Dienstag, 16. September 2014

MARGINALIEN 215

Das Heft 3/2014 der MARGINALIEN wurde vom Verlag ausgeliefert und kann den teilnehmenden Pirckheimern zum Jahrestreffen übergeben werden, für nicht teilnehmende Mitglieder wird das Heft am 22.9. in die Post gehen.
Es enthält u.a. Beiträge über den Bibliothekar
Paul Raabe, über die Freundschaft von Herbert Tucholski und Lothar Lang, einen Beitrag unter dem Titel Adler & Pax von Karl-Georg Hirsch und Manfred Jendryschik, Li Portenlänger schildert das Erleben der Lithographie-Werkstadt Eichstädt, Hendrik Liersch berichtet über Victor Otto Stomps und die Erenmiten-Presse, es gibt Hinweise auf Otto Erich Hartleben und Carsten Wurm berichtet über Menschen, Orte, Wegmarken in der Edition A.B. Fischer. Als typographische Beilage sind einige Epigramme aus Der Halkonier von Otto Erich Hartleben, erschienen bei S. Fischer 1904, neu gesetzt in der Walbaum 11/15 Punkt, in das Heft eingebunden.

Montag, 15. September 2014

25 Jahre Frank Eißner Handpresse

Farbholzschnitt und Zeichnung

Mit einer Ausstellung zeigt das Museum für Druckkunst Leipzig ab 19. September 2014 eine Retrospektive zum Schaffen des Leipziger Künstlers Frank Eißner.
Die Ausstellung gibt anhand des Mediums Farbholzschnitt Einblicke in seine expressive Bildsprache. In seinen Werken arbeitet der Künstler mit der komplexen Technik der verlorenen Form, die seinen Werken einen unverwechselbaren Charakter verleiht. Das fertige Bild entsteht durch das mehrfache Bearbeiten des Holzstocks. Der stufenweise Druckprozess fügt nach und nach die Farben zu einem Bild zusammen. Einzelne Arbeitsschritte lassen sich nicht wiederholen. Am Ende bleibt nur der Druckstock für die letzte Farbe.
Impulse für seine Arbeiten findet Frank Eißner in der Musik, der Literatur und in religiösen Themen. Schwerpunkt seines Schaffens ist die weibliche Figur, die in seinen expressiven Holzschnitten mit Texten, Landschaften oder Interieurs harmonisch verbunden ist. Neben dem Farbholzschnitt ist die Zeichnung ein wichtiges Medium für Eißner. Sie dient ihm zur Ideenfindung als klassische Vorzeichnung und ist zugleich eigenständiges Werk.
Einzeldrucke sowie originalgrafische Bücher aus 25 Jahren werden in der Ausstellung durch die Präsentation von Druckstöcken ergänzt. Ein jährlicher Holzschnittkalender, Malereien und eine Vielzahl farbiger Exlibris ergänzen sein Repertoire und sind in Auswahl ebenfalls zu sehen.
Frank Eißner, geboren 1959 in Leipzig, erlernte zunächst das Lithografen-Handwerk, bevor er von 1984 bis 1989 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Prof. Dietrich Burger, Günter Thiele und Prof. Rolf Kuhrt Malerei und Grafik studierte. Im Anschluss an sein Studium wandte er sich dem Holzschnitt zu und gründete 1989 die „Frank Eißner Handpresse“ in Leipzig, die er bis heute allein betreibt.
Anlässlich der Ausstellung schuf der Künstler exklusiv in der Technik der verlorenen Form ein Plakat (Format: 297 x 420 mm, 13 Farben, nummerierte Auflage, 12 Exemplare).
 
Ausstellung: 19. September bis 7. Dezember 2014
Eröffnung: 18. September 2014, 18 Uhr
 
Nonnenstraße 38, 04229 Leipzig-Plagwitz

12 Monate - 12 Originale


Niels Unbehagen, kein X für U, Siebdruck
Zur Präsentation multipler Kunst in Kalenderform für das Jahr 2015 sowie Arbeiten der Künstler Christoph Damm, Helmut Gutbrod, Claudia Hartwig, Eberhard Hartwig, Philipp Hennevogl, huber&christen, Helga Ntephe, Niels Unbehagen, Peter L. Schedler, Petra Seebauer und Patrick Kaufmann lädt die Early Music Society Berlin ein.
Der Kalender 1 2 M O N A T E - 1 2 O R I G I N A L E multiple Kunst in Kalenderform für das Jahr 2015 kann im Druckgraphik-Atelier für 350,00 Euro (zzgl. Versandkosten) erworben werden. Der Beitrag von Eberhard Hartwig, das Blatt „LETTERTO15“ für den Monat Juli 2015 kann auf der neugestalteten Homepage betrachtet werden. Einzelne Kalender „Radierungen“ der Edition keller-druck des Druckgraphik-Ateliers aus den Jahren 1996 und 1999 bis 2002 sind auf Anfrage erhältlich.

Vernissage: 17. September 2014, 19.00 Uhr
Musikalische Begrüßung: Helmut Gutbrod, Klavier | Emilio Marcos Rojas, Cajon | Lorenz Huber, Elektronik
Einführung: Dr. Ariane Mhamood
Ausstellung: 18. September 2014 - 11. Februar 2015

Isoldestrasse 9
12159 Berlin-Friedenau
Nähe S- und U-Bahnhof Bundesplatz

Stephanie Binding

Der Pirckheimer Nikolaus Topic-Matutin eröffnet in der Neuhauser Kunstmühle Ende des Monats eine neue Ausstellung.
"Die Bildhauerin, Malerin und Grafikerin Stephanie Binding ist vielen von Ihnen schon gut bekannt. Ihre Arbeit umfasst Plastik ebenso wie Grafik und Malerei gleichgewichtig nebeneinander.
In den letzten Jahren haben wir gemeinsam begonnen, uns an Glasskulpturen heranzuarbeiten.
Wir eröffnen die Ausstellung mit Werken der Künstlerin aus den letzten Jahren am 26. September, wie immer um 19.30 Uhr. Die Künstlerin ist anwesend."
(Elisabeth & Nikolaus Topic-Matutin)

Ausstellung: 27. September - 15. November 2014

è Neuhauser Kunstmühle
Mühlstr. 5a
5023 Salzburg

Sonntag, 14. September 2014

Werkstattfest der Lettertypen

Man könnte die heutige Veranstaltung in der Druckerei der Lettertypen in Berlin Adlershof auch Werkstattvorstellung und Buchfest nennen – beides gehört zusammen.
Die "Lettertypen" Ralf Fischer und Daniel Klotz übernahmen vor Jahresfrist die Druckerei des Pirckheimers Lutz Nessing, die, in der 3. Generation geführt, durch diesen nicht mehr betrieben werden konnte und retteten sie damit vor dem Aus. Vorgeführt wurde in der traditionellen Buchdruckwerkstatt die bedeutende Sammlung an Schrifttypen, Geräten und Maschinen, Kinder konnten selbst drucken und es wurde das Drucken auf einer Schnellpresse und das Setzen auf einer Linotype-Setzmaschine demonstriert.
Danach stellte Matthias Gubig sein neues Buch Typograf & Grafotyp vor, welches typografische und grafische Arbeiten aus fünf Jahrzehnten kommentiert. Der Titel erschien im vacat verlag potsdam und wurde im Auftrag der Pirckheimer-Gesellschaft und der Stiftung Plakat Ost herausgegeben. Einige der darin abgebildeten Plakate und Buchgrafiken wurden in dieser Werkstatt von den Originaldruckstöcken gedruckt.
Im Anschluss wurden originale Holzschnittgrafiken auf einer Kniehebelpresse gedruckt und das Werkstattfest endete mit einer "Feier zum Feierabend".

© Abel Doering (8), Cornelius Brändle (2)
durch Klick auf die Abb. können die Fotos betrachtet werden

Samstag, 13. September 2014

Spenden für das Projekt "Treffpunkt Erasmus"


Für das Projekt „Treffpunkt Erasmus“, welches die antifaschistische Vergangenheit des Grafikers und Buchillustrators Prof. Werner Klemke öffentlich macht, konnten über die Pirckheimer-Gesellschaft bislang Spenden in Höhe von  4.426  Euro eingesammelt und zur Verfügung gestellt werden.
... für weitere Informationen siehe hier!

Mittwoch, 10. September 2014

Hinweis zum Jahrestreffen 2014

Das Programm zum gemeinsamen Jahrestreffen 2014 der Pirckheimer-Gesellschaft und den Fränkischen Bibliophilen vom 19. bis 21.September 2014 in Bamberg und Schweinfurt ist ab sofort auf pirckheimer-gesellschaft.org oder durch Klick auf das nebenstehende Logo einzusehen. Unter "internes" findet sich darüber hinaus auch die Teilnehmerliste.

Das Elixir des Medardus

E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822), der bedeutendste Autor der deutschen Romantik, lebte von 1808 bis 1813 in Bamberg. Hier konzipierte er seinen ersten Roman, Die Elixiere des Teufels, der 1815/16 in zwei Teilen in Berlin erschien. In der Tradition des Schauerromans und mit Anklängen an eines der Meisterwerke der gothic novel, M. G. Lewis, Ambrosio, or the Monk (London 1795), beleuchtet Hoffmann über seinen Ich-Erzähler, den verbrecherischen Mönch Medardus, die Abgründe und Zerrissenheit der menschlichen Seele, die, mit sich selbst entzweit, wie später Robert Louis Stevensons Dr. Jekyll, einen Ausweg aus den Zwängen eines von der Gesellschaft determinierten Lebens sucht. Dies gelingt ihm, indem er ein zweites Ich erschafft, seinen Doppelgänger, wodurch die Thematik von Sein und Schein, innerer Verfasstheit und äußerlichem Auftreten exponiert wird. Medardus´ verzweifelte Selbsterkenntnis gipfelt in dem Satz: „Ich bin das, was ich scheine, und scheine das nicht, was ich bin, mir selbst ein unerklärlich Räthsel, bin ich entzweit mit meinem Ich!“
Wie vor ihm Hugo Steiner-Prag (1880 – 1945), der sich mit Hoffmannschen Texten auf kongeniale Weise im Medium der Graphik auseinandersetzte (Elixire, 1907; Majorat, 1922; Ritter Gluck/Don Juan, 1925; Sandmann, 1925; im Exil The Tales of Hoffmann, 1945), ist auch Stephan Klenner-Otto (* 1959), ein Schüler Caspar Walter Rauhs (1912 – 1983) und legitimer Erbe Alfred Kubins (1877 – 1959) von Hoffmanns dämonischem Kosmos fasziniert. So schuf er u.a. zu Rath Krespel (Berlin 2004) und Der Sandmann (Berlin 2008) großartige Farbradierungen und zu den Elixiren einen Zyklus von 50 herausragenden Farbradierungen. Vgl. hierzu Traumbilder – Bilderträume. Kubin/Rauh/Klenner-Otto. Drei Generationen phantastischer Kunst, herausgegeben von Wolfram Benda, Hannover 2009.
Zur Tagung der Pirckheimer-Gesellschaft veröffentlicht The Bear Press einen komplett in Handarbeit hergestellten Einblattdruck mit einem Schlüsseltext aus den Elixiren, Das Elixir des Medardus, für den Stephan Klenner-Otto eine meisterliche Farbradierung schuf. Die Auflage beträgt 120 Exemplare, statt des Verkaufspreises von € 120.- können ihn die Mitglieder während der Tagung zum Sonderpreis von € 70.- erwerben.
 
