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Sonntag, 30. August 2026

Der 263. Frankfurter Grafikbrief

Diesmal mit den Beiträgen
  • Eine künstlerische Urgewalt wird 75. Klaus Süß
  • Atelierbesuch bei Gerda Lepke in Gera
  • Der Grafikkalender im Sack für 2024
  • Danke Klaus Raasch. 28. Januar 1960 - 6. Juni 2026
  • Neue Kabinett-Ausstellung Am Salzhaus: Peter Zaumseil
  • Hans-Meid-Preis für Katrin Stangl
  • Der 7. Aschaffenburger Buchkunstsalon. Jetzt in der ehemaligen Pumpenfabrik!
  • Wer hat den Baselitz auf den Kopf gestellt?
Grafikbrief aufrufen durch Klick auf die Abb.

Sonntag, 7. Juni 2026

262. Frankfurter Grafikbrief

Dem aktuellen Grafikbrief ist u.a. ein Nachruf von Wolfgang Grätz auf Hermann Naumann zu entnehmen, einen Künstler, den die Berlin-Brandenburger Pirckheimer im Juni 2012 im Rahmen ihrer Jahresexkursion in seinem Dresdener Atelier besuchten.
Hermann Naumann wurde in Kötzschenbroda geboren, lebte aber ab 1947 in Dresden, wo er eine Bildhauerlehre absolvierte und ab 1950 als freischaffender Künstler arbeitete. Aus einem Granatsplitter des 2. Weltkriegs schliff er sich einen Stichel, mit dem er die alte grafische Tiefdrucktechnik des Punzenstichs wiederbelebte: Aus vielen Tausenden in die Kupferplatte gehämmerten Punkten entsteht das Bild. In dieser Technik schuf er eindrucksvolle orig.-grafische Buchillustrationen, u.a. zu Texten von Arthur Rimbaud und Knut Hamsun. Sein malerisches und das umfangreiche grafische Werk umfassen abstrakte wie gegenständliche Arbeiten. Naumann, der seit 1994 etwas abseits des Kunstbetriebs auf einem Gutshof in Dittersbach lebte, gehörte zu den bedeutendsten Künstlern der DDR. Er starb im Alter von 95 Jahren.

Mittwoch, 25. Februar 2026

John Gerard im 261. Frankfurter Grafikbrief

John Gerard ist einer der renommiertesten Papierkünstler weltweit - und lebt und arbeitet in einem deutschen Dorf in der Vordereifel! Im 261. Frankfurter Grafikbrief stellt Wolfgang Grätz exemplarisch 4 Bücher vor, die John Gerard verlegt hat:
Goethes Zauberlehrling entstand nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021, die knapp an Gerards Wohnsitz vorbeiging. Es lebt von intelligenten Faltungen, durch die der Zauberbesen sichtbar wird, die Bütte, die Wellen des Wassers. Und absolut einzigartig: eine Bindung völlig ohne Leim, nur durch Faltung.
Fritz Best, englischer Künstler und Nachfolger von Karl-Georg Hirsch als Professor an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, hat ein Buch über die magische 7 - Todsünden, Tugenden, Wochentage usw. - mit dem Titel Last Judgements geschrieben und es mit 28 in Flachsbütten eingeschöpfte Wasserzeichen illustriert; meines Wissens das erste Buch weltweit, das mit Wasserzeichen illustriert wurde.
Schließlich 2 Bücher, deren orig.-grafische Illustration Prof. Thomas Rug aus Halle oblag: Edgar Allan Poes Kurzgeschichte The Pit and the Pendulum ist mit 12 Orig.-Radierungen veredelt, 5 sizilianischen Stanzen von Wilhelm Bartsch über Erlebtes an den Rändern Europas mit 6 Orig.-Schablithografien, einer pikanten Technik, interpretiert.

Montag, 29. September 2025

259. Frankfurter Grafikbrief

Der Grafikbrief wurde an Interessenten per Post verschickt, kann aber auch bis zur Veröffentlichung der nächsten Ausgabe durch Klick auf die Abb. aufgerufen werden.

