Montag, 19. Januar 2026

Schere–Stil–Papier

Wie wird aus geschnittenem Papier grafisches Design? Wo inspiriert Natur die Gestaltung? In der Ausstellung „Schere–Stil–Papier“ reagieren drei Jahrgänge Grafikdesign am Lette Verein Berlin auf historische Scherenschnitte von Johanna Beckmann (1868–1941) aus den Museumssammlungen der Kunstbibliothek. Im Zentrum stehen Pflanzenbilder: Sie erkunden die Schnittstelle zwischen Botanik und Grafik, Naturform und Abstraktion.

Vor 150 Jahren wurde mit Gründung der Setzerinnenschule am Lette Verein Berlin der Grundstein für die Abteilung Grafikdesign gelegt. Der Lette Verein war damals eine der wenigen Schulen, an denen sich Frauen in gestalterischen Berufen ausbilden konnten. Zu ihnen gehörte Johanna Beckmann. Sie hatte zuvor bereits an der Unterrichtsanstalt der Berliner Kunstgewerbeschule gelernt, aus der später die heutige Kunstbibliothek hervorging.

Johanna Beckmann wurde als Scherenschnittkünstlerin, Porzellanmalerin und Autorin bekannt. Zahlreiche ihrer Naturschnitte – zart-lineare Zweige, Blüten und Ähren mit feiner Jugendstil-Note – haben sich in der Sammlung der Kunstbibliothek erhalten. Beckmanns Kunst, geprägt von klaren Formen, starken Kontrasten und viel Fantasie, lebt von der Inspirationskraft und Magie der Natur.
Paula Teichmann, Four Futures 2050, Buchcover, 2023 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek
Die erste Ausstellungssektion beleuchtet ihr Werk und die Geschichte des Scherenschnitts vor ihrer Zeit in rund 60 originalen Schnitten, Drucken und Büchern, darunter Silhouetten der Biedermeier-Zeit, romantische Landschaften und Figurenbilder sowie eine Gruppe gebrauchsgrafischer Blätter mit Scherenschnittmotiven, von Werbeanzeigen und Visitenkarten bis zu Bilderbogen und Plakaten.

In seiner Reduktion auf Positiv und Negativ schafft der Scherenschnitt kontrastreiche Formen, die in Naturmotiven besonders anschaulich werden. Mit den Lettegrafik-Exponaten lotet die Ausstellung dieses ästhetische Prinzip in einer Vielfalt grafischer Medien sowie analoger und digitaler Techniken aus – von Siebdruck, Cyanotypie, Typografie und Illustration bis hin zu Buchgestaltung und Bewegtbild. Sie zeigt, wie in der botanischen Begegnung von Schnitt und Linie, Farbe und Fläche, Material und Schatten, Verdichtung und Detail eine ganz eigene visuelle Sprache entsteht.

23. Januar - 01. März 2026

Kunstbibliothek im Kulturforum
Matthäikirchplatz 6, 10785 Berlin

Keine Kommentare: