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Sonntag, 19. Juli 2026

Tundalus im Höllenfeuer: Ein Ritter zwischen Verdammnis und Erlösung

Die Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD), in der  sechs Bibliotheken kooperieren, vermeldet den Neuerwerb eines überaus seltenen, bisher nur bibliographisch nachgewiesenen Drucks, den die Bayerische Staatsbibliothek München zum Buch des Monats Juli 2026 whlte: 

Tundalus Ritter. Gedruckt tzo Coellen vp dem Eygelstein by myr Henrich van Nuyß. Jn dem jair vns heren. M. CCCCC. vnd xiiij. (Köln: Heinrich von Neuß)

Der Text beschreibt in einer niederdeutschen Prosafassung die Visio Tnugdali, die Vision einer Reise des irischen Ritters Tundalus durch Paradies und Verdammnis. Die Erzählung war von einem Wandermönch namens Marcus im 12. Jh. in Regensburg niedergeschrieben worden und fand rasche Verbreitung.
Die vorliegende Ausgabe aus dem Jahr 1514 (VD16 T 2267) folgte einer gleichfalls niederdeutschen Edition desselben Druckers, die unter dem abweichenden Titel DJT ys die Hystorie van deme Strengen Rytter Tundalus bereits 1509 erschienen war (VD16 T 2266). Im Jahre 1516 brachte der in Köln ansässige Heinrich von Neuß zudem eine weitere deutsche Ausgabe unter dem Titel Tundalus Ritter heraus (VD16 T 2264).
Tundalus Ritter, Köln, 1514: Titelholzschnitt mit Darstellung des Ritters. Abb. BSB München
Der neu erworbene Druck der BSB hat einen Umfang von 20 Blatt und enthält einen qualitätvollen Titelholzschnitt, der den Ritter Tundalus hoch zu Ross mit wehender Standarte zeigt. Den Abschluss des Werkes flankieren weitere etwa viertelseitige Holzschnitte, die Stationen der Jenseitsreise des Ritters illustrieren: Abgebildet ist zum einen die Erlösung armer Sünder durch Engel aus dem Fegefeuer, zum anderen das Leid der Verdammten in der Hölle, die von teuflischen Dämonen gequält werden. Ergänzt werden diese Szenen durch eine etwas kleiner gehaltene Darstellung der Geburt Jesu in der Krippe sowie ein Bildnis des Heiligen Marcus mit seinem symbolischen Attribut, dem Löwen, als Verweis auf den Verfasser. Zwischen den Abbildungen erläutert ein begleitender Text den Leserinnen und Lesern den Inhalt der geschilderten Vision:
Tundalus ei[n] rytter rvail geboren got hait in darzo visserkoren. Dat he soulde sien die groisse pin, die in d[er] hellen un[d] vegefuyr syn.
Tundalus Ritter, Köln, 1514: Schlussblatt mit Abbildungen des Fegefeuers und der Hölle (oben) bzw. Geburt Christi und Hl. Marcus (unten) , Abb. BSB München.
(Dr. Matthias Reif)

Sonntag, 8. März 2026

StabiLiebling. Ein Spitzenstück. Zwei Tage. Ganz nah.

Gutenberg-Bibel, Bairische Landtafeln, Bußpsalmencodex Albrechts V. | © BSB
Die Bayerische Staatsbibliothek hütet und bewahrt in ihren Magazinen und Tresoren unzählige Spitzenstücke des schriftlichen und visuellen Kulturerbes der Menschheit: erlesene Handschriften – 14 von ihnen zählen zum UNESCO-Weltdokumentenerbe – kostbare Inkunabeln und alte Drucke, seltene Landkarten, Notensammlungen, Nachlässe berühmter Persönlichkeiten, Millionen historischer Fotos, spektakuläre Künstlerbücher, Orientalia, Hebraica und Asiatica von Weltrang und vieles mehr ...

Aufgrund strenger konservatorischer Vorgaben sind diese Schätze nur sehr selten öffentlich zu sehen. Für den StabiLiebling öffnet die Bayerische Staatsbibliothek ihre Tresore und präsentiert in ihrer Schatzkammer jeden Monat an zwei Tagen ein Spitzenstück aus den Sammlungen. Denn auch wenn alle gezeigten Werke detailliert in den Digitalen Sammlungen der Bibliothek betrachtet werden können, ersetzen diese Digitalisate nicht die Aura der Originale.

Die Präsentationsreihe startet am 11. und 12. März mit der weltberühmten Gutenberg-Bibel, gefolgt im April von den Bairischen Landtafeln von Philipp Apian, einer Ikone der altbayerischen Kartographie, und dem Bußpsalmencodex Albrechts V., der wohl schönsten Musikhandschrift der Welt, im Mai.

