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Freitag, 4. September 2026

Michael Lentz SCHOENBERG – HÖRSTÜCK

Neu im Hybriden-Verlag: „Michael Lentz SCHOENBERG – HÖRSTÜCK“.

Textauszug:

MITTE:
Bei aller Tonalität verriet ich mein Komponieren mit zwölf Tönen, die in Beziehung zueinander gesetzt werden, nicht, die Zwölftonreihe der Orgel-Variationen steht vielmehr in Beziehung zu einem tonalen Zentrum, dem d-moll- bzw. dem D-Dur-Dreiklang.

MUSIK!

MITTE:
Seit dem 1. März 1942 mache ich, wenn es dunkel ist, denselben Spaziergang.
Ich wende mich nach rechts und werde der North Rockingham Avenue zunächst einen knappen Kilometer folgen.
Ich schwebe aus der Tür, ich bin

links:
draußen, vor der Tür.
MITTE:
Ich könnte überfahren werden. Um diese Uhrzeit rechne ich jedoch nicht damit.

links/rechts (versetzt):
Seit dem 1. März 1942 macht er, wenn es dunkel ist, denselben Spaziergang.
Er wendet sich nach rechts und wird der North Rockingham Avenue zunächst einen knappen Kilometer folgen.
Er schwebt aus der Tür, er ist draußen, vor der Tür.
Er könnte überfahren werden. Um diese Uhrzeit rechnet er jedoch nicht damit.

MITTE:
Mein neues Stück sollte ein Melodram werden, ich hatte sofort die Überzeugung, dass es das Entsetzen der Menschen über all jene Verbrechen, die dieser Krieg verursacht, nicht ignorieren darf.
Habe ich also nichts mit Politik zu tun? wie ich noch vor vierzehn Jahren schrieb – und glaube ich nun ernsthaft, dass Kunst politische Vorgänge beeinflusst?

rechts:
Melodram – Musik des Sprechens, melodramatisches Sprechen – eine lange Geschichte.


Michael Lentz (Text, Stimme, Gehen, Altsaxophon)
Gunnar Geisse (Musik)
Hartmut Andryczuk (Zeichnungen)
(rechts, MITTE, links: Stereopositionen im Hörraum)
54 Seiten
mit einem zusätzlichen Text von Gunnar Geisse zur Hörspielarbeit mit Michael Lentz, sowie acht großformatigen Zeichnungen von Hartmut Andryczuk
Beilage: Audio-CD zum Hörstück, 52:18 min
Das Hörspiel ist eine Produktion vom Villa Aurora & Thomas Mann House e. V.
Der Text ist eine Erstveröffentlichung.
Auflage: 30 Exemplare, nummeriert und signiert
850 €

Dienstag, 28. Juli 2026

Ikfiiqaromiko. Wie bitte!

Unter dem Titel „Ikfiiqaromiko. Wie bitte!“ erschien im Hybriden-Verlag eine Mappe mit achtzehn Originalzeichnungen von Ulrich Tarlatt & Hartmut Robert Andryczuk.
© Ulrich Tarlatt
© Hartmut Robert Andryczuk
Achtzehn Originalzeichnungen
Ohne Text & Interpretationen
Arbeiten in einer Mappe
Signiert & Nummeriert
Format der Arbeiten: A5
Auflage: 8 Exemplare
450 €

Mittwoch, 22. Juli 2026

Michaela Melián, Straße

Hartmut Andryczuk vermeldet mit „Michaela Melián, Straße“ eine Neuerscheinung im Hybriden Verlag.
Es ist die Nachzeichnung unserer äußeren Welt: Mit einem schwarzen Faden auf weißem Papier, in bloßer Andeutung, ähnlich dem Rest einer Erinnerung, ähnlich dem Rest einer Erinnerung an einen Traum. Manchmal sind die Linien einfach, manchmal sind sie gestisch oder sogar verspielt. Manchmal hängen sie in Schlaufen aus dem Bogen heraus und ändern ihre Form, ändern ihren Verlauf. Dann beginnen sich die Ränder der Bäume zu wölben, dann hängen die Außenwände der Häuser aus dem Bild heraus. Das wäre der zufällige, spontane Anteil des Materials, das wäre der zufällige, spontane Anteil der Geschichte. Alle Linien wurden mit der Nähmaschine gemacht. Die Hände haben ihre Spontanität an die Maschine abgegeben, während die Maschine sich ihre eigene Spontanität nicht verkneifen konnte. Durch ihre Außenlinien wirken Straßen und Häuser und Bäume und Berge stark abstrahiert. Sie bleiben als Außenlinien stehen, die so umrissenen Flächen bleiben leer, im Kopf kann man sie selbst füllen. Das wäre ihre allgemeine Form. Allgemein sind zunächst auch die Motive: Straßen und Häuser und Bäume und Berge kommen überall vor. Gleichzeitig sind diese Zeichnungen von Landschaften aus schwarzem Faden auf weißem Papier dokumentarisch und damit konkret. Sie haben eine reale Referenz, beziehen sich auf reale Straßen und Häuser und Bäume und Berge. Das Blatt Papier, mit seinen oben aufliegenden Fäden und den darunter liegenden Einstichen entspricht der realen Landschaft. Sie beide sind erst geworden, indem sie abgespeichert haben, was ihnen widerfahren ist. Eine bloß natürliche Landschaft gibt es nicht, alle Landschaft ist voller historischer Spuren, manche sind blutig und manche banal. Die meisten Spuren liegen tief und werden erst sichtbar, wenn man von ihnen weiß, wenn man sie freilegt. Spuren verschwinden zwar unter Spuren, aber ganz los wird man sie nicht. Es ist mit ihnen, wie mit ihren Zeichnungen aus schwarzem Faden auf weißem Papier: wenn man die Fäden zieht, dann bleibt die Perforierung.

(Radek Krolczyk)
Michaela Melián, Triangel (2002), Panorama (2003)
Künstleredition, 58 Seiten
mit drei Bildserien von Michaela Melián
Audio-CD von Michaela Melián,
(Hand-Siebdruck, signiert und nummeriert)
Texte von Radek Krolczyk

Hybriden-Verlag, Berlin
in Zusammenarbeit mit der Galerie K’, Bremen 2026
Auflage: 100 €
Preis: 90 € (exklusive 8 € Postgebühren in Europa)

Dienstag, 9. Juni 2026

Heutzutage gehört ein Sarg zur Grundausstattung jedes Hauses

Im Hybriden-Verlag bei Hartmut Andryczuk erschien „Heutzutage gehört ein Sarg zur Grundausstattung jedes Hauses“ von Saber Sadipour, herausgegeben von Anna Hoffmann.

Mai 2023, Babylon, Irak

In Sichtweite des gestürmten Palastes Saddam Husseins, nah am wieder auf-gemauerten Teil des antiken Babylons sitzen Dichterinnen und Dichter um eine provisorisch aufgebaute Tafel. Das Licht des Nachmittags taumelt mit den Schatten, die die Palmen werfen, über Menschen und Fliegen. Alle essen. Wer eine gemeinsame Sprache gefunden hat, unterhält sich. Der Mann zu meiner rechten im Anzug schweigt und lächelt, schweigt und beobachtet, schweigt und reicht mir das Wasser.
Sein Haar ist grau, aber alt ist er nicht, 40 plus vielleicht. Über seinem geblümten Hemd leuchtet ein blauer Anzug. Er reicht mir sein Handy, automatisch tippe ich Telefonnummer und meinen Namen ein, wie so oft in diesen Tagen. „We are all Babylonians“ – das 10. Babylon-Festival für Internationale Kulturen und Kunst hat mich an diesen Ort gebracht zu diesen Menschen, die genau wie ich, Gedichte lieben und schreiben. (...)
Im Oktober 2025, er hatte gerade den iranischen Poetry of the Year gewonnen und wollte das gewonnene Renommee nutzen, um eine internationale Anthologie zu publizieren, was im Iran ein Wahnsinnsunterfangen darstellt. Aber er dürstete nach Austausch mit der Welt und fragte mich nach Empfehlungen. Dieser Durst erinnerte mich daran, wie schwierig es zu DDR-Zeiten war, an zeitgenössische internationale Gedichte zu kommen, die sich nicht zu Propagandazwecken missbrauchen ließen. Ich empfahl ihm DichterInnen und ihn bei bekannten Herausgeberinnen von Literaturzeitschriften und Festival-OrganisatorInnen in Europa.
Am 7. Februar schickte er mir Gedichte über das, was um ihn herum passierte, mit ihm, mit seinen FreundInnen und Bekannten, im ganzen Land, Gedichte über die Massaker. (...)
Am 11. Februar kam seine letzte Nachricht. Dann hörte ich wochenlang nichts, scrollte nachts durch die Berichte, schrieb ihm, aber es kam keine Antwort durch.
Ich übersetzte die folgenden Gedichte.


(Anna Hoffmann)

Edition mit einem Vorwort von Anna Hoffmann
und acht Originalzeichnungen von Hartmut Andryczuk
Gedichte in Deutsch und Persisch
MMM-Extraausgabe Nr. 44
Auflage: 30 Exemplare
450 €

Montag, 4. Mai 2026

Van Gogh verlässt die Gorch Fock

Im Hybriden Verlag erschien das MMM-Diarium 4/2025 von Hartmut Robert Andryczuk.
Das Diarium vom 1. November 2025 – 31. Januar 2026 enthält künstlerische Arbeiten von
Matthias Lyssy
Egon Günther
Hartmut Robert Andryczuk
Matilde Diaz Lozcano
Freddy Flores Knistoff
Stationen: Kranke Ärztinnen und Ärzte – Heilemann-Schokolade nahe der Zentralbibliothek – Norman Ohler und Nazi-Polytoxikomanie – Oxxxymiron mit Bose QuietComfort Ultra Headphones – Roxi, sandschwarz – Oskar Schindler in Hildesheim – LEDER PETER in Trier – Die vergebliche Suche nach einer UV-Schutzbrille – "ARCTIC" mit Mads Mikkelsen und Maria Thelma Smaradottir – DAS PENISZEBRA – AVK, Gratzer Damm, ca. 8 Stunden Wartezeit – Auf dem Heimtrainer mit Shi Heng Li – Weiße Senioren mit dicken Leibern und asymmetrischen Tätowierungen – Vertrauenslehrer Höcke – RIEFENSTAHL – Davos: kein Krieg mit Grönland – Glatteis und mehr Knochenbrüche in Berlin

Edition: 30 Kopien
300 €

Dienstag, 21. April 2026

Die Tödliche Doris – DOSSIER

Neu vom Hartmut Andryczuk im Hybriden-Verlag: Die Tödliche Doris – DOSSIER, sechs Bände im Schuber (I - VI) plus Multiple
I The Deadly Doris Manual
2019 wurde ich Direktorin des Hauses der Tödlichen Doris. Ich erhielt einen Schlüssel, der mir Zugang zu einem kleinen Gartenhaus im Innenhof der Lützowstraße 23 in Tiergarten verschaffte. Bei einer feierlichen Eröffnung am 14. Juli durchtrennte ich das rote Band. Das Haus-Team war an allen Fronten engagiert. Im Inneren bügelte der Künstler Wolfgang Müller den Vorhang der Dauerausstellung Natur- und Haushaltskatastrophen. Hauskoch Dirk Schünemann backte rosafarbige Petit Fours mit dem spiegelverkehrten Sparkassen-Symbol von der Tödlichen Doris. Ahmad Hamad war für die Sicherheit am Hauseingang zwischen der Bar Kumpelnest 3000 und dem religiösen Laden Ave Maria verantwortlich. Richard Radzinski war noch in Frankreich und philosophierte aus der Ferne.
Das Haus mit seinen olivfarbenen Fensterläden war bezaubernd. Es bestand aus zwei Räumen. Im Erdgeschoss führte eine kleine Holzleiter zum Dachboden, wo sich seit 1987 Dinge angesammelt hatten. Das Haus war bis zum Rand mit Kisten, Ordnern, Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Büchern, Gitarren und vielen anderen Dingen gefüllt. Ein Haufen Schätze. Zunächst sorgten wir mit maßgefertigten Möbeln für Ordnung. Im unteren Raum stellten wir einen großen Tisch auf, der aus vier Teilen bestand, die einzeln verwendet werden konnten. An diesem Tisch trafen wir uns mit unseren Gästen, tranken Kaffee, aßen Kuchen und führten Gespräche, ganz nach dem Motto von Heinrich von Kleist: „Ideen kommen beim Reden.“ Eine Rekonstruktion des Naturkatastrophenschranks aus den 1980er Jahren, angefertigt vom Künstler Daniel Chluba, diente zur Aufbewahrung des Papierarchivs von Die Tödliche Doris: 33 Ordner mit Dokumentationen, Fotos, Texten, Kompositionen, Notizen und Skizzen. Dieses Material war seit den Anfängen von Doris im Jahr 1980 von Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen sorgfältig zusammengetragen worden.
(A.P.)

