Mittwoch, 31. Juli 2024

Andreas Raub: Eigenexlibris – Burg Kakesbeck

Hinter dem Ensemble; ein eisernes, sechseckiges Zwinginstument, das eine mittelalterliche Burganlage einrahmt, verbirgt sich die Geschichte des Ritters Lambert von Oer (1440 -1522), dem im Laufe einer langjährigen Fehde, in der es um Ansprüche auf Ländereien ging, im hohen Alter von achtzig Jahren von seinem Widersacher eben jenes Schmuckstück mit vier innenliegenden eisernen Dornen umgelegt wurde, auf dass er einen Überlassungsvertrag für die Ländereien unterschreibe. Wie schmerzhaft! Lambert trotzte diesem grausamen An-sinnen auf seine Weise und konnte das eiserne Folterinstrument wieder loswerden. 
Das eiserne Halsband ist nicht als Teil der Burg dargestellt, sondern hält die Burg gewisser-maßen in Schach, überdimensional und bedrohlich. Es gibt kein Entrinnen. Kein Außen, keinen Ausgang, der Schließmechanismus des Instruments verborgen und nicht zu öffnen von irgendjemandem. Geheim halt. Der Künstler nimmt die Außenperspektive ein, doch wohl eher für den Betrachter, der für gewöhnlich keinen Zugang hat. Er selbst pendelt zwischen der Innen- und Außenwelt und kann sich verschiedene Blickwinkel erlauben. Hier zeigt er sich frei von den Zwängen des Halsbands, wähnt sich außen in Sicherheit, der Schlüssel-lochblick kommt einem da dennoch nicht von ungefähr in den Sinn. Wer blickt hier wohin?
Andreas Raub überführt das Motiv der Burg Kakesbeck mit der ihm eigenen Skepsis in die Zirkel der DEG, in eine Institution seiner zweiten bedrohten Leidenschaft – oder doch ersten?
Die Vielschichtigkeit dieser Radierung fasziniert in mehrfacher Hinsicht. Zum einen zeigt sich hier ein großartiger Radierer von seiner persönlichen Seite, was seine Bedenken hinsichtlich der Entwicklung der Burg Kakesbeck angeht, deren Stiftungskuratorium er wie auch der Verfasser dieser Zeilen angehört, zum anderen trifft er mit dieser feinen Arbeit den Nerv der einen seiner seiner großen Leidenschaften. Hier verdeutlicht sich die Liebe zum Metier, zur Burg Kakesbeck und zur DEG gleichermaßen, auf siebenundachtzig Quadratzentimetern.
Was bleibt?
„Das Bleibende stiften die Dichter“, heißt es bekanntlich allenthalben. In meinen Augen stiftet Andreas Raub hier Bleibendes, verbunden mit der Mahnung, Altbewährtes und Wertvolles nicht leichtfertig aufzugeben, erst recht nicht einer Schlüssellochperspektive feilzubieten, von der aus man später leicht eine Haltung zu rechtfertigen im Stande ist, die da lautet: „Das eiserne Halsband hatte uns im Griff.“
Es gilt, den Schließmechanismus zu finden und zu öffnen. Lambert von Oer hat schon vor mehr als 500 Jahren eine Lösung gefunden – wenn auch eher unkonventionell und ohne Schlüssel.

(Peter Barth gemeinsam mit Andreas Raub Kuratoriumsmitglied der Stiftung Dr. Wilfried und Hildegard Grewing – Burg Kakesbeck)

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Droste Digital

Eine neue Sonderausstellung im Stabi Kulturwerk zeigt Originalmanuskripte aus dem Nachlass der Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff. Ihre Handschriften sind eindrückliche Textbilder mit einer ganz eigenen Ästhetik. Die Ausstellung macht ihre Schreib- und Entstehungsprozesse mit digitalen Technologien sichtbar und in künstlerischen Installationen erfahrbar.

