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Mittwoch, 1. April 2026

E.T.A. Hoffmann im Verlag „Serapion vom See“

Im Jahr des 250. Geburtstages von E.T.A. Hoffmann am 24. Januar soll mit dem Bibliophilen des Monats an den Verlag „Serapion vom See“ von Michael Duske erinnert werden, der in Berlin ausschließlich Titel von E.T.A. Hoffmann verlegte - Künstlerbücher und Mappenwerke, u.a. von Michael Knobel, Anke Dziewulski, Stephan Klenner-Otto oder Horst Hussel, auch einen Faksimile-Druck nach einem Skizzenbuch von Fritz Fischer. Der zwischen 1995 und 2010 aktive Verlag ist inzwischen erloschen, der Verlagsinhaber, das ehemalige Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft und des Berliner Bibliophilen Abend, lebt in einem Berliner Pflegeheim.

Michael Duske stellte, gerade eben, weil Hoffmann bereits oft illustriert wurde, an die Editionen seines Verlags hohe Ansprüche und verwendete möglichst klassische Originalgrafik wie Radierung, es sind somit jeweils seltene Originalkunstwerke in Buchform.
Als Bibliophiles des Monats, gleichzeitig die Empfehlung für den Bibliophilen des Hamburger Bothen, wird hiermit Band II der „Berlinische Geschichten“ vorgestellt, eine Graphikmappe, die E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Die Brautwahl“, illustriert von Steffen Faust enthält; Band I dieser Reihe war „Aus dem Leben eines bekannten Mannes“, illustriert und gestaltet von Xago.

Die 2001 erschienen Mappe „Die Brautwahl“ enthält neun Farbradierungen von Steffen Faust, alle vom Künstler betitelt, nummeriert und signiert. Die Titelgrafik wurde handkoloriert. Ein zehnseitiges Beiheft erläutert die Graphiken im Format 20 x 15cm, Blattgröße 28 x22cm, in einer handgearbeiteten Flügelmappe mit Fenster für das Aquarell. Diese Grafiksuite erschien in einer Auflage von 30 Exemplaren und 10 Künstlerexemplaren. Acht Exemplare enthalten zusätzlich einen Farbentwurf zu einer Einzelradierung.

Freitag, 3. Oktober 2025

Hamburger Bothe #30

Der Hamburger Bothe № 30 ist erschienen. In dieser Jubiläumsausgabe startet die neue Serie „Mitteilungen aus dem Sammlerleben“, zu der der Blogbetreiber den ersten Beitrag liefern durfte - leider wurden hier die Abbildungen falsch platziert.
Die „Empfehlung für den Bibliophilen“ verweist in der Nummer 30 sowohl auf Jean Paul, dessen Todestag sich am 14. November zum 200. Mal jährt, als auch auf die verdienstvolle „Bibliothek Deutscher Klassiker“, in welcher eine zweibändige Auswahl seiner Werke erschien. Und zur bibliophilen Empfehlung des letzten Hamburger Bothen machte Rainer Schmidt wertvolle Ergänzungen, die mir u.a. auch zeigten, dass Hinweise eines anderen Antiquars eigene Recherche nicht ersetzen sollten.
Des weiteren wird in der aktuellen Ausgabe der bedeutende Buchkünstler E. R. Weiß, der bis 1933 insbesondere das Erscheinungsbild des Berliner S. Fischer Verlags entscheidend geprägt hat, zu seinem 150. Geburtstag geehrt und es findet sich im Bothen ein erster Bericht über das Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft, über die Jahrestagung der Internationalen Stefan Zweig Gesellschaft, über die vor 125 Jahren gegründete „Steglitzer Werkstatt“ und über eine Publikation zum 100. Geburtstag des Buchkünstlers Otto Rohse. Auch diesmal konnte wieder eine Erstveröffentlichung in die Jubiläumsausgabe aufgenommen werden, diesmal vom Büchner-Preisträger Jan Wagner.

Alles kann wie immer durch Klick auf die obige Abb. mit den Blättern des Hamburger Bothen nachgelesen werden.
Ein Klick auf die untere Abb. zeigt den Artikel „Mitteilungen aus dem Sammlerleben“ mit der richtigen Anordnung der Bebilderung, wie er auf der Archiv-Seite des Berliner Bibliophilen Abend wiedergegeben wird.

Freitag, 1. August 2025

Kleine Malik-Bücherei

Als Bibliophiles des Monats (gleichzeitig die bibliophile Empfehlung im Hamburger Bothen) soll diesmal eine Reprint-Sammlung gelten, eine wieder aufgelegten Buchreihe des legendären Malik-Verlags. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass der sammelnde Bibliophile bestrebt ist, keine Nachdrucke, sondern neben eventuellen Varianten vor allem Originale, am besten als Erstausgabe, in seine Bibliothek einzureihen, mitunter ist es jedoch auch reizvoll oder, speziell für angehende Sammler aus anderen Gründen angebracht, gut gemachte Reprints oder auch Neuauflagen zu erwerben. Das traf für mich speziell für Bücher des Malik-Verlags zu, für die ich mich zu Beginn meiner Sammelleidenschaft Anfang der 70er Jahre interessierte, damals waren die Originalausgaben des Verlags, der zwar vor gut 100 Jahren mit dem Anspruch auftrat, qualitativ hochwertige Bücher preiswert zu verlegen, mit heute teilweise sehr preisgünstigen Angeboten nicht zu vergleichen und zumindest für einen Studenten noch unerschwinglich.
In einer leinengebundenen roten Kassette mit Rückenschild wurden 1981 alle Bände der »Kleine(n) Malik-Bücherei«, die von 1924 bis 1926 in »Der Malik-Verlag, Herzfeld und Gumperz« erschienen sind, von Wieland Herzfelde (1996-1988) im Zentralantiquariat der DDR, Leipzig, neu herausgegeben. Damit wurde eine Auswahl an „künstlerischen und historischen Dokumenten der sozialen und kulturellen Kämpfe aller Völker in Vergangenheit und Gegenwart“, so der Hinweis im Band Eins des Reprints, neu aufgelegt. Diese Ausgabe ist nicht nur inhaltlich eine, zwar kleine, dennoch umfassende Zusammenstellung der proletarisch orientierten Literatur bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, für den Bücherfreund erlaubt diese Ausgabe zugleich einen Einblick in die verschiedenen Gestaltungsvarianten des Verlags und die Arbeit der Druckereien dieser Zeit. Für die von John Heartfield in der Regel zweifarbig gestalteten Einbände wurden u.a. Zeichnungen von Honoré Daumier, George Grosz, Bob Minor, Rudolf Schlichter, Adolph Menzel, Theophile Steinlen oder Frans Masereel genutzt, der Druck erfolgte bei „Nobertus“ Buch- und Kunstdruckerei oder Koch & Werner, beide Wien, von der Buchdruckerei Gustav Ascher oder in den Brandenburgischen Druckwerkstätten, beide Berlin, von F. Ullmann, Zwickau, oder Julius Klinkhardt, der Spamerschen Buchdruckerei und J.B. Hirschfeld, alle Leipzig.
Die 20bändige Ausgabe enthält in fadengehefteten Pappbänden im Klein-Oktav-Format u.a. „Der Bürgerspiegel“, tschechische Lieder und französische Revolutionslieder, 3 Aufsätze von George Grosz und Wieland Herzfelde unter dem Titel „Die Kunst“ und von Majakowsky (Schreibweise des Originals) „150 Millionen“ in der Nachdichtung von Johannes R. Becher, Texte von Albert Ehrenstein, Victor Hugo, Wera Figner, Georg Herwegh, Upton Sinclair, Georg Forster und Maxim Gorki.
Bd 3 mit Signatur Stefan Hermelin
Die Neuausgabe der »Kleine(n) Malik-Bücherei«, die vom Reprintverlag, einer (mit dem vornehmlichen Ziel der Devisenerwirtschaftung geschaffenen) Abteilung des Zentralantiquariats der DDR gefertigt und im Nationalen Druckhaus in Berlin gedruckt wurde, „erschien“ 1981 in identischer Ausstattung auch in der BRD in der Athenäum Verlags GmbH, Königsstein, wobei in dieser Ausgabe der tatsächliche Ort der Herstellung, des Drucks und des Erscheinens im Impressum unerwähnt bleibt.
Bd. 19, Slang, Panzerkreuzer Potemkin, Fotos © ad
Der hier als bibliophile Empfehlung vorgestellte fotomechanische Reprint des Zentralantiquariats der vor 100 Jahren erstmalig publizierten Reihe »Kleine Malik-Bücherei« stellte, von mir allerdings erst in den 90ern auf dem Flohmarkt erworben, einen doppelten Glücksfall dar, habe ich doch nicht nur den ohnehin preisgünstigen Nachdruck billig erstandenen, ich fand darin als Zugabe in der bestens erhaltenen Sammlung noch eine originale Widmung des Herausgebers Wieland Herzfelde.

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Sonntag, 1. Juni 2025

Wege und Ziele der Bücherpflege

Bibliophiles des Monats Juni, gleichzeitig die bibliophile Empfehlung des Hamburger Bohten  ist ein in 350 Exemplaren von »M. DuMont Schauberg, Köln« gedruckter Vortrag von Rudolf Alexander Schröder, gehalten aus Anlass der Gründung der Kölner Bibliophilen-Gesellschaft am 23. März 1930: „Wege und Ziele der Bücherpflege“.
Der vielseitige Autor, Übersetzer, Architekt und Maler, der u.a. auch eine Ausgabe der Werke Jean Pauls betreute, war 1911 Mitbegründer der bibliophilen Privatpresse »Bremer Presse« und 1927 Gründungspräsident der Bremer Bibliophilen-Gesellschaft.

Das 27 x 19,5 cm große, fadengebundene, ursprünglich nicht aufgeschnittene 20seitige Heft, 1931 gedruckt, wurde von Kommerzienrat Dr. h.c. Alfred Neven DuMont gestiftet. Als Schrift wurde von Prof. Heinrich Hußmann aus Köln die Unger-Fraktur gewählt. Er gestaltete auch den Umschlag mit dem, von zwei Grazien gehaltenen Logo der Bibliophilen-Gesellschaft Köln (siehe Abb.). Das Papier für den Umschlag stiftete »Handgeschöpft Bütten J. W. Zanders, Bergisch Gladbach« und für den Text »« »Zerkall-Bütten Papierfabrik Renker & Söhne, Zerkall bei Düren«.

Als bibliophile Empfehlung wird hier das Exemplar Nr. 156 aus dem Archiv des Berliner Bibliophilen Abend vorgestellt. Dieser Druck wurde von den Kölner Bibliophilen den Teilnehmern zum 30. Stiftungsfest des Berliner Bibliophilen-Abend am 16. März 1935 überreicht. Dem BBA, der bereits 1933 mit Hitlers Machtergreifung unter das Dach der Gesellschaft der Bibliophilen eingegliedert wurde und der damit schon nicht mehr als eigenständige Bibliophilen-Vereinigung bestand, gehörten 1930, also in seinen besten Jahren, über 160 Mitglieder an, er hatte zum besagten Gründungsfest 1935 nur noch 44 Mitglieder. Trotzdem finden sich im Archiv eingeklebte Hinweise zu Stiftungen aus diesem Anlass in erstaunlich vielen anderen Exemplaren von bibliophilen Partnergesellschaften, Druckereien und Verlagen. Auch dieses Widmungsblatt machte den vorgestellten Druck zur bibliophilen Empfehlung, gibt es doch einen Hinweis auf das erste Logo des BBA.
1988 erschien ein Faksimile-Druck dieser Schrift der Bibliophilen-Gesellschaft Köln, die Gesellschaft selbst hat die Zeiten jedoch nicht überstanden. Sie löste sich nach 80 Jahren endgültig auf und ihre Tradition wird seitdem vom neugegründete »Studienkreis Buchkultur« der Kölnischen Bibliotheksgesellschaft fortgeführt.

Dienstag, 1. Oktober 2024

„Unheimlichen Geschichten“ von Edgar Allan Poe

Am 7. Oktober ist der 175. Todestag von Edgar Allan Poe, dem bedeutenden amerikanischen Schriftsteller, dessen Texte bekanntlich maßgeblich die moderne Dichtung beeinflussten. Diesem Autor ist Bibliophiles des Monats Oktober gewidmet.

Aus der Vielzahl buchkünstlerisch hervorragend gemachter Ausgaben soll hier eine aus jüngster Zeit vorgestellt werden, die in der Reihe Illustrierte Lieblingsbücher als Band 5 im April 2018 im Galiani Verlag Berlin erschienenen Auswahl „Unheimlichen Geschichten, ausgewählt von Fjodor Dostojewski“, illustriert von Kat Menschik.
Die drei, von Steffen Jacobs übersetzten düstere Erzählungen, in dieser Zusammenstellung auf Deutsch erstmals herausgegeben, erlebten bislang 3 Nachauflagen, farbig illustriert, OPp. 89 S., 3 Bl. 8°.
Kat Menschik, Pirckheimern nicht zuletzt bekannt als Nachfolgerin Werner Klemkes, sie führt erfolgreich die Titelillustrationen des „Magazin“ weiter, ist Freunden des gut gestalteten Buches vor Allem durch ihre „Lieblingsbücher“ bekannt geworden, in dieser Reihe illustrierte sie neben Edgar Allan Poe auch Franz Kafka, E.T.A. Hoffmann, Alexander Puschkin, Tschingis Aitmatow und andere.

Die früh ausliegenden Weihnachtsangebote erlauben den Hinweis, dass diese „Empfehlung“ gleichzeitig auf eine mögliche Gabe hinweisen kann, um die Liebe zum Buch an die nachrückenden Generationen weiterzugeben.

Donnerstag, 1. August 2024

Bibliophiles des Monats: „Der verwundete Sokrates von Bertolt Brecht“

Bibliophiles des Monats August, gleichzeitig eine bibliophile Empfehlung im „Hamburger Bothen“, ist diesmal die erste Publikation des Kinderbuchverlags in der DDR. Es handelt sich um ein kleines Heft „für junge Leser von 14 Jahren an“, welches ca. 1960 mein erstes Stück einer späteren Sammlung wurde, Jahrzehnte, bevor ich überhaupt begann, Bibliophiles zu dieser bedeutenden Geistesgröße zusammenzutragen: „Der verwundete Sokrates von Bertolt Brecht“.
Diese Erzählung aus den „Kalendergeschichten“ erschien in erster und einzigen Auflage 1949 als Start der Reihe „Unsere Welt“ im neu gegründeten Kinderbuchverlag, damals Berlin und Dresden, broschiert, geheftet auf 26 Seiten im Format 8° und mit 14 Illustrationen von Frans Haacken ausgestattet.

1989 wurde der Titel im Kinderbuchverlag Berlin aus Anlass des 40jährigen Bestehens des Verlages nochmals als Reprint der Auflage von 1949 herausgebracht.

Zu Bertolt Brecht muss man an dieser Stelle sicher nicht viel sagen, waren doch Bücher von ihm, illustriert von Rainer Ehrt, Hans Ticha, oder Hanfried Wendland schon Bibliophiles des Monats im Blog „Informationen eines Pirckheimers“ und im anderthalb Jahrzehnte von mir betriebenen Pirckheimer-Blog.

Diesem Reigen der als bibliophile Empfehlung vorgestellten Brecht-Illustratoren gesellt sich nun Frans Haacken hinzu, zu dem Till Schröder im „Dreigroschenheft“, der Zeitschrift des Brecht-Kreises Augsburg, in Nr. 3/2013 schrieb: "Im Januar [1949 …] tritt zum ersten Mal ein bis dahin unbekannter Akteur in Brechts Umfeld auf den Plan - Frans Haacken (1911-1979). Sein Schutzumschlag zu Brechts erster Prosa-Veröffentlichung in Deutschland nach der Emigration - die "Kalendergeschichten" im Gebrüder Weiss Verlag Berlin - ist der Auftakt einer produktiven, aber vergessenen Zusammenarbeit, die bis zu Brechts Tod 1956 reichen wird. Haacken schuf dabei […] Ikonen der Brecht-Illustration, [so] "Der verwundete Sokrates" […], die das visuelle Gedächtnis zu Brechts Werk vor allem in der DDR prägten."

Samstag, 1. Juni 2024

Bibliophiles des Monats: „Engel der Geschichte“ von HAP Grieshaber

Mit Blick auf den Jahrestag des Deutschen Bauernkrieges - die erste „Erhebung“ fand vor 500 Jahren am 23. Juni 1524 in Wutachtal bei Stühlingen statt - ist das Bibliophiles Monat Juni (gleichzeitig bibliophile Empfehlung des Hamburger Bothen) die Nummer 22 der Heftreihe „Engel der Geschichte“, welches vor 50 Jahren aus Anlass des 450. Jahrestages des Deutschen Bauernkrieges erschien.
„Engel der Geschichte“ ist eine von HAP Grieshaber (1909 – 1991) herausgegebene Künstler-Zeitschrift mit Original-Graphiken, von der in den Jahren 1964 bis 1981 dreiundzwanzig Ausgaben erschienen. Der Titel bezieht sich direkt auf Walter Benjamins Texte, der schon 1921 plante, eine Zeitschrift mit streitbaren philosophischen und literarischen Texten unter dem Titel „Angelus Novus“ herauszugeben.

Die Werke von HAP Grieshaber, der sich u.a. auch für den Brückenschlag zwischen den beiden deutschen Staaten DDR und BRD einsetzte, gehörte schon immer auch bei Pirckheimern und anderen Bibliophilen zu den gesammelten Künstlern. 1973 konnte diese Gesellschaft das Epitaph für Allende: "Denn du wirst Grab der Freien sein oder Asyl vor Knechtschaft" als Jahresgabe ausreichen (das Blatt wurde im Juli 2023 als Bibliophiles des Monats vorgestellt) und selbst den Marginalien lag eine Grafik des Künstlers bei. Der Mentor der Bücherkinder Brandenburg Armin Schubert führte zum 90. Geburtstag von HAP Grieshaber die Reihe mit dem Projekt „Engel der Geschichte - ein Jugendengel“ fort, an dem u.a. Volker Braun, Christa Wolf, Friedrich Schorlemmer, Margot Fürst, Nuria Quevedo und viele Jugendliche mitgewirkt haben. Seitdem trägt der Gutenberg-Druckladen der Galerie Sonnensegel, in welchem die Bücherkinder Brandenburg ihre Graphiken drucken, als Logo einen von HAP Grieshaber geschaffenen Holzschnitt.

Die hier als bibliophile Empfehlung vorgestellte Publikation „Engel der Geschichte Nr. 22“ erschien 1975 in Folio (43 x 30,5 cm), gebunden im Pappband, enthält auf 19 Seiten in 10 Blättern 4 Original-Holzschnitte von HAP Grieshaber und ein doppelblattgroßes Flugblatt für Wahlhelfer "Ein Stein aus Barmherzigkeit" von Johannes Poethen, sowie Beiträge von Walter Benjamin, Charlotte Christoff, HAP Grieshaber, Margarete Hannsmann und Johannes Poethen. Das Heft erschien 1975 im Verlag Claassen in Düsseldorf, die Gesamtherstellung besorgte die Buchdruckerei Wilhelm Röck in Weinsberg.

Montag, 1. April 2024

Bibliophiles des Monats: Karl Kraus, Ausgewählte Werke in 5 Bänden

Am 28. April vor 150 Jahren wurde Karl Kraus geboren, Grund genug, diesem österreichischen Schriftsteller, Dramatiker, Herausgeber und auch zum überwiegenden Teil alleiniger Autor der Zeitschrift „Die Fackel“, in diesem Monat mit dem Bibliophilen des Monats zu gedenken.

Ausgewählt wurde dafür die im „Verlag Volk und Welt“ 1977/78 herausgegebene fünfbändige Ausgabe seiner Ausgewählten Werke. Die Ausgabe besteht aus drei Bänden seiner, häufig in „Die Fackel“ veröffentlichten Texte, Band 4 enthält seine Aphorismen und Gedichte und Band 5, der in zwei Halbbänden erschien, das noch nie komplett aufgeführte Drama „Die letzten Tage der Menschheit“, sowie einen Kommentar zu diesem Drama.
Der Einbandentwurf der Ausgabe erfolgte von Hort Hussel. Was sie zu einer bibliophilen Empfehlung machte, ist jedoch weniger die, wie wir es von Horst Hussel gewohnt sind, sich auf das Wesentliche beschränkende Gestaltung, sondern die editorische Leistung der Herausgeber Dietrich Simon unter Mitarbeit von Kurt Krolop und Roland Links, die diese Ausgabe mit einem ausgezeichnet recherchierten erläuternden Kommentar und einem gründlichen Register versehen haben.

Diese Ausgabe wurde von „Volk und Welt“ auch für den „Albert Langen – Georg Müller Verlag München“ in gleicher Ausstattung produziert, neben einem Hinweis im Impressum wurde hierbei lediglich auf dem Schutzumschlag der Name des Verlags ausgetauscht. Auf diese Weise kam es zu der „gesamtdeutschen Ausgabe“ in meiner Bibliothek, wie sie auf dem Foto zu sehen ist.

Donnerstag, 1. Februar 2024

Bibliophiles des Monats: Zu Klopstocks 200jährigem Geburtstage ...

Am 1. Januar des neuen Jahres haben wir die Schwelle zum Klopstock-Jahr überschritten. Vor 300 Jahren, am 2. Juli 1724, wurde Friedrich Gottlieb Klopstock, unser großer deutscher Dichter des 18. Jahrhunderts, der Anreger und Held der jungen Dichtergeneration seiner Zeit, in Quedlinburg geboren. Jubiläumsjahre in der Vergangenheit waren Anlass, dem Dichter bibliophile Drucke zu widmen (die wir uns auch in diesem Jahr erhoffen!), und so ist Bibliophiles des Monats und zugleich die erste bibliophile Empfehlung des Jahres 2024 im „Hamburger Bothen“ ein hundertjähriger Druck, den die Handschriftenabteilung der Preußischen Staatsbibliothek – unserer heutigen Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz – „Zu Klopstocks 200jährigem Geburtstage 2. Juli 1924“ in 750 nummerierten Exemplaren herausgab und dem Verein der Freunde der Bibliothek widmete. Klopstock ist ja nicht nur der Autor des großen Versepos „Der Messias“ und vieler sprachmächtiger Oden von ungebrochener Leuchtkraft.
Zu den Werken, die er uns darüber hinaus geschenkt hat, zählt „Die deutsche Gelehrtenrepublik“ von 1774, die nur im „Ersten Theil“ erschienene Utopie eines ständisch aufgebauten Gelehrtenstaates. Die Publikation dieses Werks ist auch dadurch bedeutsam, dass der Autor sie bahnbrechend im Selbstverlag mit Hilfe eines weitgespannten Netzes von Kollekteuren und Beförderern organisierte, die in einer Vielzahl von Orten Subskribenten warben und betreuten.
Unsere in edles Marmorpapier gebundene bibliophile Empfehlung widmet sich mit einem ausführlichen Erläuterungstext von Hermann Degering, dem Direktor der Handschriftenabteilung, diesem Subskriptionsprozess. Aus eigenen Beständen der Bibliothek bietet uns das Bändchen neben zwei Klopstock-Porträts und der Abbildung von Klopstocks Geburtshaus, einer Zeichnung des Quedlinburger romantischen Malers Wilhelm Steuerwald, die Faksimiles eines gedruckten Werbungsschreibens des Dichters für die Subskription vom 19. Mai 1773 mit handschriftlichen Zusätzen und eines vierseitigen Klopstock-Briefes an den Berliner Geistlichen Friedrich Germanus Lüdke, einen Beförderer der Subskription, vom 23. Juni 1773.
Innentitel / Zeichnung des Klopstockhauses von Wilhelm Steuerwald
Wir wissen, dass die Subskription sehr erfolgreich war. Das im Mai 1774 versandfertige Buch nennt auf den 64 Seiten seines Subskribentenverzeichnisses die Namen von mehr als dreieinhalb-tausend Subskribenten – erlauchte Geister im deutschsprachigen Raum von Straßburg bis Königsberg, aber auch in Städten wie Amsterdam, London, Lissabon, Prag, Riga, Mitau, Reval und St. Petersburg, darunter Kant in Königsberg, Lessing in Wolfenbüttel, Wieland in Weimar, Goethe in Frankfurt.
Das außergewöhnliche Werk stieß auf mancherlei Unverständnis. Der junge Goethe aber schwärmte: „Klopstocks herrliches Werck hat mir neues Leben in die Adern gegossen. Die Einzige Poetick aller Zeiten und Völcker. Die einzige Regeln die möglich sind!“
Zu Klopstocks 200jährigem Geburtstage 2. Juli 1924
(Fritz Jüttner)

Freitag, 1. Dezember 2023

Bibliophiles des Monats: 82. Veröffentlichung der Edition Mariannenpresse

Bibliophiles des Monats Dezember und gleichzeitig die bibliophile Empfehlung des "Hamburger Bothen" ergab sich diesmal anlässlich einer Zusammenkunft des Berliner Bibliophilen Abend beim Pirckheimer, Verleger, Antiquar und Autor Riewert Quedens Tode.

Es handelt sich um den in einer Auflage von 100 signierten arabisch nummerierten und 30 römisch nummerierten Exemplaren als 82. Veröffentlichung der Edition Mariannenpresse vom Berufsverband Bildender Künstler Berlins herausgegebene Titel „Rittersporn“ mit Gedichten von Brigitte Struzyk und 5 Originalradierungen Radierungen von Katharina Kranichfeld. Das Blockbuch in japanischer Bindung, Ganzleinen mit Blindprägung hat das Format 34 x 34 cm und hat 42 Seiten. Den Handsatz der Futura übernahm die Künstlerin.
Das Buch wurde hergestellt in der Druckwerkstatt im Bethanien, allen Freunden des Bibliophilen als Ort der artbook.berlin bekannt, die Handbindung wurde von Hendrik Liersch, der heute die Corvinus Presse betreibt, ausgeführt.
Das vorgestellte Exemplar XI ist sicher auch wegen der humorigen Widmung für Gregor Laschen (1941 - 2018) interessant:

Die Edition Mariannenpresse, ein vom Herausgeber Hannes Schwenger initiiertes Projekt der Neuen Gesellschaft für Literatur, wurde 1979 als Künstlerselbstverwaltung begründet und 1999 mit dem Victor Otto Stomps-Preis ausgezeichnet.
 
Vor 15 Jahren, zum Ende des Jahres 2008, endete die Ära der Edition Mariannenpresse, es erschien 2009 nach 30 Jahren die letzte, die 130. Edition als „Kondolenzbuch“: Aus gepresst - Almanach der Edition Mariannenpresse.

Sonntag, 1. Oktober 2023

Bibliophiles Des Monats: Goethe in Dachau

Das Bibliophiles des Monats Oktober geht auf einen Tipp eines Hamburger Pirckheimers zurück. Es ist die 1948 bei Volk und Welt erschienene deutschsprachige Erstausgabe von „Goethe in Dachau. Literatur und Wirklichkeit.“ des Niederländers Nico Rost.

Vor 75 Jahren wurde in der Sowjetischen Besatzungszone ein eher schmuckloses, aber dennoch gewichtiges Buch mit 318 Seiten in einem Papp-Einband herausgegeben. Auch wenn man ihm den bibliophilen Charakter auf den ersten Blick nicht ansieht, die Ausstattung ist dem Erscheinungsjahr geschuldet, doch aus den Nachkriegsjahren überstanden die Zeit nur in wenigen Exemplare, weshalb der Titel allein aus diesem Grund als bibliophil eingestuft werden kann.

Nico Rost hatte seine Aufzeichnungen heimlich im Konzentrationslager Dachau angefertigt und nach der Befreiung, zurückgezogen in den Ardennen, redigiert. So entstand „Goethe in Dachau“, ein Klassiker unter den KZ-Berichten. Dieses, von seiner Ehefrau Edith Rost-Blumberg ins Deutsche übersetzte und von Johannes R. Becher unterstützt in der SBZ herausgegebene Buch wurde zuvor 1946 auf Niederländisch im Amsterdamer Verlag L.J. Veen’s veröffentlicht. Es erschien in der Folgezeit, unter anderem auch mit einem Vorwort von Anna Seghers, insgesamt in 18 Auflagen und Übersetzungen, 1999 erneut bei Volk und Welt, zuletzt 2016 auf Katalanisch.
Nico Rost, Kommunist und Anarchist, der 1948 anlässlich des Erscheinens von „Goethe in Dachau“ in die SBZ auswanderte und dort, wie schon vor seiner Inhaftierung durch die Gestapo in Brüssel, als Kulturjournalist arbeitete, musste der DDR aufgrund politischer Differenzen und infolge von Denunziation bereits 1951 den Rücken kehren. Endgültig brach er mit der Kommunistischen Partei nach der Niederschlagung des Volksaufstandes in Ungarn.

Dieser Beitrag erschien zeitgleich im Hamburger Bothen #18 in der Rubrik "Bibliophile Empfehlung".

Samstag, 1. April 2023

Bibliophiles des Monats: Sammlung Dieterich

„Bibliophiles des Monats“ März ist, eine Empfehlung des Hamburger Pirckheimers Peter Engel aufnehmend, beispielhaft für die „Sammlung Dieterich“ ein Band mit den Aufzeichnungen der Correspondance littéraire, philosophique et critique von Melchior Grimm (auch Friedrich Melchior G.), der als Nr. 364 der Buchreihe unter dem Titel „Paris zündet die Lichter an“ erschien.

2023 begehen wir den 300. Geburtstag von Melchior Grimm. Bislang von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, verdient dieses Jubiläum von Pirckheimern besonderes Augenmerk: der am 16. September 1723 in Regensburg geborene Melchior Grimm starb 1807 in Siebleben, einem heutigen Ortsteil von Gotha, also dem Ort des nächsten Jahrestreffens der Pirckheimer-Gesellschaft.

Die 1937 von Wilhelm Klemm gegründete, gemeinsam mit Rudolf Marx ursprünglich als Taschenbuch herausgegebene „Sammlung Dieterich“ erschien nach Ende des 2. Weltkrieges in der BRD bei Schünemann in Bremen und von Klemm bis zur Verlagsschließung 1955 in Wiesbaden; in der DDR betreute Rudolf Marx die Reihe erfolgreich in der Leipziger Dieterich´schen Verlagsbuchhandlung, bis diese 1977 in den Gustav Kiepenheuer Verlag eingegliedert wurde.

1956 wurde die Sammlung Dieterich der Verlagsbuchhandlung Leipzig, die traditionell angelehnt u.a. von der Graphikerin Renate Schiwek, von Horst Adler und Eberhard Kahle gestaltet wurde, beispielhaft mit den Nummern 109 (Englische Gedichte aus sieben Jahrhunderten), 157 bis 159 (Adalbert Stifter: Gesammelte Erzählungen) und 140 (Nathaniel Hawthorne: Der scharlachrote Buchstabe) im Wettbewerb „Schönste Bücher der DDR“ ausgezeichnet.

Dieser Band aus der Sammlung Dieterich wurde 1981 von Kiepenheuer eindrucksvoll gestaltet innerhalb der „Bibliothek des 18. Jahrhunderts“ neu aufgelegt.

Mittwoch, 19. November 2014

Buchempfehlung: Schatzkammer der Revolution

In der Zeit nach der Oktoberrevolution haben Künstler wie Wladimir Majakowski, El Lissitzky und Wladimir Lebedew in der jungen Sowjetunion zusammen mit Dichtern wie Daniil Charms, Samuil Marschak und Kornei Tschukowski Kinderbücher entworfen, die dem Formenkanon von Futurismus und Konstruktivismus verpflichtet waren. In diesen avantgardistischen Kinderbüchern, die das Weltbild einer neuen Zeit manifestieren, werden Postboten die neuen Prinzen, Eisverkäufer die neuen Zauberer und Feuerwehrmänner die neuen Helden.
Da derartige Bücher von der Zensur ausgenommen waren, avancierten sie zu einem wichtigen Medium für Künstler, um ihre Werke einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Schatzkammer der Revolution ist eine Hommage an diese wunderbaren Kinderbücher. Die Originalabbildungen sowie die Texte und Gedichte wichtiger sowjetischer Intellektueller werden erstmals auf Deutsch veröffentlicht. Drei einleitende Essays geben einen Einblick in den Entstehungskontext, die Sowjetunion der 1920er- und 30er-Jahre.

Russische Kinderbücher von 1920-1935: Bücher aus bewegten Zeiten.
Hrsg. von Julian Rothenstein, Olga Budashevskaya. Zürich 2013.
Mit einem Vorwort von Philip Pullman.
19,7 x 26,6 cm. 312 S. mit 339 Abb. Künstlerverzeichnis und Bibliografie.
Fester Einband. Text in deutscher Sprache.
ISBN 978-3037783436
Preisbindung aufgehoben, ursprünglich 60 Euro,