II. Monika Reich
Vielleicht ist der geheimnisvollste Teil von Die Tödliche Doris nicht Doris, sondern Monika Reich. Niemand hat Monika Reich jemals getroffen. Die Tödliche Doris stellte Reich als Pressesprecherin ein, und sie arbeitete von zu Hause aus. Als sie in den 1980er Jahren anfing, gab es noch keine sozialen Medien. Es war eine Zeit, in der noch kein Internet existierte. Wenn man heute nach Monika Reich googelt, stößt man auf ein Buch mit dem Titel Finanziell frei. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieses Buch von unserer Monika Reich geschrieben wurde. Der Untertitel ihres Buches lautet: Wie ich es geschafft habe, mit 45 ohne Geldsorgen zu leben. Das klingt so, als würde Reich nicht mehr in Deutschland leben. Vielleicht ist sie beispielsweise nach Portugal gezogen und folgt damit einem Konzept, das versierte Lebensinvestoren als Geo-Arbitrage bezeichnen. Dabei zieht man an einen anderen Ort, an dem die Lebenshaltungskosten niedriger sind.
(A.P.)

III. Galerie Eisenbahnstraße
In den tristen Kellerfluren einer ehemaligen Kohlenhandlung, neben einem Depot für Baubedarf und unterhalb einer Milchbar gelegen, haben Ueli Etter und Mastermind der Tödlichen Doris, Wolfgang Müller, ein unterirdisches Notquartier für’s kulturelle Survival errichtet, dessen Schäbigkeit allerdings jeder Kultiviertheit spottet, Geleitet von herzhafter Konzeptlosigkeit, peitschen die beiden, befristet auf ein Jahr, ihre 25 Klein-Veranstaltungen durch, ohne dabei Spekulationen von „Gesamtkunstwerkelei“ oder „multimediale Sinnesorgien“ zu dulden; auch „kunstauratisches Gedusel“ ist abgemeldet. Stattdessen ein Programm bestehend aus Poems, Konzert, Kulisse, Vision, Handlesekunst und Ausstellung.
(Ursula Frohne, Finale, Wolkenkratzer, 13/1986)
IV. Wolfgang Müller Talks
UNSOUND: Was würden Sie als Ihre Einflüsse bezeichnen?
Wolfgang Müller: Ich werde von allem beeinflusst, was ich mag oder nicht mag, mehr oder weniger je nach den Umständen.
(Aus einem Kurzinterview: UNSOUND, San Francisco, 1986)

V. Dagmar Dimitroff’s Personal Transcript
In der Gedenkstätte Hohenschönhausen treffe ich mich mit der Direktorin Elke Stadelmann-Wenz. Wir sprechen über die Verhörprotokolle von Dagmar Dimitroff im Stasi-Archiv in Berlin. „Hat sie die Protokolle unterschrieben?“, fragt mich die Direktorin. Dimitroff hat das getan. Der offizielle Satz lautete wie folgt: „Ich habe das Verhörprotokoll selbst gelesen. Sein Inhalt entspricht in allen Teilen den von mir gemachten Aussagen. Meine Worte sind darin korrekt wiedergegeben.“ Dennoch war die junge Künstlerin hartnäckig und verfasste während ihrer Haftzeit zahlreiche persönliche Aufzeichnungen. Diese sind handschriftlich und klären Fragen, die während der Verhöre angesprochen wurden. Die getippten Protokolle der Verhöre neigten dazu, Worte so zu verdrehen, dass sie zum Diskurs der Staatssicherheit der DDR passten.
Insgesamt verbrachte Dagmar zehn Monate im Gefängnis. Sie war drei Monate in einer Haftanstalt in Pankow inhaftiert, dann vier Monate im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen und wurde anschließend in die Jugendstrafanstalt Hohenleuben nach Thüringen gebracht. Während ihrer Haft wurde Dimitroff die DDR-Staatsbürgerschaft aberkannt und sie wurde staatenlos. So kam sie im Sommer 1978 nach West-Berlin und wurde einige Jahre später, 1981 Mitglied der Band Die Tödliche Doris. Sie spielte Schlagzeug, sang „fliegt schnell laut summend“, entwarf Cocktailkleider für Doris und trat auf dem legendären Festival der Genialen Dilettanten auf.
(A.P.)
VI. Niki, Nicky, Niccy, Nik
Nikolaus Utermöhlen war vielleicht der Ruhigste in der Tödlichen Doris, wie wir in Wolfgang Müller Talks gesehen haben. Aber er nahm auf andere Weise Raum ein, indem er beispielsweise seinen Namen in alle Richtungen vervielfachen ließ: Nik, Nicky, Niccy, Niki. Ufermöler, Ufermöhlen, Utermöhlen, Vermöhlen. Die falsche Schreibweise seines Namens gefiel dem Künstler. Im Archiv der Tödlichen Doris fand ich einige Seiten aus Utermöhlens Kalender, die seine vielen Talente zeigen, vom Schreiben von Partituren bis zum Entwerfen von Kostümen. Es ist kein Jahr angegeben, aber eine kurze Suche im Internet ergibt, dass Mittwoch, der 18. Januar, im Jahr 1984 war, besser bekannt als das ominöse Jahr aus George Orwells Roman 1984.
1984 war das Jahr, in dem Ronald Reagan eine zweite Amtszeit gewann, die indische Premierministerin Indira Gandhi ermordet wurde und die Gefahr eines Atomkrieges greifbar war. Es war auch das Jahr, in dem das AIDS-Virus entdeckt und öffentlich bekannt gemacht wurde. 1996 starb Nikolaus Utermöhlen, von seinen Freunden Niki genannt, im Alter von 38 Jahren an den gesundheitlichen Komplikationen, die dieses Virus mit sich brachte.
(A.P.)
Die Tödliche Doris – DOSSIER
Sechs Bände im Schuber, 248 Seiten, viele farbige Abbildungen
Herausgegeben von An Paenhuysen.
Coverzeichnungen von An Paenhuysen
Ephemera: Ticket Delphi-Filmpalast (14. Juli 1985) – Multiple,
signiert und nummeriert von Wolfgang Müller
Zweisprachige Ausgabe (Deutsch/Englisch)
Auflage: 100 Exemplare, nummeriert und signiert
180,00 € EUR

Mittwoch, 11. März 2026

Dorian Blue & andere Agenten

Hartmut Robert Andryczuk (Hybriden Verlag) legt vor: „Dorian Blue & andere Agenten“
Intro:
Sprachmodelle maschinellen Lernens können Bilder analysieren, eine Mythologie aufgrund ihrer Analyse generieren, Kurzgeschichten und Poeme erfinden und knappe psychiatrische Aussagen formulieren. Die haben sich im Laufe dieser Projektionen als indifferent erwiesen. Ich möchte für diese Phänomene den Begriff NKI benutzen. NKIs sind „Nicht-kreative Informationssysteme“. Stellvertretend für NKIs sind psychologische oder psychiatrische Aussagen, die auf Wertesysteme und eindeutige Aussagen verzichten, um neurodiverse Eigenschaften nicht zu diskreditieren. Sie erinnern mich an die Aussagen des ehemaligen Bremer Postboten Gerd Postel, der mithilfe von Fake-Identitäten eine psychiatrische Klinik leitete und zu einem geachteten psychiatrischen Gutachter wurde. Astrologische und psychiatrische Aussagen waren für Postel gleichwertig. Psychologie würde ohne Empathie überhaupt nicht funktionieren – und wäre daher streng genommen auch keine Wissenschaft.

Natürlich können Psychiater Aussagen machen, für die sie nicht autorisiert sind: „Das Bild wirkt kreativ, eigenständig und erzählerisch. Es lädt zum Gespräch ein.“ Kann ein Psychiater als Nicht-Künstler oder Nicht-Kunstrezensent überhaupt die Grenzlinie zwischen kreativen/eigenständigen und nicht-kreativen/fremdbestimmten Werken unterscheiden ohne subjektiv mit dem Werk zu interagieren?
NKI-Systeme enthalten Phantasy, Herr-der-Ringe-Sprache, Interpretationen von Farben mit ihren psychischen Dynamiken, archaischer Symbolik bis hin zu Vorschlägen zeitgenössischer Kunst und Club Culture, Street Art und, Fashion, die für dieses Werk Vorarbeiten in einem „Ohne Titel“-Dokument lieferten.
Das eigentliche Spiel beginnt, wenn eine Zeichnung jenseits der NKI-Systeme etwas ganz anderes sein kann: ein Medikament, eine Unterwasserdrohne, eine In-vitro-Methode, ein Regulations-Roboter, ein KI-Ökosystem, eine neuartige Energieform, ein Smartphone und ein Energy-Drink. Dank der AI-Sprachsysteme kann potentiell alles mit allem verbunden sein. Eine Zeichnung könnte auch den Impuls für das Konzept eines neuartigen Automobils mit dazugehörigem Datenblatt und Manual liefern – in einer konsequenten Meta-Metaphorik.
Zeiteinheiten (Millisekunden), Marktkapitalisierungen für das Produkt und Produktentwickler*innen sind fiktiv.

Leporello, 8 Seiten.
Beiheft mit 6 Originalzeichnungen
Text: 22 Seiten
30 Exemplare, signiert und nummeriert
800 €

Samstag, 31. Januar 2026

MIELE G 5611 SC MIT SEXY GERÜSTBAUER

Im Hybriden-Verlag erschien das MMM-DIARIUM vom 1. August bis zum 31. Oktober 2025 von Hartmut Andryczuk mit Originalarbeiten von Cristian Forte, Freddy Flores Knistoff, Patricio Álvarez Aragon, Hartmut Robert Andryczuk und Egon Günther.
Stationen: Endstation Bremerhaven – „Verstorbene können keinen Kontakt mit uns aufnehmen“ – NIX FÜR DIE KATZ (für Jens Henkel) – Verkäufer 19279 berät mich – Thomas Kellein – Beatrice Hernad in der Schlossstraße – ZWISCHEN WELLNESS UND WAHNSINN. DR. LEVINSTEINS MASISON DE SANTÉ – Die Kunst des Sammelns: Schlangengift & Streichhölzer – Dopamin-Vorfall am Rathaus Friedenau – Akzente Dorn: E-ROLLATOR MIT EINGEBAUTEM VIBRATOR und DER SCHREI VON DEICHHAUSEN – Seniorendemo mit Pali-Tüchern – Schloss Britz – Staub auf Steckdosenleisten.
Stempeldruck von Cristian Forte
Auflage: 30 Exemplare
300 €

Freitag, 5. Dezember 2025

MMM-DIARIUM 2/2025

Team Wadephul Im Volkspark
Diarium von Hartmut Robert Andryczuk vom 1. Mai bis 31. Juli 2025.

Themen: Hyacinth Freiherr von Wieser – Björn Hocke rollt sich in einem alten grünen Teppich ein – Besuch eines alten Wohnorts, Urbanstraße 34 – "Hallo, sind Sie Tierarzt" – St. Peter und Paul – Moorlake – Planetenschreiber 7, Venus – Beelitzer Heilstätten – Buntspecht am Bauch – "Die Qual der Quallen" – Norma-Vollkornkekse in Peppenhöchstädt – Videotelefonie mit Ludwig Busam – Travemünde: Alter schützt vor Tätowierungen nicht – Indischgelb – Im Restaurant Potemkin mit Wolfgang Müller – Cristian Forte – Dietmar Becker gestorben – Pfaueninsel (ohne Atomkraftwerk) – Endloser Alarm vom iPhone in der Blankenberger Straße – Familie Lentz in der Böckhstraße – "Eine kleine Bibliothek der Schulhefte" bei Gerhart Odenwald.
Zeichnung von Thomas Glatz
mit Originalarbeiten von Egon Günther, Jorge Herrera Fuentealba, Hartmut Robert Andryczuk, Thomas Glatz, Freddy Flores Knistoff

