Dienstag, 4. März 2025

Susanne Theumer zum 50. – Die Lichtsehende

Wer als Künstler/in in Schwarz-Weiß arbeitet, hantiert mit purem Licht. Die Kunst ist, mit den Mitteln der Nichtfarbe, das sind Schwarz und Weiß qua Definition, beim Betrachtenden dennoch Eindrücke einer farbigen Realität zu erzeugen. In den Kohlezeichnungen und Radierungen von Susanne Theumer wirkt das Licht so intensiv und sinnlich, dass ein Bild allein dadurch im Gedächtnis haften bleibt.
Das hat sicherlich auch etwas mit der Arbeitsweise der Künstlerin zu tun: Sie zeichnet und radiert vor Ort. Als wir vor zwei Jahren in unserer Ausstellung „Lost places“ ihre Zeichnungen von zerfallenden Fabrikgebäuden ausgestellt haben, schrieb sie dazu: „Wenn ich so ein Gebäude entdecke, steige ich dort ein, es klappt fast immer, auch wenn es verboten ist. Einmal hatte ich auch Polizeibesuch... Doch es muss vor Ort geschehen! Ich zeichne auf dem Boden sitzend, ca. 3 Stunden arbeite ich vor Ort daran, mit den großen Radierplatten gehe ich meistens mehrere Tage an dieselben Stellen und arbeite daran weiter. Vor Ort ist die Stimmung, sind die Geräusche, die Begegnungen mit anderen Beobachtern und Tieren, das Licht, das Wetter insgesamt, das Erfühlen des Ortes etwas ganz Wesentliches und Authentisches, alles muss in die Zeichnung. Nur das Wenigste bearbeite ich im Atelier weiter, oder in der Druckwerkstatt.“ Gerade ist die Künstlerin von einem Arbeitsaufenthalt im Niemeyer-Holstein-Atelier auf Usedom zurück, und natürlich drang sie, wo sie schon mal in der Nähe war, unbefugt auf das Gelände der „Heeresversuchsstelle“ vor, wo noch gruselige Nazibaurelikte zerfallen.

(Wolfgang Grätz)

Eröffnung: 18. März 2025, 19 Uhr, in Anwesenheit der Künstlerin 
Ausstellung: 18. März . 17. Mai 2025

Büchergilde Buchhandlung & Galerie
Staufenmauer, Fahrgasse, 60311 Frankfurt am Main

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