Dienstag, 16. Februar 2016

Neues vom Pressbengel-Project

Nachdem der Pirckheimer Peter Verheyen vor einigen Wochen mit der Veröffentlichung seiner Geschichte und Bibliographie der Berliner Hofbuchbinder und Schriftsteller "Die Collins - Teil 1: Wilhelm und Georg" begann, erhielt er einige E-Mails, Anregungen und wertvolle Kritik von Bibliophilen und anderen.
In seinem Blog The Pressbengel Project schreibt er: "Am meisten gefreut habe ich mich über die Bilder von Maria Schweidler zu Die Bernsteinhexe von Wilhelm Meinhold. Die Erstausgabe aus Berlin, 1843 wurde in einem Handeinband der Firma W. Collin gebunden, der Ästhetik nach vermutlich aus der Zeit von Georg Collin, also zwischen 1886 - 1918. Der Pergamenteinband ist handvergoldet mit den Vorsätzen, Schnitt und der mit Buntpapier beklebte Schuber in einem einheitlichen Muster. Der Einband ist in der Privatsammlung von Günter Jung in Deutschland. Ich danke Ihnen Herr Jung."
(Peter Verheyen)

Harpune Verlag, Wien

Der Harpune Verlag, von Sarah Bogner und Josef Zekoff 2010 in Wien gegründet, publiziert exklusive Künstlerbücher in limitierten Editionen, die Text und Bild zusammenbringen. Im Mittelpunkt des Programms steht der Artist als einsamer Darbietender, Magier, Künstler und monologisierender Superheld vor einem wechselnden Publikum.
In der Satz- und Buchdruckwerkstatt Neue Satz Wien, einer ehemaligen Maschinensetzerei, die Sarah Bogner seit Oktober 2011 führt, finden Teile der Produktion, wie der Maschinen- und Handsatz, statt.
Ein Langzeit-Projekt des Harpune Verlags ist die Neuauflage von Hermann Melvilles grandiosem Jahrhundertroman Moby Dick in der englischen Originalfassung: Die 137 Kapitel werden jeweils von einer Künstlerin/einem Künstler illustriert und achronologisch als einzelne Filets in einer Auflage von 460 Exemplaren publiziert. Vierzig Stück erscheinen jeweils als Vorzugsausgaben.
In der Wiener Galerie Druck & Buch stellen Sarah Bogner und Josef Zekoff Künstlerbücher von Tal R, André Butzer und Jonathan Meese sowie die neuesten Moby Dick Filets vor.

Lesung: 18. Februar 2016

Berggasse 21/2, A - 1090 Wien

Montag, 15. Februar 2016

Handpressendrucke im KEM


Am ersten Mittwoch im März findet der zweite Jour Fixe des Kunstvereins Eisenturm Mainz - KEM des Jahres 2016 an einem neuen kulturellen Ort von Format statt, dem ›Kommunikationsparadies‹ von Andreas Weber. An diesem Abend werden ›Handpressendrucke‹, Mappenwerke und Einzeldrucke, aus einer Privatsammlung präsentiert. Es wird vollendete künstlerische Arbeiten zu sehen geben. Mit einfühlsamen Erläuterungen. Fortgesetzt wird der Abend im ›Haus des deutschen Weines‹.

Jour Fixe: 2. März 2016, 18.30 Uhr

Vaue Communication AG
Walpodenstr. 1, 55116 Mainz

Nachlese: Pirckheimer-Jahrestreffen 2015

Peter Sodann, Gisela Klostermann, Peter Arlt, Ralph Aepler (von oben nach unten)
Für alle Teilnehmer am Jahrestreffen der Pirckheimer-Gesellschaft 2015 in Meißen und Staucha und natürlich für jeden, der sich für die Aktivitäten dieser Buch- und Graphikfreunde interessiert, stellt Frau Gisela Klostermann noch einige Schnappschüsse von dieser Veranstaltung zur Verfügung, aufzurufen durch Klick auf obige Fotos.

1 Kommentar:
Ralf Wege hat gesagt …
Das sind doch schöne Erinnerungen an die Zusammenkunft in Meißen. Liebe Frau Klostermann, vielen Dank! Die Fotos machen gleich noch mehr Lust auf das Jahrestreffen in München. Vom 2. bis 4. September 2016 ist in der bayerischen Landeshauptstadt Pirckheimer-Zeit. Nicht vergessen: Anmeldeschluss für das Jahrestreffen ist der 30. Juni. Mehr dazu unter pirckheimer-gesellschaft.org
16. Februar 2016

Samstag, 13. Februar 2016

Rainer Ehrt auf der Leipziger Buchmesse

Die Edition Ehrt wird auf der Leipziger Buchmesse den neuen Titel »FRANZ KAFKA ER« vorstellen. Dieses originalgraphische Künstlerbuch nach Texten von Franz Kafka, welches sich noch im Druck befindet, enthält auf 24 Seiten im Format 24 x 30 cm 24 zweifarbige Serigrafien von Rainer Ehrt. Den Druck übernahm Ajka, Berlin, der bedruckte Leinen-Handeinband wurde von Ursi Schiegnitz, Berlin geschaffen. Die Auflage besteht aus 40 Exemplaren.
Die Edition Ehrt präsentiert sich in Halle 3/E 508.

Leipziger Buchmesse: 17. - 20. März 2016
Buchvorstellung: 19. März, 15:00 Uhr,
Lesecafé Buchkunst und Grafik, Halle 3

Leipzig
Messegelände

Eberhard Hartwig

Malerei

Galerie im Café Canapé
Eberhard Hartwig - Malerei vom 19. Februar bis 17. April 2016

Eröffnung am 19. Februar 2016 um 19.00 Uhr
Café Canapé, Wolfshagener Straße 87 in 13187 Berlin

Freitag, 12. Februar 2016

Der Holzschnitt im Buch

Karl Schmidt-Rottluff
Der Holzschnitt ist die älteste Technik der Buchillustration und fasziniert Künstler bis heute. Seine harten Kontraste von Schwarz und Weiß und die oft reduzierten Formen geben ihm eine besondere Qualität, die vor allem am Anfang des 20. Jahrhunderts eine neue Blüte erlebte.
Das Antiquariat Atlas zeigt im Februar 2016 eine Auswahl illustrierter Bücher aus der Geschichte des Holzschnitts mit Illustrationen von Dürer bis Frans Masereel, darunter eine Holzschittfolge von HAP Grieshaber, die er The Lord's Black Nightingale gewidmet hat. Alle 6 Drucke vom Stock gedruckt.
Vor allem der weniger bekannte Göttinger Holzschneider Johannes Lebek ist mit einem größeren Konvolut vertreten, darunter frühe Studienarbeiten und Entwürfe.

Ausstellung: 17. - 27. Februar 2016

Antiquariat Atlas
Hoheluftchaussee 29, 20253 Hamburg

Kunst und Politik im Einblattdruck / Flugblatt

Präsentation der Einblattdrucke von PalmArtPress mit Wolfgang Nieblich (Herausgeber) und Catharine Nicely (Verlegerin).
In ihrem Vortag stellt Christiane Caemmerer (Staatsbibliothek zu Berlin) das Medium Einblattdruck / Flugblatt in seinem Wandel von der Reformationspropaganda Lucas Cranachs über die futuristischen Manifeste und die Flugblattgedichte Johannes R. Bechers bis zu den Blättern der Kommune 1 mit einem kurzen Ausflug in die Gegenwart vor. Mit dem Projekt bildende Künstler und Autoren im modernen Einblattdruck zusammenzuführen, greifen die Einblattdrucke von PalmArtPress im 21. Jahrhundert die Traditionen dieses frühen publizistischen Mediums auf zu berichten, aufzuklären und zu polemisieren.

Werkstattgespräch: 7. März 2016

Staatsbibliothek zu Berlin
Simón-Bolívar-Saal, Haus Potsdamer Straße

siehe auch Präsentation von Einblattdrucken der PalmArtPess (8.5.2014)

21. Antiquariats-Messe Zürich

Zum 21. Mal findet am ersten Märzwochenende in Zürich die einzige Messe in der Schweiz für wertvolle Bücher, Grafiken, Plakate und Autographen statt - sie wird traditionell von der Vereinigung der Buchantiquare und Kupferstichhändler in der Schweiz (VEBUKU) organisiert. Die 32 Aussteller kommen aus der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden, unter ihnen auch der Pirckheimer Christian Bartsch (Rotes Antiquariat und Galerie).
Diese Antiquariats-Messe versteht sich 2016 als Beitrag zum Dada-Jubiläumsjahr. Buch, Text und Bild waren zentrale Ausdrucksformen der vor hundert Jahren an der Spiegelgasse ins Leben gerufenen künstlerischen Avantgarde-Bewegung. Nicht wenige der Aussteller nutzen die Stunde und bieten hochkarätige Druckerzeugnisse aus dem Zürcher Dada-Umfeld an: Bücher von Hans Arp, Emmy und Hugo Ball, Max Ernst, Francis Picabia, Tristan Tzara und vielen anderen können die Messebesucher an verschiedenen Ständen im Original ansehen und kaufen, während das Kunsthaus Zürich nebenan eine museale Präsentation von Dada-Zeugnissen unter dem Titel „Dadaglobe Reconstructed“ zeigt. Damit die beiden Veranstaltungen beim Publikum gleichermassen zum Zuge kommen, wurde ein Kombi-Eintritt geschaffen.
Balladada – Konzentrate aus einem widerspenstigen Kosmos
Der Beitrag an das Dada-Jubiläumsjahr geht aber noch weiter: Petra Ronner (Musik) und Peter Schweiger (Sprechstimme) werden am Samstag und am Sonntag jeweils nachmittags Messebesucher und Aussteller mit ihrer Performance „Balladada – Konzentrate aus einem widerspenstigen Kosmos“ überraschen. Sie lassen die Klassiker, die Erneuerer und die späten Adepten des Dadaismus lautstark und sprachgewaltig erklingen. Mit Texten, Manifesten und Lautmalereien von Paul Scheerbart, Hugo Ball, Walter Serner, Richard Huelsenbeck, Kurt Schwitters, Gerhard Rühm und anderen.

Messe: 4. - 6. März 2016

Vortragssaal des Kunsthauses
Zürich

Donnerstag, 11. Februar 2016

Die Häschenschule

Fritz Koch-Gotha, Ill. (Ausschnitte)
»Die Häschenschule«
Alfred Hahns Verlag, 1924
Die Hasen, spätestens seit Albrecht Dürer hoppeln sie über Leinwände und Buchseiten, aber besonders lieben sie die saftigen grünen Bilderbuchwiesen. Zu den bekanntesten und beliebtesten Langohren gehören Lehrer und Schulkinder der Häschenschule, die der Zeichner Fritz Koch-Gotha (eigentlich Friedrich Koch, 1877–1956) zusammen mit dem Textautor Albert Sixtus (1892–1960) schuf. Seit der Erstausgabe von 1924 ist dieser Bilderbuchklassiker fast ununterbrochen im Handel erhältlich und fand Millionen Leserinnen und Leser aller Altersstufen. Seine Langlebigkeit verdankt das Buch der künstlerisch gekonnten, humoristischen Darstellung einer traditionellen Dorfschule, bei der Koch-Gotha romantische Verklärung mit freundlicher Parodie und sanftem Spott erfolgreich verbindet. Die Ausstellung zeigt neben unterschiedlichen Buchausgaben das Manuskript, Originalzeichnungen und die Deckelbildentwürfe und wird von einem umfangreichen museumspädagogischen Begleitprogramm für Familien und Schulen umrahmt.

Ausstellung: 21. Februar - 15. Mai 2016

è
Burg Wissem, Bilderbuchmuseum
Burgallee
53840 Troisdorf

Katharina Kippenberg

Die Autorin Sabine Knopf aus Leipzig war am 10. Februar Gast der Bibliophilen und Grafikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt „Willibald Pirckheimer“ (eine der Pirckheimer-Gesellschaft nahestehende Vereinigung) und stellte im Literaturhaus Magdeburg mit Katharina Kippenberg (1876-1947) eine faszinierende und für ihre Zeit außergewöhnliche Frau vor, über die 1913 schon Oskar Kohnstamm schrieb „Im übrigen ist sie die intellectuell begabteste Frau, die mir je vorgekommen ist, auch von grossem Feingefühl und Ernst in der Ergründung der Dinge des Lebens, der Kunst und der Philosophie.“
Sabine Knopf, Foto © Bibliophilen und Grafikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt „Willibald Pirckheimer“
Katharina Kippenberg arbeitete im Insel Verlag in Leipzig mit. 1914 engagierte sie sich im Ausstellungskomitee der von Ludwig Volkmann organisierten „Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik“ (Bugra) 1914 in Leipzig, wo sie die Unterabteilung „Buchillustration“ innerhalb der Sondergruppe „Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik“ leitete und sich intensiv um eine umfangreiche Beschickung der Ausstellung auf buchkünstlerisch hohem Niveau bemühte.
Während des Ersten Weltkrieges musste sie aufgrund kriegsbedingter Abwesenheit ihres Mannes sogar die Verlagsleitung übernehmen. Am 5. Mai 1918 erhielt sie für den Insel Verlag Prokura und wurde 1922 dessen Kommanditistin.
Ihr Hauptaugenmerk richtete sie auf die Förderung junger deutscher Dichter, wie ab 1916 Johannes R. Becher, mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte, und seit Anfang der 1930er Jahre Edzard Schaper. Besonders widmete sie sich dem Werk des zum Insel Verlag gestoßenen Rainer Maria Rilke, der einer der wichtigsten Autoren des Verlags wurde und der sich nicht zuletzt durch den Arbeits- und persönlichen Kontakt zu ihr dem Verlag sehr verbunden fühlte.
Indem Sabine Knopf mit ihrem Bildvortrag ein anschauliches Bild dieser Frau als eine Verlegerin mit Format zeichnete, gelang es ihr zugleich, eine besondere Blütezeit der Leipziger Verlags- und Kulturgeschichte lebendig werden zu lassen.

Mittwoch, 10. Februar 2016

Arno Mohr und seine Schüler

Die Anfang Februar eröffnete Arno-Mohr-Ausstellung der Galerie der Berliner Graphikpresse hat sich zu einem richtigen Besuchermagnet entwickelt. Ein Höhepunkt ist Mohrs großartiges Pastell "Künstlerkneipe", hier auf einem Foto von Holmsohn, dem eine Kabinett-Ausstellung im Dezember 2015 gewidmet war.
Gelegenheit zur Besichtigung der laufenden Ausstellung gibt es noch bis zum 11. März.

Ausstellung: 4. Februar - 11. März 2016

è Galerie der Berliner Graphikpresse
Silvio-Meier-Str. 6
10247 Berlin

Heinrich Vogeler

In der Societät Rostock maritim ist ab heute die Ausstellung „Heinrich Vogeler-Visionär und Revolutionär" zu sehen. Der Schriftsteller Michael Baade, der übrigens heute Geburtstag hat, eröffnete die Ausstellung und präsentierte vor über 100 Besuchern die von ihm gesammelten Werke in der Societät. Er erläutert biographische und historische Hintergründe der ausgestellten Werke. Anschließend spricht er über Heinrich Vogelers Sohn, den Philosophen Professor Dr. Jan Vogeler und liest aus dem Buch "Von Moskau nach Worpswede".
Der Auswanderer Heinrich Vogeler war nicht nur deutscher Maler, Grafiker, Architekt und Designer, sondern auch Pädagoge, Schriftsteller und Sozialist. Gezeigt werden Radierungen und Zeichnungen von Heinrich Vogeler, Worpswede.
Sehr erfolgreich war Vogeler mit seinen zeichnerischen Werken: Im 1896 gegründeten Eugen Diederichs Verlag übernahm er Illustrationsaufgaben und arbeitete für die literarische Zeitschrift Die Insel – ab 1901 der Insel Verlag. Die Insel wurde 1899 von Otto Julius Bierbaum, Alfred Walter Heymel und Rudolf Alexander Schröder als literarische Monatszeitschrift mit Buchschmuck und Illustrationen in München gegründet. Sie zeigte die ästhetischen Vorstellungen der bürgerlichen Reformbewegung im wilhelminischen Deutschland auf und sollte die deutsche Buchkunst erneuern, die im 19. Jahrhundert auf ein tiefes Niveau gefallen war. Vogeler wurde für die künstlerische Gestaltung der Zeitschrift und der Bücher des Verlags gewonnen; er entwarf Illustrationen, Vignetten, Zierleisten und Bucheinbände, um sie mit dem literarischen Inhalt zur ästhetischen Einheit zu verbinden. Zu den ersten Veröffentlichungen des Verlags gehörte sein illustrierter Gedichtband Dir und die Mappe mit Radierungen An den Frühling sowie die Illustrationen zu Oscar Wildes Märchen. Die Nähe zur englischen Zeichen- und Buchkunst Aubrey Beardsleys und zur Arts and Crafts-Bewegung ist offensichtlich.

Eröffnung: 10. Februar 2016
Ausstellung: 11. Februar - 10. April 2016

Societät Rostock maritim
Rostock, August-Bebel-Straße l

Lithografiewerkstatt zu verkaufen

Komplett eingerichtete sofort arbeitsfähige Lithographiewerkstatt mit über 50 Lithografiesteinen unterschiedlichster Größe, sämtlichen Verbrauchsmaterialien und Krause-Andruckpresse (Tischbreite 64 cm) um 1900 im Top-Zustand. Die gepflegte kleine Werkstatt befindet sich zentral in Berlin und ist voll betriebsfähig, ist noch in Benutzung.
Es ist vorerst beabsichtigt, die Werkstatt komplett zu veräußern. Konkrete Preisvorstellungen bestehen bisher noch nicht. Sollten Sie in der Lage sein, mir ein Preisangebot unterbreiten zu können, so stehe ich dem aufgeschlossen entgegen. Bei Bedarf erhalten Sie auch noch weitere Fotos und Informationen per Mail.
(Bernd Friedrich)

Dienstag, 9. Februar 2016

Weg damit

Am 28. Januar beschäftigte sich wieder einmal ein Feuilleton in der "ZEIT" mit der angeblichen Wertlosigkeit von Büchern. Ein Artikel, der sicher für viele, wahllos zusammengetragene private Buchbestände von Lesern zutrifft, im ersten Moment eventuell auch melancholisch stimmt, für den Bibliophilen und Sammler der Pirckheimer-Gesellschaft am Thema jedoch vorbeigeht und das Problem zu oberflächlich behandelt. Der Beitrag steht unter dem Titel "Unsere Bücher sind nichts mehr wert. Warum trennen wir uns nicht einfach von ihnen? Michael Allmaier bestellt den Entrümpler."
Da wird der "Büchermann" angeführt, der mit Postwurfsendungen behauptet, Bücher, kaputte Uhren und anderes Unnützes zu entrümpeln, der aber in Wirklichkeit häufig gutes Geld mit dem "alten Krempel" macht, oder ein sogenannter "Antiquar", der Bücher für wenige Cent ankauft und das mit unseriösen Angeboten im Internet begründet, so als gäbe es nicht auch ehrliche Antiquare, die durchaus den Wert alter Ausgaben zu schätzen wissen und diese auch zu einem adäquaten Preis ankaufen. Es mag sein, dass in der Bibliothek des Autors "auch reichlich Selbstbetrug" und "Bildungsprotzerei" steckt, wie er selbst sagt, aber eine solche Aussage auf jede Privatbibliothek zu übertragen und damit auf lang gewachsene und gezielt zusammengetragene Sammlungen von echten Bibliophilen zu erweitern, ist falsch. Und hier muss der Pirckheimer deutlich widersprechen!
Der Artikel stimmt, zu ende gelesen, jedoch auch einen wahren Bücherfreund wieder milder, denn die ursprüngliche Aussage "Weg damit. Unsere Bücher sind nichts mehr wert" wird dann doch noch stark relativiert. Der zum Ausmisten gerufene "Büchermann" entpuppt sich selbst als Bücherfreund, an seiner Seite die Tochter des Buchgestalters Willy Fleckhaus, und dieser "Büchermann" versteht sich als jemand, der versucht, das Buch vor der Vernichtung, oder wie der Autor sogar argwöhnte, vor dem Schreddern zu Katzenspreu" zu bewahren. Das Buch bleibt also letzten Endes auch in diesem Feuilleton ein bewahrenswertes Kulturgut, auch wenn es für die Bilbliothek des Herr Allmaier nutzlos, oder wie er sagt, wertlos, geworden ist.
(ad)

Artikel hier lesen: zeit.de/.../buechermann

Shakespeare topaktuell

Desdemona von Alice Wellinger
Im Shakespeare-Jahr 2016 wurde ein Crowdfunding-Projekt gestartet, welches es verdient, hier vorgestellt zu werden.
Der Schweizer Autor Bruno Blume erzählt 5 späte Tragödien von Shakespeare neu und diese 5 Geschichten werden von 5 Künstlerinnen, gewaltig illustriert, im schlichten Layout im kwasi verlag herausgegeben und sollen einzeln oder zusammen im Geschenk-Schuber erhältlich sein.
Die Figuren und Themen, der Biss und der Witz der Shakespearschen Dramen sollen erhalten bleiben, das Sperrige des viktorianischen Theaters und die altertümliche Sprache aber wegfallen und Platz machen für eine flüssige Erzählung in fünf modernen Prosafassungen.
Als Illustratore beteiligen sich an diesem Projekt Anke Feuchtenberger (D) - König Lear, Jacky Gleich (D/CH) - Macbeth, Susanne Janssen (F/D) - Hamlet, Alice Wellinger (A) - Othello und Pascale Küng (CH) - Timon von Athen.

... weitere Informationen hier

Sonntag, 7. Februar 2016

... ein erster Kalender für 2017

Rainer Ehrt vermeldete heute auf Facebook "Gerade fertig: Bildkalender zum Reformationsjubiläum 2017".
In einem Album dokumentiert Ehrt den Schaffensprozess und erste eindrucksvolle Bilder dieses Kalenders in 15 Fotos. Sofern man dort angemeldet ist und sich zu den Followers von Rainer Ehrt auf Facebook zählen kann, kann dieses Album zum Kalender hier eingesehen werden.

Johannes Trojan - Ein Buchautomat

Das Konzept des Automatenbuchs stammt nicht von Reclam, wie im vorigen Post angeführt - Ulrich Goerdten fand in der Nationalzeitung von 1891 einen Hinweis von Johannes Trojan über einem Buchautomaten, mit welchem bereits die „Zehnpfennig-Bibliothek“ vertrieben wurde:
"Ein Kind hatte, wie mir erzählt wurde, auf einer Schulpartie in Hakenfelde bei Spandau aus einem Automaten gegen den üblichen Einwurf von zehn Pfennigen ein Büchlein gezogen, das Liebesgeschichten enthalten sollte. Die Sache interessirte mich. Ich hatte noch nie gehört, daß der Automat überhaupt Literatur ausscheidet; außerdem erschien es mir wünschenswerth, zu erfahren, welcher Art von Literatur der Inhalt jenes Büchleins wohl angehöre. Daher versuchte ich, es mir zu verschaffen und das gelang mir. Das kleine Buch ist Nr. 5 der „Zehnpfennig-Bibliothek“, welche im automatischen Alleinvertrieb der Aktiengesellschaft für automatischen Verkauf sich befindet. Es führt den Titel „Aus Bädern und Sommerfrischen“ und enthält fünf Humoresken, welche von E. Wengraf, Kapff-Essenther, L. Ungar, O. Justinus und Bertha Katscher verfaßt sind. Ich will sogleich sagen, daß alle diese fünf Sachen, wie auch jeder schon aus den Namen der drei Verfasser und zwei Verfasserinnen folgern wird, durchaus harmloser Natur sind. Es ist nichts dabei, was an das grünste Deutschland, ja nicht einmal etwas, das an Ibsen erinnert, der doch gegenüber den am weitesten auf dem Gebiet des Realismus Vorgeschrittenen bereits als „unbedarwter“ Waisenknabe erscheint. Es ist leichter, anspruchsloser Humor und zum Theil ganz nett sogar. Besonders die Geschichte von O. Justinus, welche sich „Die zerstreute Familie“ betitelt, ist drolliger Art und lustig zu lesen. Allerdings handeln einige dieser Geschichten von Liebe, ich kann aber durchaus nichts Gefährliches darin sehen, daß Kinder, auch wenn sie noch den unteren Schulklassen angehören, dergleichen lesen. Wie früh werden unsere Kinder auf dem Gymnasium schon mit den rührenden Liebschaften des Pyramus und der Thisbe, der Hero und des Leander bekannt gemacht! Ja, früher schon werden sie in die „Verhältnisse“ des Vater Zeus eingeweiht, die denn doch mehr oder weniger bedenklicher Natur sind. Vom moralischen Gesichtspunkte aus also habe ich gegen diesen Literaturvertrieb durch den Automaten, wenn alle anderen Nummern des Verlages ebenso harmlos sind, wie diese Nr. 5, nicht das Geringste einzuwenden. Ja, es erscheint mir in hohem Grade anerkennenswerth, daß für 10 Pfennige eine solche Menge leichten, unschädlichen Humors geliefert wird. Das Eine, was ich nicht begreife, ist unsere heutige Jugend. Wäre es uns in meiner Jugendzeit eingefallen, uns für zehn Pfennige, wenn wir sie gehabt hätten, von Automaten, wenn solche damals vorhanden gewesen wären, humoristische Literatur liefern zu lassen? Nein, gewiß nicht! Wir hätten uns immer nur an diejenigen Automaten gehalten, welche Chokolade oder Bonbons hergaben und nur diese für reell erachtet. Lieber Himmel, was für Genüsse konnte man sich damals schon verschaffen für einen Silbergroschen, wenn man ihn hatte! Man hatte die Wahl zwischen Zuckerkant, Gestenzucker, Reglise, Süßholz, Zündhütchen und Knallgummi. Alle diese Dinge schätzten wir damals höher als geistige Genüsse. Waren wir darum schlechter oder besser als die heutige Jugend ist? Ich fürchte, wir waren sehr viel schlechter. Wir hatten keinen Sinn für Humor und für die Literatur überhaupt. Darum ist auch aus uns nichts Rechtes geworden."
(Johannes Trojan, National-Zeitung, 7. Juni 1891, Morgenausgabe, 1. Beiblatt, S. 2)

2 Kommentare:
 Peter Verheyen hat gesagt …
Tolles Thema, und gibt noch mehr dazu.
Beide (vielleicht) leider auf Englisch...
Eher historische
Künstlerbücher und Kits

07. Februar 2016

 Abel Doering hat gesagt...
In diesem Zusammenhang ist auch diese Idee interessant, ein Automat, der Kurzgeschichten nach Bedarf druckt: sueddeutsche.de/...lesomat
08 Februar, 2016
Löschen

Kultur aus dem Automaten

Soeben wurde in Automaten und ausgewählten Buchhandlungen das Heft Schöner Lesen 149 "Doris Wirth - Kinderspiele", illustriert von Petrus Akkordeon, neu eingestellt.
Die Leseheftreihe Schöner Lesen des Independent-Verlags SuKuLTuR, deren erste Ausgabe 1996 erschien, wurde im Dezember 2003 mit jeweils fünf verschiedenen Ausgaben in Automaten angeboten. Bis dahin konnte man an diesen Automaten nur Weingummi, Schokoriegel, Marmorkuchen und sonstiges Naschwerk erwerben, seitdem Dank dieser lobenswerten Initiative auch wohlfeile Literatur. Zunächst an Süßwarenautomaten in Bahnhöfen in Nord- und Westdeutschland, seit 2006 auch in einem ersten reine Leseheft-Automaten auf der Insel Sylt, ein Konzept, welches bekanntlich von Reclam 1912 mit den sogenannten Automatenbüchern entwickelt wurde*, wiederbelebt auch 1994 im Buchomaten von Jürgen Wölbin. Und, noch immer bin ich begeistert von der Idee des Petrus Akkordeon auf der 2. artbook.berlin, winzige Original-Zeichnungen aus seiner Feder in Ü-Eier-Hüllen mittels eines kleinen Kaugummiautomaten für wenige Cent anzubieten - so findet Kunst ihre Enthusiasten.
2011 wurde der SuKuLTuR Verlag verdientermaßen mit dem V.O. Stomps-Förderpreis der Stadt Mainz für seine kleinverlegerische Leistung ausgezeichnet.

ISBN: 978-3-955660-54-3
Preis: 2 €
*diese Aussage muss korrigiert werden, siehe Johannes Trojan - Ein Buchautomat

Samstag, 6. Februar 2016

Herzlichen Glückwunsch zum 65sten

Foto: privat
Heute wird einem Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft zum Geburtstag gratuliert, welches zwar nie eine Vorstandsfunktion innehatte, der aber dessen ungeachtet zu den aktivsten Mitgliedern dieser Bibliophilen-Vereinigung gehört. Nicht nur durch die Organisation von Veranstaltungen und seine Öffentlichkeitsarbeit für die Pirckheimer hat er sich wie kaum ein anderer für diese Bibliophilen-Gesellschaft eingesetzt, wir alle profitieren von seinen intensiven Kontakten zu Künstlern und seine fundierten Artikel über seine Sammlungen, z.B. zu Günter Kunert, Gerhard Goßmann, E.T.A. Hoffmann, Erwin Strittmatter, Christoph Meckel oder Wolf Biermann, zu seinen Erstausgaben, Autographen usw. sind immer ein Gewinn.
Man findet ihn auf allen wichtigen Lesungen in der Umgebung von Frankfurt/O und Berlin, beim BBA, auf Konzerten von Renft und anderen Rockgrößen, bei Ausstellungseröffnungen und der E.T.A Hoffmann-Gesellschaft und es sei ihm zu seinem heutigen Ehrentag zuallererst gewünscht, dass er sich diese Energie erhalten möge!