Dienstag, 11. April 2023

Jahresversammlung der Schweizerischen Bibliophilen

Rainer Maria Rilke: Gedichtabschriften
für Yvonne von Wattenwyl «Die (zweite) Elegie /
(Die sogenannte Engel-Elegie)»
Die Jahresversammlung der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft findet dieses Jahr im Wallis statt.

In Sierre Empfang werden die Teilnehmer durch Brigitte Duvillard, Direktorin der Fondation Rilke zur Besichtigung der Fondation Rilke, des Schlosses Muzot und zu Wein & Literatur empfangen.
Abends findet die Generalversammlung im Hotel Vatelstatt, danachein Nachtessen und Vortrag von Alt-Bundesrat Pascal Couchepin.Am Sonntag geht es nach Sion - die Sylvie B6guelin, Direktorin der Mediathek, Sylvie Béguelin, und der Direktor du Service Cantonl de la Culture, Monsieur Alain Dubois führen durch die Mediathek und Kantonsbibliothek und das Staatsarchiv.
Anschließend steht in St-Maurice die Besichtigung der Abbaye Saint-Maurice auf dem Programm.

13./14. Mai 2023

Martigny im Wallis

Montag, 10. April 2023

Quo vadis?

Wie sich viele erinnern werden, musste das Klingspor Museum aufgrund der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 die von ihm organisierte Konferenz der Association of European Printing Museums absagen. Ein großer Teil des Programms fand im Folgejahr zwar statt – aber "nur" online, Covid gebot – und raubte so die Freude, die überaus reichen Sammlungen des Klingspor-Museums sowie die seines Mitveranstalters, des Hauses der Stadtgeschichte, zu entdecken.

Auch in diesem Jahr wird die Jahrestagung der AEPM vom Klingspor Museum und dem Haus der Stadtgeschichte organisiert, zusätzlich unterstützt durch die Freunde des Klingspor Museums, und bietet eine hervorragende Gelegenheit, ihre Sammlungen und Aktivitäten sowie ihre neue Druckwerkstatt endlich aus erster Hand zu entdecken.

Unter dem Motto "Quo vadis? Drucken entdeckt seine Zukunft" wird das Klingspor-Museum Menschen aus einer Vielzahl von Druckmuseen und anderen Organisationen des grafischen Erbes, alte und neue Kollegen und Freunde zusammenbringen, um über Druck und Druck, Vergangenheit und Gegenwart zu diskutieren.

25. – 27. Mai 2023

Klingspor Museum / Haus der Stadtgeschichte

Sonntag, 9. April 2023

Der Sammler auf Reisen: Graal-Müritz

Der Name des kleine Ostseebads Graal-Müritz ist mit Autoren der unterschiedlichsten Couleur verbunden.
Robert Musil genoss hier die Sommerfrische, Erich Kästner viele seiner Kindheitstage, Franz Kafka lernte hier seine große Liebe Dora Diamant kennen, Kurt Tucholski erlebte dort seine Flitterwochen mit Else Weil, bekannt als Claire in "Rheinsberg", Walter Kempowski las aus "Schöne Aussicht" im Haus Graal, wo sich seine Eltern verlobten, Hans Fallada, Uwe Johnsen, Ruth Kraft verbrachten hier inspirierende Wochen, der Berliner Theaterkritiker Alfred Kerr wollte gern für länger dort bleiben, Johannes Trojan, Mitgliedern des BBA vor allem durch eine von Ulrich Goerdten gestiftete Jahresgabe bekannt, unternahm gemeinsam mit Heinrich Seidel Wanderungen zu diesem Flecken und der Autor des heiteren Romans "Ithaka", Rudolf Presber, die Lyrikerin Ida Heincke und Herbert Nachbar wohnten in diesem Küstenort, in dem zahlreiche Hinweise nicht nur am Poeten- und Philosophenweg an diese und weitere Schriftsteller und Lyriker erinnern.

Ei love you - Frohe Ostern

Zum Osterfest soll hier ein Fund von Ulrich Goerdten vorgestellt werden: ›Ei love you. Von Dante Alighieri bis Rainer Maria Rilke. Weltliteratur im Spiegel des Ei. Parodien. Polyphem Handpresse. Center Edition‹.
durch Klick auf die Abb. des Titels kann der gesamte Aufsatz aufgerufen werden
Am 2. April 2022 hätte sich ein Ereignis zum fünfzigsten Male gejährt, in dessen Folge ein Druckwerk in die Welt gesetzt worden ist, das heute nur mit Glück zu finden ist: eine Broschüre mit einem Umfang von 22 Seiten in fast Quadratformat (16 x 17 cm), mit ›englischer Bindung‹, im Offsetdruck gefertigt, erschienen in der Polyphem Handpresse in Berlin 1972. Wären damals alle Vorschriften beachtet worden, hätte je ein Pflichtexemplar an die Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin und an die Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main geliefert werden müssen, der Titel wäre in den Bibliographien zu finden und das Buch als Objekt könnte bestellt und studiert werden. Könnte, Konjunktiv irrealis, denn es ist in keiner Bibliothek vorhanden.
[...] Jule Hammer, ist der eigentliche Veranlasser, der erste Beweger eines Ereignisses, das in der 50 Jahre alten Broschüre seinen Niederschlag gefunden hat. Es gibt darüber einen Bericht in der ›Welt‹ [...] unter dem Titel ›Eierköpfe in vielen Formen. Jule Hammer präsentiert die Ergebnisse seines ›Gagbewerbs‹‹. Bei diesem Happening wurden neun Preise [...] vergeben, gestiftet von EGGA, »dem größten europäischen Eierproduzenten in Vechte«. Bei der Festveranstaltung wurde eine musikalische Eieroper aufgeführt, komponiert aus den Tönen E, G, G und A von Helmut Timpelan. Die ›Welt‹ berichtet weiter: »Matthias Koeppel trug eine Ode an das Setzei vor: ›Setzei - gemordetes Huhn! / Die Pfanne sei nicht dein Grab. Würdig würdest du ruhn / Wenn ich verzehrt dich hab.‹ Die Ode hätte einen Preis verdient, wenn nicht Jule Hammer die beteiligten Profis (unter anderen Kurt Mühlenhaupt, Maria Schanda, Herbert Press, Helmut Thoma) gebeten hätte, auf Preise zu verzichten. [...] Wieweit Hammer selbst von der Blödelei mit dem Ei verfolgt wurde, kann man an seinem eigenen Beitrag ablesen. Er spielte zur Preisverleihung auf einer ›Eierflöte‹ das Lied ›Ich hatt, Ei, 'nen Kameraden‹.«
[...] Den leer ausgegangenen Bibliotheken und allen, die es angehen mag, sei mitgeteilt, dass derzeit drei Exemplare der Listen und Kataloge Eierbroschüre im Antiquariatshandel zu finden sind, eins im Berliner Antiquariat Hennwack, eins in der Peter-Sodann-Bibliothek in Staucha und eins in der Galerie Joy in Boppard.

(Ulrich Goerdten in Aus dem ANTIQUARIAT NF 21 # 1/2023, S. 26ff)

Freitag, 7. April 2023

Play it again – Vom Spielbilderbuch zum Videospiel

Grafik Sandra Caspers, Staatsbibliothek zu Berlin-PK – Lizenz: CC-BY-NC-SA-3.0
Wie viel Buch steckt im Videospiel? Und spielen wir mit Büchern genauso wie mit Games? Im Stabi Kulturwerk kann man die mediale Verwandtschaft von Spielbilderbüchern und Videospielen entdecken. Eine Ausstellung unter dem Thema Play it Again – Vom Spielbilderbuch zum Videospiel gibt Einblicke in rund 200 Jahre Spielkultur und entwickelt neue Beziehungen zwischen Papier und Pixel, Buchmechanik und Spielmechanik.

Klappen, Ziehen, Drehen, Aufstellen – und das alles auf engstem Raum! In Spielbilderbüchern erwecken feinste Mechaniken flachen Seiten zu dreidimensionalen Kunstwerken, die auch Erwachsene zum Staunen bringen. Die Ausstellung fragt nach Gemeinsamkeiten zwischen Büchern und Videospielen, die mit immer komplexeren Spielgrafiken räumliche Tiefe auf Bildschirmen erzeugen.

22. April 2023 – 30. Juni 2023

Stabi Kulturwerk
Staatsbibliothek zu Berlin, Haus 1
Unter den Linden 8, 10117 Berlin

Ritter Rost erobert Burg Wissem

Ein Ritter ist stark, klug, mutig und edel – das weiß doch jedes Kind. Nicht so Ritter Rost, der ist nicht stark, sondern schwach, nicht klug, sondern ziemlich einfältig und auch nicht mutig, sondern vielmehr ein echter Angsthase. Edel ist er auch nicht, stattdessen eben rostig - was auch seinen Namen erklärt. An seiner Seite hat er das zupackende Burgfräulein Bö, die alles kann, was der Ritter können sollte, „nur dreimal so gut“, wie sie selbst singt. Komplettiert wird das Trio durch den frechen Feuerdrachen Koks. Gemeinsam leben die drei in der Eisernen Burg und machten ihren Erfinder Jörg Hilbert mit ihren zahlreichen Abenteuern und über anderthalb Millionen verkauften Büchern und anderen Medien zu einem der erfolgreichsten Autoren und Illustratoren Deutschlands.

Das besondere an Ritter Rost und seinen Mitstreiter*innen ist nicht nur das ungewöhnliche Setting, welches mit dem Antihelden Ritter Rost klassische Rittergeschichten liebevoll auf den Arm nimmt, sondern auch die Kombination aus Buch und Musik. In Zusammenarbeit mit dem Komponisten Felix Janosa entstehen zu jedem Band eingängige Songs, die als beigefügte CD (bzw. mittlerweile auch als Streaming-Angebot) fester Bestandteil der Geschichten sind.

Fast 30 Jahre nach ihrem ersten Auftritt sind Ritter Rost, Bö und Koks aus den deutschen Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken. Unzählige Abenteuer haben sie mittlerweile erlebt, es gibt ein Kochbuch, Notenausgaben für den Musikunterricht, Hörspiele, eine Fernsehserie und sogar zwei Kinofilme. Ein Ende ist nicht in Sicht. Grund genug, Ritter Rost in einer großen Ausstellung hoch leben zu lassen und im Bilderbuchmuseum willkommen zu heißen. Mit der Burg Wissem können wir ihm immerhin eine echte Burg bieten, auch wenn es keine „eiserne“ ist.

Neben zahlreichen Illustrationen zu Ritter Rost bieten vielfältige Mitmach-Stationen und Kreativangebote die Möglichkeit, in die Welt um Ritter Rost einzutauchen, selbst Schrottfiguren zu basteln, an Ritterspielen teilzunehmen und vieles mehr.

Sein Schaffen allein auf seine bekanntesten Figuren zu reduzieren, würde dem Künstler und studierten Kommunikationsdesigner Jörg Hilbert allerdings nicht gerecht werden – zu vielfältig sind seine Werke und die Themen, mit denen er sich befasst. Daher werden neben weiteren Illustrationen aus Bilderbüchern auch freie Arbeiten gezeigt, die einen Überblick über das künstlerische Schaffen Hilberts bieten.

Eröffnung: 22. April 2023, 15 Uhr
22. April - 27. August 2023

è Burg Wissem, Bilderbuchmuseum
Burgallee
53840 Troisdorf

Donnerstag, 6. April 2023

145. Geburtstag von Erich Mühsam

Bislang gab es in den Medien keinen Hinweis auf dieses heutige Jubiläum, lediglich das 2. Heft 2023 der Büchergilde Gutenberg machte auf den bevorstehenden 145. Geburtstag des Schriftstellers, Bohemien, Anarchisten, Spiritus Rector der „Bairischen Räterepublik“, Freund von Frank Wedekind, Else Lasker-Schüler, Emmy Hennings und Rainer Maria Rilke, bedeutenden Literaten Erich Mühsam aufmerksam, ermordet 1934 im KZ Oranienburg.

siehe Informationen eines Pirckheimers

corn.elius gesiebte briefe

Der in Berlin lebende Künstler Cornelius Brändle (*1956) wird erstmals mit einer institutionellen Einzelausstellung gewürdigt. Unter dem Titel ‚gesiebte briefe‘ zeigt die Hegenbarth Sammlung Berlin Siebdruck­arbeiten aus ver­schie­denen Schaffens­phasen, die bildschriftliche Mitteilungen und Postdrucksachen zum Thema haben.
Die Bandbreite der ausgestellten Grafiken reicht von bedruckten Briefumschlägen und gehäkelter Schrift bis hin zu den gedruckten Umrissen von Briefmarken­blöcken. Zudem haben die Ausstellungsbesucher Gelegenheit, mit einer Postkarte Teil einer Künstleraktion zu werden. In Workshops haben kleine wie große Besucher die Möglichkeit, dem Künstler beim Siebdrucken über die Schulter zu schauen oder es gleich selbst einmal auszuprobieren.

corn.elius 2023, Foto © ad
„Ich denke meine Bilder immer in Büchern.“ Mit diesem Bekenntnis beschreibt corn.elius seine große Leidenschaft für das Bücher­machen. Bucheditionen in kleinen Auflagen spielen seit den 1990er Jahren eine zentrale Rolle in seinem künst­lerischen Schaf­fen. Gemeinsam mit der Künstlerin Hanneke van der Hoeven initiierte er im Kunsthaus Bethanien eine der bedeutenden Messen für Künst­ler­bücher und Editionen im deutschsprachigen Raum: die artbook.berlin.
Im Verlag edition wasser im turm.berlin bringt er individuelle und experimentelle Bücher in Zusammenarbeit mit be­freun­de­ten Kolleginnen und Kollegen heraus. Seine eigenen Arbeiten publiziert er unter seinem Künstlernamen corn.elius.

Seit über zwanzig Jahren sind unscheinbare Alltagsgegenstände, zufällig Ge­fun­denes oder Weg­geworfenes Ausgangspunkt vieler seiner Serigrafien. Als Sammler liest corn.elius diese Dinge auf, nicht wissend, welchen Schön­sinn er ihnen als Zeich­ner mit dem Sieb entlockt. Der Zufall verwandelt die Form des Aus­gangs­gegen­standes: So ist beispielsweise das breite Gummiband nicht mehr erkennbar, sondern erscheint wie ein kalligrafisches Rätselzeichen. Im seiellen Spiel mit der gefundenen Form hat corn.elius sein künstlerisches Markenzeichen gefunden.
Die Ausstellung zeigt etwa sieben Hauptarbeiten, die der Künstler in den letzten Jahren begonnen und weiter­ent­wickelt hat. Aus einer zunächst abgeschlossenen Serie, deren Entstehung Jahre zurückliegt, entwickelt er nicht selten die nächste. Die gesiebten briefe haben ihren Ursprung in vergessenen Kuverts, die corn.elius in eine eigene serielle Form transformiert. Er löst behutsam die zugeklebten Stellen, legt die Ursprungs­formen frei und zeichnet diese mit dem Sieb nach. Aus dieser Vorgehensweise können weitere Serien entstehen, beispielsweise die in der Ausstellung gezeigten briefbilder: In der einen Serie bedruckt er aktuell handelsübliche Umschläge. In der anderen schickt er diese per Post an sich selbst oder an befreundete Sammler und kalkuliert dabei die Fehlleitung seiner Kunstwerke ein (Brief verspätet, versehrt, verschwunden).
Anders in der mehrteiligen Folge sondermarke: Aus dem Briefmarkenblock wurde eine Marke nach der anderen herausgetrennt. Das poetische Moment liegt in der mini­ma­lis­tisch erzählten Geschichte vom Wachsen der gefundenen Formen.

Ausstellungseröffnung: 26. April 2 023, 19  21 Uhr
26. April - 20. September 2023
Familiensonntag mit Siebdruck-Workshop: 7. Mai 2023, 14 Uhr
Buchpräsentation mit Künstlergespräch_14.6. / 20.9.2023, 19 Uhr
Ferienworkshop Siebdruck: 19./ 20.Juli / 23. / 24. August 2023, 10 Uhr

Hegenbarth Sammlung Berlin
Laubacher Straße 38, 14197 Berlin

Mittwoch, 5. April 2023

Plakatreihe „Freiheit“

Vor fast anderthalb Jahrzehnten begründete die Galerie „Sonnensegel“ für eine Druckaktion im Rahmen eines ZDF-Gottesdienstes in Wittenberg die Plakatreihe „Freiheit“.

Sämtliche Motive der im Handpressendruck erstellten Reihe sind in der Galerie „Sonnensegel“ erhältlich. Nähere Informationen hier.

Die ersten Plakate zitierten Ernesto Che Guevara, Karl Marx, Martin Luther, Ludwig van Beethoven, Albert Einstein und Rosa Luxemburg.

Der Motivkreis mit der gedruckten Kombination der Porträts von Philosophen, Politikern sowie Kulturschaffenden und einem von diesen Personen verfassten Text zum Thema „Freiheit“ wurde seitdem immer wieder erweitert, zuletzt um die Drucke zur Schriftstellerin Brigitte Reimann, zum Geburtstag von Friedrich Engels, sowie zu Friedrich Dürrenmatt und Frida Kahlo.

2022 wurde die Plakatreihe von „Sonnensegel“ zu Ehren seines 250. Geburtstages von Novalis um ein zeitloses Statement des Romantikers ergänzt, womit sich die Kinder- und Jugendgalerie in die Würdigung dieses Autors einreihte, ebenso wie die Pirckheimer-Gesellschaft mit ihrer vor kurzem hier vorgestellten Jahresgabe.

(Matthias Frohl)

Plakat Novalis aus der „Sonnensegel“- Reihe „Freiheit“
originalgrafischer, mehrfarbiger Druck
vom Hochdruck- Klischee, ca. 70 x 25 cm
Auflage 50 Stück, Handsatz und Handpressendruck
Preis: 15 €