Auflage: 30 Exemplare
300 €

Dienstag, 21. Oktober 2025

Die Kunst des Sammelns, Bd. 11 – Dr. Ludwig Busam

Im Hybriden-Verlag erscheint der 11. Band der Reihe „Die Kunst des Sammelns“ mit Zeichnungen von Hartmut Andryczuk mit einem Gespräch mit dem Privatsammler Dr. Ludwig Busam.
Themen: Selbstbau einer Privatbibliothek – Alte Schreinerwerkzeuge – Secret Service Mitarbeiter inspizieren eine antike Bohrvorrichtung aus dem 19. Jahrhundert in Lebanon/OH – Afghanische Teppiche – Chinesische Holzschnitzarbeiten und Steinzeug-Flaschen – Genealogische Forschungen – Kurrentschrift – Über die Gifte aus Baccharis coridifolia und Polygala klotzschii – Brasilianische Giftpflanzen – Gebetsbücher & Sterbebilder – Chemie & Literatur – A Gentle Madness – Künstlerbücher und signierte Exemplare – Edition Augenweide – Herzattacke – Literatursammlungen, Signaturen und persönliche Begegnungen – Günther Grass – Peter Bichsel – Michael Lentz – Gute und schlechte Lesungen – Autofahrt und Signierstunden mit Daniel Kehlmann – Uljana Wolf – Judith Hermann – Herta Müller – Ulrike Draesner – Tanja Deckers – Antje Rávic Strubel – Juli Zeh – Im Parkhaus mit Jonathan Frantzen – Sirka Elspaß – Lisa Goldschmidt – Takis Würger – Clemens J. Setz – Dinçer Güçyeter – Recherche-Praktiken – Der Charme von Fehldrucken – Bestandslisten
Hartmut Andryczuk, Fliege & Papier
Titel der Zeichnungen

Asphalt & Fliegenpilz
Rindfleisch & Fledermaus
Kugelfisch & Wolken
Windeln & Autoabgase
Fliege & Papier
Kafka & Holz
Schlangengift & Streichhölzer
Tintenfisch & Saurer Regen

Faltblatt, Vorderseite:
TRICHOTHECEN MYCOTOXIN RORIDIN A.

Faltblatt, Rückseite:
GEISTERSIGNATUREN

Buch gebunden, signiert und nummeriert
Auflage: 30 Exemplare
650 €

Dienstag, 26. August 2025

MMM-DIARIUM 1/2025

Im Hybriden Verlag ist ein neues MMM-Diarium von Hartmut Andryczuk erschienen:
EQUTIGSSAT KISIMIK ANARTARFIMUT IGINEQARTASAPUT
Stationen: Wiederbelebungsversuche der Ckunsa-Sprache – Weiterflug nach Narsaqaq, Grönländische Reise (W.M., 1990) – Elon & Weideli-Partei – OMENKLATURA – Chinaöl in der Dampfsauna – Pokemon-Karten, gezeichnet – Qual der Quallen, FROM THE BORDER TO THE BORDERLINE – Im Keller mit Ottfried Zielke – Posca statt Edding – Schlosshotel Tangermünde – Sintflutbrunnen = 1 Millionen € – Nachtigall beim Schleusenkrug – Stornierung Sturmfried 14 B

Diarium von Hartmut Andryczuk vom 1. Februar bis 30. April 2025.
Künstlerarbeiten von
Hartmut Robert Andryczuk
Patricio Álvarez Aragon
Egon Günther
Matthias Lyssy
Freddy Flores Knistoff

Auflage: 30 Exemplare
300 €

Sonntag, 24. August 2025

Baby-Baby

Im Hybriden-Verlag ist ein neues Künstlerbuch erschienen: Elisabeth Masé, Baby-Baby
Warum erzählst du mir nie etwas?
Schau mich nicht so an.
Wie siehst du denn aus.
Was hast du heute getan?
Mit wem spielst du?
Was denkst du?
Sag, dass du mich lieb hast.
Du lügst.
Immer lügst du.
Du hast zu viel Fantasie.
So etwas darf man nicht einmal denken!
Nimm dich zusammen.
Sei nicht frech.
Was denken die anderen.
Entschuldige dich!
Du hast schon zu viel bekommen.
Du hast wohl zu wenig zu tun.
Sitz nicht so faul herum.
Wie waren die anderen?
Dir soll es nicht besser gehen.
Halt dich gerade.
Kämm dich.
Finger aus dem Mund.
Halt dich nicht am Tisch fest.
Du nuschelst.
Bewege deine Lippen.
Wie soll man dich bloß verstehen.

(E.M.)

Künstleredition mit Auflagenobjekt von Elisabeth Masé.
Seitenzahl: 60, Abbildungen: 54
Auflage: 33 Exemplare, signiert und nummeriert
150 €

Montag, 11. August 2025

NIX FÜR DIE KATZ – Zum Tod von Jens Henkel

Einige Mal war ich in Rudolstadt bei Jens und Renate Henkel. Bei meinen ersten Besuchen lag Jens Büro noch über der Stadt in den oberen Etagen der Heidecksburg. Unten bei der Anmeldung stellte ich mich als Dr. Fischer aus Berlin vor und so wurde ich nach oben geleitet. Gemeldet wurde dann folgerichtig ein Dr. Fischer aus Berlin und Jens war überhaupt nicht verwundert mich zu sehen – als würde gleich ein Gespräch von Kustos zu Kustos beginnen. Er zeigte mir dann die Säle der Heidecksburg, Waffensammlung, Roccoco en miniature und die Bibliothek mit den seltenen botanischen Büchern von Johann Hieronymous Kniphof (1704 – 1763). Die Pflanzenabbildungen aus den Büchern dienten mir dann als Vorlage für das Künstlerbuch Kniphofia obscura, das im gleichen Jahr in der burgart presse erschien. Vorgestellt wurde diese Edition auf der Frankfurter Buchmesse 2012 und die burgart presse war wie geplant das letzte Mal dort. Jens wollte sich diese Buchmesse nicht mehr antun. In Leipzig war er ja noch bis 2018 mit seinen Editionen vertreten. Frankfurt war nervig, laut, eng, voll, teuer und man schlief bei Freunden oder Bekannten und ging denen fünf Tage lang vielleicht auf die Nerven, weil Hotels in Frankfurt zur Buchmesse entweder ausgebucht oder zu teuer waren. In späteren Jahren quartierten Jens und ich uns in Bad Vilbel ein. Jahrelang war die burgart presse zu Gast bei Wolf Rosenthal in Bergen-Enkheim und es war über ein Jahrzehnt lang eine Art Tradition, dass ich mich mit Jens und Wolf einen Abend während der Buchmessenzeit in Bergen-Enkheim traf.
Jens Henkel, Mein Käseheft (1963)
Ich erinnere mich nicht mehr genau daran, wann ich Jens kennen gelernt habe und wo es war. Jedenfalls auf einen der Buchmessen in Leipzig oder Frankfurt in den 1990er Jahren. Er wirkte auf mich zunächst nicht wie ein Verleger sondern eher wie ein Direktor einer Kulturinstituts und ihm eilte der Ruf voraus, ein sehr guter Verkäufer zu sein. Immer in derselben Buchmessen-Uniform: schwarzer Anzug, schwarze Schuhe, weißes Hemd. Und er war tatsächlich ein sehr guter Verkäufer, was an seinen Büchern und seiner Ausstrahlung lag. Wer ihn nur kurz kannte, spürte bald seine integrative und herzliche Ausstrahlung, seinen Humor und seine Souveränität. Keine Spur von Eile, Druck, Verkaufenmüssen. Und auf jeder Messe war der Stand der burgart-presse bei den Künstlerbüchern der Platz, wo man sich traf, ein Hotspot von Sammlern und Sammlerinnen, Künstlerinnen und Künstlern.
Die burgart-presse war ein eigener Kosmos. Parallel zu seinem Beruf als Historiker in einem der größten Barockschlösser Deutschlands begann Jens Henkel in den 1980er Jahren mit dem Sammeln von Künstlerbüchern des DDR-Untergrunds.
[...]
Weihnachten bei den Henkels.
Doch "Alles für die Katz"?
Foto: Jens Henkel
2020 erschien das letzte Buch der burgart presse Alles für die Katz – Dreissig Jahre burgart. Im Herbst wütete Corona besonders stark in Thüringen. 2023 schickte er mir ein Foto mit Bodo Ramelow bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für herausragend kulturelle Leistungen. Alle drei Monate schickte ich ihn mein DIARIUM. Oft bestätigten wir uns darin, dass wir froh sind, nicht mehr auf Buchmessen verkaufen zu müssen. Und er erzählte mir von seinen Reisen, oft nach Ahrenshoop, wo er in diesem Jahr noch 25 km mit dem E-Bike gefahren ist. Ein Wiedersehen war immer geplant. In diesem Sommer wollte ich wieder einmal nach Rudolstadt fahren, aber es gab Komplikationen, Klinikaufenthalte und es kam nicht mehr dazu. Renate Henkel schrieb mir am 7. August eine Nachricht, dass Jens gestorben ist – friedlich um 13 Uhr 50. Ohne sie hätte er all die Jahre wahrscheinlich nicht überlebt. Und es waren noch sieben gute Jahre. Ich bin glücklich darüber, ihn kennengelernt zu haben und sein Freund zu sein.

(Hartmut Andryczuk, weiterlesen auf Hybriden-Verlag)

Donnerstag, 24. Juli 2025

Dietmar Becker (1942 - 2025)

Dietmar Becker ist am 28. Juni verstoben,
... ein großartiger Mensch und unterschätzter Künstler, ich lernte ihn und seine Frau, die bekannte Sozialwissenschaftlerin Regina-Becker Schmidt, die im September letzten Jahres gestorben ist, Anfang der 1980er Jahre kennen. Das war auf einer Lesung auf der sogenannten Literanover 1985. Danach verloren wir uns aus den Augen, ...
Anfang der 1990er Jahre betrieben Rainer Wichering und Cornelia Leunig die Galerie 13 in Hannover. Die Räume dienten früher den Zeugen Jehovas als Königsreichsaal. Die Galerie befand sich im Ortsteil Linden; nicht sehr weit vom Kötnerholzweg entfernt, wo Dietmar und Regina wohnten. Die Wege zur Galerie waren kurz, die Verbindungen wurden eng. Rainer und Cornelia waren aller experimentellen und randständigen Kunst gegenüber aufgeschlossen und Dietmar passte mit seinen bescheidenen und exzentrischen Werken sehr gut ins Programm. Und ich war häufiger Im Kötnerholzweg, wenn ich in der Galerie 13 zu tun hatte, übernachtete dort und freute mich auch über die finanzielle Unterstützung, denn Dietmar und Regina waren unter den ersten privaten Sammlern, die Künstlerbücher vom Hybriden-Verlag erwarben.
Wir hatten uns wohl über zehn Jahre lang nicht mehr gesehen, aber immer Kontakt gehalten – via Mail und gelegentlichen Anrufen. Vor einigen Jahren war er für einige Wochen im Krankenhaus und dem Tod wohl nahe. Später meinte er am Telefon, dass er diese Erfahrung wohl noch gebraucht hätte. Wie immer folgte eine spezielle Schilderung seiner Wahrnehmungen, die ich aber nicht mehr wiedergeben kann und es vereinfacht verstand, dass er diese Erfahrung noch brauchte, um die Angst vor dem Tod zu verlieren.

Er lud mich nach Engen ein. Der Bodensee wäre nicht weit und war bequem mit dem Zug zu erreichen. Ich fuhr nicht nach Engen und zum Bodensee.

Ist das ein Nachruf? Nein. Nachrufe auf Menschen werden oft gemacht, um sie endgültig zu begraben. Ich glaube, dass Dietmar solche Sätze wie „Man lebt nur einmal“ wie ich nicht ausstehen konnte. Nichts ist verloren. Man muss es nur wiederfinden, neu entdecken. . .