Die Ausstellung im Stabi Kulturwerk zeigt Originalmanuskripte aus dem Nachlass der Schriftstellerin. Winzige, kaum lesbare Buchstaben drängen sich dicht an dicht, formen sich zu Wörtern und Texten, die das Papier oft bis zum Rand füllen, einiges ist durchgestrichen und korrigiert, anderes ergänzt – manches sogar vertikal. Ihre Handschriften sind eindrückliche Textbilder mit einer ganz eigenen Ästhetik. Die Ausstellung macht ihre Schreib- und Entstehungsprozesse mit digitalen Technologien sichtbar und in künstlerischen Installationen von Dorothee Elmiger, Nora Gomringer, Hyphen-Labs, Anna Kpok und Roman Hagenbrock erfahrbar.
Die Ausstellung Droste Digital ist eine Produktion von Burg Hülshoff – Center for Literature in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin. Sie wird gefördert von der LWL-Kulturstiftung und durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Programm »Digitalisierung in Kultur und Medien«.Jazz Konzert und Lese-Performance: Farben für Annette von Droste-Hülshoff – Songs, Stories, Lieder & Lyrik
Die Lyrikerin und Performerin Nora Gomringer, der Pianist Philip Frischkorn, der Kontrabassist Andris Meinig und der Schlagzeuger Philipp Scholz beschäftigen sich mit Weltliteratur. Anlässlich der Eröffnung führen sie ihre Jazz Versionen der Originaltexte und -kompositionen von Annette von Droste-Hülshoff auf.

Eröffnung: 22. August 2024, 19 Uhr, Das Stabi Kulturwerk und das Café Felix sind bis 22 Uhr geöffnet. Ausstellung: 23. August - 20. Dezember 2024

Stabi - Kulturwerk
Staatsbibliothek zu Berlin
Unter den Linden 8, 10117 Berlin

Dienstag, 30. Juli 2024

DEG Jahrestagung 2025 in Memmingen

Die Jahrestagung 2025 der Deutschen Exlibris-Gesellschaft, Forum für Kleingrafik, findet vom 8. – 10. Mai 2025 in Memmingen statt.

Anfrage bitte an * E-Mail.

Sonntag, 28. Juli 2024

Tragbare Feldbücherei

Diese "Tragbare Feldbücherei" des Reclam-Verlags ist seit Kurzem im Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek zu sehen.
Die „geistige Futterkiste“, die 1914 entwickelt wurde, beinhaltet eine gute Auswahl von Klassikern und damals populärer deutschsprachiger Literatur und erzählt von den Unterhaltungsmöglichkeiten für Soldaten an der Front im ersten Weltkrieg, dessen Ausbruch sich heute zum 110. Mal jährt.

Gotthold Ephraim Lessing Der Rangstreit der Tiere

Gestern auf dem Flohmarkt für einen Euro entdeckt, wobei mir einfiel, dass ich mein Exemplar verschenkt hatte. ein kleines, in OLeder gebundenes Bändchen mit Goldprägung aus dem Verlag der Nation: "Lessings Fabeln" mit Holzstichen von Karl Rössing.
Eine schöne Ergänzung meiner Werkausgabe, nicht nur von der Haptik oder der Gestaltung her oder wegen der wunderbaren Holzstiche empfehlenswert, sondert ebenso in der heutigen Zeit wieder wichtig, obwohl der Autor im Januar vor 295 Jahren geboren wurde.

Das Buch war unter den Titeln, die 1980 als "Schönstes Buch der DDR" ausgezeichnet wurde.

Samstag, 27. Juli 2024

ein Hinweis vom Karl Dietz Verlag

„Ein adäquates Verständnis des Kapitalismus ist ohne Marx nicht zu haben. Eine Kritik schon gar nicht.“
ein Klick auf die Abb. ruft einen Hinweis auf die von Klaus Waschk gestaltete Ausgabe von  "Das Kapital" auf
XXL-Interview mit Ingo Stützle, Leiter unserer MEW-Edition, mit viel spannendem Stoff zu Forschung & Relevanz in der neuen Ausgabe der ›Kieler sozialwissenschaftliche Revue‹

Freitag, 26. Juli 2024

7. Braunschweiger Antiquariatsmarkt

Acht Antiquariate der Löwenstadt (Buch & Kunst, Bücherlöwe, Gründer, Klittich-Pfankuch, Leseratte, Rabenschwarz, Eichhorn und Tills Bücherwege) organisieren in Kooperation mit dem Braunschweigischen Landesmuseum die Verkaufsausstellung, die durch drei Stände auswärtiger Antiquare aus Bargfeld (Wiedenroth), Hannover (Wilder) und Hildesheim (Dr. Hennighaus) bereichert wird.
Angeboten werden wertvolle und auch preisgünstige Druckwerke: Literatur, Erstausgaben, signierte und illustrierte Bücher sowie Widmungsexemplare, Reiseberichte, Wissenschafts- und Geistesgeschichte, Kinderwelten, Orts- und Landeskunde, Natur und Technik, Kunst und Kultur, Geschichte und Politik. Interessierte können außerdem vor Ort den Wert ihrer mitgebrachten Bücher und Graphiken fachkundig schätzen lassen.
Besonderheit in diesem Jahr: Von 13 Uhr an findet im Museumsgarten Hinter Aegidien das Jüdische Sommerfest statt, mit literarischen und musikalischen Darbietungen, kulinarischem Angebot sowie Kurzführungen auch in die sehenswerte Dauerausstellung "Ein  Teil von uns".
Der Eintritt ist frei.

:Messe: 25. August 2024, 10:00 - 17:30 Uhr

Museum Hinter Aegidien
Dormitorium-Saal, barierefrei
38100 Braunschweig

Bis hierhin lief’s noch gut

Das Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg zeigt eine Einzelausstellung rund 300 Werken aus dem  vielfältige kreative Schaffen der Illustratorin und Comiczeichnerin Anna Haifisch 
Ausstellungsgraphik, «Bis hierhin lief’s noch gut», © Anna Haifisch & Anja Kaiser
Doe Künstlerin schreibt und zeichnet Comics, arbeitet als Illustratorin für nationale und internationale Medien und gestaltet Druckserien, Poster und Designprodukte. Charakteristisch für ihr Schaffen ist das Zusammenspiel von kräftiger Farbgebung und fragilem Strich. Ihre Erzählungen zeichnen sich durch den humorvollen Umgang mit popkulturellen Anleihen aus. Sie sieht sich in der internationalen Tradition der sogenannten Funny Animals wie Snoopy von Charles M. Schulz oder der Zeichentrickserie „Looney Tunes“. Die Künstlerin spielt mit visuellen und erzählerischen Elementen aus Design, Comic- und Kunstgeschichte.

Ausstellung:  seit 6. Juni - 20. Oktober 2024

Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg
Steintorplatz, 20099 Hamburg

Donnerstag, 25. Juli 2024

Skizzenbuch von Caspar David Friedrich wird ausgestellt

Im November 2023 ist das "Karlsruher Skizzenbuch" von Caspar David Friedrich für 1,8 Millionen vom Berliner Auktionshaus Grisebach versteigert worden.
Die Berliner Kulturverwaltung sorgte dafür, dass das wertvolle Objekt in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes eingetragen wurde. Damit bestand ein Ausfuhrverbot. Die Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar Ulrike Lorenz berichtete, dass es daraufhin zu Verhandlungen, einem "wunderbaren kollegialen Kraftakt und Hunderten von Emails und WhatsApp" zwischen den verschiedenen Parteien kam. Nach einigem Hin und Her ist nun klar: Das wertvolle Büchlein bleibt in Deutschland und in öffentlicher Hand.
nach einer Abb. dees Auktionshauses Grisebach
Zunächst können Besucher Friedrichs Studien im Berliner Kupferstichkabinett besichtigen. Im August soll das Büchlein in Dresden bei der Caspar-David-Friedrich-Schau "Wo alles begann" ausgestellt werden. Im November wird es dann schließlich nach Weimar wandern.  

