In Sichtweite des gestürmten Palastes Saddam Husseins, nah am wieder auf-gemauerten Teil des antiken Babylons sitzen Dichterinnen und Dichter um eine provisorisch aufgebaute Tafel. Das Licht des Nachmittags taumelt mit den Schatten, die die Palmen werfen, über Menschen und Fliegen. Alle essen. Wer eine gemeinsame Sprache gefunden hat, unterhält sich. Der Mann zu meiner rechten im Anzug schweigt und lächelt, schweigt und beobachtet, schweigt und reicht mir das Wasser.
Sein Haar ist grau, aber alt ist er nicht, 40 plus vielleicht. Über seinem geblümten Hemd leuchtet ein blauer Anzug. Er reicht mir sein Handy, automatisch tippe ich Telefonnummer und meinen Namen ein, wie so oft in diesen Tagen. „We are all Babylonians“ – das 10. Babylon-Festival für Internationale Kulturen und Kunst hat mich an diesen Ort gebracht zu diesen Menschen, die genau wie ich, Gedichte lieben und schreiben. (...)
Am 7. Februar schickte er mir Gedichte über das, was um ihn herum passierte, mit ihm, mit seinen FreundInnen und Bekannten, im ganzen Land, Gedichte über die Massaker. (...)
Am 11. Februar kam seine letzte Nachricht. Dann hörte ich wochenlang nichts, scrollte nachts durch die Berichte, schrieb ihm, aber es kam keine Antwort durch.
Ich übersetzte die folgenden Gedichte.
(Anna Hoffmann)
Edition mit einem Vorwort von Anna Hoffmann
und acht Originalzeichnungen von Hartmut Andryczuk
Gedichte in Deutsch und Persisch
MMM-Extraausgabe Nr. 44
Auflage: 30 Exemplare
450 €
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