Mittwoch, 5. Juni 2013

Der „Friedhof der vergessenen Bücher“ stirbt

Die Lliberia Cervantes Canuda in Barcelona, Vorbild für Carlos Ruiz Zafóns „Friedhof der vergessenen Bücher“ in seinem Roman „Der Schatten des Windes“, muss aufgeben. In die Räumlichkeiten des historischen Buchladens und Antiquariats wird demnächst eine Niederlassung der Textilkette Mango einziehen.
Die Canuda in Barcelona
Der Grund für die Schließung sind immens gestiegene Mietforderungen des Hauseigentümers, denen Inhaber Santiago Mallafré Gou nicht mehr nachkommen kann. Außerdem treten demnächst neue Mietgesetze in Kraft, die großzügig und recht einseitig die Interessen der Vermieter bedienen.
Die Canuda wurde 1931 von Santiago Mallafré Gous Vater Ramon Mallafré Conill gegründet, sein momentaner Bestand gibt man seitens der Buchhandlung mit ca. 200.000 Titeln an, davon eine große Zahl von Erstausgaben.
Vor einigen Monaten musste aus den gleichen Gründen schon die traditionelle Buchhandlung Llibreria Catalonia an der Plaça Catalunya schließen, dort wird nun eine weitere McDonald-Laden eröffnet.
(buchmarkt.de )

Literaturfest Meißen abgesagt

Aufgrund der Hochwasserlage in Meißen und in ganz Sachsen wird das Literaturfest Meißen 2013 nicht stattfinden.
Schätzungsweise rund die Hälfte der Leseorte des Literaturfestes werden unmittelbar vom Hochwasser der Elbe betroffen sein. Damit sich alle Ressourcen in der Stadt jetzt erst einmal auf die Bekämpfung des Hochwassers konzentrieren können, haben die Veranstalter das gesamte Lesefest abgesagt.

Einige Partner hätten allerdings entschieden, eigenständig organisierten Lesungen dennoch durchzuführen. Die Organisatoren werden auf literaturfest-meissen.de und auf dem Facebook-Auftritt über diese Lesungen informieren.

Böhmen am Meer

 
Die Ausstellungseröffnung von Regina Franke und Sylvia Graupner musste vergangenen Sonntag wegen Katastrophengefahr kurzfristig abgesagt werden und fiel ins Hochwasser. Neuer Termin der Vernissage ist der kommenden Sonntag, den 9.Juni um 11 Uhr.

Ausstellung: 8. Juni bis 21. Juki 2013

Galerie am Domhof
Domhof 2
08056 Zwickau

Dank nach Schriesheim

Von einem Nichtmitglied aus Schriesheim erhielt die Pirckheimer-Gesellschaft eine anonyme Spende. Wir sagen Danke!

Dienstag, 4. Juni 2013

Die Kollegen sind am Boden zerstört

Die Pirckheimer-Gesellschaft beabsichtigte zum Jahrestreffen unter anderem den Besuch der Orangerie und des Otto-Dix-Hauses in Gera, sowie des Sommerpalais in Greiz. Das ist der Flut zum Opfer gefallen.

"... Seit dem Wochenende ist der komplette Park vom Hochwasser der Weißen Elster geflutet und auch im Gartensaal des Palais, im Küchenhaus und in der Orangerie steht das Wasser. „Es ist eine Katastrophe", beschreibt Stiftungssprecherin Dr. Susanne Rott den Zustand in Greiz. „Die Kollegen, unser Parkgärtner Christian Lenz mit seinem Team und Schlossverwalterin Pia Büttner, sind am Boden zerstört." Wo es möglich war, wurden Ausstellung und Mobiliar ausgeräumt und die Kübelpflanzen in die Parkgärtnerei geschafft. „Wir versuchen, Vorsorge zu treffen. Eine Bestandsaufnahme ist aber erst möglich, wenn das Wasser abgepumpt ist, wenn die Räume entfeuchtet werden konnten und die Wege vom Schlamm befreit sind", erläutert Susanne Rott. ... Schon jetzt aber sei absehbar, dass an dem als national bedeutsam eingestuften Denkmalensemble mit Schäden im sechsstelligen Bereich gerechnet werden muss. Während die Vogtlandhalle in der Schloss- und Residenzstadt Greiz ebenfalls geflutet ist, bezeichnete gestern Nachmittag Museumschef Rainer Koch die Lage am Unteren Schloss in Greiz als „noch entspannt". Obwohl er selbst aufgrund des Hochwassers noch nicht im Museum eingetroffen war und die Informationen per Handy einholen musste, geht er davon aus, dass die Ausstellung „Non Finito" mit Werken von Horst Sakulowski planmäßig am Samstag eröffnet werden kann.
Die Orangerie in Gera vor der Flut - Foto: © Stadtverwaltung
Für Besucher geschlossen sind seit Sonntag die Museen im Geraer Stadtteil Untermhaus, der gestern zum Teil evakuiert werden musste. ... Unermüdlich im Einsatz, um ihre Kunstschätze vor dem Hochwasser zu retten, waren am Sonntag und gestern auch Mitarbeiter und Helfer am Otto-Dix-Haus und der Orangerie in Gera. „Wir haben sämtliche Dix-Werke aus dem Erdgeschoss nach oben ins Depot gebracht und auch den Nord- und Südflügel der Orangerie von den Ausstellungsobjekten beräumt", sagte gestern Astrid Lindinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kunstsammlung Gera. Die Gebäude wurden mit Sandsäcken gesichert. ..."
(Sabine Wagner und Angelika Bohn, Ostthüringischen Zeitung)

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Montag, 3. Juni 2013

... unser Jahrestreffen in Gefahr?

2. Juni 2013: Gera löst Katastrophenalarm aus / Greiz ist zehn Zentimeter von Rekordhoch entfernt
 
Focus online: "... Wegen des unaufhaltsam steigenden Wassers der Weißen Elster hat nun auch Gera ... Katastrophenalarm ausgelöst. Der Wasserspiegel steige dramatisch, so dass in einigen Stadtteilen Evakuierungen nötig werden könnten, sagte eine Sprecherin am Sonntagabend. .... Bedroht ist auch der Stadtteil Untermhaus, wo das Geburtshaus des Malers Otto Dix steht. Dort ist die Kunstsammlung der Stadt beheimatet. ..."
Die Welt online: "... Im thüringischen Greiz stieg der Wasserstand der Weißen Elster am späten Abend stetig weiter ... Beim Krisenstab war von 5,40 Metern die Rede, nur 10 Zentimeter unter dem Rekordhoch von 1954. ... Ob die betroffenen Stadtteile evakuiert werden müssen, ist noch unklar. Am Nachmittag hatte der Krisenstab des Landratsamtes mitgeteilt, dass ab einem Wasserstand von 5 Metern eine Überflutung der Greizer Neustadt nicht mehr verhindert werden könne. ... "

Hoffen wir, natürlich in erster Linie für die von der drohenden Katastrophe direkt Betroffenen, dass die Fluten nicht unser Jahrestreffen gefährden.

3. Juni 2013, 11:00: Die Anfahrt zum Tagungshotel in Gera ist möglich, das Hotel wird für uns zur Verfügung stehen und die Versorgung ist gesichert. Dass die Führungen wie geplant stattfinden können, ist jedoch unwahrscheinlich und kann noch nicht beantwortet werden. Zumindest die Orangerie steht im Erdgeschoß unter Wasser und auch das Otto-Dix-Haus ist stark gefährdet.
In Greiz ist das Sommerpalais und der Park geflutet, das Obere und das Untere Schloss ist zwar derzeit zugänglich und auch der Catering-Service kann liefern, ob aber die Ausstellungseröffnung Sakulowski stattfinden wird, ist noch fraglich. Es gibt nur noch eine Zufahrt nach Greiz und es ist nicht ausgeschlossen, dass auch diese Brücke gesperrt wird.
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3. Juni 2013, 19:00: Die Stadtinformation Gera hat infolge der Unpassierbarkeit durch Überflutung alle Führungen abgesagt. Da in Greiz ebenfalls nicht gewährleistet werden kann, dass wir zum Oberen oder Unteren Schloss, den einzigen nicht überfluteten Zielen unserer geplanten Veranstaltungen kommen, hat der Vorstand beschlossen, dass wir das Jahrestreffen nur am Freitag, den 7. Juni durchzuführen und am Sonnabend, den 8. Juni vormittags nach einem gemeinsamen Frühstück die Heimreise anzutreten. Es können nur die Programmpunkte Ateliergespräch mit Gerda Lepke, sowie im Tagungshotel die Mitgliederversammlung, das Festessen und die Auktion durchgeführt werden. Näheres morgen Vormittag, nachdem letzte Details mit dem Hotel geklärt werden konnten.
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4. Juni 2013, 16:00: Soeben wurde die Absage der Veranstaltungen in Greiz zurückgenommen, so dass diese, mit Ausnahme der Führungen im Sommerpalais, jetzt doch wie geplant durchgeführt werden können. Die Jahrestagung findet somit mit den Abstrichen des Rahmenprogramms in Gera wie geplant vom 7. - 9. Juni statt.
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Anarchismus/Terror und Literatur um 1900

Im Rahmen meiner Dissertation (Deutsche Phil. / Geschichtswiss.) zum Thema "Kriminalität, Devianz und öffentliche Sicherheit im aufkommenden Diskurs populärer (Bild-)Medien Deutschlands, Frankreichs und Grpßbritanniens um 1900" recherchiere ich seit ca. anderthalb Jahren verschiedenste literarische Verarbeitungen (Lyrik, Drama, v.a. aber Prosa - i.e. Romane, Novellen usw.) zum Phänomen der (anarchistischen) Attentate der Jahrhundertwende (z.B. an Wilhelm I. / Bismarck), die sich quer durch Europa zogen.
Während ich bei der Suche nach englisch- wie auch französischsprachiger Belletristik eine stattliche Zahl an Adaptionen dieses Sujets ermitteln konnte, blieb meine Suche für den deutschen Fall weitgehend erfolglos.
Zwar finden sich unmittelbar aus dem (intellektuellen) anarchistischen Milieu entspringende Werke (Landauer, Mühsam, Mackay) - aber eben kaum Werke (und seien es Kolportageromane o.ä.), die den Anarchismus – also das anarchistische Milieu, den Zusammenhang von Metropolen (Berlin, Paris, London) und Radikalismus, insbesondere aber die - als ‚Dynamiteure’ verschrienen - anarchistischen Attentäter zwischen 1870 und 1918 (Hödel, Most, Nobiling, Reinsdorf usw.) explizit zum Thema haben – und darin eine populäre Repräsentation des Kriminellen zeichnen.
Ich kenne bislang lediglich ein, zwei Kolportageromane (Theo v. Blankensee "Anarchisten" sowie Paul Gottschalk "Der Anarchist"), wenige Schwänke bzw. Humoresken sowie die Anklänge im Werk Heinrich Manns.
Das Thema des "Anarchismus" im Allgemeinen (womöglich karikiert als "Geheimbündlerei", "Nihilismus", "organisiertes Verbrechen" o.ä.) bzw. der Attentate der sog. "Propaganda der Tat" im Speziellen, müsste indes gerade im Kaiserreich (angesichts von Kulturkampf und Sozialistengesetzen) bei viel mehr Autoren, zumindest in Anklängen, thematisiert worden sein. Gibt es z.B. Werke aus naturalistischer Feder bzw. des Friedrichshagener Dichterkreises, die Ihnen hierzu einfallen?
Schon im Vorfeld möchte ich Ihnen für Ihre Zeit ganz herzlich danken und verbleibe
mit den besten Grüßen aus Köln
Michael Homberg, M.A.

Sonntag, 2. Juni 2013

NON FINITO - Horst Sakulowski

Horst Sakulowski begeht am 28. August 2013 seinen siebzigsten Geburtstag. Die Teilnehmer unseres diesjährigen Jahrestreffens werden einer feierlichen Eröffnung der Ausstellung aus diesem Anlaß in Greiz in der Stadtkirche St. Marien am Unteren Schloss werden beiwohnen.
"UNVOLLENDET" ist der vieldeutige Ausstellungstitel, der die Bedeutung des künstlerischen Schaffens im persönlichen sowie sozialen Kontext und eine ständige Auseinandersetzung mit den vielschichtigen Facetten des Lebens betont.
Als Non-finito werden in der Bildenden Kunst einerseits äußerlich unvollendete Skulpturen und Plastiken bezeichnet. Andererseits wird diese Bezeichnung für Handzeichnungen verwendet, die durch die zeichnerische Komponente der Linienführung einer gewissen Abstraktion bedürfen.
Der Betrachter vollendet durch seine Wahrnehmung das Gesehene und wird somit aktiver Bestandteil des Kunsterlebnisses.
Horst Sakulowski lässt in seinen Werken dem Rezipienten viel Platz, diese mit eigenen Gefühlen, Gedanken, Bezügen und Interpretationen zu beleben.

Ausstellung: 8. Juni bis 8. September 2013

Oberes Schloss und Unteres Schloss Greiz

Samstag, 1. Juni 2013

Herzlichen Glückwunsch zum 75.

