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Freitag, 19. Januar 2024

Bernd-Ingo Friedrich (1952 - 2024)

Mein lieber Freund Bernd-Ingo Friedrich ist am 9. Januar in seiner Geburts- und Heimatstadt Weißwasser gestorben.
Bernd-Ingo Friedrich, Foto © Hagen Schnauss
Bernd-Ingo wurde am 21. Juli 1952 in Weißwasser in der Oberlausitz geboren, war bis 1994 in verschiedenen Berufen tätig und beschäftigte sich neben seinem Hobby als Bibliophiler mit Plastik, Malerei und Grafik. Geradezu legendär ist seine Sammlung von Briefbeschwerern aus Glashütten der Lausitz, die es sogar in eine Ausstellung schaffte.

Ich lernte Bernd-Ingo kennen, nachdem er vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen seine Berufstätigkeit beenden musste und erste Schritte unternahm, im Internet publizistisch tätig zu werden.
Wir kamen nicht als Pirckheimer, sondern bei Besuchen in Berliner Charité ins Gespräch und er nutzte seitdem immer unter anderem seine dortigen Konsultationen, auch bei mir im Hinterhof-Antiquariat vorbeizuschauen, um sowohl seinen bibliophilen Interessen nachzugehen, als sich auch zu Fragen des Internet-Auftritts mit mir auszutauschen.
In der Folgezeit veröffentlichte er dann zahlreiche Bücher, in denen er sich, wie zuvor bereits im Internet mit den Dichtern Heinrich Stieglitz und Leopold Schefer, dem Fürsten Hermann von Pückler-Muskau sowie literarischen Außenseitern der Aufklärung und des Biedermeiers befasste, immer mit dem der Schwerpunkt Buchkunst und Bibliophilie - einiges davon wurde auch in diesem Blog und auf der Seite der Pirckheimer-Gesellschaft vorgestellt. Seit 2009 ist Bernd-Ingo Friedrich Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller, er wurde von der Rudolf-Augstein-Stiftung gefördert und bekam ein Stipendium der Reemtsma-Stiftung.

(Abel Doering)

Sonntag, 25. Dezember 2022

Kirchenglocken

Passend zum Tage veröffentliche ich hier ein paar aktuelle Gedanken, die der Pirckheimer Bernd-Ingo Friedrich sandte. Daraus einige Passagen:

"Es gibt für mich wenig Anheimelnderes, als an einem sonnigen Sonntagmorgen ein Fenster zu öffnen und aus einiger Ferne dem Klang der Kirchenglocken nachzulauschen. Ich bin mit ihm aufgewachsen und habe auch viel über seine Bedeutung nachgedacht, weil ich zu Hause, in meinem geliebt-gehaßten „Unrechtsstaat“ DDR geblieben bin.
[...]
In die deutschen Länder hielten die Glocken ab dem 6. Jahrhundert Einzug, ab dem 14. Jahrhundert wurden sie melodisch aufeinander abgestimmt. Glocken bekamen sogar eigene Türme, wie den Campanile in Venedig, Giottos Campanile in Florenz, den Schiefen Turm von Pisa, den Roten Turm von Halle oder – um auch ein modernes Bauwerk zu nennen – den freistehende Glockenturm der eindrucksvollen, nach Plänen des Architekten Werner Groh 1955–1957 erbauten Pfarrkirche St. Konradin Karlsruhe."

Bernd-Ingo Friedrich widmet sich in seinen Betrachtungen nach einleitenden Worten Glocken in Kunst und Kultur.

"Kurt Kramer benennt und zitiert in ´Klänge zwischen Zeit und Ewigkeit´ neben Literatur aus China, England und Amerika vor allem deutsche Dichter. Ich beschränke mich hier auf ein konzentriertes „Namen Tröpfeln“: Heinrich Heine, Eduard Mörike, Conrad Ferdinand Meyer, Christian Morgenstern, Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Müller, Theodor Fontane und Bob Dylan Dylan ist selbstverständlich kein Deutscher; Victor Hugo ist aber auch keiner, doch sein Roman Der Glöckner von Notre Dame (Paris 1831) war eine Zeit lang mindestens ebenso populär wie Dylans Volkslied „Blowin’ in the Wind“ [...] 
Klänge der Unendlichkeit: Eine Reise durch die Kulturgeschichte der Glocke
344 Seiten, mit zahlreichen Farbabbildungen, gebunden mit Schutzumschlag, 24,5x24,5 cm, mit Audio-CD, EUR 39,95, ISBN 978-3-7666-2178-8
Im Taschenbuch zum geselligen Vergnügen auf das Jahr 1826 (Leipzig 1825 veröffentlichte der Muskauer Dichterkomponist Leopold Schefer (1784–1862) seine deutlich sozialkritische Novelle „Die Osternacht“. Sie wurde vollständig und auszugsweise nachgedruckt, gelangte in etliche Anthologien und erfuhr mehrere Bearbeitungen. [...] Leopold Schefers verehrter Lehrer Andreas Tamm (1767–1795) wurde übrigens in aller Grabesstille beigesetzt: „ohne Abkündigung, ohne Geläute und ohne Begleitung“. Dieser Umstand schien bedeutsam genug gewesen zu sein; um in einem Abkündigungsbuch der Muskauer evangelischen Gemeinde festgehalten zu werden. Unbedingt in die Aufzählung deutscher Dichtungen gehört natürlich Friedrich Schillers Ballade Das Lied von der Glocke. Das im Jahr 1799 in Schillers Musen-Almanach für das Jahr 1800 veröffentlichte Gedicht gehörte lange Zeit zum Kanon der deutschen Literatur und ist eines der bekanntesten, am meisten zitierten und parodierten deutschen Gedichte. Schiller hatte mit der Dichtung noch vor der Französischen Revolution begonnen und sowohl persönliche Erfahrungen als auch umfangreiche theoretische Kenntnisse .einbeziehen können.
[...]
Eine Glocke mit hohem, gegenwärtig aus verschiedenen Gründen leider ebenfalls verblassendem Symbolgehalt ist die Friedensglocke im Friedenspark von Hiroshima.
[...]
"Und Europa...", schließt er: "Europa erstarrt in kulturvergessener, geschwätziger Sprachlosigkeit. Vielleicht kann uns die Glocke aus dieser Sprachlosigkeit erwecken, uns als eindringliches Gewissen an die kulturellen Wurzeln unseres Christseins erinnern und dem Alltag einen vom christlichen Menschenbild geprägten Rhythmus zurückgeben."

(gesamten Artikel lesen)

Dienstag, 13. Dezember 2016

Beiläufiges zur Wahrnehmung Chinas ...

Bernd-Ingo Friedrich hat sich mit Sichtweisen von vier sehr verschiedenen Autoren auf die Literatur und Geschichte Chinas in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und damit der Biedermeier-Zeit befasst und seine Studie wird am 20. Dezember jetzt als Beiläufiges zur Wahrnehmung Chinas in der Literatur des Biedermeier erscheinen.
Sie wurde inspiriert durch die Arbeit des Autors an einer Biographie von Heinrich Stieglitz (1801–1849), deren Erscheinen für den Herbst 2017 vorgesehen ist.
Friedrich bespricht Stieglitz’ umfangreiche Tragikomödie „China“ in dessen Sammlung Bilder des Orients und stellt sie achtzehn „chinesischen“ Gedichten Johann Wolfgang von Goethes gegenüber, welche mit dem Werk von Stieglitz – nach Ansicht des Autors widersinniger weise – gern verglichen werden.
Zu Wort kommt auch der Muskauer Dichter und Komponist Leopold Schefer (1784–1862) und dessen gemeinhin wenig bekannte Novelle „China’s Erretter“.
Indem der Autor die Werke dieser „Außenseiter“ genauer beleuchtet und sie den sowieso Berühmten, allen voran Goethe, gegenüberstellt, kommt Friedrich zu ungewöhnlichen und für Interessierte an der deutschen Chinaliteratur des 19. Jahrhunderts faszinierend neuen Einsichten und Gewichtungen.

Bernd-Ingo Friedrich, Beiläufiges zur Wahrnehmung Chinas in der Literatur des Biedermeier
Reihe Gelbe Erde 12
OSTASIEN Verlag
Paperback (20,5 x 14,0 cm), 143 Seiten, mit 14 SW-Abbildungen
€ 19,80
ISBN: 978-3-946114-35-2

