Posts mit dem Label Rolf Münzner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rolf Münzner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 1. Mai 2025

Bibliophiles des Monats Mai: Kunst der Erinnerung

Als Bibliophiles des Monats Mai wurde ein Katalog gewählt. 

Ein Katalog? Im klassischen Verständnis sicher alles andere als ein bibliophiles Objekt, dennoch ein von vielen Bibliophilen favorisiertes Sammelobjekt.

Die Ausstellung im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR unter dem Thema „Kunst der Erinnerung“, für die der Katalog entstand, für den 15. Mai bis 25. Oktober 2020 geplant, fiel der Pandemie zum Opfer. Ein zweideutiges Thema, kann man doch unter der "Kunst der Erinnerung" sowohl Erinnerung anmahnende Kunst, als auch die Fähigkeit, sich zu erinnern, verstehen. Das Thema ist jedoch vor allem von beklemmender Aktualität, wenn man sich vor Augen führt, woran erinnert wird

Die 2020 nur virtuell zu besichtigende Schau zeigte Kunst aus der DDR, die den Zweiten Weltkrieg, die Befreiung vom Faschismus und die Freundschaft zur Sowjetunion mal realistisch, mal expressiv und manchmal abstrahierend thematisiert und sich sowohl mit Geschichtsreflexion als auch mit Gegenwartsproblemen beschäftigt, wie autoritären gesellschaftlichen Verhältnissen, Militarismus und der Angst vor einem Atomkrieg.
Titel, sowie S. 32 Ulrich Hachulla und S. 33 Dorothea Kobs-Lehmann
Auf den vermutlich nie ausgelieferten Katalog konnte ich Januar 2021 im Blog der Pirckheimer-Gesellschaft noch nicht hinweisen, als die Ausstellung für kurze Zeit im Kunstarchiv Beeskow doch noch gezeigt wurde - ich wusste nichts von einem Katalog, erst später kam er mir durch Zufall in die Hände, weil unter den Namen der ausgestellten 30 Künstler auch der meiner Mutter Dorothea Kobs-Lehmann zu finden war.

Großformatig (20 x 25 cm) werden auf 64 Seiten mit einem Begleittext in deutsch und englisch alle beteiligten Künstler mit einem oder zwei Werken in teilweise farbigen Abbildungen vorgestellt, darunter Arno Fischer, Petra Flemming, Gerhard Goßmann, Ulrich Hachulla, Heidrun Hegewald, Hartmut Hornung, Joachim John, Roger Melis, Gerhard Kurt Müller, Rolf Münzner, Ronald Paris, Norbert Wagenbrett und Thomas Ziegler. Die Abbildungen sind bekannt, ihre Auswahl interessant, die Gegenüberstellung inspirierend.

Geblieben von der fast gezeigten Ausstellung ist bei Sammlern nur der hier vorgestellte Katalog, zu dem nähere bibliographische Angaben nicht vorliegen. Im Internet auf „Dokumentationszentrum“ Alltagskultur der DDR heißt es inzwischen zum Katalog und zu dieser Ausstellung: „Diese Seite konnte nicht gefunden werden. Sie wurde möglicherweise [sic!] entfernt …“ und auf der Seite des Landkreises Oder-Spree „Das angeforderte Objekt steht im Moment [sic!] nicht öffentlich zur Verfügung ...“. So ist wieder einmal der Sammler des Bibliophilen als Bewahrer der „Kunst der Erinnerung“ gefragt.

Dienstag, 12. März 2024

Marginalien #252

Bücher erzählen Geschichten. So weit, so nicht neu. Literatur lebt vorn Wunsch des Menschen, sich anderen mitzuteilen, der Sterblichkeit ein Schnippchen zu schlagen. Geschichtenerzähler, Bänkelsänger, Buchdrucker, Mikrofilmverfilmer, Cloud Sales Representative: Beständig suchen wir, Erfahrung ein verlängertes Leben zu schenken. Wer schreibt, der bleibt. Was gleichermaßen wirkt, ist das Buch als Objekt. Gebrauchspuren, Exlibris, Stempel, Sammlungskontext: Bibliophile lieben Bücher nicht nur des Inhalts und der Gestalt wegen, sondern gerade ob der Geschichte hinter dem Exemplar. Diese Marginalien-Ausgabe ist voll solcher Beispiele.
(aus dem Editorial: Till Schröder)

