Sonntag, 2. Juni 2024

Liebe zum Stein

Reproduktion in der Technik des Digitaldruckes bei. Hans Ulrich in seiner Werkstatt.
Die ausgestellten Werke, die der Esslinger Steindruckmeister Hans Ulrich für seine Künstler in den verschiedensten Techniken der Lithographie gedruckt hat, zeugen von handwerklichem Können und der Leidenschaft, ja der Liebe zum Stein. 

Eine Besonderheit seiner Werkstatt ist die Edition Ulrich: „Der Druck dekorativer Graphik von historischen Druck-formen aus dem Solnhofener Plattenkalk. Die Motive, zumeist aus dem 19. Jahrhundert, werden von denselben Lithographiesteinen abgezogen wie die Originale." Jeder Abzug wird nach dem Druck handkoloriert. 

Zu unserem Museumsgespräch am Samstag, dem 22. Juni 2024, um 14.00 Uhr laden wir herzlich ein. Martin Geske wird sich mit Hans Ulrich unterhalten. 

Unsere Vorzugsgraphik: Edition Ulrich, „DIE ROSE", Kreidelithographie erschienen bei J.F. Schreiber, 1836. Handpressendruck vom historischen Original-Lithographiestein, keine Reproduktion! Jeder Abzug wird nach dem Druck handkoloriert. Auflage für diese Ausstellung: 10 Exemplare. Bildmotiv: 33,5 x 23,5 cm, Blattgröße: 42 x 32 cm. Vorzugspreis: 110 €.

(Christian und Bärbel Müller) 

Ausstellung: 1. Juni - 3. August 2024

Kunsthaus Müller

è Kunsthaus Müller & Galerie für zeitgenössische Kunst
Markt 6, 07343 Wurzbach/Thüringen

Samstag, 1. Juni 2024

Hamburger Bothe #22

Hamburger Bothe #22 aufrufen durch Klick auf das Bild
In der vorherige Ausgabe gab es einem Beitrag des „Pirckheimers“ Paul Hennig aus Ottobrunn über seine großartigen Sammlungsbestände bestritten, nunmehr folgt der abschließenden Text. Darin geht es um eine ganz außerordentliche Kollektion zur Kunst der früheren DDR, wobei namentlich die damals eher „abtrünnigen“ Maler im Mittelpunkt stehen. .... 
Der Maler und Zeichner Rainer Ehrt aus Kleinmachnow, den wir für die Nr. 21 als Rezensen ten gewinnen konnten, ergreift diesmal in eige ner Sache das Wort und weist auf sein neuestes Künstlerbuch mit dem Titel „Kafka: Ich“ hin. Darin geht es ihm auch um den „abgründigen Humor“, der „nur Kafka eigen war“, wie Ehrt betont. 
(Peter Engel, aus dem Editorial, weite4rlesen durch Klick auf die Abb.=

Bibliophiles des Monats: „Engel der Geschichte“ von HAP Grieshaber

Mit Blick auf den Jahrestag des Deutschen Bauernkrieges - die erste „Erhebung“ fand vor 500 Jahren am 23. Juni 1524 in Wutachtal bei Stühlingen statt - ist das Bibliophiles Monat Juni (gleichzeitig bibliophile Empfehlung des Hamburger Bothen) die Nummer 22 der Heftreihe „Engel der Geschichte“, welches vor 50 Jahren aus Anlass des 450. Jahrestages des Deutschen Bauernkrieges erschien.
„Engel der Geschichte“ ist eine von HAP Grieshaber (1909 – 1991) herausgegebene Künstler-Zeitschrift mit Original-Graphiken, von der in den Jahren 1964 bis 1981 dreiundzwanzig Ausgaben erschienen. Der Titel bezieht sich direkt auf Walter Benjamins Texte, der schon 1921 plante, eine Zeitschrift mit streitbaren philosophischen und literarischen Texten unter dem Titel „Angelus Novus“ herauszugeben.

Die Werke von HAP Grieshaber, der sich u.a. auch für den Brückenschlag zwischen den beiden deutschen Staaten DDR und BRD einsetzte, gehörte schon immer auch bei Pirckheimern und anderen Bibliophilen zu den gesammelten Künstlern. 1973 konnte diese Gesellschaft das Epitaph für Allende: "Denn du wirst Grab der Freien sein oder Asyl vor Knechtschaft" als Jahresgabe ausreichen (das Blatt wurde im Juli 2023 als Bibliophiles des Monats vorgestellt) und selbst den Marginalien lag eine Grafik des Künstlers bei. Der Mentor der Bücherkinder Brandenburg Armin Schubert führte zum 90. Geburtstag von HAP Grieshaber die Reihe mit dem Projekt „Engel der Geschichte - ein Jugendengel“ fort, an dem u.a. Volker Braun, Christa Wolf, Friedrich Schorlemmer, Margot Fürst, Nuria Quevedo und viele Jugendliche mitgewirkt haben. Seitdem trägt der Gutenberg-Druckladen der Galerie Sonnensegel, in welchem die Bücherkinder Brandenburg ihre Graphiken drucken, als Logo einen von HAP Grieshaber geschaffenen Holzschnitt.

