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Montag, 1. Juni 2026

Deutschland, Deutschland über alles

Das Bibliophile des Monats Juni, „Deutschland, Deutschland über alles: ein Bilderbuch. Von Kurt Tucholsky und vielen Fotografen. Montiert von John Heartfield.“, erschien 1929 im Neuen Deutschen Verlag in Berlin. Es zählt, als gesellschaftskritisches Werk mit rund hundert Foto-Text-Montagen, zu den bekannteren Werken Kurt Tucholskys. Im Buch werden dessen Texte u.a. mit Fotomontagen von John Heartfield, der am 19. Juni vor 135 Jahren geboren wurde, kombiniert, wobei die Texte die Abbildungen nicht einfach erläutern, sondern die Fotografien umdeuten oder kritisch kommentieren.
Neuer Deutscher Verlag, Berlin 1929 (1. - 20. Tausend, 1. Aufl.), Gr.8°, 231 S., zahlreiche Abb., OLwd. mit montierten farbigen Deckelbildern, gelber Kopfschnitt
Als Präambel ist dem Buch Zitat von Friedrich Hölderlin vorangestellt: „So kam ich unter die Deutschen. Ich forderte nicht viel und war gefasst, noch weniger zu finden. Demütig kam ich, wie der heimatlose blinde Oedipus zum Tore von Athen, wo ihn der Götterhain empfing; und schöne Seelen ihm begegneten – Wie anders ging es mir!“
(Friedrich Hölderlin: Hyperion, Kapitel 67: Hyperion an Bellarmin)

Die Themen, die Tucholsky in seinem Buch anspricht, beziehen sich vor allem auf die damalige politische und gesellschaftliche Situation Deutschlands. Der Weltkrieg war 1918 zu Ende gegangen, die Revolution von 1918/19 war gescheitert, die Inflation war erst gerade abgeflaut. Die finanziellen und psychologischen Auswirkungen dieser Ereignisse prägten die deutsche Gesellschaft, die Demokratie steckte noch in den Kinderschuhen. Die Gesellschaft war geteilt durch starke soziale Gegensätze und Militarismus, wie auch ein überbordender Nationalismus waren immer noch an der Tagesordnung.
Obwohl sogar der Börsenverein der Deutschen Buchhändler versuchte, ein Boykott des Buches durchzusetzen und Anzeigenwerbung für den Titel ablehnte, worauf er sicher nicht stolz sein kann, und das Buch in der Weimarer Republik zu den umstrittensten Publikationen zählte, wurde es in den ersten zehn Tagen über 12.000-mal verkauft - bis heute wurde das inzwischen weltweit in vielen Sprachen erschienene Buch allein in Deutschland in mehr als 100.000 Exemplare gedruckt, so bereits 1929 als Lizenzausgabe parallel als Universum-Bücherei, bei Rowohlt ab 1964 und später als Taschenbuch, sowie in großen Auflagen in Verlag Volk und Welt in der DDR.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Ausflugstipp des BBA

© Annette Hauschild, Agentur OSTKREUZ
Mit einem Konzert des BuWa Orchesters unter der Leitung von Sebastian Bade wird in Waldsieversdorf, östlich von Berlin in der Märkischen Schweiz gelegen, mit Blasmusik und Big Band Swing aus Anlass von Wieland Herzfeldes 130. Geburtstags eine neue Ausstellung mit John Heartfields Fotomontagen und Herzfeldes Kommentaren eröffnet.
Manfred Dietrich (Autor und Regisseur) wird im Gespräch mit Ronald Weber (Autor und Literaturwissenschaftler) über das Duo Heartfield und Herzfelde sprechen und die Ausstellung, die von erstaunlicher Aktualität ist, eröffnen. Die Ausstellungstafeln gestalteten Astrid Landsmann und Sabine Frost.
Berliner Bibliophile besuchten das Heartfield-Haus zur Jahresexkursion vor 7 Jahren
31. Mai 2026, 15 Uhr

Freundeskreis John Heartfield Waldsieversdorf e.V.
Heartfield Haus, 15377 Waldsieversdorf