The Bear Press • Dr. Wolfram Benda
Schleiermacherstraße 7
95447 Bayreuth
E-Mail

Dienstag, 9. September 2014

Sonderliche Betrachtungen ...

Gerade habe ich die Erzählung für Bücherfreunde Der Bibliophilen-Abend gelesen, schon flattert mir ein Vorabdruck mit einer Geschichte aus dem zweiten Band des Pirckheimers Harald Kugler ins Haus: Eine kleine Geschichte der Buchfinken. Und ich habe mich gleich festgelesen an dieser amüsanten Zwiesprache eines derzeitigen Bücherliebhabers mit den Sonderlichen Betrachtungen eines Bücherfreundes im Jahre 1898 über den Bibliophilis summarum, eine Spezies, von der es sich herausstellt, dass hiermit nicht wie irreführend angedeutet der Buchfink, sondern der Bücherfreund im allgemeinen gemeint ist.
Auf 23 Seiten wird über Fakten, Bekanntes und Vorurteile über den Bibliophilen geplaudert, das entspannt, regt zum Nachdenken an und kann jedem Freund des Buches zur vergnüglichen Lektüre nur empfohlen werden.
Der Satz ist in diesem Vorabdruck leider noch nicht zufriedenstellend, aber trotzdem bemerkenswert, da die Zwiesprache zwischen den Jahrhunderten auch in der gegenüberstellenden Verwendung von Fraktur und Antiqua geführt wird.
(ad)

Trak Wendisch

verworrenes Dickicht hemmt den Lauf
(Uhland)
o.T., 2010, Mischtechnik auf Leinwand, 110 x 250cm
In der Galerie des Pirckheimers Joachim Pohl wird am 16. September eine Ausstellung mit Malerei und plastischen Objekten des Berliner Künstlers Trak Wendisch eröffnet.
Der 1958 in Berlin geborene Künstler studierte 1977 Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Dietrich Burger und Bernhard Heisig und arbeitet seit 1982 freischaffend in Berlin. 1985 war er Meisterschüler an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Gerhard Kettner und arbeitete von 1985 bis 1995 im Gemeinschaftsprojekt "Burg Goldbeck" bei Wittstock. Es schlossen sich Arbeitsaufenthalte in Brasilien, Costa Rica, Mexiko und Venezuela an.
 
Ausstellung: 16. September bis 31. Oktober 2014 
 
è Kunst- und Ausstellungsagentur Joachim Pohl
Wollankstraße 112a
13187 Berlin-Pankow
Fon/Fax: 030-486 71 13
*
E-Mail

Sonntag, 7. September 2014

Ein unbekannter Brief Felix Mendelssohn Bartholdys

Im Jahre 2013 erschien der achte und vorerst letzte Band der „Sämtlichen Briefe“ Felix Mendelssohn Bartholdys (1809-1847), der die Briefe von 1841 bis Ende August 1842 enthält. Im Band 6 sind Briefe von 1836 bis 1838 abgedruckt. Diesen Band habe ich mir im Rara-Lesessal der Staatsbibliothek Unter den Linden angesehen, um zu prüfen, ob ein Brief, den Mendelssohn am 3. Dezember 1838 an den Schriftsteller Theodor Winkler gerichtet hat, dort enthalten ist. Diesen Brief hatte ich nebenher bei bibliographischen Recherchen in der „Täglichen Rundschau“ von 1882 gefunden. Mein Sammlerherz schlug höher, als ich bemerken musste, dass der Brief unwahrgenommen im Orkus des Vergessens verschwunden war. Dort soll er nicht bleiben. Er, oder vielmehr der ganze Rundschau-Artikel, in dem er enthalten ist, wird der Mit- und Nachwelt wiedergegeben, zunächst in dieser Form des Blog-Beitrages, aber nicht ohne die begründete Hoffnung, dass er dereinst in einen Schluss- oder Nachtragsband der Mendelssohn-Briefausgabe aufgenommen wird.
Wiederum lasse ich bei dieser Gelegenheit das Wehgeschrei über die schlimmen Zustände in der bibliographischen Welt erschallen und weise darauf hin, dass die Inhaltserschließung der Zeitungen des 19. Jahrhunderts eine dringendst zu erledigende Aufgabe ist, zu der sich Wissenschaftler, bibliographische Fachleute, öffentliche Hände aller Art und eigentlich die gesamte Kulturwelt zusammentun müssten. Der unbekannte Mendelssohn-Brief ist nur ein Beispiel unter Dutzenden, mit denen belegt werden kann, wie nachlässig mit den kulturellen Erbschaften umgegangen wird. Um 1900 schon haben Heinrich Hubert Houben, Max Herrmann und andere das Projekt der Zeitungserschließung angemahnt und Vorschläge zu seiner Realisierung gemacht. Houbens Musterbibliographie der Feuilletonbeiträge der Vossischen Zeitung ist auf diesem Gebiet bis heute eine einmalige bibliographische Pionierleistung geblieben. Um 1980 ist unter Befürwortung des unvergessenen Paul Raabe ein erneuter Versuch unternommen worden, Bewegung in die Sache zu bringen. Leider aber hat auch dieser Vorstoß zu nichts geführt.
Genug gewehklagt! Es folgt hier der Text des Zeitungsartikels aus der „Täglichen Rundschau“ von 1882, S. 1065.
(Ulrich Goerdten)