In ihm würdigt der Pirckheimer Wolfgang Grätz auf den ersten 3½ Seiten Hans Ticha, der bis 1990 Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft war, aus Anlas dessen 85. Geburtstag.
Außerdem enthält der Grafikbrief Beiträge zu Charlotte Hornung und Eva Schwanitz, sowie zum 6. Aschaffenburger Buchkunstsalon.
Der am 7. August verstorbene Buchkünstler Jens Henkel wird in einem Nachruf geehrt.

Freitag, 30. Mai 2025

258. Frankfurter Grafikbrief

Neben dem Hinweis auf die letzte Ausstellung der Büchergilde Buchhandlung in den Räumen An der Staufenmauer mit Werken von Angela Hampel, sowie zu Albert Kapr enthält dieser Grafikbrief eine Information zu Tomi Ungerers "America", zu Peter Brauns Bronzen, Bernhard Jägers 90. Geburtstag. 
Und, auch ein Wolfgang Grätz ist noch zu überraschen, wie er in einem Atelierbesuch bei Ursula Strozynski konstatieren musste, als er von der grafischen Technik Chine.collé erfuhr.

Den gesamten Grafikbrief lesen durch Klick auf die Abb.

Mittwoch, 28. Mai 2025

Angela Hampel – Intensität und Sinnlichkeit

Die Büchergilde Buchhandlung & Galerie Frankfurt/Main zeigt gegenwärtig eine Ausstellung unter dem Thema „Intensität und Sinnlichkeit“ mit Malerei, Zeichnung, Druckgrafik von Angela Hampel – 
Statt einer Vernissage wird es mit Angela Hampel eine „Midissage“ geben.
Angela Hampel, Menükarte zum Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft 2015, Algrafie
Es ist die letzte Ausstellung, die wir hier in unseren 2007 bezogenen Räumen An der Staufenmauer in Frankfurt/Main zeigen, vor dem Umzug ins Goethe-Haus Ende Juli, und es war mir sehr wichtig, die Ära von 125 Ausstellungen an diesem Ort mit einem Paukenschlag zu beenden – ein solcher ist eine Ausstellung mit neuen Arbeiten von Angela Hampel, einer der bedeutendsten deutschen Malerinnen der Gegenwart!

Angela Hampel zu Róza Domascyna:
Mittagsfrau. Beil. Marginalien 206
Ich kenne wenige Künstler/innen, die so leidenschaftlich um die Wahrheit in ihrem Leben wie in ihrer Kunst ringen wie Angela Hampel, die dazu auch noch über die absolut außergewöhnlichen zeichnerischen, malerischen und grafischen Fähigkeiten verfügt, um ihrem Ringen eine, wie ich glaube, zeitlos gültige Form zu geben.

Da sich durch die vielen Brückentags-Wochenenden und die späten Pfingstfeiertage kein plausibler Termin für eine Vernissage finden ließ, haben wir uns mit Angela Hampel und Peter Braun darauf verständigt, am Samstag etwa zur Mitte der Ausstellung, eine „Midissage“ zu veranstalten, bei der Sie Gelegenheit haben, Künstlerin und Künstler persönlich zu treffen und Abschied zu nehmen von diesem Ort, an dem wir seit 2007 achtzehn Jahre lang wunderbare Begegnungen mit Ihnen, den Künstler/inne/n und großartiger Kunst genießen konnten!

(Wolfgang Grätz)