Freitag, 1. August 2025

Kleine Malik-Bücherei

Als Bibliophiles des Monats (gleichzeitig die bibliophile Empfehlung im Hamburger Bothen) soll diesmal eine Reprint-Sammlung gelten, eine wieder aufgelegten Buchreihe des legendären Malik-Verlags. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass der sammelnde Bibliophile bestrebt ist, keine Nachdrucke, sondern neben eventuellen Varianten vor allem Originale, am besten als Erstausgabe, in seine Bibliothek einzureihen, mitunter ist es jedoch auch reizvoll oder, speziell für angehende Sammler aus anderen Gründen angebracht, gut gemachte Reprints oder auch Neuauflagen zu erwerben. Das traf für mich speziell für Bücher des Malik-Verlags zu, für die ich mich zu Beginn meiner Sammelleidenschaft Anfang der 70er Jahre interessierte, damals waren die Originalausgaben des Verlags, der zwar vor gut 100 Jahren mit dem Anspruch auftrat, qualitativ hochwertige Bücher preiswert zu verlegen, mit heute teilweise sehr preisgünstigen Angeboten nicht zu vergleichen und zumindest für einen Studenten noch unerschwinglich.
In einer leinengebundenen roten Kassette mit Rückenschild wurden 1981 alle Bände der »Kleine(n) Malik-Bücherei«, die von 1924 bis 1926 in »Der Malik-Verlag, Herzfeld und Gumperz« erschienen sind, von Wieland Herzfelde (1996-1988) im Zentralantiquariat der DDR, Leipzig, neu herausgegeben. Damit wurde eine Auswahl an „künstlerischen und historischen Dokumenten der sozialen und kulturellen Kämpfe aller Völker in Vergangenheit und Gegenwart“, so der Hinweis im Band Eins des Reprints, neu aufgelegt. Diese Ausgabe ist nicht nur inhaltlich eine, zwar kleine, dennoch umfassende Zusammenstellung der proletarisch orientierten Literatur bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, für den Bücherfreund erlaubt diese Ausgabe zugleich einen Einblick in die verschiedenen Gestaltungsvarianten des Verlags und die Arbeit der Druckereien dieser Zeit. Für die von John Heartfield in der Regel zweifarbig gestalteten Einbände wurden u.a. Zeichnungen von Honoré Daumier, George Grosz, Bob Minor, Rudolf Schlichter, Adolph Menzel, Theophile Steinlen oder Frans Masereel genutzt, der Druck erfolgte bei „Nobertus“ Buch- und Kunstdruckerei oder Koch & Werner, beide Wien, von der Buchdruckerei Gustav Ascher oder in den Brandenburgischen Druckwerkstätten, beide Berlin, von F. Ullmann, Zwickau, oder Julius Klinkhardt, der Spamerschen Buchdruckerei und J.B. Hirschfeld, alle Leipzig.
Die 20bändige Ausgabe enthält in fadengehefteten Pappbänden im Klein-Oktav-Format u.a. „Der Bürgerspiegel“, tschechische Lieder und französische Revolutionslieder, 3 Aufsätze von George Grosz und Wieland Herzfelde unter dem Titel „Die Kunst“ und von Majakowsky (Schreibweise des Originals) „150 Millionen“ in der Nachdichtung von Johannes R. Becher, Texte von Albert Ehrenstein, Victor Hugo, Wera Figner, Georg Herwegh, Upton Sinclair, Georg Forster und Maxim Gorki.
Bd 3 mit Signatur Stefan Hermelin
Die Neuausgabe der »Kleine(n) Malik-Bücherei«, die vom Reprintverlag, einer (mit dem vornehmlichen Ziel der Devisenerwirtschaftung geschaffenen) Abteilung des Zentralantiquariats der DDR gefertigt und im Nationalen Druckhaus in Berlin gedruckt wurde, „erschien“ 1981 in identischer Ausstattung auch in der BRD in der Athenäum Verlags GmbH, Königsstein, wobei in dieser Ausgabe der tatsächliche Ort der Herstellung, des Drucks und des Erscheinens im Impressum unerwähnt bleibt.
Bd. 19, Slang, Panzerkreuzer Potemkin, Fotos © ad
Der hier als bibliophile Empfehlung vorgestellte fotomechanische Reprint des Zentralantiquariats der vor 100 Jahren erstmalig publizierten Reihe »Kleine Malik-Bücherei« stellte, von mir allerdings erst in den 90ern auf dem Flohmarkt erworben, einen doppelten Glücksfall dar, habe ich doch nicht nur den ohnehin preisgünstigen Nachdruck billig erstandenen, ich fand darin als Zugabe in der bestens erhaltenen Sammlung noch eine originale Widmung des Herausgebers Wieland Herzfelde.

1 Kommentar:

Freitag, 17. Februar 2023

Gestaltung ist Haltung – Vom Außen und Innen der Bücher

Was sagt ein Umschlag über den Inhalt eines Buches aus? Und wie kann Gestaltung einen Text abbilden?
Abb. © Staatsbibliothek zu Berlin
Die Schauspielerin Maria Hartmann und der Grafikdesigner Peter Nils Dorén lesen Literatur aus den Jahren der Weimarer Republik von Joseph Roth, Upton Sinclair, Annette Kolb, Karin Michaelis und Robert Walser.
Dazu zeigen sie Buchcover von John Heartfield, Olaf Gulbransson, Georg Salter und Emil Rudolf Weiß, die durch ihre Erfindungskraft die Buchschaufenster in den 1920er Jahren zu einer Augenweide machten. Es zeigt sich eine Formensprache die darauf abzielt, das Buch als unverwechselbar, als individuelle Erscheinung mit Mitteln der Illustration, der Typographie und der Photographie darzustellen. Texte und Bilder bezeugen einen liberalen, aufklärerischen und international gesinnten Zeitgeist mit einem Reichtum an Ideen und Haltungen, die noch heute aktuell sind.

23. Februar 2023, 19 Uhr

Staatsbibliothek zu Berlin, Humboldt-Saal
Unter den Linden 8, 10117 Berlin

Freitag, 29. Juli 2022

neue Kataloge von Christian Bartsch

Das Rote Antiquariat hat einen bemerkenswerten Katalog der Sammlung Michael Diers zu Aby Moritz Warburg herausgegeben.
Bearbeitet wurde diese Katalog mit Ausgaben und Autografen, mit Kontext zu Warburg, sowie zum Warburg-Kreis und -Rezeption nach dessen Tode von Friedrich Haufe und Noah Rosa Mayr, unterstützt von Michael Diers.

Aby Moritz Warburg (1866 - 1929) war deutscher Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler und der Begründer der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg. Gegenstand seiner Forschung war das Nachleben der Antike in den unterschiedlichsten Bereichen der abendländischen Kultur bis in die Renaissance.

Der Katalog des Pirckheimers Christian Bartsch enthält 373 ausführlich beschriebene Positionen mit rund 150 farbigen Abbildungen.
Er wurde gemeinsam mit der Liste Sommer 2022 des Roten Antiquariats versandt, welche auf 51 Seiten 165, ebenfalls kommentiert und bebilderte Angebote aus den Bereichen Architektur, Bauhaus, John Heartfield, Mittel- und Osteuropäische Avantgarde und Exilliteratur enthält.

Freitag, 21. Oktober 2016

George Grosz und John Heartfield

Die Ästhetik der revolutionären Schönheit

2016 jährt sich zum 100sten Mal der Beginn der Zusammenarbeit von George Grosz und John Heartfield. Dieses wurde von der Galerie FMP1 zum Anlass für eine Ausstellung und einen Collagenwettbewerb unter dem Motto „montage_16“ genommen. Die Besucher können sich nicht nur auf ausgewählte Werke beider Künstler freuen, sondern finden sich auch in der Rekonstruktion des Ausstellungsraumes der ersten Dada-Messe Berlin wieder und können die Geschichte hautnah Revue passieren lassen.
Im Rahmen der Vernissage werden die Ergebnisse des, mit 5.000 EUR dotierten, Collagewettbewerbs „Montage_16/100 Jahre später“ präsentiert und prämieren. Künstlerinnen und Künstler haben, in der Tradition von Heartfield und Grosz, die heutige Zeit ausgeschnitten, neu montiert und zu einem politischen Statement verbunden. Mehr Informationen zur Ausstellung hier.

Ausstellung: 01.November bis 18. Dezember 2016

FMP1
Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin-Friedrichshain

Mittwoch, 5. Oktober 2016

John Heartfield - Fotomonteur

Heartfield! Ein Weckruf. Ein Aufschrei. Eine Anklage.

Bis heute gilt dieser Name weltweit als Symbol des antifaschistischen Widerstands, für DADA, für politische Kunst. Ebenso gilt er als Markenzeichen virtuoser Bildmontagen und kraftvoller Parolen. In Leipzig widmet man sich in einer Veranstaltung des Leipziger Antiquariats jedoch nicht nur einem der prägendsten politischen Aktivisten und Künstler der Weimarer Republik, sondern versucht auch die Schattenseiten der Karriere Heartfield in den Leipziger Nachkriegsjahren zu beleuchten - eine Hommage an eine höchst ambivalente Künstler-Persönlichkeit.
In Kooperation mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig findet dazu im Rahmen des 20. Leipziger literarischen Herbstes ein Vortrag und Gespräch mit Julia Blume (Institut für Buchkunst) und Claudia Cornelius (Filmwissenschaftlerin) statt, begleitet von einer Ausstellung mit Heartfield-Originalen und der Filmvorführung „John Heartfield - Fotomonteur“ (R: Helmut Herbst, BRD 1976/77).

Vortrag: 28. Oktober 2016, 19 Uhr

Leipziger Antiquariat | Filiale Central W33
Georg-Schwarz-Straße 12

Samstag, 6. August 2016

Werner Klemke trifft John Heartfield

„Treffpunkt Erasmus“ in Waldsieversdorf

Das „Freilichtkino“ im John-Heartfield-Haus, Waldsieversdorf (Brandenburg), war überfüllt! Astrid Landsmann, Vorsitzende des Heartfield-Freundeskreises, hatte am Sonnabend, 30. Juli eingeladen – und viele, viele kamen, um die Aufführung von „Treffpunkt Erasmus – die Kriegsjahre von Werner Klemke“ mitzuerleben. Unter den schließlich mehr als 100 Besuchern befanden sich die Künstler Inge Jastram, Manfred Butzmann und Dietrich Lusici – allesamt Schüler von Klemke an der Kunsthochschule Weißensee, die nach der Aufführung von ihren Begegnungen und Erlebnissen mit dem Altmeister erzählen sollten. Die Familie war vertreten durch die Enkelin Felicitas, Tochter des Klemke-Sohnes Christian. Auch ein Berliner Pirckheimer wurde gesichtet, Konrad Hawlitzki, sowie Dr. Ina Schwaen, Witwe des Komponisten Kurt Schwaen.
Nach einer Einführung durch den Pirckheimer Matthias Haberzettl und der anschließenden Vorstellung, die mit viel Applaus bedacht wurde, moderierte Landsmann das angekündigte Künstlergespräch. Manfred Butzmann berichtete unter anderem von einem Treffen mit Heartfield („seine Art zu erzählen hatte etwas Montagehaftes“) und ließ zum Schluss seiner Ausführungen aus Klemkes Stasi-Akte zitieren: der Versuch, ihn [W.K.] für eine Mitarbeit zu gewinnen, wurde schließlich aufgegeben („weil er [W.K.] sich nicht politische festlegen will“). Lusici erzählte von seinem Aufnahmegespräch als Meisterschüler an der Hochschule – und dem stillen, wiewohl unabgesprochenem Einvernehmen mit Klemke, das mit einem Kopfnicken und Herschieben des Cognacglases besiegelt wurde. Und mit einer emotionalen Schlusspointe gestand Inge Jastram, dass sie zu Beginn ihres Studiums (1952-1957) „in drei Männer verliebt war: Mozart, Gérard Philipe und Klemke“.
(Matthias Haberzettl)
Inge Jastram, Astrid Landsmann, Dietrich Lusici, Manfred Butzmann (v.l.n.r.)
Weitere Fotos unter strausberg/fotogalerie.

Montag, 17. November 2014

Aus dem Antiquariat 6/2014

Auf boersenblatt.net kann ab sofort das Inhaltsverzeichnis AdA 2014 eingesehen werden. In diesem Heft werden unter anderem auch wieder Pirckheimer zu Wort kommen, so Elke Rehder mit Anmerkungen zur "Schachnovelle" von Stefan Zweig und Hermann Wiedenroth mit einen erneuten Zwischenbericht über Die Werke Arno Schmidts im Antiquariat. Außerdem gibt es neben weiteren Katalogbesprechungen eine Vorstellung von Ulrich Faure eines bemerkenswerten Katalogs des Roten Antiquariats über John Heartfield, der gemeinsam mit seinen Kollegen von Christian Bartsch herausgegeben wurde. Und, neben weiteren Beiträgen, Berichten und einer Terminübersicht findet sich in diesem letzten Heft des Jahres das Inhaltsverzeichnis für 2014.
Übrigens kann Aus dem Antiquariat zum Kennenlernen
hier als Probeabo "3 für 1" bestellt werden.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Antiquariatsliste Mai 2014

In einer neuen Liste präsentiert das Rote Antiquariat wieder eine Auswahl von Neueingängen aus den Bereichen Kunst und Literatur. Anstelle des gewohnten Frühjahrskataloges erscheint diesen Sommer ein umfangreicher Verkaufskatalog zu John Heartfield, der eine bedeutende Privatsammlung präsentieren wird. Der Katalog wird als Buchpublikation erscheinen und kann im Roten Antiquariat bestellt werden. Informationen zur Subskription werden im Juni mitgeteilt. Dieser Antiquariatsliste liegt der Ausstellungsfolder zur aktuellen George Grosz-Ausstellung im Wiener Geschäft des Roten Antiquariats bei. Diese Ausstellung geht noch bis zum 7. Juni und wird danach in etwas modifizierter Form in den Berliner Galerie-Räumen gezeigt.

è
Rotes Antiquariat
und Galerie C. Bartsch
Knesebeckstr. 13/14
10623 Berlin

Freitag, 29. April 2011

Geld im Umschlag

Bücher * Zeitschriften * Notenblätter

Über Geld spricht man nicht? Wir schon! Sogar über einen anrüchigen Aspekt von Geld. Wir interpretieren ihn schöngeistig: Geld im Umschlag. So heißt diese Ausstellung, deren über 70 Exponate - Bücher, Zeitschriften und Notenblätter aus mehr als einem Jahrhundert - das Thema künstlerisch visualisieren - in Grafik und Fotografie, in Fotocollage und Typografie.
Weit reicht die Spanne der Werke: Am Anfang steht die preußische Solidität von „Soll und Haben" (G. Freytag), die im „Großen Krach" der Gründerjahre mündet. Zwischen den Weltkriegen folgt der Inflation („Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen") die Deflation; in den Kriegen haben „Dollar's, Dirnen, Divisionen" Vorrang. Auch die Giganten des Geldes tauchen auf dem Umschlag auf: Nathan M. Rothschild, John D. Rockefeller, Henry Ford, Hugo Stinnes - Dollar's und Mark und wie sie gemacht werden („Mr. Moneymaker").
Money makes the world go around: an der Börse („La Bourse") und im Casino („Im Spielerparadies"), als Schmiergeld und als Trinkgeld, durch Wucherer und Fälscher, in der Kunst („Geld schreibt") und in der Politik („Millionen stehen hinter mir"), an der Ladenkasse und in der Erotik („Valuta-Mizzy") - „Das Geld liegt auf der Straße".
Ein Stück aus dem Tollhaus der Geldgeschichte: Emile Zolas Klassiker „Geld" aus der Zeit Napoleons III., zugleich Gegenwart pur, so auch für manchen schwächelnden Zeitgenossen Balzacs „Die Kunst seine Schulden zu bezahlen". G. B. Shaw hingegen droht mit „Sozialismus für Millionäre". Und wo bleiben „Die Retter des Kapitalismus"?
Namhafte Illustratoren haben sich immer wieder von der Welt des Geldes inspirieren lassen und die Umschläge phantasievoll illustriert, darunter John Heartfield, George Grosz, Peter Behrens, Frans Masereel, Max Schwimmer, Thomas Theodor Heine, Walter Trier, Paul Simmel, Francois Kupka, Ronald Searle. Für sie alle galt: Über Geld spricht man nicht, aber man setzt es plakativ ins Bild - seine Macht, seine Magie, seine Moral, gestern wie heute.
Bertolt Brecht kannte die wahre Bedeutung des Geldes schon immer: „...denn die Freunde gehen in die Binsen und die Weiber fallen in die wärmeren Betten. Aber das Geld ist's, was zu Dir hält." (Chanson vom Geld).
Jakob Schmitz

Ausstellung: 1. bis 31. Mai 2011
Die Ausstellungsstücke stammen aus der Sammlung von Jakob Schmitz aus Düsseldorf.

è Rotes Antiquariat und Galerie Christan Bartsch
Knesebeckstr. 13/14
10623 Berlin