Freitag, 12. Juli 2024

Utz Benkel - PROträts

Der Kulturspeicher Ueckermünde präsentiert in der Galerie unterm Dach 43 farbige Linolschnitte und Linoldrucke von Utz Benkel in seiner Ausstellung „PROträts“.

Darin werden ab 2012 vom Künstler geschaffene Portraits von Menschen, die sich PRO/FÜR mittels Musik, Kunst, Literatur oder Politik für etwas einsetz(t)en. Durchweg sind es starke Persönlichkeiten, die den Künstler durch ihre Lebensgeschichte, ihre Haltung, ihr Engagement und die Qualität ihrer Kunst sehr beeindruckt und berührt haben und an die er mit seinen Arbeiten erinnern möchte.

Dazu gehören die 2013 zum ersten Mal erschienene Kalenderreihe „Die wilden 13“: Revolutionärinnen aller Welt, Starke Frauen (2014-2017), Männer (2017), MusikerInnen (2018-2021) und Literaten (2022).
Wolfgang Borchert, Annemarie Schwarzenbach,
unten Pina Bausch

Auch Portraits bekannter Politiker, wie Libertas und Harro Schulze-Boysen, die 1942 in Berlin-Plötzensee ermordeten Widerstandkämpfer der Roten Kapelle und Raoul Wallenberg, der als schwedischer Diplomat Zehntausende Juden in Ungarn rettete werden gezeigt. Portraits von Musikern reichen von A wie Ian Anderson dem schottischen Musiker und Frontmann der Band „Jethro Tull“ über den Queen-Sänger Freddi Mercury und Rio Reiser – „König von Deutschland“ bis Y wie den Folksänger Neil Young.

Ausstellung: 12. Juli -31. Oktober 2024

KULTurSPEICHER
Galerie unterm Dach
Bergstraße 2, 17373 Ueckermünde

Kafkas Hut

Reiner Ehrt, Jahrgang 1960, studierte 1981-1988 an der Hochschule für Kunst und Design Halle Burg Giebichenstein. Seine Arbeitsgebiete sind Malerei, Grafik, Cartoon, Illustration und Holzskulptur sowie poetische und belletristische Bücher, Unikatbücher und Mappenwerke. Er lebt und arbeitet in Kleinmachnow bei Berlin.
„Meine Bilder haben oft erzählerischen, Literatur, Kulturhistorie und Geschichte refektierenden Charakter - daher ergibt sich eine besondere Beziehung zum Medium Künstlerbuch. Allen Büchern gemeinsam ist eine gegeständlich - ironische Bildsprache und ein solider Handeinband, verbunden mit expressiv gezeichneten Texten. In der eigenen Edition kann ich buchkünstlerische und literarische Ambitonen gleichermaßen realisieren."

Vernissage: 19. Juli 2024, 19 Uhr!, Einführende Worte: Sigrid Wege (Vorsitzende - Verein der Bibliophilen und Grafikfreunde „W. Pirckheimer") Musik: Carola Perlich (Akkordeon)
Ausstellung: 19. Juli - 18. September 2024
Finissage / Lesung: 18. Sewptember 2024, 18 Uhr

FABULARIUM
Grüne Zitadelle zu Magdeburg
Breiter Weg 10a, 39104 Magdeburg

Donnerstag, 11. Juli 2024

Anerkennung für die Bücherkinder Brandenburg

... aus einem Brief von Armin Schubert, Mentor der Bücherkinder, an die Anna Seghers Gesellschaft:

Heute war der letzte Schreibtag vor den Sommerferien und am Ende gab es dann die Büchergeschenke. Auf den Tischen lagen wahlweise Texte/ Kopien zu Kant 300, zum Regenbogen mit Arche, zu Jurek Becker: Ein Baum, was ist das schon und von Maja Lunde Die Geschichte der Bienen.
Bei der Hitze war es erstaunlich, dass die Kinder am Nachmittag sich solchen Themen noch genähert hatten. Das Klima an den Schulen ist so wenige Tage vor den Zeugnissen weit entfernt von Lernenmüssen/ -wollen. Und doch war heute Stille beim Lesen und Schreiben. An die Anna-Seghers- Gesellschaft nun unseren Dank mit Fotos, denn am Ende gab es das Argonautenschiff. [...]
Ich werde nun den Sommer über all die Texte durchsehen und abtippen und lektorieren und dann planen, wozu wir im Sept. noch Illustrationen machen werden. Helge Leiberg hat zugesagt, dass wir von ihm ein Original bekommen werden. Im August werde ich ihn besuchen. [...]

Mittwoch, 10. Juli 2024

Rohrbruch in der Berliner Stadtbibliothek

    
Das Gewitter am Mittwoch war heftig und kurz, hat aber schwere Schäden hinterlassen: Dabei ist in der Berliner Stadtbibliothek ein Rohr gebrochen und der Keller mit Regenwasser vollgelaufen. Eine Katastrophe, denn im Keller sind laut Bibliotheksdirektor Hunderttausende Bücher gelagert, darunter kulturelles Erbe Berlins.

1 Kommentar:
Eva Schwarz hat gesagt (10. Juli 2024)
Seit Jahren kämpft die ZLB für ein neues Gebäude und hat dann zB beim Bürgerentscheid um die Bebauung des Tempelhofer Feldes, wo auch ein Neubau für die Bib angedacht war, den kürzen gezogen. Der vorhandene Platz reicht schon lange nicht mehr für die Bestände. Das ist ja auch nicht die erste Überflutung. Fleißig den Umzug in die Galerie Lafayette unterstützen und das Problem könnte endlich aus der Welt geschafft werden.

Nur Papier, und doch die ganze Welt

2024 feiert das Grafikmuseum Stiftung Schreiner in Bad Stebenein doppeltes Jubiläum: 30 erfolgreiche Jahre mit zahlreichen, vielbeachteten Ausstellungen regional, national und international renommierter Künstler. Unter dem Motto »Nur Papier, und doch die ganze Welt. 30 Jahre Grafikmuseum Stiftung Schreiner Bad Steben« besinnen sich das Museum einmal mehr auf Ostdeutschland und Osteuropa als den beiden Sammlungsschwerpunkten dieses in Deutschland einzigartigen Spezialmuseums.

Als Sinnbilder deuten und ordnen Symbole die Wirklichkeit und werden damit zu einem für uns eminent wichtigen Kompass in einer immer diffuseren Welt, die schließlich lesbar wird. Dieser besonderen Magie spürt die internationale Schau zum 30. Jubiläum des Grafikmuseums Stiftung Schreiner nach, in der ausgewählte Werke von Künstlern aus Bulgarien, Deutschland, Polen, Rumänien und Tschechien präsentiert werden.

Vernissage: 21. Juli 2024, 11 Uhr
Ausstellung: 21. Juli – 13. Oktober 2024

Grafikmuseum Stiftung Schreiner
Bad Stebenein

Dienstag, 9. Juli 2024

Trauerfeier für Harald Kretzschmar

Sommerpause bis September

Der Berliner Bibliophilen Abend wird nach der Sommerpause in der zweiten Septemberwoche im Salon Ekke Maaß zusammenkommen. Der Liedermacher Ekkehard Maaß wird sein von Moritz Götze illustriertes Künstlerbuch mit Texten von Bulat Okudschawa vorstellen.

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Die Regionalgruppe Berlin -Brandenburg der Pirckheimer-Gesellschaft wird sich nach ihrer Sommerpause zu einem Vortrag von Fritz Jüttner zum Thema Das Epos - sein Dichter - sein erster Verleger. Ein bibliophiler Streifzug durch Carl Hermann Hemmerdes Drucke von Klopstocks "Messias" treffen

5. September 2024, 19 Uhr

Zentral und Landesbibliothek Berlin
Kleiner Säulensaal
Breite Straße 36, Berlin-Mitte
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Die nächste Veranstaltung des Leipziger Bibliophilen-Abend findet nach einer Sommerpause findet ebenfalls im September statt.
Das Thema lautet "Bild, Linie, Text – Comic und Buchillustration in der Sammlung Armin Abmeier".
10. September 2024, 19:30

Deutschen Nationalbibliothek
Großer Sitzungszimmer
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig

Montag, 8. Juli 2024

Das Papiermuseum ist wieder geöffnet

Nachdem das Papiermuseum Düren bedingt durch einen Wasserschaden im Monat Juni 2024 geschlossen bleiben musste, öffnet es zum 2. Juli 2024 wieder seine Pforten und hält eine Vielzahl an Neuerungen bereit: eine neue Papierkunst-Ausstellung, eine neue Präsentation im Schaudepot, einen neuen „EinBlick in die Sammlung“ und ein Objekt „Zu Gast“.
Im Bereich „Künste“ zeigt das Papiermuseum die Ausstellung: Just Paper – Papierkunst aus der Sammlung
Jorge Luis Giacosa, Comic (Detail), 1990, Foto: Peter Hinschläger
Mit plastischen Collagen, Prägedrucken und Papierreliefs aus den Sammlungsbeständen des Leopold-Hoesch-Museums und des Papiermuseums Düren von Horst Antes, Puck Bramlage, Werner Buser, Enrico Castellani, Leo Erb, Marcel Floris, Jorge Luis Giacosa, Jiří Kolář, Hermann Künert, Harry van Kuyk, Jaume Rocamora, Fred Siegenthaler, Günther Uecker, Ulrich Wagner und Andreas von Weizsäcker.

2. Juli – 10. November 2024

Leopold-Hoesch-Museum
Hoeschplatz 1, 52349 Düren

Bernd Hesse fotografiert ...

Bernd Hesse von der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft fotografierte Abel Doering während de Gerhard-Großmann-Vernissage.
Sein Text zum Foto: Abel Doering, Antiquar, Bibliophiler mit Leib und Seele, Mitglied verschiedener Brecht-Gesellschaften und Vorsitzender des Berliner Bibliophilen Abend

Sonntag, 7. Juli 2024

Jahresexkursion des Berliner Bibliophilen Abend

Atelier von Manfred Neumann
Den Berliner Bibliophilen Abend führte gestern seine Jahresexkursion nach Frankfurt (Oder) zu einem Atelierbesuch bei Manfred Neumann und, nach einem gemeinsamen Mittagessen, zu einer Vernissage in die Spectrum Galerie Kunigam, in der Ralf Parkner ausgewählte Stücke seiner Sammlung Gerhard Goßmann vorstellt.
gemeinsames Mittagessen im Diebels life
Sowohl der Atelierbesuch bei Manfred Neumann, von dem die Kunstwissenschaftlerin Monika Tschirner  sagt, dass er "in seiner künstlerischen Arbeit ... zwischen  Abbild und Abstraktion (pendelt)", als auch in der Ausstellung Gerhard Goßmann" erlebten die Teilnehmer, darunter Manfred Funke, Ulrich Goerdten, Ninon Suckow und Jürgen Wilke, ein Stück Kunstgeschichte der DDR zwischen den letzten Tagen des deutschen Faschismus und den ersten Jahren des wiedervereinigten Deutschland.
Jürgen Wilke, der Drucker von Conrad Felixmüller beim Betrachten der Arbeiten von Gerhard Goßmann
Der BBA dankt dem Pirckheimer Ralf Parkner für die Anregung zum Atelierbesuch und die Organisation der Exkursion, sowie für den dezidierten Einblick in seine Sammlung.

Donnerstag, 4. Juli 2024

Buch des Monats: "Der Krieg mit den Molchen"

Das Buch des Monats Juli der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft ist eine Würdigung der Buchproduktion der DDR. Es ist die 1987 in opulenter Aufmachung und mit "atemberaubenden Illustrationen" von Hans Ticha erschienene Neuauflage des Romans "Der Krieg mit den Molchen" von Karel Čapek (1890-1938).
Ausgewählt von Sabine Bierich, seinerzeit Schauspielerin am Landestheater Altenburg, ist diese Auswahl auch eine letzte Ehrung für Peter Sodann.

"Der 1936 entstandene Roman fügt sich aus fiktiven Erzählungen, Zeitungsartikeln, wissenschaftlichen Berichten, Protokollen von Tagungen und Nachrichten, spielerisch zusammen, ist eine Parabel, eine Vorahnung und Warnung angesichts des sich abzeichnenden 2. Weltkriegs.
Ein westdeutscher Verlag hätte sich ein solches Buch auf Grund des drucktechnischen Aufwands vermutlich nicht leisten können. Um so verstörender ist es, dass es 1991 kurz nach der deutschen Wiedervereinigung auf der Müllhalde landete.
1990 gab die Büchergilde Gutenberg eine lizenzierte Ausgabe des von Ticha illustrierten Der Krieg mit den Molchen heraus und 2016 wurde das Buch mit seinen Illustrationen von der Büchergilde im Stil des Originals wieder aufgelegt.
"
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(Sabine Bierich, Schaffhausen)

Mittwoch, 3. Juli 2024

Harald Kretzschmar (1931 - 2024)

Harald Kretzschmar ist am 27. Juni, wenige Wochen nach seinem 93. Geburtstag, in seinem Haus in Kleinmachnow gestorben.
Der langjährige Pirckheimer, Karikaturist, Grafiker und Feuilletonist, der vor allem durch seine Porträtkarikaturen bekannt geworden ist, bat mich noch wenige Tage zuvor, mich für die Richtigstellung einiger fehlerhafter Darstellungen im Internet seiner Person, seines Wirkens beim Eulenspiegel, seiner Funktion im Verband Bildender Künstler und im Satiricum Greiz einzusetzen. Im Neuen Deutschland hatte er am 17. Mai 2024 einige Sätze dazu gesagt.
Es war ihm nicht mehr vergönnt, den "DDR-Experten" von "Welt" und "Bild", oder den "Faktencheckern" von Wikipedia die Wahrheit abzutrotzen, und so blieb dem streitbaren Feuilletonisten nur der eigene, in seinen Büchern und in Zeitschriften veröffentlichte, kritische Blick auf Hintergründe und Zusammenhänge im Kunst- und Kulturgeschehen, welches er anfangs in zwei deutschen Staaten und später im geeinigten Deutschland Zeit seines Lebens als Satiriker mit dem frechen Zeichenstift akribisch unter die Lupe nahm.
Damit wird er uns fehlen.
(ad)

Babylon Transit

Hartmut Andryczuk brachte in bewährter Zusammenarbeit mit Anna Hoffmann im Hybriden-Verlag das Künstlerbuch Babylon Transit heraus.
Polaroid von Anna Hoffmann, 2023
Babylon, das antike, jedenfalls kurz über dem Erdboden, echt alte Babylon, begann der deutsche Architekt und Bauforscher Robert Koldewey 1899 auszugraben, 1917 endeten die Arbeiten mit dem Einmarsch der britischen Truppen in Bagdad im Zuge des Ersten Weltkrieges. 10 % der Anlagen wurden bisher freigelegt. Die gut erhaltenen über zweitausend Jahre alten Ziegel trugen Einheimische gern zum Bau eigener Häuser ab in den vier Dörfern rechts und links des alten Babylon, ein anderer großer Teil des antiken Materials wurde in den Bau von Staudämmen integriert, erzählte mir ein Babylonier. Und Saddam Hussein ließ die antiken Funde aufmauern, natürlich nicht ohne analog zum König Nebukadnezar II. im Ischtar-Tor, eine Inschrift mit seiner Ruhmestat in etlichen der neuen Ziegel reinzuklotzen. Die Kopie des Tors, das echte steht ja im Pergamon-Museum in Berlin, wurde von Norden nach Süden verlegt, als Eingang für die Besucher des Südpalastes. Trotz aller Gedanken über echt-alt-neu-und-Kopie ist Babylon ein erhabenes, majestätisches und faszinierendes Zeugnis alter Hochkultur. Und tatsächlich kann man auf dem Gelände einfach so tausende Jahre alte gemusterte Scherben finden und Stücke mit der schwarzen Glasur von Vorratsbehältern, umso schwerer diese kleinen Wunder nicht in die Hosentasche gleiten zu lassen. Es ist aber keine gute Idee dafür irakisches Gefängnis zu riskieren. Ich habe die beiden Stücke fotografiert und nicht mehr auf den Boden gekuckt. Es war mir arg. Der Guide, ein Babylonier, schenkte mir als Trost ein Souvenir, einen Behang von dem Kronleuchter aus Saddams Schlafzimmer in dem gestürmten Palast, der in Sichtachse zur antiken Fundstätte steht. Ein seltsames Souvenir, es lag mir in der Hand wie ein vergammelter Backenzahn.
insuffizienz

ich versteh nichts, gar nichts, nicht mal die fahrt vom flughafen zum hotel.
nicht die schlafriesen, die mit ihren wimpern gebete klimpern. nicht den mond
über bagdad, der den muezzin ruft, nicht den muezzin, der leuchtbuchstaben

sendet, nicht die krähen in den mg-nestern, nicht die hühner und auch nicht
die palmen im smog. ich sammel ihre geisterflecken ein: abdrücke von träumen
in der luft. sammle nicht lesbare häuserzeilen – legenden ohne erklärung –

arabische spitze, jenes biegsame licht, das sich um meinen hals legt.
notiere „hochzeiten unten, puff oben, dazwischen die dichterInnen“ im hotel al-mansur
und „die stadt ist reich an details der zerstörung“, „der tigris gestresst“

und ich kritzel, was mich kitzelt und andauernd pocht es als ob – ob – ob
ja ich weiß, es ist besser, ich halte die hand vor den mund, wenn ich rede.
ich verstehe nichts.

56 Seiten, gebunden
Text, Gedichte, Polaroids: Anna Hoffmann
Zeichnungen: Hartmut Robert Andryczuk
Übersetzung der Gedichte ins Englische: Catherine Hales
Auflage: 30 Exemplare,
nummeriert und signiert
450 €

254. Frankfurter Grafikbrief

im Internet lesen durch Klick auf die Abb.
An den Nagel gehängt! …was bisher nur im Internet zu sehen war. (Accrochage)
Man mag manchmal das zeitfressende Internet verfluchen, man kann es auch meiden, ohne sich dafür genieren zu müssen, es bringt aber auf jeden Fall z.B. auch für die Präsentation von Kunst gewaltige Vorteile: Vieles, was sonst nur in den dunklen Schubladen unserer deckenhohen Grafikschränke (oder denen der Künstler) schlummerte, können wir jetzt zu relativ überschaubaren Kosten in ein weltweit sichtbares Schaufenster stellen.
Aber das Internet ist groß und sehr unübersichtlich, und Kunst kann man ja nicht nach berechenbaren Parametern oder Algorithmen suchen, man muss ihr irgendwie sinnlich begegnen. Und so gehen wir jetzt mal den umgekehrten Weg: Viele Bilder und Bücher, die wir in den letzten Monaten weitgehend unbemerkt neu ins Internet gestellt haben, hängen wir jetzt an die Wand bzw. präsentieren sie in unserer großen Vitrine, und zur übersichtlichen Information stellen wir hier die neuen Künstler/innen bzw. neu ins Internet eingestellte Werkblöcke mit einem Bild pars pro toto vor.
(Wolfgang Grätz)

Ausstellung Marcel Mayer (Göhring): 1. Juli - 31. August 2024

è Büchergilde Buchhandlung & Galerie Frankfurt
An der Staufenmauer 9, 60311 Frankfurt/M

Dienstag, 2. Juli 2024

Klopstock und die Freundschaft

Aus Anlass des 300. Geburtstages von Friedrich Gottlieb Klopstock wurde vor 3 Tagen im Gleimhaus, Pirckheimer besuchten es zum Jahrestreffen 2020, die Ausstellung "Klopstock und die Freundschaft" eröffnet.
Dr. Fritz Jüttner beim Pirckheimer-Jahrestreffen 2020 im Klopstock-Museum, Foto © ad
Die Ausstellung beleuchtet nicht nur ausgewählte Freundschaften des Dichters (wie z.B. diejenige mit Johann Wilhelm Ludwig Gleim), sondern thematisiert auch die Bedeutung der Freundschaftskultur für die Literaturentwicklung und umgekehrt. Deutlich wird, dass Klopstock Teil einer großen Freundschaftsbewegung war, jedoch in seiner literarischen Ausdrucksweise Singularität beanspruchen kann. Zur Ausstellung wird im Gleimhaus ein umfangreiches Begleitprogramm geboten mit Vorträgen und Lesungen sowie szenischem Spiel. Interaktive Stationen laden zur Reflexion und Selbstreflexion ein.

Ausstelung: 30. Juni - 29. September 2024

è GLEIMHAUS
Museum der deutschen Aufklärung
Domplatz 31, 38820 Halberstadt

Friedrich Gottlieb Klopstock zum heutigen 300sten!

Michael Augustin widmet dieses Blatt in kleiner signierter Aufl.
"Dem Meister zum heutigen 300sten!", 
Collage & Text © Michael Augustin

Exlibris des Monats – Erhard Beitz für Galina Lwowa

Die zentrale Person des Exlibris, das Erhard Beitz im Jahr 2011 für seine Frau geschaffen hat, ist die bekannte Zeichentrick-Figur Donald Duck. In diesen Tagen feierte Donald Duck gerade seinen neunzigsten Geburtstag.
Erhard Beitz: Exlibris für Galina Lwowa
In dieser Grafik befindet sich Donald Duck nicht an seinem bekannten Wohnort Entenhausen, sondern in einer unbekannten Landschaft. Auch scheint er nicht auf dem Weg in die Sommerfrische. Denn seine marine Kopfbedeckung, die er fast nie abnimmt, hat er durch einen ungewöhnlichen, feudalen Hut getauscht. In welchen Kontext stellt Beitz in diesem Exlibris die bekannte Ente?
Piero della Francesca: Porträt des Federico da Montefeltro
Die Idee zur Komposition zu diesem Exlibris entlieh Beitz dem Gemälde von Piero della Francesca (1410-1492), in dem der Renaissance-Künstler den Herzog von Urbino, Federico da Montefeltro (1422-1482), porträtierte. Dass man sich heute, mehr als 600 Jahre nach seiner Geburt, an Federico erinnert, hängt vor allem mit seinem Wirken im kulturellen Bereich zusammen. 
Durch das Gemälde von Piero della Francesca wurde die Nase von Montefeltro wohl die berühmteste Nase Italiens. Die Deformationen in seinem Gesicht waren die Folgen eines Turnierunfalls im Jahr 1451, bei dem er nicht nur das rechte Auge, sondern auch einen großen Teil seiner Nasenwurzel einbüßte. Die naturalistische Darstellung Montefeltros in dem späteren Porträt von Piero della Francesca machte sein Profil von der linken Seite mit dem verformten Nasenprofil zu einem einzigartigen Erkennungs­merkmal des Herzogs von Urbino.
Diesen Kontext greift Erhard Beitz auf und stellt Donald Duck in die Rolle des Renaissance-Herzogs. Donald betrachtet also kritisch seine Nase. Die Landschaft im Hintergrund sowie die Kopfbedeckung und Kleidung des bekannten Erpels ist dem Gemälde von Piero della Francesca entlehnt.
Dieses Exlibris, das ein bekanntes Gemälde humoristisch verfremdet, steht im Werk von Erhard Beitz in einer Serie, in der er berühmte Bilder in seinem Stil interpretiert. So hat er René Magritte, Salvador Dalí, Arnold Böcklin und auch Sandro Botticelli, Leonardo da Vinci, Raffael und eben Piero della Francesca in seiner typischen Ausdrucksart verfremdet. Es bereitet ihm große Freude in die Werke der berühmten Künstlerkollegen seine humorvolle Sicht einzubringen.

(Siegfried Bresler, vollständige Beschreibung hier)

Paul Veres (1944 – 2024)

Wir haben die Nachricht erhalten, dass Paul Veres Anfang Mai verstorben ist. Er war ein wunderbarer Künstler, Sammler, Typograf und ein wahrer Kenner des Künstlerbuchs. Es gibt nur sehr wenige Menschen wie ihn heutzutage. Er war eine echte Rarität, ein Meteorit von einem anderen Planeten, ein wunderbares Geschenk an unsere Welt. Wann immer wir kommunizierten, konnte ich nicht anders, als zu denken, dass er aus einem anderen Universum stammte. Seine Reaktionsfähigkeit, Freundlichkeit, sein Altruismus, seine unendliche Liebe zum Leben und seine positive Einstellung zu allem, was ihn umgab, sind heute seltene Eigenschaften. Er war ein einzigartiger und fantastischer Mensch, der wie ein heller Komet über meinen Himmel huschte und nun in die Ewigkeit oder auf den Planeten seiner Geburt zurückkehrte. Möge er in Frieden ruhen.

(Dmitry Sayenko)

Montag, 1. Juli 2024

aktuell bei Wolf & Galentz

Gestern war die Finissage in der Pankower Galerie Wolf & Galentz der ersten Ausstellung mit zeitgenössische Kunst aus Irland. Oona Hyland wurde mit Installationen, Zeichnungen, Video und Druckgrafik präsentiert.
Blick in die Ausstellung Oona Hyland, Foto © Archi Galentz
Thematisch zentral in Oona Hylands Arbeit ist das Vergessene und Verdrängte, das, was totgeschwiegen wird, Menschen, die mundtot gemacht worden sind. Ihr besonderes Interesse gilt der Erkundung von künstlerischen Mitteln, die die Prozesshaftigkeit des Vergessens und auch des Erinnerns nicht nur darstellen, sondern erlebbar machen.
Die titelgebende Arbeit Active Forgetting beleuchtet den institutionellen Missbrauch in irischen Mutter- und Säuglingsheimen und den zugehörigen sogenannten Magdalene Laundries (Wäschereien), in denen unverheiratete schwangere Frauen interniert wurden und Zwangsarbeit leisten mussten (vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1990er-Jahre).

Ein zweiter Teil mit zeitgenössischer Kunst aus Irland zeigt in einer Gruppenausstellung unter dem Titel "Out of Place" Arbeiten von Camilla Fanning, Oona Hyland, Grace Sexton.
Ausstellungsplakat (Ausschnitt)
Der Titel der Ausstellung spielt mit den verschiedenen Bedeutungen der englischen Wendung „out of place“, was man wörtlich verstehen kann als Bezeichnung für etwas, das nicht an seinem angestammten Ort ist, auch mit einer Konnotation von verloren, desorientiert, und in übertragener Bedeutung heißt es, das etwas unpassend ist, im Deutschen ebenfalls mit einer Ortsmetapher benannt: deplatziert.
Die drei irischen Künstlerinnen beschäftigen sich in der Ausstellung mit unterschiedlichen Aspekten von Vertreibung und Verdrängung von Menschen und Naturphänomenen, Dingen, die nicht an dem Ort sind, an dem wir sie zu finden erwarten. Die Künstlerinnen rücken dadurch die Peripherie ins Zentrum, machen Übersehenes und Verdrängtes sichtbar.

Ausstellung 5. - 28 Juli 2024

Galerie Wolf & Galentz
Wollankstraße 112a, 13187 Berlin

Bibliophiles des Monats: La Canzone Toscana

Am 19. Juli 2024 begehen wir den 650. Todestag Francesco Petrarca, was läge also näher, als dass im Bibliophilen des Monats im Juli dieser italienische Dichter zumindest erwähnt wird.
Vorgestellt wird die Klappmappe von Hermann Rapp „La Canzone Toscana“ mit 8 farbigen und 2 einfarbigen signierten Original-Holzschnitten nach Skizzen und Erinnerungen aus der Toskana, ergänzt mit einem originalsprachigen und einem übersetzten Sonett von Francesco Petrarca, mit einem Ausschnitt aus Goethes Reise-Tagebuch und Gedichten von Giosuè Carducci, Hermann Hesse und David Herbert Lawrence (Accidentia).
Die in einer Auflage von 33 Exemplaren in seinem eigene Verlag Offizin ‚Die Goldene Kanne‘ in Neuweilnau 1998 erschienen Mappe in Broschur wurde von Hermann Rapp aus der schmalen Bembo-Kursiv gesetzt, sowie auf Zerkall-Bütten gedruckt und signiert.
Hermann Rapp (1937 – 2015), Schriftsetzer, Holzschneider und Graphiker, fand seine Inspiration stets in den Bildenden Künsten. 1989 gründete er mit seiner Frau Gisela eine eigene Bleisatzwerkstatt, die Offizin ‚Die Goldene Kanne‘. Hier pflegte er die klassische und experimentelle Typographie mit Bleisatz und Originalgraphik. Dabei verwendete Rapp neugegossene und aufgefundene Schriften sowie handverlesene Bütten- und Konsumpapiere.
Neben dem vorgestellten entstanden edle Drucke zu Texten von klassischen wie auch zu antiken Dichtern und Philosophen. Vor allem Hölderlin fühlte sich Rapp tief verbunden, ebenso Schelling, dessen ‚Aphorismen über die Naturphilosophie‘ er als siebzehnteilige Graphikfolge gestaltete, und zu einem Manuskript aus der Hand Hegels schuf er unter dem Titel ‚Hinterlassenschaft einer Zukunftsidee‘ 34 mehrfarbige Linolschnitte.