Samstag, 6. September 2014

Herbert Stuffer-Verlag in Baden-Baden und Berlin

Bilderbücher und Jugendschriften

In der Stadtbibliothek Baden-Baden wird in einer Ausstellung der Herbert Stuffer-Verlag gezeigt.
 
Herbert Stuffer wurde am 23. September 1892 in Baden-Baden geboren. 1926 gründete er seinen eigenen Kinder- und Jugendbuchverlag in Berlin. Nach großen verlegerischen Erfolgen verlegte er 1937 den Verlag in seine Vaterstadt Baden-Baden, wo er ihn 1944 kriegsbedingt schließen musste. 1945 nahm Stuffer in Baden-Baden seine Arbeit wieder auf, nun mit dem Schwerpunkt Jugendliteratur. Diese Ausstellung zeigt das Verlagswerk Herbert Stuffers, das zu seiner Zeit bahnbrechend war.
Prospekt des Herbert Stuffer-Verlags 1930
 mit einer Abbildung von Tom Seidmann Freud
Zahlreiche namhafte Autoren und Illustratoren arbeiteten für den Stuffer-Verlag. Dabei erreichten die Spiel-Bilderbücher und Fibeln ein internationales Publikum. Tom Seidmann-Freud war eine der bedeutendsten Bilderbuch-Künstlerinnen des Herbert Stuffer Verlags. Geboren am 17. November 1892 in Wien als Nichte Sigmund Freuds, legte sie sich als Jugendliche den männlich klingenden Namen Tom zu. 1914 veröffentlichte sie in Berlin ihr erstes Bilderbuch: das Baby-Liederbuch. Bis 1930 schuf sie 14 künstlerisch einzigartige Bilderbücher. Davon geben Ausstellung und Katalog reichen Einblick.
 
Eröffnung: 17. September 2014, 19:00 - Vortrag von Dr. Barbara Murken

Stadtbibliothek Baden-Baden
Luisenstraße 34
76530 Baden-Baden

Donnerstag, 4. September 2014

Der Antiquar und die Liebe zum alten Buch

Bücherantiquariate existieren seit 200 Jahren. Auch wenn die Branche heute durch das Internet bedroht ist, gibt es immer noch passionierte Händler seltener und vergriffener Bücher. Claudia Mäder hat einen von ihnen, den Zürcher Antiquar Peter Petrej, in seinem Reich besucht und berichtet darüber in der NZZ:
 
«Ich bin Antiquar, weil das Geschäft so anarchisch ist»

