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Freitag, 19. April 2024

Thüringer Wasserzeichen

Im Januar 2024 wurde im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek die Erschließung von über 17.000 Thüringer Wasserzeichen (in Originalpapieren oder als Pausen) auf Einzelblattebene abgeschlossen. Die Datensätze sind nun im Online-Katalog weltweit verfügbar.Die Wasserzeichen werden mit einer Spezialkamera aufgenommen.
Arbeit an der Wasserzeichen-Kamera. Foto: DNB, Julia Rinck
Damit ist ein weltweit einmaliger, äußerst dicht belegter Bestand an digital eingearbeiteten Papiermühlen, Papiermacher*innen und Wasserzeichenbelegen entstanden. Dieser ermöglicht es, vergleichende Untersuchungen der erschlossenen Wasserzeichen vorzunehmen, die wiederum papiergeschichtliche und musikwissenschaftliche (etwa in der Bachforschung), wie auch kunsthistorische, literatur- und buchwissenschaftliche Forschungen untermauern können.

Wasserzeichen sind ein Herkunfts- und Qualitätsmerkmal vor allem handgeschöpfter Papiere. Die filigranen Marken entstehen durch auf dem Schöpfsieb aufgebrachte Drahtfiguren:
uf diesen Drähten legt sich beim Schöpfen des Papiers weniger Fasermasse ab als auf den tieferen Teilen des Siebes; das Blatt ist an diesen Stellen dünner, dadurch erscheinen diese Partien im Durchlicht als helle Zeichen im Papier.
Die Wasserzeichensammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek ist mit mehr als 400.000 Objekten die weltweit größte Sammlung ihrer Art. Sie enthält sowohl originale Papiere als auch Reproduktionen von Wasserzeichen (Handpausen oder Kopien). Die Wasserzeichenbelege dienen als Grundlage für die Echtheitsprüfung sowie die Herkunfts- und Altersbestimmung von Papieren.
In Thüringen gab es im Vergleich zu anderen Landschaften besonders viele Papiermühlen. Ein Grund dafür sind die günstigen Wasserverhältnisse, die für die Anlage von Papiermühlen Voraussetzung waren. Menge und Qualität des Wassers waren sowohl als Antriebskraft als auch direkt für das Papierschöpfen ausschlaggebend. Ohne gutes Wasser kann kein gutes Papier hergestellt werden.
Thüringen gilt als eines der bedeutendsten kulturellen Zentren Deutschlands, besonders im Zeitraum von der Reformationszeit bis zur Deutschen Klassik.
Der Thüringer Bestand umfasst ca. 95 Papiermühlen, etwa 500 Papiermacher und Papiermacherinnen und annähernd 25.000 Wasserzeichen, die auf über 17.000 Wasserzeichenbelegen überliefert sind. Eine solche flächendeckende Wasserzeichen-Erschließung eines größeren Gebietes über die Jahrhunderte hinweg ist weltweit einzigartig.

Die Wasserzeichen sind im Online-Katalog der Deutschen Nationalbibliothek recherchierbar unter dem Suchwort „Wasserzeichenbeleg“.

(Andrea Lothe, Julia Rinck, Margareta Schultz)

Freitag, 19. Mai 2023

Exlibris- Sammlung der DNB

Im Deutschen Buch- und Schriftmuseum ist das Exlibris als Sammelobjekt anfangs wenig vertreten. 1910 kann eine größere Anzahl von Exlibris des 15. bis 18. Jahrhunderts erworben werden und Albert Schramm bemüht sich um eine ständige Erweiterung des Bestandes. Exlibris-Künstler werden systematisch angeschrieben und um Exemplare gebeten. So kommt bald eine umfangreiche Sammlung zustande.
Während des Zweiten Weltkrieges verliert das Deutsche Buch- und Schriftmuseum durch den Bombenangriff im Dezember 1943 den größten Teil seines Bestandes. Noch im gleichen Monat veröffentlicht der Deutsche Buchgewerbeverein als Träger des Museums einen Aufruf und bittet Vereinsmitglieder und Freunde um Hilfe beim Wiederaufbau. Daraufhin gehen zahlreiche, z.T. umfangreiche Spenden von Institutionen und Privatpersonen ein. Für die Blattsammlungen gelangt im August 1945 ein umfangreicher Neuzugang in das Museum: Der ehemalige Mitbesitzer der Druckerei Oscar Brandstetter in Leipzig, Raymund Schmidt, übergibt dem Museum seine private Exlibris-Sammlung. […]
Als um die Jahrhundertwende der Buchschmuck an Bedeutung gewinnt und der Jugendstil das Bücherzeichen „wiederentdeckt“, erlebt die Exlibris-Kunst einen Aufschwung. In den 1890er Jahren gründen sich die ersten Exlibris-Gesellschaften in Deutschland, England und den USA; sie widmen sich der Kunst der Herstellung, ihrer Geschichte und Entwicklung. Das Exlibris wird zum Sammel- und Tauschobjekt. In dieser Zeit beginnt auch Raymund Schmidt mit dem Sammeln von Exlibris. Nachdem er im August 1945 seine Sammlung dem Museum übergeben hat, stirbt er bereits im Februar 1946.
Exlibris aus der Sammlung Raymund Schmidt. Foto: DNB, Laura Stein
Die Sammlung umfasst 53 Schatullen mit insgesamt ca. 3.500 Exlibris, geordnet nach Ländern und alphabetisch nach Exlibris-Künstlern. […]
Diese Schenkung bildet den Grundstock für den Aufbau einer neuen Exlibris-Sammlung im Museum, die bis heute durch Ankäufe und Schenkungen weiter gewachsen ist. […]

Die Exlibris-Sammlungen sind Teil der Grafischen Sammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums und im Online-Katalog der Deutschen Nationalbibliothek zu finden.

(Julia Rinck, kompletter Beitrag im Blog der DNB)

Donnerstag, 13. April 2023

Buntpapiere in der Ausstellung „Meisterhafte Unikate“

Eine Ausstellung im Museum für Druckkunst anlässlich des 100. Jahrestages der Gründung der Meister der Einbandkunst gibt Einblick in die Entwicklung des zeitgenössischen künstlerischen Einbandes in Deutschland. 
Neben handgebundenen Büchern, Gestaltungskonzepten, Werkzeugen, Materialien und Werkstattimpressionen, die die kontinuierliche Entwicklung der Einbandkunst, den Wandel und Innovationen in Gestaltung und handwerklichen Techniken sowie Einflüsse aus den europäischen Nachbarländern zeigen, werden auch Buntpapiere präsentiert.
Historische Buntpapiere aus dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum in der MDE-Ausstellung im Leipziger Druckkunstmuseum
Am Sonntag führt die Buntpapier-Expertin Julia Rinck durch die Ausstellung und wird spannenden Einblicke in die Welt der historischen und zeitgenössischen Buntpapiere ermöglichen.

Führung: 16. April 2023, 12 Uhr

Museum für Druckkunst Leipzig
Nonnenstraße 38, 04229 Leipzig

Donnerstag, 16. März 2023

2023: "100 Jahre MDE"

Die Vernissage der Ausstellung aus Anlass des hundertjährigen Bestehen des Vereins Meister der Einbandkunst erlebten fast 200 Teilnehmer.
Die Ausstellung »Meisterhafte Unikate – 100 Jahre MDE« ist noch bis Anfang Mai in Leipzig zu sehen, begleitet von Kuratorinnenführungen mit Claudia Dettlaff und Claudia Richter.
Am 12. März und am 16. April führt Julia Rinck jeweils um 12 Uhr zum Thema Buntpapier durch die Ausstellung. Am 2. April findet außerdem von 12 bis 16 Uhr ein Oster-Familienworkshop zum Thema Kleisterpapier statt.
Am 23. April gibt Claudia Dettlaff den Workshop »Notizbuch und Skizzenheft« für interessierte Laien.
Weitere Führungen durch die Ausstellung und Veranstaltungen sind auf der Seite des Museums für Druckkunst nachzuschlagen.
Zur Ausstellung »Meisterhafte Unikate – 100 Jahre MDE« wird es trotz der Absage der Staatsbibliothek zu Berlin Folgeausstellungen geben. Als Ersatz wird die Ausstellung im Sommer in der Landesbibliothek Oldenburg fortgesetzt, im Herbst geht es dann nach Hamburg.

Ausstellung: 8. Juni - 19. August 2023
Landesbibliothek Oldenburg

Ausstellung: 12. Oktober - 18. Dezember 2023
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky

Montag, 6. März 2023

Neustart des Arbeitskreises Buntpapier

Am 17. und 18. Februar 2023 fand nach einer dreijährigen Pause in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig wieder die Tagung des international aktiven Arbeitskreises Buntpapier statt, in diesem Jahr mit Teilnehmern aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich und Polen.

Der Arbeitskreis wurde 2004 von Dr. Frieder Schmidt, dem damaligen Leiter der Papierhistorischen Sammlungen, im Buchmuseum initiiert und war für Buntpapiermacher und -Gestalter, Papierhistoriker, Kuratoren, Sammler oder Restauratoren Jahr für Jahr eine Plattform zum gemeinsamen Austausch.

Bronzefirnispapiere des 17. und 18. Jahrhunderts aus der Sammlung Adelheid Schönborn DNB / Sina Wieland
Die diesjährigen Themen hatten wieder ein weites fachliches Spektrum und reichten von Vorträgen über historische Bestände und Objekte bis hin zu Präsentationen zeitgenössischer Buntpapiermacher und -----Designer, sowie aktueller Erschließungsprojekte. Unter anderem sprach die Pirckheimerin Ninon Suckow zu Umschlagentwürfe von Marcus Behmer für die Insel-Bücherei und Rita Lass zu zeitgenössischen Buntpapiere in der derzeitigen Jubiläumsausstellung der Vereinigung Meister der Einbandkunst.

DNB / Julia Rinck
Der die Tagung abschließende Teil war der Frage gewidmet, wie der Arbeitskreis in der Zukunft weiter tätig werden soll: Dazu fanden sich die Teilnehmer zu einer Diskussionsrunde zusammen, nachdem bereits während der Veranstaltung verschiedene Ideen zusammengetragen wurden. Auch im kommenden Jahr will sich der Arbeitskreis wieder treffen.

Zum Abschluss besuchten die Teilnehmer die Ausstellung „Meisterhafte Unikate – 100 Jahre Einbandkunst“ im Museum für Druckkunst in Leipzig mit einer Führung zu den zeitgenössischen und historischen Buntpapieren.
Historische Buntpapiere aus dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum in der MDE-Ausstellung im Leipziger Druckkunstmuseum
(nach einer Information von Julia Rinck)

Dienstag, 31. Januar 2023

Vorstandswahl beim LBA

Auf der Mitgliederversammlung des Leipziger Bibliophile-Abend am 20. Januar 2023 stand auch eine Vorstandswahl auf der Tagesordnung.

Mit großer Mehrheit wurden wieder- bzw. neu gewählt:
Dr. Thomas Glöß Vorsitzender
Eberhard Patzig Stellvertreter
Yana Borysenko Schatzmeisterin
Dr. Jens Katzek Schriftführer
Evelin Krüger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ekkehard Schulreich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julia Rinck Verbindung zum Buch- und Schriftmuseum der DNB
Prof. Sabine Golde Betreuung junge Buchkunst
Axel Schöpa Rechnungsprüfer
Petra Gläß Rechnungsprüferin

Weitere Informationen sowie das Programm für 2023 kann auf der Homepage des LBA nachgelesen werden.

Donnerstag, 2. März 2017

Tagung des Arbeitskreises Buntpapier

Wie seit seit mehr als 10 Jahren am letzten Wochenende im Februar traf sich auch in diesem Jahr der Kreis am Buntpapier Interessierter im Haus der Deutschen Bücherei in Leipzig. Etwa 40 Teilnehmer verschiedenster Profession hatten sich zusammengefunden, um den Vorträgen zu lauschen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Unter der bewährten Leitung von Frieder Schmidt, Leiter der Kultur- und Papierhistorischen Sammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek, wurden die unterschiedlichsten Aspekte thematisiert. Der Bogen spannte sich dabei vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Die Tagung begann entsprechend ihrem Schwerpunkthema „Entwerfer und Gestalter – Handwerker, Drucker, Verleger“ mit vorträgen zu Vertretern dieser Zunft. Frieder Schmidt stellte ein Musterbuch der Buntpapierfabrik Ness in Aschaffenburg vor, Ilse Mühbacher sprach über Michael Spörlin und seine Aktivitäten in Wien, Ilona Hesse konnte interessante Details zur Einführung serieller Arbeitstechniken zur Herstellung von Modeldruckpapieren in der Werkstatt ihrer Vorfahren in Leipzig präsentieren. Einen weiteren Aspekt brachte Adelheid Schönborn ein, die anhand ihrer Sammlung von Brokatpapieren die unterschiedlichen Formen von Signaturen der Hersteller auf den Papieren zeigte. Zum Abschluss des ersten Tagungstages stellte Gisela Reschke den Augsburger Buchführer und Buntpapierverleger Georg Christoph Stoy und seine Musterkarten vor. Beim gemeinsamen Abendessen in der Cafeteria des Hauses gab es dann die Gelegenheit sich zu stärken und den Tag im Gespräch Revue passieren zu lassen.
Der zweite Tag startete mit einem Vortrag von Dirk Lange, der von seiner Zusammenarbeit mit der Malerin Kerstin Brätsch bei der Marmorierung großformatiger Blätter berichtete. Er war dazu mehrfach in New York und arbeitete mit der Künstlerin in deren Atelier dort. Bilder von den Ergebnissen dieser gemeinsamen Arbeit rundeten den Bericht ab.
Dem folgte gleich der nächste Augenschmaus, Gülhan Efkar machte mit der Ebru-Malkunst bekannt und zeigte Beispiele für diese traditionelle türkische Art der Buntpapiergestaltung.
Anschließend berichtete Jana Wichmann sehr persönlichen darüber, wie sie - gelernte Restauratorin - zum Buntpapier gekommen ist und zeigte Beispiele aus ihrer Sammlung. Den Vormittag beschloss Gisela Möller, die in einem Werkstattbericht den Stand ihrer Forschungen zu Lilli Behrens, der Ehefrau des Jugendstil-Künstlers Peter Behrens vorstellte.
Fotos: Julia Rinck
Nach der Mittagspause sprach Julia Rinck über die Kleisterbilder und Kleisterpapiere des Strandwanderers, Grafikers, Buchgestalters und Fotokünstlers Theodor Schulze-Jasmer, dessen Nachlass sich in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden befindet.
Die Papiere schmücken den Umschlag und die Seiten von Kristine von Sodens Buch „Tetje der Windflüchter“, das natürlich auch betrachtet werden konnte. Schließlich berichtete Henk Porck über die gemeinsame Arbeit mit Frieder Schmidt, Ida Schrijver, Julia Rinck und Susanne Krause an der überarbeiteten Neuauflage von „Buntpapier – ein Bestimmungsbuch“. Die höchst interessante Tagung, die vor allem auch von den Gesprächen und der gemeinsamen Betrachtung der themenbezogenen Materialien - den Buntpapieren, Büchern und Objekten - lebt, endete mit der zusammenfassenden Betrachtung der Tagungsergebnisse.
Dem scheidenden Spiritus Rector, Frieder Schmidt, der im Herbst dieses Jahres in den wohlverdienten Ruhestand eintritt, wurde zum Ende der Tagung mit Blumen und einem langanhaltenden Beifall herzlich gedankt. Bleibt zu hoffen, dass es trotzdem auch im nächsten Jahr Ende Februar wieder eine Buntpapiertagung geben wird.
(Ninon Suckow)