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Samstag, 25. Januar 2025

Zusammenführung des BBA-Archivs

Gestern konnte das Archiv des Berliner Bibliophilen Abend komplettiert werden.
ein von Bernd Illigner gefertigter
Dokumentenschrank

Nachdem ich Ende 2023 kleinere Teilbestände des Archivs vom den ehemaligen Vorsitzenden Rainer Laabs und Bernd Iligner entgegennehmen konnte, konnte dieser Fundus dank meines Vorgänger als Vorsitzender, Dr. Jens Ziegler, jetzt auch mit dem Rest des erhalten gebliebenen Bestands zusammengeführt werden. Drunter auch erhaltene Gaben, die nach Verbot des BBA und Weltkrieg gerettet oder neu zusammengetragen werden konnten und sonstige Publikationen des BBA, Geschenke an den BBA von anderen bibliophilen Organisationen und Förderern, sowie weitere Dokumente aus der Geschichte des BBA. Dabei sind auch 12 Aktenordner zur Tätigkeit seit der Neugründung des Berliner Bibliophilen Abend nach 1954, Fotos und Dias.
Ein flüchtiger Blick in das neu zum Archiv gekommene, als Antiquar spreche ich von ca. 10 Bananenkartons, ergab bereits Überraschendes, z.B. ein mir bislang unbekanntes, vom Arnulf Backe, Carlos Kühn, Rainer Laabs und Werner Schuder erstelltes Verzeichnis aller Mitglieder des Berliner Bibliophilen Abend seit der Gründung bis 2005, welches anlässlich des 100. Gründungsjubiläum in 70 Exemplaren erschien.

Donnerstag, 11. Mai 2023

eine Erinnerung

Heute vor 40 Jahren ist unser gemeinsamer Katalog zur Bücherverbrennung erschienen. Den Umschlag habe ich mithilfe von Fotos zu einer Umschlagcollage gestaltet, die Buchstaben mit Letraset abgerubbelt. Das Katalogmanuskript mit einer IBM-Kugelkopfschreibmaschine abgetippt und jedes Mal den Kugelkopf für h'fett, kursiv und die Anmerkungen ausgewechselt; die Abbildungen sind damals in der Reproanstalt angefertigt worden und die Titelaufnahmen selbstverständlich auf Karteikarten getippt sowie mit der Hand im Karteikasten geordnet. Die vorangestellten biographischen Kurznotizen mithilfe von Nachschlagewerken, Zeitzeugen bis hin zu Telefonaten nach Australien und anderswo zusammengetragen.

Als Mitinhaber der Firma Carl Wegner konnte ich Dank meines Freundes Gert Hammerby in Kopenhagen Teile der Bibliothek von Herbert Steinthal erwerben, besonders Werke von Bertolt Brecht, Franz Kafka, Irmgard Keun und seltene Ausgaben von Erich Kästner. In Berlin Bücher aus der Bibliothek des Theaterkritikers Herbert Ihring und vor allem der Nachlass des Dadaisten Karl Döhmann (äußerst seltene Schriften aus dem Umfeld der Dadaisten und Expressionisten); er selbst publizierte unter dem Pseudonym Edgar Firn und Daimonides - ich habe ihn drei Jahre zuvor kennengelernt.
 
Kleine Anmerkung, weil beide in Deutschland weitgehend unbekannt sind: Gert Hammerby hat im Mai 1943 die erste illegale dänische Widerstandszeitschrift "Fri Press" herausgegeben und war nach dem Krieg Journalist bei der dänischen Tageszeitung "Politiken" in Kopenhagen sowie u.a. kurz nach Kriegsende Korrespondent in Berlin. Herbert Steinthal war ebenfalls Journalist, Theater- und Filmkritiker bei "Politiken" und während des Krieges der Briefkasten für viele Exilanten, u.a. für Joseph Roth - Irmgard Keun, Walter Mehring und seine Mutter in Berlin, sowie für Erich Kästner. Neben dem Journalismus war er als Übersetzer für Irmgard Keun, Erich Kästner, Robert Neumann, Franz Kafka tätig, später für Heinrich Böll.

Lange her - ich denke an meine Kollegen Waltraud Materne und Carlos Kühn.

(Michael Lehr, 10.Mai 2023 auf Facebook)

Montag, 9. August 2010

Carlos Kühn (1928 - 2010)

Unser Mitglied, der Berliner Antiquar Carlos Kühn, ist am 3. August nach schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren gestorben.
Foto: Abel Doering
Nach einem Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft (an der jungen Freien Universität in Berlin-Dahlem) und ersten Berufsstationen bei Gerd Rosen und der Galerie Bassenge in Berlin sowie beim Antiquariat Stern-Verlag in Düsseldorf wurde der am 2. Juli 1928 geborene Carlos Kühn Ende der 1960er Jahre Teilhaber des Antiquariats Carl Wegner im Berliner Bezirk Schöneberg. Nach Wegners Tod im März 1972 wurde Kühn Inhaber dieses Antiquariats, das er erst 2001 an Mathias Proksch verkaufte. Zu den von Carlos Kühn besonderen gepflegten Gebieten zählte etwa die Theaterliteratur; auch zahlreiche Verkaufskataloge zu verschiedenen Themen wurden erstellt.
Carlos Kühn, der sich auch im Rahmen des Berliner Bibliophilen Abends engagierte, hat seit den 1950er Jahren eine Reihe von Beiträgen für 'Aus dem Antiquariat' und für die MARGINALIEN verfasst (Auktionsberichte, Nachrufe auf Berliner Kollegen, aber auch einen sorgfältig illustrierten Beitrag über Buchhändlermarken). Der 2007 erschienene Band "Bücher, Kunst und Kataloge. Dokumentation zum 40jährigen Bestehen des Antiquariats Jürgen Holstein" enthält ebenfalls einen sehr lesenswerten Aufsatz aus Kühns Feder.
Die Beisetzung findet auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen im engsten Familienkreis statt. Im Antiquariat Carl Wegner in der Martin-Luther-Straße 113 liegt ein Kondolenzbuch aus.

Quelle: è Boersenblatt.net