand des LBA der Band 6 der Paradiesischen Dialoge „Eine Reflexion“ vorgestellt, ein Dialog zwischen der Autorin Angela Krauß und dem Maler Matthias Weischer.
„Dass zwei miteinander reden, ist immer etwas Paradiesisches“, sagt Michael Hametner, Autor und Journalist, der die Paradiesischen Dialoge für den LBA herausgibt, Künste zusammenführt für einen Austausch. Mit Matthias Weischer, Meisterschüler Sighard Gilles an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, schließt Weischer unmittelbar an Edition Nr. 5 Das Lied von der Erde an, in der Sighard Gille mit sechs Farblithografien die Deckenmalerei im Neuen Gewandhaus Leipzig die Textfassung von Gustav Mahler verwendet.
Gemeinsam mit den in Leipzig tätigen Niederländerinnen Aafke Ytsma und Selma van Panhius schuf Matthias Weischer in fünf Wochen die Drucke mit bis zu 12 Farben. Der Druck des Textes, erstmals für die Paradiesischen Dialoge im Digitaldruck, lag in den Händen von Thomas Druck, Leipzig und wurde auf Metapaper Extrarough Warmwhite 170 g/qm ausgeführt.
Die 99ger Auflage war bei der Vorstellung auf der Leipziger Messe bereits ausverkauft, einschließlich der 30ger Vorzugsausgabe mit einem weiterer Holzschnitt von Matthias Weischer. Frühere Exemplare der Paradiesischen Dialoge finden sich eventuell noch hier auf einer Liste der Restexemplare 2023 des LBA.

Exlibris des Monats – Johann Strauß (Sohn)

Hedwig Pauwels für Eva Maria Wimmer, Opus 462, 1994, Radierung und Mezzotinto, 106 x 80 mm
Hedwig Pauwels Exlibris-Radierung zeigt uns den Dirigenten und Komponisten Johann Strauß im Viertelprofil. Eine Zeichnung des Malers Leopold Horowitz (1838–1917) diente als Vorlage. Unter der breiten Krempe eines eleganten Hutes blickt uns selbstsicher ein 70 Jahre alter und mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichneter „Superstar“ der Musikszene entgegen. Ein besonderes Merkmal seiner Physiognomie, ein leicht nach oben gedrehter Schnauzbart, öfters auch von einem Backenbart ergänzt, verdeckt die Oberlippe. Seine Geige hält er nicht in Händen. Sie ist hier nur ein beigefügtes Attribut. Mit müde gewordenen Augen und etwas erschöpft blickt er uns an. Er kann auf ein arbeitsreiches, von zahlreichen Erfolgen gekröntes Leben zurückschauen.
...
Das vorliegende Exlibris enthält neben dem Porträt noch ein weiteres wichtiges Detail. Vor einem nächtlichen Himmel hat Hedwig Pauwels aus der Froschperspektive eine Art Triumphbogen mit Reliefschmuck dargestellt. Damit wird das Bild des Komponisten bogenförmig umrahmt, wobei sich Überschneidungslinien mit dem Hut ergeben. Diese Skulptur aus Laaser Marmor bildet zusammen mit einer in Gold gefassten Statue des Komponisten das bekannte Johann-Strauss-Denkmal, ein viel besuchtes Fotomotiv im Wiener Stadtpark, das der Bildhauer Edmund Hellmer (1850-1935) für seine Vaterstadt gestaltete. Schwebende Figuren mit ineinander verschlungenen Haaren und durchsichtigen Gewändern erscheinen auf dem Relief des Marmorbogens, als würden sie miteinander tanzen. Auf dem Exlibris sind sie mit blauer Farbe gedruckt – vielleicht eine Reminiszenz an den berühmten Walzer „An der schönen blauen Donau“, der am 27. April 1945, als anlässlich der Proklamation der Unabhängigkeit Österreichs noch keine Nationalhymne zur Verfügung stand, vor dem Parlament intoniert wurde.

(Heinz Neumaier, gesamte Beschreibung hier)

Buch des Monats: Rainer Maria Rilke

«Ein Monumentalwerk, das dem Dichter auf grandiose Weise gerecht wird.» Paul Jandl, NZZ

In über zehn Jahren Arbeit haben Curdin Ebneter und Erich Unglaub rund 800 Zeugnisse, darunter viele, die bislang unbekannt waren oder hier erstmals ins Deutsche übersetzt wurden, zusammengetragen. Illustriert mit zahlreichen Fotos macht diese dreibändige Edition einen der größten deutschsprachigen Lyriker ganz neu zugänglich.
Der Sohn eines Eisenbahnbeamten, der wie Onkel und Mutter eine Schwäche für den Adel hatte. Der Ehemann, den es aus dem norddeutschen Moor nach Paris zog. Der Kriegsgegner, dessen Cornet in den Schützengräben beider Seiten gelesen wurde. Der heimatlos Umherziehende, der manchmal in Schlössern zu Gast war. Ein Liebling der Frauen, der auf mönchische Zurückgezogenheit hielt. Der Turmbewohner im Wallis, der zwei der berühmtesten Gedichtzyklen der Weltliteratur schuf. Doch was weiß man wirklich über den Menschen Rainer Maria Rilke?

Kaum ein anderer Autor scheint besser geeignet, en face porträtiert zu werden als Rilke – schon sein Äußeres wirkte auf viele Zeitgenossen faszinierend: seine eisblauen Augen, sein Seehundschnauzbart und seine sensiblen Hände. Rätselhaft erschien sein bindungsloses Leben zwischen Prag, Berlin, München, Worpswede, Wien, Venedig, Rom und Duino. Vor allem aber übte seine Dichtung eine magische Anziehungskraft aus – eine Wirkung, die bis heute nicht nachgelassen hat. Verfestigt hat sich dabei das Bild eines großen Dichters, dessen Aura ihn von aller Lebensnähe entrückt. Folgerichtig erschienen die Ausgaben seiner Briefe meist ohne die Antworten seiner KorrespondentInnen; die Erinnerungen von Literaten, Freunden, Verehrerinnen und Zufalls besuchern wurden, wenn überhaupt, nur an ephemeren Orten publiziert. Kaum rezipiert sind schließlich die aufschlußreichen fremdsprachigen Rilke-Erinnerungen aus Skandinavien, Rußland, Frankreich und Italien.

Mit dem 4. Band der Reihe En Face liegt erstmals eine umfassende Sammlung von Berichten vor, die Rilke aus der Perspektive seiner Zeitgenossen zeigen; darunter sind prominente Namen wie Stefan Zweig, Thomas Mann, Jean Cocteau oder Boris Pasternak, aber auch Stimmen von nebenan. Dokumentiert sind despektierliche Militäranekdoten von Theodor Csokor und Pikanterien von Claire Goll neben Berichten über glückliche Tage in der Schweiz oder von Begegnungen mit dem wahlverwandten Paul Valéry. Rund 800 Zeugnisse und zahlreiche unbekannte Fotos machen einen der größten deutschsprachigen Lyriker ganz neu zugänglich.

Curdin Ebneter, Erich Unglaub (Hrsg.)
Erinnerungen an Rainer Maria Rilke
3 Bände im Schuber, Broschur, Fadenbindung
1450 Seiten, 1100 Illustrationen
ISBN 978-3-907142-87-5
EUR 98,00