Vorher gehörte das Buch mehr als 200 Jahre der Familie des Künstlerfreundes Kersting aus Karlsruhe. Rund um die Versteigerung gab es viele Diskussionen über den Verbleib des "Karlsruher Skizzenbuchs". Stimmen wurden laut, es solle als Kulturgut geschützt werden – handelt es sich doch um das letzte gebundene Exemplar eines Skizzenbuchs des Künstlers. Nur sechs von insgesamt wohl 20 dieser Büchlein sind erhalten. Vier davon bewahrt das Nationalmuseum in Oslo auf, ein weiteres das Kupferstichkabinett in Dresden.

Sommerfest für die Kunst

Irmela Ehrmann, Steindruck,
gedruckt von Christian Müller
Am 18. August um 14.00 Uhr findet im Rahmen des „Kunstfestivals am Grünen Band" anlässlich der Vernissage einer Ausstellung mit Malerei, Grafik und Plastik von Irmela Ehmann das alljährliches SOMMERFEST FÜR DIE KUNST im Museum für Steindruck statt.
Zur Eröffnung spricht Susanne Krassa zum „Schmetterlingstal" von Inger Christensen, einer Inspiration für Irmela Ehrmanns Werke, musikalische Umrahmung Hot Club d'Allemagne, Grafik auf der Wäscheleine, Kaffee mit hausgebackenem Kuchen. Eintritt frei.
Zur Ausstellung erscheint eine Vorzugsgraphik, ein Holz-schnitt von Irmela Ehrmann, Auflage 20 Exemplare, ohne Titel, Motivformat 30 x 23 cm, Blattformat 48 x 38 cm, zum Vorzugspreis von 90,00 €, nach der Ausstellung 150,00 €. Ihre Bestellungen nehmen wir gerne entgegen.

Am 25. August um 15.00 Uhr beteiligt sich das Steindruckmuseum am „Weimarer Kunstfest". Das RUMPEL PUMPEL THEATER spielt „Das Hotel im Karussell" Eine mobile Inszenierung auf unserem Wurzbacher Markt, bei Regen im Festzelt.

Ausstellung: 18. August - 2. November 2024
Kunsthaus Müller
è Kunsthaus Müller & Galerie für zeitgenössische Kunst
Markt 6, 07343 Wurzbach/Thüringen

Mittwoch, 24. Juli 2024

Großer lyrischer Klavierabend

Mikhail Mordvinov (Klavier) Reha-Zentrum Seehof
Steffen Marciniak, Foto © ad, Plakat: Eva-Maria Nerling

Neue digitale Edition

21 Notizbücher von Peter Handke online

Vor kurzem fand ein umfangreiches und innovatives Editionsprojekt an der Österreichischen Nationalbibliothek seinen vorläufigen Abschluss: 21 Notizbücher des österreichischen Nobelpreisträgers, mit knapp 3.000 Seiten an Aufzeichnungen, sind vollständig editiert als Faksimiles mit kommentierten Transkriptionen und drei Registern online frei zugänglich. Die Edition öffnet der Handke-Forschung, aber auch einem breiten Publikum völlig neue Perspektiven.

Die betreffenden Notizbücher stammen aus dem Zeitraum zwischen März 1976 und November 1979 und werden mit der Edition erstmals veröffentlicht. Die Handschrift Handkes wurde dabei vollständig transkribiert und nach den Standards der digitalen Geisteswissenschaften erschlossen: Umfangreiche Register erlauben es, über erwähnte Orte, Werke oder Personen in dieses vielschichtige Werk einzutauchen. Notizbuchbeschreibungen geben Einblicke in die inhaltlichen und materiellen Besonderheiten jedes Notizbuchs und bieten thematische Einstiege. Stellenkommentare schlüsseln die zahlreichen Lektürezitate, Bildbeschreibungen bei Museumsbesuchen oder fremdsprachigen Stellen aufghäund geben wichtige, akribisch recherchierte Hintergrundinformationen.

Von weiterer Notizbücher ist im Rahmen von Folgeprojekten geplant.