Sonnensegel e.V.
Gotthardtkirchplatz 4/5, 14770 Brandenburg a.d. Havel

Drucken! Gutenbergs Europa

Endlich mal wieder eine umfassende Ausstellung zum frühen Buchdruck, wenn auch in Frankreich und nicht hierzulande. So ist das nun mal mit unserem Kulturbewusstsein.
In gut einer Woche wird in Paris eine hochinteressante Ausstellung zum frühen Buchdruck eröffnet, die bis zum 16. Juli besucht werden kann. Was bisher auf der Website und in einem recht ausführlichen zu lesen ist, klingt sehr vielversprechend. Die Ausstellung behandelt demnach nicht nur Gutenberg (es werden erstmals beide Bibeln der BnF gezeigt) und seine Erfindung, sondern präsentiert auch die Vorläufer des europäischen Buchdrucks in China und Korea (das Jikji ist zu sehen), befasst sich mit der rasanten Verbreitung der Technik im 15. Jh. und der damit verbundenen enormen Innovationskraft der damaligen Zeit, der Rolle von Frauen, der Einführung des Farbdrucks und von Illustrationen, der Entwicklung des ›modernen‹ Buches in den Jahren um 1500 und generell mit den sozialen Folgen für die damalige Zeit. Endlich mal eine Ausstellung, die das Thema umfassend beleuchtet und den Buchdruck in seinem Kontext der Öffentlichkeit präsentiert.
Geradezu wohltuend ist die Klarstellung in Bezug auf die oft zu hörende oder zu lesende ungenaue Aussage ›Gutenberg erfand den Buchdruck um 1450‹: »Dieser Satz muss jedoch in einigen Nuancen geändert werden. Einerseits tauchte der Buchdruck in Asien (China, Korea und Japan) bereits im siebten Jahrhundert auf. Auf der anderen Seite ist die Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern in Europa ein langer Prozess, und Gutenberg war kein einsames Genie. Im Gegenteil, er verstand es, sich mit kompetenten Technikern und Kaufleuten zu umgeben und sich von bereits bestehenden technischen Prozessen inspirieren zu lassen.
Und wenn die Veröffentlichung der Bibel durch Gutenberg ausschlaggebend war, dann geschah die Entwicklung des Buchdrucks tatsächlich über mehrere Jahrzehnte.« 
Sehr lobenswert, und so eine Ausstellung würde ich auch gerne mal in Deutschland sehen. Es wird übrigens auch ein Katalog erscheinen.

(Jürgen Franssen)

Imprimer! (Katalog)
260 Seiten, 180 Abbildungen, 22,5 × 30 cm,
BfN, Paris 6. April 2023
49 €

Ausstellung: 12. April - 16. Juli 2023

Bibliothèque François-Mitterrand – Galerie 2
Quai François Mauriac, 75706 Paris Cedex 13

Dienstag, 4. April 2023

Lass es rollen – Zeichnungen einer Radtour

In die Radfahrerkirche Stadt Wehlen wird in den nächsten zweieinhalb Monaten die Ausstellung „Lass es rollen“ der, Bücherfreunden insbesondere durch ihre Kinderbuchillustrationen bekannten, Künstlerin Sylvia Graupner gezeigt.

Um es rollen lassen zu können, muss man erst unter Anstrengung die Berge hinauf radeln. Manchmal ist es so steil, dass man absteigen muss. Das Herz klopft. Innehalten, durchatmen, sich orientieren. Der Weg führt durch dunkle Wälder, vorbei an Hochmooren und Lichtungen. Dann kann man es rollen lassen, die Landschaften fliegen vorbei, innere Bilder tauchen auf und alles ist da. Und man fühlt sich dem Himmel etwas näher.

Ausstellung: 1. April - 11. Juni 2023
Ausstellungsgespräch: 23. April 2023 ab 10 Uhr im Rahmen des Gottesdienstes zur Eröffnung der Fahrrad-Saison

Radfahrerkirche Stadt Wehlen

Thomas Ranfts SCHWINGUNGEN und Sprachblätter von Carlfriedrich Claus

Die Ausstellung von Thomas Ranft, „Wish you were here, unikate Radierungen“ und Carlfriedrich Claus, „Starting Point. Sprachblätter“ in der Galerie Weise im Chemnitzer Rosenhof bot am 30. März das passende Ambiente für einen Gesprächsabend über Thomas Ranft, Carlfriedrich Claus und die Künstlervereinigung Clara Mosch mit Elke Lang, Thomas Ranft, Brigitta Milde und als Moderator Philipp Freytag, dem neuen Leiter des Claus Archivs Chemnitz nach Brigitta Milde.
Rund 30 Gästen waren versammelt, und einige nahmen die Möglichkeit wahr, sich am Gespräch zu beteiligen.
Elke Lang, Dagmar Ranft-Schinke, Bernd Weise, Foto © Till Sailer
Grundlage bot anlässlich des 95. Geburtstages und des 10. Todestages von Lothar Lang das von Elke Lang 2021 im Verlag Faber & Faber in Leipzig herausgegebene Buch „Carlfriedrich Claus und Lothar Lang. Der Briefwechsel“, in dem von Claus' Seite Clara Mosch eine große Rolle spielt. Es wurden die Auseinandersetzungen mit den offiziellen Kulturfunktionären der DDR um die politische und künstlerische Anerkennung des Annaberger Künstler-Philosophen Claus angesprochen. Anekdoten aus den persönlichen Begegnungen heraus konnten Brigitta Milde und Thomas Ranft, die beide Briefpartner persönlich kannten, ebenso zum Besten geben wie die Autorin Elke Lang. Die Kunsthistorikerin Brigitta Milde trug außerdem mit ihrem fundamentalen Wissen als erste Leiterin des Claus-Archivs bis 2022 viel zum Verständnis der Kunst von Carlfriedrich Claus bei.