... Als «Schrebergarten der Erinnerung» bezeichnet Peter Petrej denn auch sein Antiquariat, in dem er seit 21 Jahren Gedrucktes und Handschriftliches verschiedenster Themen und Epochen bis an die Stuckdecke wachsen lässt und mit An- und Verkäufen für den Fortbestand der raren Spezies der (alten) Bücher sorgt.
Aus der Zeit gefallen
Diesen Dienst vergilt ihm der Volksmund schlecht, ist der «Antiquar» doch kaum positiver konnotiert als sein Geschäft. «So manche Antiquare sehen aus, dass, wären sie selbst Bücher, sie sich nicht verkaufen liessen», befand 1926 der deutsche Antiquar Wilhelm Junk und rügte das zerknitterte und kauzige Auftreten vieler seiner Berufskollegen. Es sei wohl unvermeidlich, dass man in quasi exklusiver Gesellschaft von Büchern etwas schrullig werde, pflichtet Petrej seinem berühmten Vorgänger bei – ohne aber seine eigene Zugehörigkeit zum Stand der Sonderlinge erahnen zu lassen. In Hemd und Gilet gewandet, serviert er dem seltenen Gast den Kaffee auf dem Silbertablett und scheint weniger der Welt der Käuze als jener der Walserschen Kontore entsprungen; aus der Zeit gefallen, möchte man sagen, ist der Besitzer wie sein Laden. Bei dieser engen Verbundenheit ist klar, dass Petrej seine Arbeit nicht als Beruf sieht, sondern diese eine «Lebensform» nennt. Langsamkeit und Beständigkeit haben darin ihren Platz, aber ebenso prägen Engagement und Leidenschaft die antiquarische Daseinsweise. ...
... Petrej (versäumt) es nicht, auf die problematischen Aspekte der Digitalisierung hinzuweisen. «Das Internet suggeriert die totale Verfügbarkeit eines jeden Buches – ausser vielleicht der Gutenberg-Bibel. Mit ein paar zielgerichteten Bewegungen meint man alles zu bekommen, verliert aber tatsächlich das, was das Antiquariat am schönsten macht: die Zufallsfunde des Stöberns.» Neben diesen kulturellen beschert die Internet-Transparenz den Händlern freilich auch reale Verluste. Bücher, die früher als «selten» galten, tauchen plötzlich an allen Ecken und Enden der Welt auf und verlieren somit an Wert. In vielen Sparten habe das Netz die Preise richtiggehend vernichtet, sagt Petrej, der sich heute gezwungen sieht, allzu geläufige Bestände, darunter viel Belletristisches, direkt zu liquidieren.
Vom Krämer zum Schwärmer
In seinem weiterhin breit ausgerichteten Antiquariat setzt er nunmehr stärker auf «spezielle und alte», mithin also auch teurere Bücher. Dabei sind «speziell» und «alt» nicht zwingend identisch. Als interessante Publikation taxiert der Antiquar beispielsweise die Broschüre eines Eisenwarengeschäfts aus den 1950er Jahren, derweil ihm als «alt» die Bibel aus dem Jahr 1585 gilt, die er für die Besucherin aus der Vitrine holt und dereinst für 3800 Franken an den Mann – «alle paar Jahre kommt ein evangelikaler Amerikaner und kauft die ganzen Bibelbestände auf» – zu bringen hofft.
Nun, auf dem Rundgang durch die verwinkelte Gestelllandschaft seines Ladens, wird der Krämer wieder zum Schwärmer, führt begeistert von Judaica bis Helvetica, streicht behutsam über einen illustrierten Tucholsky und präsentiert vorsichtig fragile «Stunden im Garten», zugebracht und eigenhändig signiert von Hermann Hesse. Widmungen von Autoren seien, wie Gebrauchsspuren von namhaften Vorbesitzern, sehr beliebt und je nach Berühmtheitsgrad auch wertsteigernd: ...
Petrej denkt nun wieder ans Geschäft, in dem er auch NS-Postkarten verkauft; laut Katalog in «tadellosem» Zustand. Der Antiquar sei schliesslich kein Zensor, entgegnet er dem fragenden Blick mit äusserster Entschiedenheit. «Ein Rohrstock frischt die Ehe auf» schlägt er mir dann schelmisch lachend vor, als ich sein Sortiment nach einem Hochzeitsgeschenk durchstöbere – und unterstützt die Suche daraufhin mit so viel Lust und Leidenschaft, dass man ihm aufs Wort glaubt, wenn er sagt: «Ich bleibe Antiquar, bis man mich horizontal aus dem Laden trägt: Lieber im Antiquariat sterben als im Altersheim!» – Staub zu Staub.
(aus Beilage zur "NZZ am Sonntag" vom 31.8.2014)

... der ganze Artikel in "Bücher am Sonntag" der NZZ, S. 12-14

Der Traum eines Traums

Paul Heyse und »Der letzte Centaur«

"Wieder liegt ein Buch der Pegasus Presse von Peter J. Moosbrugger in Königsbrunn vor, das als kleines Gesamtkunstwerk zu betrachten ist: Paul Heyses Der letzte Centaur. Mit Farbholzschnitten von Louise Heymans, zum 100. Todestag des Autors ediert. ...
 
Der Centaur erschien 1860 in Argo, dem Organ des Rütli. 1870 überarbeitete Heyse die Novelle und fügte die Rahmengeschichte der (toten) Künstler um Buenaventura Genelli (1798–1868) hinzu – ein Nachtstück, doch nicht in der Manier des E.T.A. Hoffmann, nicht unheimlich und bedrohlich, sondern als »taghelle Nacht«, durchflutet von »sommerwarmem Mondschein«, zur Erinnerung an die »unvergeßlichen« Nächte mit seinen Freunden. Kunstvoll durchschreitet Heyse verschiedene Bewusstseinsebenen, führt vom eigenen Erleben ausgehend zum Wiedersehen mit den Toten (»ich hätte es mir nicht träumen lassen, daß ich noch einmal das Vergnügen haben würde«), denen er huldigt, hin zur übernatürlichen Kernnovelle, die doch wiederum eine Satire auf die Moderne ist.
Die Weinrunde der Toten könnte problemlos mit Lebensdaten von Malern im Umkreis des klassizistischen Genelli versehen werden. In Bildern Genellis hatte Heyse die Anregung zum Centaur, und so ist es denn auch dieser, der – als Ich-Erzähler in der Ich-Erzählung – die Begegnung mit dem »letzten Centaur« als authentisch vorträgt. ...
 