Dienstag, 6. Januar 2026

Einblattkalender für das Jahr 1567

Mit untenstehender Präsentation eines 540 Jahre alten Einblattkalenders wünscht die Bayerische Staatsbibliothek allen ihren Lesern und Freunden ein gutes neues Jahr,

Dieser Einblattkalender für das Jahr 1567 erschien in Augsburg und 
"ist einem yegklichen wol zu verstehn, ob er schon nicht lesen kan: Merck nur auff der Zaichen bedeutung".

Der Kalender zählt zur Sammlung der Einblattdrucke der Bayerischen Staatsbibliothek. Diese umfasst etwa 20.000 Drucke vom 15. bis 20. Jahrhundert, darunter frühneuzeitliche Flugblätter und über 300 Einblattdruck-Kalender mit Schwerpunkt auf dem 15. und 16. Jahrhundert. Die Sammlung ist eine der größten in Europa.

Sonntag, 12. Oktober 2025

Super Books 6

Zur 6. Super BOOKS treffen sich rund 70 nationale und internationale Künstler, Gestalter, Verleger und Institutionen, darunter auch mehrere Kunsthochschulen, um ihre neuesten Produktionen zu präsentieren.
In direktem Austausch mit Künstlern und Produzenten lernen die Besucher vielfältige Formen künstlerischer Praxis kennen, die auch den Kunstbegriff im Haus der Kunst bereichern und erweitern. An zwei Tagen erwartet das Publikum Buchpräsentationen, Workshops für alle Altersgruppen und ein Programm mit Vorträgen, Performances und Klangveranstaltungen des nicht kommerziellen Münchner Radiosenders Radio 80000.
Dieses Jahr ist auch der MaroVerlag mit einem Stand dabei!

25. und 26. Oktober 2025

Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1, 80538 München

Dienstag, 16. September 2025

1. Schultag in Bayern

Mit dem heutigen Tag beginnt in Bayern das neue Schuljahr. Wir wünschen allen Schülerinnen und Schülern einen guten Start und insbesondere den Erstklässlerinnen und Erstklässlern einen gelungenen ersten Schultag.
© Bayerische Staatsbibliothek, zum Lesen anklicken
Die Bilder stammen aus Franz von Poccis Bilderbuch "Lustige Gesellschaft" von 1867, das in den Digitalen Sammlungen unter der Signatur 48.537 zu finden ist.

(Bayerische Staatsbibliothek)

Donnerstag, 4. September 2025

Stabi-Liebling im September

Eine Miniatur aus den Carmina Burana, in der eine männliche und eine weibliche Figur beim Schachspielen dargestellt sind, ist "Liebling der Bayerischen Staatsbibliothek" im September.
Carmina Burana: (Signatur Clm 4660)
Das Spiel war im Hochmittelalter neu, beliebt und bot Männern und Frauen eine unverfängliche Gelegenheit, einander näherzukommen und sich kennenlernen.

Die Carmina Burana selbst sind eine Sammlung lateinischer und mittelhochdeutscher Lieder und Gedichte aus dem frühen 13. Jahrhundert. Der Codex wurde Anfang des 19. Jahrhunderts im Kloster Benediktbeuern im Zuge der Säkularisation gefunden, woraufhin Johann Andreas Schmeller, Bibliothekar an der Bayerischen Staatsbibliothek, ihn nach dem oberbayerischen Ort benannte und für die BSB katalogisierte.
Der Codex enthält vielfältige Themen: Liebes- und Naturlyrik, Trinklieder, moralische und satirische Texte sowie Einblicke in das höfische Leben, das Studenten- und Schäferleben, Spiel und Unterhaltung. Forschende bezeichnen dieses breite Spektrum größtenteils als „Vaganten-Dichtung“.

Donnerstag, 31. Oktober 2024

Super BOOKS 5

Der icon Verlag und so-VIELE.de
freuen sich auf euren Besuch auf der
Super BOOKS 5
Am 2. & 3.11.24 richtet das Haus der Kunst die fünfte Ausgabe von Super BOOKS aus. Die jährlich veranstaltete, unabhängige Messe der Künstler*innenbuchszene bringt fast 70 Künstler*innen, Gestalter*innen und alternative Verleger*innen sowie Institutionen und Hochschulen zusammen, um ihre jeweils neuesten Produktionen zu präsentieren.
Der Schwerpunkt von Super BOOKS liegt auf Publikationen, die die Grenzen des Mediums Buch hinterfragen, neu denken und deren Themen, Formate und Techniken sich ständig erweitern. Mit ihrer Ethik der Zugänglichkeit, die in der Preisgestaltung und der Direktheit von Vertriebswegen zum Ausdruck kommt, bilden alternative Publizist*innen ein Gegengewicht zur herkömmlichen Verlagsbranche und ihren gängigen Spielregeln.
Neben den Buchpräsentationen finden an beiden Tagen Workshops für alle Altersgruppen sowie ein Programm mit Gesprächen, Performances und Musikveranstaltungen statt.
Der nichtkommerzielle Münchner Radiosender Radio 80000 wird während der Veranstaltung sein Studio vor Ort aufbauen und live aus dem Haus der Kunst senden.

Super BOOKS ist ein Kooperationsprojekt zwischen
Haus der Kunst, AAP Archive Artist Publications,
Bayerischer Staatsbibliothek,
Akademie der Bildenden Künste München
und Kunsthochschule Kassel.
Kuratiert von Sabine Brantl (Haus der Kunst)
mit Hubert Kretschmer (AAP Archive Artist Publications)
und Lilian Landes (Bayerische Staatsbibliothek).

Archive Artist Publications
Türkenstraße 60 UG
Munich 80799
Germany

Dienstag, 5. Dezember 2023

Künstlerbücher der DDR- und Wendezeit

[...] Ich sehe es gar nicht als Notwendigkeit, das Thema „Künstlerbücher in der DDR“ an dieser Stelle breit auszurollen, denn da kann ich dankbar auf vorhandene Publikationen verweisen, etwa jene des Münchener Privatsammlers Reinhard Grüner, der seiner Publikationsliste jüngst einen weiteren Aufsatz hinzugefügt hat, der deutlich über einen ersten Einblick hinausgeht. 
Ein paar Worte möchte ich aus, tja, wie nennt man das, sammlungstheroretischer Perspektive anfügen. Eigentlich handelt es sich eher um eine Hypothese, die ich in den Raum stelle und dankbar für Kommentare und Diskussion bin. Nämlich die, dass DDR-Künstlerbücher de facto am breitesten in privaten Sammlungen dokumentiert wurden, und zwar solchen, deren Aufbau vor vielen Jahrzehnten begonnen hatte. Sammler also, die gewissermaßen neben dem fahrenden Zug herliefen und Aktuelles zusammentrugen, soweit es eben ging. Gut vernetzt auf unterschiedlichen Kanälen, vielleicht auch solchen, die in Erwerbungskontexten öffentlicher Sammlungen nicht immer zur Verfügung stehen.
Cover des einschlägigsten Überblickswerks zum Thema: Jens Henkel und Sabine Russ: DDR 1980-1989 : Künstlerbücher und originalgrafische Zeitschriften im Eigenverlag, Eine Bibliographie (Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, Gutenberg-Museum Mainz vom 8.5. bis 9.6.1991). Foto: © BSB / L. Landes
Die Bayerische Staatsbibliothek hatte aus der DDR- und Wendezeit bis vor wenigen Jahren äußerst wenige „Libri Selecti“ (aka Artists‘ Books). Die Art wie sich das änderte, ist symptomatisch – zumindest wenn man meiner Hypothese Glauben schenkt –, nämlich über die Auktion einer großen Privatsammlung. Diese war so groß, dass sich ihre Versteigerung in zwei Etappen vollzog: Bei der ersten im Sommer 2018 waren viele Schnäppchen möglich. Zahlreiche Zuschläge erfolgten selbst bei seltensten Stücken unter dem Schätzpreis. Ich hatte damals gerade erst die Kuratierung der Sammlung übernommen und wusste dieses Glück kaum zu schätzen – wohl aber heute rückblickend. Offenbar waren grundsätzlich interessierte Sammlungen nicht ausreichend aufmerksam geworden. In der zweiten Runde nur ein halbes Jahr später bot sich ein ganz anderes Bild. Vieles ging mir durch die Lappen, wurde gar um ein Vielfaches des Schätzpreises zugeschlagen. Nur bei wenigen Stücken auf meiner Must-Have-Liste wurde ich nicht überboten. Kein einziger jener 10 Titel, die ich mit der Erfahrung der ersten Auktion im Hinterkopf im Nachverkauf zu erwerben gehofft hatte, war nach der Auktion noch zu haben.
[...]

(Lilian Landes, gesamten Artikel hier lesen)

Donnerstag, 26. Oktober 2023

“Kleine Meerfrau Aranka”

Ein zweiter Bericht zum Konvolut von Borchert-Briefen der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg ermöglicht Einblicke in seine Zuneigung zu Aranka Jaenke:

Der Nachlass
Wolfgang Borcherts (1921–1947) ist einer der eindrucksvollsten und bedeutendsten Bestände in den Sondersammlungen dieser Bibliothek. Neben der Flachware – also Manuskripten, Briefen, Zeichnungen und Fotografien – beinhaltet der Nachlass auch Borcherts Bibliothek und zahlreiche persönliche Gegenstände wie die Tabakpfeife des Autors, das Buddelschiff „Tui Hoo“ oder ein getrocknetes Seepferdchen. Seit dem 100. Geburtstag des Autors im Mai 2020 können Interessierte den Bestand in der eigens errichteten „Borchert-Box“ vor Ort und in einer virtuellen Präsentation besichtigen. Abgeschlossen ist die Sammlung indes noch nicht, weil immer wieder Briefe, Skizzen oder signierte Bücher auftauchen, mit denen der Bestand ergänzt wird. Jüngst hat die Stabi ihre Borchert-Sammlung um ein besonderes Konvolut ergänzt: Aus dem Nachlass der Schauspielerin Aranka Jaenke-Mamero konnten fünf Briefe von Wolfgang Borchert erworben werden, zu denen der Autor drei handschriftliche Gedichte beigelegt hatte, zwei davon extra für die Adressatin verfasst. Zudem erhielt die Stabi etliche Fotos der Schauspielerin.

Vier der fünf Briefe an Aranka Jaenke stammen aus einer Zeit, in der Borchert sich selbst bereits als Künstler fühlte und inszenierte, aber in den Zwängen seiner Zeit gefangen war. ...

Ein wiederkehrendes Motiv der Briefe ist Borchert-typisch: Er bemühte sich merklich um die Gunst der Unbekannten und machte der zwei Jahre jüngeren Jaenke, die er vielleicht einmal flüchtig beim gemeinsamen Lehrer Gmelin gesehen hatte, absatzweise Komplimente, erhob sie gar zur Verkörperung von „Reinheit und Wahrheit“. Auch bei dieser pathetischen Umwerbung versuchte sich Borchert in einer Inszenierung, die sich in einigen anderen Briefen, die er in der Zeit an andere Freundinnen schickte, ebenfalls wiederfindet. Er selbst sei zwar „als unmoralisches Schwein verrufen“, doch glaube er „immer noch an die Reinheit und das Gute in der Frau“. ...

Hertha Borchert berichtet in ihrer unveröffentlichten, in den 1970er Jahren zu Papier gebrachten Autobiographie von einem Besuch der Eltern Aranka Jaenkes nach der Verhaftung ihrer Tochter. Sie hätten der Familie Borchert wegen der Briefe ihres Sohnes „schwerste Vorwürfe“ gemacht. Und tatsächlich erwies sich Borchert mehrfach als ausgesprochen unvorsichtiger und uneinsichtiger Briefeschreiber. An seine Eltern schrieb er während seiner Grenadier-Ausbildung in Weimar über einen Zug von ausgemergelten KZ-Häftlingen, den er dort gesehen hatte, alte und junge Menschen, die sich krank und elend dahingeschlappt hätten. Obwohl er wissen musste, dass er politisch unter Beobachtung stand und der Brief auch die Empfänger belasten könnte, führte er weiter aus: „Neben diesen armen Kreaturen kam alle zehn Schritt ein Schwein von SS-Mann.“ ...

Nachdem Jaenke nach bestandener Prüfung noch während der NS-Zeit als Schauspielerin gewirkt und in der Nachkriegszeit u. a. als Flugbegleiterin gearbeitet hatte, etablierte sie sich nach dem Krieg als Film- und Theaterschauspielerin sowie als polyglotte Synchronsprecherin und Conferenceuse. Nach dem Tod ihres Mannes Rolf Mamero (1914-1988) startete sie als Serienschauspielerin beruflich noch einmal durch. 1995 trat sie unangekündigt bei der Konferenz „Wolfgang Borchert in neuer Sicht“ auf, erklärte den Anwesenden „Ich bin die Aranka“ und setzte sich in die Mitte der ersten Reihe. Ihre Erinnerungen an Wolfgang Borchert brachten Claus B. Schröder (Draußen vor der Tür. Eine Wolfgang-Borchert-Biographie) und Gordon Burgess (Wolfgang Borchert. Ich glaube an mein Glück) in ihre Biografien ein. Jaenke verstarb am 15. März 2018 im Alter von 93 Jahren in Hamburg.

(Konstantin Ulmer, gesamten Bericht im Blog der Uni-Bibliothek Hamburg)

Sonntag, 27. August 2023

Bibliotheksmagazin 2/23

"... Durchaus ein wenig wehmütig wünschen wir Ihnen nun eine ebenso unterhaltsame wie erkenntnisreiche Lektüre der letzten Ausgabe unseres Bibliotheksmagazins. Bewahren Sie das Heft gern als Sammlerstück mit gewiss rasch steigendem Wert! Den beiden Redaktionsteams um Martin Hollender, Silke Trojahn und Sandra Caspers (Berlin) sowie Peter Schnitzlein und Irina Mittag (München) sagen wir herzlichen Dank für ihre langjährige, hoch engagierte und professionelle Arbeit."

(Achim Bonte und Klaus Ceynow, aus dem Editorial)

Das Heft kann durch Klick auf die Abb. aufgerufen werden)

Montag, 24. Juli 2023

Bibliotheksmagazin erschien ein letztes Mal

Nach 18 Jahren und mehr als 800 Beiträgen erscheint das Bibliotheksmagazin mit Mitteilungen aus den Staatsbibliotheken in Berlin und München nun zum letzten Mal.
Alle 53 Cover, Sandra Caspers, Staatsbibliothek zu Berlin-PK - Lizenz: CC-BY-NC-SA-3.0
… Das Bibliotheksmagazin will gelesen werden, mit den Autorinnen und Autoren aus unseren Staatsbibliotheken als Sendern und Ihnen als Empfängern. Die heutige digitale Mediennutzung funktioniert kategorial anders. Sie ist nicht nur schneller und situativer, auf sofortiges Agieren und kürzere Aufmerksamkeitsspannen berechnet, vor allem schleift sie konsequent und durchaus lustvoll die vertrauten Grenzen zwischen Schreibern und Lesern, Akteuren und Aufnehmenden, Sendern und Empfängern – kein Tweet ohne Retweet, kein Blog ohne Kommentar, kein Spruch ohne Einspruch … In dieser Welt, in der beide Staatsbibliotheken bereits auf vielfältigen Kanälen unterwegs sind, wirkt ein Produkt vom Zuschnitt unseres Bibliotheksmagazins zusehends – es muss gesagt sein – als Solitär, zumal es ja nicht als wissenschaftliche Fachzeitschrift, sondern als Instrument der Kundenkommunikation konzipiert wurde und als solches eben auch ,funktionieren‘ soll … Daher haben wir uns nach intensiver Diskussion entschlossen, mit dem Ihnen vorliegenden Heft das Erscheinen des Bibliotheksmagazins einzustellen. Im Gegenzug werden wir unsere netzbasierten Aktivitäten und Formate weiter ausbauen – auf unseren Websites und Portalen, auf den vielfältigen Kanälen der Sozialen Medien und über Podcasts. Hierbei ist es uns ein zentrales Anliegen, mit Ihnen direkter, schneller und aktiver in Kontakt zu kommen und gern häufiger einmal die Rollen von Sender und Empfänger zu tauschen, so wie dies nur in der digitalen Welt möglich ist … Durchaus ein wenig wehmütig wünschen wir Ihnen nun eine ebenso unterhaltsame wie erkenntnisreiche Lektüre der letzten Ausgabe unseres Bibliotheksmagazins. Bewahren Sie das Heft gern als Sammlerstück mit gewiss rasch steigendem Wert …“, so die Herausgeber Achim Bonte und Klaus Ceynowa im Editorial des letzten Magazins.

Samstag, 20. Mai 2023

Zwei Werke von Rumi sind Weltkulturerbe

Zwei Werke des persischen Dichters Dschalal ad-Din Rumi (1207-1273) – aus den Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz und der Bayerischen Staatsbibliothek – sind Teil eines Gemeinschaftsantrags, an dem sechs Länder beteiligt sind, wurden unter Federführung der türkischen UNESCO-Kommission eingereicht und in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen.
Dschalal ad-Din Rumi gilt als einer der bedeutendsten persischsprachigen Dichter, Philosophen und Mystiker des Mittelalters. Auf Rumi, auch als Maulana (türk. Mevlana, „unser Meister“) bekannt, geht der Mevlevi-Orden, der Orden der tanzenden Derwische, zurück.
Bei der Handschrift BSB Cod.pers. 45 aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek handelt es sich um das zweite von sechs Büchern des persischen Dichters Dschalal ad-Din Rumis bedeutendem Werk „Masnawi-ye ma’nawi“ („Geistige Doppelverse“).
Die Handschrift entstand 1307 und zählt zu den frühesten Manuskripten des „Masnawi-ye ma’nawi“.
 
Hier kann man in dieser Handschrift "blättern", zu allen allen Werke von Dschalal ad-Din Rumi in den Digitalen Sammlungen geht es hier.

Samstag, 28. Januar 2023

Behind these walls

Mit der Kampagne *Behind these walls* möchten die Bayerische Staatsbibliothek neugierig machen auf mittelalterliche Handschriften, Karten aus Bayern und der Welt, ikonische Fotografien und viele andere Kulturschätze, die in ihren Magazinen zu finden sind. Den Anfang macht die "Große Karte".