Wir alle haben die ausführlichen Vorträge unseres Mitglieds Dr. Fritz Jüttner kennen und schätzen gelernt, die er zu seinem umfangreichen Sammelgebiet Deutsche Literatur des 18. bis 20. Jh. in EA und anderen bemerkenswerten Ausgaben zu Pirckheimer-Abenden und bei der traditionellen Vorstellung von Neuerwerbungen am Jahresende vortrug. Man weiss, es wird etwas ausführlicher, aber es lohnt immer wieder, den Ausführungen zu folgen.
Hiermit gratulieren wir unserem langlährigen Mitglied, welcher auch schon im Vorstand unserer Gesellschaft arbeitete, recht herzlich zu seinem heutigen Geburtstag und wünschen weiterhin viel Freude in unseren Reihen mit Klopstock, Reineke Fuchs, Hölderlin, Wilhelm Meister und all seinen anderen Freunden.

Hans Hillmann im Gespräch

twen, Frankfurter Allgemeine Magazin, Capital, Fliegenpapier, ABC-Geschichten… Sein Zeichnen, gestern wie heute, durchdringt Zeit und Raum – imaginär, spektakulär, überraschend. Illustration des Illustren. Unvergessen. Unerschöpflich. Moderation: Dr. Stefan Soltek.
 
Freitag, 7. Juni 2013, 14 Uhr
Eintritt: 2,50 €, Mtgl. 1,50 €

Freitag, 31. Mai 2013

Georg Barber - Arbeiten für das Magazin

Am 30. Mai 2013 fand in der Frankfurter Galerie B die Ausstellungeseröffnung "Atak - Zeitzeichner-Arbeiten für das MAGAZIN" statt. Die Laudatio hielt sein Kollege Franz Zaulek. Ralf Parkner schickte einige Fotos von der Vernissage, die durch Klick auf das untenstehende Foto betrachtet werden können.
Atak, mit bürgerlichem Namen Georg Barber, wurde 1967 in Frankfurt/Oder geboren. Den Namen „ATAK“, der in mancher Sprache für „Attacke“ steht, legte Georg Barber sich in Zeiten zu, in denen er noch Punk war. Zunächst absolvierte er eine Lehre als Schrift- und Grafikmaler, später studierte Georg Barber Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Künste in Berlin.
Er arbeitete als Gastdozent für Illustration an der Universität der Künste Berlin und als Dozent für Zeichnen und Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Seit 2006 ist er Professor für Illustration an der Burg Giebichenstein, der Hochschule für Kunst und Design Halle.
Georg Barber arbeitet aber weiterhin auch als freiberuflicher Künstler, Illustrator und Grafiker. Er lebt abwechselnd in Berlin und Stockholm.
klick für Fotos © Ralf ParknerBetrachtet man die Veröffentlichungen von Atak, ist man über die Vielfalt der Publikations- und Bilderzählungsformen überrascht. Denn Atak durchstöbert mit Vorliebe die Bildersammelsurien des Comics, der Pop-Art und Massenkultur und schöpft daraus seine Inspirationen und Zitate, in Form von Collage, Demontage, Montage oder Persiflage.
2002 übernahm ATAK die »Zeitzeichner«-Kolumne im MAGAZIN, er stellt Illustratoren, Comic- und Streetart-Künstler vor – und malt exklusiv Porträts von ihnen.
 
Ausstellung: 30.05. - 20.06.2013

Frankfurter Kunstverein e.V. und Galerie B
Lindenstrasse 4
15230 Frankfurt (Oder)

Donnerstag, 30. Mai 2013

Leo Baeck Institute stellt den AUFBAU online

Alle Ausgaben der deutschen-jüdischen Emigrantenzeitung sind ab sofort wieder komplett im Internet einzusehen

Titelblatt der ersten Ausgabe.
Repro: Leo Baeck Institute NY
Nachdem die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) vor einem Jahr in einer Nacht- und Nebelaktion die digitalisierten Bestände der Sammlungen „Jüdische Periodika in NS-Deutschland“ und „Exilpresse“ vom Netz genommen hatte – darunter auch die Emigrantenzeitung AUFBAU – steht zumindest diese wichtige und einzigartige Quelle der historischen Forschung nun endlich wieder zur Verfügung.
Rückblick: 1998 startete die DNB ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit Steuergeldern finanziertes Projekt und digitalisierte jüdische Blätter, die während des Nationalsozialismus verlegt wurden sowie etwa 30 Emigrantenzeitungen der Jahrgänge 1933-1945. Seit 2004 konnten die Publikationen auf den Internetseiten der DNB kostenlos eingesehen werden. Im Juni 2012 sah die Deutsche Nationalbibliothek plötzlich rechtliche Bedenken und schaltete das Onlineangebot ab – ohne Kommentar. Heftigen Protesten von Historikern, Bibliothekaren, Archivaren und Journalisten begegnete die DNB lapidar mit dem Hinweis auf das Urheberrecht ...