Das Buch umfasst 72 Seiten, ist in 100 Exemplaren durch Oskar Bernhards Rehlensche Handpresse in Nördlingen gedruckt, auf dem weichen Büttenpapier »Alt Worms« – als eine bewusste Reminiszenz an das »samtweiche Fell« des Centaurs – und durch Karen Begemann, Hamburg (Obermeisterin der Buchbinder-Innung Hamburg und Schleswig-Holstein), von Hand geheftet und gebunden: Nummern 1 bis 85 als Ganzleinenband mit schwarzer Rücken- und Deckelprägung auf beigem feinen Leinen im gleichfarbigen Leinenschuber; die Nummern I bis XV als Unikateinbände durch »Meister der Einbandkunst (MdE)« mit beigegebener signierter Zeichnung.
Der Satz beweist hohe Sorgfalt, in der Auswahl der Type, von Schriftgrad und Zeilenlänge, des Durchschusses, in der Plazierung der bestechenden schlichten Titel und Eingangsinitialen in der Vorsatzfarbe ebenso wie in der der Pagina, beim Ausschließen, beim Satzspiegel mit angemessen breiten Rändern. Das Satzbild der Doppelseite des aufgeschlagenen Buchs wirkt sehr schön. Der Text ist von Hand gesetzt in der »Centaur« des amerikanischen Typografen und Buchgestalters Bruce Rogers. In der Tat wird es zum veritablen Geniestückchen, diese der Novelle Heyses gleichnamige Schrift aufgegriffen zu haben....
Als Buchkünstlerin wurde die junge Louise Heymans gewählt, die 2011, im Jahr ihres Studienabschlusses und Diploms (Studium der Illustration an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg), mit dem Förderpreis der Hans-Meid-Stiftung für Buchkunst und Illustration ausgezeichnet wurde. Für den Letzten Centaur schuf sie neun dreifarbige Holzschnitte und das Holzschnittvorsatzpapier in rötlichem Ocker – alle von den Originalstöcken abgezogen –, ebenso den Entwurf zur schwarzen Einbandprägung.
... Heymans gelingt es mit ihren Holzschnitten in der Tat, für uns zwischen den Welten und den Zeiten zu übersetzen.
Das Buch wird zu einem ganz besonderen – und ist einfach eine Freude!"
(Dr. Irmgard Heidler, Bobingen)
 
Paul Heyse: Der letzte Centaur
Mit Farbholzschnitten v. Louise Heymans
Königsbrunn: Pegasus Presse Peter J. Moosbrugger, 2014
Ganzleinenband im Schuber, nummeriert, signiert, Euro 348

Dienstag, 2. September 2014

100 Jahre deutsche Pressendrucke

Meisterwerke der Typographie, Illustration und Einbandkunst aus der Sammlung Feenders.
 
Im Nordwesten Niedersachsens gibt es einen kostbaren, in der Öffentlichkeit bisher völlig unbekannten Bücherschatz: die Sammlung moderner Buchkunst von Dr. Onno und Christa Feenders in Emden. In über vier Jahrzehnten Sanuneltätigkeit hat Onno Feenders eine dichte, konsequent zusammengestellte Dokumentation der deutschen Pressendrucke des 20. Jahrhunderts geschaffen, die sich durch ihre exzellente künstlerische Qualität in Typographie, Illustration und Einbandkunst und den hervorragenden Erhaltungszustand der einzelnen Bücher auszeichnet.
Angeregt von den ersten Pressendrucken Ende des 19. Jahrhunderts in England, begann die Pressendruckbewegung in Deutschland 1907 mit der Janus-Presse und der Ernst Ludwig-Presse sowie 1911 mit der Bremer Presse. Gemeinsam war ihnen die Ablehnung des Buches als Massenprodukt und die künstlerische Suche nach dem schönen, ja dem idealen Buch.
Die Qualität der Typographie ist das besondere Leitparadigma der Sammlung Feenders, ohne dass das illustrierte Buch dabei vernachlässigt würde. Wichtige frühe Pressen wie die Bremer Presse und die Rupprecht-Presse sind vollständig versammelt. Durch die beispielhafte Repräsentanz nahezu aller künstlerischen Pressen- und Verlagsproduktionen ergibt die Sanrnuung ein hervorragendes Gesamtbild der deutschen Buchkunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Glanzstücke sind u. a. zwei Drucke der Bremer Presse auf Pergament und die Originalaquarelle von J. Weisz zu einem nie veröffentlichten Orchideenbuch. In der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts liegen die Sammlungsschwerpunkte auf der Otto Rohse-Presse, der Raamin-Presse und der Edition Tiessen, die alle drei höchste typographische Ansprüche mit starken bildlichen Elementen bedeutender Illustratoren verbinden. Auch nach 1945 sind in der Sammlung Feenders in gezielter Auswahl zahlreiche weitere Pressen wie der Kranich-Verlag Zürich, die CTL-Presse oder The Bear Press versammelt. Ein weiteres Hauptaugenmerk der Sammlung Feenders liegt auf der Einbandkunst.
Unter den künstlerisch herausragenden deutschen Buchbindern des 20. Jahrhunderts sind u. a. zu nennen: C. Sonntag jr„ I. Wiemeler, F. Thiersch, Chr. Zwang und 0. Dorfner. Eine fünfbändige Bibelausgabe mit weinroten Maroquinledereinbänden war früher im Besitz des Stuttgarter Einbandexperten Ernst Kyriß. Die Sammlung verfolgt ihre Schwerpunktthemen bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts u.a. mit außergewöhnlichen Objekten von Sabine Golde.
Zur Ausstellung erschein im Imhof-Verlag (Petersberg) ein von Corinna Roeder herausgegebene Katalog, der rund 20 großformatige Abbildungen sowie Texte von Onno Feenders, Johannes Pomeranz und Wulf D. von Lucius enthält.