Im 16. Jahrhundert war die Auswahl an Landkarten in Bayern sehr bescheiden. Das änderte Herzog Albrecht V. Er engagierte 1554 den jungen Mathematikprofessor Philipp Apian: Dieser sollte sein Herzogtum vermessen – und mit diesem Werk unvergessen bleiben.

Sieben Sommer lang – die Winter ließ das Vermessungsteam aus – reiste Apian zu Fuß und zu Pferde mit seinen Begleitern durch Bayern und setzte systematisch Vermessungspunkte. Er notierte, welche Orte, Brücken und Flüsse, Gehöfte, Seen und Burgen sie vorfanden. 1563 war das Werk vollendet: Apian hatte eine etwa 5 x 5 Meter große Karte vom Herzogtum Bayern in einem detailfreundlichen Maßstab erstellt, 1 Zentimeter auf der Karte entsprachen 450 Metern. Apian ging bei den Illustrationen seiner Karten übrigens über rein kartografisch notwendige Informationen hinaus: Auf ihnen sind auch Tiere wie Gamsböcke oder auch Fischerboote sowie historische Ereignisse (zum Beispiel Schlachten) zu sehen.
Blatt 19 aus den Bairischen Landtafeln von Philipp Apian
Auf Grundlage der „Großen Karte”, einem Einzelstück, das dem Herzog gewidmet und in der herzoglichen Bibliothek der Münchner Residenz untergebracht war, ließ Apian fünf Jahre später quasi eine „Taschenbuch-Ausgabe” der „Großen Karte” erstellen. Er verkleinerte die Große Karte von Bayern, teilte sie in 24 Bairische Landtafeln auf und ließ Holzschnitte von diesen fertigen. Hier sieht man den Chiemsee, Teil der Landtafel 19. Deren Maßstab war übrigens gröber: 1 Zentimeter auf der Karte entsprachen nun fast 1 500 Metern. Der Vorteil aber war: Diese kleineren Karten konnten durch die angefertigten Holzschnitte vervielfältigt und als handlichere Exemplare verkauft werden. Über 200 Jahre lang galten die Bairischen Landtafeln als offizielles Kartenwerk in Bayern. Auch Napoleon nutzte sie bei seinen Kriegszügen um 1800 für den Einmarsch in Bayern.

Donnerstag, 4. August 2022

Super BOOKS 2022

München hat seit 4 Jahren endlich eine Künstlerbuchmesse, und noch dazu eine ziemlich hippe. Nach 2019 und 2021 geht die Super BOOKS 2022 in die dritte Runde.
In der Bayerischen Hauptstadt fehlte eine solche Messe, und die Münchner haben die Super BOOKS 2019 gleich im ersten Jahr mit in dieser Form nicht erwartetem Enthusiasmus angenommen. Der Pirckheimer Hubert Kretschmer hielt die initiale Messe in der Ausgabe 68 der Zeitschrift so-VIELE fest.
so-VIELE Heft 68, Aufl. 1000.
Umschlag: Vadim Kretschmer
Der Fokus der 3. Super BOOKS, die in Kooperation mit der Bayerischen Staatsbibliothek, dem AAP Archiv Künstlerpublikationen von Hubert Kretschmer, der Akademie der Bildenden Künste München und fructa space stattfindet. liegt auf Konzeptbüchern, die mit den Grenzen des Begriffs “Buch” spielen, sie hinterfragen, erweitern – und zuvorderst Kunst zu den Menschen tragen, zur breiten Masse sogar, denn in aller Regel sind sie zu überaus erschwinglichen Preisen zu haben.
Foto: © Malte Wandel
Messe: 11. / 12. November 2022

Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1, 80538 München

Samstag, 30. Juli 2022

BSB erweiterte ihre Pocciana-Sammlung

Die Bayerische Staatsbibliothek konnte ihre beträchtliche Pocciana-Sammlung um 360 Zeichnungen, Aquarelle und Karikaturen der Anglia-Alben erweitern.

Franz Graf von Pocci (1807 – 1876), Mitglied der Herrengesellschaft „Altengland” und Hausdichter, wurde gern als der spöttische Graf bezeichnet. Er fertigte als unermüdlicher Zeichner und Aquarellist zahlreiche Karikaturen zu hochrangige Persönlichkeiten aus Adel und Bürgertum an, etwa Herzog Max in Bayern, sein Sohn Herzog Carl Theodor (der berühmte Augenarzt), die Grafen von Spreti und Maximilian Graf von Arco-Zinneberg.
Viele Anglia-Mitglieder hatten einflussreiche Positionen am Hof, in der Regierung, in der Staatsverwaltung oder beim Militär. Auch viele Gelehrte und Universitätsprofessoren waren Mitglied der Herrengesellschaft, so der Mineraloge und Dichter des Brandner Kaspar Franz von Kobell, der Physiker und Optiker August von Steinheil und der Physiker und Geologe Karl Emil von Schafhäutl.