24. Mai - 19. Juli 2025
Midissage: 14. Juni 2025, 17 Uhr

Büchergilde Buchhandlung & Galerie Frankfurt/Main
An der Staufenmauer

Dienstag, 27. Mai 2025

Albert Kapr – Der Typograf von Grieshabers „Totentanz“

Am 31. März dieses Jahres war sein 30. Todestag. Zugegeben, das ist rund und doch wieder nicht so richtig eines der gängigen Jubiläumsjahre, wir wollen es dennoch zum Anlass nehmen, an den großen Künstler und Typografen, der u.a. Grieshabers „Totentanz“ eindrucksvoll „beschriftet“ hat, zu erinnern, zumal wir über rare Original-Holzschnitte Kaprs aus der unmittelbaren Nachkriegszeit im Schwäbischen verfügen.
Albert Kapr, Ballade vom angenehmen Leben, Holzschnitt, 63 x 48 cm, Aufl. 90 Expl.
Am 20. Juli 1918 in Stuttgart geboren, war Kapr auch Schriftgestalter, Kalligraf, Typograf und Hochschullehrer. 1936 wurde er wegen „Beihilfe der Vorbereitung zum Hochverrat“ – er hatte in Stuttgart eine Statue mit den Worten „Hitler = Krieg“ beschriftet – zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Dennoch konnte er ab 1938 an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart studieren. 1948 wurde Kapr an die Hochschule für bildende Kunst (seit 1996 Bauhaus-Universität) Weimar berufen. Ab 1951 war er Professor für Schrift- und Buchgestaltung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, als solcher bestimmte er die Entwicklung der Schrift- und Buchkunst der DDR maßgeblich mit. Für die Büchergilde schuf er u.a. den Zweiten Gutenberg Pressendruck. Kapr starb 1995 in Leipzig.

(Wolfgang Grätz)

Dienstag, 4. März 2025

Susanne Theumer zum 50. – Die Lichtsehende

Wer als Künstler/in in Schwarz-Weiß arbeitet, hantiert mit purem Licht. Die Kunst ist, mit den Mitteln der Nichtfarbe, das sind Schwarz und Weiß qua Definition, beim Betrachtenden dennoch Eindrücke einer farbigen Realität zu erzeugen. In den Kohlezeichnungen und Radierungen von Susanne Theumer wirkt das Licht so intensiv und sinnlich, dass ein Bild allein dadurch im Gedächtnis haften bleibt.
Das hat sicherlich auch etwas mit der Arbeitsweise der Künstlerin zu tun: Sie zeichnet und radiert vor Ort. Als wir vor zwei Jahren in unserer Ausstellung „Lost places“ ihre Zeichnungen von zerfallenden Fabrikgebäuden ausgestellt haben, schrieb sie dazu: „Wenn ich so ein Gebäude entdecke, steige ich dort ein, es klappt fast immer, auch wenn es verboten ist. Einmal hatte ich auch Polizeibesuch... Doch es muss vor Ort geschehen! Ich zeichne auf dem Boden sitzend, ca. 3 Stunden arbeite ich vor Ort daran, mit den großen Radierplatten gehe ich meistens mehrere Tage an dieselben Stellen und arbeite daran weiter. Vor Ort ist die Stimmung, sind die Geräusche, die Begegnungen mit anderen Beobachtern und Tieren, das Licht, das Wetter insgesamt, das Erfühlen des Ortes etwas ganz Wesentliches und Authentisches, alles muss in die Zeichnung. Nur das Wenigste bearbeite ich im Atelier weiter, oder in der Druckwerkstatt.“ Gerade ist die Künstlerin von einem Arbeitsaufenthalt im Niemeyer-Holstein-Atelier auf Usedom zurück, und natürlich drang sie, wo sie schon mal in der Nähe war, unbefugt auf das Gelände der „Heeresversuchsstelle“ vor, wo noch gruselige Nazibaurelikte zerfallen.

(Wolfgang Grätz)

Eröffnung: 18. März 2025, 19 Uhr, in Anwesenheit der Künstlerin 
Ausstellung: 18. März . 17. Mai 2025

Büchergilde Buchhandlung & Galerie
Staufenmauer, Fahrgasse, 60311 Frankfurt am Main

Montag, 3. März 2025

Katrin Stangl – Das Glück des Lesens

Ihr erstes Buch überhaupt (von inzwischen mehr als 35) hat Katrin Stangl 2001 für die Büchergilde illustriert, Ray Bradburys „Fahrenheit 451“, als Gewinnerin des allerersten Büchergilde-Gestalterpreises (Mitglied der Jury, die sie auswählte, war seinerzeit auch Hans Ticha). Inzwischen aber kennt sozusagen jedes Kind ihre bildnerische Handschrift. Nicht nur, weil sie auch preisgekrönte Kinderbücher geschaffen hat, sondern weil sie zu den wenigen ausgewählten Grafiker/inne/n und Künstler/inne/n zählt, die vom Bundesfinanzministerium eingeladen werden, Entwürfe für Briefmarken der Deutschen Post zu gestalten. Aktuell können Sie Ihre Briefe mit der von Stangl entworfenen 85-ct-Marke „Gebärdensprache“ frankieren (jetzt leider + 10 ct).
Anlass der aktuellen Ausstellung aber ist ihr neuestes Buch, „Das Glück des Lesens“, das am 17. März, einen Tag vor unserer Ausstellungseröffnung erscheinen wird: eine von Marie Bernhard herausgegebene Anthologie, in der z.B. Virginia Woolf fragt, wie man ein Buch lesen soll, Hans Fallada von seltsamen Leerstellen im Regal berichtet, Theresia Walser ihre „Büchermauer“ beschreibt und Günter de Bruyn erzählt, wie er zur Literatur kam. Illustriert ist es mit 15 farbigen Lesebildern von Katrin Stang, für die sie ebenso viele Orig.-Linolschnitte geschaffen hat. Diese sind schwarz-weiß, wurden von ihr eingescannt, und am Computer kam dann die Farbe in die Druckvorlagen. Unsere Ausstellung zeigt (u.a.) die schwarz-weißen Orig.-Linolschnitt-Originale.

(Wolfgang Grätz)

Eröffnung: 18. März 2025, 19 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin
Ausstellung: 18. März . 17. Mai 2025

Büchergilde Buchhandlung & Galerie
An d. Staufenmauer 9, 60311 Frankfurt am Main, Deutschland

Mittwoch, 27. November 2024

Pirckheimer im 256. Frankfurter Grafikbrief

Nackter Kaiser, gesehen von Matthias Gubig

Märchen haben ja oft eine zeitlose Botschaft, aber meist muss man doch ein bisschen interpretieren und biegen, damit es auf das Heute passt. Anders bei Hans-Christian Andersens Märchen von des Kaisers neuen Kleidern, in dem ein – freilich selbst betrogener – Regent mit nichts daherkommt, wofür er allerdings sehr viel Geld ausgegeben hat. Ich fürchte, dass auch bei uns die Regentschaft zwar demnächst wechselt, die kaiserlichen Gewänder aber weiter getragen werden. Matthias Gubig hat das Märchen mit grafischen Kommentaren in die Jetztzeit geholt, und dabei, wie bei seinen „Spätdrucken“ immer üblich, mit dem großen buchkünstlerischen Besteck gearbeitet... 

Franziska Neubert
– „Aber Luise!“ Ein neues, mit Farbholzschnitten illustriertes Kinderbuch mit einer Vorzugsausgabe Franziska Neubert hat ein Alleinstellungsmerkmal, was ihre inzwischen sehr zahlreichen Buchillustrationen angeht: Sie schafft die Bildvorlagen in der Technik des Farbholzschnitts, ein unvergleichlich größerer Aufwand als Bildvorlagen zu zeichnen. Aber auch ein deutliches Statement, dass die Ästhetik der Druckgrafik eine eigene Aura hat. Und diesen Kraftakt betreibt sie nicht nur für die „Großen“, wie bei ihren Büchergilde-Illustrationen, sondern auch im Kinderbuch! Das neueste ist soeben im Kunstanstifter-Verlag erschienen, und dazu gibt es sogar eine Vorzugsausgabe: Eigentlich ist Luise ein ganz gewöhnliches Kind – bis auf die Tatsache, dass bei ihr immer alles gnadenlos schiefläuft. Von den Erwachsenen werden Luises Tollpatschigkeiten immer wieder mit dem Ausruf „Aber Luise!“ quittiert. Und natürlich endet auch der Besuch einer Raketenstation mit einem Missgeschick, und Luise findet sich unverhofft im Weltall wieder... 