Eröffnung: 10. September 2014, 19 Uhr
Ausstellung: 11. September bis 25. Oktober 2014


Landesbibliothek Oldenburg
Pferdemarkt 15, 26121 Oldenburg

Weimarer Appell

Seit dem 1. September steht der Weimarer Appell "Schriftliches Kulturgut erhalten!", initiiert vom Direktor der Anna-Amalia-Bibliothek Dr. Michael Knoche im Netz und es besteht die Möglichkeit, diese Petition zu unterzeichnen.
Es heist darin: "Die schriftliche Überlieferung ist durch Vernachlässigung zunehmend gefährdet. Eine Stadtgründungsurkunde, ein barockes Buch, eine alte Landkarte, das Fotoalbum eines Exilschriftstellers oder eine Notenhandschrift sind unverwechselbare Zeugnisse unserer Kulturgeschichte. Wir brauchen diese Originale weiterhin, auch wenn Abbilder davon für das Internet hergestellt sind. Nur die Originale sichern dauerhaft die Möglichkeit des wissenschaftlichen Verstehens. Originalerhalt und Digitalisierung ergänzen sich." Die Begründung für diesse Petition lautet: "Vor zehn Jahren, am 2. September 2004, brannte die Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Vor fünf Jahren, am 3. März 2009, stürzte das Historische Archiv der Stadt Köln ein. Auch das Hochwasser an Elbe und Donau im Jahr 2013 hat, wie zuvor schon 2002, Archive und Bibliotheken in Mitleidenschaft gezogen.
Deshalb appellieren wir an die Verantwortlichen in Bund, Ländern und Gemeinden, in Kirchen, Vereinen und Stiftungen, in gleicher Weise wie die baulichen Denkmäler auch die gefährdeten Originale der reichen kulturellen und wissenschaftlichen Überlieferung in Deutschland zu sichern!" 


Vom Reiz des Sammelns

Freunde der Galerie und der Druckwerkstatt, Zirkusfreunde, Freunde der Druckkunst und Bleisetzerei und alle deren Freunde sind hiermit herzlich eingeladen:
Die Galerie Eremitage Gransee veranstaltetet anläßlich der Ausstellung »Bilder vom Zirkus« einen Gesprächsabend mit den Leihgebern dieser Ausstellung. »Vom Reiz des Sammelns« schwärmen der Pirckheimer und Grafiksammler Roland R. Berger und der Zirkusarchivar Dietmar Winkler.
Der darauf folgenden »Tag des offenen Denkmals« wird zum » Tag der offenen Druckwerkstatt« gemacht. Am Sonntag laden Drucksaal und Bleisetzerei von 11 bis 18 Uhr zum Anschauen ein, es wird die eine oder andere Maschine gelegentlich laufen und es werden alle Fragen beantwortet. Einen Kaffee gibt es auch. Der Eintritt ist frei.
(Marc Berger)

Gesprächsabend: 13. September 2014 um 18 Uhr,
offene Druckwerkstatt: 14. September 2014
Die Galerie ist geöffnet: Mi, Do und So 15 bis18 Uhr und nach Vereinbarung


è Eremitage Gransee
Galerie für zeitgenössische Buchkunst und Druckgraphik
Mauerstraße 4a | D-16775 Gransee

*
Marc Berger

Montag, 1. September 2014

Landschaft. Ansicht und Absicht…

Beispiele aus Werken der Museumssammlung. Vortrag von Dr. Stefan Soltek.
Hanif Lehmann, Porta Bohemica, Radierung (nicht im Bestand des Museums)
Das Sujet der Landschaft scheint im Museum für Buch und Schriftkunst nicht auf Anhieb einleuchtend. Und doch: Ob Ernst Ludwig Kirchner, Henri Matisse oder Robert Rauschenberg, schließlich Paula Scher oder Paul Stein – das Spektrum der Künstler ist groß, die Landschaften geschaffen haben, im Kontext mit Buch und Plakat und dadurch im Klingspor Museum präsent. Es gibt weite Blicke und Nahansichtiges, Bezauberndes und Aufrüttelndes – und derARTige Landschaftserlebnisse sollen aufgeschlagen und entrollt, und „Landschaft“ bis über den Horizont hinaus ersonnen werden.

Freitag, 5. September 2014, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €

è Klingspor-Museum
Herrnstr. 80
63065 Offenbach

Sonntag, 31. August 2014

Reflexionen

Das Druckgraphik-Atelier . Edition Kellerdruck, stellt unter diesem Titel Druckgraphik zu Literatur von Ingrid Bertel, Egon Bresien, Ute Hausfeld, Dagmar Hintzmann, Angelika Ludwig, Harald Reibke und Jutta Schölzel vor. Die sieben unabhängigen Künstler der "Freien Gruppe Druckgrafik", basierend auf einem 1980 durch den Maler und Graphiker Egon Bresien gegründeten „Zirkel für Druckgraphik“, nutzen in Köpenick ein Gemeinschaftsatelier mit einer Tiefdruckpresse. Dort pflegen sie die Technik der Radierung und sie haben schon zahlreiche gemeinsame Ausstellungen vor allem zur Literatur organisiert. Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach hat Radierungen dieser Gruppe angekauft und auch das Kleist-Museum in Frankfurt/Oder besitzt eine Mappe mit Radierungen.
Egon Bresien, 2014, Kaltnadel, zu J. Joyce
Druckgraphik zu Literatur heißt nicht zwingend: Illustration der Literatur. Heinrich Heine schrieb: „Mein Wahlspruch bleibt: Kunst ist der Zweck der Kunst, wie Liebe der Zwecke der Liebe, und gar das Leben selbst der Zweck des Lebens.“ Und so zeigt diese Präsentation verschiedenste Auseinandersetzungen mit der selbstgewählten Literatur. Ingrid Bertel ließ sich von Gedichten von Wisława Szymborska zu freien Farbarbeiten anregen. Egon Bresien arbeitete zu Finnegans Wake von James Joyce, dem darin mehr am Klang und am Rhythmus als am Sinn lag. Eine Übersetzung, wird gesagt, verbietet sich von selbst. Sich mit grafischen Mitteln dieser Literatur zu nähern war ihm eine Verlockung, die von Verbotenem ausgeht, mit der Gewissheit, sich dabei die Finger zu verbrennen. Ute Hausfeld, Kaltnadelradierungen u.a. zu Christa Wolf und Martin Walser, sagt: „Die bildnerische Umsetzung entsteht als Extrakt aus den jeweiligen literarischen Werken. Die grafische Darstellung ist ein intuitiver Prozess, es ist wie 'Schreiben', nur zeichnerisch. Dagmar Hintzmann schuf Reservagen mit Aquatinta und Strichätzung zu Annemarie Schwarzenbach, berührt von ihrem Leben und ihrer Stellungnahme gegen Unrecht. Harald Reibke nachvollzog für seine Aquatinta-Arbeiten zu Theodor Fontane einen Teil der Fontane-Reise durch die Mark Brandenburg. Eine Farbradierung schildert die unmenschliche über 30 jährige Gefangenschaft der Bildhauerin Camille Claudel. Jutta Schölzel hat sich auf die Spuren von Penthesilea begeben, deren Stolz, Aufrichtigkeit und inneren Kampf Kleist so eindrucksvoll beschrieben hat.
(Eberhard Hartwig)

Eröffnung: 13. September 2014, 17-19 Uhr
Musik: Hanno Koloska, Fagott, und Angela Wingerath, Stimme, Improvisationen.
Ausstellung: 13. September bis 14. Oktober 2014

Druckgraphik-Atelier . Edition keller-druck
Dietrich-Bonhoeffer-Str. 3
10407 Berlin

Samstag, 30. August 2014

Neues vom kosmischen Phantasten

Schon einmal, im Bibliophilen-Blog vom 15. Februar 2014, wurde ein unbekannter Text des Zeichners und phantastischen Schriftstellers Paul Scheerbart vorgestellt, und schon wieder ist ein weiterer gesichtet worden, der am 30. April 1890 in der „Täglichen Rundschau“ erschienen ist und den Titel trägt „Das altorientalische Museum zu Berlin“. Der Text war, wie die alsbald durchgeführte Suche ergab, den Scheerbart-Bibliographen, den Herausgebern der „Gesammelten Werke“ und den Scheerbart-Forschern noch nicht bekannt. Dabei ist die Verwendung altorientalischer Motive bei Scheerbart schon mehrfach untersucht worden, so von Mechthild Rausch, der Herausgeberin vieler Scheerbart-Texte. Die wichtigste Arbeit zu diesem Thema stammt von dem FU-Germanisten Peter Sprengel. Sie ist im „Jahrbuch preußischer Kulturbesitz“ von 1992 erschienen und befasst sich unter dem Titel „Museums-Poesie“ mit „Archäologie und Ästhetik in Scheerbarts assyrisch-babylonischen Novelletten“. Sprengel weist nach, dass Scheerbart ein „Verzeichnis der Bestände des altorientalischen Museums“ von 1889 benutzt hat, aus dem er Namen, historische Fakten und Einzelobjekte für seine Texte gewonnen hatte. Wie gut Scheerbart aber die Kunst des Alten Orients aus eigener Anschauung kannte, konnte bisher nur vermutet werden. Der neue Textfund bestätigt, dass Scheerbart die Sammlungen der Berliner Museen genau gekannt hat. Das belegt auch ein (bekannter) Paralleltext Scheerbarts aus derselben Zeit, in dem er die Bestände des ägyptischen Museums beschrieben hat. „Der Orient, der in Scheerbarts Werken vielmehr psychologischer Topos als realer Ort ist, blieb zeitlebens Spiegel und Projektionsfläche seines Gefühlslebens“ schreibt Mechthild Rausch.
Was ergibt sich aus dem neuen Textfund? Die Scheerbartforschungen sind um einen kleinen Zuwachs an Kenntnissen bereichert worden, eine Leerstelle wurde mit dem genau passenden Objekt gefüllt. Den Herausgebern der Gesammelten Werke Scheerbarts und den Bibliographen wird ein erneuter Wink gegeben, der sie auf die Lückenhaftigkeit ihrer Textkenntnisse hinweist. Und drittens wird der Zeitungs- und Feuilletonforschung deutlich gemacht, daß die Inhaltserschließung der Zeitungen des 19. Jahrhunderts (ein schon vor Jahrzehnten angestrebtes, nie aber realisiertes Projekt) eine Aufgabe ist, deren Erledigung immer dringender erscheint.
(Ulrich Goerdten)
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