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Freitag, 14. Juni 2024

Werkstattgespräch zu Werner G. Kießig

Einband von Werner Kießig zu VIETNAM IN DIESER STUNDE, Ldr. in verschiedenen Techniken bearbeitet, Künstlerische Dokumentation, hrsg von Werner Bräunig, Fritz Cremer, Paul Dessau, Peter Gosse, Stefan Hermlin, Günter Jacobi, Sarah und Rainer Kirsch, Georg Maurer, Gabriele Mucchi, Otto Nagel, Ursula Sczeponik, Anna Seghers, Willi Sitte, Jeanne und Kurt Stern, Dieter Strützel. Grafische Gestaltung Walter Schiller Mitteldeutscher Verlag Halle/Saale 1968
Aus Anlass des 100. Geburtstag von Werner G. Kießig ist zur Zeit im Stabi-Kulturwerk eine Dauerausstellung in einer großen Vitrine mit von ihm gestalteten Einbänden zu sehen. Im Zusammenhang mit dieser Ausstellung fand gestern ein Werkstattgespräch mit seiner Frau Christine Kießig, Buchbinderin in der Werkstatt ihres Ehemannes, und Heidrun Feistner, Bibliothekarin in der Abteilung Handschriften und Historische Drucke der Staatsbibliothek, statt, von dem hier einige Fotos gezeigt werden können. Die Meisterwerke der Einbandkunst von Werner G. Kießig konnten bei einem Gespräch aus nächster Nähe erlebt werden und die Teilnehmer, begrenzt in der Anzahl auf 20, darunter auch einige Pirckheimer und BBA-Mitglieder, erhielten Einblick in das künstlerische Schaffen von Werner G. Kießig, seine Techniken, Werkzeuge und Materialien.
Eine Arbeit von Werner G. Kießig war vor Kurzem Bibliophiles des Monats.
Christine Kießig vor Elementen, die ihr Mann für den Speisesaal desFDGB-Gästehaus Rauchfangswerder schuf. Naturelles Kalbsrnembranenleder, stilisierte Becherform Blind bzw. Relief geprägt Fugen aus braunen Kalbsmembranen
Die Ausstellung kann durcj Klick auf die Abb. in digitaler Form angeschaut werden.
1 Kommentar:
Peter D. Verheyen
hat gesagt…
Danke hierfür. Ist es schön zu sehen wie die Webseiten der Stabi wachsen und gedeihen. Kießigs Einbände sind wirklich beindruckend.
14. Juni 2024

Samstag, 13. April 2024

Sammlung Werner Kießig

Das Stabi Kulturwerk zeigt aktuell eine Wechselausstellung zur Sammlung des Pirckheimers Werner G. Kießig (1924 - 2014). In einem Pirckheimer-Abend 2017 stellte Thomas Klaus Jacob der Berlin-Brandenburger Regionalgesellschaft den seinerzeit übernommenen Nachlass des Meisters der Einbandkunst vor.
Aus Anlass von Kießigs 100. Geburtstag gibt es nun in der Dauerausstellung neben der Treppe zur Schatzkammer eine große Vitrine mit von ihm gestalteten Einbänden, die wirklich ganz großartig sind. Sie werden nur noch bis zum 14. April zu sehen sein, ab 16. April wird dann eine weitere Kollektion gezeigt.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung zum 100sten Geburtstag wird es Anfang Juni ein Werkstattgespräch mit den zuständigen Mitarbeitern und Frau Kießig geben.

Terminverlegung: 13. Juni 2024, Anmeldung erforderlich

Stabi Kulturwerk
Staatsbibliothek zu Berlin, Haus 1
Unter den Linden 8, 10117 Berlin

1 Kommentar:
  Peter D. Verheyen hat gesagt… (13. April 2024)
Danke hierfür - Kiessigs Einbände sind wirklich faszinierend.
Die Einbandsammlung wird auch von der Stabi Digitalisiert mit mehreren Ansichten und Details von den Einbänden. Der Anfang im Link.

Donnerstag, 4. Mai 2023

Der Sammler auf Reisen in den Weiten des Internet

Wie sehr doch die Sammelarbeit durch das Internet einerseits erleichtert, andererseits aber auch vervielfältigt und verkompliziert wird! Oft erlebt man auch Überraschungen.
In der Wikipedia bearbeite ich derzeit die Literaturverzeichnisse von Wissenschaftlern des 16. bis 19. Jahrhunderts. Manche Bücher, deren Titel ich interessant finde, lade ich mir auf den Bildschirm und lese darin herum. Aktuell ist derzeit das Thema Frau, ihre gesellschaftliche Stellung und ihre Rechte und Pflichten in früheren Zeiten. Lesenswert fand ich zum Beispiel „De Eruditis Germaniae Mulieribus“, eine 34 Seiten umfassende Dissertation aus dem Jahre 1688, die in den Bibliothekskatalogen unter dem Namen des Präses erscheint, der hier Magnus Daniel Omeis (1646–1708) heißt. Geschrieben aber wurde das Werkchen vom Respondenten Christoph Christian Händel (1671–1734), der mit der öffentlichen Verteidigung dieser Schrift (unter dem Vorsitz von Omeis) einen akademischen Grad erwarb. Im Hauptwerk werden 67 deutsche Frauen – in einem Anhang 4 weitere – genannt und mit kurzen Würdigungen vorgestellt. Im Vorwort werden die Vorurteile der Männer gegen gelehrte Frauen diskutiert und mit Zitaten aus der Literatur von Euripides bis zu den Zeitgenossen des Autors belegt. Als Sammler von heute werde ich überprüfen, wie viele der von Händel genannten Frauen noch bekannt sind, und anschließend werde ich etwaige Lücken durch neue Wikipedia-Artikel zu füllen versuchen.

Bei der Bearbeitung der übrigen Werke von Omeis fiel mir ein Titel besonders auf, der sich mit Epicur und seiner Wirkungsgeschichte befasst und den antiken Autor vom Vorwurf der Lüsternheit reinwaschen will: „Epicurus ab infami dogmate, quod summum bonum consistat in obscoena corporis voluptate“. (Respondent Andrea Will Meyer, Altdorf 1779.
Die Lektüre gestaltete sich allerdings etwas holprig, weil die Google-Mitarbeiter, die das Werk digitalisiert haben, nicht sorgfältig genug waren. Bei fast allen Seiten mit gerader Zählung ist rechts unten der Text teilweise weggeschnitten.
Oft kann man die fehlenden Buchstaben erraten und ergänzen, manchmal aber versagt diese Methode und man kann den Text nicht mehr verstehen. Das ist besonders lästig auf der letzten Seite, wo eine Literaturangabe nur unvollständig wiedergegeben ist. Vor Jahren schon hat ein Leser, dem diese Nachlässigkeiten öfter untergekommen sind, den schönen Begriff „Google-Pfusch“ geprägt, den ich hier ohne Quellenangabe wiederhole.

Nur einmal habe ich wegen einer solchen Nachlässigkeit ein Wehgeschrei erhoben und beim Digitalisierungszentrum der verantwortlichen Bibliothek die Nachlieferung fehlender Seiten erbeten. Als Antwort erhielt ich den Hinweis, dass die Bibliothek den Fehler nicht verbessern werde, es sei mir aber freigestellt den Mangel auf eigene Kosten beseitigen zu lassen.

(Ulrich Goerdten)

2 Kommentare:

Peter D. Verheyen hat gesagt…

Leider sehr richtig, was Google Books betrifft. Ebenso schlimm, wen nicht schlimmer ergeht es Karten und sonstiges das aufgefaltet werden muss. Da ging es um schnell und im Wesentlichen "good enough" für "discovery". Zum Glück gibt es aber inzwischen mehrere Quellen für etwas. So kann im Falle von „Epicurus ab infami dogmate, quod summum bonum consistat in obscoena corporis voluptate“ hier geholfen werden ... https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb10964629.

Ulrich Goerdten hat gesagt…

Danke für den Hinweis, ich habe die "bessere" Adresse gleich in den Omeis-Artikel eingefügt.

Donnerstag, 16. Februar 2023

400 Jahre Wegführung der Bibliotheca Palatina

Anlässlich des 400. Jahrestages der Verschleppung der Bibliotheca Palatina, die bis zu ihrer Wegführung hauptsächlich auf den Emporen der Heiliggeistkirche in Heidelberg untergebracht war, findet in dieser Kirche ein Festakt statt.
Berühmt war die Bibliotheka Palatina wegen ihres Umfangs und weil sich unter den Handschriften zahlreiche sehr alte, prachtvoll illustrierte und wertvolle Exemplare befanden, darunter der Codex Manesse und das Falkenbuch des Stauferkaisers Friedrich II.
Im 30jährigen Krieg eroberten die katholischen Truppen Tillys Heidelberg und die Bibliotheca Palatina wurde als Kriegsbeute nach Rom gebracht. 1816 wurden die 847 deutschen Handschriften nach Heidelberg zurückgegeben und befinden sich heute in der Universitätsbibliothek. Dagegen bilden 2030 lateinische, 431 griechische und 432 hebräische Handschriften sowie rund 13000 Druckschriften noch heute einen bedeutenden Fond in der Vatikanischen Bibliothek.
Die Universitätsbibliothek hat inzwischen die Handschriften der Bibliotheca Palatina digitalisiert. Die wichtigsten Handschriften kamen 1986 zu einer epochalen Ausstellung zurück in die Heiliggeistkirche.

Den Festvortrag hält der Direktor der Universitätsbibliothek Dr. Veit Probst zu dem Thema “Der Raub der Bibliotheca Palatina und ihre Wiedergewinnung: Über die digitale Rückkehr des berühmtesten Heidelberger Kulturdenkmals”.

Festakt: 17. Februar 2023, 18 Uhr

Heiligeistkirche
Marktplatz · 69115 Heidelberg

17 Februar, 2023: Peter D. Verheyen hat gesagt...
Während meiner buchbinderischen Ausbildung in Gelsenkirchen haben wir einen Betriebsausflug zu der Ausstellung gemacht. Wundersam und prägend für meinen Werdegang als Buchbinder und Restaurator. Plakat hängt noch immer und der Katalog immer schön anzusehen. Interessant auch war das Bändchen zur Herstellung von Pigmenten, für Schrift und Malerei.

Dienstag, 6. Dezember 2022

2023 - einhundert Jahre MDE

Unter dem Titel »Meisterhafte Unikate – 100 Jahre Einbandkunst« ist vom 29. Januar bis 7. Mai 2023 Einbandkunstausstellung der Meister der Einbandkunst in Leipzig zu sehen, hier konnte ich bereits auf diese Ausstellung hinweisen.
Blick in das MDE-Archiv mit ca. 300 Bände, ca. 30 Alben, Kassetten und buchbinderischen Sonderarbeiten, Foto © MDE
Die Ausstellung wird einen Einblick in die Entwicklung der Einbandkunst am Beispiel des MDE geben.

Von den Anfängen in den Handbindeabteilungen der Leipziger Buchbindereien im frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart präsentiert die Ausstellung neben zahlreichen Einbänden auch Buntpapiere, Werkzeuge, Materialien und Werkstatteinblicke.
In der Laufzeit der Ausstellung liegen die Leipziger Buchmesse, die Europäischen Tage des Kunsthandwerks, der Tag des Buches und die Leipziger Museumsnacht. Zu diesen Höhepunkten werden vom Museum Sonderveranstaltungen angeboten. Auch für die Ausstellung des MDE ist ein Begleitprogramm in Planung. Die entsprechenden Ankündigungen und Termine werden auf den Webseiten des MDE, des Museum für Druckkunst und hier in den "Informationen eines Pirckheimers" veröffentlicht.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.

Die geplante Folgeausstellung 100 Jahre MDE vom 20. Juli bis 24. September 2023 in der Staatsbibliothek Berlin musste leider abgesagt werden. Der MDE sucht derzeit nach alternativen Ausstellungsmöglichkeiten.

Vernissage: 27. Januar 2023, 17 Uhr
Ausstellung: 29. Januar bis 7. Mai 2023

Museum für Druckkunst Leipzig
Nonnenstraße 38, 04229 Leipzig

Peter D. Verheyen
hat gesagt ...
Danke für den Hinweis auf diese Ausstellung. Werde mir den Katalog zulegen müssen.

Montag, 17. April 2017

Babette, Bärbels ältere Schwester



Bärbel had an older sister, cousin, clone...?
Babette bindet Bücher, an earlier (1935) version of Bärbels fröhliche Lehrzeit (1953) by the same author. Same premise, same characters, same... Look forward to comparing - where is an Hinman collator when you need one?
(Peter Verheyen,
The Pressbengel Project)

Sonntag, 26. März 2017

Anfrage

Guten Tag in die Runde,
versuche für Kollegen (Antiquare) Informationen zu Wolfgang Stock und die Salzburger Werkstätte für Buchkunst zu finden. Stock hatte dort 1982 eine Ausstellung, auf den Katalog dazu warte ich noch (die Kollegen können kein Deutsch). Hier gibt es Bilder von Stocks Arbeiten, die die Antiquare anbieten. Unten ein Gruppen Bild. Hat hier einer irgendwelche Kenntnisse zu Stock und/oder die Werkstätte für Buchkunst?
Besten Dank, Peter Verheyen

Samstag, 18. März 2017

Bookbinding as Chick Lit

Charming piece of teen lit. for women. Bärbels fröhliche Lehrzeit (Bärbel's Happy Apprenticeship) by Felix Riemkasten written in 1953. After the death of her father, Bärbel needs to leave school to take up an apprenticeship rather than going on to university like her eldest brother (She was a straight A student). She loves book, bookbinding isn't too strenuous (says her mother), ... what could go wrong? ...
(Peter Verheyen, The Pressbengel Project)

... read more!

Dienstag, 1. November 2016

Felix Scheinberger – Hedo Berlin

In der Büchergilde Buchhandlung am Wittenbergplatz des Pirckheimer-Mitglieds Johanna Binger wird die Neuerscheinung von Felix Scheinberger mit Skizzen aus dem Berliner Nachtleben vorgestellt. 1969 in Frankfurt am Main geboren, arbeitet er als Illustrator in Berlin und als Professor in Münster und ist zudem Mitglied des Kuratoriums der »Belletristik. Zeitschrift für Literatur und Illustration«.
Der renommierte Illustrator hat seine Nächte zeichnend in einschlägigen Berliner Clubs wie dem KITKAT Club und dem BERGHAIN verbracht. Wo Fotografieren nicht erlaubt ist, damit die Partygesellschaft ungehemmt freizügig sein kann und nichts ans Tageslicht dringt, zückte der Zeichner Stift und Papier und fing intime Momente der hedonistischen Szene ein.
Das Buch kostet 28,00 €. Daneben erschien in einem pinken Schuber eine Vorzugsausgaben mit einer Radierung im Format 15 x 21 cm, handsigniert von Felix Scheinberger. Es gibt eine weibliche und eine männliche Version, jeweils limitiert auf 100 Exemplare, je 126,00 €.

Jaja Verlag 2016
21,5 x 15,5 cm
136 Seiten in Farbe
ISBN 978-3-943417-99-9

Lesung: 24. November 2016, 20 Uhr

:Büchergilde Buchhandlung am Wittenbergplatz
Johanna Binger GmbH
Kleiststr. 19 - 21 10787 Berlin

1 Kommentar:

BloggerPeter Verheyen hat gesagt...
Ich freue mich immer über Empfehlungen zu Büchern von den Pirckheimern, und so war es mal wieder mit Hedo Berlin. Letze Woche angekommen und heute mit Groszs Ecce Homo und Masereels Bilder der Großstadt eingereiht. Paßt bestens dazu. Danke!

Samstag, 13. August 2016

GBW Lifetime Achievement Award

Der Pirckheimer Peter Verheyen wurde von der Guild of Book Workers (GBW), der US-amerikanischen Gesellschaft für Buchkunst, mit dem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass Peter seit 22 Jahren ein positiver Teil meines Alltags als Buchbinderei ist.

(Jeff Peachey, Buchbinder, Konservator, Werkzeugmacher.)


Die vollständige Begründung (engl.) hier.
Die Pirckheimer-Gesellschaft gratuliert!

Dienstag, 7. Juni 2016

"Die Collins" sind online

Die Anfang des Jahres hier angekündigte Arbeit an
"Die Collins: W. Collin, Hofbuchbinder & Ernst Collin, der Autor des Pressbengels"
(126 Seiten) des Pirckheimers Peter Verheyen ist abgeschlossen. Der Titel wird auf Deutsch und Englisch als PDF (60+ MB) zum Download angeboten.
Mehr auf pressbengel...de, der direkte Download auf Deutsch findet sich hier oder durch Klick auf die Titelabbildung.

Ein Stempel im Buch

Stempel in Exemplaren der Insel-Bücherei wecken in der Regel die Neugier, können aber auch zum Innehalten auffordern. So ging es mir unlängst bei einem IB 30/1 Pandora. Ein Festspiel von Goethe. Leipzig 1913 (1.-15.Tsd., erste Auflage) mit einem Stempel auf dem Titelblatt "Ghetto-Bücherei Theresienstadt".
Das Büchlein kann seine Geschichte nicht erzählen, nicht die zum Zeitpunkt des Erscheinens unmittelbar vor dem ersten Weltkrieg, nicht die danach und noch weniger über die Zeit im Ghetto. Gerne wüßte man etwas über Menschen, die es in den Händen hielten, seine Besitzer, Leser, Aufbewahrer und über die Umstände, die dazu führten, dass es erhalten blieb ...
(Michael Steiner)

1 Kommentar:
Peter Verheyen hat gesagt: Bei dieser Paarung von Titel und Stempel kann man nur nachdenklich werden. Was müssen sich die Menschen beim Lesen des Buches gedacht haben, waren sie doch umzingelt von allem, das die Ur-Pandora freisetzte ...
08 Juni 2016

Dienstag, 16. Februar 2016

Neues vom Pressbengel-Project

Nachdem der Pirckheimer Peter Verheyen vor einigen Wochen mit der Veröffentlichung seiner Geschichte und Bibliographie der Berliner Hofbuchbinder und Schriftsteller "Die Collins - Teil 1: Wilhelm und Georg" begann, erhielt er einige E-Mails, Anregungen und wertvolle Kritik von Bibliophilen und anderen.
In seinem Blog The Pressbengel Project schreibt er: "Am meisten gefreut habe ich mich über die Bilder von Maria Schweidler zu Die Bernsteinhexe von Wilhelm Meinhold. Die Erstausgabe aus Berlin, 1843 wurde in einem Handeinband der Firma W. Collin gebunden, der Ästhetik nach vermutlich aus der Zeit von Georg Collin, also zwischen 1886 - 1918. Der Pergamenteinband ist handvergoldet mit den Vorsätzen, Schnitt und der mit Buntpapier beklebte Schuber in einem einheitlichen Muster. Der Einband ist in der Privatsammlung von Günter Jung in Deutschland. Ich danke Ihnen Herr Jung."
(Peter Verheyen)

Sonntag, 7. Februar 2016

Johannes Trojan - Ein Buchautomat

Das Konzept des Automatenbuchs stammt nicht von Reclam, wie im vorigen Post angeführt - Ulrich Goerdten fand in der Nationalzeitung von 1891 einen Hinweis von Johannes Trojan über einem Buchautomaten, mit welchem bereits die „Zehnpfennig-Bibliothek“ vertrieben wurde:
"Ein Kind hatte, wie mir erzählt wurde, auf einer Schulpartie in Hakenfelde bei Spandau aus einem Automaten gegen den üblichen Einwurf von zehn Pfennigen ein Büchlein gezogen, das Liebesgeschichten enthalten sollte. Die Sache interessirte mich. Ich hatte noch nie gehört, daß der Automat überhaupt Literatur ausscheidet; außerdem erschien es mir wünschenswerth, zu erfahren, welcher Art von Literatur der Inhalt jenes Büchleins wohl angehöre. Daher versuchte ich, es mir zu verschaffen und das gelang mir. Das kleine Buch ist Nr. 5 der „Zehnpfennig-Bibliothek“, welche im automatischen Alleinvertrieb der Aktiengesellschaft für automatischen Verkauf sich befindet. Es führt den Titel „Aus Bädern und Sommerfrischen“ und enthält fünf Humoresken, welche von E. Wengraf, Kapff-Essenther, L. Ungar, O. Justinus und Bertha Katscher verfaßt sind. Ich will sogleich sagen, daß alle diese fünf Sachen, wie auch jeder schon aus den Namen der drei Verfasser und zwei Verfasserinnen folgern wird, durchaus harmloser Natur sind. Es ist nichts dabei, was an das grünste Deutschland, ja nicht einmal etwas, das an Ibsen erinnert, der doch gegenüber den am weitesten auf dem Gebiet des Realismus Vorgeschrittenen bereits als „unbedarwter“ Waisenknabe erscheint. Es ist leichter, anspruchsloser Humor und zum Theil ganz nett sogar. Besonders die Geschichte von O. Justinus, welche sich „Die zerstreute Familie“ betitelt, ist drolliger Art und lustig zu lesen. Allerdings handeln einige dieser Geschichten von Liebe, ich kann aber durchaus nichts Gefährliches darin sehen, daß Kinder, auch wenn sie noch den unteren Schulklassen angehören, dergleichen lesen. Wie früh werden unsere Kinder auf dem Gymnasium schon mit den rührenden Liebschaften des Pyramus und der Thisbe, der Hero und des Leander bekannt gemacht! Ja, früher schon werden sie in die „Verhältnisse“ des Vater Zeus eingeweiht, die denn doch mehr oder weniger bedenklicher Natur sind. Vom moralischen Gesichtspunkte aus also habe ich gegen diesen Literaturvertrieb durch den Automaten, wenn alle anderen Nummern des Verlages ebenso harmlos sind, wie diese Nr. 5, nicht das Geringste einzuwenden. Ja, es erscheint mir in hohem Grade anerkennenswerth, daß für 10 Pfennige eine solche Menge leichten, unschädlichen Humors geliefert wird. Das Eine, was ich nicht begreife, ist unsere heutige Jugend. Wäre es uns in meiner Jugendzeit eingefallen, uns für zehn Pfennige, wenn wir sie gehabt hätten, von Automaten, wenn solche damals vorhanden gewesen wären, humoristische Literatur liefern zu lassen? Nein, gewiß nicht! Wir hätten uns immer nur an diejenigen Automaten gehalten, welche Chokolade oder Bonbons hergaben und nur diese für reell erachtet. Lieber Himmel, was für Genüsse konnte man sich damals schon verschaffen für einen Silbergroschen, wenn man ihn hatte! Man hatte die Wahl zwischen Zuckerkant, Gestenzucker, Reglise, Süßholz, Zündhütchen und Knallgummi. Alle diese Dinge schätzten wir damals höher als geistige Genüsse. Waren wir darum schlechter oder besser als die heutige Jugend ist? Ich fürchte, wir waren sehr viel schlechter. Wir hatten keinen Sinn für Humor und für die Literatur überhaupt. Darum ist auch aus uns nichts Rechtes geworden."
(Johannes Trojan, National-Zeitung, 7. Juni 1891, Morgenausgabe, 1. Beiblatt, S. 2)

2 Kommentare:
 Peter Verheyen hat gesagt …
Tolles Thema, und gibt noch mehr dazu.
Beide (vielleicht) leider auf Englisch...
Eher historische
Künstlerbücher und Kits

07. Februar 2016

 Abel Doering hat gesagt...
In diesem Zusammenhang ist auch diese Idee interessant, ein Automat, der Kurzgeschichten nach Bedarf druckt: sueddeutsche.de/...lesomat
08 Februar, 2016
Löschen

Freitag, 22. Januar 2016

Buntes Treiben in der Staatsbibliothek zu Berlin

Trotz der parallel stattfindenden Veranstaltung des „Berliner Bibliophilen Abends“ (es gibt viele Sammler, die Mitglied beider Vereinigungen sind) fanden sich am gestrigen Donnerstag gut zwanzig Pirckheimer und Gäste im Haus Unter den Linden der Staatsbibliothek zu „Buntem Treiben“ ein. Unter diesem Titel stand der Abend, an dem Thomas Klaus Jacob, Referent in der Abteilung Historische Drucke, historische Buntpapiere aus dem Bestand seiner Abteilung vorstellte. Es wurden Originalbuntpapiere in und auf Bänden des 16. bis 19. Jahrhunderts präsentiert, die meist als Vorsatzpapier oder Umschlagbezug die Bände zieren. Der Referent erklärte die Herstellung der einzelnen Papierarten, wobei die Palette von Modeldruckpapieren über Marmor-, Kleister- und Bronzefirnispapiere bis hin zu den äußerst attraktiven Brokatpapieren reichte. Interessant dazu, dass es sich bei den Metallauflagen der Brokatpapiere meist nicht um Blattgold, sondern um gold-, silber- oder bronzefarbene Blattmetallfolien – wie z.B. Messing – handelt. In eindrucksvollen Beispielen wurde belegt, dass diese Metalle mit der Zeit korrodieren und dann z.T. nur noch als Reste auf den Einbänden zu erkennen sind.
Neben der Betrachtung der schönen Papiere wurde das Problem der über die Jahrhunderte entstandenen Begrifflichkeit für die einzelnen Buntpapierarten angesprochen und auch die Schwierigkeiten beim Nachweis von Buntpapieren in den Bibliotheksbeständen wurde thematisiert, denn im Mittelpunkt der bibliothekarischen Erschließung stand – die besonderen Kostbarkeiten aus den frühen Jahrhunderten ausgenommen – zunächst immer der Inhalt der Bücher, weniger ihre äußere Form.
Ergänzend zu den gezeigten historischen Bänden hatte Herr Jacob eine Auswahl von Sekundärliteratur ausgelegt, die im Raralesesaal der Staatsbibliothek ihren Platz hat und dort benutzt werden kann. Außerdem können Interessierte auf buntpapier.org Informationen zum Thema Buntpapier finden.
Selbstverständlich konnten die ausgelegten Bände nach den äußerst lebhaft vorgetragenen Ausführungen des Referenten eingehend betrachtet werden.
(Text/Fotos: Ninon Suckow)

1 Kommentar:

 Peter Verheyen hat gesagt …
Schöne Sammlung. Da kann man nur neidisch werden.
22. Januar 2016

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Der Pressbengel / The Bone Folder

Gesprächsbüchlein zwischen dem ästhetischen Bücherfreund und seinem in allen Sätteln gerechten Buchbinder.

Der Pressbengel (The Bone Folder) erschien 1922 im Euphorion Verlag, später ab 1989 mehrere deutsche Nachdrucke / Wiederauflagen im Mandragora Verlag. Als ein Dialog zwischen einem Bibliophilen und einem Buchbindermeister zu allen Aspekten der Buchbindehandwerks sowie spezielle Techniken konzipiert, behandelt der Text von Ernst Collin auch die Konflikte zwischen Qualität und Kosten sowie Fragen des guten Geschmacks. Die erste englische Ausgabe The Bone Folder (übersetzt von Peter D. Verheyen) erschien 2010. Nunmehr legte der Pirckheimer eine 2. Auflage in englischer Sprache vor. Die erweiterten Ausführungen durch Peter Verheyen zum Autor und seine Familie reflektieren einen historischen Kontext des Niedergang der formalen Ausbildung, ein Trend, der bis heute andauert. Diese Ausgabe korrigiert auch biografische Fehler, die in der ersten Auflage zu finden sind.

Peter Verheyen betreibt den Pressbengel-Blog, in welchem auch der Text sowohl auf dtsch. (Der Pressbengel) als auch auf engl. (The Bone Folder) veröffentlicht ist.

ISBN 9781329715530
Zweite Ausgabe, Verlag Peter D. Verheyen
80 Seiten, Pb, Klebebindung

Rare Books Uncovered

True Stories of Fantastic Finds in Unlekely Places

Rebecca Rego Barry erzählt in Rare Books Uncovered die Geschichten bemerkenswerter Entdeckungen aus der Welt des Büchesammelns. 
Eine Familie entdeckte auf ihrem Dachboden einer Ausgabe des Action Comics Nr. 1, dem ersten Auftritt von Superman. In Salt Lake City fand ein Buchhändler bei der Suche nach Spenden die 500 Jahre alte Ausgabe der Schedelschen Weltchronik. Da gab es den Sammler, der beim Stöbern in einem lokalen Trödelladen ein Sammlerstück der Calvary in China, signiert vom Autor Robert W. Greene für die Sammlung des Großvaters fand.
Diese und viele weitere Geschichten sind unterhaltsam und flüssig geschrieben und können alle Bücherfreunde, Sammler wie gestandenen Bibliophilen, gleichermaßen begeistern.
Die Autorin Rebecca Rego Barry, seit 15 Jahren in der Buchbranche tätig, ist die Herausgeberin des Magazins Fine Books & Collections. Sie veröffentlichte im Guardian, dem Economist und für viele andere Zeitschriften, sowie in Radiofeatures Texte über Bücher.
Ich danke an dieser Stelle dem Pirckheimer Peter Verheyen, der mir diese interessante Lektüre zusandte.
(ad)

Rebecca Rego Barry: Rare Books Uncovered
Vorwort: Nicholas A. Basbanes, geb., 264 Seiten, 16 Fototafeln
ISBN: 9780760348611
Verlag: Voyageur Press, 2015

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Ruth Sackner

Anfang der 1990er Jahre lag in meinem wackeligen Briefkasten im zweiten Hinterhof in der Urbanstraße in Berlin-Kreuzberg ein Brief mit gedruckten kyrillischen Zeichen und dem Absender „The Ruth & Marvin Sackner Archive of Visual and Concrete Poetry, Miami Beach“. Der Brief selbst war handschriftlich von Marvin Sackner geschrieben worden. Er erkundigte sich nach der Möglichkeit, die Zeitschrift „teraz mowie - Hefte für visuelle Poesie“ komplett zu erwerben. Den Tipp muss er aus Russland von den inzwischen verstorbenen Neofuturisten Serge Segay und Rea Nikonova bekommen haben. Und natürlich gab es die Möglichkeit, diese Hefte und noch viel mehr zu beziehen. Bei unseren weiteren Korrespondenzen wurde schnell deutlich, dass die Sackners das weltgrösste Archiv für Künstlerbücher und -editionen angesammelt hatten – voller leidenschaftlicher Hingabe an die erworbenen Werke, mit denen sie ihr Haus gestalteten, Gäste aus aller Welt empfingen oder externe Ausstellungen konzipierten. Unter den Sammlern von Künstlerbüchern sind sie die Superstars.
Ruth & Marvin Sackner
(...) Gelegentlich rief ich bei den Sackners an und einmal sprach ich mit Ruth über Menschen in öffentlichen Institutionen, die in herausragender Position sind, aber überhaupt keine Impulse für die Sammlung haben. Warum die ausgerechnet mit Kunst zu tun haben, weiß niemand. Beim Finanzamt wären sie vermutlich viel effektiver. Für Ruth waren das Menschen ohne langen Atem, ohne Leidenschaft für die Kunst, ohne Ausdauer.
(...) Kurz bevor die Sackners als aktive Sammler aufhörten, besuchten sie mich noch einmal in Berlin. Wir verbrachten einen sehr entspannten Tag am Potsdamer Platz und in meinem 12 Quadratmeter großen Zimmer in Schöneberg, zu dritt auf wackeligen Stühlen, wobei einer zusammenkrachte. Ruth ist mir als eine attraktive, warmherzige Frau in Erinnerung geblieben. Heute schrieb mir Marvin, daß sie am 11. Oktober 2015 im Schlaf gestorben ist. 
(Hartmut Andryczuk)

... kompletten Artikel lesen in Der Daten-Messie

1 Kommentar:
 Peter Verheyen hat gesagt …

Hier auf Englisch die Todesanzeige mit Video über die sehr beeindruckende Sammlung. Ihr Tod hat hier in den USA ein sehr großes Loch in die Buchkunst Szene gerissen.
02. Dezember 2015

Donnerstag, 29. Oktober 2015

... neu bei der Pirckheimer-Gesellschaft

In der Pirckheimer-Gesellschaft begrüßen wir ein neues Mitglied, aus den USA den Buchbinder und Betreiber des Pressbengel-Projekts Peter Verheyen, hier mit seinem Begrüßungspaket.
Übrigens, ein gelegentlicher Blick in den Blog Pressbengel-Projekt ist für jeden Bibliophilen immer von Gewinn. So der Beitrag vom 3. Oktober über Art-Deco-Buchbinderei u.a. von Georges Cretté, welcher "Two Tales" von Oscar Wilde für F.L. Schmied 1926 in 20 Exemplaren gebunden hat.