Donnerstag, 18. August 2016

Marginalien 222

Das neueste Heft der Marginalien steht kurz vor der Auslieferung! Für Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft liegt diesmal neben der Schrift von Mark Forsyth "Lob der guten Buchhandlung ..." der Farbholzschnitt "Zwei Schwestern" von Klaus Süß bei, gedruckt von Bettina Haller.
Mit dieser Originalgraphik wird auch gleich auf den ersten Artikel verwiesen, Jens-Fietje Dwars schreibt über den Buchkünstler Klaus Süß unter dem Titel "Die Lust am Ausprobieren". Außerdem plaudert Ursula Lang über den Schöpfer von Bilderbüchern Nikolaus Heidelbach, Marc Berger berichtet, "Wie aus einem Kalender eine Ausstellung wurde: Dada ist 100" und Hans Altenhein äußert sich unter dem Titel "Malik oder die lange Zukunft" über die Gründung des Verlages vor hundert Jahren. Der Artikel von Bernd-Ingo Friedrich über Deutsch-Orientalische Bücher wurde hier bereits vorgestellt, des weiteren findet sich eine umfangreiche Darstellung von Thomas Reinecke über "Friedrich Rückert in Schweinfurt".
Carsten Wurm gratuliert Herbert Kästner zum 80. Geburtstag, Rüdiger Schütz zum 80. Geburtstag von Ursula Lang und Hans-Georg Sehrt würdigt das literarische Werk des verstorbenen Umberto Eco.
Selbstverständlich gibt es in Heft 222 auch wieder Rezensionen, Berichte aus der Pirckheimer-Gesellschaft und Nachrichten für den Bücherfreund.
Die Gedichte der typografische Beilage zum Thema Schattenseiten wurden von Jürgen Engler ausgesucht und sie wurde von Matthias Gubig gestaltet.

Übrigens: Das Jahresabonnement kostet 74 € zzgl. Versandkosten - Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft erhalten die Marginalien kostenlos. Für ein Probeheft senden Sie bitte einfach eine Nachricht.

Dienstag, 26. Juli 2016

Gerenot Richter

Der eine oder andere Pirckheimer erinnert sich gewiß noch an die „Burgk-Tüten“, die Lothar Lang als damaliger Burgk-Herr in den 1980er Jahren herauszugeben begann. Als Burgk-Tüte No. 2 erschien 1981 – eigentlich keine Tüte – ein kleines, postkartengroßes Album mit fünf zauberhaften Burgk-Miniaturen von Professor Gerenot Richter.
Gerenot Richter- Gleichnis 3 Eustachius, 1987
„Am 5. Dezember 2016 jährt sich der Geburtstag von Gerenot Richter zum 90. Mal und am 5. Januar war sein 25. Todestag. Anlässlich dieser Jahrestage wird eine von Angehörigen und Freunden geförderte Ausstellungsreihe in Berlin und Umgebung einen weit gefassten Überblick über das graphische Oeuvre Richters bieten. Als Katalog zu diesen Ausstellungen soll ein illustriertes Werkverzeichnis (Druckgraphik & Handzeichnungen) erscheinen.“
Einen Überblick über die unter dem übergreifenden Titel „Gerenot Richter – Werkschau in 6 Kapiteln“ zeitversetzt bis zum 28. April 2017 (zuletzt: „Die Miniaturen“) in Berlin, Templin, Fürstenberg und Gransee-Dannenwalde vorgesehenen Ausstellungen bietet die im Aufbau befindliche Webseite, welcher auch der obige Text zwischen den Tüttelchen entnommen ist.
Auf Schloß Burgk wird weiter im Geiste Lothar Langs gearbeitet. Sabine Schemmrich, die Leiterin des Burgk-Museums, hatte noch unter Langs Leitung dort zu arbeiten begonnen. Die Quantität der Exlibris-Sammlung des damaligen Pirckheimer-Kabinetts hat sich verdreifacht; die Ausstellungs- und Veranstaltungstätigkeit zur Buchkunst und Bibliophilie wird, so gut es unter den gegebenen Umständen eben gehen will, aufrechterhalten. Auf dem Schloß lasten (jetzt, im Juni 2016) noch erhebliche Restitutionsansprüche, die zusätzliche, kräftezehrende Arbeit mit sich bringen. Auch die Bausubstanz bereitet immer wieder große Sorgen. Doch es gibt auch großartige Lichtblicke. Vor wenigen Wochen wurde bei einem Wanddurchbruch originale Bausubstanz mit Bemalung aus dem 15. Jahrhundert entdeckt.
(Bernd-Ingo Friedrich)

è Museum Schloss Burgk
07907 Burgk/Saale

Freitag, 22. Juli 2016

Früchte aus dem Gartenhain von Schiras

Eine Vorschau auf die Marginalien 222

In Heft 3/2016 der Marginalien wird u.a. Bernd-Ingo Friedrich über deutsch-orientalische Bücher berichten:
„... Dass der Orient, insbesondere Persien und Arabien, Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem Sehnsuchtsort deutscher Dichter (und Maler) werden konnte, ist heute, angesichts der nicht enden wollenden Bilderflut von Menschen, die aus verwüsteten Städten flüchten, kaum noch nachvollziehbar. Und doch ...“ In einem mehrseitigen Artikel werden die Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall und Friedrich von Bodenstedt, sowie der Muskauer Dichter und Komponist Leopold Schefer mit ihren einschlägigen bibliophilen Publikationen vorgestellt. Abschließend stellt Friedrich fest: „Die orientalischen Formen haben ihren Reiz bis heute nicht verloren. ‚120 Sonette und acht Ghaselen‘ lautet zum Beispiel der Untertitel des ‚Weltgedichts‘ O zartes Blau des Nebels überm Stau von Ernst-Jürgen Dreyer (Hamburg-Ottensen 2007). Ein editorisch und typographisch vollkommen unbedarftes, jedoch mit farbigen erotischen Illustrationen üppig ausgestattetes Buch kommt aus einer Druckerei, aus der man so etwas kaum erwarten würde: Fifty Poems of Chemsed Din Mohammed Hafiz, viersprachig„ ‚published by Ali Akbar – Elmi. Teheran Iran‘ “.

Ein gutes Dutzend Leidensgeschichten von Isar, Spree und Neiße

Fast unbemerkt haben sich im Jahre 2010 die "Leidensgeschichten" des Pirckheimers Bernd-Ingo Friedrich auf den Buchmarkt geschlichen.
Damals feierte der mehrfach reparierte Autor "15 Jahre Leber und 10 Jahre Niere". Inzwischen sind es 22 und 17 Jahre, aber die Geschichten sind immer noch lesens- und liebenswert.

„Die Leidensgeschichten und -geschichtchen des vorliegenden Bändchens erscheinen aus Anlaß eines Super-Jubel-Jahres: Der Autor hat nämlich vor 25 Jahren zum letzten Mal geheiratet, feiert 15 Jahre ‚Leber‘ und 10 Jahre ‚Niere‘, und die von ihm verwöhnte Dame Ophelia, eine schneeweiße Mehrfach-Rassekatze (die Mutter war Karthäuserin, der Vater war ein Perser), feiert bei bester Gesundheit ihren zehnten Geburtstag. Die launig erzählten, keineswegs wehleidigen Geschichten handeln von einem gerade noch verhinderten Tod, einer mit Hilfe der modernen Schulmedizin und vieler Schulmediziner/innen geglückten Auferstehung und einem wunderbaren zweiten Leben mit Hilfe der oben genannten transplantierten Organe.“
(Aus dem Klappentext.)

Ein gutes Dutzend Leidensgeschichten von Isar, Spree und Neiße.
Plus zwei Minis und vier Bonüsse.
Umschlag und Vignetten von Meinhard Bärmich.
Cottbus: Regia Verlag 2010

Montag, 23. November 2015

Marginalien 219

Heute wurde das letzte Heft der Marginalien für 2015 ausgeliefert. Für Mitglieder liegt dem Heft der Holzschnitt Legende (1974) von Klaus Rosenspieß bei, Robert Wolf liefert dazu den Artikel Wider den Zeitgeist zur Bilderwelt dieses Künstlers. Matthias Haberzettl berichtet über seine Begegnungen mit Eduard Prüssen und Ferdinand Puhe schreibt über Peter Zitzmann und die schPeZi Presse mit dem 2. Teil einer Bibliografie. Weitere Artikel beschäftigen sich mit dem Dichter und Ethnologen Heinrich Stieglitz (Bernd-Ingo Friedrich), dem Antiquar Martin Breslauer (Thomas Reinecke) oder dem Pirckheimer Marc Berger (Marlies Schnaibel). Die Typographische Beilage widmet sich unter dem Titel Im Büchersaal der Bibliothek im Gedicht, gestaltet und gesetzt in der Fleischmann-Antiqua von Matthias Gubig.

Dienstag, 16. September 2014

MARGINALIEN 215

Das Heft 3/2014 der MARGINALIEN wurde vom Verlag ausgeliefert und kann den teilnehmenden Pirckheimern zum Jahrestreffen übergeben werden, für nicht teilnehmende Mitglieder wird das Heft am 22.9. in die Post gehen.
Es enthält u.a. Beiträge über den Bibliothekar
Paul Raabe, über die Freundschaft von Herbert Tucholski und Lothar Lang, einen Beitrag unter dem Titel Adler & Pax von Karl-Georg Hirsch und Manfred Jendryschik, Li Portenlänger schildert das Erleben der Lithographie-Werkstadt Eichstädt, Hendrik Liersch berichtet über Victor Otto Stomps und die Erenmiten-Presse, es gibt Hinweise auf Otto Erich Hartleben und Carsten Wurm berichtet über Menschen, Orte, Wegmarken in der Edition A.B. Fischer. Als typographische Beilage sind einige Epigramme aus Der Halkonier von Otto Erich Hartleben, erschienen bei S. Fischer 1904, neu gesetzt in der Walbaum 11/15 Punkt, in das Heft eingebunden.

Samstag, 2. August 2014

Ein Stolperstein für David Salomon

Auf den am 6.5.2014 auf Initiative von Bernd-Ingo Friedrich und der Pirckheimer-Gesellschaft verlegte Stolperstein für David Salomon wird jetzt auch auf berlin.de aufgeführt.Der Antiquar und Autographenhändler David Salomon wurde am 30. November 1866 in Nakel (Kreis Wirsitz in der Provinz Posen/Poznan; heute Naklo/Polen), geboren. Am 10.1. oder 10.6.1912 ist er „aus dem Judentum ausgetreten“.
1937 und 1938 wurden Autographen aus David Salomons Besitz auf Versteigerungen des Auktionshauses J. A. Stargardt in Berlin angeboten. Am 28.10.1937 waren es 27 Briefe von 21 Personen mit einem Taxwert von 402 RM und am 3.2.1938 noch einmal 343 Briefe von 213 Personen mit einem Taxwert von 4 401 RM, insgesamt also 370 Briefe von 234 Personen im Schätzwert von 4 803 Reichsmark. Es handelte sich dabei um ein offenbar eilig, noch vor dem Erlass der „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ am 12.11.1938, welche die Schließung aller jüdischen Geschäfte bis Jahresende zum Inhalt hatte, zusammengestelltes Sortiment mit berühmten Namen. Autographen aus dem Besitz David Salomons, erkennbar an gelben Briefumschlägen mit seiner Handschrift, tauchen gelegentlich noch im Handel auf, darunter auch Stücke aus der Sammlung des Germanisten Dr. Rudolf Wolkan, die Salomon 1931 geschlossen angeboten hatte.
David Salomon ist an einem unbekannten Datum vom Bahnhof Grunewald nach Auschwitz deportiert worden. Eine nachträglich ausgefertigte Sterbeurkunde des Sonderstandesamtes Arolsen vom 30. Januar 1992 nennt als Todesdatum von David Salomon den 18. Februar 1943, er war 76 Jahre alt.
Der Journalist und Pazifist Berthold Jacob (eigentlich: Berthold Jacob Salomon, 1898–1944), bekannt geworden durch seine Veröffentlichungen über die Pläne der deutschen Reichswehr zur heimlichen Aufrüstung unter des Umgehung des Versailler Vertrags, war ein Sohn aus der ersten Ehe David Salomons
.
(Bernd-Ingo Friedrich)

Samstag, 19. April 2014

Ein Stolperstein für den Antiquar David Salomon

Am 6. Mai 2014 werden auf der Westfälischen Straße in Berlin-Halensee (Charlottenburg-Wilmersdorf) 60 Stolpersteine für jüdische Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Zu ihnen gehört der Antiquar David Salomon. Er wurde am 18. Februar 1943 in Auschwitz ermordet. Mit einer Gedenkfeier für alle am 11. Mai, die um 12 Uhr beginnt, soll auch an ihn noch einmal erinnert werden.
(
kulturpixel.de)

siehe auch Bernd-Ingo Friedrich in MARGINALIEN Heft 210

Montag, 25. November 2013

vergißmeinnicht

1120 Briefbeschwerer und mehr aus Glashütten der Lausitz von Bernd-Ingo Friedrich, Weißwasser und Arnd Keller, Bautzen
weiter durch Klick auf die Bilder
Am 23. November wurde eine Kabinettausstellung unseres Mitglieds Bernd-Ingo Friedrich eröffnet, der neben seinem Interesse an bibliophilen Themen eine Ausstellung von Briefbeschwerern, Dokumente und Belege aus dem Wirtschaftsraum der Lausitz zusammengetrragen hat. Sein Anliegen ist es, ein fast vergessenes volkskundliches Kulturgut in Erinnerung zu bringen und zu bewahren. Durch vor Ort erfragte Details und Geschichten wird die Sammlung, die gleichzeitig eine Forschungslücke schließt, authentisch und kulturhistorisch wertvoll.
 
"Wichtig sind die dinglichen Zeugnisse, die hier auf, wie ich finde, vorbildliche Weise in der Zusammenschau mit Quellen wie Fotos, Urkunden und Produktkatalogen präsentiert werden. Die Briefbeschwerer sind „rätselhafte, luftig wirkende, aber doch schwere, durchsichtige, mit farbigen Blüten gefüllte Glaskugeln“. Sie sind aber auch erstarrte Erfahrung der Glasmacher. Die kleinen Glaswelten frieren das implizite, das heißt, das durch jahrelanges Training verinnerlichte praktische Wissen gleichsam ein. Sie sind für mich eine weitere Motivation in der Bemühung, die manuelle Glasherstellung bei der UNESCO als immaterielles Kulturerbe zu schützen – zusätzlich zum sorbischen Brauchtum."
(aus der aus der Eröffnungsrede von Dr. Georg Goes, Museumsverein Glashütte e.V.)

Kabinettausstellung: 23. November 2013 – 26. April 2014

Museum Bautzen

Samstag, 5. Oktober 2013

Bücher-Spaziergang

Als Bücher-Spaziergang wird von Bernd-Ingo Friedrich auf seiner Seite Kulturpixel der Titel "Von der Wirkung des Buches" vorgestellt, eine Festgabe, die Friedhilde Krause, ehemalige Generaldirektorin der Staatsbibliothek Berlin, zum 80sten Geburtstag von Professor Horst Kunze besorgte.
Der Titel erschien bereits 1990, die Würdigung dieser Schrift ging eventuell in den Wirren des Wendejahres zu Unrecht unter - Dank der Kulturpixel im Netz wird sie wieder in unseren Fokus gerückt.

Hans Scheuerecker

Mit den soeben ausgelieferten MARGINALIEN erhielten die Mitglieder der Pirckheimer-Gesellschaft auch einen Artikel über Hans Scheuereckers Bücher und einen Siebdruck von Hans Scheuerecker. Das brachte wieder eine Meldung der Lausitzer Rundschau ins Gedächtnis: "Scheuerecker-Schau im Dieselkraftwerk fällt erneut aus".
 
... Nachdem Hans Scheuereckers Einzelausstellung im Kunstmuseum Dieselkraftwerk "Verloren im Paradies" von 2011 auf Oktober 2013 verschoben wurde, fällt sie erneut aus. ... Die Direktorin des Kunstmuseums Dieselkraftwerk ... bestätigt, dass die Absage ihre Entscheidung war. ...
Dem Museum und dem Kunstpublikum geht ein Highlight zum Jahresende verloren. Tragisch ist die Absage jedoch vor allem für den Künstler: Hans Scheuerecker, der seit den 70er-Jahren mit seiner erotisch und emotional aufgeladenen, abstrahierten Malerei und Grafik – und seinem dazu passenden Boheme-Lebensstil – für Aufsehen sorgt, muss weiterhin auf seine längst fällige Würdigung als bedeutender Gegenwartskünstler und als Repräsentant kompromissloser Gegenkultur in der DDR durch ein großes staatliches Kunstmuseum in Deutschland warten.
Bereits zu seinem 60. Geburtstag im Jahr 2009 sollte ihm ... eine Einzelausstellung im dkw. gewidmet werden. Es kam zum Eklat. Scheuerecker sagte damals das Vorhaben wenige Monate vor der Eröffnung ab ... und stimmte dann einer Verschiebung zu.
Eigentlich sollte die Ausstellung "Verloren im Paradies" nun vom 18. Oktober bis Mitte Januar 2014 im dkw. gezeigt werden. Geplant war, dass Scheuerecker verschiedene Werkgruppen von seinen künstlerischen Anfängen bis heute präsentiert. Eine Buchpublikation und eine kleinere Parallelausstellung mit Grafiken des berühmten französischen Künstlers Paul Gauguin (1848-1903), der Scheuerecker stark beeinflusst hat, sollten die Schau begleiten. Außerdem wollte die Neue Sächsische Galerie in Chemnitz die Scheuerecker-Schau übernehmen. (Felix Johannes Enzian)
 
gesamten Artikel lesen: Lausitzer Rundschau
Scheuerecker- Blibliographie auf kulturpixel.de
Literatur über Scheuerecker auf kulturpixel.de

