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Montag, 10. Juni 2024

60 Jahre Wagenbach

Eine wichtige Station bei meinem Bücherfest-Rundgang war wie immer der Wagenbach Verlag, obwohl dort keine bibliophilen, unbestritten jedoch gut ausgestattete, Bücher entstehen und nichts zu meinen Sammelgebiet Bertolt Brecht.
Das umfangreiche Editionsprogramm seiner in diesem Jahr zu feiernden 60jährigen Verlagsgeschichte war für Susanne Schüssler, der Ehefrau von Klaus Wagenbach, Anlass zur Herausgabe eines Almanachs, der neben Textauszügen ausgewählter Autoren mit Fotos eine Chronik und einer Liste sämtlicher erschienener Titel enthält. Im Klappentext heißt es: "Dieser Almanach ist eine Art kommentiertes Lesebuch über sechs Jahrzehnte Literatur, Kunst und Politik, von 1964 bis 2024. Und zugleich eine Ermutigung, weder dem eventgejagten Mainstream noch der Verlockung »technischer Vorgaben« zu folgen, sondern dem Radikalen, Neuen, Unerhörten zur Seite zu springen und sich dem Genuss schön gemachter Bücher hinzugeben.
Waren es zu Anfang politische Widerstände und Auseinandersetzungen, die Standfestigkeit in der Verlagsarbeit erforderten, folgten später euphemistisch »Marktbereinigung« genannte Umbrüche in der Branche. Und wie sieht es heute aus – nachdem der Schwund von Leserinnen und Lesern, die Pandemie, die Explosion der Produktionskosten, Internet und KI selbst das routinierteste kulturpessimistische Jammern alt aussehen lassen?"
Die Gliederung des Almanachs in Zeitzonen (untenstehend in Auszügen) mutet an wie eine Beschreibung des intellektuellen Lebens in der bundesdeutschen Republik, ein Beleg dafür, wiesehr der Verlag mit seinen Auroren immer den Nerv der Zeit traf:
  • 1970 - 1973: Der Traum vom Kollektiv
  • 1974 - 1978: Zensur von außen und innen
  • 1988 - 1995: Vom Geist der Zeiten
  • 1996 - 2001: Unabhängig ins Jahrtausend
  • 2002 - 2007: Generationswechsel
  • 2014 - 2017: Ausweitung des geografischen Raums
  • 2018 - 2023: Ausweitung des ästhetischen Raums
Darüber hinaus macht die Chronologie des Almanachs die Situation der Verlage und des Buchhandels in den letzten 60 Jahren deutlich, was in einem Artikel der Herausgeberin eindringlich geschildert wird, der bereits in erster Fassung in Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte 10/2023 erschien. Ein Muss für Jeden, der sich für die Geschichte, die aktuelle Situation und die Prognose des Buches, sowie für einige Höhepunkte der Literatur in den letzten 60 bis 70 Jahren interessiert.

Susanne Schüssler (Hrsg.), 60 Jahre Wagenbach – der unabhängige Verlag für wildes Lesen | Almanach zum Jubiläum
208 Seiten, broschiert
6,– €, ISBN 978-3-8031-2872-0

Donnerstag, 29. Februar 2024

Das Fotoalbum der Familie Kafka

Ausstellung zu Ehren Franz Kafkas, Fotos © ad
Heute fand die Ausstellungseröffnung mit rund 100 Fotografien von Kafkas Familie statt, viele davon bislang unveröffentlicht und erstmals in dieser Zusammenstellung zu sehen.
Eingeladen hatten die Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin und auch einige Mitglieder des Berliner Bibliophilen Abend folgten gern dieser Einladung.
Fred Schmechel (Bildmitte)
Achim Bonte, Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin, spickte seine Begrüßung mit einer Anekdote vom 29. Februar 2023 aus dem Berliner Tagebuch Franz Kafkas. Susanne Schüssler, Archiv und Verlag Klaus Wagenbach sprach das Grußwort und der Kurator der Ausstellung Hans-Gerd Koch sprach zum Thema »Nein ganz zurückgezogen von meiner Familie lebe ich nicht.«.
Ingeborg Haase und Johanna Binger
Mit der Vernissage und in Würdigung des Schriftstellers zu seinem 100. Todestag am 3. Juni erschien eine neue Edition zu Kafka im Wagenbach-Verlag mit dem Titel der Ausstellung »Kafkas Familie | Ein Fotoalbum«.
Rainer Ehrt im Gespräch mit Hans-Gerd Koch, dem Kurator der Ausstellung

Sonntag, 17. Juli 2022

Klaus Wagenbach

Acht Jahre ist es jetzt her, dass hier über eine Veranstaltung zum 50jährigen Bestehen des Wagenbach Verlags berichtet wurde, von dem sogar die Verlagskataloge "Zwiebel" zum Sammelobjekt wurden.

Vor einem Monat kamen bei einer Matinée Freunde und Weggefährten im Berliner Ensemble zu Wort, um  Klaus Wagenbach, den herausragenden politischen Verleger, der in der Tradition der 68ger stand und der Ende letzten Jahres mit 91 Jahren verstarb, zu ehren.
Dank einer Dokumentation ist diese Veranstaltung jetzt auf youtube nachzuerleben, zu sehen sind neben Aufnahmen mit Klaus Wagenbach Lesungen der Schauspieler Hanns Zischler, Sophie Rois und Meret Becker. Die unterschiedlichen Erinnerungen u.a. von Franziska Augstein, Horst Bredekamp, Carlo Feltrinelli, dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer, Susanne Schüssler ergaben gemeinsam mit den Texten und filmischen Einblicken ein facettenreiches Bild von Klaus Wagenbach.