In einem der Beiträge erwähnt Klaus Raasch, der unter dem Titel "Unterwegs im Büchermeer" über die 19. BuchDruckKunst in Hamburg schreibt, dankenswerter Weise auch die Bücherkinder Brandenburg.
Die von Matthias Gubig gestaltete typografische Beilage enthält die Schrift Typografisches Sündenregister von Albert Kapr, als graphische Beilage erhalten Mitglieder der Pirckheimer Gesellschaft eine von zwei Schablithografien zu Jean Paul, Die wunderbare Gesellschaft oder In der Neujahrsnacht (Die Maske), von Rolf Münzner, in je 325 Exemplaren gedruckt von Stephan Rosentreter im Lithographischen Atelier Leipzig.

Sonntag, 16. Juli 2023

Prometheus & Co

Rund 20 Mitglieder der Pirckheimer-Regionalgruppe Berlin-Brandenburg folgten dem Ruf des Kurators Ulrich Röthke, am 15. Juli die Ausstellung "Prometheus & Co" im Dieselkraftwerk Cottbus zu besuchen. Es ist eine von drei Ausstellungen zu grafischen Mappenwerken aus der DDR, eine weiter gibt es in Eisenhüttenstadt unter dem Thema "Revolutionen" und in Frankfurt (Oder) unter der Überschrift "Zwischen Arkadien und Wohngebiet".
im Foyer des ehem. Dieselkraftwerkes
Ulrich Röthke war zwar leider verhindert, wurde in der Führung aber sehr gut durch eine junge Mitarbeiterin vertreten. Als erstes stellte Frau Kühne das Depot des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst (BLMK) vor, welches erst vor Kurzem aus den zu eng gewordenen und konservatorisch ungünstigen Räumlichkeiten eines Teppich-Ladens am Markt in das ehemalige Dieselkraftwerk Cottbus umgezogen ist. Die Bestände des Museums bestehen zum größten Teil aus Druckgraphik aus dem Zeitraum der DDR, enthalten zu 15 Prozent aber auch Werke zeitgenössischer deutscher Künstler, weiter 10 Prozent stammen von weiteren Künstlern, z.B. aus Osteuropa oder den USA. Neben den vorgestellten Mappenwerken findet sich im Bestand neben Malerei, vor allem aus dem Dresdener Raum, unterschiedlichste künstlerische Ausdrucksformen bis hin zur Plakatkunst. Für die Exkursionsteilnehmer war insbesondere die vielfach unbekannte Faltkunst interessant, eine von DDR-Künstlern gern genutzte Technik, bei der Faltrollos als Malgrund verwendet wurden. 
im Depot, die vorgestellte Faltmalerei wurde verpixelt, um Urheberrechte zu wahren
Nach der Ergründung des Depots hatten die Pirckheimer die Möglichkeit zur Besichtigung seltener Blätter von Illustratoren und die Besichtigung von Künstlerbüchern aus dem Bestand des BLMK, ergänzt durch regem Wissensaustausch mit den Pirckheimern zu  den vorgestellten Werken, nicht verwunderlich, wenn z.B. die Blätter von Conrad Felixmüller seinem langjährigen Drucker, dem Pirckheimer Jürgen Wilke, vorgestellt werden.
Präsentation von Originalen der Buchillustration
Der Besuch der Ausstellung "Prometheus und Co", in der u.a. Arbeiten von Karl-Georg Hirsch und Josef Hegenbarth zu Bertolt Brecht oder auch von Carlfriedrich Claus und Núria Quevedo zu Christa Wolf zu sehen sind, erfolgte dann individuell durch die Exkursionsteilnehmer.
in der Ausstellunng, Fotos © ad
In der Ausstellung waren weiterhin Werke zu sehen von u.a. Manfred Butzmann, Hubertus Giebe, Constanze Göbel, Dieter Goltzsche, Günter Grass, Ulrich Hachulla, Angela Hampel, Horst Hussel, Wolfgang Mattheuer, Michael Morgner, Rolf Münzner, Sigrid Noack, Manfred Paul, A.R. Penck, Christine Perthen, Max Schwimmer, Willi Sitte, Volker Stelzmann und Werner Tübke.
Illustrationen von Núria Quevedo zu Christa Wolf, Kassandra

Mittwoch, 9. November 2022

37. Leipziger Grafikbörse

»Turbulenzen« ziehen mit der 37. Leipziger Grafikbörse in das Museum für Druckkunst ein.