(Till Sailer)

Ausstellung: 1. März - 29. April 2023

Weise Galerie und Kunsthandel
Kunstsalon Rosenhof
Rosenhof 4, 09111 Chemnitz

„Carlfriedrich Claus. Lothar Lang. Der Briefwechsel“
192 Seiten,
Leipzig: Faber & Faber, 1921
ISBN 978-3-86730-220-3

Montag, 3. April 2023

Impressionen von der BuchDruckKunst 2023

Hiermit stelle ich allen Interessierten einige Fotos von der gerade zu Ende gegangenen Messe BuchDruckKunst in Hamburg zur nicht kommerziellen Nutzun zur freien Verfügung, bei öffentlicher Nutzung wird um die Quellenangabe "Informationen eines Pirckheimers" gebeten.

Die Fotos von Karl Kretschmer und dem Blogbetreiber können durch Klick auf die Abb. aufgerufen und gegebenenfalls heruntergeladen werden.

Gern weise ich an dieser Stelle auf weitere Fotos hin.

Johannes Kepler: Zur Bewegung des Planeten Mars

Abb. © Österreichische Nationalbibliothek
Im Rahmen der Reihe "Das besondere Objekt" zeigt die Österreichische Nationalbibliothek außergewöhnliche Werke aus ihren Beständen. Für die nächsten zwei Monate wird das Werk "Zur Bewegung des Planeten Mars" präsentiert, den Erstdruck des wissenschaftlichen, knapp 350 Seiten umfassenden Werks mit zahlreichen geometrischen Darstellungen aus der Feder des berühmten deutschen Astronomen, Physikers und Mathematikers Johannes Kepler (1571–1630).
Er erhielt 1601 am Prager Hof die Position des kaiserlichen Hofastronomen und -mathematikers und entwickelte dort auf Basis der von seinem Vorgänger vorliegenden Beobachtungsdaten zu den Planeten, insbesondere zum Mars, seine Theorie, dass der Mars – und somit auch die anderen Planeten – sich nicht wie davor angenommen auf kreisförmigen, sondern mit der Sonne als Brennpunkt auf elliptischen Bahnen bewegt. Es war tatsächlich eine "astronomia nova" wie es im offiziellen Titel heißt, eine ganz neue Astronomie, die Kepler hier vorstellte. Er rühmte sich in der Einleitung des Werkes, den Mars "in einem beschwerlichen und mühevollen Krieg" mithilfe der Mathematik niedergerungen zu haben.

Sonntag, 2. April 2023

Buch des Monats: Vom Schlaraffenland zum Totentanz

Vor 50 Jahren verstarb der Zürcher Künstler Hans Witzig (1889–1973). Während sein Name heute nur mehr wenigen bekannt ist, blieben seine Kinderbuchillustrationen und Zeichenhefte vielen in liebevoller Erinnerung.
Vom Schlaraffenland zum Totentanz. Der Zürcher Illustrator und Zeichenlehrer Hans Witzig, hg. von Anna Lehninger, Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Bd. 90, Zürich: Chronos Verlag, 2023, Einband.
Darüber hinaus schuf er Werke, die ihn als experimentierfreudigen und vielseitigen Künstler seiner Zeit ausweisen. Der Sammelband fächert Hans Witzigs Vielseitigkeit in all ihren Facetten auf: In vier Schwerpunktessays und 21 Einzelwerkbetrachtungen besprechen Spezialisten aus unterschiedlichen Forschungsgebieten Werkgruppen und ausgewählte Arbeiten aus ihrer fachlichen Perspektive und ordnen Witzigs Zugang zum jeweiligen Thema ein. Das künstlerische Schaffen des Zürcher Zeichners und Zeichenlehrers, Kinder- und Schulbuchillustrators, Jugendschriftstellers, Malers und Plastikers hat über Jahrzehnte die Kindheit und Jugend von Schweizer ästhetisch nachhaltig geprägt: Durch seine Zeichenanleitungen war Witzig in den Jugendjahren vieler präsent. Für den Schematismus seiner Anleitungen im Zeichnen wurde er auch kritisiert, sein Hauptwerk Punkt, Punkt, Komma, Strich von 1944 ist aber immer noch erhältlich.
Witzigs Illustrationen finden sich zudem in zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern wie Die Kinder im Schlaraffenland, Tabis Nuckerli oder Johanna Spyris Heidi.
Darüber hinaus illustrierte er auch Schulbücher wie das Lesebuch zur Heimatkunde der Stadt Zürich, in dem er historische Vorbilder als Grundlage verwendete. Auch 1945 arbeitete er für die Illustrationen seines Jugendbuchs Fortunatus mit historischen Vorlagen, ebenso 1968 für seinen Kriminalroman Der Nachtschratt ging um. 1969 erhielt Witzig für sein Gesamtwerk den Schweizer Jugendbuchpreis.
Die Publikation erscheint auch als Katalog zur aktuellen Ausstellung über Hans Witzig in der Zentralbibliothek Zürich (17. März bis 17. Juni 2023), die zahlreiche Originalwerke vor allem aus der Graphischen Sammlung der Zentralbibliothek sowie ausgewählte Leihgaben präsentiert. Entlang biografischer Stationen stellt sie zentrale Werke des Künstlers sowie seine Spuren in der Nachwelt vor.

(Anna Lehninger)

Vom Schlaraffenland zum Totentanz. Der Zürcher Illustrator und Zeichenlehrer Hans Witzig, hg. von Anna Lehninger, Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Bd. 90, Zürich: Chronos Verlag, 2023. 176 Seiten, 240 Abbildungen. CHF 48.00. ISBN 978-3-0340-1706-0.

Märchenhafter Lese- und Druckspaß

Am 2. April ist der "Internationale Kinderbuchtag".
© Gutenberg-Musuem, Foto: Carsten Costard
Im Rahmen des Ferienprogramms bietet das Gutenberg-Museum Mainz am Montag, dem 3. April zwischen 15 bis 17 Uhr Kindern ab 6 Jahren die Möglichkeit, einen spannenden Nachmittag voller Lese –und Druckspaß zu erleben. Die Mitarbeiter lesen den kleinen Teilnehmenden Märchen vor und im Anschluss können Drucke mit märchenhaften Motiven hergestellt werden.
Wer nun neugierig geworden ist, sollte sich diesen Termin freihalten. Eine Anmeldung ist erforderlich. Der Werkstattbeitrag für den Workshop beträgt 3 Euro.

Druckladen des Gutenberg-Museums
Seilergasse 1, 55116 Mainz

Samstag, 1. April 2023

Bibliophiles des Monats: Sammlung Dieterich

„Bibliophiles des Monats“ März ist, eine Empfehlung des Hamburger Pirckheimers Peter Engel aufnehmend, beispielhaft für die „Sammlung Dieterich“ ein Band mit den Aufzeichnungen der Correspondance littéraire, philosophique et critique von Melchior Grimm (auch Friedrich Melchior G.), der als Nr. 364 der Buchreihe unter dem Titel „Paris zündet die Lichter an“ erschien.

2023 begehen wir den 300. Geburtstag von Melchior Grimm. Bislang von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, verdient dieses Jubiläum von Pirckheimern besonderes Augenmerk: der am 16. September 1723 in Regensburg geborene Melchior Grimm starb 1807 in Siebleben, einem heutigen Ortsteil von Gotha, also dem Ort des nächsten Jahrestreffens der Pirckheimer-Gesellschaft.

Die 1937 von Wilhelm Klemm gegründete, gemeinsam mit Rudolf Marx ursprünglich als Taschenbuch herausgegebene „Sammlung Dieterich“ erschien nach Ende des 2. Weltkrieges in der BRD bei Schünemann in Bremen und von Klemm bis zur Verlagsschließung 1955 in Wiesbaden; in der DDR betreute Rudolf Marx die Reihe erfolgreich in der Leipziger Dieterich´schen Verlagsbuchhandlung, bis diese 1977 in den Gustav Kiepenheuer Verlag eingegliedert wurde.

1956 wurde die Sammlung Dieterich der Verlagsbuchhandlung Leipzig, die traditionell angelehnt u.a. von der Graphikerin Renate Schiwek, von Horst Adler und Eberhard Kahle gestaltet wurde, beispielhaft mit den Nummern 109 (Englische Gedichte aus sieben Jahrhunderten), 157 bis 159 (Adalbert Stifter: Gesammelte Erzählungen) und 140 (Nathaniel Hawthorne: Der scharlachrote Buchstabe) im Wettbewerb „Schönste Bücher der DDR“ ausgezeichnet.

Dieser Band aus der Sammlung Dieterich wurde 1981 von Kiepenheuer eindrucksvoll gestaltet innerhalb der „Bibliothek des 18. Jahrhunderts“ neu aufgelegt.

Exlibris des Monats: Susanne Theumer zu Hugo von Hofmannsthal

Susanne Theumer: Exlibris für Ulrike Ladnar, 2012, Radierung, 100 x 115 mm
Hugo von Hofmannsthal hat [... jene] diffus dämmrige und doch erwartungssichere Zeit zwischen Winter und Frühling 1892 in seinem Gedicht Vorfrühling beschrieben, einem meiner Lieblingsgedichte. Er beschreibt darin, wie der Frühlingswind endlich seinen weiten Weg vom Süden, wo schon Akazien blühen, her zu ihm gefunden hat. Zwar sind in dem Gedicht die Alleen, wahrscheinlich die eines am Stadtrand stehenden Schlosses, noch kahl, aber der Frühlingswind bringt Frühlingserfahrungen aller Sinne, -die er auf seinem Weg gesammelt hat, mit: visuelle (Röte), auditive (Flöte), haptische (berührt), olfaktorische (Duft) oder sogar gustatorische (die Lippen). Seltsame Dinge scheinen das zu sein, voller aufgeregter und aufregender emotionaler und erotischer Momente, solche der Liebe, des Geheimnisses, des Genusses, aber auch solche des Leids und des Todes. Und bei vielen assoziiert man den Abend oder die Nacht.