Bernhard Jäger
– „Buchkunst, Flachware, Autobiografisches Eine kompakte und doch ausführliche Übersicht über das Lebenswerk des documenta-Teilnehmers Es ist ein wunderbares Buch über den Künstler, der nächstes Jahr 90 Jahre alt werden wird. Jäger, der 1964 auf der documenta vertreten war und Karl Valentin als Taufpaten vorweisen kann, hat ein unglaublich facettenreiches Werk geschaffen, inkl. einiger preisgekrönter Illustrationen für die Büchergilde. Das Buch spiegelt all das authentisch wieder, und es gibt eine schöne Künstler-Vorzugsausgabe. 

(Wolfgang Grätz, Frankfurter Grafikbrief)

Sonntag, 1. September 2024

Bibliophiles des Monats: Leo Tolstoi - Wieviel Erde braucht der Mensch?

Bibliophiles des Monats ist dem 100sten Gründungstag der Büchergilde Gutenberg gewidmet. Aus Anlass des 50jährigen Bestehens der Büchergilde erschien 1974 ihre allererste Vorzugsausgabe, die Erzählung von  Leo Tolstoi "Wieviel Erde braucht der Mensch?". illustriert von Michael Mathias Prechtl.
Es handelt sich um das Werkstattexemplar und wird/wurde von der Büchergilde-Buchhandlung Frankfurt am Main zum Preis von 348 € angeboten.

Neben den 38 Zeichnungen des Künstlers und einer Typographie von Hermann Zapf enthält das vorgestellte Exemplar eine handschriftlichen Widmung „dem idealen Kooperator Juergen Seuss einen Gruß! M.M. Prechtl, 3. X. 74“. und wie alle Vorzugsausgaben eine handkolorierten Orig.-Lithografie, die mit ihrer Anlehnung an Dürers Rasenstück nicht nur eine Brücke zwischen Epochen der Kunstgeschichte ist, sondern auch verschieden Kulturen zusammenbringt, hier im ersten Andruck, 23 x 13,5 cm, signiert, als Probedruck bezeichnet.
Buchformat 24,2 x 16,5 cm, Ganzleineneinband mit Schutzumschlag. Dieser nicht ganz frisch. Das Buch hat keinen Schuber.

(nach einer Information von Wolfgang Grätz)

Mittwoch, 21. August 2024

Der 255. Frankfurter Grafikbrief

Der, diesmal etwas umfangreichere Leitartikel des Frankfurter Grafikbriefs widmet sich dem Thema "100 Jahre Büchergilde und die Kunst: Der Büchergilde artrclub".

„Empörung und Gestaltung“ – so betitelte der legendäre Büchergilde-Schriftleiter Erich Knauf (*1895, 1944 von den Nazis wegen „zersetzender Reden“ zum Tode verurteilt und hingerichtet) sein 1928 erschienenes Buch, mit dem er die damals noch weitgehend proletarische Mitgliedschaft der Büchergilde mit engagierter Gegenwartskunst konfrontieren wollte. Vorgestellt wurden u.a. Frans Masereel, Max Liebermann, Heinrich Zille, Ernst Barlach, Otto Dix und George Grosz. Die zeitgenössische Kunst war von Anfang an selbstverständlicher Teil einer Buchgemeinschaft, die sich zwar hauptsächlich der Verbreitung guter wie klassenbewusstseinsfördernder Literatur verschrieben hatte, aber auch die anregende Kraft des Bildes sehr zu schätzen wusste, was sich zunächst in hochwertiger Buchillustration zeigte.

Aus dieser Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern sollte aber erst 1971 eine freie Grafik-Edition entstehen, die an das von Knauf vorgegebene Niveau anknüpfte. Es erschienen Grafiken z.B. von Karl Hubbuch, Karl Rössing, HAP Grieshaber, Alfred Hrdlicka, Horst Antes und Gerhard Altenbourg. 1996 startet dann der „Büchergilde artclub“, der systematisch die zeitgenössische Druckgrafik in Szene setzte, die Büchergilde mit den eigenen Kunst-Editionen auf Buch- wie Kunstmessen präsentierte und Atelier- und Werkstatt-Besuche anbot.

(Wolfgang Grätz)

Mittwoch, 3. Juli 2024

254. Frankfurter Grafikbrief

im Internet lesen durch Klick auf die Abb.
An den Nagel gehängt! …was bisher nur im Internet zu sehen war. (Accrochage)
Man mag manchmal das zeitfressende Internet verfluchen, man kann es auch meiden, ohne sich dafür genieren zu müssen, es bringt aber auf jeden Fall z.B. auch für die Präsentation von Kunst gewaltige Vorteile: Vieles, was sonst nur in den dunklen Schubladen unserer deckenhohen Grafikschränke (oder denen der Künstler) schlummerte, können wir jetzt zu relativ überschaubaren Kosten in ein weltweit sichtbares Schaufenster stellen.
Aber das Internet ist groß und sehr unübersichtlich, und Kunst kann man ja nicht nach berechenbaren Parametern oder Algorithmen suchen, man muss ihr irgendwie sinnlich begegnen. Und so gehen wir jetzt mal den umgekehrten Weg: Viele Bilder und Bücher, die wir in den letzten Monaten weitgehend unbemerkt neu ins Internet gestellt haben, hängen wir jetzt an die Wand bzw. präsentieren sie in unserer großen Vitrine, und zur übersichtlichen Information stellen wir hier die neuen Künstler/innen bzw. neu ins Internet eingestellte Werkblöcke mit einem Bild pars pro toto vor.
(Wolfgang Grätz)

Ausstellung Marcel Mayer (Göhring): 1. Juli - 31. August 2024

è Büchergilde Buchhandlung & Galerie Frankfurt
An der Staufenmauer 9, 60311 Frankfurt/M

Donnerstag, 11. April 2024

Buchkuriosa

Heute Abend wird die Pirckheimer-Gesellschaft gemeinsam mit dem Berliner Bibliophilen Abend Michael Faber als Referenten begrüßen können, der "Buchkuriosa. Kleine und größere Verrücktheiten" des kürzlich erloschenen Verlags Faber & Faber vorstellen wird.
Faber war der letzte Publikums-Verlag, der mit den „Erstlingswerken deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts“ Bücher mit orig.-grafischen Illustrationen in hohen Auflagen von mehreren hundert Exemplaren auf den Markt brachte. Was zu Zeiten von HAP Grieshaber, Hansen-Bahia, der Eremiten Presse in Westdeutschland, mit zahlreichen Büchern von Reclam Leipzig in der DDR Alltag war, ist leider längst zu einer Nischenkultur geschrumpft, und nach dem Tod von Artur Dieckhoff gibt es auch die im Hamburger Museum der Arbeit gedruckten Holzschnittbücher der dortigen Schwarzen-Kunst-Community nicht mehr...

Faber & Faber war aber immer vor allem ein literarischer Verlag, bei dem so renommierte Autoren wie Clemens Meyer, Josef Haslinger, Roswitha Quadflieg oder Christoph Hein publizierten. Von diesem Segment lebte der Verlag, die Buchkunst war nur das imagebildende Sahnehäubchen. Und diese Basis wird, nicht nur für Faber & Faber, durch die Strukturveränderungen, die stetig wachsende Marktmacht weniger großer Handelsketten, zerstört.

Die Buchhandelsketten wie Thalia (Marktanteil allein 40 Prozent), Hugendubel und Osiander kaufen kaum noch Titel aus unabhängigen kleinen Verlagen ein. Sie haben Umsatz- und Rabatt-Erwartungen, die Letztere nicht erfüllen können, zudem lassen sie sich vorteilhafte Buch-Platzierungen in ihren Läden von den Verlagen bezahlen, wozu es erst mal eines Marketingbudgets bei den Kleinen bedürfte. Und je mehr inhabergeführte Buchhandlungen keine Nachfolger mehr finden, desto fetter werden die Ladenketten und ihre genuinen Partner, die Verlagskonzerne. Mit der Buchkunst aber hat das nichts zu tun, denn die war in den Ketten und Konzernen noch nie zu finden.