Samstag, 7. September 2013

vergissmeinnicht

Briefbeschwerer aus Glashütten der Lausitz von Bernd-Ingo Friedrich, Weißwasser und Arnd Keller, Bautzen
Die Ober- und die Niederlausitz mit ihren reichen Vorkommen an Holz, Kohle und Sand boten ideale Voraussetzungen für die Entwicklung einer Glasindustrie, die in der Gründerzeit internationale Bedeutung erlangte. Weniger bekannt ist, dass in den vielen Glashütten, die es einst in der Lausitz gab, als Nebenprodukt eine besondere Form der Volkskunst entstand: Briefbeschwerer aus Glas. Deren Herstellung erforderte die perfekte Beherrschung des Handwerks, wozu gestalterisches Talent, großes Geschick und nicht zuletzt ein wenig Glück gehörten.
Die neben seinem Interesse an bibliophilen Themen entstandene Sammlung unseres Mitglieds Bernd-Ingo Friedrich beinhaltet Briefbeschwerer, Dokumente und Belege aus dem Wirtschaftsraum der Lausitz. Sein Anliegen ist es, ein fast vergessenes volkskundliches Kulturgut in Erinnerung zu bringen und zu bewahren. Durch vor Ort erfragte Details und Geschichten wird die Sammlung, die gleichzeitig eine Forschungslücke schließt, authentisch und kulturhistorisch wertvoll.

Eröffnung: 23. November 2013, 15 Uhr
Eröffnungsrede: Dr. Georg Goes, Museumsverein Glashütte e.V.
Kabinettausstellung: 23. November 2013 – 26. April 2014

Museum Bautzen

Dienstag, 21. Mai 2013

Ein Stolperstein für David Salomon

Der Antiquar und Autographenhändler David Salomon, geboren am 30. November 1866 in Nakel (Kreis Wirsitz / Provinz Posen; heute Naklo / Polen), am 10. Januar (oder 10. Juni) 1912 „aus dem Judentum ausgetreten“, starb laut einer nachträglich ausgefertigten Sterbeurkunde des Sonderstandesamtes Arolsen vom 30. Januar 1992 am 18. Februar 1943 als Jude in Auschwitz. Seine nicht jüdische Ehefrau Martha Salomon, geb. Thermann, geboren am 10. Januar 1885 in Dessau / Anhalt, wurde nach 1945 als „Opfer des Faschismus“ anerkannt. Kataloge des Antiquariats Salomon sind bis 1935 nachweisbar.
Aufgrund der Hinweise unseres Mitglieds Bernd-Ingo Friedrich konnte der ihn betreffende Eintrag im Berliner Gedenkbuch Jüdischer Opfer der NS-Zeit bereits vervollständigt werden; in das Deutsche Gedenkbuch wird sein Name demnächst aufgenommen werden; in Yad Vashem wurde ein Gedenkblatt angelegt. Bernd-Ingo Friedrich regte an, dass die Pirckheimer-Gesellschaft einen „Stolperstein“ in Berlin Halensee für David Salomon stiftet und ein Mitglied unserer Gesellschaft erklärte sich spontan bereit, die Kosten dafür zu übernehmen.
(Näheres im Artikel Verschollene Autographen, vernichtete Existenzen von Bernd-Ingo Friedrich in MARGINALIEN 210)

Sonntag, 11. November 2012

1. Dresdener Literaturmesse „schriftgut“

Unter dem Titel "Der Buchbinder und ich – zwei Weißwasseraner auf der Schriftgut-Messe in Dresden" veröffentlicht Bernd-Ingo Friedrich auf seiner Seite kulturpixel einen vorläufiger Bericht von dieser Messe, die vom 9. bis 11. November 2012 stattfand.
 
Die Bibliothek SG"Die Idee zu dieser Messe ist dem Verlegerehepaar Peggy und Dirk Salomo zu danken. ... Ihr Ziel war es, möglichst ALLEs zusammenzuführen, was mit Literatur zu tun hat. Engagierte Dresdener, eine generöse „Messe Dresden“ und verhandelbare Standgebühren ermöglichten die herz- und geisterfrischende Präsentation der sonst eher stillen Schriftkunst und -kultur durch 78 Teilnehmer in neun Räumen von Wohnzimmer- (Neubau) bis Messehallengröße."
Bernd Ingo Friedrich beschreibt, was ihn "als Bibliophilen und Menschen :) am meisten beeindruckte." Unter anderem "die „Offizin Haag-Drugulin“, seit einiger Zeit im Zentrum Dresdens ansässig, und der Verlag „SchumacherGebler“ mit der „Bibliothek SG“. Das Gesamtverzeichnis der Bibliothek enthält mittlerweile 34 Titel, von denen 11 bereits ein „Vergriffen“-Sternchen tragen. ...
Der den Mitgliedern der Pirckheimer-Gesellschaft als Gestalter ihrer MARGINALIEN - Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie bestens bekannte Heinz Hellmis und Linde Kauert zeigten das Neueste aus ihrer „Edition Zwiefach“. Das sind unter anderem originelle, farbstarke Bilderbögen im Format A2, drei Mal zusammengefaltet und zwischen zwei A5-Pappen mit einem Bindfaden montiert; die Künstler beschreiben sie als ein Einblattbuch zum An-die-Wand-hängen. ...
Am Stand des „Bundes für deutsche Schrift und Sprache e.V.“ überzeugte ..." Aber lesen Sie hier den kompletten Bericht, der damit endet: "Es hat auf dieser Messe wirklich ALLES gepaßt."

kulturpixel.de
Von Büchern, Bibliotheken, Briefbeschwerern und Menschen

Samstag, 28. Juli 2012

Kunst und Wissenschaft um 1800

Die Sammlungen der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz (Hrsg. Städtische Sammlungen für Geschichte und Kultur Görlitz)

Mit Beiträgen von Ines Anders, Tino Fröde, Constanze Herrmann, Steffen Menzel, Jasper von Richthofen, Anke Tietz, Kai Wenzel, Matthias Wenzel und Ralf Tschentscher nebst drei Grußworten sowie einem Vorwort von Kai Wenzel. Unser Mitglied Bernd-Ingo Friedrich beschäftigt sich in seinem Beitrag mit Literaturwissenschaft und Musikalien.

Die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften wurde 1779 in Görlitz als lokale, aber auch national vernetzte Gelehrtenvereinigung zur Förderung von Ökonomie, Bildung und Kunst gegründet.
Als außergewöhnliches Ensemble von europäischem Rang haben sich im historischen Gesellschaftshaus, das heute in neuem Glanz erstrahlt, ihre umfangreichen und wertvollen Kollektionen, die Bibliothek, naturkundlichen, kunst- und kulturgeschichtlichen Kabinette erhalten.
Kunst und Wissenschaft um 1800 möchte diese entdecken, legt erstmals die Geschichte der OLGdW umfassend dar und lässt ihre Bedeutung als Institution der Wissenschaften im Zeitalter der Aufklärung opulent in Erscheinung treten.
(nach: Verlagswerbung)

Bielefeld: Kerber Verlag 2012
Groß 8°, 224 Seiten
193 Farb- und 13 s/w-Abbildungen
Festeinband, gebunden
38,00 Euro

Montag, 23. Juli 2012

Angela Hampel

Im neuesten Grafikbrief fand sich ein interessanter Verweis auf die Dresdener Künstlerin Angela Hampel, welche zu einem Beitrag von Bernd-Ingo Friedrich für das gerade erschienene Heft 206 der MARGINALIEN zwei Algraphien "Róža Domašcyna - Mittagsfrau" (Abb.) schuf:

Angela Hampel ist fast genauso alt wie Regina Ouhrabka und eine ebensolche Mehrfachbegabung wie Elisabeth Axmann: lange Zeit hielt sie es aber für peinlich, als Schusterin nicht bei ihren Leisten Malerei zu bleiben, sondern auch noch in der Lyrik zu „wildern“. Nun aber hat sie ihre große Sammlung an eigenen Gedichten professionell lektorieren lassen und plant eine Reihe von insgesamt 7 Heften, in denen sie jeweils 9 Texte 9 eigenen Bildern gegenüberstellt. Drei Hefte sind bislang erschienen, sie haben jeweils eine Auflage von nur 25 Exemplaren (je EUR 48.-), die Bilder sind Reproduktionen meist größerer Arbeiten. Und dann gibt es noch eine winzig kleine Auflage von Vorzugsausgaben, nämlich von je 5 Exemplaren (!), und da ich glücklicherweise zur richtigen Zeit – letzte Woche – am richtigen Ort, nämlich in Hampels Atelier in Dresden war, sind Sie die Ersten, die Zugriff auf diese Raritäten haben ...

(Wolfgang Grätz)