Dienstag, 23. Juli 2024

Hot Printing Festival #2

Wie schon vor zwei Jahren beim ersten Offenbacher Hot Printing Druckfestival war der Verein für die Schwarze Kunst auch bei der Fortsetzung vor 2 Wochen mit einem Stand im Klingspor Museum vertreten. Es war wieder ein fröhliches, im wahrsten Sinne des Wortes unterhaltsames Fest mit vielen guten Gesprächen am Stand, alten und neuen Bekannten – und mindestens einem neuen Mitglied.
Heike Schnotale (Officina Arcane) rechts, Theresa Wedemeyer links und Katja Zwirnmann hinten links
Der Verein mit zwei Vorstandmitgliedern, Heike Schnotale, welche die Arbeiten aus ihrer Werkstatt (Officina Arcane)anbot, teilte sich den Raum diesmal mit Theresa Wedemeyer, die ebenfalls eigene Arbeiten zeigte und als Vorsitzende unseres Partners zugleich die Meister der Einbandkunst repräsentierte, teilte sich den Raum diesmal  mit Katja Zwirnmann, deren Atelier und Arbeiten der Verein im Rahmen seiner Jubiläumsfeier im vergangenen Oktober in der Leipziger Baumwollspinnerei besuchen und bestaunen durften. 
Vielen Dank. Herzlichen Dank auch an Malte für die Unterstützung am Sonntag und ganz herzlichen Dank dem Klingspor Museum in Person von Dorothee Ader und ihrem bezauberndem Team für die erneut sehr gelungene Ausrichtung des Festivals.

Montag, 22. Juli 2024

... über heimische Bibliotheken

Umberto Eco, der 50.000 Bücher besaß, hatte dies über heimische Bibliotheken zu sagen:

"Es ist verrückt zu denken, dass man alle Bücher lesen sollte, die man kauft, denn es ist verrückt, diejenigen zu kritisieren, die mehr Bücher kaufen, als sie jemals lesen können. Das wäre, als würde man sagen, dass man alle Besteck, Gläser, Schraubenzieher oder Bohrsätze, die man gekauft hat, benutzen sollte, bevor man neue kauft."
Es gibt Dinge im Leben, die wir brauchen, um immer viel Vorräte zu haben, auch wenn wir nur einen kleinen Teil gebrauchen werden. "Wenn wir z.B. Bücher als Medikamente betrachten, verstehen wir, dass es gut ist, viele zu Hause zu haben, statt wenige: Wenn wir uns besser fühlen wollen, dann gehen wir in den "Medikamentenschrank" und suchen uns ein Buch aus. Kein Zufall, aber das richtige Buch für diesen Moment. Deshalb sollte man immer eine Ernährungswahl haben! "Wer nur ein Buch kauft, liest nur dieses und entsorgt es. Sie wenden einfach die Verbrauchermentalität auf Bücher an, d.h. sie betrachten es als Konsumprodukt, als Warengut. Wer Bücher liebt, weiß, dass ein Buch alles andere als eine Ware ist."

(Marie Gagnon auf facebook)

Sonntag, 21. Juli 2024

Vokabular einer toten Sprache

Ein Broschürchen (19,4 x 8 cm) aus dem Jahre 1888 mit dem Titel „Der geschickte Ballordner“ enthält neben Anweisungen für Kotillontouren, Kontretänze und diverse Tanzspiele auf den Seiten 58-59 unter der Überschrift „Die Fächersprache“ eine Liste mit 25 Anweisungen, wie die Dame den Fächer für nonverbale Mitteilungen an die Herrenwelt benutzen kann.
zum Lesen bitte anklicken
Im Zeitalter der Partnerbörsen im Internet ist die Dame auf derartige Kommunikationshilfen nicht mehr angewiesen, und man darf die Fächersprache nun zu den ausgestorbenen Sprachen wie Hethitisch und Babylonisch zählen. Als Kulturgut einer verschollenen Zeit vermag sie jedoch immer noch das Interesse der Sprach- und Sittengeschichtsforscher zu erwecken.

Das Heft ist in Köln erschienen, mithin dürfte es sich hier um eine Variante der Fächersprache im rheinischen Dialekt handeln. Es zeigen sich nämlich bei Vergleichen mit anderen Verzeichnissen der Fächersprache, die im Internet zu finden sind, einige Abweichungen.

Für bücherkundige Sammler mag noch der Hinweis nützlich sein, dass es sich bei dem hier vorgestellten Exemplar, an dem der Zahn der Zeit schon ein wenig genagt hat, um ein Unikat zu handeln scheint. Kein elektronischer Katalog weltweit führt den Titel auf. Nur ein Bücherverzeichnis weist die Cimelie nach, die Bibliographie génèrale de la Danse in den Archives Internationales de la Danse, Nr. 3, 15. Juillet 1934, S. 120.

(Ulrich Goerdten)

1 Kommentar:
Bernd Friedrich Schulz hat gesagt…(22 Juli, 2024)
Höchst amüsant! Ähnliches Schicksal widerfuhr der Briefmarkensprache. Es ist schon fast eine Ewigkeit her, dass ich mich einmal solcher Zusatzbotschaft bediente, jedoch ohne richtig verstanden zu werden. Und wohl nur wenige gibt es noch, die überhaupt Liebesbriefe schreiben und diese der Post zum Transport anvertrauen. Meine derzeitigen Zusatzbotschaften übermittle ich durch das Kleben eine Vielzahl von unterschiedlichen Blumenbriefmarken mit niedrigem Wert.
Nebenbei: Der Briefkasten Pettenkofer Straße/Frankfurter Allee begrüßt mit einem Graffiti "Nur für Liebesbriefe"

Perlen-Bibliothek

Ralf Plenz
gestaltete dieses, von Paul Klee inspiriertes Aquarell mit einem Zitat von Abel Doering aus dem Pirckheimer-Blog, Aufwand für diesen Hinweis auf die Reihe „Perlen der Literatur“ aus dem Hamburger Input-Verlag: rund sechs Stunden.

Band 29
Karl Kraus: Die Sprache. Unsere Neuveröffentlichung, seit zwei Wochen lieferbar. Besonders das Vorwort von Elmar Dod sortiert Kraus’ Textsorte und Stil sehr gut ein. 20 € für 192 Seiten, Leinenband mit Fadenheftung.
Band 28
Erich Mühsam: Unpolitische Erinnerungen. Neuveröffentlichung, seit zwei Wochen lieferbar. Prominenz: Das Vor- und Nachwort von Henning Venske ist sehr hilfreich für das Verständnis des Lebens von Erich Mühsam. 24 € für 320 Seiten, Leinenband mit Fadenheftung.
Band 27
Emilia Pardo Bazán: Die rosafarbene Perle und andere Geschichten aus dem Panoptikum der Liebe. 24 Geschichten von 1898, erstmals aus dem Spanischen übersetzt. 160 Seiten, Leinenband mit Fadenheftung, 18 €.
Band 26
Maria Montessori: Das Geheimnis der Kindheit, Teil 2 und 3, neu übersetzt und mit einem Vor- und Nachwort versehen von Cordula Scheel, 192 Seiten, geb., Leinenband mit Fadenheftung, 20 €
Band 30
Colette: Chéri, kommt Anfang August. Herbst 2024.
Die Neuerscheinungen sind alle fertig und seit einigen Wochen in jeder Buchhandlung erhältlich. Die Vorschau mit immerhin 32 Seiten ist ab sofort lieferbar.

Freitag, 19. Juli 2024

In den Gärten der Götter

Im dritten LiteraturGarten präsentiert der Pirckheimer und Autor Florian L. Arnold Literatur über besondere Gärten, wilde Natur und freches Grün unter freiem Himmel. Viel heitere Literatur und Ende des Abends eine entspannte Runde am Lagerfeuer.
Der Garten war seit jeher eine beliebte Spielwiese für Literaten. Als Raum für Träume, Erholung, Freiheit haben ihm erstaunlich viele Literaten*innen ganze Bücher gewidmet. An diesem Abend wird Autor und Sprecher Florian L. Arnold im Refugium im Finninger Ried Texte der Weltliteratur zum Thema „Gärten der Götter“ vorstellen. Das alternative Leben im Grünen, ein „Traum“, der sich für die einen erfüllt, für andere nicht.
Der „Urwald“ im heimischen Vorgärtchen kommt da ebenso vor wie eine Harzreise, „Legenden“ aus Lappland und „Blütengedichte“ von Thomas Rosenlöcher und Jan Wagner. Listige Insekten von Siegfried Arnold und halsbrecherische Fliegenflüge von Joachim Ringelnatz beleben unseren Göttergarten ebenso wie der Stier, den Saki unvermutet in einem Vorgärtchen auftauchen lässt

27. Juli 2024, 18 Uhr

Refugium im Finninger Ried (Gärtnerei Weimar)
Breitenhofstr. 110, 89233 Neu-Ulm

Mittwoch, 17. Juli 2024

ProtestKunst & ProtestKultur

Archive Artist Publications lädt ein zur Vorstellung von so-VIELE.de Heft 97 demokratie_2024.jpg, einer fotografischen Dokumentation der Demonstrationen gegen Rechtsextremismus in Deutschland. (Bildredaktion Barbara Donaubauer, Gestaltung Studio mllr, Carina Müller, München)
30 Fotografen aus ganz Deutschland – darunter Wolfgang Tillmans und Marlene Gawrisch – teilen ihre Bilder, die seit Januar 2024 während der Demonstrationen gegen Rechtsextremismus entstanden sind. Im Rahmen der Offenen Ateliers in der Münchner Maxvorstadt erscheint dazu eine Publikation und eröffnet eine Ausstellung, die die gesammelten Motive erstmalig präsentieren.
Die Ausstellung ProtestKunst & ProtestKultur beleuchtet Protest als Akt der öffentlichen Auflehnung: In Ablehnung gegen untragbare soziale Umstände reagieren Menschen vereinzelt oder aber auch als Masse mit öffentlich geäußertem Unmut.
Ein besonderer Fokus liegt in der Wechselwirkung zwischen politischem Protest und der Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen.
Knapp 200 Poster, Flyer, Bücher, Magazine oder Zines aus aller Welt veranschaulichen eindrucksvoll, wie Menschen weltweit laut werden, um eine bessere Lebensrealität für sich und andere zu schaffen. Ebenso erinnern sie daran, dass Protest als Form von anti-systemischer Kommunikation eine basisdemokratische Notwendigkeit darstellt. In diesem Rahmen bietet sich die Gelegenheit, einige der Macherinnen der ausgestellten Materialien persönlich kennen zu lernen und mit Ihnen über ihre Arbeit zu sprechen.

(Harald Kretzschmar)

20./21. Juli 2024

Kunst im Karrée
München

Dienstag, 16. Juli 2024

Ums Buch…

Frankfurter Grüngürteltier auf dem Berger Rücken
Von dontworry - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,
Ums Buch ist mir nicht bange. 
Das Buch hält sich schon lange. 

Man kann es bei sich tragen 
und überall aufschlagen. 

Sofort und ohne Warten, 
kann man das Lesen starten. 

Im Sitzen, Stehen, Knien, 
ganz ohne Batterien. 

Beim Fliegen, Fahren, Gehen. 
Ein Buch bleibt niemals stehen. 

Beim Essen, Kochen, Würzen. 
Ein Buch kann nicht abstürzen. 

Die meisten andren Medien,
tun sich von selbst erledigen. 

Kaum sind sie eingeschaltet, 
heißt´s schon, sie sind veraltet. 

Und nicht mehr kompatibel. 
‘Marsch in den Abfallkübel!’ 

Zu Bändern, Filmen, Platten, 
die wir einst gerne hatten. 

Und die nur noch einen Dreck sind, 
weil die Geräte weg sind 

und niemals wiederkehren, 
gibt´s nichts zu sehn, zu hören. 

Es sei denn, man ist klüger 
und hält sich gleich an Bücher, 

Die sind noch in hundert Jahren, 
das sind, was sie einst waren. 

Schön lesbar und beguckbar. 
So stehn sie unverruckbar, 

in Schränken und Regalen 
und die Benutzer strahlen: 

Ha´m die sich gut gehalten!’ 
Das Buch wird nicht veralten.

(Robert Gernhardt, zitiert in einem Brief von von Gwendolyn Mertz-Jork, Leiterin der Geschäftsstelle der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin)