Samstag, 18. Dezember 2021

Bibliophiles des Monats

Das erste Jahr, in welchem im Blog der Pirckheimer-Gesellschaft "Bibliophiles des Monats" vorgestellt wurde, geht zu Ende.
Ein Überblick über das Jahr 2021 findet sich hier - vorgestellt wurden in diesem Jahr
Januar - Edition Schwarzdruck: BWL-Reihe (1999ff)
Februar - Pirckheimer-Gesellschaft: 29. Januar 1956 (1955)
März - LBA: Rote Wut und schwarze Galle (1991)
April - Bertolt Brecht: Gegen Verführung (2017)
Mai - BBA: Tellers Trauungsrede für Herrn von Itzenplitz und Fräulein von Friedland, 1792 (1928)
Juni - Klaus Waschk: Vor&NachBilder (2021)
Juli - Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft: Bibliophilie (2021)
August - Ulrich Tarlatt: abschied von sara (1992)
September - miley: Ein Tagebuch (2002)
Oktober - Ingo Schulze: Kakoj Koschmar oдer You Are Welcome (2021)
November - Frans Masereel und das Buch (1961)
Dezember - Jacobus Schnellpfeffer: Stecknadeln im Sofa (1997)
Das Spektrum der ersten mit diesem Ehrentitel bedachten Bücher ist zwar bereits annähernd breit gefächert, doch sollte durchaus auch Besonderes aus anderen Sammlungen, wie z.B. Buchobjekte, historisch Wertvolles oder Raritäten der Druckgraphik in dieser Rubrik auftauchen. Wir wissen, die Regalen der Pirckheimer beherbergen viele Schätze und auch Kuriosa.

Obwohl alle Freunde des Bibliophilen aufgerufen waren, Lieblingstitel für diese Rubrik vorzuschlagen und es auch einige Bekundungen gab das zu tun, fehlte es doch an der Tat. Damit nun nicht weiterhin ausschließlich Titel aus der Bibliothek des Blogbetreibers Bibliophiles des Monats werden, ist hiermit jeder (was jede einschließt) angesprochen, entsprechende Vorschläge einzureichen.

Freitag, 26. November 2021

Druckgrafik - Umrisse einer Kunstgattung

Blick in die Ausstellung
Heute eröffnete in der Pankower Galerie Wolf & Galentz die Ausstellung "Druckgrafik - Umrisse einer Kunstgattung" mit historischen und zeitgenössischen Werken von Michail Wercholantsew, frühen Bücher mit Originalgrafiken von Wassili Masjutin und Pawel Schillingowski sowie ein berühmtes Picasso-Porträt von Georgi Echeistow von 1934. Die Familie von Arkadi Kolchanow vertraute den Galeristen mehrere sehr seltene Holzstiche des Meisters an. Der langjährige Drucker von Konrad Felixmüller, Hans-Jürgen Wilke, leiht Werke aus seiner Sammlung. Zu sehen sind einige Blätter aus dem Nachlass von Jürgen Wittdorf, sowie u.a. auch experimentelle Ansätze wie Drucke von Swetlana Wedernikowa aus Sankt Petersburg, die in einer einzigartigen Technik entstanden sind. Da der Künstlerin nach dem Ende der Sowjetunion keine Lithografiewerkstatt mehr zur Verfügung stand, entwickelte sie eine Drucktechnik mit ölgetränkten Pappen.
miley, Buchsammlung des Orchis Verlags
Unter den Exponaten auch die Installation Buchsammlung des Orchis Verlags in einem Kubus aus Druckstöcken von miley und die Vitrine mit Druckgrafik und Künstlerbüchern von ihm zu "Schnittstellen / Interfaces zwischen analoger Druckgraphik und digitaler Technik".
Vitrine mit Druckgrafik und Künstlerbüchern von miley
Das Begleitbuch zur Ausstellung, welches den Katalog zur Ausstellung "Holzstich - Ausgewählte Druckgrafik aus Russland und Deutschland" (Artbear Books, 2020, ISBN: 978-3-946957-03-4) ergänzt, erscheint leider erst im 1. Hj. 2022.

Ausstellung: 28. November 2021 - 6. Februar 2022

Wolf & Galentz Kunstgalerie
Wollankstraße 112a, 13187 Berlin

Mittwoch, 1. September 2021

Ein Tagebuch

Bibliophiles des Monats September ist ein im Jahr 2002 entstandenes und vor wenigen Tagen erstmals öffentlich vorgestelltes Künstlerbuch von miley.
Nach einer Kehlkopfentfernung führte er ein visuelles Tagebuch, in welchem er Zeichnungen, Artefakte der Krankheit und Therapie, kleine Texte und Fotos vereinte. Diese Chronik ist nicht wie ein echtes Tagebuch mit täglichen Einträgen gefüllt, sondern wurde diskontinuierlich bedient. Dort wo Platz war, kam der Beitrag hin.
Ein Antrieb, eine Aufforderung für das Entstehen dieses Buches war dem Künstler die Installation von Joseph Beuys, dessen Geburtstag sich am 12. Mai zum 100sten mal jährte: "Zeige Deine Wunde" von 1976.
»Mit dem Kehlkopf verliert man seine Stimme, ein wichtiger Bestandteil der Identität. [...] Nicht jeder versteht diese "Roboterstimme". Ich war nach der OP ein anderer Mensch - wie mit einem neuen Betriebssystem - ohne es gleich zu realisieren. Erst nach und nach sickert die Erkenntnis durch, dass alles von nun an anders ist. Eine andere Welt tut sich auf, die keinesfalls besser ist als meine alte Welt war bzw. ist.«
(miley)
Ein starkes Buch, das man nicht leichtfertig zur Hand nehmen kann, geradezu ungern, aber wenn das geschah, ist man gezwungen, es intensiv zur Kenntnis zu nehmen, vom Inhalt her wie in seiner Ästhetik.

miley, Tagebuch 2002
Unikat, Spiralheftung, 200 Seiten (unpaginiert), handschriftlich, mit Zeichnungen, Collagen, Ausstanzungen

Samstag, 28. August 2021

Ortstermin Moabit - reset

Der erste Tag des Ortstermins 2021 führte u.a. zu den Pirckheimern Michael Ley und Udo Würtenberger.
miley mit Andruck-Presse und Multimedia-Installation "reset"
Tiefe Einblicke in das Reset infolge einer folgenreichen Operation gab ein Künstlerbuch von miley, entstanden vor 20 Jahren, welches in Kürze hier vorgestellt wird.
Aktuell beschäftigt sich miley mit den Schnittstellen digitaler und analoger Drucktechniken und demonstrierte diese an einer transportablen Andruck-Hochpresse (Nudel) mit einem gelaserten Druckstock und einem geschnittenen Stock, bzw. den Ergebnissen seiner Arbeit an einer Tiefdruckpresse mit Radierungen in Kupfer, korrodiert und einer Solarplate-Druckplatte.
Galerie Würtenberger druckt in der Ausstellung Walter Karberg "Zeichen"
In der Galerie Würtenberger ist derzeit eine Ausstellung mit dem frühen Werk des Berliner Künstlers Walter Karberg (1935 - 2017) zu sehen, wenige 100 m weiter kann parallel zu dieser Ausstellung im Studio 22 (Anette Wörner) das spätere Werk dieses ehemaligen Professors an der FHSS betrachtet werden.
Studio 22, Walter Karberg "Wege"
Selbstverständlich darf die Ausstellung mit experimentellen Installationen, Videos und Klangräumen in der Galerie Nord des Kunstvereins Tiergarten nicht unerwähnt bleiben, ein sehr beklemmendes Erlebnis auf dem Hintergrund mit Sirenengeheul vorbeirasender Fahrzeugkolonnen der Polizei zur Verhinderung von Protesten gegen Coronamaßnahmen und dem permanenten Lärm von Hubschraubern, was wie ein Bestandteil der Installationen wirkten.

Samstag, 3. Juli 2021

Ortstermin 2021

2021 wird der Ortstermin Moabit und im Hansaviertel nach vielen Jahren wieder für alle Sparten der Kunst geöffnet. Mit dem diesjährigen Festivalthema RESET wird der ORTSTERMIN auch in seiner künstlerischen Bandbreite neu starten. ‚to reset‘ steht für einen Vorgang, der ein elektronisches Gerät wieder auf die Werkseinstellungen zurücksetzt. Diese Entscheidung kann notwendig werden, wenn Abläufe und Anforderung nicht mehr adäquat bewerkstelligt werden können oder fehlerhaft sind.
Plakat von miley zum Ortstermin
 in seinem Atelier
Angewendet auf das gesellschaftliche System ist hier die Frage zu stellen, ob dieses ‚zurücksetzen auf' überhaupt möglich ist. Die Gesellschaft befindet sich derzeit in einem Schwebezustand des Abwartens. Warten auf den Neustart, Warten auf die wiederkehrenden sozialen Begegnungen und den Austausch, Warten auf ein Öffnen der Geschäfte und Institutionen. Zurückgeworfen auf Grundbedürfnisse fangen wir an, uns selbst und unser soziales Miteinander zu hinterfragen ...

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