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Montag, 11. Mai 2026

Jahrestagung 2026 der Deutschen Exlibris-Gesellschaft

Diese fand dieses Mal zum zweiten Mal (nach 2019) im schönen Wetzlar statt, bestens organisiert von unserem Mitglied Matthias Wenger. Von Donnerstag bis Samstag trafen sich 80 Exlibrissammler- und Künstler aus 14 Ländern zum Tausch und Beisammensein.
Es gab Gelegenheit für Spaziergänge und Stadtbesichtigung, ebenso ein Ausflug ins Waldmuseum in Braunfels. Es war ein - wie immer - lebendiges und intensives Zusammensein in freundschaftlicher und gelöster Atmosphäre.
Höhepunkt war das Festdinner am Samstag Abend mit Ehrungen. Es wurden die Sieger des Exlibris-Wettbewerbs verkündet. Preisträger des Jurypreises war der Holzstecher Horst Brandenburg aus Mecklenburg-Vorpommen. Den Publikumspreis teilten sich Marina Kupkina und Sergiy Kirnitsky aus der Ukraine und Jochen Kublik aus Deutschland.
an den Exlibris-Tausch-Tischen: Klaus-Jürgen und Marita Tischer
Utz Benkel wurde in Würdigung seiner herausragenden Verdienste um die Exlibris-Bewegung die Walter-von-Zur-Westen-Medaille von unserem Vizepräsidenten Siegfried Bresler verliehen.
Dr. Henry Tauber wurde von unserem Präsidenten Utz Benkel in Würdigung und Anerkennung seiner Verdienste um die Deutsche Exlibris-Gesellschaft e.V. zum Ehrenpräsidenten unserer Gesellschaft ernannt.
Dies waren bewegende Momente an diesem wunderbaren Abschlussabend.

(Utz Benkel)

Sonntag, 1. Februar 2026

Exlibris des Monats Februar 2026 – Daniel Chodowiecki

Unternimmt man in der Geschichte des gedruckten Exlibris einen Parforceritt, stellt sich die Zeit zwischen der deutschen Renaissancekunst und der zum Ende des 19. Jahrhunderts auftretenden Buchkunstbewegung stilistisch, motivisch und thematisch als eine lange Ära geradezu erdrückender Heraldik-Dominanz dar. Allerdings mit einer ganzen Reihe höchst bemerkenswerter Ausnahmen. Zu diesen gehört der bedeutende deutsche Grafiker und Illustrator Daniel Chodowiecki (Danzig 1726 – 1801 Berlin), dessen Todestag sich am 7. Februar 2026 zum 225. Mal jährt, Anlass genug, seiner großartigen Kunst an dieser Stelle zu gedenken.
Chodowiecki gilt mit seinen mehr als 2.000 Druckgrafiken und einer noch weitaus höheren Anzahl von Handzeichnungen als einer der führenden Vertreter der „künstlerischen Aufklärung“, die sich von dem Dekorationsstil des Rokoko löste, der sich durch große Prachtentfaltung und überbordende Verspieltheit ausgezeichnet hatte. Mittels klarer Struktur und Ordnung in der Darstellung ging es dabei u. a. nachdrücklich um die Vermittlung von Idealen der Aufklärung wie Vernunft, Recht auf individuelle Freiheit und Selbstbestimmung, Gleichheit aller Menschen und Fortschritt dank Wissenschaft und Bildung. Chodowieckis Ruhm gründete sich auf moralisierenden Zyklen (die an Hogarth erinnern), Modedarstellungen und Folgen historischer Ereignisse sowie nicht zuletzt auf seinen Illustrationen zahlreicher literarischer Klassiker von Goethe bis Schiller und Cervantes bis Voltaire.
Ein (ganz) kleiner Teil seines gewaltigen Oeuvres besteht aus Exlibris.
[... Oft führt der] als geflügelter Putto dargestellte Genius der Kunst (als übernatürlicher Schutzgeist) einen jungen bildenden Künstler, der durch seine Malerutensilien als solcher ausgewiesen ist, zu einem weiblichen Halbakt, der von einem Baum beschattetet wird. Eine nackte Frauengestalt taucht in der Kunstgeschichte häufig als Allegorie der Natur auf. Als „Mutter Natur“ steht sie für die Mannigfaltigkeit der Schöpfung und Fruchtbarkeit der Erde. Seit je wird sie immer wieder als Gebärerin, Ernährerin, Erzieherin dargestellt. Wobei oftmals die antike Fruchtbarkeitsgöttin Diana Ephesia als Vorbild diente, die – mit vielen Brüsten versehen – die Produktivität und Vielfalt der Natur symbolisieren sollte. Der junge Künstler mochte so lange an den Brüsten von Mutter Natur saugen, bis er die Wahl treffen konnte, für welche Kunst er sich entscheiden wolle. [...]

Samstag, 24. Januar 2026

Norbert H. Ott (1942 - 2026)

Norbert H. Ott, der am 10. November 1942 in Coburg geboren wurde, war 22 Jahre alt, als er Mitglied der Deutschen Exlibris-Gesellschaft wurde.
[...] Der Einfluss, den Norbert H. Ott auf die Entwicklung der Deutschen Exlibris-Gesellschaft und der Exlibriskunst nach den 1960er Jahren nahm, ist kaum hoch genug einzuschätzen. In zahlreichen Aufsätzen und sonstigen Beiträgen gab er entscheidende Impulse zur Überwindung älterer und eher konservativer Ausrichtungen und Geschmackstendenzen in der Exlibriskunst und bei Sammlern und Sammlerinnen sowie Künstlern und Künstlerinnen – hin zu progressiveren Auffassungen und Ausdrucksformen [...]. Womit er einer großen Anzahl zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen den Weg bahnte. Ott gehörte auch zu denen, die (an)erkannten, dass „fast alles Neue auf dem Gebiet der Exlibriskunst der siebziger und achtziger Jahre, neue Namen, Stilrichtungen und Techniken, aus den Ländern des [damaligen] Ostblocks stammten“. Folgerichtig war er es, der – neben Klaus Rödel – den Eisernen Vorhang für die Exlibriswelt weit öffnete. [...]
Wie wir erst jetzt erfuhren, ist der bedeutende Exlibrist und Mittelalterforscher Dr. Norbert H. Ott bereits am 28. August 2025 in München verstorben. Er wird einen Ehrenplatz im kollektiven Gedächtnis der DEG einnehmen.

(Henry Tauber, gesamten Nachruf auf der DEG-Homepage)

Sonntag, 2. November 2025

36. Berliner Exlibris-Treffen

An jedem ersten November-Wochenende treffen sich Exlibris-Freunde im RUDI-Nachbarschaftshaus in Berlin Friedrichshain – so auch in diesem Jahr am 1. November. Wiederum organisiert von Wolfgang Fiedler, der in diesem Jahr die bemerkenswerte Ausstellung Don Quijote im Exlibris – Im Gedenken an Paul G. Becker zusammenstellte. 463 Exlibris von 380 Künstlern und Künstlerinnen. Zum Thema trug unser ehemaliger Vorsitzender, Ehrenpräsident und Stifter der Walter-von-Zur-Westen-Medaille Paul G. Becker (1931-2024) 1300 Exlibris zusammen. Die meisten der ausgestellten Exponate aus der Sammlung Becker stellte unser Mitglied Joachim Schlosser zur Verfügung. Circa 35 Gäste besuchten das diesjährige bet.
Der ehemalige Präsident der Deutschen Exlibris-Gesellschaft, Henry Tauber, der eng mit Paul G. Becker befreundet war, führte in die Ausstellung und das Thema ein.
Dr. Henry Tauber | Wolfgang Fiedler, der Organisator des BET
Zu Gast waren auch der neue DEG-Präsident Utz Benkel, der Künstler und Schatzmeister Andreas Raub, ebenso die Künstler Norbert Salzwedel, Erhardt Beitz und Falk Geißler und aus Wittenberg die Künstlerin Elena Kiseleva. Der am weitesten angereiste Gast war unser finnisches Mitglied Olli Ylönen.