Zu diesem Thema haben 90 Künstlerinnen und Künstler grafische Arbeiten eingereicht, die in einer Ausstellung nunmehr zu sehen sind. Die Interpretationen sind vielfältig. Es geht um gesellschaftliche Themen wie Wetter, Klima, Politik oder Wirtschaft, aber auch private, zwischenmenschliche oder gedankliche Turbulenzen. Die Ausstellung zeigt die Vielfalt zeitgenössischen druckgrafischen Schaffens.
Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Leipziger Grafikbörse e.V. wird es in diesem Jahr eine kleine Sonderpräsentation geben, die einen Blick zurück wirft sowie die Grafik-Edition präsentiert, die anlässlich des Jubiläums entstand.

Außerdem erscheint zum Jubiläum ein Offset-Nachdruck des Plakats zur 2. Grafikbörse des Verbandes Bildender Künstler der DDR von Rolf Münzner aus dem Jahr 1973. Dieses Plakat erscheint in einer Auflage von 100 Exemplaren, nummeriert und von Rolf Münzner signiert.

Eröffnung: 11. November 2022, 18 Uhr
Ausstellung: 13. November 2022 - 29. Januar 2023

Museum für Druckkunst Leipzig

Sonntag, 24. Juli 2022

Finissage der "Kommentare zu Verrat und Gewalt"

v.l.n.r. oben: Igor Zaidel, LoveDove / Cristina Artola, AK 47
unten: Ed Dickman, o.T. / Gagik Kurginian, Das Mädchen
mit dem Perlenohrring als Bürgerin
/ Rolf Münzner, Folter
Die Ausstellung in der Galerie des Pirckheimers Archi Galentz und Andreas Wolf "Kommentare zu Verrat und Gewalt", ich berichtete unter anderem hier*, ist zu Ende gegangen. Sie hinterließ bleibende Eindrücke! Näheres in Kürze hier.

Rolf Winkler, Drei Grazien, 1983
Bleibendes unter anderem nicht zuletzt durch Gespräche mit einigen anwesenden Künstlern auf dem Rasen im angrenzenden Hof, in welchem ich eine Plastik des Bildhauers Rolf Winkler (1930-2001) fand, ein Schüler von Waldemar Grzimek und Heinrich Drake. Ich lernte Rolf Winkler in den späten Siebzigern kenne. In den Achtzigern entdeckte der Bildhauer auch die Druckgraphik für sich.
Der Auftrag für eine Skulptur für den Bürgerpark Marzahn "Denkmal für die Sowjetsoldaten", an welchem er seit 1986 arbeitete, wurde 1990 infolge der geänderten politischen Situation von der Berliner Stadtverwaltungen gecancelt - auch ein Kommentar zu Verrat und Gewalt.

Die nächste Vernissage bei Wolf und Galentz wird übrigens am 24. August zu einer Gemeinschaftsausstellung mit Werken von deutschen und finnischen Künstlern stattfinden, näheres dann dazu hier im Blog.

Wolf & Galentz Kunstgalerie
Wollankstraße 112a, 13187 Berlin

* leider wurde die Hinweise auf meine Urheberschaft der Posts und Fotos im Blog der Pirckheimer-Gesellschaft, den ich bis vor einem Monat betreute, gelöscht

Montag, 29. Februar 2016

E. A. Poe: Der Fall Marie Rogêt

Es ist geschafft: Die im Poe-Jahr 2009 begonnene »Dupin-Trilogie« ist abgeschlossen!
»The Mystery of Marie Rogêt«, erstveröffentlicht in drei Teilen ist die erste Detektivgeschichte, die auf den Details eines realen Verbrechens beruht.
Rolf Münzner, Geithain, illustrierte sie für diese bibliophile Edition der Pegasus Presse Peter J. Moosbrugger mit acht kongenialen Asphaltlithographien, die durch das Lithographische Atelier Leipzig, von den Originalsteinen abgezogen wurden.
(P.J. Moosbrugger)
Die Pegasus Presse präsentiert die komplette Dupin-Trilogie Edgar Allan Poes auf der Leipziger Buchmesse in der Internationale Ausstellung für Künstlerbücher und Handpressendrucke (IAKH), Halle 3, Stand H501.

