Freitag, 10. November 2023

neu im Archiv des BBA

Auch heute werden hier zwei Eingänge für das Archiv des Berliner Bibliophilen Abend vorgestellt, bei beiden handelt es sich um Glückwünsche aus befreundeten Organisationen zum 100sten Gründungstag dieser Bibliophilen-Vereinigung am 12. Januar 2005.
Hermann Naumann schmückte den 13. bibliophilen Druck „Bibliophile Leidenschaften“ (2003) mit 12 Lithographien. Das Vorzugsblatt wurde vom Künstler handkoloriert. Dieses überzählige Exemplar wurde dem BBA überreicht.
Glückwunsch des Leipziger Bibliophilen-Abend, Hermann Naumann, Steinzeichnung aquarelliert
Gabe der Pirckheimer-Gesellschaft, Karlkurt Köhler, E.T.A. Hoffmann in Berlin, Kupferstich

Philipp Otto Runge im Kupferstich-Kabinett Dresden

Auf der diesjährigen Sommerauktion bei Grisebach in Berlin konnte das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden elf Scherenschnitte von Philipp Otto Runge (1777–1810) erwerben.

Mit der Erwerbung gelingt es, eine schmerzliche Lücke im Sammlungsbestand zu schließen. Trotz seiner hohen Relevanz für die Dresdner Romantik war Runges Schaffen im Bestand der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden kaum repräsentiert. Das Kupferstich-Kabinett besaß bisher lediglich ein kleinformatiges Selbstbildnis aus der Porträtsammlung Carl Christian Vogel von Vogelstein sowie den für das gesamte Schaffen des Künstlers programmatischen Grafikzyklus der „Zeiten“, bei dem Ornamente aus der Pflanzenwelt ins Zentrum seines Verständnisses von Landschaftskunst treten.

Der aus Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern stammende Runge hatte sich für eine nur kurze, aber für seine künstlerische Entwicklung prägende Zeit zwischen 1801 und 1804 in Dresden aufgehalten. In diese Phase fielen seine Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Ludwig Tieck und dem Naturphilosophen Heinrich Steffens sowie der wegweisende Austausch mit Johann Wolfgang von Goethe. Zuvor hatte Runge in Greifswald Caspar David Friedrich erstmals getroffen. In Dresden konnte er an diese wichtige Begegnung anknüpfen. Zu Friedrichs Landschaftsauffassung bildet jene von Runge einen eigenständigen Gegenpart.

Runges Scherenschnitte lassen sich gleichsam als Grundbaustein seines Bilddenkens beschreiben. Der Künstler geht der Schönheit der Pflanzen in ihren vielfältigen Formen nach und verfolgt dabei die Architektur ihrer organischen Bildungsgesetze. Ausgehend von exakter Naturbeobachtung unterwirft der Scherenschnitt die Naturform einem Abstraktionsprozess. Die Pflanze als Grundbaustein der Natur wird bei Runge zum Gleichnis eines göttlichen Schöpfungsplanes.

Philipp Otto Runge, Johannisbeere
© Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Foto: Grisebach GmbH
Die neu erworbenen Arbeiten werden in Dresden erstmals im Rahmen der großen Sonderausstellung „Caspar David Friedrich. Wo alles begann“ (Albertinum 24.08.2024 – 05.01.2025; Kupferstich-Kabinett, Residenzschloss 24.08. – 17.11.2024) anlässlich des 250. Geburtstages von Caspar David Friedrich zu sehen sein.
Philipp Otto Runge, Narzisse
© Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Foto: Grisebach GmbH

Berliner Bibliophilen Abend 1933

Gestern konnte ich über den Fund alter Unterlagen des BBA vermelden, heute nun möchte ich aus diesem Konvolut die Speisekarte und zwei Fotos vorstellen, entstanden anlässlich eines Banketts dieser Vereinigung im Flugverbandshaus am 18. März 1933.
am Tisch in der Bildmitte oben: Flodoard Freiherr von Biedermann, Vors. des BBA
am Tisch in der Bildmitte unten: Flodoard Freiherr von Biedermann, Vors. des BBA
G. Heuchel - Foto-Werkstätte Berlin-Steglitz, Bismarckstr. 77
Es war das letzte Festessen am Höhepunkt seines Vereinslebens, bevor der BBA als erste Bibliophilen-Vereinigung alle Mitglieder jüdischen Glaubens ausschloss und damit de facto seinen Niedergang einleitete. Am 28. September 1933 wurde dieses vorläufige Ende mit dem Reichskulturkammer-Gesetz durch Eingliederung unter dem Dach der Gesellschaft der Bibliophilen der Reichsschrifttumskammer besiegelt.
Erst 1954 konnte der Berline3r Bibliophilen Abend wiedergegründet werden.

