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Mittwoch, 11. Oktober 2023

Seitenumbruch – Lesungen in der UB

In der Universitätsbibliothek der FU Berlin erfolgt morgen der Auftakt zur Reihe „Seitenumbruch – Lesungen in der UB“.

In der ersten Seitenumbruch-Veranstaltung liest Dr. Dr. h. c. Hermann Simon aus dem Buch „Untergetaucht. Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 – 1945“ seiner Mutter Marie Jalowicz Simon, moderiert von Dr. Nora Pester, Verlegerin und Eigentümerin des Hentrich & Hentrich Verlags.

Marie Jalowicz heiratete nach Ende des Krieges den Orientalisten und Judaisten Heinrich Simon (1921–2010). Beide machten im Wissenschaftsbetrieb der DDR Karriere – sie als Altphilologin und Philosophiehistorikerin bekleidete sie eine Professur für Antike Literatur- und Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität. Hermann Simon (geb. 1949), Historiker und von 1988 bis 2015 Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, interviewte seine Mutter kurz vor ihren Tod. Die 77 aufgenommenen Tonbänder mündeten in das 2014 vom S. Fischer Verlag veröffentlichte Buch.

Die Lesung ist der Auftakt zur Reihe „Seitenumbruch – Lesungen in der UB“, die im Wintersemester 2023/24 stattfindet. Sie wird zum 10-jährigen Jubiläum der Arbeitsstelle Provenienzforschung organisiert. Im Mittelpunkt stehen Autoren, die sich mit der eigenen oder einer fiktiven Familiengeschichte während der NS-Zeit und den Folgen für spätere Generationen auseinandersetzen. Weitere Lesungen finden im November statt.

Lesung: 12. Oktober 2023, 18 Uhr

Zentralbibliothek der FU
Coworking-Bereich
Garystr. 39, 14195 Berlin

Donnerstag, 6. Juni 2013

Ein Stolperstein für Charlotte Arnfeld

Der Künstler Gunter Demnig wird einen Stolperstein zu Ehren Charlotte Arnfelds verlegen. Anschließend wird in den Verlag für Berlin-Brandenburg, Binzstraße 19, geladen. Dort wird Lara Dämmig, Autorin des Hentrich & Hentrich Verlages, über jüdisches Leben in Pankow erzählen. Sie sind herzlich eingeladen, dieser besonderen Veranstaltung beizuwohnen.
Charlotte Arnfeld lebte mit ihrer Mutter und Schwester in der Binzstraße 66 in Pankow und wurde im Februar 1943 als jüdische Arbeiterin während der so genannten Fabrikaktion von den Nationalsozialisten nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.

Stolpersteinverlegung: 7. Juni 2013, 14.30 Uhr vor dem Haus Binzstraße 66, 13189 Berlin

Donnerstag, 22. November 2012

Jürgen Rennert las

Jürgen Rennert, Foto © Abel Doering
 
Am heutigen Abend las Jürgen Rennert vor den Berlin-Brandenburger Pirckheimern im Antiquariat unseres Mitglieds Katrin Brandel.
Jürgen Rennert, der den meisten Zuhörern mit einem poesiealbum bekannt wurde, einer, inzwischen weitergeführten monatliche erscheinenden Lyrikreihe der DDR, in der sich sein Name zwischen Goethe, Heine oder Weehrt fand, hatte nach eigenen Worten das Dichten durch kirchliche Gesangsbücher und von Wilhelm Busch gelernt. Der Autor begeisterte die Teilnehmer des Abends mit stilsicherer und humorvoller, aber auch Position beziehender Dichtung und berichtete über seine lyrische Arbeit vor und Zwängen nach 1989. Beeindruckend war seine wenige Tage verfrühte Lesung Die Weihnachtsgeschichte der Christen und sein Vortrag von Noachs Kasten (beide bei Hentrich & Hentrich) und immer wieder kam die Rede auf sein Gedicht Mein Land ist mir zerfallen. In einer anschließenden Diskussion erfragten die Teilnehmer auch Hintergründe seiner kirchlichen Arbeit, so z.B. zu der 1984 in der DDR stark beachteten, weil ungewöhnlichen Darstellung der Bildenden Kunst des Landes als Dialog mit der Bibel.

Mittwoch, 10. November 2010

ersten Kinderbuch bei Hentrich & Hentrich

Eva Lezzi/Anna Adam: Beni, Oma und ihr Geheimnis
32 Seiten, 12 Abb., Pappband
ISBN 978-3-942271-07-3, EUR 17,90

"Beni, Oma und ihr Geheimnis" ist eine Enkel-Großeltern-Geschichte für alle Generationen, die vom Erinnern und Vergessen, von Ordnung und Chaos, vom jüdischen Leben im heutigen Deutschland und vom nicht immer einfachen, jedoch liebevollen Miteinander der Generationen handelt. Das Buch wurde mittels aufwändig und fantasievoll gestalteter Dioramen - kleiner Kulissen und Bühnenbilder - von der Berliner Künstlerin Anna Adam illustriert.

Buchpremiere in Berlin:
Sonntag, 21. November 2010, 17.00 Uhr
Mit der Autorin Eva Lezzi und der Illustratorin Anna Adam
Lesung mit Jalda Rebling, Kantorin, Schauspielerin und Sängerin
Vater Unser Gemeinde, Detmolder Str.17/18, 10715 Berlin-Wilmersdorf
Eine Veranstaltung mit Ohel Hachidusch e.V.
Eintritt frei

Buchvorstellung in Hamburg:
Sonntag, 12. Dezember 2010, 15.00 Uhr
Jüdischer Salon am Grindel e.V., Grindelhof 59, 20146 Hamburg
Eintritt frei

Montag, 21. September 2009

Gerhard Hentrich (1924 - 2009)

Gerhard Hentrich, Foto © BMVBSAm 6. Mai 1924 geboren und in Berlin aufgewachsen, wollte Gerhard Hentrich Jura studieren. Das war ihm verwehrt, weil seine Mutter im seinerzeitigen Jargon eine „Halbjüdin“ war. Sein Vater mußte Zwangsarbeit leisten. Er selbst wurde nach dem Abitur zum Militär einberufen und ein Jahr vor Kriegsende schwer verwundet; er hatte deshalb lebenslang unter Phantomschmerzen zu leiden.
Nach Kriegsende eröffnete er gemeinsam mit seinem Vater in Steglitz eine kleine Druckerei, die Mitte der fünfziger Jahre erweitert werden konnte und in die Westberliner Albrechtstraße umzog. 1981 wurde dort die Edition Hentrich geboren, die er Anfang der neunziger Jahre verkaufen mußte. Im Herbst 1998 gründet er gemeinsam mit seinem Sohn Harald Hentrich den Verlag Hentrich & Hentrich, heute im Brandenburgischen Teetz ansässig. Gerhard Hentrich, dessen Engagment man bereits seit 1982 als Verleger der Reihe Bücher gegen Vergessen und Verdrängen kannte, widmete sich nunmehr mit einem kleinen Stab engagierter Mitarbeiter in seiner verlegerischen Tätigkeit verstärkt dem Thema der nationalsozialistische Verfolgung und dem Schicksal deutscher Juden. Es entstanden unter seiner Federführung die Reihen Jüdische Miniaturen mit Biographien von Albert Einstein, Max Liebermann, Victor Klemperer und Friedrich Wolf sowie Jüdische Memoiren, und er verlegte die Schriftenreihe des Centrum Judaicum. Die von ihm herausgebrachten Erinnerungen des KZ-Häftlings Adolf Burger Des Teufels Werkstatt über die Geldfälscherwerkstatt der Nazis im KZ Sachsenhausen wurde in Österreich von Stefan Ruzowitzky unter dem Titel Die Fälscher verfilmt.
Obwohl Gerhard Hentrich häufig feststellen mußte, daß in der heutigen Gesellschaft sein Engagement allzu oft ins Leere lief, gab er nie auf. Nun wird er das Erscheinen des 100. Bands der Jüdischen Miniaturen nicht mehr erleben. Gerhard Hentrich starb am 19. September 2009 im Alter von 85 Jahren in Berlin. Den Kennern seines Verlags und allen, die seinen Einsatz gegen das Verschweigen erlebten, wird Gerhard Hentrich in Erinnerung bleiben.
(A.D.)

è 50 Jüdische Miniaturen beim BBA
è Jüdische Miniaturen: Friedrich Wolf