Von der unbändigen Verlegerlust der Fabers kurz nach Verlagsgründung zeugt der Verlagsalmanach „Sisyphos der Zweite“ von 1992, in dem auch das erste Buch der „Erstlingswerke deutscher Autoren…“ angekündigt wurde, Brechts Baal, mit Orig.-Linolschnitten von Klaus Süß. Der Co-Verleger Michael Faber wurde vorgestellt als „Autor, der an einem Roman des 21. Jahrhunderts“ schreibe, von dem man (1992) hoffe, dass dieser auch dann erst fertig werde, damit man nicht in die Verlegenheit komme, ihn drucken zu müssen...

(Wolfgang Grätz, in 253. Frankfurter Grafikbrief )

11. April 2024, 19 Uhr

Zentral- und Landesbibliothek Berlin
Kleiner Säulensaal
Breite Straße 36, 10178 Berlin

Mittwoch, 10. April 2024

Kafkas Texte in edelster Gestalt 5

Originallithografien von Hermann Naumann

Um Hermann Naumann ist es – naturgemäß – still geworden, der 40 km östlich von Dresden lebende Künstler ist am 14. Februar gesegnete 94 Jahre alt geworden. Er hat sich vor allem in der DDR intensiv mit dem Werk Kafkas beschäftigt, seine Illustration von „Betrachtung“ erschien als Lizenzausgabe auch bei der Büchergilde. – Wir verfügen über einige der Originallithografien, die für das Buch zur Illustration reproduziert wurden.
Hermann Naumann, Zu Kafka – Betrachtung, Die Abweisung
Orig.-Lithografie 1974, Bildformat 39,5 x 30 cm,
Büttenformat 64 x 47 cm. Auflage 30 Exemplare
Dieser Beitrag von Wolfgang Grätz wurde aus dem gerade erschienenen 253. Frankfurter Grafikbrief übernommen.

Kafkas Texte in edelster Gestalt 4

Bengt Fossag illustrierte für die Büchergilde Kafkas „Der Prozeß

272 Seiten mit 24 Farbzeichnungen von Bengt
Fosshag und einem dreifarbigen Orig.-Linolschnitt,
Auflage 150 Exemplare.
Bengt Fosshag, geboren 1940, hat Grafik-Design studiert. Seit 1983 ist er freier Illustrator. Er ist international und national vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Golden Award of Montreux und dem Silbernen Löwen von Cannes. Im Jahr 2002 wurde er mit dem renommierten Art Directors Preis in Gold sowie dem Deutschen Designer Club Preis in Silber für seine Illustrationen in „Mord im Grünen“ ausgezeichnet. Bengt Fosshag lebt und arbeitet in der Nähe von Frankfurt.

Dieser Beitrag von Wolfgang Grätz wurde aus dem gerade erschienenen 253. Frankfurter Grafikbrief übernommen, weiter Beispiele für „Kafkas Texte in edelster Gestalt“ werden folgen.

Dienstag, 9. April 2024

Kafkas Texte in edelster Gestalt 3

Mathias Roloff – Kafka 4

Mathias Roloff, 1979 geboren, studierte an der Universität der Künste Berlin, wo er Meisterschüler von Volker Stelzmann war. Er darf als einer der interessantesten „Newcomer“ in der Phalanx der Künstlerbücher-Schöpfer gelten. Sein Kafka-Druck mit 4 handgeschriebenen/radierten und illustrierten Erzählungen von Franz Kafka besteht komplett aus 16 Orig.-Kaltnadelradierungen!

Dieser Beitrag von Wolfgang Grätz wurde aus dem gerade erschienenen 253. Frankfurter Grafikbrief übernommen, weiter Beispiele für „Kafkas Texte in edelster Gestalt“ werden folgen.

Kafkas Texte in edelster Gestalt 2

Matthias Gubig/Franz Kafka – Turmbau zu
Babel, 
12. Spätdruck 2013
mit 5 ganzseitigen Holzstichen und Texten von
Franz Kafka und aus dem Alten Testament auf
Japanbütten. Bleisatz, Buchdruck, Hardcover
mit orig.-grafischem Einbandbezug, 36 Seiten,
Format 30 x 20 cm, schwarzer Pappschuber



Matthias Gubig –
Turmbau zu Babel
Matthias GubigTurmbau zu Babel

Matthias Gubig hat in seinem 12. Spätdruck, der 2012 erschienen ist, den alttestamentarischen Text zum Turmbau zu Babel eingebettet in die zwei Erzählungen „Das Stadtwappen“ und „Von den Gleichnissen“ von Franz Kafka: Die Buchgestaltung ist, wie bei Gubig nicht anders zu erwarten, vom Allerfeinsten: Die Kafka-Texte auf festes Bütten in Linotype gedruckt, der Bibeltext in der Mitte im Handsatz auf dünnes China-Bütten, illustriert mit 5 ganzseitigen Orig.-Holzstichen. Diese Seiten sind mit rotem Außenrand bedruckt, sodass bei geschlossenem Buch ein Teilfarbschnitt in der Buchmitte sichtbar wird.

Dieser Beitrag von Wolfgang Grätz wurde aus dem gerade erschienenen 253. Frankfurter Grafikbrief übernommen, weiter Beispiele für „Kafkas Texte in edelster Gestalt“ werden folgen.

Montag, 8. April 2024

Kafkas Texte in edelster Gestalt 1

Rainer Ehrt – Kafka ICH

Der 100. Todestag (am 3. Juni) des wirklich zeitlos aktuellen Schriftstellers bringt die Kampagnen-Maschine zum Laufen: Es gibt den wohl sehr berührenden Film über Kafkas letzte Liebe, die das düstere Bild vom früh Verstorbenen um die Facette seines Liebesglücks erweitert, und eine Flut biografischer Neuerscheinungen, vom Fotoalbum bis zu Rüdiger Safranski. Kafkas düsterste Prognose aber bleibt natürlich: „Vielleicht hört der Fußball jetzt überhaupt auf!“

Die Buchkunst braucht aber keine Kampagne, um Kafkas Werk in aufwändigster Manier zu würdigen, auch wenn Rainer Ehrts neues Künstlerbuch tatsächlich gerade frisch erschienen ist, es ist aber schon sein zweites Kafka-Buch...
Originalgrafisches Künstlerbuch mit Briefen Franz Kafkas, 2024. 24 Seiten komplett als Original-Farbserigrafie gedruckt, gezeichnete Schrift, Format 31 x 25 cm, gebunden als offenes Leporello, bedruckter Leinen-Handeinband, Auflage 50 Exemplare, im Impressum signiert und nummerier
Dieser Beitrag von Wolfgang Grätz wurde aus dem gerade erschienenen 253. Frankfurter Grafikbrief übernommen, weiter Beispiele für „Kafkas Texte in edelster Gestalt“ werden folgen.

Sonntag, 4. Februar 2024

Matthias Gubig in Leipzig zu Gast bei der Büchergilde

Erst hat er Studenten beigebracht, wie man Bücher gestaltet, dann hat er’s ihnen vorgemacht: Die mehr als 20 Pressen(Spät)drucke, von denen jeder eine andere Innovation brachte, lassen sich wohl dermaleinst als Lehrbuch der Buchkunstmöglichkeiten zusammenfassen.
Der langjährige Pirckheimer Matthias Gubig wurde 1942 in Dresden geboren, ist gelernter Buchdrucker und Schriftsetzer, studierte Typografie und war von 1992 bis 2007 Professor für Gebrauchsgrafik und Typografie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Er lebt und arbeitet in Blankenfelde bei Berlin.
Zur Leipziger Buchmesse wird Matthias Gubig mit seinen „Spätdrucken“ Gast am Stand der Büchergilde Gutenberg sein.

(Wolfgang Grätz)

Messe: 21. - 24. März 2024

Leipziger Buchmesse
Marktplatz Druckgrafik
Stand der Büchergilde Gutenberg