Expression der Farben

In den Räumen der Edition Einstein findet die Ausstellung „Expression der Farben Bilder und Bücher von Dieter Bradt" statt-

Am 25. November 2023 wird die Ausstellung um 11 Uhr eröffnet. Die Vernissage wird von Felix Roscher am Klavier und Lars Bernsmann am Saxophon umrahmt. Es wird die Möglichkeit geben, einige der Farblinoldrucke zu erwerben.

Zu den Öffnungszeiten ist auch der Weihnachtsverkauf der Edition Einstein mit den neuen Weihnachtskarten geöffnet. weitere Informationen hier.

Edition Einstein Galerie für Buchdruckkunst
31860 Emmerthal-Deitlevsen

Donnerstag, 9. November 2023

42. Dresdner Graphikmarkt

Am zweiten Novemberwochenende findet traditionsgemäß der inzwischen 42. Dresdner Graphikmarkt statt.

89 Künstlerinnen und Künstler haben ihre Teilnahme zugesagt. Viele neue Arbeiten aller druckgrafischen Techniken, Aquarelle, Zeichnungen, Fotografien und Postkarten, auch Kataloge, Bücher und Kalender werden präsentiert und zum Kauf angeboten.

Der Dresdner Graphikmarkt vergibt in jedem Jahr an eine ausgewählte Künstlerin bzw. einen ausgewählten Künstler den Auftrag zur Gestaltung eines originalgrafischen Plakats. Die Plakate haben die Größe von 70 x 50 cm, sind vom jeweiligen Künstler signiert und werden während des Graphikmarkts zum Verkauf angeboten.

Das Plakat für den 42. Dresdner Graphikmarkt 2023 gestaltete Wolfgang Leber.

11. und 12. November 2023

Deutsches Hygiene-Museums Dresden
Konferenzzentrum

Neuzugänge zum BBA-Archiv

Rainer Laabs, von 1997 bis 2006 Vorsitzenden des Berliner Bibliophilen Abend, übergab heute dem BBA-Archiv eine schwere Ledertasche, heute Weekender genannt, mit wiederentdeckte Unterlagen, Mitgliederverzeichnissen aus den 30gern und bibliophile Erinnerungsstücke zur Geschichte dieser traditionsreichen Vereinigung.

Die Übergabe der Sammlung an Abel Doering dauerte länger als geplant, wir tauschten Anekdoten aus, sprachen über Möglichkeiten der Bewahrung von Tradition, diskutierten darüber, wie auch die sog. "Generation Z" für das Buch zu begeistern ist und wir waren uns in einig: es gibt Hoffnung.

Es wird Zeit in Anspruch nehmen, diese Schätze, die bis in die zwanziger Jahre zurückreichen, zu sichten und zu bearbeiten, ich werde hier über die Fortschritte berichten.

Als kleine Kostprobe sei hier ein Gruß von Bernd Friedrich Schulz zum 100sten Gründungsjubiläum im Jahr 2005 vorgestellt, hier Exemplar 30/30 in drei Ansichten.
Als Besonderheit wurde in jeden dieser gestifteten Drucke eine Schrifttype montiert, eine Rarität.

Mittwoch, 8. November 2023

EIN-BLICK: Renate und Karl Jüttner

Steindruck von Stefan Jüttner
Druck auf der Steindruckschnellpresse
von Christian Müller
Eine Retrospektive in Saalfeld, der Stadt, in der das Künstlerehepaar Karl und Renate Jüttner geboren, aufgewachsen und nach dem Studium zurückgekehrt ist, um dort künstlerisch tätig zu sein, gibt „EIN-BLICK" in ihr umfangreiches Kunstschaffen.

Zu Ehren von Karl und Renate Jüttner werden die Musiker des Hot Club d' Allemagne anlässlich dieser Ausstellung ein Konzert geben, „hinreißende Gypsi Rebellen mit fulminantem Können" und „eine wunderbare Symbiose von Handwerk und Herzblut". 

Nach dem Konzert steht Stefan Jüttner, der Sohn des verstorbenen Künstlerpaares, gern zu individuellen Gesprächen zur Verfügung. Er selbst hatte in diesem Jahr in der Saale-Galerie in Saalfeld eine Ausstellung seiner Malerei und Graphik. 

Zur Ausstellung erscheint eine Vorzugsgraphik (ein Paar), Steindruck von einem noch von Karl Jüttner bezeichnetem Stein mit Nachlaßstempel. Auflage 30 Exemplare, Papierformat 65 x 50 cm, Motivformat 45 x 36 cm, Vorzugspreis während der Ausstellung 120 €, nach der Ausstellung 240 €.

19. November 2023, 14 Uhr 

Kunsthaus Müller

è Kunsthaus Müller
Galerie für zeitgenössische Kunst
Markt 6, 07343 Wurzbach/Thüringen

Erfahrung eines Antiquars

Am 8. November wird Eberhard Köstler seinen Vortrag zum Thema „Thomas Mann - Erfahrungen und Erlebnisse eines Antiquars“ halten, die Wiener Bibliophilen hatten es lange erwartet. Einleitend wird Herr Köstler über die Bedeutung Wiens als Ort des Autographenhandels informieren.
Eberhard Köstler ist kein Unbekannter; manche werden sich an seinen launigen, musikuntermalten Vortrag im Januar 2019 über Autographenfälschungen erinnern. Auch diesmal wird der erfahrene Antiquar aus Tutzing am Starnberger See in sicherlich ebenso aufschlussreicher wie vergnüglicher Weise erzählen, was ihm im Laufe von Jahrzehnten beim Kauf und Verkauf von Autographen von Thomas Mann, dessen Familie und dessen Bekanntenkreis begegnet und widerfahren ist.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Österreichischen Goethe-Gesellschaft statt.

8. November 2023, 18 Uhr

Loos-Räumen der Wienbibliothek (Musiksammlung)
1010 Wien, Bartensteingasse 9

Dienstag, 7. November 2023

ein Geschichtsbuch auf 4 Blättern

Die Zentralbibliothek Zürich präsentiert in unregelmäßigen Abständen historische Fundstücke und digitale Wissenschaft, packende Lektüre und Unlesbares aus ihren Sammlungen, diesmal ein "Geschichtsbuch auf 4 Blättern".
 «A new and correct map of North America with the West India Islands». Augsburg 1784
Die Brüder Matthäus Albrecht und Georg Friedrich Lotter, Kartografen und Kupferstecher in Augsburg, bereicherten im 18. Jahrhundert ihr Verlagsprogramm mit Karten von geografischen Räumen, die zur damaligen Zeit große Aufmerksamkeit erfuhren. Nordamerika gehörte für die Brüder zweifelsfrei auch dazu, davon zeugt die 1784 veröffentlichte Karte «A new and correct map of North America with the West India Islands. Divided according to the last Treaty of Peace, concluded at Paris the 20th of Jan. 1783. wherein are particularly distinguished the Thirteen Provinces wich [sic] compose the United States of North America». Anlass, diese Karte herauszugeben, waren die am 20. Januar 1783 abgeschlossenen Präliminarien (Vorverhandlungen) zwischen Großbritannien, den Generalstaaten und Frankreich, wie im Titel vermerkt wird.

Auf vier Blättern gedruckt, ist das Werk weit mehr als nur eine topografische Karte; sie kann als Geschichtsbuch auf vier Blättern studiert werden. Ins Kartenbild integrierte Kurztexte berichten unter anderem von Verträgen zwischen Kolonisten und indigenen Völkern, den Expansionserfolgen der Irokesen oder der Landnahme von Sir Francis Drake. Es wird erläutert, dass der Jesuit Eusebio Francisco Kino, Missionar, Astronom und Kartograf, den Landweg zur kalifornischen Halbinsel entdeckt habe, die bis Anfang des 18. Jahrhunderts als Insel angesehen wurde. Handelswege zu Land und Routen zur See, Besitzansprüche der Kolonialmächte werden ebenso ausgewiesen wie Sprachen, Siedlungen und Ländereien indigener Völker. Abgerundet wird das Kartenbild mit einer Legende und einer figurenreichen Titelkartusche, die den Tabakhandel thematisiert.

Nehmen Sie sich bei kühlem Herbstwetter die Zeit, mit einer Tasse Tee eine Entdeckungsreise zu wagen und durch die Kartenblätter zu streifen.

Berliner Bibliophile trafen sich im Antiquariat Tode

Anlässe für das gestrige Treffen des Berliner Bibliophilen Abend gab es genug: der Pirckheimer Riewert Quedens Tode feierte vor wenigen Wochen seinen 80. Geburtstag, beging den 60. Gründungstag seines Verlags amBEATion und kann auf das 50jährige Jubiläum seines Antiquariats zurückblicken.
Die Geschichte des Antiquariats, welche nur am Rande Erwähnung fand, können die Mitglieder und Gäste des Abends in einem "Festschriftchen ..." nachlesen, das jeder mit nach Hause nehmen konnte.
Der spannendste Teil des Abends rankte sich jedoch um die von Riewert Q. Tode in Huldigung der Beat-Generation in seiner im  gleichnamigen Verlag herausgegebene Zeitschrift "amBEATion", sowie die bei ihm erschienene Anthologie "Gegen den Krieg in Vietnam." und die in seinem Verlag erschienenen Hefte randlage (später kreuzberger randlage). Interessant vor allem wegen der bislang noch wenig untersuchten Verbindung zwischen Künstlern und Autoren der 68ger in der BRD und Oppositionellen im Kunst- und Literaturbetrieb, sowie von Gesellschaftswissenschaftlern in der DDR, in dessen Ergebnis zahlreiche, besonders für den Bibliophilen wichtige Publikationen erschienen.
Und die beachtliche und wohl einmalige Sammlung zur studentischen APO des Bibliophilen Riewert Q. Tode hat inzwischen in der Yale University in New Haven ihr Zuhause gefunden, eine Würdigung, wie sie sich sicher jeder bedeutende Sammler wünscht.
Riewert Quedens Tode, Fotos © ad

Montag, 6. November 2023

DADA lebt!

Nachdem die Arbeiten der Mitstreiter* am Projekt „DADA wird 100“ nun eine längere Pause im Grafikschrank verbracht haben, hat sich das Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus entschlossen, diese Ausstellung doch noch einmal der Öffentlichkeit zu präsentieren. Natürlich unter neuem Namen - aber die gezeigten Werke sind dieselben wie auch in der vorangegangenen Ausstellungstournee.
Das Museum in Cottbus ist das renommierteste staatliche Kunstmuseum im Land Brandenburg und ich betrachte es als eine große Ehre, dort unsere Werke zeigen zu dürfen. Cottbus ist eine nicht ganz kleine und recht hübsche Stadt südöstlich von Berlin in der Nähe zur polnischen Grenze.
Vielleicht will ja der eine oder andere unserer Mitstreiter in den tiefen Osten Deutschlands kommen … Ihr seid alle herzlich eingeladen.

(Marc Berger)

*Atelier Bodoni, Atelier It Plein 19, babyinktwice, Bunker Type, Cabaret Typographie, carpe plumbum, Dead Methods, Edition Einstein, Edition Klaus Raasch, Edition Linksrum, Edition Schwarzdruck, Edition Thurnhof, edition wasser im turm, Eikeldoorpers, Familia Plómez, fiddleink, Flowers & Fleurons, Annegret Frauenlob, Frauhaus, Functionmatters, GaragenDruck, Dennis Gould, Christian Granados, Thomas Gravemaker, Hand & Eye Letterpress, Handsatzwerkstatt Fliegenkopf, Jens Jørgen Hansen, Harrisfeldwegpresse, Inksquasher, Kaefertal-Presse, Daniel Kunz, Lauren Press, le p’tit cahier, JS Makkos, Jürgen Meyer Jurkowski, Carl Middleton, Mizdruk, mrBprints, Mückenschweinverlag, New North Press, Nomad Letterpress, officin albis, Officina Tipografica Novepunti, Offizin Parnassia, Lucio Passerini, Pastei, POINT JAUNE museum, Printland Press, Purgatory Pie Press, Red Plate Press, Rehlensche Handpresse, Petra Schulze-Wollgast, Semple Press, Sonnenberg-Presse, Stichting GrotesQue, Type & Press, Typoretum, Lisa van de Vyver, Maaike van der Meulen, Vogelpresse, &Type

Vernissage: 17. November 2023, 19 Uhr, mit Marc Berger und Ulrich Goerdten (Wortspieldichter)

Naturselbstdruck

„Paul Wunderlich hatte eines Tages die Idee ein Bestiarium zu erstellen, von allem was sich auf seinem Landsitz in der Provence so finden ließ. In der Druckwerkstatt begannen nun Versuche die gefundenen Insekten und Kleintiere umzudrucken, um diese auf Papier drucken zu können“ berichtet der Schweizer Steindrucker Ernst Hanke, den mit Paul Wunderlich eine langjährige Zusammenarbeit verband. Aus dieser Idee entstand ein spezielles, auf Vakuum beruhendes Verfahren,

Im Fortdenken einer ganz anderen Idee, nämlich der Tradition des Naturselbstdrucks, also des Abbilds der Natur ohne gestaltenden Eingriff der Hand, haben wir mit der Wiener Künstlerin Anna Artaker das Verfahren von Hanke und Wunderlich fortentwickelt. So entstand die Folge CONVERSATION PIECES, die das Bild analoger Gerätschaften aus unserer Vergangenheit evoziert.

Dieses lithografische Projekt ist nun abgeschlossen. Sehen sie selbst:
Näheres durch Klick auf die Abbildungen
Anna Artaker hat auf diesem Wege Abbilder von 10 Ikonen der analogen Welt geschaffen. Die Auflage von 20 Exemplaren pro Motiv wurde von Alex Weise, Gregor Fuchs und Steffen Tschesno vom Stein auf Hahnemühle Alt Worms 300 g gedruckt.

(Neuhauser Kunstmühle)

J. J. Heckenhauer bezieht in München neue Geschäftsräume

Im Jahr seines 200jährigen Bestehens eröffnet das Tübinger Traditionsunternehmen J. J. Heckenhauer Antiquariat und Kunsthandlung neue Geschäftsräume in München.

J. J. Heckenhauer, seit 1996 unter Führung von Roger Sonnewald, unterhält bereits seit rund fünf Jahren eine Filiale in München-Schwabing, die nun ins Museumsquartier umzieht. Die Eröffnung der neuen Räume gegenüber dem Museum Brandhorst in der Theresienstraße 48 findet am 9. November statt. Künftig wird dort auch eine Auswahl antiquarischer Bücher gezeigt, unter anderem aus den Gebieten Architektur, Fotografie, Kunst und Philosophie. Hinzukommen ausgewählte Grafik des 20. Jahrhunderts sowie vor allem zeitgenössische Kunst.

Zur Eröffnung ist eine Einzelausstellung von Andreas Zagler zu sehen.
Parallel läuft im Hesse-Kabinett am Holzmarkt 5 in der Tübinger Altstadt eine Ausstellung zum Firmenjubiläum.

Eine Festschrift mit Beiträgen zur Firmengeschichte ist in Vorbereitung und erscheint voraussichtlich zur 61. Stuttgarter Antiquariatsmesse im Januar 2024.

Sonntag, 5. November 2023

neue Ausstellung bei Wolf & Galentz

Die kommende Ausstellung bei Wolf & Galentz ist dem bildenden Künstler Jovan Balov (1961–2022) gewidmet.
Jovan Balov - Dem Deutschen Volke, Cyan – Magenta – Gelb, 2006
obere Teile: Malerei Acryl auf Leinwand, je 200 x 160 cm
untere Teile: Digitaldruck auf Fahnenseide, je 100 x 160 cm
Als Wanderer zwischen den Welten, zwischen Ost und West, Skopje und Berlin, aufgewachsen auf dem Balkan, an diesem Knotenpunkt verschiedenster kultureller Einflüsse und Traditionslinien, hat er sich Zeit seines Lebens für Politik und Herrschaftsgeschichte interessiert. Als Themenschwerpunkt zentral in seinem Werk war die Auseinandersetzung mit Nationalstaaten, nationaler Identität und deren Verflechtungen mit Mythen und Legenden.
Jovan Balov hat im Laufe seines Lebens in ein beeindruckendes Œuvre erschaffen, aus dem wir in der Ausstellung einen Querschnitt präsentieren:
  • frühe abstrakte Malerei mit geometrischen Formelementen aus den 1990er-Jahren, die er selbst auch als Kontrapunkt zum Jugoslawienkrieg auffasste;
  • Fotografien aus Wohnstätten von Roma, mit denen Jovan Balov jeweils mehrere Monate gelebt hat, in der Nähe der Städte Skopje und Rom vom Anfang der 2000er-Jahre;
  • sein monumentales Triptychon „Dem deutschen Volke. Cyan – Magenta – Gelb“ (2006) eine Mixed-Media-Arbeit aus bedruckter Fahnenseide und Schwarz-Weiß-Malerei auf Leinwand, das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung des Künstlers mit der politischen Geschichte der letzten 200 Jahre seiner neuen Wahlheimat Berlin;
  • mehrere seiner hervorragenden surrealistischen großformatigen Porträts in Acryl auf Leinwand (2007–2021), Ergebnisse vieler Gespräche mit den Modellen, Sitzungen mit Skizzen, Fotografien, die das Wesen der Porträtierten lebendig werden lassen, sowie
  • Videoarbeiten aus allen Schaffensperioden, teilweise mit Bezug zu den in der Ausstellung gezeigten Werken.
Nach langer schwerer Krankheit verstarb er im Oktober 2022 in Berlin wo er auch beerdigt ist.

Vernissage: 10. November 2023, 19 Uhr, Einführung: Rolf Külz-Mackenzie
Ausstellung: 12. November - 3. Dezember 2023

Offene Ateliers Dresden

Der Pirckheimer Hanif Lehmann lädt wie in den vergangenen Jahren zu den Offenen Ateliers in Dresden ein.
Montage unter Verwendung eines Fotos von Ralf Parkner, Abel Doering (lks.) mit Hanif  Lehmann, leider konnte ich ihn bisher noch nicht in seinem Atelier besuchen
Auch sein Atelier im Künstlerhaus Dresden-Loschwitz ist für kunstinteressierte Besucher offen. Neben der Malerei, der Druckgraphik und Graphikbüchern können auch Werkzeuge und Maschinen besichtigt werden. Dazu vielleicht noch ein Blick in seine Skizzenbücher.

21. November 2021, 10 bis 18 Uhr

Künstlerhaus Loschwitz
Pillnitzer Landstraße 57, 01326 Dresden (nähe Blaues Wunder)
3.Hintereingang

Petrus Akkordeon, Tanz der Tapire

Bei Hendrik Liersch in der Corvinus-Presse erschien das Buch Tanz der Tapire von Petrus Akkordeon. 
Das Buch in japanischer Bindung im Format 18 x 22 cm, Auflage von 100 nummerierte Exemplare, hat vier dreifarbige Linolschnitte und kostet 20 €, bzw. mit allen vier Linolschnitte signiert 40 €.
hier mit Einladung zur Buchvorstellung am 12. November zur Vernissage im tapir
Parallel erschienen 22 nummerierte und signierte Exemplare als Künstlerbuch in der Größe 26,5 x 38 cm mit 6 blattgroßen dreifarbigen signierten Linolschnitten, einer signierte zweifarbige Vignette und 3 weitere unsignierte Linolschnitte, 28 Seiten. Handbindung und Kassette Stefan Cseh, zum Preis von 350 €.
22 Expl. mit zusätzlichen Graphiken in Kassette

Samstag, 4. November 2023

Jahrestagung der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft

Gestern ging die zweitägige Jahrestagung der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft zu Ende.
Hoffmann-Illustrationen von Steffen Faust
Das anspruchsvolle Programm zu den Stichworten Rezeption und Übersetzung, mediale Adaptionen und Textanalyse, fand einen würdigen Abschluss mit der Lesung "Der goldne Topf" durch Steffen Faust mit seinen Illustrationen. Zuvor gab es eine profunde Vorstellung des Grafikers, der seit 1983 eine Vielzahl von Künstler- und Unikatbüchern, u.a. auch für den Berliner Bibliophilen-Abend oder z.B. im Verlag des Pirckheimers Michael Duske, Serapion vom See,durch den Vizepräsidenten der Gesellschaft Jörg Petzel.

Anschließend konnten die Teilnehmer noch eine Führung durch die Sonderausstellung "Otfried Preußler" im Stabi Kulturwerk erleben.
Dr. Irrmtraut Jüttner & Hanif Lehmann
Ralf Parkner & Steffen Faust
Jörg Petzel & Bernd Hesse

aus dem 251. Frankfurter Grafikbrief: Unikate Künstlerbücher

Bis Johannes Gutenberg 1450 den mönchischen Buch-malern und -abschreibern in die Parade fuhr, gab es an sich nur eine Art Bücher: Unikate. Jedes Buch einzeln von Hand hergestellt, und selbst wenn ein Text mehrfach abgeschrieben wurde, wich doch jedes Exemplar vom anderen ab. Die Menschheit nahm die serielle Reproduzierbarkeit von Text und Bild durch bewegliche Lettern, Kupferstich usw. erleichtert auf, denn das senkte die Preise für Literatur, Wissen und Buchgenuss. Heute, wo ein ge-drucktes Buch um ein sehr Geringes zu produzieren ist, sieht man, dass die Verringerung des Buchpreises auch nicht die Ultima Ratio ist...

Dass eine ästhetische Gestaltung, die Lesegenuss und –komfort bedient, ein kultureller Wert an sich ist, dafür steht ja gerade die Büchergilde.

Der Gipfel der Buchkultur ist natürlich das unikate Künstlerbuch, meist ein einziges Exemplar, oft von Hand geschrieben und mit Zeichnungen illustriert. Unmittelbarer und persönlicher geht es nicht. Auch wenn das kein ganz billiges Vergnügen ist: Würde man die Zeichnungen eines Buches einzeln kaufen, käme ein Vielfaches des Buchpreises zusammen.
Georg Koenigstein/Paul Verlaine – Poèmes
Lesen Sie hier den ganzen Text über Unikate Künstlerbücher und sehen Sie Exponate von Klaus Süß, Elfriede Weidenhaus, Peter Zaumseil, Katrin Stangl und anderen.

(Wolfgang Grätz)

Freitag, 3. November 2023

"Faber & Faber" stellte Insolvenzantrag

Zur Frankfurter Buchmesse war Faber & Faber noch mit einem Stand vertreten. Nun hat der Verlag hat einen Insolvenzantrag gestellt. ...
Der 1990 von Elmar Faber und seinem Sohn Michael gegründete Verlag Faber & Faber gehörte zu den wenigen Nachwende-Gründungen, die die gebeutelte Buchstadt auch überregional im Gespräch hielten. Nachdem Michael Faber ins Amt des Leipziger Kulturbürgermeisters gewechselt war (von 2009 bis 2016) und sich kein geeigneter Mehrheitseigner finden ließ, wurde die Verlagsproduktion 2014 eingestellt; im Dezember 2017 verstarb der Verlagsgründer Elmar Faber. Im Herbst 2019 brachte Michael Faber den Verlag wieder an den Start, als Mitgesellschafter fungierten sein älterer Bruder, der Arzt Renaldo Faber, und Peter Herbst. ...
In Schieflage geriet der Verlag offensichtlich vor allem mit der ausklingenden Pandemie, massiv im Jahr 2022: Die Novitäten reüssierten zwar bei der Kritik, konnten sich aber nicht im Handel durchsetzen, die Backlist-Verkäufe waren rückläufig. Die Konzentration im Handel tat ein Übriges; zuletzt soll sich die Zahl der Buchhandlungen, die Faber & Faber-Vertreter empfingen, nahezu halbiert haben. Und ausgerechnet Faber & Faber ging beim Sächsischen Verlagspreis, bei dem 20 Verlage mit jeweils 10.000 Euro bedacht wurden, leer aus. ,,, 2019 begleitete Michael Faber die Wiederbelebung von Faber & Faber mit dem alten Verleger-Scherz, er werde mit der Neugründung "ein kleines Vermögen" machen, da er ein großes darin einbringe. Zuletzt konnte auch das wiederholte Einschießen privaten Geldes nichts mehr heilen.
[Die Pirckheimer-Ge4sellschaft unterstützte die bei Faber & Faber herausgegebene Reihe bagatellen, eine Debüt-Reihe zur Förderung neuer Nachwuchsillustratoren, die ausschließlich Magisterstudenten der Buchillustration der Kunstakademien in Leipzig und Hamburg vorbehalten waren.]
Dass Faber sein Haus nun, nach – mit Unterbrechungen – 33 Jahren verlegerischer Arbeit zusperren muss, ist traurig – für den Unternehmer, aber auch für die Verlags- und Buchstadt Leipzig.

(Nils Kahlefendt, vollständig auf boersenblatt.net)

Rainer Ehrt illustriert Fjodor Dostojewski

In der Officina Ludi von Claus Lorenzen erscheint in wenigen Tagen „Der Großinquisitor oder die Lust an der Unfreiheit“ von Fjodor M. Dostojewski mit Illustrationen von Rainer Ehrt.

In Dostojewskis berühmter Erzählung „Der Großinquisitor“ als Teil des Romanwerks „Die Brüder Karamasow“ tritt der greise Großinquisitor dem nach fünfzehn Jahrhunderten tatsächlich wieder auferstandenen und unter dem Volk wandelnden Christus entgegen und lässt ihn verhaften, um ihn als Ketzer auf dem Scheiterhaufen der Inquisition verbrennen zu lassen.
Vordergründig ging es Dostojewski dabei um die Kritik am römischen Papsttum und der katholischen Kirche. Seit dem 20. Jahrhundert ist der Text aber zunehmend auch als vorweggenommene Parabel auf den modernen totalitären Staat interpretiert worden. Der Großinquisitor behauptet, dass die Menschen nichts mehr beunruhige und peinige als die Freiheit. Sie würden jedem folgen, der ihnen „Brot“ verspreche und bereit sei, ihnen jegliche Verantwortung für ihr Leben abzunehmen.
„Mache sie satt und verlange dann von ihnen Tugend.“
Insofern ist die Inquisitor-Erzählung gerade heute ein höchst aktueller und brisanter politischer Text angesichts der Tatsache, dass weltweit auch in ehemals demokratischen Ländern zunehmend autoritäre Machthaber und populistische Anführer an die Macht kommen oder sich „Gottesstaaten“ etablieren – oft sogar durch freie Wahlen. Und folgen die Menschen ihren Parolen tatsächlich nur wegen ihrer Versprechen, ihnen „Brot“ – sprich Konsum und soziale Wohltaten – zu verschaffen?
Rainer Ehrt hat den Text (in der modernen Übersetzung von Swetlana Geier) vor allem auch unter diesem Blickwinkel mit seinen farbigen Federzeichnungen und seiner unverwechselbaren Künstlerschrift opulent illustriert, teilweise mit großformatigen doppelseitigen Bildern.Das Buch erscheint in einer Auflage von 1200 Exemplaren, davon 125 arabisch nummerierte und signierte Vorzugsausgaben im illustrierten Schuber mit einer beigefügten signierten Grafik, als Giclée auf hochwertigem FineArt-Bütten gedruckt. (128,.00 €). 25 römisch nummerierte Luxusausgaben in Ganzleder mit Blindprägung und im Schuber enthalten neben der Grafik zusätzlich eine signierte handkolorierte Original-Radierung von Rainer Ehrt (420,00 €).
Der Preis der Buchhandelsausgabe beträgt 26,00 €. ISBN 978-3-946257-09-7
Format 19 x 28 cm; 56 Seiten. Druck auf Munken Print cream 15 (150 g/qm). Fadenheftung mit offener verstärkter Broschur, die wegen des für die großformatigen doppelseitigen Grafiken gewünschten guten Aufschlagverhaltens gewählt wurde, und mit illustriertem Schutzumschlag.
Vorzugsausgabe im Schuber, Abbn. und Foto © Officina Ludi