- Handpressendruck in 111 Expl. auf Bütten
- Vom Künstler signiert und nummeriert
- Von Hand geheftet und gebunden
- Mit Rücken- und Deckelprägung
- Im Schuber
- 88 Seiten, Format: 18 x 26,5 cm
- Ausgabe A ( I–XVI ) Ziegenleder: € 568
- Ausgabe B (1–95 ) als Halb-Pergamentband: € 428

Sonderpreis für die Bände 1 bis 3:
Ausgabe A: € 1.400
Ausgabe B: € 980

Pegasus Presse P.J.Moosbrugger
Weidenstraße 24 D-86343 Königsbrunn
Ruf +49 (0)8231 33239

Leipziger Buchmesse: 17. - 20. März 2016
Leipzig, Messegelände

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Führung durch die 33. Leipziger Grafikbörse

Angela Hampel, Beil. Marg. 206
Seit Mitte November 2014 ist die Leipziger Grafikbörse erneut zu Gast im Museum für Druckkunst Leipzig. Die 33. Auflage der Leipziger Grafikbörse präsentiert unter dem Motto „Im Dialog mit Literatur / Bilder zu Worten“ mit ihrer Ausstellung einen Querschnitt zeitgenössischer Grafik aus Mitteldeutschland. Rund 100 Künstler verschiedener Generationen zeigen aktuelle Arbeiten in verschiedenen druckgrafischen Verfahren. Beteiligte Künstler sind u.a. Christine Ebersbach, Rolf Münzner, Franziska Neubert und Baldwin Zettl.

Am 3. Advent lädt eine Führung zum Rundgang durch die Ausstellung „33. Leipziger Grafikbörse“. Durch die Ausstellung führt der Leipziger Kunsthistoriker Rainer Behrends.
Führung: 14. Dezember 12 Uhr
Ausstellung: 14. November 2014 - 1. Februar 2015

è Museum für Druckkunst Leipzig
Nonnenstraße 38
04229 Leipzig

Dienstag, 11. November 2014

33. Leipziger Grafikbörse

Angela Hampel, Beil. Marginalien 206
Die Leipziger Grafikbörse ist in ihrer 33. Auflage erneut zu Gast im Museum für Druckkunst Leipzig. Bis Februar 2015 präsentiert die Grafikbörse unter dem Motto „Im Dialog mit Literatur / Bilder zu Worten“ mit ihrer Ausstellung einen Querschnitt zeitgenössischer Grafik aus Mitteldeutschland. Rund 100 Künstler verschiedener Generationen zeigen aktuelle Arbeiten in verschiedenen druckgrafischen Verfahren. Beteiligte Künstler sind u.a. Christine Ebersbach, Rolf Münzner, Franziska Neubert und Baldwin Zettl.
Es erscheint ein Katalog mit Abbildungen sämtlicher Werke. Veranstalter der 33. Ausgabe der Leipziger Grafikbörse ist der Leipziger Grafikbörse e.V.. Die ausgestellten Werke sind verkäuflich.
Die Leipziger Grafikbörse feiert 2014 das 42. Jahr ihres Bestehens. Im Jahr 1972 fand die Grafikausstellung das erste Mal statt. Nachdem sie lange Zeit jährlich ausgerichtet wurde, findet sie inzwischen als Biennale statt. Mit der 33. Ausgabe ist die Grafikbörse nach 2012 zum zweiten Mal zu Gast im Museum für Druckkunst.

Eröffnung: 14. November 2014, 18 Uhr
Führung: 16. November 12 Uhr (Direktorin Dr. Susanne Richter)
Ausstellung: 14. November 2014 - 1. Februar 2015

è Museum für Druckkunst Leipzig
Nonnenstraße 38
04229 Leipzig

Sonntag, 22. September 2013

The Bear Press auf der LiberBerlin

Vorgezogen, in bereits fünf Tagen, findet am Kulturforum, Museen der Europäischen Kunst, die 14. LiberBerlin statt, diesmal leider mit nur noch 20 Anbietern.
Handeinband schwarzes Oasenziegenleder mit farbigen Lederintarsien zu:
Theodor Storm, Bulemann‘s Haus.
Nicht unter den Anbietern, aber in der Messebroschüre vertreten ist auch unser Mitglied Dr. Wolfram Bender. Seit mehr als dreißig Jahren veröffentliche er als Nachfolger der klassischen deutschen Pressendrucker in The Bear Press unter Zugrundelegung radikaler Handarbeit Auserlesenheiten der Weltliteratur von Lucian und Horaz bis zu Ror Wolf und H. C. Artmann. Die Exklusivität und Kompromißlosigkeit im Hinblick auf Konzeption und Qualität - limitierte und signierte Auflage - und die Wahrung der überlieferten Kunstvorschriften und Forderungen an eine vorbildliche Leistung (Handsatz, Druck auf handgeschöpfte Papiere oder Pergament, Handeinbande in kostbaren Materialien) sowie die von renommierten zeitgenössischen Künstlern wie Wilhelm M. Busch, Klaus Böttger, Uwe Bremer, Rolf Escher, Esteban Fekete, Hans Fronius, Gottfried Helnwein, Karl-Georg Hirsch, Rolf Münzner, Eberhard Schlotter, Hanns Studer, Jan Peter Tripp oder Jürgen Wölbing eigens geschaffenen Originalgraphiken sichern jedem einzelnen Buch den Status des Individuellen und Originären.
 
Antiquariatsmesse: 27. und 28. September 2013

The Bear Press • Dr. Wolfram Benda
Schleiermacherstraße 7
95447 Bayreuth
E-Mail

Freitag, 4. Januar 2013

von Altenbourg bis Zettl

Grafische Mappenwerke und Einzeldrucke in der Weimarer Galerie Hebecker

Wer Kunst aus der DDR präsentieren will und dabei kaum Grafik zeigt, bedarf einer Ergänzung. Somit tritt der großen Ausstellung im Neuen Museum Weimar die neue Präsentation der Galerie Hebecker an die Seite. An ihren Grafiken spürten die Künstler die Reaktionen auf ihre oft kritischen Botschaften. Und dank erschwinglicher Preise trug Grafik zur demokratischen Kunstverteilung bei.
Immerhin 155 Grafikmappen wirkten zur differenzierten Kunstentwicklung mit – im Auftrag von Parteien und Massenorganisationen, vom Kulturfonds der DDR, Staatlichen Kunsthandel, Verband bildender Künstler oder Ateliergemeinschaften wie in Erfurt, von der die Jahresgabe „Schatten“-Blätter zu sehen ist.
Von „Altenbourg bis Zettl“ ist die Ausstellung kühn überschrieben, von A bis Z, alles umfassend. Aber mit 37 Künstlern und ihren Werken der 1940er-Jahre bis 1989 umspannt sie einen pluralen künstlerischen Spielraum, weilt bei Altenbourg in den lyrisch unbestimmten Wildnissen der Psyche, weist bei Zettl ins Metall geritzte glasklare Analyse vor.
Jeder war bestrebt, einzigartig zu sein. Dabei suchten sie oft bei Dichtern, wie Arendt, Bobrowski, Böll, Brecht, Bulgakow, Dostojewski oder den Manns, „Tangenten“. Mit der gediegenen Ausbildung erwarben die Künstler ein profundes Können. Grafische Werke europäischer Spitzenklasse werden zu Grundmodellen von Arbeit und Solidarität, Glück und Leid und anderen präsentiert, die Sisyphos-Holzschnitte Wolfgang Mattheuers, das sterbende Pferd Fritz Cremers oder Hans Theo Richters Mutter mit Kind, deren Zuneigung zueinander er poetisch zart erfasst. Die deutsche Schuld an den Verbrechen in Lidice klagt schon 1948 Horst Strempel in einer kaum bekannten, aber großartigen Radierung an.
 
Heinz Plank, Aus dem Leben des Galilai, © für die Abb.: Galerie Hebecker
Vor allem weist die Präsentation Meister der Kunst Senefelders aus: Lithografien zur Dreigroschenoper von Bernhard Heisig, ein Druckerexemplar an Horst Arloth von Arno Rink, „Am Kreuz“ von Werner Tübke oder ein Liebespaar von Willi Sitte. Als Meister der Asphaltschab-Technik zeigt sich Rolf Münzner, bei dem in subtilster Manier aus geschabten Linien eine Figurenwelt in Erscheinung tritt. In ihrer ästhetischen Souveränität versteckt Ursula Mattheuer-Neustädt Hunderte Motive im Schablitho-Blatt „Phantasie“ und verwandelt die Bildfantasie des Berliners Horst Hussel in dem großen Farbholzschnitt „Der Magier“ Wirklichkeit in Kunst.
 
Wolfgang Mattheuer, aus Sisyphos © für die Abb.: Galerie Hebecker
Der naive Albert Ebert fasziniert in der Mappe „Varieté-Zauber“ mit veränderten Szenen auf dem Umdruck des Bühnenrahmens und teilweise abgeschliffenen Stellen. Mit Mitteln der Übertreibung, Satire und Groteske verweist das sezierende ökologische Blatt „Der falsche Antonius“ von Baldwin Zettl mit christlicher Ikonografie auf jenen von Padua, der vor Fischen predigt, die zu ihm die Köpfe aus dem Wasser hoben, wobei sein Kupferstich von 1989 das Wasser verlandet und mit Müll verschüttet zeigt. Einen Rückblick auf den jungen Heinz Plank und seinen rationalen Weltentwurf bietet die Radierfolge „Aus dem Leben des Galilei“ von 1972 gegen die doktrinäre Erzwingung der Lüge.
„Planks neue Malerei eines oszillierenden Universum“ indes wird derzeit bis zum 19. Januar von den Erfurter Hebeckers gezeigt. Im gesteigerten surrealen Stil malt Plank virtuos wie Genesis und Apokalypse zusammenfallen, der Zwiespalt geboren wird, Elemente entstehen und sterben, die Leere nach der Zeit.
Auf der Suche nach originärer Individualität entwickelten die Künstler handwerkliches Können, um nicht allein mit virtuos kombinierten Techniken zu brillieren, sondern um eine gestalterische Dichte und fantasievolle Zeichenfindung zu erzielen. Vieles wird über Zeit und Leute ausgesagt − und alles verweist zudem auf aktuelle Bedeutungen.
(Peter Arlt in: Thüringer Allgemeine, 3. Januar 2013)
 
Ausstellung: 15. Dezember 2012 bis 16. Februar 2013
 
Galerie Hebecker
Schillerstr. 18
99423 Weimar

Montag, 19. November 2012

Anija Seedler

Am Freitag wird in der Spinnerei archiv massiv, Leipzig, unter dem Titel Animateure eine Personalausstellung der Leipziger Graphikerin, Buchgestalterin und Szenografin Anija Seedler eröffnet.
gris gris, Foto: Jo Zarth
Diese Ausstellung versammelt klassische Charaktere und diverse Handlungsabläufe. Ähnlich eines choreografischen Skizzenbuches werden in den kleinformatigen Arbeiten, fragmentarisch Szenen und Handlungen angeschnitten, oft bis ins Absurde gesteigert, einfach in der Reduktion auf das Wesentliche, kraftvoll in Klarheit und Form. Dem gegenüber stehen die großformatigen Arbeiten, welche durch pulsierende Farbigkeit und extreme Überzeichnungen eine irritierende Bewegung und Mehrdeutigkeit erschaffen. Hauptdarsteller sind, wie in den vorangegangenen Ausstellungen Mensch und Tier, doch selten entsprechen die jeweiligen Typen ihrem Klischee, vielmehr wirken sie spielerisch, theatral, zoomorph verkleidet. Sie sind austauschbare Spieler, animierende Amateure - Animateure.
Sie studierte von 1993 bis 1998, Modedesign an der (FH) Angewandte Kunst Schneeberg (Diplom 1998) und von 2000 bis 2002 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, bei Prof. Volker Pfüller und Prof. Rolf Münzner.
Anija Seedler hat unter anderen den PHÖNIX Kunstpreis 2012 und 2011 den Kunstpreis der Stadt Limburg gewonnen.


Eröffnung, Fr. 23. November 2012, 19 Uhr
Ausstellung: 23. November 2012 bis 7. Januar 2013