(Jim G. Tobias auf haGalil)
 

Karl-Georg Hirsch und Andreas Brylka

Faszination Holzstich und Buchillustration
 
Ausstellung aus Anlass des 75. Geburtstages des Leipziger Künstlers und Grafikers Karl-Georg Hirsch.

A. Brylka Holzstich zu Th. Mann
Der Kleiderschrank 1991 © Künstler
Zwei Künstler - eine grafische Technik: mit Werken von Karl-Georg Hirsch und Andreas Brylka aus fünf Jahrzehnten zeigt die Ausstellung im Museum für Druckkunst erstmals zwei der wichtigsten deutschen Buchillustratoren in einer gemeinsamen Schau. Die im heutigen Polen geborenen Künstler studierten knapp zeitversetzt an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und arbeiten später in Hamburg (Brylka) und Leipzig (Hirsch) freischaffend als Illustratoren u.a. für verschiedene Verlage. Dabei nutzen beide vornehmlich die heute nur noch selten verwendete Technik des Holzstichs, um Texten der Weltliteratur eine visuelle Dimension zu verleihen. Die Ausstellung lädt ein zu einer eindrucksvollen visuellen Reise in zwei Positionen der analogen Illustrationskunst der letzten 50 Jahre.
Der Ende des 18. Jahrhunderts in England aufkommende Holzstich entwickelte sich im 19. Jahrhundert zum vorherrschenden Illustrationsverfahren für Bücher und Zeitungen. Seit dem 20. Jahrhundert widmen sich dem Holzstich hauptsächlich Künstler. Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten von Hirsch und Brylka ermöglichen einen Einblick in die vielfältigen Ausdrucksformen dieser filigranen Bildtechnik, die auch in der museumseigenen „Holzstichwerkstatt“ nachvollzogen werden kann.
K.-G. Hirsch handkolorierter Holzstich zu J. P. Hebel Kannitverstan 1989 © Künstler
Alle ausgestellten Werke von Karl-Georg Hirsch entstammen der Sammlung Dr. Peter Labuhn.
Karl-Georg Hirsch (geb. 1938 in Breslau) studierte von 1960 bis 1965 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Diplom bei Gerhard Kurt Müller), wo er seit 1976 als Dozent und von 1989 bis 2003 als Professor wirkte. Seit 1967 freischaffend tätig als Illustrator und Grafiker für renommierte Verlage wie Aufbau-Verlag Berlin und Insel Verlag Leipzig (heute Berlin). Auszeichnung mit zahlreichen Preisen, u.a. Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig 2011. Über 100 Einze- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. Lebt und arbeitet in Leipzig und Dölitzsch-Narsdorf.
Andreas Brylka (geb. 1931 in Myslowitz) studierte von 1952 bis 1957 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Egon Pruggmayer. 1959 übersiedelte er nach Hamburg und arbeitete freischaffend als Illustrator und Buchgestalter für zahlreiche Verlage, u.a. C.H. Beck München, Insel Verlag Frankfurt/Main (heute Berlin) und Christians Verlag Hamburg. 1972 gründete er mit der Edition AB einen Eigenverlag. Mehrere Preise erhielt er für Buchgestaltungen, u.a. im Wettbewerb „Schönste Bücher“. Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland. Lebt und arbeitet in Hamburg.
 
Eröffnung am 7. Juni 2013, 18 Uhr, in Anwesenheit beider Künstler
Ausstellung vom 9. Juni bis 25. August 2013
 
Museum für Druckkunst Leipzig
Nonnenstraße 38 . 04229 Leipzig

Mittwoch, 29. Mai 2013

Zwei deutsche Soldaten unterstützten den jüdischen Widerstand in Holland

Werner Klemke (1917-1994)             Johannes Gerhardt (1910-1944)
Vielen Mitgliedern ist Werner Klemke kein Unbekannter – nicht zuletzt als Mitbegründer der Gesellschaft und Schöpfer des bekannten Signets mit dem Porträt unseres Namensgebers.
Hier soll eine phantastische Geschichte erzählt werden von der aktiven Mitarbeit zweier deutscher Wehrmachtsoldaten im holländischen Widerstand (W.K. war von 1942 bis 1945 in Holland stationiert). Mit der Entdeckung des Archivs der Jüdischen Gemeinde von Bussum (20 km östlich von Amsterdam) durch eine ortsansässige Dokumentarfilmerin, Annet Betsalel, konnte anhand von Dokumenten die Unterstützung belegt werden, die Klemke und sein Wehrmachtskamerad Johannes Gerhardt durch das Fälschen von Papieren (Abstammungsunterlagen, Lebensmittelkarten) vielen von der Deportation bedrohten Menschen leisteten. Die Enkelin eines der Geretteten spricht von etwa 80 Personen, die diesem „Netzwerk“, von dem Klemke und Gerhardt ein Teil waren, ihr Leben verdankten. Sensationell, nicht wahr?!
Es gibt inzwischen eine Website mit Informationen zu diesem Filmprojekt; auch ein kurzer Filmtrailer ist dort zu sehen. Eine holländische Zeitung hat bereits mit einem großen zweiseitigen Artikel (mit vielen Fotos) über das Projekt berichtet; darauf meldete sich ein Augenzeuge bei Frau Betsalel, der Klemke in Holland noch persönlich kennengelernt hat. Die spannende Geschichte ist noch nicht zu Ende. Frau Betsalel hat bisher das gesamte Projekt aus eigener Tasche finanziert; die Fertigstellung des Films soll über ein sog. „Crowdfunding“ (Schwarmfinanzierung) erfolgen. Auch der kleinste Betrag hilft. Und wer kein Internet hat, oder wer gern eine Spendenbescheinigung erhalten möchte, kann seinen Beitrag auch an unsere Gesellschaft überweisen: Pirckheimer-Ges., Kto. 649814106, Postbank Berlin (BLZ 100 100 10), Verwendungszweck „Treffpunkt Erasmus“. Die Pirckheimer-Gesellschaft, die dieses Projekt selbstverständlich unterstützt, wird das dann auch mit diesen Spenden tun.

(Matthias Haberzettl)

Treffpunkt Erasmus auf facebook
siehe auch Der gestrichelte Kater

Fontane und Benjamin

Kindheit in Berlin und Brandenburg
 
Eine Ausstellung im Märkisches Museum wirft einen speziellen, literarischen Blick auf die Zeit zwischen 1830 und 1900 und durchstreift dabei mit Theodor Fontane (1819–1898) und Walter Benjamin (1892–1940) Berlin und das Umland. Auch wenn sich ihre Lebenswege nicht kreuzten, lassen sich anhand ausgewählter Beschreibungen erstaunliche Parallelen entdecken.
 
„Ich flaniere gern in den Berliner Straßen, meist ohne Ziel und Zweck, wie's das richtige Flanieren verlangt.“
[Theodor Fontane]
 
„Sich in einer Stadt zurechtfinden heißt nicht viel. In einer Stadt sich aber zu verirren, wie man in einem Walde sich verirrt, braucht Schulung.“
[Walter Benjamin]
 
Achtzehn Stationen stellen im Märkischen Museum einen thematischen Bezug zu den beiden Literaten her. Im Abstand von siebzig Jahren haben diese großen Schriftsteller dieselben Orte aufgesucht. So gelingt ein fiktiver Dialog und inhaltlicher Diskurs über Kindheitserinnerungen in Berlin und Brandenburg. Das Stadtmuseum Berlin folgt ihnen an diese Orte: Von der Pfaueninsel über die Rousseau-Insel im Tiergarten bis zum Kaiserpanorama, das sich ursprünglich Unter den Linden befand. Der Zauber steckt immer im Detail und so geben sich am Fangespiel aus Fontanes Besitz die Gebrauchsspuren gut zu erkennen und Benjamins Faszination an Mondscheinkarten „leuchtet“ wirklich ein. Ein kostenloser Audioguide mit Originaltexten lässt die individuellen Gedanken der großen Dichter nachempfinden.
 
Ausstellung: 16.06.2013 – 15.09.2013
 
Märkisches Museum | Stadtmuseum Berlin
Am Köllnischen Park 5
10179 Berlin

Dienstag, 28. Mai 2013

Die imaginäre Bibliothek

Seit dem 24. Mai 2013 zeigt das Gutenberg-Museum Mainz eine Sonderausstellung mit Gemälden von Hannes Möller

Solitaire X, © Hannes Möller
Der Künstler (geb. 1954) stellt in seinen Werken die Einzigartigkeit der Bücher in den Mittelpunkt: ihre äußere Erscheinung, ihre Vielgestaltigkeit, die sichtbaren Spuren ihrer Geschichte – nicht ihre literarische Qualität oder ihr wissenschaftlicher Anspruch. Natürlich fand der Künstler auch im Gutenberg-Museum wertvolle und vor allem einzigartige Inkunabeln. Ihre Autoren und Drucker, ihre Themen und Geschichten, ihre Materialität und die Spuren ihrer Vergänglichkeit machen das Besondere aus. Diese Bände stehen im Mittelpunkt der Ausstellung im Gutenberg-Museum „Die imaginäre Bibliothek“, als gemalte Objekte ebenso wie in natura zur Erläuterung der physischen Spuren ihrer individuellen Vergangenheit. Der in Karben bei Frankfurt lebende Künstler Hannes Möller löst die einzelnen Bände aus ihrer Umgebung wie beispielsweise den Buchreihen eines Archivs und lässt sie in gemalten, teilweise überdimensionalen Formaten zu „Solitairen“ werden, wie er seine Arbeiten selbst nennt. Die gemalten Bücher, die in der Sonderausstellung des Gutenberg-Museums gezeigt werden, hat er in Bibliotheken und Archiven in Deutschland, England, Frankreich und der Schweiz gefunden.

Ausstellung: 24.05.-18.08.2013
Liebfrauenplatz 5
55116 Mainz

Telefon 0 61 31 / 12 26 40

Montag, 27. Mai 2013

In Bayern regt sich was

Matthias Haberzettl
Sanfte Regungen sind in den Kreisen der bayerischen Pirckheimer zu verzeichnen. Mitte April wurden alle Mitglieder mit bayrischer Adresse angeschrieben. Und ein überraschen hoher Anteil der Angesprochenen antwortete brieflich, übers Internet oder telefonisch. Man vereinbarte ein erstes Treffen, um sich kennen zu lernen. Allerdings lag, und das ergab sich erst allmählich, der Termin etwas ungünstig in den Pfingstferien. So waren es denn sechs Teilnehmer, die sich in Matthias Haberzettls Wintergarten in Augsburg versammelten. Und es ergab sich ein unterhaltsamer Nachmittag, der dem gegenseitigen Kennenlernen diente - und dem Pläneschmieden für künftige Aktivitäten. Dazu soll ausführlicher in den „Marginalien“ berichtet werden. Der Pirckheimer Peter J. Moosbrugger, Inhaber der Pegasus Presse in Königsbrunn (Nahe Augsburg), stellte im weiteren Verlauf einige Kostbarkeiten aus seiner Produktion vor. Die Anerkennung der Anwesenden war ihm gewiss. Hoch diffizile illustrierte Werke mit bibliophilem Anspruch sind in seiner Presse entstanden und werden hoffentlich noch weiter entstehen. Dann präsentierte der Hausherr Teile seiner umfangreichen Sammlung mit dem großen Schwerpunkt „Werner Klemke“. Aber auch das illustrierte DDR-Buch- und -Grafikschaffen (z.B. aus dem Verlag Karl Quarch, früher in Leipzig) hat bei ihm ein Domizil. Ein überaus gelungener Nachmittag, der Appetit macht auf die Fortsetzungen, die sich bereits viel versprechend abzeichnen.
(Ernst Reif)

Samstag, 25. Mai 2013

Alt-Wiener Zauber-, Spott- und Rühr-Spektakel

Der Berliner Antiquar Rainer Theobald, den Lesern von "Aus dem Antiquariat" durch die unter Pseudonym erschienene Satire "Der Bananenkarton als Grundlage des Antiquariatsbuchhandels. Eine volkswirtschaftliche Studie" (AdA 4/1994) bekannt, beschenkte sich zu seinen 70. Geburtstag mit einer Publikation über seine Sammlung älterer Theatergeschichte Europas, als deren bedeutsamster privater Sammler Europas er sich bezeichnen darf.
Der Titel, bestens illustriert mit 34 meist farbige Abbildungen, erschien in einer Auflage von 200 nummerierten Exemplaren. Es enthält neben einer Betrachtung über Theatergeschichte als Sammelgebiet eine Bibliographie der Dokumente seiner Theatersammlung zu Raimund, Nestroy und Carl und ist verbunden mit dem Abdruck bisher unbekannte Briefe von und an Adolf Bäuerle, Carl Carl und Moritz G. Saphir.
Ab sofort zum Nachschlagen und als bibliophiles Kleinod in der Handbibliothek. 
 
Alt-Wiener Zauber-, Spott- und Rühr-Spektakel. Dokumente zu Raimund, Nestroy und Carl in der Theatersammlung Rainer Theobald. Ein Bestandsverzeichnis.
Berlin 2013, 95 S., gebunden, 39,80 Euro
ISBN 978-3-00-041858-7
 
Friedrich Hirsefelder - "Der Bananenkarton als Grundlage des Antiquariatsbuchhandels" (Onlinefassung)

Freitag, 24. Mai 2013

Über allen Zipfeln ist Ruh`

Karikaturren von Nel im Gartensaal

Die Ausstellung aus Anlass des 60. Geburtstages des Künstlers zeigt einen Querschnitt durch sein Schaffen. Seit Jahren ist er immer wieder mit Arbeiten bei Ausstellungen im Sommerpalais vertreten und bei den Ausstellungsbesuchern sehr beliebt. Es werden sowohl Blätter aus der Sammlung des Satiricum als auch neuere Arbeiten des Künstlers im Gartensaal präsentiert. Nel (Ioan Cozacu) wurde 1953 in Cluj (Klausenburg/Rumänien) geboren. Er lebt und arbeitet in Erfurt. Von 1973 bis 1978 studierte er an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle Burg Giebichenstein. Seit 1984 ist er als freischaffender Cartoonist und Buchillustrator für verschiedene Verlage tätig. Mitarbeit an verschiedenen Zeitungen und Magazinen wie beispielsweise TLZ-Weimar, WAZ-Essen, Eulenspiegel, taz, focus. Nel hat unzählige Auszeichnungen erhalten. Zuletzt gewann er den Deutschen Karikaturenpreis 2011.
 
Ausstellung: 25. Mai bis 4. August 2013

è Sommerpalais Greiz
Greizer Park Postfach 1146, 07961 Greiz
Tel. (0 36 61) 70 58-0 Fax (0 36 61) 70 58-25
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E-Mail

Mol was anneres

Also neilich hodd än Lautremer (Kaiserslauterer, sic!) Ornithologe feschdgschtellt, daß aa unser Vöggel ihrn eigene Dialekt zwitschern, unn daß die pälzische viel schäner singen wie zum Beischpiel die ausm Schwarzwald odder in dä Alpe. Ich habs jo schun immer gewißt.
Wie schä des Pälzische widderum aus Menschemund klingt, zwitschert Ihne am neggschde Dienschdag de Billy Hutter. In (vorder-)pälzischer Geheimsprooch erscheint jetzt soi Buch ›Doppelkopp odder de Verräter vun Speyer‹, was die Buchkultur-Initiativ gern unnerstitzt hodd. Nadierlich is des kä normales Dialektbuch, wie mer sich denke kann, bei denne Beteiligte. Es is die Gschicht vun dem Speyerer Rumtreiwer Schorsch Dasch. Der hodd des verrickte ›Unternehmen Pastorius‹ vun de Nazis mitgemacht, wo ä handvoll agelernte Hilfsagente Amerika mit zwee U-Boote hedden agreife solle. De Schorsch wollt des eigentlich gar ned unn hodd des ganze dem FBI verroode. Zum Dank hodd er ä paar Johr ameriganisches Milidärstroflager kriggt unn is dann abgschowe worre. Des geheime Milidärtribunal, wo denn Schorsch unn die annere abgeurteilt hodd, is schun domols fer nedd verfassungsmäsisch ghalte worre. In Guantanamo hänn se des dann trotzdem widder genauso gemacht. De arme Schorsch is dann dehääm in Adenauer-Deitschland bloß de Verräter vun Speyer gewest, unn es ism gar nedd gut gange. In soine alte Daag hodd er in Ludwigshafe bei soine Schwester gewohnt unn owends im ›Contra‹ mit ä paar junge Kerl als Doppelkopp gspielt. Dodebei hodd er ab unn zu unn nur brockeweis vun soim Lewe verzählt. De Billy Hutter, äner vun dere ›Contra-Bande‹ hodd se jetzt uffgschriwwe, genauso durchenanner unn verschwurbelt wies de Schorsch domols gemacht hodd. Zu dem schäne Büchel gebts aa noch ä Hörbuch, unn des ganze werd als Performance präsendiert im Ludwigshafener Stadtmuseum. Herzlichi Oiladung.
(Marita Hoffmann)
 
Buchvorstellung und Performance
›Doppelkopp odder de Verräter vun Speyer‹
von und mit Billy Hutter
Dienstag, 28. Mai 2013, 19 Uhr
Stadtmuseum Ludwigshafen im Rathaus-Center

è Initiative Buchkultur: Das Buch e.V.