(Hartmut Andryczuk)

Sonntag, 13. Juli 2025

Ulrich Woelk/Hartmut Andryczuk - Planetenschreiber 7

Nach Planetenschreiber 5 und Planetenschreiber 6 erschien im Hybriden-Verlag Planetenschreiber 7.
Hartmut Andryczuk, GEORGI MARTYNOW, DAS ERBE DER PHAETONEN, 1964
"Das Flowers gefiel mir gut. Ich wusste, dass bei der Erschließung der Venusatmosphäre eine Menge esoterischer Erwartungen im Spiel gewesen waren. Viele Aussteiger von der Erde flogen damals hierher und gründeten kleine Siedlungen, in denen sie sich vor den neugierigen oder argwöhnischen Blicken anderer Siedler durch die dichte Atmosphäre gut geschützt wussten. Viele von ihnen beriefen sich auf eine über zweihundert Jahre alte Bewegung, deren Anhänger man seinerzeit Hippies genannt hatte. Ihre heutigen Nachfolger hofften, von den besonderen Energien der Venus zu profitieren. Ihre Plattformen hingen an Cello-phanballons in der Form von riesigen Blumen, neonfarbenen Pflanzen, kaleidoskopartigen Augen und Diamanten … Sie nannten sich Vippies und kümmerten sich nicht weiter um den Rest des Planetensystems. Doch da auch die Verfechter eines einfachen, natürlichen Lebens nicht ganz ohne Geld auskommen, betrieben sie in VH das Flowers.

Warum die Kulturbehörde der Venus der Meinung gewesen ist, dass ich mich als Schriftsteller im Flowers am wohlsten fühlen würde, kann ich allerdings nicht sagen. Es ist mir ja inzwischen selbst ein wenig unangenehm, wie viele Bilder von meinem Planetenschreiberluxusaufenthalt im Ganjing International Spa ich damals gepostet habe – und das nicht ohne einen gewissen Stolz. Allerdings gibt es tatsächlich eine Verbindung zwischen meiner Lebens-wirklichkeit als Autor und jener der Vippies: die Mittellosigkeit. Ich bin, wie ich immer wieder feststelle, ein recht genügsamer Mensch. Ich nehme die Dinge, wie sie kommen, und kann mich mit dem meisten schnell abfinden, solange ich von freundlichen, wenig eitlen und gegen jede Lust an Machtausübung immunen Menschen umgeben bin. Und so war es im Flowers tatsächlich.
"

(Ulrich Woelk)

Ulrich Woelk, Venus - Planetenschreiber 7
Text von Ulrich Woelk mit zwölf Originalzeichnungen von Hartmut Andryczuk
Auflage: 30 Exemplare
600 €

Donnerstag, 12. Juni 2025

Künstlerbuch-Offensive

Gleich drei Künstlerbücher erscheinen in diesen Tagen im Hybride4n-Verlag des Pirckheimers Hartmut Andryczuk:
  • Die Qual der Quallen
  • BDDWNB* und
  • Lokomotive Südkreuz
Die Qual der Quallen enthält 13 Zeichnungen von Hartmut Andryczuk enthält und erscheint in einer Auflage von 2 Exemplaren zum Preis von 550 €.
aus: Die Qual der Quallen
BDDWNB* entstand nach einem Entwurf von Ottfried Zielke & Hartmut Andryczuk, 2010. Es handelt sich um eine Unikatausgabe mit zehn Originalzeichnungen & Handschriften und kostet 500 €.
aus: BDDWNB*
nd Lokomotive Südkreuz ist das MMM-DIARIUM 4/2024 von Hartmut Robert Andryczuk vom 1. November 2024 bis zum 31. Januar 2025
Titel: MMM-DIARIUM 4/2024
Es enthält die Texte NEXUS von Yuval Noah Harari – Entlassung eines "Jagdscheininhabers" – Statement zur Entlassung des "Jagdscheininhabers" – Lichtensteinbrücke, Streichelzoo, Kranzler (geschlossen) – "Der General" in der Waschmaschine – Saunatag der Goldkettenträger – Brandenburg an der Havel – "Orgel-Andy" & die Orgelnauten – Post aus dem Urstromtal – "der mensch ist diese nacht" (Rahnsdorfer Treffen mit M. Lentz) – Hermes Phettberg gestorben – Besuch der Ziegen beim Seniorenheim – In die Atacama-Wüste mit Chat GPT – "culturmag", Jahresrückblick – Matrix Baldo Press – "No City for old men" mit Jürgen Irmer – David Lynch gestorben – "Wer die Welt verbessern will, macht noch mehr kaputt" (John Cage, zitiert von Erdmute W. White)
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*BÜCHER, DIE DIE WELT NICHT BRAUCHT

Dienstag, 13. Mai 2025

Ottfried Zielke – Zeichnungen und Nachrichten

O.Z. – Und denk dran, die Hölle macht ihren Laden um 18 Uhr zu
Zeichnungen und Nachrichten aus mehreren Jahrzehnten von Ottfried Zielke an Hartmut Andryczuk mit einem Vorwort von Hartmut Andryczuk (in Briefform an Ottfried Zielke) und einer umfangreichen Bibliographie aller von Ottfried Zielke beteiligten Editionen im Hybriden-Verlag.
Beilage: Leporello mit sieben Originalzeichnungen von Hartmut Andryczuk.
Seitenzahl: 124 mit 100 farbigen Abbildungen von Ottfried Zielkes Zeichnungen und Texten.
(Alle Texte von Zielke wurden transkribiert).

Titel der Zeichnungen von Hartmut Andryczuk (Leporello):
  1. NOCH 820.392 KILOMETER NACH BAD FREIENWALDE, O.T. SCHIFFMÜHLE
  2. DER UNSTERBLICHE HAUSHUND
  3. FRIEDHOF DER U-BOOTE IN DER ODER
  4. WENN WIR KEINMAL TOT WÄREN
  5. ORTSTEILWAPPEN SCHIFFMÜHLE
  6. FREI NACH O.Z.: SCHLAG DEN SCHLAGANFALL
  7. VORHANG ZU: ALLGEMEINE WEHRPFLICHT FÜR FELDHASEN
Lieber Ottfried,
Schade, dass du die Corona-Zeit nicht mehr erlebt hast. Ich glaube, die Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen hätten dir gefallen. In dieser Zeit hättest du verstärkt das Geisterradio Stalin gehört. Ich war mir bei meinem letzten Besuch in Schiffmühle und nach unserem gemeinsamen Ausflug mit Waltraut Fischer zu einem polnischen Kloster-Restaurant nicht mehr sicher, ob deine Bewunderung für unseren Lehrer, Vater, Führer, Gott, Genosse Сталин (Abb. 78) ironisch oder tatsächlich war. Bitte die Antwort auch telepathisch übermitteln. (Sie folgte prompt: die Bewunderung für Genosse Stalin ist sowohl ironisch als auch tatsächlich). Сталин erscheint mit blutigen Stiefeln (Abb. 41) und benutzt zudem noch Mundspray (Abb. 4).

Wir bewegten uns in einer Welt, die heute nur noch virtuell existiert: Henri Matisse, den sowjetischen Erfolgspanzer T34 (Abb. 6), Volksgerichtshof (Abb. 12), U-Boote aus dem zweiten Weltkrieg in der Oder (Abb. 24). Und Nein, ich habe nicht die Adresse von Maxim Gorki (Abb. 35). Er wohnt hier nicht mehr. Im Second Life zu sein, war kein Problem (Abb. 49). Künstliche Intelligenz wäre für unsere Zusammenarbeit auch kein Problem gewesen. Deren unbändige Vernunft wäre sicher eine große zeichnerische Inspiration für uns gewesen. Ja, ich denke daran: die Hölle schliesst ihren Laden um 18 Uhr (Abb. 50). Vielleicht sehen wir uns nach dem Krieg im Jahre 2039 in der Hauptstadt des Spritzkuchens (Eberswalde) wieder – als Arno Breker I und Arno Breker II. Wir bewohnen dann ein 15 Meter hohes Atelier und lassen unsere Kunst dann malen und beantworten alle parlamentarischen Fragen nach Nutzen und Finanzierung unseres teuren Ateliers von monatlichen 10.000 € mit dem Hinweis, dass wir wichtig sind und die kulturelle Identität Berlins neu erfinden müssen. Und natürlich loben wir jährlich den Preis der goldenen Gasmaske aus (Abb. 64) und gedenken dem Tag des westdeutschen Überfalls auf Ostdeutschland am 9.11. (Abb. 94) Zur Finanzierung unseres zukünftigen Ateliers verkaufe ich deine Sendungen an einen Privatsammler. Es geht mir wie dir, I LOVE MONEY (Abb. 91) und ich esse auch gern Hummer (Abb. 88).
Dein Hartmut
1. April 2025, 19 Uhr 46
Auflage: 30 Exemplare, nummeriert und signiert
450 €

Dienstag, 18. März 2025

ATACAMA

Gold & Sold Artist Production
ATACAMA

MÜLL & GÖTTER
In der Atacama-Wüste, insbesondere in der Nähe von Iquique, gibt es große Müllberge aus Second-Hand-Bekleidung, die oft aus Überproduktionen oder nicht verkauften Textilien stammen. Diese Berge sind in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Umweltproblem geworden. Berichten zufolge können diese Müllberge mehrere Meter hoch sein, wobei einige Schätzungen darauf hindeuten, dass sie bis zu 20 Meter hoch sein können.

Zu den häufigsten Marken, die in diesen Abfallbergen gefunden werden können, gehören:

Zara – Teil der Inditex-Gruppe, bekannt für Fast Fashion.
H&M – Ein weiterer großer Akteur im Bereich Fast Fashion.
Forever 21 – Beliebt für trendige, günstige Mode.
Nike und Adidas – Sportbekleidungsmarken, deren Produkte oft in großen Mengen produziert werden.
Levi's – Jeans und Denim-Produkte sind ebenfalls häufig vertreten.

Die Atacameños haben eine reiche spirituelle Tradition, die von einer Vielzahl von Gottheiten und Naturgeistern geprägt ist. Hier sind einige der wichtigsten Gottheiten und spirituellen Wesen, die in ihrem Glaubenssystem vorkommen:

Pachamama: Die Erde oder Mutter Erde, die für Fruchtbarkeit, Landwirtschaft und das Wohlbefinden der Menschen steht. Pachamama wird oft in Ritualen geehrt, um eine gute Ernte zu erbitten.
Inti: Der Sonnengott, der in vielen Anden-Kulturen verehrt wird. Inti ist ein Symbol für Licht, Wärme und Leben und spielt eine zentrale Rolle im Glauben der Atacameños.
Tata Inti: Eine andere Bezeichnung für den Sonnengott, die oft in Zeremonien verwendet wird.
Wiraqucha: Eine Schöpfergottheit, die mit Wasser und Fruchtbarkeit assoziiert wird. Wiraqucha gilt als eine wichtige Figur in der Mythologie der Andenvölker.
Kuychi: Der Regenbogen-Gott, der oft mit Regen und Wetterphänomenen in Verbindung gebracht wird. Kuychi wird um Regen gebeten, besonders in Zeiten von Dürre.
Beilagenblatt von Freddy Flores Knistoff
Geister der Vorfahren: Die Atacameños glauben auch an die Geister ihrer Vorfahren, die weiterhin Einfluss auf das Leben der Lebenden haben können. Rituale zur Ehrung dieser Geister sind wichtig für den Erhalt des kulturellen Erbes.

Texte und Zitate: Freddy Flores Knistoff & Hartmut Robert Andryczuk
Mit 16 Originalzeichnungen und einem Beilagenblatt von F.F.K und H.R.A.
71 Seiten, gebunden. Text in deutsch und spanisch.
MMM-Extraausgabe Nr. 43
Auflage 30 Exemplare, nummeriert und signiert
600 €

Freitag, 24. Januar 2025

der mensch ist diese nacht

Aus dem Hybriden-Verlag des Pirckheimers Hartmut Andryczuk gibt es eine Neuerscheinung zu vermelden: Michael Lntz: der mensch ist diese nacht.
mein kreas augenglut und aufschub ach könnte ich
im sichtbarwerden verschwinden chora sein ich hieße
immer anders dass du mich nicht mehr brennst und nicht

benennst denn name heißt ablage marke wiederholung
den eigenen auszusprechen hat mutter mir untersagt
er ist ihr sonntagsstaat ihr halfter zaoum- und halbzeug

insistiert auch der gerufene name in mir
als bloßes zeichen das jede vorstellung beherrscht
und sinkt hinab in den unbegriffenen kern der streuung

der umschrift und löschung gibt es mich doppelt als selbst und schmelze
in mein eigen lagert sich kein name ab
nur stimmen stunden ōra sonne immer anfangs
nur hyle sein und amorphon vor lauter liebe
kein anspruch kein verspruch kein freispruch kein vorspruch kein kernspruch kein zuspruch
mutters zärtlichen händen ein versiegeltes relief


(...)
Gedicht von Michael Lentz.
Mit zehn Originalzeichnungen von Hartmut Andryczuk
Buch als Leporello, zwanzig Seiten, signiert
Zeichnung als Beilage
Auflage: 30 Exemplare
600 €