Die hier als bibliophile Empfehlung vorgestellte Publikation „Engel der Geschichte Nr. 22“ erschien 1975 in Folio (43 x 30,5 cm), gebunden im Pappband, enthält auf 19 Seiten in 10 Blättern 4 Original-Holzschnitte von HAP Grieshaber und ein doppelblattgroßes Flugblatt für Wahlhelfer "Ein Stein aus Barmherzigkeit" von Johannes Poethen, sowie Beiträge von Walter Benjamin, Charlotte Christoff, HAP Grieshaber, Margarete Hannsmann und Johannes Poethen. Das Heft erschien 1975 im Verlag Claassen in Düsseldorf, die Gesamtherstellung besorgte die Buchdruckerei Wilhelm Röck in Weinsberg.

Freitag, 31. Mai 2024

Schillernde Kalligraphien

Schriftkünstlerinnen und -künstler haben aus Anlass des 15. Schillerhaus-Geburtstages Schillerzitate auf ihre jeweils ganz besondere Art und Weise kalligraphisch umgesetzt.

Die Ausstellung «Schillernde Kalligraphien» entstand in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Buchkultur und Geschichte, der Schreibwerkstatt Klingspor Offenbach (die den Aufruf zu dieser Aktion startete) sowie dem Förderkreis Internationaler Kalligraphie.
Es gibt eine limitierte Postkartenedition von 10 Werken aus der Ausstellung, die über das:Schillerhaus_Rudolstadt zu beziehen ist

28. Mai bis 9. Juli 2024

Altes Rathaus
Stiftsgasse 2, 07407 Rudolstadt

Donnerstag, 30. Mai 2024

Einladung zur Subskription

Anlässlich ihrer Einzelausstellung "Mothertongues in Carrybag“ in der Galerie Knust Kunz, München, die noch bis morgen (31. Mai) zu sehen ist, erscheint im Lubok Verlag Sophie Schmidts neuer Katalog "Alaska Chicago Los Angeles New York“.
Die Publikation zeigt eine Auswahl künstlerischer Arbeiten, die 2023 im Rahmen eines Stipendiums in den USA entstanden sind.
Texte und Bilder werden zu einem Tagebuch, das von den Begegnungen und Erfahrungen an den vier Orten erzählt. Die Reise führt zunächst auf verbrannter Erde in die heiße Wüstenlandschaft um Los Angeles, dann über Alaskas Eis- und Schneelandschaften in die Aufregungen von Chicago und endet schließlich in den vielfältigen Facetten von New York.

Sophie Schmidt - Alaska Chicago Los Angeles New York 
Subskriptionspreis 20 EUR (gültig bis 30. Juni, danach 25 EUR)
Katalog mit 56 Farbabbildungen im Offsetdruck, gestaltet von Hagen Verleger
mit Texten von Sophie Schmidt (dt. /engl.)
Broschur, 60 Seiten, 21 x 28 cm, Auflage 250

Ausstellung verlängert

Die bis Gestern geplante Ausstellung auf Schloss Freienwalde von Rainer Ehrt "Deutsche Köpfe und Bilder", Zeichnung, Graphik, Skulptur, wurde verlängert.

14. April - 30.Juni 2024

Schloss Freienwalde
Rathenaustraße 3, 16259 Bad Freienwalde

Gedenkfeier für Peter Sodann

In Halle an der Saale gibt es am 1. Juni im „neuen theater" eine Gedenkfeier für den am 5. April verstorbenen Schauspieler Peter Sodann. Das Gedenken werde gemeinsam mit den Bühnen Halle veranstaltet Gäste werden am Vormittag die Möglichkeit zur Kondolenz im. Foyer des Theaters haben. Wegen der begrenzten Platzkapazitäten werde die anschließende Gedenkfeier publikumsoffen in die Kammer und den Hof des Theaters, welches der Ehrenbürger der Stadt Halle bis 2005 als Intendant das von ihm 1981 gegründete „neue theater". übertragen. Auch der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) werde die Feier im Fernsehen übertragen.
Nach der Gedenkfeier besteht die Möglichkeit, das Grab Sodanns auf dem Stadtgottesacker zu besuchen.

Bücher sind ein geringer Teil des Lebens nicht

Rainer Laabs 2024, Foto © ad
Gestern hatte ich wieder Gelegenheit, bei Rainer Laabs, Vorsitzender des Berliner Bibliophilen Abend von 1997 bis 2006, vorbeizuschauen, der mir weitere Belege zur Geschichte dieser Vereinigung übergab.
Darunter ein Künstlerbuch, welches Frank Heidtmann 1995 aus Anlass des 90. Jahrestages des BBA geschaffen hat.
Frank Heidtmann, Selbstportrait, 1995
Der am 7. November 2023 verstorbene Bibliothekswissenschaftler und Prof. an der Humboldt-Universität Berlin schuf diese Festgabe als Unikat und stellte dem Buch den doppeldeutigen Spruch voran: "Bücher sind ein geringer Teil des Lebens nicht".
Gebunden in einem zweifarbigen Leineneinband enthält der Buchblock in Folio (für gelegentliche Leser de Blogs: A3-Format) auf ca. 120 nicht paginierten Seiten neben einigen Fotos von der Jubiläumsfeier und Belegen zur Geschichte dieser bibliophilen Vereinigung ca. 100 Aquarelle, Collagen, Linolschnitte und typographische Blätter, denen anzusehen ist, dass der Schöpfer an der Erstellung dieser Festschrift Spaß hatte bei der künstlerischen Umsetzung dieses Themas. So verwendete Frank Heidtmann dieselben Motive in wechselnder Zusammenstellung, druckte vom selben Stock in unterschiedlicher Farbgebung variierend und mit Collagen versetzt, selbst unter Nutzung verschiedener Techniken in einem Bild.
Weitere Einblicke in die Festschrift auf der Veranstaltungsseite des Berliner Bibliophilen Abend.

Mittwoch, 29. Mai 2024

Same bold stories?

Schriftgestaltung von Frauen und Queers im 20. und 21. Jahrhundert.
Lange Jahre wurde die Geschichte der Schriftgestaltung und Typografie aus einem rein männlichen Blickwinkel erzählt. Nun wendet sich die Forschung zunehmend auch den Frauen und Queers im Bereich von Schriftgestaltung zu, die bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Schriftherstellung tätig waren, ohne dass sie wirklich zu Sichtbarkeit gekommen sind.

Die Ausstellung „Same bold stories?“ macht sich zur Aufgabe, die historische schriftbezogene Sammlung des Klingspor Museums (1900 – 1950) nach ihren weiblichen Positionen zu durchforschen und die Geschichtsschreibung in Bezug auf Schriftgestaltung zu ergänzen. Wenige Frauen wie Anna Simons, Erika Giovanna Klien oder Gudrun Zapf-von Hesse erlangten einen größeren Bekanntheitsgrad. Daneben gibt es aber zahlreiche Schülerinnen der Schriftklassen bei Rudolf von Larisch in Wien und Rudolf Koch in Offenbach, die als marginalisierte Positionen in der Sammlung enthalten sind und jetzt aufgearbeitet werden. Ausgehend von den neu beachteten weiblichen Positionen der Vergangenheit wird sich die Ausstellung den zahlreichen zeitgenössischen Frauen und Queers im Typedesign widmen, unter anderem Hannah Witte, Guilia Boggio, Katharina Koch und Charlotte Rohde.

Das Konzept der Ausstellung ist in Kooperation des Klingspor Museums mit dem Grafikdesign-Duo Turbo Type und dem feministischen Kollektiv +FEM entstanden. Statt eine chronologische Erzählung von Frauen und Queers im Type Design abzubilden, nimmt sich die Ausstellung den Begriff Messy History als Grundlage, bestehende Erzählweisen aufzubrechen. Unterrepräsentierte Positionen, die sich an der Schnittstelle zwischen historischer Unsichtbarkeit und Emanzipation verorten lassen, bilden hierbei den thematischen Fokus. Ein Katalog zur Ausstellung bietet eine informative Erweiterung durch Artikel und Interviews mit zeitgenössischen Type Designer wie Teal Triggs und Nadine Chahine und verdeutlicht, dass Geschichtsschreibung selten vollständig ist.

Eröffnung 19. Juli 2024
Ausstellung 20. Juli – 24. November 2024

è Klingspor-Museum
Herrnstr. 80, 63065 Offenbach

Dienstag, 28. Mai 2024

Aufmerksam maken!

Sehr geehrten Publikus:
Ganz im Stil von Paul Scheerbart ("Wir maken allens dot!") tue ich das heute und auf diesem Weg:

Am 18. Juni 2024, um 20.00 Uhr,
trage ich in der Buchhandlung Böttger
(Maximilianstraße 44 / 53111 Bonn / Tel.: 0228-3502719)
aus dem Buch „Glasarchitektur“ meines Wahlverwandten, des deutschen Schriftstellers Paul Scheerbart vor,
samt einigen Erzählungen, in welche Scheerbart seine utopischen Architekturphantasien integrierte,
unter dem Titel:

"Gläserne Grotten und galaktische Luftschlösser
des Schriftstellers Paul Scheerbart und des Architekten Bruno Taut"
An der Notwendigkeit, solche zu errichten, hat sich angesichts dessen, daß in der Bundesrepublik Deutschland kaum noch Wohnungen gebaut werden, nichts geändert, und es geht nicht nur um Wohnraum, sondern um die architektonische Herrichtung ganzer Lebensräume. Um 1914 begeisterte der von spinnerten, allerdings auch realitätsbezogenen Visionen getriebene Schriftsteller, Dichter und Erfinder Paul Scheerbart (1863-1915) den jungen Architekten Bruno Taut (1880-1938) für seine Ideen, mit farbigem Glas zu bauen. Infolge dessen wurde ein Forum für utopisches Bauen gegründet, der 1919 von Taut ins Leben gerufenen Briefzirkel „Die Gläserne Kette“. Die neue Architektur der wirtschaftlich darniederliegenden jungen Weimarer Republik sollte sich aus den unterschiedlichsten Quellen speisen, die Bauten gläsernen Grotten oder galaktischen Luftschlössern ähneln, vor allem weil es kaum Mittel zum Bauen gab. Der Architekt Walter Gropius artikulierte damals begeistert: „Träumer, Phantasten, Visionäre“ […] das ist letzten Endes das, was wir wollen: die Utopie!“.

Die architektonischen Szenerien der Werke Scheerbarts - besonders das 1914 geschriebene programmatische visionäre Werk „Glasarchitektur, eine Glasbautheorie verfasst in 111 Kapiteln“ - erregten die Aufmerksamkeit von Architekten, die eine entschiedene Loslösung von alten Bautraditionen und die vermehrte Integration von Glas in die architektonischen Entwürfe und deren Realisierung forderten. Als einer der engagiertesten erwies sich der deutsche Architekt Bruno Taut, der Scheerbart im Sommer 1913 kennenlernt hatte. Bruno Taut - später u. a. Architekt der Berliner Hufeisensiedlung - verdankte Scheerbart die Anregung zu seinem berühmten expressionistischen Glaspavillon, ein Highlight der Kölner Werkbundausstellung 1914, für dessen Fries Scheerbart insgesamt 16 Sinnsprüche für das Bauen mit Glas dichtete, von denen sechs als Inschriften am Glashaus angebracht wurden. Scheerbart sah in Tauts Realisation des Glaspavillons das gebaute Manifest seiner Glasarchitektur: aus Fiktion wurde reale Architektur. Im Oktober 1915 verstarb Paul Scheerbart im Alter von 52 Jahren. Seine visionären literarischen Architekturen wirkten aber weit über seinen Tod hinaus und inspirierten zahlreiche Architekten in den folgenden Jahren zu expressionistischen und futuristischen Baukonzepten. Als großem Anreger der modernen Glasarchitektur ist ihm ein Platz in der Kulturgeschichte der Moderne sicher.

(Thomas Franke)

Montag, 27. Mai 2024

Achtung, Papierfischchen! Sie kommen mit der Post

Die Papierfischchen (lat. Ctenolepisma longicaudata) sind winzig und flink, mögen die Dunkelheit und haben eine große Vorliebe für Papier und Karton. Papierfischchen werden deswegen in Deutschland zunehmend zum Problem. Denn gelangen die kleinen Insekten in Regale oder Archive, zerstören sie ganze Bücher und Dokumentensammlungen, Fotoalben, Akten, Tapeten, Bücher, Zeitungen. Schaffen die Tierchen ihren Weg in Bücherregale oder gar in Archive, können sie innerhalb weniger Jahre ganze Sammlungen zerstören.
Die geschuppten, langschwänzigen Fischchen gehören sie zu den ältesten Insektenarten der Welt. Im Verlauf der Evolution mussten sich die primitiven Lebewesen nicht groß anpassen.
Ursprünglich stammen die Insekten aus den subtropischen Regionen unserer Erde. Erstmals beschrieben wurden sie in Niederguinea. Mit dem Warenverkehr gelangten die Tiere nach Europa. >Waren die gefürchteten Papierfischchen bis vor ein paar Jahren vor allem in den Niederlanden verbreitet, werden nun auch deutsche Bibliothekare und Archivare zunehmend unruhig. Denn neben Fällen in Österreich und der Schweiz treten auch in Deutschland immer wieder einzelne Befalle auf. Mit dem Ausbruch des Coronavirus und dem damit einhergehenden Boom des Onlineshoppings hat auch der Versandhandel in Deutschland deutlich zugenommen. Dies führt mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, dass sich auch die Papierfischchen in Deutschland ausbreiten. Der Grund: Die kleinen Insekten reisen außerordentlich gern mit der Post, es wird angenommen, dass sich Papierfischchen über Kartonagen verbreiten.
Das wirkliche Ausmaß ihrer Verbreitung ist unbekannt, denn die Insekten aufzuspüren ist schwierig und oft bemerkt man sie erst, wenn es bereits zu spät ist.

(Solvejg Hoffmann, GEO 26.04.2023)

Sonntag, 26. Mai 2024

Schrift-Bild

Schrift-Bild ist das Thema einer Ausstellung mit 33 Künstlern und Schülern im KunstKeller Annaberg, darunter Thomas Behling, Carlfriedrich Claus, Osmar Osten, Thomas Ranft, Dagmar Ranft-Schinke und Jörg Seifert. 

Eröffnung: 15. Juni 2024, 17 Uhr

Ausstellung: 15. Juni - 15. September 2024

KunstKeller
Wilschstr. 11, 09456 Annaberg-Buchholz

Samstag, 25. Mai 2024

Lyrik lebt

Patrick Schild, Fotos © ad
Heute wurde im Lessinghaus im Berliner Nikolaiviertel der 6. Hanns Meinke-Preis verliehen - der diesjährige Preisträger ist Patrick Schild, der u.a. auch schon den Klopstock-Preis für neue Literatur erhielt.
Moderiert wurde die Preisverleihung vom Pirckheimer Steffen Marciniak, die Laudatio hielt Slavia Klimkowsky vom Verein "Lyrik lebt" aus Osterode.
Neben den Lesungen der Finalisten Niklas Carlo Lisson und Leander Beil leibt besonders eine als Audiofile vorgebrachte Lesung von Katia Sophia Ditzler im Gedächtnis,
Frederik Durczok begleitete die Veranstaltung am Cello mit Stücken von Bach, Vivaldi und einer beeindruckenden Eigenkomposition.
Steffen Marciniak präsentiert die Edition 9 Reiche

Westlöffel und Ostkaffe

Moritz Götze, einer der international renommierten Künstler Sachsen-Anhalts, von dem für Pirckheimer auch schon mal eine Graphik den Marginalien beilag (Abb.), wird 60! In einer Werkschau zeigt das Museum Lyonel Feininger einen Querschnitt durch Moritz Götzes Œuvre – von seinen frühen Radierungen, den populären Serigrafien bis hin zu den späten Grafiken.
Moritz Götze, Der letzte Zentaur oder Der Kampf mit dem Alphabet, Siebdruck 2018
Seine Kunstwerke werden von ihm selbst explizit als „Deutscher Pop“ bezeichnet. Dabei zeichnen sich darin auch Comicelement ab. Obgleich er sich technisch in keine Schublade stecken lässt, ist Götzes Handschrift in seinen Gemälden, Papierarbeiten, Siebdrucken und anderen Grafiken, Emaillen, Mosaike und Skulpturen unverkennbar. Inhaltlich verarbeitet er Kulturgeschichtliches und Kunsthistorisches mit besonderem Interesse an ostdeutscher Gesellschaftsgeschichte. Dabei lässt er Alltagsgegenstände und Erlebnisse aus seinem Leben Bildsujets durchdringen.

Ausstellung: 19. Mai - 26. August 2024

Museum Lyonel Feininger
Schlossberg 11, 06484 Quedlinburg

Freitag, 24. Mai 2024

Aktuell?

Französisch-deutsch-jüdischer
Mitt-Achziger
künstlerisch ausgebildet in Dresden (D)
und Zürich (CH) -
väterlicherseits polnisch-ukrainische
(Lemberg/Lwow) Vorfahren -
mütterlicherseits aus Berlin
und Ostpreußen - (Königsberg/Kaliningrad)
mit ehemaligen Wohnsitzen in
Frankreich – Deutschland –
Schweiz – Italien -
in U n g a r n lebend
sucht dringend eine Dame
namens „E U R O P A“
mit ausgeprägten Friedens-und Gerechtigkeitsattributen
ohne besondere Machtanspruchs-Ambitionen....

(Peter Pierre Fischer, 24. Mai 2016)

Donnerstag, 23. Mai 2024

6. Hanns-Meinke-Preis für junge Lyrik

Am Samstag findet im Berliner Nicolaiviertel die Preisverleihung des 6. Hanns-Meinke-Preis für junge Lyrik  statt.
Der Eintritt ist frei, Spenden wären toll. Wenn es aber ein Buch sein darf, auch das gern, es wird einen großen Büchertisch geben. Es werden viele Autoren des Verlags der 9 Reiche erwartet, so dass zum einen gute Gespräche, oder eben auch Widmungen möglich sind.

25. Mai 2024

Theater im Nikolaiviertel, Lessinghaus
Nikolaikirchplatz 7, Berlin

Mittwoch, 22. Mai 2024

30 Perlen der Literatur ...

Fünf Novitäten – hochkarätig besetzt, auch mit der Literatin, die als erste in Frankreich ein Staatsbegräbnis erhielt. Die vor zweieinhalb Jahren gestartete Buchreihe „Perlen der Literatur“ beschreitet Neuland. Hier werden nur Titel wieder veröffentlicht, die bereits im 19. oder 20. Jahrhundert in Europa erschienen sind und zeitweise sehr erfolgreich waren oder sprachliche Besonderheiten aufweisen und auf jeden Fall richtungsweisend wirkten. Oft waren diese Bücher über viele Jahre nicht lieferbar. Daher: wiederentdeckte Perlen.

Die Besonderheiten der "Perlenbibliothek" lassen sich zusammenfassen:
❦ Bibliophile Ausstattung mit Fadenheftung und Leineneinband
❦ Jeder Band in einer anderen Typographie mit von einem Designer gestaltetem Vorsatzpapier
❦ Kalligraphische Elemente als Leseanreiz für alle Bände
❦ Sehr günstige Ladenpreise trotz eines Buchumfangs zwischen 160 und 400 Seiten
❦ Die gefaltete Bauchbinde dient dem Leser als Lesezeichen und enthält auf der Innenseite weitere Informationen zur Reihe „Perlen der Literatur“

Bis auf Band 30 (4. August) sind alle Neuerscheinungen aus dem Input-Verlag des Pirckheimers Ralf Plenz nun lieferbar.

Dienstag, 21. Mai 2024

Kontinuität und Umbrüche: neuer Katalog Roland R. Berger

Roland R. Berger: Zu Anna Seghers’ Erzählung »Die Reisebegegnung« (2015)
Wer sich an die Grafikeditionen der jungen Welt in der DDR erinnert, dem werden die eindrucksvollen Arbeiten Roland R. Bergers einfallen. Sie bestachen schon damals durch die Vielfalt seiner Gestaltungsmethoden und ihre breit gefächerte Thematik. Jahrzehnte später, am 6. März 2017, schrieb er uns: »Umbrüche in der Gesellschaft provozieren geradezu zwangsläufig und seismografisch Veränderungen, die radikalisierend oder beruhigend ausfallen können. (…) Verdruss und Empörung verlangen andere Ausdrucksmittel als Einverständnis und Zuwendung.«

Nun schickte er uns seinen in diesem Jahr in der Edition Schwarzdruck Gransee erschienenen Katalog »Illus­triertes« – eine Bilanz seines bisherigen Schaffens auf diesem Gebiet. Roland R. Berger ist jetzt 82 Jahre alt, kämpft mit schweren gesundheitlichen Problemen und wird wohl nach dieser Publikation kaum Neues schaffen können. Nicht nur deshalb ist dieser Katalog eine kleine Kostbarkeit. Man blättert und liest darin mit großem Genuss, bestaunt die Vielfalt der künstlerischen Techniken und den Reichtum sowohl der Wirklichkeitssichten als auch der Phantasie.

Die früheste abgebildete Arbeit stammt aus dem Jahr 1967 – ein Gipsschnitt zu Brecht-Songs aus der Dreigroschenoper, die letzte ist ein Blatt für den Kalender 2023 der Edition Linksrum zum 100. Geburtstag von Loriot mit dem Bonmot: »Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Da sind sie tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.« Aus den dazwischen liegenden Jahrzehnten gibt es eine sinnreiche Auswahl von Illustrationen zu Gedichten von Joachim S. Hohmann, Thomas Luthardt und Novalis. Es erscheinen Porträtdarstellungen, Arbeiten zu Anna Seghers, Christa Wolf und zum Nibelungenlied. Das Märchen »Der Holzwurm und der König« von Bernd Schirmer wird ebenso illustriert wie Texte von Wolfgang Kohlhaase, Christoph Hein und Günther Rücker. Es gibt Arbeiten für die Pirckheimer-Gesellschaft und Buchumschläge zur internationalen Literatur. Eine Gruppe von Arbeiten für verschiedene Theater ist ebenso zu bewundern wie Neujahrsgrafiken, Vignetten, Lesezeichen und Exlibris. Damit ist die Fülle des Schaffens von Roland R. Berger nur angedeutet. Es ist eine große Leistung der Edition Schwarzdruck mit ihrem Leiter Marc Berger, ein solches Schmuckstück nach allen Regeln der Buchkunst gestaltet zu haben, mit dem der Sohn den Vater ehrt. Zugleich gibt es Rechenschaft über eine langjährige, achtungsvolle Zusammenarbeit, die bis in die Gegenwart reicht.
Roland R. Berger: Zu Anna Seghers’ Roman »Das Siebte Kreuz« (2017)
Für Freunde grafischer Techniken ist dieser Katalog eine Fundgrube. Da geht es nicht nur um den bekannten Linol- oder Holzschnitt, sondern auch um Kaltnadelradierungen, Kreidelithographien, Zeichnungen für den Rollenoffsetdruck, um Papierschnitte und freie Zeichnungen in Kohle, Graphit und Feder. Schließlich entdeckt man auch die mit viel Einfühlung und genauer Planung verbundene Grafikfrottage.

Seit 1983 war Roland R. Berger Dozent und Professor des Studienganges Kunsterziehung an der Humboldt-Universität Berlin. 1995 erlebte er verbittert die Abwicklung dieses Bereiches. Seitdem war er Oberstufenlehrer in Gransee und Oranienburg und wurde Zeuge des Niedergangs des Bildungssystems. Er fühle sich mehr als Sozialarbeiter, weniger als Lehrer, sagte er damals. Als Dozent bemühte er sich um die Lehrerfortbildung in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Ab 2007 arbeitete er freiberuflich weiter, obwohl er Rentner war. Auch in diesen Jahren bewährte er sich als Künstler, Kunstwissenschaftler, Publizist, Sammler und Laudator.

In seinen Arbeiten mischen sich Ernsthaftigkeit und Spielfreude. Möge ihm beides noch lange erhalten bleiben. Dass Kunst das Leben bereichern, Stellung beziehen und manchen ermutigen kann, selbst künstlerisch tätig zu sein, das hat er als Kunsterzieher jungen Menschen vorgelebt. Sein eigenes Schaffen ist dafür bis heute ein Vorbild. Der letzte Katalog beweist es. Wir hoffen mit ihm, dass ihm die originellen Ideen nicht ausgehen.

Von Maria und Peter Michel Aus: junge Welt, 21.05.2024, Seite 10 / Feuilleton

Roland R. Berger: Illustriertes
Edition Schwarzdruck, Gransee 2024
120 Seiten, 28 Euro

Offene Ateliers in Brandenburg

Wenn es Mai wird, gibt es im Lande Brandenburg was zu sehen. Seit 1999. An einem Wochenende zeigen bildende Künstler aller Geschlechter, was sie so produzieren. Das ist Mustermesse und gewaltige Heerschau, abzulesen schon am Personenregister: Der Katalog nennt weit über tausend Namen. Allein die Vielzahl zwingt zur Beschränkung. Unmöglich, die übers weite Land verstreuten Kunstproduktionsstätten aufzusuchen. Am besten, man konzentriert sich auf Orte, an denen sich viele Kunstschaffende zusammenfinden, um Tür an Tür zu malen, zu zeichnen, Steine zu behauen, Blech zu biegen, Papier zu falten, Schnüre zu knoten, zu töpfern, zu batiken, zu formen und zu performen …

Auf also beispielsweise nach Groß Glienicke in die Döberitzer Heide, auf halbem Wege zwischen Spandau und Potsdam im Havelland gelegen.
...

(Jutta Grieser, weiterlesen in Das Blättchen, 27. Jahrgang | Nummer 11 | 20. Mai 2024)

Montag, 20. Mai 2024

Der den Bettel schleppt

Das Angermuseum Erfurt zeigt Malereien und Grafiken des fantastischen Realisten Heinz Zander.
Mit der Formel „moderne Kunst“ kann wenig von Kunst erfasst werden. Wie Künstler Schüler von vorangegangenen Künstlern geworden sind, nimmt Goethes Verständnis von Kunst in den Griff: „Es geht durch die ganze Kunst eine Filiation“. Was es heißt, sich als Künstler in die Tradition zu begeben, zeigt etwa ein Selbstbildnis Heinz Zanders (*1939) mit dem bekennenden Titel Selbst mit herbstlicher Palette als ein Schüler des Hyacinthe Rigaud, das sich in Privatbesitz befindet. In ihrer Traditionsbezogenheit und altmeisterlichen Virtuosität spottet Zanders Kunst der Schwemme an selbstreferentiellen und kurzzeitigen Innovationen „moderner Kunst“. Zander wurde von Grazien aus der Frührenaissance, dem Manierismus und dem Symbolismus besucht, von des Künstlers eigener Grazie lächelnd eingelassen. Mit der sich ständig erneuernden Imaginationskraft seiner Bildsprache, mit der prallen sinnlichen Präsenz der gestreckten und gebogenen Figuren, mit spannend inszeniertem Geschehen in leuchtenden Farben und einer faszinierenden Stofflichkeit der Dinge begeistert der Leipziger fantastische Realist, der in Wolfen geboren wurde, nach wie vor.

1965 brachte der Kunsthistoriker Dieter Gleisberg im Lindenau-Museum von Altenburg Zanders „magisches Zauberspiel“ in der ersten Einzelausstellung zur Aufführung. Nun, anlässlich seines 85. Geburtstags, zeigt das Angermuseum Erfurt nun erstmals komplett die Malereien, Grafiken und Handzeichnungen von Heinz Zander, unter anderem das Bildnis Sonja Kehlers, das Selbstporträt von 1981 und Gebirgslandschaften. Keinem anderen Künstler der Leipziger Schule wurde vor 1989 in dieser Institution so viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung zuteil wie Heinz Zander. Diesem Thema widmet sich Kuratorin Cornelia Nowak, die dem Katalog auch eine ausführliche Biografie mit fundierter Schaffensdarstellung beisteuerte. Wieder abgedruckt ist auch Hans Bruckschlegels Erläuterung Nicht mischen, sondern lasieren (1984) über die Maltechnik als Ausdruckswert von Zanders Malerei, ebenso Zanders Text Aus der Zeit der frühen Mütter. Theseus und Perseus (1982).

Die großartige Ausstellung, bereichert mit Bildern aus etlichen Orten und aus der Sammlung des Unterstützers Peter Thoms aus Mühlhausen, sowie der gewichtige Katalog würdigen Zanders Werk in den ersten Jahrzehnten seines Schaffens zu literarischen Stoffen von Johann Wolfgang Goethe, Thomas Mann (Dr. Faustus, 1964–1967) bis zu Bertolt Brecht (Anachronistischer Zug, 1984). Durch staatliche Aufträge befördert, spielten in Zanders Werk historische Ereignisse eine wichtige Rolle – etwa die Thüringer Bauernaufstände 1525 oder die unter dem Begriff Tolles Jahr von Erfurt in die Geschichte eingegangene Revolte der Stadtbevölkerung von Erfurt gegen ihre Ratsherren von 1509. Der Kunsthistoriker Thomas von Taschitzki erläutert außerdem die bildgewordene Opposition des Augustinermönchs Martin Luther gegen das Ablassunwesen. Da der große Reformator in der bereits 1525 evangelisch gewordenen Barfüßerkirche in Erfurt eine Predigt hielt, besitzt Heinz Zanders Luther-Triptychon zu dessen Biografie einen direkten Bezug.

Im Panorama-Museum von Bad Frankenhausen bewahrt Gerd Lindner einen umfangreichen Sammlungsbestand. Im Katalog untersucht er weitgreifend und tiefgründig Zanders Lebensfahrt, und auch, wie der Künstler den Ausdruck in gleichnishafter, antithetischer Verdichtung subtil steigert und die geistige Durchdringung gekonnt mit den Mitteln der Ironie zu verfeinern weiß. Der Autor dieses Textes führt an Theseus, Perseus und Kentauren Zanders innovativen Mythologiebezug vor, etwa wie Apollon mit feinem Messer den weiblichen Marsyas tranchiert und die textile Haut entfernt. „Das Literarische ist das Vornehmste in der Kunst“, so lautet ein Aphorismus Zanders, der nicht das literarische Schaffen an sich meint, das er ebenso beherrscht, sondern das Literarische in der bildenden Kunst. Darunter versteht Zander nie die „plumpe Abbildung eines vorgeschriebenen Gedankens“, sondern eine Bilddichtung in gestalthafter Sinnfindung. Demjenigen, der, vom Reinlichkeitsgedanken beschränkt, Literarisches in der bildenden Kunst für eine unerlaubte Mischung hält, entgeht etwas. Diese Haltung reicht als Kunstform bis weit ins Mittelalter zurück.

Bevor er ein Protagonist der gegenwärtigen realistischen Kunst in Europa wurde, begeisterte Heinz Zander bereits während des Studiums in Leipzig (1959–1964) und als Meisterschüler bei Fritz Cremer mit herausragender Leistung. Sogar der Lehrkörper in Leipzig ließ sich, über die Schulter dieses Studenten blickend, über Zeichenkunst belehren. Der Ausstellungsbesucher staunt: Etwa darüber, dass der, der den Bettel schleppt, doch glaubt, die Welt belehren zu können (in einem Gemälde von 1989), und ebenso über die Farbkunst ... – wie im schwarzen Grund Krapplack und Pariserblau schimmern.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog - für 30 Euro.

(Peter Arlt)

Ausstellung: 12. Mai - 28. Juli 2024

Angermuseum Erfurt
Fischmarkt 1, 99084 Erfurt