Donnerstag, 19. Januar 2023

Italienische Holzschnitte des frühen zwanzigsten Jahrhunderts

Eine Ausstellung in Florenz mit "Italienischen Holzschnitten des frühen zwanzigsten Jahrhunderts" in einem der ältesten Antiquariats in der Toscana will das Wiederbeleben des Holzschnitts zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nachzeichnen, eine handwerkliche Praxis, die gerade in Jahren, in denen photomechanische Reproduktionsmittel in alle Bereiche eindrangen, veraltet erscheinen könnte, die aber in Wirklichkeit vor allem für den Buchschmuck galt, um dem schlechten Geschmack des gegenwärtigen Verlagswesens entgegenzuwirken, das im Namen der Liebe industrialisiert und durch falschen modernistischen Götzendienst kontaminiert wurde. Elitär für das Buch als Kunstobjekt und verbindet es wieder mit der Pracht und Eleganz der Anfänge des Buchdrucks.

Neben einzelnen seltenen und signierten Blättern werden Zeitschriften, Mappen und Bildbände präsentiert, von den Meisterwerken des italienischen Expressionismus bis zur legendären Ausgabe von "L'Eroica" von 1915, die der Sezession der Xylographen gewidmet ist. Ebenfalls ausgestellt ist Vianis monografische Ausgabe der Zeitschrift "Xilografia", die ganz ihm gewidmet ist u.a..
Ebenfalls ausgestellt sind zahlreiche Blätter von Francesco Nonni, die seinen Übergang von der Liberty-Kalligraphie zum Deko-Synthetismus dokumentieren, der von trägem Erotik und zarter Eleganz durchdrungen ist.
Unter den illustrierten Bänden befindet sich auch Sibilla von Aristide Sartorio, ein Meisterwerk eines Künstlerbuchs angelehnt an D'Annunzios, das mit Stichen auf Zink im Relief hergestellt wurde, um die gleichen Effekte wie Holzschnitt zu erzielen und 1922 von "L'Eroica" veröffentlicht wurde.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in limitierter Auflage von 300 nummerierten Exemplaren, (8°, S.102, zahlreiche Farb- und s/w-Abbildungen). Der Katalog enthält 109 Reproduktionen von Holzschnitten, darunter Einzelblätter, illustrierte Bücher und Zeitschriften der wichtigsten Kupferstecher der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, Protagonisten des großen Erwachens des Holzstichs in Italien, auf der Welle der europäischen Wiederbelebung für diese Technik, die bereits seit den letzten Jahrzehnten des neunzehnten Jahrhunderts besteht.

Ausstellung: 10. Januar - 20. Januar 2023

Antiquariat Gonnelli
Via Fra Giovanni Angelico, 49 - 50121 Florenz

Mittwoch, 18. Januar 2023

Zettel’s Traum

Zettel’s Traum‹ von Arno Schmidt, ist ein Schwergewicht der deutschen Literatur – im wahrsten Sinne des Wortes. Die erste Ausgabe wurde im DIN-A3-Format als dreispaltiges Faksimile gedruckt, umfasst 1.334 Seiten und wiegt über 9 Kilo. Der Stahlberg Verlag brachte 1970 2.000 vom Autor signierte Exemplare auf den Markt (Verkaufspreis 345 Mark). Nach kurzer Zeit war die Auflage ausverkauft.
Das Buch sei für die »eigentlichen Kulturträger« der Nation bestimmt, antwortete der Schriftsteller auf die Frage, wer das monumentale Buch lesen solle. Eine genaue Zahl hat Arno Schmidt ebenfalls ausgerechnet: »Die Zahl der Kulturträger erhalten Sie, wenn Sie die dritte Wurzel aus P ziehen, wobei P für Population oder Bevölkerung steht: macht bei 60 Millionen Einwohnern in Westdeutschland 390 Leser«.

Arno Schmidt (1914-1979), dessen Geburtstag sich heute zum 109. Mal jährt, wurde in Hamburg geboren.
Erstausgabe von ›Zettel’s Traum‹ mit der Signatur des Autors aus dem Bestand des Literaturmuseums Marbach
(Literaturmuseen Marbach)

Geschichte einer Graphik

Etwa 2007 erzählte uns ein Musikerfreund von einem Zeichner und Maler, dessen Werke er bei einem Aufenthalt in Mallorca kenngelernt hatte. Er schwärmte in höchsten Tönen. Einige Fotos, die er uns zeigte, überzeugten uns davon, dass Stefan Beltzig, so hieß der Maler, gut in das Programm unserer damaligen Galerie in Salzburg passen würde.
Wir besuchten Beltzig in Mallorca und lernten einen weitgewanderten, kosmopolitischen Künstler kennen, einen unabhängigen Geist mit einer Vergangenheit zwischen Zirkus und Seenotrettungsdienst, dessen unablässige Wanderschaft ihn durch die halbe Welt geführt hatte.
Im Herbst 2008 konnten wir eine Ausstellung mit seinen Werken organisieren, die großen Anklang fand.
Während der Dauer der Ausstellung arbeitete Stefan Beltzig bei uns in der Werkstatt. Die Lithografie kam seiner Neigung zur präzisen Zeichnung besonders entgegen, und so entstanden zwei Blätter, die durch Klick auf die Thumbnails aufzurufen sind.
So verbirgt sich hinter vielen unserer Editionen eine kleine Geschichte. Wir freuen uns, sie mit Ihnen teilen zu dürfen.

(Elisabeth und Nikolaus Topic–Matutin)

Dienstag, 17. Januar 2023

Pirckheimer-Jahrestreffen 2023

Das Jahrestreffen 2023 der Pirckheimer-Gesellschaft wird in Gotha, wie gewohnt im September, stattfinden.

Dieses Jahrestreffen, es ist das 50. dieser Gesellschaft, wird organisiert von Prof. Dr. Peter Arlt.

Auf dem Programm stehen, so informiert der stellv. Vorsitzende der Pirckheimer-Gesellschaft, Till Schröder, auf deren Homepage "Führungen durch die Forschungsbibliothek Gotha, eine musikalische Reise in der Schlosskirche zu Willibald Pirckheimer und seinen Zeitgenossen mit Sabine Lindner, Bildende Kunst und Musik von Thomas Offhaus, eine Ausstellung im Spiegelsaal mit Neujahrsgrafiken aus fünf Jahrzehnten der Sammlung Peter Arlt, und auch das Sammlerpaar Christiane und Norbert Grewe gibt im Vortrag und Gespräch Einblicke in ihre Buch- und Grafikschätze."

22. bis 24. September 2023

Residenzstadt Gotha

37. Leipziger Grafikbörse »Turbulenzen«

Die nächste Station der »Turbulenzen« der 37. Leipziger Grafikbörse ist das Grafikmuseum Stiftung Schreiner.

Zu diesem Thema haben 90 Künstlerinnen und Künstler Arbeiten eingereicht.
Die Interpretationen sind vielfältig. Es geht um gesellschaftliche Themen wie Wetter, Klima, Politik oder Wirtschaft, aber auch private, zwischenmenschliche oder gedankliche Turbulenzen. Die Ausstellung zeigt die Vielfalt zeitgenössischen druckgrafischen Schaffens.

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Vereins Leipziger Grafikbörse gibt es eine Grafik-Edition mit 6 eingebundenen Originalgrafiken.

Eröffnung: 5. Februar 2023, 11 Uhr, Musikalische Umrahmung Peter Wrobel & Stefan Griesshammer Saxophon / Bass
Ausstellung: 5. Februar – 16. April 2023

Grafikmuseum Stiftung Schreiner
Badstraße 30, 95138 Bad Steben

Studentenstammbuch des Georg Schütz

Die Universitätsbibliothek Kassel erwarb ein umfangreiches und reich illuminiertes Studentenstammbuch aus dem Besitz der Komponistenbruders Georg Schütz (1587-1637).
Stammbuch des Georg Schütz (1608-1613), 8° Ms. hist. 29, Bl. 83r
Das Stammbuch, das Einträge aus der Zeit zwischen 1609 und 1613 enthält, führt unmittelbar hinein in das engste persönliche Umfeld der jugendlichen und einander lebenslang besonders nahestehenden Brüder Georg und Heinrich Schütz während ihrer Kasseler und Marburger Jahre.

Soweit bekannt, befand sich das ‚Album amicorum‘ lange Zeit im Besitz der bekannten Leipziger Buchhändlerfamilie Weigel, die seit dem 18. Jahrhundert nicht nur ein bedeutendes Buchantiquariat und Auktionshaus betrieb, sondern im 19. Jahrhundert auch selbst eine qualitätsvolle Sammlung alter Drucke und Handschriften angelegt hatte. Der ursprüngliche Besitzer der Handschrift, Georg Schütz, verstarb 1637 in Leipzig, wo er 1619 die Buchhändlerstochter Anna Grosse geheiratet und sich beruflich und gesellschaftlich etabliert hatte. Der Familienzweig des Sohnes Christoph Georg blieb während des 18. Jahrhunderts in Leipzig verwurzelt. Es erscheint daher recht wahrscheinlich, dass das Stammbuch über den lokalen Buchmarkt oder andere lokale Kontakte bereits im 19. Jahrhundert in
Sammlerhände gelangt sein könnte.

Das Stammbuch des Georg Schütz ist ein ‚alter Bekannter‘ in der Kasseler Universitätsbibliothek, den man schon lange konservatorisch betreut hat. Mit dem Ankauf und der damit verbundenen Möglichkeit, dieses Stammbuch nun auch digital zur Verfügung stellen zu können, eröffnen sich nicht nur tiefere Einblicke in das familiäre und soziale Umfeld der beiden Schütz-Brüder am Anfang des 17. Jahrhunderts. Darüber hinaus werfen die Einträge interessante Schlaglichter auf das intellektuelle Umfeld von Georg und Heinrich Schütz an den Universitäten Marburg, Jena und Leipzig.

Die Handschrift ist komplett digitalisiert und kostenfrei zugänglich: ORKA Bibliothek Uni-Kassel

(Dr. Brigitte Pfeil-Amann, Landes- und Muhrhardsche Bbibliothek Kassel)

... kompletten Artikel lesen.

Montag, 16. Januar 2023

Briefmarke mit dem Verein für die Schwarze Kunst

Der Verein der Druckwerkstatt Mosbach hat sich für ihre Weihnachtspost etwas Besonderes einfallen lassen. Karl Kretschmer hat den Vorsitzenden des Vereins für die Schwarze Kunst Jürgen Franssen auf einer Briefmarke abgebildet, die ihn beim Gießen von Buchstaben auf dem 13. Buchmachermarkt in Mosbach zeigt.

"Best of 2022" in Wien

Harms, Anja: Christian Morgenstern – Im Reich der Interpunktion
Die Galerie DRUCK & BUCH, Wien zeigt mit großem Vergnügen die "BEST OF" in der Wiener Berggasse die besten Neuzugänge des vergangenen Jahres, darunter Werke von Wolfgang BuchtaHannah Darabai, Stefan Gunnesch, Anja Harms, Romano Hänni, Hyewon Jang, Katrin von Maltzahn, Veronika Schäpers, Tricia Treacy, Ulrich Wagner, Natalia Weiss u. a.
Eine Liste mit Preisen, Filmlinks und Details: hier.
Maltzahn, Katrin von: Japan Guide

Am 26. Januar 2023 findet um 19 Uhr ein Buchgespräch mit Katrin von Maltzahn über ihr Künstlerbuch "JAPAN GUIDE" statt.

(Susanne Padberg)

Präsentation: noch bis 28. Februar 2023

è Galerie DRUCK & BUCH
Susanne Padberg
1090 Wien

Sonntag, 15. Januar 2023

Grafikdruckwerkstatt Leipzig bedroht

Seit 1992 wird in der Grafikdruckwerkstatt im Werk 2 (Kulturfabrik Leipzig e.V.) auf vielfältige Weise kreativ gearbeitet. Die Werkstatträume sind mit neun grafischen Druckpressen ausgerüstet. Als Druckverfahren stehen Hochdruck und Tiefdruck zur Verfügung, sowie das Handsetzen. Auch Zeichnen, Malen, plastisches Gestalten u.v.a. werden in der, von Nadine Respondek und Marc Dettmann geführten Werkstatt angeboten.

Leider beginnt das neue Jahr mit schlechten Nachrichten. Momentan gibt es einige besorgniserregende Entwicklungen in der Versorgung, Bildung und Finanzierung von Kindern und Jugendlichen und Angebote für sie. 

Der Grafikwerkstatt sollen sämtliche Mittel für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gestrichen werden. Hier hatten Jünger der Schwarzen Kunst den ersten Kontakt mit Bleisatz, hier wird wichtige Kulturarbeit geleistet.
Für das Haus ist vorgesehen, die Förderung aller Angebote im Kinder- und Jugendbereich nicht fortzuführen. 
Jetzt muss die Politik auf diese Situation aufmerksam gemacht werden. Am Mittwoch zur ersten Ratsversammlung des Jahres werden die Betroffenen gemeinsam mit anderen Trägern eine Demonstration organisieren, bei der die Kinder und Jugendlichen selbst zu Wort kommen sollen.

Protestdemonstration: 18. Januar 2023, 13:20 Uhr 

Neues Rathaus, Leipzig

Sinn und Form: Trollhafte Verwirrspiele


Im ersten Heft der Zeitschrift Sinn und Form des Jahres 2023 schreibt Gabriele Helen Killert unter dem Titel "Trollhafte Verwirrspiele" über ihre "Erinnerung an den vielfach begnadeten Buchkünstler Horst Hussel" (1934 - 2017):
3 Motive der Speisekarte 2013
"Hussel liebte die Irritation, das trollhafte Verwirrspiel, das die Verhältnisse hüpfen und aus der Spur springen läßt."

Für Bibliophile ist er kein Unbekannter, er begleitete als Freund der Pirckheimer-Gesellschaft aktiv die Buchgestaltung, erst in der DDR und später im gesamten Deutschland, stets ironisch und mit einem unverwechselbaren eigenen Strich.
Beispielhaft soll hier auf die Weiße Reihe aus dem Verlag Volk und Welt genannt werden, gefragte Hefte mit internationaler Lyrik, bibliophil mit Pergamentumschlag mit einer von Hussel geschaffene Vignette.
Zum Jahrestreffen 2013 der Pirckheimer-Gesellschaft gestaltete er eine originalgraphische Speisekarte, 3 Motive wurden in jeweils 30 Exemplaren gedruckt, auf der Abb. zusammen montiert.
Horst Hussel, o.T., Radierung 2017

Und der Pirckheimer Prof. Dr. Norbert Grewe gab vor einem Jahr die Anregung zu Bibliophiles des Monats: Die Reihe Reflexionen, ein Projekt von Jens Henkel, in der jeweils ein Künstler die Gelegenheit erhielt, sich in Wort und Bild zu sich selbst und zu seinen künstlerischen und ästhetischen Auffassungen zu äußern, in der Horst Hussel den Band VI gestaltete.

Als eine seiner letzten Arbeiten schuf Horst Hussel exklusiv für die Pirckheimer-Gesellschaft eine Graphik in einer Auflagenhöhe von 75 Exemplaren.

Samstag, 14. Januar 2023

Ein besonderes Jubiläum

Am 15. Januar 1773, also vor 250 Jahren, begründete der Lehrer und Buchdrucker Christlieb Lebrecht Reinheckel Offenbacher Zeitungstradition.
An diesem Tag erschien die erste Lokalzeitung in Offenbach: das "Offenbacher privileligirtes Real- Frag und Anzeigen Blat", Vorvorläufer der Offenbach Post. 
Die Themen der erste Ausgabe widmeten sich den Alltagsorgen der Menschen: Was kostet Gemüse auf dem Markt? Wieviel muss ein Handwerker verdienen, um viermal in der Woche Fleisch essen zu können? Bleibt der Frieden? Reinheckel schrieb gegen Hexengeschichten an, die sich das Gesinde erzählt und klagte, dass man nicht jedes neue Jahr einen Hut kaufen müsse. Der Herausgeber nahm durchaus die Maßstäbe des heutigen Journalismus vorweg. Er wollte mit objektiven Berichten den Gerüchten entgegentreten, die "auf dem Markt nach ein paar Kannen Bier" gestreut wurden. Unabhängig vom Rathaus berichten, einordnen, bewerten ist auch heute noch der Auftrag jeder Lokalzeitung. 
Sie ist aber auch, wie der langjährige Lokalchef Lothar „Ralo“ Braun, einmal schrieb, der gesellschaftliche Kitt einer Stadt. 

Vor 50 Jahren feierten Stadt und Offenbach Post das 200 Jubiläum mit einer gemeinsamen Ausstellung. Vielleicht gelingt es ja noch einmal die Exponate aus dem Depot des Stadtarchivs zu zeigen.

(Matthias Müller)

Freitag, 13. Januar 2023

Fernweh

Reisen erschließt Welten und schafft neue Erkenntnisse und Sinnesreize. Wie sehr das Reisen zu unserem Alltag gehört, haben wir spätestens gemerkt, als durch Corona nichts mehr ging. Dabei ist das Thema so alt wie die Menschheit. Von seiner Urheimat Afrika aus begann der Mensch seine Reise und erschloss sich die ganze Welt. Nach der neolithischen Revolution wurde der Mensch sesshaft, trotzdem spielte das Reisen eine große Rolle in der kulturgeschichtlichen Entwicklung, es erschloss Handelsrouten und führte zu Austausch von Waren und technischen Errungenschaften. Über viele Jahrhunderte hinweg blieb das Reisen ein Privileg weniger Menschen, die oftmals angetrieben wurden von Neugier und Entdeckungslust. Heute jedoch ist der Mensch so mobil wie nie zuvor. Reisen erweitert den Horizont und erschließt neue Sichtweisen. Die eigene Perspektive steht auf dem Prüfstand, die Menschheit rückt näher zusammen und das Verständnis füreinander wächst. Seit dem 20. Jahrhundert beschränken sich Reisen nicht nur auf unseren Heimatplaneten, auch das All wird erkundet.
Clifton Meador, Vereenigde Oostindische Compagnie. © Clifton Meador
Dass das Reisen nicht nur positive Aspekte hat, sondern auch fürchterliches Unheil nach sich ziehen kann, zeigen die Entdeckungsreisen, die seit der frühen Neuzeit von Europa ausgingen. Sie führten zu Ausbeutung, Kolonialismus, Landnahme, Sklaverei und zur Vernichtung ganzer Völker. Die Auswirkungen sind bis heute spürbar und führen wiederum zu massenhaften Reisen ganz unfreiwilliger Art. Über 100 Millionen Menschen sind zurzeit auf der Flucht.
Wilhelm Deffke. HAPAG Amerika Reisen. Fotos Klingspor Museum
Selbst Reisen zum Vergnügen haben deutliche Schattenseiten. Moderne Verkehrsmittel und wachsender Wohlstand führten zu Massentourismus mit zahlreichen negativen Folgen: er belastet die Umwelt durch Co2 Ausstoß, Wasserverbrauch, die Erzeugung von Müll und Landschaft- und Flächenverbrauch. Beliebte Orte werden von Menschenmassen überschwemmt. Auch negative Auswirkungen für die einheimische Bevölkerung durch falschen Tourismus sind nicht selten.

Eine Ausstellung in Offenbach will die verschiedensten Aspekte des Reisens aufzeigen, die Freude am Neuen, den Erkenntnisgewinn, die Reise als Weg zu sich selbst. Auch die Themen Flucht und Migration werden beleuchtet. Reisen als Traum und Alptraum. In Künstlerbuch, Graphic Novel und Kinderbuch wird ein facettenreicher Bogen gespannt, der durch Plakate, Zeichnungen und Aquarelle ergänzt wird. Die Installation „Postkognitives Schelleklobbe“ von 431art beschäftigt sich mit dem Thema der Isolation des Individuums währen der Corona-Pandemie, einer Zeit, in der das Reisen unmöglich war, die Menschen in Kontaktlosigkeit gefangen und auf sich selbst zurückgeworfen waren.

Eröffnung: 22. März  2023, 19 Uhr
Ausstellung: 23. März - 25. Juni 2023

Klingspor Museum
Herrnstr. 80, 63065 Offenbach

Die Troika

Im Moskau der dreißiger Jahre begegnen sich drei Kinder. Konrad Wolf, Lothar Wloch und Viktor Fischer stammen aus Emigrantenfamilien, besuchen die deutsche Karl-Liebknecht-Schule und begeistern sich für den Aufbau des Sozialismus. Als Stalins Terror auch ihre Familien erreicht, trennen sich die Lebenswege der drei. Ihre Freundschaft jedoch überdauert die Jahre des Krieges und die Trennung durch den Eisernen Vorhang.
Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1989

Markus Wolfs Bericht über die »Troika«, deren berühmtestes Mitglied sein Bruder, der spätere Filmregisseur Konrad Wolf, war, erregte beim ersten Erscheinen 1989 Aufsehen durch seine kritische Offenheit. Der »Mann ohne Gesicht«, Spionagechef a. D. Wolf, trat damit erstmals an die Öffentlichkeit und plädierte für eine offene Diskussion in der DDR.

Das Buch erscheint am 19. Januar zum 100. Geburtstag von Markus Wolf erneut - eine Werbeanzeige zur Wiederveröffentlichung des Buches durch den Bodoni-Vielseithof (Edition Bodoni), dem auch der Pirckheimer Marc Johne vorsteht, wurde von Facebook gesperrt, da es gegen »Richtlinien ... zu Werbung zu politisch relevanten Themen« (sic) verstoße, und konnte erst nach Intervention durch die Edition Bodoni veröffentlicht werden.

Edition Bodoni, 2023
Aus Anlass der Wiederveröffentlichung der TROIKA wird der Verlag über den Traum von einer aus ideologischen Blöcken befreiten sozialen und kulturellen Alternative diskutieren, über das Vermögen, Frieden schließen zu können. Das Beispiel dreier Knaben aus dem Moskauer Exil der 30er Jahre, die in den Verstrickungen der Folgejahre in verschiedenen Armeen sich als Feinde gegenüberstanden und dennoch ihre Freundschaft zueinander nie in Frage stellten, kann den Ausgangspunkt bilden, um über Friedenskonzepte sowie innen- und außenpolitische Friedensfähigkeit nachzudenken.

Hans-Eckardt Wenzel wird einführende Worte sprechen, die anschließende Diskussion mit Daniela Dahn, Dr. Gesine Lötzsch und Dr. Michael Brie wird moderiert von Paul Werner Wagner.

Diskussion zu Buchveröffentlichung: 23. Januar 2023, 18 Uhr

Münzenberg-Saal
Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin

Donnerstag, 12. Januar 2023

Letzte Möglichkeit ...


Noch bis zum Sonntag, 15. Januar 2023, besteht die Möglichkeit, die  Crowdfunding-Kampagne des Quintus-Verlags für Christian Rothenhagens Buch "Für immer ist morgen vorbei" zu unterstützen.

Vor knapp 2 Monaten wurde hier auf diese Kampagne hingewiesen.

"FÜR IMMER IST MORGEN VORBEI", ca. 160 Buchseiten in 19 Kapiteln, die als kurze Episoden aus und von Christian Rothenhagens Leben erzählen und die mit Zeichnungen versehen sind.

Ausstellungen mit Illustrationen von Sylvia Graupner

In Dresden werden Illustrationen von Sylvia Graupner für den Familienkalender 2023 „Erdmännchen in Prohlis“ gezeigt.
Auf den Illustrationen bespielt eine große, bunte Erdmännchenfamilie auf charmante Weise Orte der Begegnung des Dresdner Stadtteils.   
Der Familienkalender wurde von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des VSP e.V. Dresden entwickelt, um Familien in Ihrem Alltag zu unterstützen und auf soziale Angebote in unmittelbarer Nähe hinzuweisen. Layout und Gestaltung des Kalenders übernahm Helene Graupner.

Ausstellungseröffnung: 16. Januar 2023, 17 Uhr, Musik: Kerstin Neuwirth-Equit
Ausstellung: 16. Januar - 28. Februar 2023

KiEZ im Prohliszentrum
Prohliser Allee 10, 01239 Dresden
Allen, die bis Ende Januar im Vogtland unterwegs sind, sei ein Besuch der Ausstellung „WinterSPIEL“ ans Herz gelegt.
Beim Aufbau war Sylvia Graupner bezaubert von der lichtdurchfluteten Ausstellungshalle - und auch etwas erschrocken von der Weitläufigkeit und Größe. Die Bilder schweben beinahe im Raum. 
Die umfangreiche Ausstellung umfasst Bilder und Zeichnungen der Illustratorin aus den letzten 10 Jahren.

Ausstellung: noch bis 29. Januar 2023

KunstWandelhalle
Bad Elster

Mittwoch, 11. Januar 2023

ein erbauliches 2023 ...

Erika Stürmer-Alex, o.T., Rüdersdorf
Fassadengestaltung 1980/81, © Künstlerin
... wünscht das Team des Museums Utopie und Alltag, welches die Pirckheimer-Gesellschaft im Rahmen ihres Jahrestreffens 2018 besuchte. Und man verweist darauf, 2023 gibt es viel zu entdecken:

"Ob Führungen durch unser Kunstdepot, baubezogene Kunst im Landtag Brandenburg, ein Stadtlabor am Eisenhüttenstädter Platz der Jugend oder eine Grafikmappe mit zeitgenössischen künstlerischen Arbeiten - wir rücken das architektonische Erbe in den Fokus und laden ein, dessen gegenwärtige Bedeutung und Gestaltung zu diskutieren.
Auch 2023 geht das Museum Utopie und Alltag wieder on Tour. Im Rahmen von Ausstellungskooperationen und künstlerischen Installationen begegnen Ihnen Objekte aus unseren Sammlungen im Bauhaus-Museum Weimar, im Kunstgewerbemuseum Berlin, im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus und Frankfurt/Oder oder im Pavillon auf der Potsdamer Freundschaftsinsel."

Gespräch über Kunst und Literatur

Im Kunstmuseum Albstadt findet Mittwoch ein Gesprächsabend mit dem Maler und Grafiker Eckhard Froeschlin und dem Kunst-Spezialisten Dr. Werner Meyer statt. Beide diskutieren zusammen mit dem Publikum über das Zusammenspiel von Kunst und Literatur.
Im Fokus stehen Dichterbilder und Künstlerbücher von Eckhard Froeschlin, welche aktuell im Kunstmuseum ausgestellt werden. Hier sind beispielsweise wandhohe Farbradierungen mit Porträts von Ezra Pound und Friedrich Hölderlin und ein acht Meter langes Unikat-Leporello zum Roman „Ulysses“ von James Joyce zu sehen.

„Eckhard Froeschlin. Die zweite Stimme – Dichterbilder und Bücher“, © VG Bild-Kunst, Bonn 2023, Foto: Niels P. Carstensen
Der ehemalige Direktor der Kunsthalle Göppingen, Dr. Werner Meyer, ist ein langjähriger Weggefährte des Künstlers Froeschlin und ein Spezialist für dessen Werk.

Die Veranstaltung wird präsentiert von den Freunden Kunstmuseum Albstadt e.V. 
Anmeldung empfohlen: Mail oder Tel. 07431-1491.

18. Januar 2023, 18:30 Uhr (Einlass 18 Uhr)

Kunstmuseum Albstadt
Kirchengraben 11, 72458 Albstadt

Jahresgaben des Radiervereins München

Der Radierverein München blickt auf ein Jahr zurück, das von seinen Künstlermitgliedern konzipiert wurde. In der Galerie konnten er ein sehr schönes und vielfältiges Programm zeigen, diesmal auch wenig eingeschränkt durch die Maßnahmen der Jahre davor.
Jetzt zu Jahresbeginn, ebenso vielfältig, gibt es Jahresgaben der letzten zwei Jahrzehnte zu sehen, - alle Techniken, Größen, Farben -, wie an der Wäscheleine aufgereiht. Angekündigt waren sie schon in der Broschüre des letzten Jahres, aber abgebildet ist wirklich etwas ganz anderes als live.
Für unsere Mitglieder kosten die Blätter € 60,- und auch für Nichtmitglieder sind € 100,- ein schöner Preis!

Vernissage: 12.Januar 2023, 19 Uhr

Verein für Original-Radierung München e.V.
Ludwigstrasse 7 Innenhof, 80539 München

Dienstag, 10. Januar 2023

Die schönsten deutschen Bücher auf Reisen

Seit gestern ist die Wanderausstellung „Die 25 schönsten deutschen Bücher aus dem Jahr 2022“ der Stiftung Buchkunst in Norderstedt zu sehen.
Seit über 50 Jahren kürt die Stiftung Buchkunst die schönsten und handwerklich innovativsten deutschen Bücher. Seit 2005 zeigt die Stadtbücherei Norderstedt-Mitte die Wanderausstellung jeweils im Januar des Jahres in ihren Räumen.
Die Bücher können angefasst werden, darin Blättern und Lesen ist erwünscht – ausleihbar sind sie jedoch nicht. Dafür werden zusätzliche Bildbände mit Hintergrundinformationen sowie Original-Bewertungsunterlagen der Jury ausgestellt.
Die Auswahl der Bücher berücksichtigt verschiedene Sparten, neben Romanen und prämierten Sachbüchern gibt es auch Kinder- und Bilderbücher zu sehen. Auch die Preisträger bei den Kunstbüchern und Ausstellungskatalogen sind in der Ausstellung.

Ausstellung: 9. Januar - 4. Februar 2023

Hauptbücherei Norderstedt-Mitte
Rathausallee 50

The Library: A Fragile History

Büchersammlungen, ob sie einer privaten oder einer institutionellen Bibliothek aufgebaut wurden, bleiben häufig nicht in ihrer Gesamtheit bestehen und werden, nachdem sie vom Eigentümer nicht mehr gepflegt werden können, aufgelöst und zerstreut. Ein Damoklesschwert, welches auch vielen Mitgliedern bibliophiler Gesellschaften beschäftigt und welches alle Sammler kennen.

Zwar stellte die Washington Post kürzlich fest, dass der Antiquariatsmarkt überraschend robust ist, was zum Teil auf die Notwendigkeit einiger Haushalte zurückzuführen ist, sich zu verkleinern. In Gesprächen mit pensionierten Wissenschaftlern wird auch von den Herausforderungen berichtet, Bibliotheken zu finden, die bereit sind, Materialien aufzunehmen. Und jeder Sammler weiß, dass es nur selten gelingt, selbst bedeutende Sammlungen in eine Stiftung zu überführen oder komplett in andere Bibliotheken zu integrieren.
Trotzdem wird es gleichzeitig, häufig ökonomisch bedingt, immer schwieriger für den Einzelnen, eine Sammlung oder eine Arbeitsbibliothek aufzubauen.

Im Blog The Scholarly Kitchen beschreibt Jill O'Neill, Educational Programs Manager für NISO (National Information Standards Organization), sich auf das Buch The Library: A Fragile History (Basic Books, 2021) beziehend, dieses Dilemma (siehe hier).

Die Autoren Andrew Pettegree und Arthur der Weduwen zeigen am Beispiel früher europäischer Klosterbibliotheken, dass der Inhalt des Bibliotheksbestandes für seine Bewertung nicht immer unbedingt bedeutsam ist: "Obwohl wir das Schicksal jedes Silberbestecks, jeder Glocke und jedes Bleidaches verfolgen können, werden Bibliotheken in den Bewertungsberichten nur für den Wert ihrer Holzmöbel erwähnt... Liturgische Bücher, die zu den Klöstern gehörten, wurden sehr geschätzt, aber nur wegen des Potenzials, Gold, Silber und Halbedelsteine aus ihren Einbänden zu retten. Jenseits dieser Dekoration waren sie von geringem Eigenwert" (S. 108-109).

Bei allem Optimismus der Autorin, dass ganze Sammlungen gern von Bibliotheken angekauft werden (das scheint in anderen Ländern besser zu sein als hierzulande?) konstatiert Jill O'Neill: "Es wird immer diesen Titel einer kleinen Offizin geben, der irgendwie durch die Finger der Interessenten rutscht. ... Wer wird diesen einzigartigen Titel haben, den der einzelne Leser benötigt?"