Freitag, 12. August 2016

Jubelrufe aus Bücherstapeln III

Zum 50. Jahrestag der Pirckheimer-Gesellschaft erschienen die ersten Jubelrufe aus Bücherstapeln - nun, im 60. Jahr des Bestehens dieser Gesellschaft, wurde als Jahresgabe für die Mitglieder der dritte Band dieses Almanachs herausgegeben. Er enthält neben Erinnerungen und Berichten aus der Geschichte der Pirckheimer-Gesellschaft Aufsätze zum Thema Menschen, Bücher, Sammlungen und führt die Expressreise durch die Pirckheimer-Geschichte für die Jahre 2006 bis 2016 fort.
Alle Mitglieder der Gesellschaft erhalten diesen bibliophil gestalteten Band mit einem zweifarbigen Linolschnitt von Roland Berger als Lesezeichen (Abb. lks.) und einer Zeichnung von Klaus Ensikat von der Nyloprintplatte gedruckt (Abb. rechts). Die Mitgliederausgabe wurde in einer Auflage von 500 Exemplaren herausgegeben, daneben erschien eine Vorzugsausgabe A in 75 Exemplaren mit 3 zusätzlichen Originalgraphiken von Hans Vent, Kay Voigtmann (der auch den Titel gestaltete - Abb. Mitte) und Wolfgang Würfel. Eine weitere Vorzugsausgabe B in 25 Exemplaren mit 5 zusätzlichen Originalgraphiken der vorgenannten Künstler ist bereits vergriffen. Die Gestaltung und den Druck übernahm Marc Berger, Gransee.

Jubelrufe aus Bücherstapeln III
Hrsg.: Carsten Wurm (i.A. der Pirckheimer-Gesellschaft und gefördert durch die Kulturbundstiftung)
Pirckheimer-Gesellschaft 2016
ISBN: 978-3-935194-79-2

DADA in der HANSestadt StralSUND

Am 6. August gab es in Stralsund ein ganz besonderes Ereignis; denn auch hier wurde 100 Jahre DADA präsentiert und gefeiert. Im alten Speicher am Katharinenberg konnte der Handpressendrucker und Pirckheimerfreund Marc Berger seine initiierte und kuratierte Wanderausstellung zu diesem Jubiläum, die er zuerst in Gransee gezeigt hatte, völlig neu arrangieren und wunderbar hängen.
Der Förderverein Jugendkunst e.V., der zur Jugendkunstschule Vorpommern-Rügen zählt, bot als Mitveranstalter und Gastgeber für "DADA ist 100" mit all seinen Setzkästen und alten Druckpressen ein äußerst stimmiges Ambiente.
Es war eine Freude, Marc Bergers exzellenten Ausführungen beim Rundgang von Plakat zu Plakat zu folgen. Seine Begeisterung, die sich auf die teilnehmenden Künstler und Pressen aus 10 Ländern übertragen hatte, erfaßte auch die vielen Besucher der Stralsunder Vernissage. Äußerst kenntnisreich und tolerant gegenüber den Pressedrucker-Kollegen offenbarte er nicht nur das Zustandekommen dieser Ausstellung und des gelungenen Katalogs, sondern auch manches Geheimnis der Schwarzen Kunst.
Besonders reizvoll war auch ein Blick auf die Schülerarbeiten in den Fluren des Speichers. Fred Lautsch, der agile und ideenreiche Kopf des Hauses, der viele Kinder und Jugendliche in mehr als zwei Jahrzehnten zum Gestalten und Drucken inspiriert hat, bot seit April Workshops, Projekte und Kurse zu DADA an. Die phantasievollen Ergebnisse seiner jungen Schützlinge überraschten und verblüfften die Gäste.
Bis zum 4. September bleibt Marc Bergers Ausstellung in Stralsund und wird am 27. August den geeigneten Rahmen der Mitmachaktion "Vertikalverklitterung und Horizontalverplattung" der Jugendkunstschule bilden. Das Stralsunder DADA-Jubiläumsjahr jedoch wird erst Ende September im Speicher am Katharinenberg mit dem internationalen Festival "Feste drucken" ausklingen.
(Gisela Klostermann)

Ausstellung: 6. August - 4. September 2016

Speicher am Katharinenberg
Katharinenberg 35, Stralsund

Donnerstag, 11. August 2016

Tête à tête

Heinrich Mann gibt Henri quatre Feuer...
© Rainer Ehrt
In der Ausstellung „Tête à tête – Kopf an Kopf“ präsentieren renommierte politische Karikaturisten und Pressezeichner aus Deutschland und Frankreich vornehmlich eine oft weniger bekannte Facette ihres Schaffens, nämlich ihre Auseinandersetzung mit bekannten Autoren: von verspielt bis gesellschaftskritisch. Neben einigen politischen Zeichnungen stehen zahlreiche Darstellungen zur Literatur. Franz Kafka, Voltaire, Stefan Zweig und Jean-Paul Sartre sind nur einige der großen Persönlichkeiten, die von Rainer Ehrt, Walter Hanel, Frank Hoppmann und ihren französischen Pendants Daniel Maja, Pancho, Honoré und Nicolas Vial auf vielfältige Art und Weise kommentiert werden, von der Porträtkarikatur als Strichzeichnung bis zum gemalten Porträt als Persönlichkeitsanalyse. Eine Ausstellung zum Grübeln, Lachen und Staunen, die 2017 als Wanderausstellung in weiteren Institut français in Deutschland zu sehen sein wird. – Voila!

Vernissage Dienstag 6. September 18:30
Ausstellung: 7. - 27. September 2016

Institut français Berlin
"Maison de France"
Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin

Lesen gibt Leben

Heute in der FAZ: "Lesen gibt Leben"! Nun gibt's also auch die wissenschaftliche Erkenntnis: Menschen, die Bücher lesen, leben länger...
zum besseren Lesen bitte anklicken
siehe auch Altbücherland ist abgebrannt (FAZ vom 30. Juli 2016)

Mittwoch, 10. August 2016

Exkursion nach Berlin

Im Rahmenprogramm der gerade im Winckelmann-Museum noch bis zum 31.10.2016 laufenden Ausstellung „Eigentlich bin ich ein alter Grieche – Werner Klemke, Künstler und Büchernarr“ begab sich eine Gruppe von 30 „Klemke-Fans“ am 16. Juli auf eine Reise von Stendal nach Berlin, um auf den Spuren von Werner Klemke zu wandeln. Ein erster Höhepunkt war der Besuch der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Berliner Staatsbibliothek. Dort empfing uns (außerhalb der Öffnungszeiten) die stellvertretene Leiterin Sigrun Putjenter und führte uns durch das derzeitige Domizil mit besonderen Flair auf dem Gelände des Westhafens, auf welches die Kinder- und Jugendbuchabteilung zeitweilig ausweichen musste. Im Anschluss erhielten wir einen Einblick in die Geschichte der Kinder- und Jugendbuchabteilung und uns wurden die Höhepunkte der Sammlung quer durch die Geschichte der Kinder- und Jugendbuchliteratur präsentiert, erwähnt sei hier das allseits bekannte Werk von Johann Amos Comenius „Orbis sensualim pictus“ (1658, welches bis ins 19. Jahrhundert über 200 Auflagen erlebte) oder die Aufstell- und Ziehbildbücher von Lothar Meggendorfer (1847-1925). Ein besonderer Höhepunkt war selbstverständlich für unsere Gruppe die Präsentation von Originalgraphiken W.K.s.
Auf uns wartete nun gleich der nächste Höhepunkt unserer Reise: Wir fuhren in die Tassostraße 21, dem Atelier von Prof. Werner Klemke, wo wir liebenswürdig von seinen Töchtern Christine Klemke und Ulrike Braun empfangen wurden. Mit wunderbaren Geschichten rund um Leben und Werk ihres Vaters begeisterten beide ihr Publikum.
Zu den angeregten Erzählungen wurden private Fotos und zahlreiche Werke W.K.s präsentiert, die so manche Überraschung zu bieten hatten. Unser dritter und letzter Programmpunkt folgte stante pede: Wir begaben uns in die Kunsthochschule Weißensee, wo W.K. seit 1951 eine Dozentur für Holzstich und seit 1956 eine Professur für Buchgraphik und Typographie innehatte. Am Tag der offenen Tür genossen wir, neben kulinarischen Highlights, das studentische Flair, erhielten die Möglichkeit, einen Vortrag über das Archiv der Kunsthochschule zu hören, konnten u.a. die innovativen Abschlussarbeiten studieren und erhielten schließlich von eben Herrn Peter Müller und Jürgen Neugebauer eine interessante Führung über das Gelände. Ein besonderer Höhepunkt war dabei die Besichtigung der Graphikwerkstatt.
Zu guter Letzt: uns gereichte dieser Tag „zu Nutzen und Vergnügen“! Einen herzlichen Dank an alle Beteiligten!
(Agnes Kunze)

Montag, 8. August 2016

8. August - Internationaler Katzentag

Auf einem Plakat in meiner Buchhandlung heißt es: "Man kann im Leben auf vieles verzichten, aber nicht auf Katzen und Literatur". Nachdem also der Tag des Kusses, der Tag der Berge, der Tag des Kaffees und der Tag des Hosenträgers im Pirckheimer-Blog sträflich ignoriert wurde, muss hier wenigstens der heutige Tag der Katze Erwähnung finden. Dieser Tag kann dann für einen Bücherfreund Grund genug sein, wieder einmal ein Buch aus dem Regal zu ziehen, das von dem Grafiker und Cartoonisten Manfred Bofinger (1941-2006) hervorragend illustrierte wurde - die "Ratschläge für den Katzenfreund" (Neumann-Verlag 1984).
(ad)

Sonntag, 7. August 2016

Zeichner / Dichter / Zeichner

Gerd Gruber stellt Altenbourg, Claus, Goertz, Schnell, Kritzky und Picasso vor
Am vergangenen Freitag wurde in der Cranach-Stiftung in Wittenberg eine kleine Ausstellung aus der Sammlung des Pirckheimers Dr. Gerd Gruber eröffnet.
Von Johann Wolfgang von Goethe, in 9. Generation Nachfahre Lucas Cranachs des Älteren, sind nicht nur bedeutende literarische Werke überliefert, sondern auch dutzende Zeichnungen. Um solche künstlerische Mehrfachbegabungen geht es in der Ausstellung: Dichter als Zeichner, Zeichner als Dichter.
In der Ausstellung zu sehen: Verlon, Čapek, Mahler
Die Professionalisierung der künstlerischen Ausbildung an den Akademien hatte im 19. Jahrhundert zu einer hochgradigen Spezialisierung geführt. Es gab Landschaftsmaler, Historienmaler oder Tierbildhauer. Das änderte sich radikal zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als bei den Expressionisten, Dadaisten und Surrealisten konsequenter, alle künstlerischen Ausdrucksformen umfassender Dilettantismus Programm war. Grenzbereiche zwischen Literatur, bildender Kunst und Musik markieren beispielsweise Kurt Schwitters Arbeiten wie die „Sonate in Urlauten“ (1923/1932). Auch seine nach 1916 entstandenen Holzschnitte haben das Fragmentierte seiner Texte und Collagen. Picasso, in der Ausstellung mit einer Radierung vertreten, hinterließ unter anderem ein ab 1944 mehrfach aufgeführtes Schauspiel. Ernst Barlach schuf neben Grafiken und eindrucksvollen Plastiken den Roman „Der gestohlene Mond“. Im Jahr 1919 wurden seine Dramen „Der tote Tag“ und „Der arme Vetter“ uraufgeführt. Der 1930 in Annaberg geborene Carlfriedrich Claus experimentierte zunächst mit Texten und Klanggebilden. 1958 schuf er erste Sprachblätter. Die in der Ausstellung gezeigte Grafik „Eulenspiegel-Reflex V“ (1989) hat noch die Anmutung eines handgeschriebenen Textes, doch geht es hier nicht mehr um dessen Lesbarkeit. Die Linien verdichten sich, zerfasern an den Ränder und bilden organische grafische Urformen.
Gruber vor Grass, Grundig, Wüsten – Vitrine: Ionesco, Loewig, Süverkrüp
Ausgestellt sind 45 Kunstwerke von 33 Künstlern und 30 Bücher (Theaterstücke, Gedichtbände, Erzählungen). Vertreten sind: Rafael Alberti, Altenbourg, Jean Arp, Ernst Barlach, Josef Capek, Carlfriedrich Claus, Jean Cocteau, Friedrich Dürrenmatt, Heinrich Goertz, Horst-Dieter Gölzenleuchter, Karl Otto Götz, Günter Grass, Lea Grundig, Raoul Hausmann, Jean Hélion, Wolf Hildebrandt, Eugene Ionesco, Harald Kretschmar, Emil Kritzky, Alfred Kubin, Roger Loewig, Joseph Mahler, Wolfgang Mattheuer, Otto Nebel, Pablo Picasso, Thomas Ring, Robert Wolfgang Schnell, Kurt Schwitters, Dieter Süverkrüp, Emilio Tadini, André Verlon, Johannes Wüsten, Hans-Joachim Zeidler.

Ausstellung: 6. August - 13. November 2016

Cranach-Stiftung Wittenberg
Markt 4 06886 Lutherstadt Wittenberg

Samstag, 6. August 2016

„Auch dieses Kleid ist ein echter Klemke“

Er wolle „Höhepunkte“ seiner Klemke-Sammlung zeigen, so hatte Agnes Kunze das Sammlergespräch mit dem Pirckheimer Matthias Haberzettl am 3. August im Winckelmann-Museum Stendal angekündigt und damit etwas tief gestapelt. Geradezu von Gipfel zu Gipfel stürmte Haberzettl an diesem Abend. Als Ausrüstung hatte er lediglich einen, wie er es nannte „Promillebereich“, seiner Sammlung dabei. Ein „Promillebereich“ hört sich zwar nach wenig an an, doch birgt er in diesem Fall außergewöhnliche, seltene und auch einzigartige Stücke.
Dass das Gespräch im Winckelmann-Museum stattfand, hatte seinen guten Grund. Dort war acht Wochen zuvor die Ausstellung „Eigentlich bin ich ein alter Grieche - Werner Klemke (1917-1994) Künstler und Büchernarr“ eröffnet worden. Viele Exponate stammen ebenfalls aus der Haberzettlschen Sammlung. Sind dort bereits seltene Stücke zu sehen wie eine japanische Ausgabe vom „Wolkenschaf“, die drei Bände des „Amicis Librorum“ oder einen Stichel und Pinsel, mit denen Werner Klemke selbst gearbeitet hatte, so legte Haberzettl jetzt noch einmal nach. [...]
[...] Dass auch völlig unerwartete Objekte Bestandteil seiner Klemke-Sammlung werden könnten, ließ Haberzettl anklingen, indem er einen erst wenige Stunde alten Bescheid wegen eines „Verstoßes im ruhenden Verkehr“ hochhielt und laut überlegte: „Original signiert, datiert mit dem 3. August in Stendal, das wird mich immer an diesen Klemke-Abend erinnern.“ Aber diese Sammelobjekte sind bereits die nächste Geschichte …
(Ralf Wege)

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PROträts - Susanna Cardelli und Utz Benkel

Susanna Cardelli - Utz Benkel
In Anwesenheit des Schirmherrn Gregor Gysi wird Ende August die Ausstellung PROträts mit Kaffee und Kuchen, sowie Musik von Viola con Padrino (Viola Woigk war bis 1988 Mitglied der DDR-Kultrockband PASCH) eröffnet. Zu diesem Anlass werden die beiden Kalender von Utz Benkel „Starke Frauen“ und „Männer“ für das Jahr 2017 präsentiert.
PROträts zeigt Porträts von Menschen, die sich PRO/FÜR etwas einsetz(t)en, sei es für die Musik, die Literatur, für alle Arten der Kunst oder für ihre Mitmenschen: Mehrfarbige Linolschnitte, entstanden für die 2013 zum ersten Mal erschienene Kalenderreihe „Die wilden 13": RevolutionäreInnen aus aller Welt (2013), Starke Frauen (2014, 2016, 2017), Männer (2017). lm Arbeitsprozeß sind von allen Arbeiten bis zu 20 Variationen entstanden, von einige (Charles Bukowski, Hans-Christian Ströbele, Eva Cassidy, Emma Goldman, Pina Bausch) werden zwei bzw. vier Variationen gezeigt.
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (44 Seiten, A4, 7 Euro). Die Künstler werden anwesend sein.

Vernissage: 28. August 2016, 15.00 Uhr
Ausstellung: 28. August - 30. Oktober 2016

Bezirkssportbund Treptow-Köpenick
Zum Schmetterlingshorst 2, 12559 Berlin

Werner Klemke trifft John Heartfield

„Treffpunkt Erasmus“ in Waldsieversdorf

Das „Freilichtkino“ im John-Heartfield-Haus, Waldsieversdorf (Brandenburg), war überfüllt! Astrid Landsmann, Vorsitzende des Heartfield-Freundeskreises, hatte am Sonnabend, 30. Juli eingeladen – und viele, viele kamen, um die Aufführung von „Treffpunkt Erasmus – die Kriegsjahre von Werner Klemke“ mitzuerleben. Unter den schließlich mehr als 100 Besuchern befanden sich die Künstler Inge Jastram, Manfred Butzmann und Dietrich Lusici – allesamt Schüler von Klemke an der Kunsthochschule Weißensee, die nach der Aufführung von ihren Begegnungen und Erlebnissen mit dem Altmeister erzählen sollten. Die Familie war vertreten durch die Enkelin Felicitas, Tochter des Klemke-Sohnes Christian. Auch ein Berliner Pirckheimer wurde gesichtet, Konrad Hawlitzki, sowie Dr. Ina Schwaen, Witwe des Komponisten Kurt Schwaen.
Nach einer Einführung durch den Pirckheimer Matthias Haberzettl und der anschließenden Vorstellung, die mit viel Applaus bedacht wurde, moderierte Landsmann das angekündigte Künstlergespräch. Manfred Butzmann berichtete unter anderem von einem Treffen mit Heartfield („seine Art zu erzählen hatte etwas Montagehaftes“) und ließ zum Schluss seiner Ausführungen aus Klemkes Stasi-Akte zitieren: der Versuch, ihn [W.K.] für eine Mitarbeit zu gewinnen, wurde schließlich aufgegeben („weil er [W.K.] sich nicht politische festlegen will“). Lusici erzählte von seinem Aufnahmegespräch als Meisterschüler an der Hochschule – und dem stillen, wiewohl unabgesprochenem Einvernehmen mit Klemke, das mit einem Kopfnicken und Herschieben des Cognacglases besiegelt wurde. Und mit einer emotionalen Schlusspointe gestand Inge Jastram, dass sie zu Beginn ihres Studiums (1952-1957) „in drei Männer verliebt war: Mozart, Gérard Philipe und Klemke“.
(Matthias Haberzettl)
Inge Jastram, Astrid Landsmann, Dietrich Lusici, Manfred Butzmann (v.l.n.r.)
Weitere Fotos unter strausberg/fotogalerie.

Freitag, 5. August 2016

Börsenverein kritisiert türkische Regierung

"Wir verurteilen die Verhaftungen von Autoren und Journalisten sowie die Schließungen von Verlagen und anderen Medienhäusern aufs schärfste. Die türkische Regierung greift die Meinungsfreiheit massiv an. Autoren, Verleger und Journalisten werden wie Verbrecher behandelt. Das ist untragbar. Die Freiheit des Wortes ist ein Menschenrecht, das unter allen Umständen geschützt werden muss. Denn unabhängige Verlage, Buchhandlungen und Medien sind Grundlage einer freien und demokratischen Gesellschaft. Als Buchbranche treten wir entschieden für die Freiheit des Wortes ein. Wir fordern die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, eine klare Haltung zur Situation in der Türkei zu zeigen und die Meinungsfreiheit kompromisslos zu verteidigen."
(Alexander Skipis, Börsenverein des Deutschen Buchhandels)

Donnerstag, 4. August 2016

Falko Behrendt - Erzähllandschaften

Radierungen und Lithographien
Falko Behrendt - Landschaft mit Lokomotive, 1997, Farblithographie
Mit Radierungen und Lithographien von Falko Behrendt präsentiert die 95. Ausstellung des Druckgraphik-Ateliers im 65. Lebensjahr des im Mai 1951 in Torgelow/Vorpommern geborenen Künstlers eine kleine Druckgraphik-Werkauswahl. Der gelernte Betriebsschlosser beendete 1975 sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei u.a. Günter Horlbeck und Gerhard Kettner mit dem Diplom als Maler und Graphiker.
Falko Behrendt beteiligte sich seit 1973 an über 450 Gemeinschaftsausstellungen und zeigte etwa 350 Einzelausstellungen im In- und Ausland. Arbeiten von ihm befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland. Er lebt und arbeitet in Lübeck, erhielt mehrere Preise und Stipendien.
Bestimmend ist seine große Experimentierfreude im Bereich von Hoch-, Tief-, Färb- und Prägedruck, Siebdrucke und Übermalungen der Drucke sind nicht selten und ergänzen sein im Weiteren aus Zeichnungen, Collagen und Gouachen bestehendes Werk. Seine Themen sind Landschaften, Figuren und Clowns u.a. im Theater, in der Literatur sowie Märchenblätter. Vorherrschend ist die Gegenüberstellung großer Formen und - auch in dieser - kleinteiliger Bildelemente. In seinen in mehreren Stufen geätzten Aquatinta- und Strichradierungen breitet sich, wie in den lavierten Lithographien, die ganze Palette unterschiedlichster Schwarz- und Grautöne sowie Farbvaleurs aus.

Eröffnung: 10. September 2016, 17-20 Uhr,
Musik: Hinrich Beermann, Saxophon
Ausstellung: 10. September – 11. Oktober 2016

Druckgraphik-Atelier. Edition keller-druck
Dietrich-Bonhoeffer-Str. 3
10407 Berlin

Verhaftete Autoren in der Türkei

Ich höre nichts. Ich höre nichts vom Internationalen PEN, ich muß mir wohl selber zuhören, was langweilig ist, weil ich ja weiß, was ich denke.
[...]
Elfriede Jelinek, (Foto: G. Huengsberg
Ich höre nichts von meinen (Schriftsteller-)Vereinigungen. Vielleicht stecken sie derzeit ja im Gefängnis ihrer Badehosen oder Bikinis an irgendeinem Strand fest. Da ich nichts höre, (vielleicht höre ich aber doch noch was, vielleicht morgen, trotzdem), muß halt ich etwas sagen: Ich fordere die Freilassung aller offensichtlich willkürlich Zusammengefangenen in der Türkei, denen man keine Schuld an einem Putsch nachweisen kann. Und ich fordere hier ausdrücklich die Freilassung (vielleicht ist sie ja schon passiert, was weiß ich, die Wellen kommen ja und gehen, manchmal schneller, als man schauen kann) von zwei alten Männern:
Sahin Alpay, 72 Jahre, Politikwissenschaftler und Journalist, und Hilmi Yavuz, 80 Jahre, Schriftsteller, mein Kollege. Sie sind alt, und sie bekommen nicht einmal ihre Medikamente. Vielleicht hat sich auch das inzwischen geändert, ich hoffe es. Ja, brüllt nur und fahnenschwenkt, ihr, wie das Meer, aber aus Menschen. Und das Meer gibt einzelne Menschen nur widerwillig frei.
Das Menschenmeer auf den Straßen, das angeblich die Demokratie retten will, indem es sie verspottet und zerstört, soll sich teilen vor keinem Gott, aber vor mir, und es soll wenigstens diese beiden alten Männer loslassen und herausgeben, ich verlange das, bevor niemand mehr Wechselgeld hat und die Demokratie, für die die Fahnenschwenker, in denen der Haß schwappt, kämpfen, vielleicht in gutem Glauben, unbezahlbar geworden ist, weil dann jeder zahlen muß und nicht mehr wissen wird, wofür.
(Elfriede Jelinek, 3.8.2016)

gesamten Text lesen in derStandard.at

Mittwoch, 3. August 2016

Nachtrag: "Altbücherland ist abgebrannt"

Im Pirckheimer-Blog wurde auf einen Artikel in der FAZ zur Situation im Antiquariatsbuchhandel hingewiesen, siehe hier. Zum selben Artikel fand sich heute eine Anmerkung auf boersenblatt.net:
"Das Bild, das Spreckelsen in seinem Artikel über "das Antiquariat" zeichnet, ist recht düster und fast durchgehend pessimistisch. [...] Als Bestätigung für die "Dezimierung" des "klassischen Antiquariatswesens" wird Peter Rudolf von der Genossenschaft der Internet-Antiquare (GIAQ) zitiert. [...]
Spreckelsen hat mit seinem Beitrag [...] eine erhebliche Resonanz erzielt, schaut man beispielsweise auf die Leserkommentare und -empfehlungen oder einen Blog-Kommentar (hier) von Harald Kugler.
Foto © Harald Kugler
Ob aber
[die Darstellung von Spreckesen ...] wirklich so treffend und vor allem vollständig ist? Buchauktionen, oft sehr erfolgreich und wirtschaftlich sehr relevant, finden keine Erwähnung. Nicht unterschieden wird zwischen dem Handel mit neueren gebrauchten Büchern, der hauptsächlich über die bekannten Plattformen abgewickelt wird und vielfach unter starkem Druck steht, und dem eigentlichen Seltenheitsantiquariats, in dem wiederum das moderne Antiquariat eine geringe Rolle spielt, umso mehr aber der internationale Handel. [...] Unbeachtet sind deshalb leider viele wichtige Antiquariatskataloge und die oftmals sehr interessanten Aktivitäten einer (zugegeben kleinen) Gruppe jüngerer Antiquarinnen und Antiquare geblieben. Nicht bestreiten lassen sich die vielen Geschäftsaufgaben und für das alte Buch tendenziell ungünstigen gesellschaftlichen Entwicklungen, aber es sind nicht nur Abbrüche, es findet auch ein Wandel statt, dessen Ausgang womöglich doch offen und damit auch gestaltungsfähig ist …"

Kupferstiche von Falk Geißler

Am Sonntag, dem 31.07.2016 fand in der Kirche der kleinen Gemeinde Polbitz am Nachmittag die Ausstellungseröffnung zum Kupferstichwerk von Falk Geißler aus Rochlitz statt.
Der Turm der Kirche, die an der Mitteldeutschen Kirchenstraße liegt, ragt weithin sichtbar über die umgebende Auenlandschaft in der Nähe der Elbe hinaus. Ein Förderverein kümmert sich um den Erhalt des seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts nicht mehr für religiöse Zwecke genutzten Gotteshauses.
Da der Elbe-Radweg in der Nähe der Ortschaft vorbeiführt, machen auch immer wieder Radwanderer an der Kirche Halt.
Das vorgestellte Kupferstichwerk von Falk Geisler weist insbesondere Illustrationen zur Literatur, wie „Frühlings Erwachen“ von Frank Wedekind, „Dr. Henry Selwyn“ von W.G. Sebald und „Malone Dies“ von Samuel Beckett auf. Neben freien Arbeiten sind auch Neujahrsgrafik und formatgerechte, und damit ihrem Zweck gemäße, Exlibris in der Ausstellung zu sehen. Alle Arbeiten sind von hohem technischen Können geprägt und es ist eine Lust, sich in die Inhalte zu vertiefen.
Kombiniert war die Ausstellungseröffnung mit einer Autorenlesung. Robert Lucas Sanatanas aus Berlin trug aus seiner noch unveröffentlichten Erzählung „Die Maultrommelsaga“ Texte vor. Er besitzt eine ausgefeilte Sprache und es ist faszinierend, ihm zuzuhören. Hierzu hatte Falk Geißler schon mehrere Illustrationen gestochen, die einschließlich von Zustandsdrucken ausgestellt sind. Nach dem ersten Teil der Lesung wurde die Kupferstichausstellung eröffnet und so erschloss sich auch der Inhalt der Illustrationen zur „Maultrommelsaga“. Es ist als glückliche Fügung zu bezeichnen, dass Schriftsteller und Grafiker sich vor einigen Jahren kennen gelernt haben.
In unserer hektischen, von Oberflächlichkeit geprägten Zeit ist es eine Besonderheit, wenn ein junger Künstler sich dieser anspruchsvollen und zeitaufwendigen Technik widmet – mit Kupferstichen beeindruckten uns bisher schon Ilgenfritz, Stauf, Volkamer, Bitzer und Zettl aus dem Osten Deutschlands.
(Winfried Hirsch)

Buch der schönsten Bücher

2016 wird der Katalog der Stiftung Buchkunst über die Schönsten deutschen Bücher von der Frankfurter Designerin Sandra Doeller gestaltet. Hier ein erster kleiner Einblick in die Entstehung. Der fertige Katalog wird Anfang September in jeder Buchhandlung erhältlich sein!

4. Walbaum-Wochenende

Die Pavillon-Presse dokumentiert nicht nur die technischen Entwicklungen von 500 Jahren Druckkunst, sondern bietet sich mit der bei diesem Walbaum-Wochenende zu eröffnenden, so genannten »Buchstaben-Bibliothek« nun auch als neues Forschungszentrum zu Schrift und Typografie an. Werfen Sie an diesem Wochenende einen ersten Blick auf diese besondere Sammlung, lernen Sie Wissenswertes über Schrift- und Typografie-Bücher und versuchen Sie sich bei unserem Workshop einmal selbst in der traditionellen Technik des Hochdrucks.

Tagung: 3. und 4. September

Infos und Anmeldung

Pavillon-Presse Weimar
Scherfgasse 5, 99423 Weimar

Dienstag, 2. August 2016

Türkische Regierung schließt 29 Buchverlage

Neben Dutzenden Zeitungen, Radiostationen und Fernsehsendern wurden nun auch 29 Buchverlage in der Türkei zwangsweise geschlossen. Mit weitreichenden Folgen.
Die Schließungen seien nicht nur für die direkt betroffenen Verlagsmitarbeiter ein Drama, betont der türkische Verlegerverband TPA. Auch Autoren und Übersetzer, aber auch Druckereibetriebe und Distributoren blieben auf ihren Außenständen sitzen und gerieten in finanzielle Schieflage. Der TPA sowie die der internationale Dachverband IPA (International Publishers Association), dem auch der hiesige Börsenverein angehört, sehen die staatlichen Maßnahmen mit großer Sorge. Die Verbände fürchten Menschenrechtsverletzungen im Zuge der Verlagsschließungen und appellieren an die Regierung, die Maßnahmen zu widerrufen.
Die unmittelbaren Folgen für die deutsche Buchbranche dürften eher überschaubar sein. Im Handel könnte es mittelfristig weniger Veröffentlichungen türkischer Autoren geben, und die Frankfurter Buchmesse kann sich auf ein paar Absagen einstellen. Nicht nur aufgrund der umfangreichen politischen Verbandelungen mit Deutschland lassen sich aber nicht die Augen davor verschließen, was hier vor unserer Haustür passiert – quer durch die Gesellschaft und eben auch beim Lesestoff.
(nach einer Information von J. Haupt, lesen.net)

siehe auch: Shame ...

Versuch eines Kommentars

Mit Bestürzung habe [...] ich den Artikel aus der F.A.Z. „Altbücherland ist abgebrannt“ gelesen [, auf den im Pirckheimer-Blog hingewiesen wurde, siehe hier]. Die Dramatik auf dem Gebiet des Altbuch-Verkaufs über die Antiquariate und damit der Geschäfte selber ist wohl kaum mehr zu überbieten. Das Verhältnis des Bildungsbürgertums, wie es so treffend im Artikel bezeichnet wird, zum Lesen und zu den Büchern im Speziellen hat sich schon seit langem zu einer traurigen Tendenz entwickelt, deren katastrophale Auswirkungen auf die Buchbranche im Grunde genommen absehbar waren. [...]
Harald Kugler, Foto © Thomas Morgenroth
Die Bibliophilie scheint den Weg ins Vergessen zu nehmen, denn das gesellschaftliche Leben wird zunehmend von der digitalen Welt dominiert, die ihre Nutzer den Zugriff auf alles Wissenswerte in leichter und verführerischer Manier bereit stellt. Da bedarf es nicht mehr vielem Nachdenken, wenn Menüs die Führung übernehmen. Es fehlt ohnehin an Zeit zum Lesen, da sich die Informationen täglich überschlagen. Auf diese Weise werden Menschen geformt und beeinflussbar gemacht, das zu tun, was die Bilderwelt über ihre zahlreichen Zugangswege bereit stellt.
Soweit zu den Vorbemerkungen meines Anliegens, das darin besteht, dass die wenigen verbliebenen Bücherliebhaber einmal darüber nachdenken, wie man derartigen Entwicklungen wirkungsvoll begegnen kann. [...] Meines Erachtens ist es an der Zeit, vielleicht sogar höchste Zeit, dass die Bibliophilie aus ihrer Kemenate hervor kommt und Interessenten der breiten Masse der Bevölkerung zugänglich gemacht wird. [ ... man sieht] im Bibliophilen etwas Elitäres [...] Mit gemeinsamen Überlegungen und der Einsicht, das Änderungen im Auftritt von Nöten sind, sollte es gelingen, dass ein Bibliophilen-Abend öffentliches und nicht nur das Interesse einiger weniger findet. An dieser Stelle erinnere ich mich wieder des Ausspruchs eines berühmten Zeitgenossen, der mir am Telefon sagte, „Was machen die Pirckheimer eigentlich?“ [...] das ist genau der Punkt, Neugier und Veränderung zulassen und ergreifen, will man unter den Wellen einer Marktwirtschaft und des Fortschritts nicht ertrinken. Ich glaube nicht, dass ein Horten von Buchbeständen mit Zimelien eines Tages zum Erfolg führt, das Verhältnis zur Ware Buch hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert, unter anderem deshalb, weil die gesellschaftlichen Errungenschaften den Menschen in seiner Einstellung zu den Werten vereinfacht und verändert haben. Der flüchtige Genuss ist das Maß aller Dinge geworden, vergleichbar einer Kreuzfahrt in zehn Tagen in fünf Länder und acht Städte. Da hat das alte wertvolle Buch kaum eine Chance zur Entfaltung, es sei denn, es wird neu entdeckt.
(Harald Kugler)

gesamter Kommentar im Blog von Harald Kugler

Montag, 1. August 2016

Seitenweise. Künstlerbücher. Sommer-Atelierwoche

Eine Woche am Stück künstlerisch arbeiten: Wir nutzen die sommerliche Atmosphäre im Offenbacher Hinterhofatelier, um uns auf die Suche nach neuen Möglichkeiten des Buchraums zu begeben: intuitiv oder konzeptionell, jedenfalls ganz individuell. 
Verschiedenste künstlerische Strategien lassen sich ins Buch übertragen. Beim Büchermachen sind wir Regisseur/innen, Zeichner/innen oder Autor/innen. Wir entdecken die Besonderheiten des Mediums, vor allem die zwei Seiten des Papiers und wie sich durch ihre (An)Ordnung eine poetische Kraft und Dramaturgie entwickeln lässt. 
Es können sowohl Anfänger/innen als auch Fortgeschrittene mitmachen: Jede/r wird in den eigenen Möglichkeiten und Ideen unterstützt und gefördert. Einzelkorrektur und gemeinsame Werkstattgespräche begleiten die Arbeitsprozesse.
Mit kurzen Impulsreferaten werden verschiedene gestalterisch-künstlerische Verfahren vorgestellt: Anhand aktueller Beispiele besprechen wir Bildsprache, Papiersorten, Formate, Konzepte, auch die Typografie. Und ein gemeinsamer Besuch des nahegelegenen Klingspor Museums eröffnet uns die Welt des internationalen zeitgenössischen Künstlerbuches und rundet den Intensivkurs ab.
Weitere Informationen durch Klick auf die Abb.
(Uta Schneider)

Workshop: 15. - 19.8.2016
Mindestens 4, maximal 7 Teilnehmer/innen.
Kosten: 400 €, exkl. Material

Hinterhofatelier
Offenbach