Mittwoch, 31. Dezember 2014


С Новым годом!

С Новым годом!
A Happy New Year!
Felice Anno Nuovo!
Ein glückliches neues Jahr!

Marc Berger, 2014

Mit allen guten Wünschen für ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr 2015

Ziffern sind in gewissem Sinn die Schwestern der Buchstaben. Lassen sich mit Letzteren Worte und Gedanken visuell festhalten, haben Ziffern den Vorzug, daß man mit ihnen Informationen quantitativer Art - Mengen, Summen, Maße - leicht faßlich und zudem sehr einprägsam darstellen kann. Abgesehen von der oftmals mythologischen Bedeutung, die sich damit verbindet.
Wie jedes Mal stellen wir in unseren Schriftkarten historisch bemerkenswerte Schöpfungen in ihrer ursprünglichen Form vor, frei von digitaler Manipulation, im direkten Abdruck von den Bleilettern, so wie sie vom Stempelschneider geschaffen wurden. In diesem Jahr fiel die Wahl auf eine Serie graziöser, sehr anmutiger Ziffern, die unserer Offizin erst vor kurzem - 2009 -, von der Bundesdruckerei in Berlin überlassen worden ist. Wir verdanken dies dem Umstand, daß man sich damals dort im Haus von den letzten Relikten aus der Bleisatz-Ära zu trennen suchte.
Ziffern führen in der Regel kein Eigenleben. Sie sind meist integraler Bestandteil ihres Zeichensatzes, zu dem neben den Versalien (Großbuchstaben), den Gemeinen (Kleinbuchstaben), den Ligaturen, Akzenten und Interpunktionen eben die den Zahlen gewidmeten Schriftzeichen gehören. Wenn sie nun allein, ohne ihre Gefährten auftreten, so wie wir sie erhalten haben, dann macht das neugierig, man sucht Herkunft und frühere Verwendungszwecke zu ergründen.
Bei den Nachforschungen stießen wir auf die dreibändige »Schriftprobe der Reichsdruckerei« aus dem Jahr 1886. Der dritte Band zeigt auf 22 Folio-Seiten alle nur denkbaren Sorten von Ziffern, darunter auch die, die Gegenstand unserer Betrachtung sind. Der Größenbereich ist mehr als beeindruckend: Alle 24 Schriftgrade, beginnend mit Perl (5p), Nonpareille (6p), Colonel (7p) tragen frühere Bezeichnungen; die beiden abgebildeten werden als »Grobe Sabon« und »11 Cicero« bezeichnet. Weitere Varianten sind ohne Größenangabe, 39 Cicero (17,5 cm!) ergab das Nachmessen. Die einzelne Ziffer, ganz aus Blei, bringt fast vier Kilo auf die Waage.
Zum Schluß fand sich, winzig gedruckt, doch noch ein Hinweis, wonach die Ziffern zu einer Fraktur in Band I gehören, die vermutlich 1837 von der Frankfurter Gießerei Dresler und Rost-Fingerlin geschaffen wurde. Weiteres blieb freilich in rätselhaftem Dunkel.
(E. SchumacherGebler)

Auf ins Neue Jahr

Buch illuminiert
Zielgerichtet gestaltet
Auf ins Neue Jahr

Das Beste!

© Alfons Holtgreve, 2015

P.F. 2015

Hanfried Wendland

Ein glückliches Jahr

Entspannt liegts sich, bequem und köstlich,
bettet man sich westlich-östlich.
 

Matthias Gubig, 2014

die besten Wünsche für 2015

Ulrich Tarlatt

Was wird kommen?


miley 2014

ein erfolgreiches, gutes neues Jahr 2015

Elke Rehder, Inspiration I, 1991

ein gutes Neues Jahr

Viele Zeichen, wenig Finsternis
und ein gutes Neues Jahr
wünscht

P.F. 15

linke Seite: Auf dem Sørøysundet 24.7., 15.21 Uhr / Sørøysundet, 24.7., 15 Uhr
rechte Seite: De sju Sostre, Die Sieben Schwestern, 26.07., 14 Uhr / ... und von der anderen Seite, 14.40 Uhr
SONY NEX-3N
In der Seewanderung durch die norwegischen Sunde und Fjorde, um die Halbinseln, Inseln und Schären, unter den sich auftürmenden, durchwirbelten Wolkenschichten in den drehenden Tiefs, nehmen die Landschaften wie alle Dinge im Leben, indem man sich ihnen nähert, andere Gestalt an.
Und, um den Gedanken Schopenhauers zu ergänzen, verwandeln sie sich ebenso, wenn man, sie und ihre sich ändernde Umgebung betrachtend und bedenkend, sich von ihnen entfernt und sich später an sie erinnert.
Peter Arlt

mach mal Fuffzehn!

Harald Kretzschmar 2014

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Frohe Weihnachten

© Suhrkamp / InselMit dieser Abbildung der 2014 erschienenen Neufassung von Eine Weihnachtsgeschichte (A Christmas Carol) von Charles Dickens, erschienen als # 2010 der Insel Bücherei unter dem Titel Der Weihnachtsabend, neu übersetzt von Eike Schönfeld und ausgestattet mit farbigen Illustrationen von Flix, wünsche ich allen Pirckheimern, allen Lesern dieses Blogs und allen weiteren Buchkunstfreunden ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest.
(
ad)

Samstag, 20. Dezember 2014

common sense 2014

ulrich tarlatt – brautkleid und stundenglas
31 stifter
 
gedichte texte grafiken fotos
für das buch geschrieben gezeichnet geformt
jedes stück ein eigener klang
in der begegnung und überlagerung
weitere neue klangräume
was bleibet ...
ein buch
und so hoffe ich die freude daran
u t

beteiligte:
 
christian ludwig attersee
artur becker
boris becker
klaus vom bruch
jürgen brodwolf
werner büttner
walter dahn
gunter damisch
felix droese
georges-arthur goldschmidt
eugen gomringer
felicitas hoppe
walter kappacher
uwe kolbe
alfred kolleritsch
friederike mayröcker
franz mon
ursula neugebauer
osmar osten
thomas ranft
hans scheib
peter schnürpel
ingo schulze
thomas stangl
ulrich tarlatt
wolfgang troschke
max uhlig
timm ulrichs
franz erhard walther
olaf wegewitz
bernd zimmer
 
dürerring 12
d- 06406 bernburg
0 3471 319905

Freitag, 19. Dezember 2014

10. Kunstmarkt im Speicher Katharinenberg

Der Mückenschwein Verlag informiert: Auf dem 10. Kunstmarkt bietet sich im Speicher am Katharinenberg in Stralsund wieder die Chance auf das besondere Geschenk. Künstler und Kunsthandwerker der Region präsentieren und verkaufen ihre Werke inmitten der historischen Druckmaschinen der Museumswerkstatt im Erdgeschoss und in im Café im 1.Obergeschoss. Neue Künstler in diesem Jahr sind unter anderem Susanne Wetzel mit ihrer Viecheria, einem fahrenden Volk aus Filzgeschöpfen und Bettina Bauer mit zeitgenössischem Schmuck.

Kunstmarkt: 20. Dezember 2015, 11 - 18 Uhr

Speicher am Katharinenberg
18439 Stralsund

ein Gruss von der Tabor Presse Berlin

Montag, 15. Dezember 2014

Buchschutzhüllen

Man möchte doch meinen, das Thema der „Buchschutzhüllen“ sei für Bücherliebhaber besonders wichtig, da sie um die schonende Benutzung ihrer Lieblinge bemüht sein müssten. Dennoch wird diese Hülle heute kaum mehr verwendet, wenn man von den Erfahrungen und Gedanken ausgeht, die beim 92. Hannoversche Bibliophilen Abend ausgetauscht wurden.
Rund 60 Beispiele hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem großen Tisch ausgebreitet, um den man saß. Darunter waren Hüllen, mit denen Familienerinnerungen verbunden waren, andere hatten ihre eigene Erwerbungsgeschichte, viele waren schlichte Gebrauchshüllen ohne besonderen Anspruch. Auffällig war schnell, dass auch „Scheußlichkeiten“ auf den Tisch durften, wobei doch auch gleich wieder klar wurde, dass nicht immer für alle Teilnehmenden dasselbe Objekt scheußlich ist.
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind die Schutzhüllen anzutreffen; aus unterschiedlichsten Materialien und, davon abhängig, in unterschiedlichsten Anfertigungstechniken wurden sie hergestellt. Die Hüllen aus Leder konnten von Täschnern gearbeitet sein, mit Prägeplatten, Stempeln und Vergoldung verziert; Textilien wurden oft in Heimarbeit zu manchmal kuriosen Gebilden zusammengenäht; gerne wurde Flechtwerk appliziert, gestickt und mit Seide oder anderen Textilien gefüttert. Plastik ließ sich maschinell verarbeiten, wurde gelegentlich aber auch aufwändiger eingesetzt.
Die ältesten gezeigten Beispiele stammten aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts; die jüngsten aus der Gegenwart, von Reisen nach Nordafrika und in das Baltikum mitgebracht. Aber auch hierzulande werden Buchschutzhüllen weiterhin angeboten, nicht nur die schlichten Plastikhüllen für Schulbücher und –hefte, sondern auch anspruchsvoll Teures; auch Bastelanleitungen findet man. Doch die „Epoche der bürgerlichen Sparsamkeit“, die sich nach Bernhard Wördehoff in der Buchschutzhülle ausdrückte, ist vorbei. Wördehoffs Artikel, vor ca. 25 Jahren in der ZEIT-Kolumne „Das gab’s doch mal“ erschienen, erhielten die Teilnehmenden als Erinnerungsgabe.
(Hans-Peter Schramm)

Die Zukunft des Lesens

Unter dem Betreff „AS-Groß-Biographie“ hat Fred Vigneres, ein Teilnehmer der Arno-Schmidt-Mailing-Liste (ASML) am 11.12. einen bedenkenswerten Vorschlag gemacht, der in seinem innovativen Drive vorbildhaft für vieles und viele erscheint. Ich referiere hier, mit Fred Vigneres freundlicher Erlaubnis, die wichtigsten Passagen. (Ulrich Goerdten) Der Beitrag beginnt mit einem Arno-Schmidt-Zitat: Die meisten Klassiker der Weltliteratur werden erst verständlich und genießbar, wenn man sowohl ihre Bio als auch die Lektüre dahinterblendet.
Das wendet Fred Vigneres auf Arno Schmidt selbst an. Er beklagt zunächst das Fehlen einer umfassenden Arno-Schmidt-Biographie und bekundet dann sein Mitgefühl für den armen Biographen. Wenn ich aber das ganze Material sehe, das hier (d.h. in der ASML U.G.) zusammengetragen wird, da ist mir vor Mitleid mit dem armen Bio-Autor, der das alles verarbeiten muss, ganz schwummerig.
Dann erörtert er die methodischen Aspekte, die zu berücksichtigen sind: Früher war das meist 'Leben und Werk' (akademisch) oder 'Autor und seine Zeit' als Romanbiographie wie etwa Friedenthals Goethe. Dann wurde es dekonstruierter, so wie 'Autor in seinem Werk', oder auch hinter, aus, über. Und dann kam Wikipedia. Aber für Arno Schmidt ginge das nicht.
Dann kommt Vignere zum Wesentlichen: Wie sollte denn die AS-Groß-Biographie daherkommen? Natürlich dreispaltig, im Tri-Format. Also neben dem aufgeschlagenen Buch ein an der Rückseite angeschweißter aufklappbarer E-Reader (Na ja, zwei Seiten sind ja keine Spalten! Oder doch?) Für Vorzugsausgaben auch ein edler Doppel-Schuber. Papierene Lesefreude und digitale Geek-Lust endlich friedlich vereint. (Lust= amerikanisch auszusprechen!)
Und was gäbe es dann im E-book in digitaler Form gebündelt? Natürlich alles: Fotos, Bargfelder Ausgabe, Stiftungs-Facebook, gasl (
=Gesellschaft der Arno Schmidt-Leser), ASML, immer WiFi geupdated, Rezitations-Cds, le coeur dans la tête (=die Arte-Produktion 'Mein Herz gehört dem Kopf'
) etc. 'Lesen (hören sehen) überhaupt als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.'
Aber wer sollte denn das alles machen? Für die Papierform ist die Frage schon gelöst, aber wer soll digitalisieren? Da muss eine Start-up her, die AS-Tri-Bio-Start-up.
Finanzierung? Crowdfunding geht wohl nicht, wenn ich die Ressourcen der Stiftung und der Listenteilnehmer nicht unterschätze? Wie also das Risiko-Kapital anlocken? Durch die technologische Innovation der nanomagnetischen Druckerschwärze, mit der die Performance des Scan(Blei)stifts für den Buchtext bei erhöhter Blauzahneffizienz zum E-reader optimiert wird. Als Businessmodell die Lizenzvergabe des 'AS-Try-Bio-Systems'.
Bei der Entwicklung des AS-E-Readers wird die PRChina-AS-Bio-Try-Joint-Venture beteiligt, die auch Kapital der vor allem nach Frankreich geflüchteten chinesischen Milliardäre anzieht. (Die zahlen dann in China wieder Steuern und müssen nicht mehr so sehr den Rücktransport über den chinesischen Flughafen Toulouse-Blagnac fürchten.)
Die neue AS-Bio-Try-System-Group nimmt ihren Sitz in der Opel-Industriebrache Bochum, die sie mit Finanzierung durch fixe Immobilien-Investment-Fonds ganz schnell aufkauft und viel besser designt als die Fiat-Mall in Turin.
HG singt rauh seinen Bochumer Zettel-Rock 'Zettel, ich komm aus dir, AS, ich träum mit dir.'
In diesem Stadium sind alle Ideen realisierbar. Zu Weihnachten etwa das grosse AS-Zettel-Game für Touchscreenfans. Niveau 1: Aus drei Zetteln einen Satz bilden. Niveau 10: Kongruenz mit der AS-Buchausgabe erreichen.
Auch eine Forschungsabteilung (für Bankgeschäfte seriöser) kann sich die AS-Bio-Try-System-Group leisten. Reservierte Kaffe-Bier-Ecke sowie Fahrservice für Listenteilnehmer, die Liste ist inzwischen arg verjüngt, also auch Kiff-Kabäuschen.
Forschungsziel: die Erstellung aller verlorenen Zettelkästen durch elektronischen Schriftabgleich.
Jährliches Kolloquium zum Problem der Einsortierung bzw. Verwerfung eines Zettels als kreativer Neuronalstream. (Unter Berücksichtigung des semiotischen 10- (bzw 27-) Zeichenklassenteilverbands).

Samstag, 13. Dezember 2014

Der Sammler auf Reisen: Antiquariatsbummel in San Francisco

Die letzte große Reise in diesem Jahr hat mich nach San Francisco geführt.
Die Vorbereitung auf den Antiquariatsbummel anhand des Mitgliederverzeichnisses der ABAA ließ vermuten, dass es einige Antiquariate gibt, die sich auf den hochpreisigen Markt spezialisiert haben. Zwei dieser Antiquariate konnte ich besuchen und mich davon überzeugen, dass sowohl Argonaut Book Shop als auch Brick Row Book Shop ausgewählte Erstausgaben und Raritäten anbieten, die sich preislich zwischen zwei- und fünfstelligen Dollarbeträgen bewegen. Bücher in deutscher Sprache gab es dagegen nicht zu bestaunen.  
Einen weiteren Teil des Bücherbummels, der in San Francisco durch das Hügel-Auf-und-Ab konditionell anspruchsvoll ist, hatte ich im Internet vorbereitet. Dort angepriesene Antiquariate für das kleine Budget wie Acorn Books oder McDonald's Books gibt es leider (längst) nicht mehr, so dass ich bei Dog Eared Books froh war, dass ich endlich in die Bücherwelt eintauchen konnte. Wie stets in den USA gibt es eine Kategorie "Books about books" und ich habe mir neben "The Book on the bookshelf" (Henri Petroski, 1999) ein Exemplar "The man who loved books too much" (Allison Hoover Bartlett, 2009) gekauft, das sich einer Bücherdiebstahlserie widmet, die ein gewisser John Charles Gilkey über Jahre hauptsächlich in kalifornischen Antiquariaten begangen hat. Zu seinen "Opfern" zählte auch genannter Brick Row Book Shop. Mit den Diebstählen und einer geschätzten Schadenssumme von 200000 Dollar hat es Gilkey erst in Gefängnis und dann zu einem Wikipedia-Eintrag geschafft ...
Im danach besuchten Russian Hill Bookstore und bei Aadvark Books bin ich nicht fündig geworden, obwohl beide Antiquariate große Verkaufsräume haben, die vor Büchern fast überquellen. Weiter ging es ohne große Erwartungen zu Kayo Books, wo vorrangig Comics und Paperbacks aller Richtungen zu haben sind. Auf meine Frage nach "copies in German" zeigte mir der nette Antiquar im Obergeschoss dann ein kleines Regal, in dem ich zu meiner freudigen Überraschung IB 255/2 Der kleine Goldfischteich und IB 340/1 Der Erste Beernhäuter jeweils in der ersten Auflage fand. Der Antiquar hatte viele Fragen zu den Büchern und nach einem "Einführungskurs" zur Insel-Bücherei habe ich mit Preisnachlass 13 Dollar bezahlt und mich über zwei Exemplare gefreut, die in der eigenen Sammlung das Prädikat "weitgereist" verdient haben.
Ein Antiquariat, das ganz auf jüdische Literatur spezialisiert ist, hatte ich vorab kontaktiert und bin erwartungsvoll zu Henry Hollander Bookseller gefahren. Ein gesprächsbereiter Herr hat mich empfangen und mir sein Haus voller Bücher gezeigt. Neben zwei schönen Exemplaren der Bücherei des Schocken-Verlages konnte ich "für kleines Geld" von ihm IB 165/2 Zweig: Sternstunden der Menschheit (erste Auflage), IB 204/1 Perez: Jüdische Geschichten (31.-35.Tsd.), IB 407/1A Die Sinnsprüche Omars des Zeltmachers (erste Auflage), IB 828 Je länger ein Blinder lebt ... (erste Auflage) und NIB Morgenstern: Das Mondschaf (1.-3.Tsd.) erwerben. Wir haben uns lange und intensiv unterhalten (u.a. hat er unlängst Literaturaufträge für das Jüdische Museum in Berlin bearbeitet) und als Dankeschön für meinen Besuch hat mein neuer Freund Henry mich gratis zurück zum Kongress-Zentrum gefahren ("to save you 30 bucks"), welch außergewöhnliche und liebenswerte Geste ...
Abschließend noch eine Empfehlung: Wen es zufällig vom 6. bis 8. Februar 2015 an die amerikanische Westküste verschlägt, der sollte sich dort die Internationale Antiquariatsmesse nicht entgehen lassen, zu der mehr als 200 Anbieter aus der ganzen Welt erwartet werden.
(Dr Michael Steiner)

Freitag, 12. Dezember 2014

Typograf & Grafotyp

Nachdem ich mich jetzt intensiver damit beschäftigen konnte ist es mir ein Bedürfnis, an dieser Stelle nochmals ein Buch vorzustellen, welches hier schon einmal Thema war. Matthias Gubig, den ich erst vor sieben Jahren als Gestalter der Jugendweihe-Einladung meiner Tochter und Pirckheimer kennenlernen durfte, dessen Arbeit mir natürlich schon zuvor bekannt war als Designer, der Buchreihen ein Gesicht gab, dessen Wirken ich von Studenten der Kunsthochschule Weißensee kannte und auch als Plakatgestalter und Typograf, veröffentlichte 2014 im Auftrag der Pirckheimer-Gesellschaft im vacat verlag Potsdam einen Rückblick auf fünf Jahrzehnte als Typograf & Grafotyp.
Das Buch ist deutlicher Beleg dafür, dass ein Bibliophile und Buchkünstler, dass ein Experte, der sein Leben den Buchstaben und dem Gestalten von Buchsatz und Plakaten widmet, nicht zwangsläufig in einem Elfenbeinturm lebt, sondern im Gegenteil gerade durch sein Schaffen in das Getriebe gesellschaftlicher Entwicklung eingreifen kann. Nicht nur, dass im rückschauenden Betrachten der Arbeiten von Matthias Gubig ein vergangener oder zumindest vergänglicher Zeitgeist wieder deutlich wird - seinen Arbeiten interpretieren nicht einfach das Bestehende und zeigen nicht nur eine persönliche Haltung, sie regen zu einer Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit an, die zum Handeln inspiriert. Das wird nicht nur in seinen Neujahrsgraphiken ab 1970 (S. 204ff) und auch nicht erst besonders in seinen späten Drucken (S. 130ff) deutlich. Die Spätdrucke leistet sich Matthias Gubig übrigens seit 2003 und sie widmen sich genauso dem antiken Philosophen Theophrast wie den Wörtern und Unwörtern der deutschen Sprache, Machiavellis Der Fürst, der Günderode, Giordano Bruno, Lichtenberg, einem "Zwiegespräch" von Plinus dem Jüngeren und Volker Braun, sowie Jürgen Rennert. Besonders köstlich und anregend ist die Interpretation des Typografen Matthias Gubig zu Buchstaben mit dem Titel Alpha-B.
Dieses Buch nimmt man immer wieder gern in die Hand, auch, um Jüngeren, womit wir wieder bei meiner Tochter wären, den Spass am Buch zu vermitteln und Vergangenes zu erklären.
(ad)

ISBN 978-3-930752-52-2