Susanne Theumer hatte für ihre Kaltnadelradierung dieses Gedicht als Vorgabe.[... Sie] ist eine bei Grafik- und Exlibrissammlern schon sehr bekannte Künstlerin, auch Liebhaber illustrierter Bücher schätzen ihre eigenwilligen Arbeiten sehr. Neben vielen anderen Preisen hat sie 2018 den 1. Preis des Exlibris-Wettbewerbs der DEG gewonnen.

(Ulrike Ladnar, gesamter Artikel hier)

Presseverlautbarung

Von einer Neuentwicklung verspricht die Linguasoft AG sich eine starke Aufwärtsentwicklung der Umsatzzahlen. Mit ihrem neuen Softwarepaket für Buchverlage wird ein weiterer Schritt in der Entwicklung „denkender Rechner“ vollzogen. Es bietet den Vorteil der autorunabhängigen Verarbeitung von beliebig großen Wortschatzmengen im Rahmen einer vorzugebenden Anzahl von Strukturprofilen. Ein Strukturprofilprogramm erlaubt es dem Anwender, seine Umfangs-, Inhalts-, Textsorten-, Tendenz- und Stimmungsvorgaben in Form von einfachen Codierungen einzugeben. Der automatische Textgenerator setzt die Befehle in leicht verständliche Texte beliebiger Länge um, die auf Wunsch ausgedruckt oder auf Speichermedien übertragen werden können.
Die Auswirkungen, welche die neue Software auf die Textverarbeitungsindustrie haben wird, werden von Kennern der Branche als sehr weitreichend beurteilt. Die Heftromanhersteller rechnen mit spürbaren Erleichterungen für ihre angespannte Ertragslage. Terminschwierigkeiten und Umsatzeinbußen, wie sie aufgrund von Erkrankungen, Niveauschwund oder Totalausfall auf der Autorenseite periodisch hingenommen werden mußten, sind künftig vermeidbar. Unter Einsatz eines Zufallsgenerators wird es speziell in diesem Bereich künftig möglich sein, sinnvolle und spannende Romantextmengen zu erzeugen, die per „publishing on demand“ unmittelbar als Buch abrufbar sind. Autoren werden eine zeitlang noch in Werkverträgen als Plotprogrammierer beschäftig werden müssen. Ziel ist es, im Plot-Bereich eine Art Sättigungsgrenze zu erreichen, jenseits derer die Produktion redundant würde.

Aus Heftromanherstellerkreisen verlautete, man werde den vorauszusehenden Protesten der Mediengewerkschaften und Autorenverbände mit dem Hinweis auf die zu erwartende Steigerung der Bibliothekstantieme begegnen. Gleichzeitig mit der Umrüstung auf die neuen Programme bemühten sich die Heftromanhersteller verstärkt um die Einrichtung von weiteren Rapid-reading-Kursen vor allem in ländlichen Gebieten, weil hier der Schwerpunkt ihres Umsatzes liege.

Für das kommende Jahr sind als Updates zusätzliche Sortierprogramme zum Wortschatz- und Syntaxbereich angekündigt, die es erlauben werden, die auszuwerfende Textmenge mit dem jeweils gewünschten atmosphärischen Gemüts- und Stimmungsgehalt anzureichern. Auch Effekte der Ironie, der Distanzierung und Verfremdung, wie sie bisher dem künstlerischen Texterzeugungsbereich vorbehalten waren, können von der Software dann erstellt werden, wenn beispielsweise zum Schifffahrtsroman-Plot der dem Heidemilieu zugeordnete Stimmungscode eingegeben wird.

Die Bundessprüfstelle für jugendgefährdende Schriften äußerte in einer ersten Stellungnahme ihre Besorgnis. Sie erwarte ein sprunghaftes Zunahme pornographischer Erzeugnisse. Die sexuellen Teilbereiche der Wortschatzprogramme müssten mit einer Sicherungskennung versehen werden, die geeignet sei, missbräuchliche Benutzung, etwa durch Minderjährige, zu unterbinden.

Die außerparlamentarische Arbeitsgruppe für Sinnproduktion hat mit Zustimmung auf diese Meldungen reagiert. Ein Sprecher erklärte, die neue Produktionsweise entlaste die echten Wortkünstler von außerkunsthaften Aufgabenstellungen. Die realistische Abschilderung von Gegenständen und Ereignissen könne nunmehr den Maschinen überlassen werden. Damit eröffne sich ein weiter Spielraum für freies kreatives Gestalten. Eine ähnliche Entwicklung habe die seinerzeitige Erfindung der Fotografie ausgelöst. Die Malerei sei von den bloßen Abschilderungsaufgaben entlastet worden, und die Fotografie habe sich zu einer eigenständigen Kunstgattung entwickelt. Dieser Verlauf werde durch die neue Software nun auch im Bereich der Wortkunst initiiert.

Kommentar(e) zur Presseverlautbarung