Spinnerei archiv massiv
Spinnereistrasse 7
Halle 20 A
04179 Leipzig

Samstag, 21. April 2012

Die Maximilian-Gesellschaft tagte in Leipzig

zum Betrachten, bitte anklicken...
Der Leipziger Bibliophilen-Abend und die Pirckheimer-Gesellschaft konnte vom 19. bis 21. April 2012 in Leipzig die Maximilian-Gesellschaft willkommen heißen, die im Jahr 101 ihres Bestehens das zweitemal in der traditionsreichen Buchstadt tagte. Neben der Eröffnung und einer Führung durch die Inkunabeln-Ausstellung in der Bibliotheca Albertina besuchten die Teilnehmer die neugestalteten Bibliotheksräume, erhielten Einblicke in die Sammlung der Bibliothek, besuchten den Auerbergs-Keller, das Deutsche Buch- und Schriftmuseum und die Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle.
Auf einer Mitgliederversammlung wurde der amtierende Vorstand im Amt bestätigt. Vorsitzender bleibt der Stuttgarter Verleger Wulf D. v. Lucius, sein Stellvertreter ist der Direktor der Leipziger Universitätsbibliothek, Ulrich Johannes Schneider. Weiter gehören dem Vorstand an: Reinhold Busch (Stuttgart) als Schatzmeister sowie Ernst Fischer (Mainz), Stephanie Jacobs (Leipzig), Karl-Heinz Knupfer (Köln) und Wolfgang Schmitz (Köln) als Beisitzer.
Friedrich Pfäfflin, ehemaliger Leiter der Museums- und Publikationsabteilung des Deutschen Literaturarchivs in Marbach, wurde mit der Ehrenurkunde der Maximilian-Gesellschaft ausgezeichnet.
Der Vorsitzender des Leipziger Bibliophilen-Abend überreichte den Teilnehmern einen auf 300 nummerierte Exemplare limitierten Druck mit einem Text von Jean Paul, kommentiert von Herbert Kästner, dem ein signierter Steindruck von Rolf Münzner, gedruckt im Lithographischen Atelier auf Albrecht-Dürer-Bütten der Firma Römerturm von Stephan Rosentreter beilag. Die Gestaltung übernahm Sabine Golde, der Druck wurde von Handoffset, Taucha auf Surbalin ockergrün von Peyer, 115g ausgeführt.

Dienstag, 12. April 2011

Graphikeditionen

des Staatlichen Kunsthandels der DDR

Sichel für Linkshänder, Beilage zur Jahresgabe der Pirckheimer-Gesellschaft 2003Der Staatliche Kunsthandel der DDR rief 1975 die Graphikedition ins Leben, um Sammlern und Kunstliebhabern günstig Zugang zu Original-Graphik zu ermöglichen. Jahr für Jahr wurden Einzelblätter, Graphikkalender und Editionen zu den zentralen Kunstausstellungen herausgegeben. Neben namhaften wurden immer auch junge Künstler mit Aufträgen bedacht.
In der Ausstellung wird ein Querschnitt dieser verdienstvollen Editionstätigkeit gezeigt, wobei die unterschiedlichsten künstlerischen Handschriften und Ausdrucksmöglichkeiten graphischer Technik sichtbar werrden. Zu sehen sind u.a. Arbeiten von Bernhard Heisig, Werner Tübke, Harald Metzkes, Wolfgang Leber, Michael Morgner und Rolf Münzner.

Vernissage: Dienstag, 19. April 2011,
19:00 Uhr
Einführende Worte: Hella Utzt
Musik: Johann-Vincent Slawinski, Viola

20. April bis 20. Mai 2011

è Galerie der Berliner Graphikpresse
Gabelsbergerstr. 6
10247 Berlin

Dienstag, 8. März 2011

Künstlerbücher

Texte und originale Grafik als Einheit

Foto © Jürgen Domes

Eine Sonderform des Buches, das "Künstlerbuch", ist Thema der neuen Ausstellung des Halleschen Kunstvereins, veranstaltet mit besonderer Unterstützung des Stadtarchivs Halle. Zwar ist der Begriff "Künstlerbuch" nicht so fest umrissen, aber Kriterien sind u.a. die kleinen Auflagen, oft die Verwendung von ausgesuchten Materialien z.B. bei Papier und Einband, eine besonders gestaltete Typografie und die Einbindung originaler Grafik, die zumeist signiert ist. Manchmal geschieht das auch zusammen mit der Exemplar-Nummer im Impressum des jeweiligen Buches. Dabei können die Grafiken gleichberechtigt in sich gegenseitiger Ergänzung mit dem Text erscheinen und auch ineinander - einschließlich der  Typografie - verarbeitet werden. In diesem Falle kann man auch vom "Malerbuch" sprechen, während ansonsten die Bilder eher ergänzend dem Text gegenüberstehen, sozusagen illustrativ dienend. Die aufwendige Herstellung und die Einbeziehung originaler Kunst sowie die kleinen Auflagen bedingen einen oft auch weit höheren Preis als in üblichen Druckverfahren des in Massenauflage hergestellten Buches. Seine Verbreitung ist auch stark eingeschränkt und bezieht sich im wesentlichen auf Sammler und Bibliophile, ausgewählte Bibliotheken und die Grafischen Kabinette größerer Museen. Dazu kommt, dass Bücher sich auch in Ausstellungen meist schlecht präsentieren lassen. So ist auch diese Ausstellung nur möglich dank des Entgegenkommens einer Reihe von halleschen Sammlern und Buchfreunden und der Unterstützung des Stadtarchivs Halle und der Stiftung Moritzburg. Vertreten sind u.a. bekannte Künstler wie Nuria Quevedo, Andreas Dress, Rolf Münzner, Karl-Georg Hirsch, Guillermo Deisler, Olaf Wegewitz, Wolfgang Henne, Volker Stelzmann, dazu an halleschen Künstlern u.a. Lars Petersohn, Gerhild Ebel, Sabine Kunz und Dagmar Varady. Besonders zu nennen sind darüber hinaus HAP Grieshaber und Gerhard Altenbourg, letzterer mit seinen legendären "Wunddenkmalen".
(Dr. Hans-Georg Sehrt)

Stadtarchiv Halle, Rathausstraße 1, 06108 Halle
17. Februar bis 25. März 2011

Sonderveranstaltungen anlässlich dieser Ausstellung:
8. März 2011, 18 Uhr: Künstlerbücher hautnah. Dr. Hans-Georg Sehrt stellt einige Bücher aus den Vitrinen einzeln vor
22. März 2011, 18 Uhr: Zur Arbeit des Buchgestalters an eigenen Beispielen. Helmut Stabe, Buchgestalter

Ausstellung des è Halleschen Kunstverein e.V.

Montag, 31. August 2009

Sechster Vogtländischer Kunstkalender 2010

Erik Seidel Schon in sechster Auflage zeigen 13 hervorragende Grafiker aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Meckleburg und aus dem Vogtland ihr Können. In diesem Jahr mit Holzschnitten von Prof. Bernd Göbel aus Halle, Prof. Rolf Kurth aus Mühl Rosin, Hanif Lehmann aus Dresden, Karlheinz Münzner aus Leisnig, Lothar Stauch aus Falkenstein, Erik Seidel aus Plauen, Tino Rex aus Rodewisch, und Peter Zaumseil aus Elsterberg (Deckblatt) - mit einem Linolschnitt von Lothar Rentsch und Ralph Kunzmann beide aus Plauen, - einem Siebdruck von Prof. Günter Junge aus Schöneiche, einer Radierung von Carsten Gille aus Frauenstein und einer Lithografie von Elke Wolf aus Plauen- also es sind alle originalgrafischen Drucktechniken vertreten. Wie immer im Format 70 cm x 50 cm, die Original - Grafiken sind herausnehmbar und einzeln rahmbar. Auch in diesem Jahr für nur 330 €.

Der è
6. Vogtländischen Kunstkalender 2010 wird in der Galerie im Pfarrhaus Mißlareuth vorgestellt, die Ausstellungseröffnung ist am 10. Oktober 2009 um 18 Uhr, natürlich mit Musik und Wein!

Erhältlich ist der Kalender bei è Erik Seidel
Nach den Drei Bergen 33
08527 Plauen
Telefon: +49 3741 220287
mobil: 015209857308
*
Erik Seidel

siehe auch: è Fünfter Vogtländischen Kunstkalender 2009

Mittwoch, 27. Mai 2009

Die Sprache der Bilder

Hans-Meid-Preis für Buchillustration 1994 – 2009
Karl-Georg Hirsch, ANRUF – drunter + drüber, 2004, Acrylstich, 13 x 12 cm (Plattenmaß), © Karl-Georg Hirsch, Eigentum des Künstlers

1993 gründete der Architekt Max Meid eine Stiftung zur Förderung der Buchillustration. Sie trägt den Namen seines Vaters, des Graphikers Hans Meid. Die Hans-Meid-Stiftung vergibt regelmäßig Preise und Förderpreise, herausragende Lebenswerke werden mit Ehrenmedaillen ausgezeichnet.
Gezeigt werden Arbeiten von Eckhard Froeschlin, Bernhard Heisig, Egberth Herfurth, Karl-Georg Hirsch, Horst Hussel, Rolf Münzner, Núria Quevedo, Otto Rohse, Tobias Teschner, Hans Ticha, Klaus Waschk, Jürgen Wölbing und Baldwin Zettl.

Begleitpublikation im Verlag è Faber & Faber Leipzig, 9,50 €.

Ermöglicht durch die Hans-Meid-Stiftung
Mit Unterstützung der Königlich Niederländischen Botschaft

Ephraim-Palais 2. Etage
3. Juli 2009 – 4. Oktober 2009