Franz Xaver von Gietl, ebenfalls Anglia-Mitglied, war Professor an der Münchner Universitätsklinik und Leibarzt von Max II, den er hier bei einem Treffen mit Napoleon III. in Paris begleitete. © BSB/Pocciana

Donnerstag, 8. September 2016

3 Tage im September

Fotos von Ralf Wege und Ralf Parkner auf Facebook durch Klick auf die Vorschau
Drei anstrengende, aber vor allem erlebnisreiche Tage liegen hinter den rund 100 Büchersammlern und Grafikfreunden, die sich am ersten September-Wochenende in München zur Jahrestagung der Pirckheimer-Gesellschaft getroffen haben. Dafür sorgten die Hauptorganisatoren Reinhard Grüner, Ernst Reif und Matthias Haberzettl. Sie hatten ein voll gepacktes und abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt. Los ging es am Nachmittag des 2. Septembers mit Führungen durch das Deutsche Museum. Am Abend fand in der Juristischen Bibliothek im Neuen Rathaus die Mitgliederversammlung statt, und die Pirckheimer lauschten dem Festvortrag von Dr. Claudia Fabian. Sie hatte das Thema „Sammelleidenschaft - wissenschaftliche Bibliotheken und ihr Blick auf Sammlungen“ gewählt. Am Sonnabendvormittag trafen sich die Pirckheimer in der Bayerischen Staatsbibliothek. Dort besuchten sie die AusstellungBilderwelten: Buchmalerei zwischen Mittelalter und Neuzeit“ und besichtigten das Magazin. Dr. Beatrice Hernad präsentierte ausgewählte Exemplare aus der Sammlung von Künstlerbüchern. Nach einer kurzen Mittagspause hieß es Füße ausruhen und genießen, denn während der Stadtrundfahrt galt es, viele unterschiedliche Seiten Münchens zu entdecken. Am Abend ging es ins Hofbräuhaus. Bevor im dortigen Wappensaal das Festessen serviert wurde, gab es buchkünstlerische Kost der Münchner Pressendruckerinnen Christa Schwarztrauber, Annette Vogel und Traute Langner-Geißler. Am Sonntag konnten die Pirckheimer zwischen einer Führung im Museum Brandhorst oder einem Besuch bei den Münchner Sammlern Reinhard Grüner, Hubert Kretschmer und der Pressendruckerin Christa Schwarztrauber wählen. Danach hieß es für die meisten der Teilnehmer von einem bibliophilen Wochenende mit Gleichgesinnten Abschied nehmen und den Blick nach Potsdam zu richten, wo das Pirckheimer-Jahrestreffen 2017 stattfinden wird.
(Ralf Wege)

Freitag, 2. September 2016

Pirckheimer-Jahrestreffen 2016

Heute begann das Jahrestreffen 2016 der Pirckheimer-Gesellschaft in München. Fast 100 Sammler von Büchern und Grafiken und weitere Gäste haben sich angemeldet.
Die Tagungsunterlagen wurden im Motel One beim Deutschen Museum ausgegeben. Fotos: Ralph Aepler
Dr. phil. Winfrid Glocker, Historiker, zeigte im Deutschen Museum, wie Papier von Hand geschöpft wird. Andere erfreuten sich an Büchern aus der RaRa-Abteilung der Bibliothek. Später Mitgliederversammlung in der Juristische Bibliothek im Neuen Rathaus und anschließender Festvortrag von Dr. Claudia Fabian, Ltrn. der Abt. Handschriften und alte Drucke der Bayerischen Staatsbibliothek. Fotos: Ralf Wege

Freitag, 29. Juli 2016

Jahrestreffen 2016 der Pirckheimer-Gesellschaft

Das Programm für das Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft in München am ersten September-Wochenende steht jetzt fest. Die Organisatoren Reinhard Grüner, Ernst Reif und Matthias Haberzettl haben in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek, die ebenfalls Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft ist, abwechslungsreiche und interessante Veranstaltungen zusammengestellt. Dazu gehören unter anderem der Festvortrag, die Vorstellung von Pressendruckern im Rahmen des Festessens im Hofbräuhaus und der Besuch bei Sammlern in München.
Weitere Informationen hier oder auf der Homepage der Pirckheimer-Gesellschaft.

Sonntag, 10. Juli 2016

Pirckheimer-Abend in der Bayerischen Staatsbibliothek

Am vergangenen Sonntag, dem 3. Juli 2016, trafen sich knapp 10 „Pirckheimer in Bayern“ vor den Schatzkammern der Bayerischen Staatsbibliothek in München zur Besichtigung der Ausstellung „Bilderwelten – Buchmalerei zwischen Mittelalter und Neuzeit“.
In einem dreiteiligen Ausstellungszyklus zeigt die Bayerische Staatsbibliothek 2016/2017 einen repräsentativen Querschnitt ihrer reichen Schätze deutscher Buchmalerei des Spätmittelalters und der frühen Renaissance. Hochkarätige Exponate, die zum Teil erstmals öffentlich zu sehen sind, geben faszinierende Einblicke in vergangene Welten. Auf die Eröffnungsausstellung mit prachtvollen ‚Luxusbüchern‘ folgt im zweiten Teil ‚Ewiges und Irdisches‘ mit prächtigen bunten Turnierbüchern, intimen Andachts-, reich illustrierten Rechtsbüchern und Chroniken“ – so die BSB auf Ihrer Homepage.
In einer Führung durch die beiden Schatzkammern (kostenlos an jedem ersten Samstag des Monats) wurden uns diese „reichen Schätze“ ausführlich erläutert, etwa gleich zu Beginn der „Astronomisch-astrologische Codex König Wenzels“ (Prag um 1400) oder ein prachtvoller Band des insgesamt fünfbändigen „Salzburger Missale“ (um 1470) mit einer ganzseitigen Miniatur von Berthold Furtmeyr, den „Baum des Todes und des Lebens“ darstellend (soweit man bei einer Buchgröße von 38 x 28 cm noch von einer „Miniatur“ sprechen kann – sie gleicht eher einem ausgewachsenen Tafelbild).
„Salzburger Missale“
(Abbildung aus dem Katalog „Bilderwelten“ © 2016 Quaternio Verlag Luzern)
Wir freuen uns jedenfalls schon auf den zweiten Teil der Ausstellung mit nicht weniger prachtvollen „Gebetbüchern, Psaltern, Erbauungs- und Andachtsbüchern“: In den Genuss einer Sonderführung werden am 3. September alle Teilnehmer des Jahrestreffens in München kommen; ein entsprechender Flyer der BSB lag den letzten Marginalien bei.
Aber auch diejenigen Liebhaber der mittelalterlicher Buchmalerei, die nicht nach München kommen können, haben die Möglichkeit eines „virtuellen“ Rundgangs durch die Ausstellung.
Nach der Ausstellung gingen wir gemeinsam etwa 500 Meter in die Türkenstraße: unser Pirckheimer-Freund Hubert Kretschmer hatte uns zur Besichtigung seines „Archive Artist Publications – Archiv Künstlerbücher“ eingeladen.
Seit 1980 sammelt, archiviert und dokumentiert [er] KünstlerPublikationen: Zeitschriften, Flugblätter, Künstlerbücher, Zines, Multiples, Plakate und vieles mehr.“ (siehe hier)
Vor den eindrucksvollen Wänden mit über 600 DIN A4-Archivkartons erläuterte uns der Sammler die Prinzipien und den Aufbau seines Archivs – s. a. auf seiner oben genannten Homepage.
Foto © Lisa Fuhr
Auch hier werden zum Jahrestreffen im September, am Sonntag, einige Teilnehmer in den Genuss einer Führung kommen.
Parallel dazu zeigte mir Kretschmers Frau, Lisa Fuhr ihr Foto- und Interviewbuch „Tiflis. Tbilissi – Leben in einer neuen Zeit“ (s.a. hier). Das Thema Georgien, Gastland der Frankfurter Buchmesse 2018, spielt ja auch in den Planungen der Pirckheimer für nächstes Jahr eine wichtige Rolle.
Ein rundum gelungener Tag für alle Teilnehmer.
(Matthias Haberzettl)

Donnerstag, 16. Juni 2016

Bibliotheksmagazin der Münchner und Berliner Staatsbibliotheken

Hier kann die neue Ausgabe des Bibliotheksmagazins der Münchner und Berliner Staatsbibliotheken online gelesen werden! Unter anderem mit einem Bericht über die aktuelle Ausstellung Bilderwelten an der Bayerischen Staatsbibliothek von Peter Schnitzlein, einem Bericht über den Weg der „Magdeburger Halbkugeln“ Otto von Guerickes von der Churfürstlichen Bibliothek zu Cölln an der Spree nach München ins Deutsche Museum von Martin Hollende und Claudia Götze-Sam schreibt über die Thailand-, Laos- und Kambodscha-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin.