Dienstag, 20. Oktober 2026

Ein Exlibris für einen Musikanten und Sammler

Was macht ein Exlibriskünstler, wenn er einen Auftrag für eine neue Arbeit bekommt - er lässt sich von den Gedanken und Wünschen des Eigners inspirieren. Das geht mündlich und schriftlich oder auch digital mit Scans und zusätzlichen Informationen. Der Künstler wertet anhand von Abbildungen geeignete Objekte aus, die er als Skizzen ausprobiert und danach für die Radierung oder einer anderen grafischen Technik zusammenstellt.
So ist auch der bekannte Oranienburger Exlibris-Künstler Erhard Beitz (*1955) vorgegangen, als er für den Sammler und Musikanten Heinz Neumaier (*1948) aus Dachau ein Buchzeichen kreierte. Darin verarbeitete er eine Fülle von Einzelobjekten, Hinweise auf musikalische Aktivitäten oder Sammelgebiete, mit denen sich der ehemalige Gymnasiallehrer schon seit vielen Jahren beschäftigt.
Geschwungene Notenzeilen mit Violin- und Bass-Schlüssel ziehen sich von der linken Seite bis zur Bildmitte und lösen sich vor einem architektonischen Komplex auf. Hier geht die langgestreckte Fassade des Dachauer Schlosses mit seinen vielen Rundbogenfenstern über in ein zweistöckiges Wohnhaus, in dem der Eigner seit seiner Jugend lebt und arbeitet. Im Schloss befindet sich ein für Konzerte und festliche Veranstaltungen bestens geeigneter Saal aus der Renaissance-Zeit, in dem sich Heinz Neumaier seit Jahrzehnten musikalisch betätigt. Gespiegelt auf einer großen Weihnachtskugel im Vordergrund, hat Erhard Beitz ihn beim Dirigieren abgebildet. Spiegelungen von Porträts auf konkav geformten Oberflächen gehören zu den speziellen Vorlieben des Exlibris-Künstlers. Überhaupt findet man in diesem Sammelsurium viel an Weihnachtsschmuck und anderen Glasobjekten. Meist sind es ältere Raritäten aus dem 19. Jahrhundert wie z. B. zusammengesetzte Objekte aus Gablonz in Böhmen sowie alte Formen aus Thüringen oder Sachsen. In der Bildmitte ist eine verschließbare Zuckerdose aus der Biedermeierzeit zu sehen, an die ein sogenanntes Freundschaftsbildchen aus Wien angelehnt ist. Hinter der Zuckerdose ist der mit einem Rosshaarbüschel verzierte Verschluss eines flaschenartig geformten Schnupftabakglases zu erkennen. Ein weiteres Beispiel dieser traditionellen Gläser hat Erhard Beitz hinter zwei Porzellanfiguren platziert. Ein tanzendes Paar, entworfen von dem Bildhauer Franz Anton Bustelli (1723-1763), einem genialen Meister der Kleinplastik, symbolisiert die Sammlung von Gegenständen aus der Nymphenburger Porzellan-Manufaktur. Neben den beiden greift ein Musiker auf einem lautenähnlichen Instrument in die Saiten, ein Zitat aus einem alten Gemälde, was auf die musikalischen Neigungen des Eigners hinweist.
Durch die gezielte Anordnung der Objekte im Vordergrund und der hervorgehobenen Schattenwirkung konnte der Exlibris-Künstler eine enorme Tiefenwirkung in der gesamten Darstellung erreichen.
  1. Notenzeilen mit Violin- bzw. Bass-Schlüssel. 
  2. Heinz Neumaier dirigiert im Dachauer Schloss-Saal. 
  3. Wohnhaus in Dachau, 1911 vom Großvater gebaut. Darunter West-Fassade Schloss Dachau mit Hofgartenbrunnen. 
  4. Lautenspieler aus einem alten Gemälde 
  5. Harlekine u. Harlekin, Commedia dell' Arte-Figuren, Franz A. Bustelli, Nymphenburger Porzellan 
  6. Schnupftabak-Gläser aus dem Bayerischen Wald 
  7. Altes Freundschaftsbildchen 
  8. Zuckerdose mit Deckel, Böhmen (Biedermeier-Glas)
Dazwischen Kerzenhalter und alter Weihnachtsschmuck aus Böhmen (Gablonz) und Thüringen bzw. Sachsen.

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