Mittwoch, 23. Juli 2025

„Dies ist mein Buch“

Anlässlich der Doppelausstellung in Wetzlar und Braunfels ist ein prächtig gestalteter Katalog erschienen. Mit festem Einband, dezentem Vorsatzpapier und Lesebändchen hat er eine bibliophile Aufmachung. Ein humoristisches Exlibris auf dem Einband macht gleich neugierig auf mehr. Beim ersten Blättern fallen die sehr gut präsentierten Exlibris Grafiken auf, von denen meist nur eine Grafik auf einer Seite dargestellt wird, was für die Betrachtung des Blattes sehr angenehm ist. Hervorzuheben ist auch die sehr gute Druckqualität der Abbildungen.
So wird der visuelle Gang durch die verschiedenen thematischen Abteilungen der Ausstellung, die auch den Bildteil des Kataloges gliedern, zum Genuss. Die Reise durch die Welt der Exlibris Grafiken beginnt mit heraldischen Blättern, bevor Berufe auf Exlibris vorgestellt werden. Es folgen die Themen Lehren und Lernen, Druck sowie Bibliotheken und Bucheigner. Die Themen Goethe und Fotografie sind Bereiche die eng mit der Stadt Wetzlar in Verbindung stehen. Natürlich dürfen Blätter aus der Zeit des Jugendstils und der Lebensreform, der Hochzeit des Exlibris, nicht fehlen. Weitere Abteilungen widmen sich Exlibris-Künstlern, dem Thema Sammeln und den Remarque, den oft witzigen grafischen Randnotizen auf einer Druckplatte. 
Nach dem Bildteil des Kataloges gibt ein profunder Text von Dr. Tauber, dem ehemaligen Präsidenten der Deutschen Exlibris Gesellschaft, einen Überblick über die Geschichte des „modernen“ Exlibris vom Jugendstil, über weitere Stilrichtungen bis in die Neuzeit, in der Exlibris auch von Computern und künstlicher Intelligenz generiert werden können. Der wissenschaftliche Charakter dieses Textes, mit vielen Bildbeispielen und reichhaltigen Quellenangaben, machen den Katalog zu einem lesenswerten Kompendium. In einem kurzen abschließenden Aufsatz beleuchten Hildegard und Wolfgang Neuner die Provenienz der Exlibris Sammlung des Museumsgründers Dr. Kanngiesser. Dabei wird die wichtige Rolle von den Angaben zu Eignern, Künstlern und Entstehungszeit auf den Bucheignerzeichen deutlich.
Leider fehlen solche Angaben zu den im Bildteil vorgestellten Exlibris. ...

Von dem Katalog wird auch eine Sonderedition mit zwei Original-Exlibris als Beilage von Krzysztof Marek Bak und Andreas Raub in einer Auflage von 30 Exemplaren angeboten. Die normale Ausgabe des Kataloges ist für 20,- € im Stadtmuseum Wetzlar oder im Waldmuseum Dr. Kannengiesser in Braunfels zu bestellen oder direkt an der Museumskasse zu erwerben.

(Siegfried Bresler, gesamter Beitrag hier)

Freitag, 20. Juni 2025

DEG Jahrbuch 2025

Hans-Joachim Genge beginnt mit den auf Exlibris sehr vertrauten Darstellungen von öffentlichen wie auch privaten Bibliotheken. [...] Eine feine Zusammenstellung repräsentativer Beispiele, die das breite Themenfeld treffend abdeckt.

Kornélia Vasné Tóth führt uns in eine im Jahr 1919 eröffnete Buchhandlung in Budapest und macht uns mit dem ungarischen Buchhändler und Kunstsammler István (Stefan) Kellner bekannt. Neben Exlibris, vorwiegend für Stefan Kellner, werden auch Verlegerzeichen für denselben, eine Werbung für die Buchhandlung sowie ein Titelblatt für Exlibris und Gelegenheitsgrafik vorgestellt.
Mit Wohn(t)räumen widmet sich Tomas Ostermann einem heute fast vergessenen Thema, dem ehemaligen Herrenzimmer. [...]
Anschließend [ertklärt] Heinz Neumaier [...], dass man ab dem 18. Jahrhundert auch in gut situierten Familien besonderen Wert auf einen Musikraum im eigenen Haus legte. [...]
Andreas Raub präsentiert Künstlerateliers in der Kleingrafik sowie Werkzeuge zur Herstellung von Grafiken. [...]
Es folgen Restaurantbesuche mit Anke Polenz. Vom opulenten Mahl bis zur einfachen Konsumation in einem Zugabteil werden unterschiedliche Situationen vorgestellt. Natürlich darf auch das Restaurant von Mario de Filippis, einem sehr bekannten Exlibris-Sammler, nicht fehlen.
Schließlich wird es intim, denn Klaus Thoms beschäftigt sich mit geschützten Räumen. Ob Bad, Toilette, Boudoir oder Schlafzimmer – er stellt sie alle vor. Von einer alten römischen Latrine über ein Plumpsklo (ein Exlibris von Zoltan Ven) bis zu einer Toilette von Friedensreich Hundertwasser in Neuseeland, ist einiges zu bestaunen. Auch Badezimmer sind nicht tabu im Exlibris.
Noch intimer wird es bei der Anatomie. Anne Büsing stellt Exlibris mit Höhlen und Hohlräumen bei Mensch und Tier vor. [...]
Im nächsten Beitrag reisen wir gemeinsam mit Johann-Peter Haas nach Florenz. Hier stehen vor allem Außenräume und bekannte Gebäude dieser wunderschönen Stadt im Mittelpunkt, ebenso berühmte Künstler wie Sandro Botticelli mit seiner Venus, Michelangelo mit seinem David, sowie Dante Alighieri, Galileo Galilei und Niccolò Machiavelli. Auch das düstere Kapitel der Regentschaft von Fra Girolamo Savonarola gehört dazu, illustriert durch eine Grafik von Sepp Frank, die den geächteten Prediger zusammen mit zwei Gefährten auf dem Weg zum Schafott zeigt.
Den Abschluss dieses vielseitigen Themenbandes bildet ein Beitrag von Ulrike Ladnar. Sie ist dem Geheimnis einer Schachtel auf der Spur. Es handelt sich um eine Schachtel mit zwei in hoher Auflage vorhandenen Exlibris für Henny Weil, die Tomas Ostermann gekauft und als Originalbeilagen für dieses Jahrbuch gespendet hat. [...]
Zwei weitere Beilagen [...] sowie ein Nachdruck von der Originalplatte eines Exlibris von Guido Balsamo Stella – vervollständigen diese Ausgabe.

(A. Aeberhard, gesamte Rezension hier)

Das DEG Jahrbuch 2025 Exlibriskunst und Grafik
Deutsche Exlibris-Gesellschaft e. V. Forum für Kleingrafik, 2025
geb. mit zahlreichen Illustrationen
ISBN 978-3-925300-76-9
Erschienen in 300 nummerierten Exemplaren

Donnerstag, 2. Januar 2025

PF der DEG von Mariana Myroshnychenko

Hauptmotiv der Neujahrsgrafik 2025 der DEG ist das oberschwäbische Memmingen (Freie Reichsstadt von 1286–1803), der Austragungsort der DEG-Jahrestagung 2025. Hier wurden 1525 von Bauern die „12 Artikel von Memmingen“ verfasst, die (nach der Magna Charta von 1215) als eine der frühesten schriftlich niedergelegten Forderungen nach Menschen- und Freiheitsrechten in Europa gelten. 2025 begeht Memmingen das Jubiläumsjahr „500 Jahre Zwölf Artikel“.
Die Idee zur PF-Grafik stammt von der ukrainischen Künstlerin Mariana Myroshnychenko, DEG-Mitglied und Teilnehmerin an der Ausstellung „Day after Day“, die, initiiert und kuratiert von Utz Benkel und Marie Plyatsko, seit Mai 2023 in verschiedenen Städten Deutschlands und der Ukraine gezeigt wurde. Die Ausstellung vermittelt die Situation ukrainischer KünstlerInnen seit dem 24. Februar 2022 – auf bewegende Weise visualisieren die KünstlerInnen ihre Gefühle und Emotionen, Sorgen und Ängste, Wünsche und Hoffnungen.

Das Gedenken an die vor fünf Jahrhunderten mitten im Deutschen Bauernkrieg, in dem etwa 70.000 Bauern ihr Leben verloren, niedergeschriebenen „12 Artikel von Memmingen“ möge dazu dienen, auch der heutigen Kriegsopfer weltweit zu gedenken und alles dafür zu tun, um Menschen- und Freiheitsrechte zu achten und zu verteidigen.
Das DEG-PF hat die Künstlerin im Übrigen bewusst so gestaltet, dass es sich mehrfach nutzen lässt, nämlich durch den Austausch der Zeile „PF 2025“ zu „Exlibris“ und des Begriffs „Deutsche Exlibris-Gesellschaft e. V.“ zu einem Namen oder zu einer Leerstelle. Es kann also in ein Bücherzeichen oder ein Universalexlibris „umgewandelt“ werden – was u. a. während Druckvorführungen auf der DEG-Tagung ermöglicht werden wird.

(Dr. Henry Tauber)

Donnerstag, 27. Juni 2024

Graphische Kunst Heft 1/2024

Originalgraphiken (v.l.n.r.) Artur Wiener: Ansichtssache, Caroline Salzwedel: Werkstadt und Thomas Escher: Hommage á Böcklin, Titelabb.: Nina Bergold
Im gerade ausgelieferten Heft findet sich von Siegrfied Bressler ein Überblick über das graphische Werk vom Carla Fusi, ein Bericht über die raumgreifenden, in Schwarz gehaltenen Folienschnitte von Nina Joanna Bergold, Dr. Irmgard Heidler informiert über die Pegasus Presse, Fabian Skotorzick stellt den Meister der Schwarzen Kunst Artur Wiener und Henry Tauber die Deutsche Exlibris-Gesellschaft vor, Den Künstlerbüchern der Hirundo-Presse widmet sich Reiner Stec.
Neben den abgebildeten Originalgraphiken ist der Ausgabe A die Radierung Due betulle von Carla Fusi und 2-farbige Linolschnitt Tauchsprung von Nina Joanna Bergold beigelegt.

Dienstag, 7. Mai 2024

Exlibris des Monats Mai 2024 – Gewinner im DEG-Wettbewerb 2024 „Bestes Exlibris“

Die Teilnehmer an der Jahrestagung der Deutschen Exlibris-Gesellschaft 2024 in Neustadt an der Orla haben zwei Blätter stimmengleich zum „Besten Exlibris“ gewählt – deshalb werden diese beiden Bücherzeichen auch als „Exlibris des Monats Mai 2024“ vorgestellt.

Zunächst das Exlibris von Lembit Löhmus für Klaus Jürgen Tischer.
Mit seiner brillanten Technik – gleich, ob in Holz-, Kupfer- oder Stahlstich ausgeführt – zählt der 1947 in Mustla geborene estländische Künstler zweifellos zu den führenden zeitgenössischen Exlibris-Stechern. Ob Landschaften, Pflanzen, Porträts oder wie in diesem Bücherzeichen: erotische Motive, jedes seiner Blätter „besticht“ durch höchste Virtuosität und extreme Feinheit.
Zwei von Pflanzen umrankte similare weibliche Akte präsentieren sich Rücken an Rücken, schön und selbstbewusst. Zwischen ihnen eines der schönsten, prachtvollsten Geschöpfe im Tierreich: ein Schmetterling (wohl ein Großer Fuchs), das Symbol für Schönheit und Freiheit, Transformation und Kreativität.
Lembit Löhmus: Exlibris für Klaus Jürgen Tischer, 2023, Kupferstich, 55 x 70 mm
Das zweite Gewinnerblatt des DEG-Wettbewerbs 2024 ist Silvana Martignonis Exlibris für den Chemiker und Kunstsammler Wolfgang Hönle, der 2016 die Wolfgang Johannes Hönle – Stiftung Kunst und Chemie gründete, deren Motto der Maxim-Gorki-Spruch ist: „Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt, die Kunst ihre Seele“. Neben vielem anderen gehören zu den Schwerpunkten seiner Kollektion Gemälde und Grafiken zur Alchemie, d. h. zu dem frühen Zweig der Naturphilosophie, aus dem sich im Zuge der Aufklärung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die heutige Wissenschaft der Chemie entwickelte.
Dem Exlibris zugrunde liegt ein Motiv von Johann Martin Schmidt (1718–1801), der damit (für Hönle) kurz vor der Aufklärung das Belegstück für die Darstellung des Alchemisten am Feuerherd geschaffen hat. Die Szene ist ins Freie verlagert (auch wenn ein Tier von einer imaginären Decke herabhängt). Der am Athanor, dem speziellen Ofentyp der Alchemisten, hantierende Protagonist mit der hohen Haube als Hitzeschutz ist umgeben von den typischen Untensilien der Alchemisten, aufgeschlagenem Naturkundebuch, Mörser und anderen Gefäßen sowie Totenschädel mit Knochen.
Silvana Martignoni: Exlibris für Wolfgang Hönle, Der Alchemist nach einem Motiv von Johann Martin Schmidt, 2023, Radierung/Mezzotinto, 140 x 120 mm
(Henry Tauber, vollständiger Artikel hier)

Dienstag, 9. Januar 2024

Nachruf auf Paul G. Becker

Oswin Volkamer: Exlibris für
Paul G. Becker, 1981, Kupferstich
In seinem 93. Lebensjahr ist der langjährige Ehrenpräsident der Deutschen Exlibris-Gesellschaft Paul G. Becker verstorben. Denen, die ihn bereits in seiner Zeit als Erster Vorsitzender der DEG (1977–1986) und als DEG-Archivar (1986–1992) erlebten, und jenen, die ihn danach als Sammler und Auftraggeber, großzügig Tauschenden und ruhigen, besonnenen Gesprächspartner kennenlernten, wird er als beeindruckende, stets integre Persönlichkeit in Erinnerung bleiben.
[...]
Seine große Leidenschaft gehörte der Exlibriskunst. Dank seiner Werke und seiner Exlibris wird er der Exlibriswelt unvergessen bleiben.
Paul G. Becker verstarb am 1. Januar 2024 in Lübeck.

(Henry Tauber, vollständiger Nachruf hier)

Sonntag, 31. Dezember 2023

Exlibris des Monats - PF 2024

Was wird uns 2024 bringen?

Jedweden Herrschenden war die Sonnenblume neben vielem anderen immer wieder Sinnbild von Macht. 2023 wurde allzuviel davon entfesselt ausgeübt. Der Russlandkrieg gegen die Ukraine, kriegerische und terroristische Kämpfe überall auf der Welt, im Nahen Osten, in der Sahelzone, in Kolumbien – weltweit mehr als 100 bewaffnete Auseinandersetzungen.
Dem hält der junge Mensch auf dem DEG-PF die Sonnenblume als Symbol für Sonne, Licht, Leben und Glück entgegen.
Das PF hat der 1959 in Leipzig geborene und heute in Aschaffenburg lebende Maler, Zeichner und Holzschneider Frank Eißner geschaffen. Seit 30 Jahren gestaltet Eißner Exlibris, herausragende Farbholzschnitte in der Technik der „Verlorenen Form“; seine bevorzugten Bildmotive sind Darstellungen des anmutig-erotisch Weiblichen, die Schrift markant und typisch. Das PF ist ausnahmsweise (fast) in Schwarzweiß gehalten.

Die DEG wünscht Ihnen alles erdenklich Gute für das Jahr 2024:
Lebensglück und Freude, Gesundheit und Zufriedenheit, Beseitigung des Unnötigen, Liebe, Freiheit und Frieden!

(Dr. Henry Tauber)

Samstag, 2. Dezember 2023

Exlibris des Monats Dezember 2023 – Erich Büttner für Albert Einstein

Das Exlibris des Monats Dezember 2023 [...] stammt von dem expressionistischen Künstler Erich Büttner, der Mitglied des Berliner Sezession war, während des Ersten Weltkriegs in der Kartenabteilung des Generalstabs in Berlin arbeitete, wo auch Albert Einstein tätig war und die beiden sich anfreundeten. [...] dieses Exlibris [...] ähnelt einem Blatt (WVZ 28) aus demselben Jahr 1917, das Büttner so beschreibt: „Ein Kindlein zeigt dem Menschen strahlende Sterne.“ In seinem 1921 von ihm selbst veröffentlichten Werkverzeichnis ergänzt er dazu: „(Als Einstein-Exlibris angefangen. Durch Nr. 25 überholt.)“ In das ursprünglich für Einstein gedachte Blatt fügte Büttner demnach seinen eigenen Namen ein, es wurde in der Entstehungsfolge sein siebtes Eigenexlibris. Die berühmt gewordene, hier abgebildete Opus-Nr. 25 ist keineswegs ein Pseudo-Exlibris, vielmehr war es von Elsa Löwenthal geb. Einstein, einer Cousine des Physikers, die er als seine zweite Frau 1919 auch heiratete, bei Büttner bestellt worden, es war also eine Auftragsarbeit. Büttners Bildbeschreibung lautet: „Auf einem Steine [z. T. redendes Exlibris] steht der Mensch umbrandet von Kräften und Sternen.“ Es wurde das Bücherzeichen, das Einstein tatsächlich allgemein gebrauchte. [...]

(Henry Tauber, gesamte Beschreibung hier)

Donnerstag, 1. Juni 2023

Exlibris des Monats: Josef Werner für Henry Tauber

Josef Werner für Henry Tauber, Opus 237, 2022, Radierung
Ein Exlibris zu einem der apokalyptischen Mysterien: „Und ich sah: Ein anderes Tier stieg aus der Erde herauf. Es hatte zwei Hörner wie ein Lamm, aber es redete wir ein Drache. Die ganze Macht des ersten Tieres übte es vor dessen Augen aus. Es brachte die Erde und ihre Bewohner dazu, das erste Tier anzubeten, dessen tödliche Wunde geheilt war. Es tat große Zeichen; sogar Feuer ließ es vor den Augen der Menschen vom Himmel auf die Erde fallen. […] Die Kleinen und die Großen, die Reichen und die Armen, die Freien und die Sklaven, alle zwang es, auf ihrer rechten Hand oder ihrer Stirn ein Kenn-zeichen anzubringen. Kaufen oder verkaufen konnte nur, wer das Kenn-zeichen trug: den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier braucht man Kenntnis. Wer Verstand hat, berechne den Zahlenwert des Tieres. Denn es ist die Zahl eines Menschennamens; seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.“ (Offenbarung 13, 11–18).

Die Bedeutung der Zahl 666 ist über die Jahrhunderte hindurch ein Mysterium geblieben. [...]
Im Altertum wurden griechische, hebräische und römische Zahlen mit denselben Zeichen wie Buchstaben geschrieben. Die Zahlenwerte der Buchstaben eines Wortes ließen sich addieren, die Summe konnte mittels gematrischer Berechnungen (bei denen Wörter mithilfe von Zahlen interpretiert werden) ausgelegt und in andere Wörter umgeformt werden. [...]
Sehr viel später erst kam eine endzeitliche Deutung auf, der Bezug auf neue finstere Mächte. Die Zahl 666 blieb die Zahl des Antichristen, des Teufels, des Weltverführers, des Bösen schlechthin, und die fast zwei Jahrtausende zuvor gemeinten Namen ließen sich austauschen, da gäbe es „mehrere passende Kandidaten“, so Josef Werner.

Der seit 1968 in Deutschland lebende Künstler, der in seinen mehr als 240 bis heute entstandenen Exlibris ein fabelhaft-skurriles Welttheater erschaffen Eignername eingeschrieben ist, in absurden Szenen agieren und handeln, zeigt das zweite Tier des Offenbarungskapitels 13 als bedrohlich den Betrachter fixierenden drachenartigen Lindwurm mit drei Sechsen im Gesicht, am Leib einen deformierten (kommunistischen) Stern, darunter mit seinem Körpergewicht die Erdkugel einquetschend (man denke an Charlie Chaplin, der im „großen Diktator“ mit dem Globus tanzt), über dem Kopf das allsehende (KGB-)Auge und riesige Pranken, bereit, sich alles zu krallen, dessen sie leibhaftig werden können, die ganze Szenerie umfangen von aus dem Himmel wie Raketen zur Erde herabstürzenden Flammen.[...]
Dieses „böse“ Bücherzeichen wurde auf der DEG-Jahrestagung 2023 zum „Besten Exlibris“ gewählt.

(Henry Tauber, der komplette Beitrag hier)

Mittwoch, 24. Mai 2023

Preisträger des DEG-Wettbewerbs 2023

Zu den Höhepunkten jeder DEG-Tagung gehört traditionsgemäß die Präsentation der für den Wettbewerb für Exlibris und Gelegenheitsgrafik eingesandten Arbeiten, die seit Beginn des Vorjahres entstanden sind, und die Auszeichnung der gewählten SiegerInnen in den einzelnen Kategorien.

Ein Jahr nach der letztjährigen Veranstaltung in Moers beteiligten sich am Wettbewerb 2023 in Paderborn 40 KünstlerInnen aus 14 Ländern (2022: 37 KünstlerInnen aus zehn Ländern) mit insgesamt 120 Grafiken (2022: 110 Grafiken), nämlich 101 Exlibris und 19 Gelegenheitsgrafiken.

Die Jury: Bert Groeneveld (Antiquar), Marina Maroz (Künstlerin) und Christiane Windeck (Tagungsteilnehmerin) sprach folgenden Künstlern die Preise in der Kategorie „Bester Künstler“ bzw. „Beste Künstlerin” zu:
1. Mykhailo Drimaylo (UA)
2. Silvana Martignoni (I)
3. Krzysztof Marek Bąk (PL)
Die Publikumspreise gingen an: Josef Werner (CZ/D) – “Bestes Exlibris” (für Henry Tauber), siehe Exlibris des Monats Juni 2023 und
Marie Plyatsko – “Beste Gelegenheitsgrafik” (“Burns”)

Mittwoch, 1. März 2023

Otto Ubbelohde: Kraniche über weiter Landschaft

Otto Ubbelohde für J. T. Alb. Hosbach, [1910], Radierung
[...] Auf dem Exlibris des Monats März ziehen drei Kraniche majestätisch, buchstäblich erhaben, über eine weite Flusslandschaft mit einzelnen Baumgruppen, den Horizont markiert eine langgezogene Mittelgebirgsanhöhe, am bewegten Himmel ballt sich Gewölk. Wir befinden uns – mehr als hundert Jahre zurückversetzt – mutmaßlich in der nordhessischen Heimat Otto Ubbelohdes, der der Schöpfer dieses 1910 entstandenen Bücherzeichens für J. T. Alb. Hosbach ist. Insgesamt schuf er acht Blätter für Mitglieder der Familie Hosbach, die wahrscheinlich nach Amerika ausgewandert war und sich dort in Philadelphia niedergelassen hatte.
Der Spruch über der Darstellung „Nature is the empire of freedom“ ist eine der Inschriften auf dem Sockel eines von dem Rauch-Schüler Friedrich Drake geschaffenen Alexander-von-Humboldt-Denkmals in Philadelphia, mit dem der berühmte deutsche Naturforscher zu seinem 100. Geburtstag 1869 als „citizen of the world“ gedeutet und gefeiert wurde.
[...] Ubbelohde, der 1922 im Alter von 55 Jahren einem Krebsleiden erlag, sah sich selbst vor allem als Maler, weltweit bekannt wurde er jedoch durch seine Illustrationen zu einer 1909 erschienenen Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Mag sein Stern auch verblasst sein, zählen für so manchen Exlibrissammler nach wie vor Bücherzeichen von Otto Ubbelohde zu den Glanzstücken der eigenen Kollektion.

(Henry Tauber, gesamten Beitrag lesen)

Sonntag, 1. Januar 2023

DEG-PF 2023

Das DEG-PF 2023 zeigt ein Boot, das auf dem Wasser treibt. Erkennbar der Schiffsrumpf und eine Reihe von eng miteinander verbundenen Fantasie-Aufbauten: vor den aufgeblähten Segeln eine große Fünf-Zeiger-Stand- oder Turmuhr, deren Stunden- und Minutenzeiger auf 5 vor 12 stehen, davor eine in die Wogen eintauchende Zahnraduhr, am Bug der Kopf einer Galionsfigur mit weit geöffnetem Mund (mit züngelnder Zunge, oder züngelndem Fortsatz der links neben dem Kopf platzierten Kringelform?), darüber ein die Kringelform aufgreifendes Steuerrad, das Boot begrenzende Zeiger und Pfeile, überall Schlangenlinien, auch als Stand- oder Turmuhrhaube und als Meereswellen, über allem der Himmel als Flechtwerk. Es handelt sich unverkennbar um eine Arbeit des ukrainischen Künstlers Sergiy Hrapov (* 1956).
Entstanden ist die virtuose Zeichnung nach dem 24. Februar 2022, dem Tag des Angriffs Russlands auf die Ukraine, dem Beginn eines Krieges so nahe an unseren Grenzen mit weitreichenden humanitären, politischen, wirtschaftlichen, finanziellen Folgen.
Hrapov „stellte sich ein Boot vor, das auf dem Wasser trieb. Wir sind das Boot. Die Uhr im Boot ist die Zeit, die uns auf diesem Planeten gegeben wird. Wasser ist die Zeit, die sich bewegt und von uns wegfließt. Die Zeit kommt und das Wasser verschluckt das Boot.“ Hrapov verband sein Werk mit der Hoffnung, „dass der Beginn des nächsten Jahres uns das Ende des Krieges bringen wird“ – ein Wunsch, der sich leider auch nicht annähernd erfüllt hat.
Schon während des Kalten Krieges pflegte die DEG enge Kontakte zu SammlerInnen und KünstlerInnen aus dem damaligen Ostblock, der Sowjetunion, der DDR, Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien. Und pflegte diese engen Kontakte auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion weiter, zu SammlerInnen und Künstlern aus Russland, den baltischen Staaten, aus Belarus, der Ukraine, Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien.
Dank ihrer an bedeutenden Kunsthochschulen ausgebildeten formidablen Künstlern wurden – neben anderen – die Ukraine und Russland geradezu Hochburgen der kleingrafischen Kunst und damit des Exlibris. Auf zahlreichen Exlibris-Tagungen, -Ausstellungen und -Wettbewerben der DEG haben wir eine große Anzahl wunderbarer Künstlern aus diesen Ländern kennen und schätzen gelernt. Was für eine Tragik, dass ausgerechnet diese beiden Staaten nun Krieg gegeneinander führen! Hoffen wir – trotz allem – auf ein baldiges Ende dieses verheerenden Krieges!
Wir wünschen Ihnen alles erdenklich Gute für das Jahr 2023: Gesundheit, Zufriedenheit, Freude und: Frieden!*

Dr. Henry Tauber
für den Vorstand der DEG

*gegendertes wurde, wie generell in diesem Blog, korrigiert

Dienstag, 27. Mai 2014

DEG-Jahrbuch 2014

Herausgegeben von der Deutschen Exlibris-Gesellschaft erschien in einer Auflage von 450 numerierte Exemplaren das „DEG-Jahrbuch 2014 - Exlibriskunst und Graphik“. Auf 152 Seiten enthält es, zusammengestellt von Henry Tauber, eine Vielzahl interessanter Aufsätze mit zahlreichen Abbildungen und Beigaben. Darunter auch ein Beitrag von Michael Eschmann, der unter gleichlautenden Titel „Spurensuche. Exlibris von Antiquaren“ vor drei Jahren in „Aus dem Antiquariat“ erschien. Eschmann, der sich mit diesem Thema seit 2010 beschäftigt und darüber publiziert, aktualisierte den AdA-Artikel für das Jahrbuch und erweiterte den Bildteil mit den Exlibris auf nunmehr 20 Exlibris von Antiquaren bzw. Antiquariaten (in AdA waren es sieben Abbildungen). Unter den dargestellten Exlibris befinden sich auch die „Pirckheimer“ Erich Bürck und Antiquariat Ballon und Wurm.
Weitere Beiträge finden sich unter anderem von Wolfgang Hönle über Agathe Doposcheg-Schwabenau, Heinz Neumaiers Rezeptionhistorie zu Richard Strauss Salome und Claudia Karolyi macht sich unter dem Titel Randerscheinungen Gedanken zur zeitgenössischen Exlibris und Eignergrafiken.