Samstag, 5. September 2026

Angela Hampel - Malerei und Grafik

Nach einer erfolgreichen Ausstellung in der Brandenburger Kinder- und Jugendgalerie „Sonnensegel“ sind die Werke Angela Hampels anlässlich ihres 70. Geburtstages noch bis Anfang Oktober in Kamenz zu sehen.
Widmung mit Einzeichnung anlässlich der Ausstellung in Brandenburg a.d. Havel
Die Schau bietet einen Querschnitt durch Figurenwelten, Techniken, Themen und Materialien, die Hampels Œuvre prägen. Vor allem zwei Themenkomplexe, die auch in der Ausstellung mit prominenten Arbeiten vertreten sind, gewannen besondere Bedeutung in ihrem Werk: die antike, griechisch-römische Mythologie und die Bibel mit ihren markanten Gestalten besonders des Alten Testaments. Hier ließen sich exemplarisch menschliche Höhe und Tiefen, Leidenschaften und Irrungen, Liebe und Kampf, Tod und Neubeginn ausloten. Zentraler Anknüpfungspunkt für Hampel waren und sind dabei wie auch in ihrem Œuvre generell die Frauengestalten, geheimnisvolle, starke Frauen, aktiv handelnd, auch im Leiden nicht passiv-erduldend. In vielen Arbeiten der Künstlerin spiegeln sich Träume, Sehnsüchte, Ängste, Visionen, Befürchtungen, Grenz- und Verlusterfahrungen, die über die ausdrucksstarken Gesichter erfahrbar werden, ohne dass es umfangreicher Attribute oder detailliert ausgestalteter Umgebungen bedürfte.
Angela Hampel, Menükarte der Pirckheimer-Gesellschaft 2015, Algrafie
Die Lieblingsfarbe Rot, leuchtend, intensiv, verleiht dem kongenial, geradezu zeichenhaft Ausdruck, changiert zwischen Wärme, Lebenslust, Aggression und blutiger Bedrohung. Und manchmal blitzt, wenn auch vielfach gebrochen, eine im Œuvre der Künstlerin eher seltene Leichtigkeit des Seins auf. Eine Serie zur Laokoon-Gruppe, die sich in das Themenfeld der Mythologie einordnet, ist extra für diese Schau geschaffen worden, angeregt durch den Kamenzer Abguss dieser Plastik. Ein weiterer Teil der Schau ist den von Hampel gestalteten Künstlerbüchern gewidmet. Neben einem Buch zu einem Werk des spanischen Dichters Federico García Lorca ist ein Künstlerbuch zu Heinrich von Kleists Drama „Penthesilea“ zu sehen. 

Ausstellung: 24. Juli - 4. Oktober 2026
Malzhaus, Sonderausstellungsbereich
Pulsnitzer Str. 6, 01917 Kamenz

Heidrun Hegewald - Das dialogische Prinzip

Pietà (Ausschnitt), 1984,
Öl auf Hartfaser, 120 × 110 cm
(Foto: Bernd Kuhnert)

Die Berlin Art Week läutet jährlich im September die neue Kunstherbstsaison ein. Über 100 Museen, Sammlungen, Galerien, Projekträume und eine Kunstmesse gestalten ein abwechslungsreiches Festivalprogramm—und machen die deutsche Hauptstadt damit fünf Tage lang zum Hotspot für zeitgenössische Kunst.
 
Die Galerie Gesellschaft lädt in diesem Zusammenhang ein zur Ausstellung "Das dialogische Prinzip - Malerei, Zeichnung und Druckgrafik von Heidrun Hegewald".

Zur Ausstellung erscheint das 7. Künstlerheft der Galerie Gesellschaft; die Vorzugsausgabe enthält einen exklusiven Siebdruck in einer Auflage von 50 Exemplaren.

Art Week Berlin: 9. - 13. September 2026
Vernissage H. Hegewald: 11. September 2026, 18 Uhr
Ausstellung H. Hegewald: 11. September - 24. Oktober 2026
Finissage: 24. Oktober 2026, 16 Uhr, mit einer Feier zum 90. Geburtstag der Künstlerin

Galerie Gesellschaft
Auguststraße 83, 10117 Berlin

Freitag, 4. September 2026

Michael Lentz SCHOENBERG – HÖRSTÜCK

Neu im Hybriden-Verlag: „Michael Lentz SCHOENBERG – HÖRSTÜCK“.

Textauszug:

MITTE:
Bei aller Tonalität verriet ich mein Komponieren mit zwölf Tönen, die in Beziehung zueinander gesetzt werden, nicht, die Zwölftonreihe der Orgel-Variationen steht vielmehr in Beziehung zu einem tonalen Zentrum, dem d-moll- bzw. dem D-Dur-Dreiklang.

MUSIK!

MITTE:
Seit dem 1. März 1942 mache ich, wenn es dunkel ist, denselben Spaziergang.
Ich wende mich nach rechts und werde der North Rockingham Avenue zunächst einen knappen Kilometer folgen.
Ich schwebe aus der Tür, ich bin

links:
draußen, vor der Tür.
MITTE:
Ich könnte überfahren werden. Um diese Uhrzeit rechne ich jedoch nicht damit.

links/rechts (versetzt):
Seit dem 1. März 1942 macht er, wenn es dunkel ist, denselben Spaziergang.
Er wendet sich nach rechts und wird der North Rockingham Avenue zunächst einen knappen Kilometer folgen.
Er schwebt aus der Tür, er ist draußen, vor der Tür.
Er könnte überfahren werden. Um diese Uhrzeit rechnet er jedoch nicht damit.

MITTE:
Mein neues Stück sollte ein Melodram werden, ich hatte sofort die Überzeugung, dass es das Entsetzen der Menschen über all jene Verbrechen, die dieser Krieg verursacht, nicht ignorieren darf.
Habe ich also nichts mit Politik zu tun? wie ich noch vor vierzehn Jahren schrieb – und glaube ich nun ernsthaft, dass Kunst politische Vorgänge beeinflusst?

rechts:
Melodram – Musik des Sprechens, melodramatisches Sprechen – eine lange Geschichte.


Michael Lentz (Text, Stimme, Gehen, Altsaxophon)
Gunnar Geisse (Musik)
Hartmut Andryczuk (Zeichnungen)
(rechts, MITTE, links: Stereopositionen im Hörraum)
54 Seiten
mit einem zusätzlichen Text von Gunnar Geisse zur Hörspielarbeit mit Michael Lentz, sowie acht großformatigen Zeichnungen von Hartmut Andryczuk
Beilage: Audio-CD zum Hörstück, 52:18 min
Das Hörspiel ist eine Produktion vom Villa Aurora & Thomas Mann House e. V.
Der Text ist eine Erstveröffentlichung.
Auflage: 30 Exemplare, nummeriert und signiert
850 €

Karl J. Lüthi, Hebräisch in der Schweiz

Dass die Schweiz ein mehrsprachiges Land ist, ist bekannt. Weniger bekannt ist jedoch, dass bereits vor 100 Jahren eine weitere, unerwartete Sprache versucht hat, sich hier einen Platz zu erobern. Ein kleines, seltenes Büchlein in der Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde in Zürich mit dem Titel Hebräisch in der Schweiz, das 1926 in Bern erschien, zeigt, wie wichtig die hebräische Sprache damals für die Schweiz war – und umgekehrt. Dies geschah zu einer Zeit, in der sich das Hebräische noch immer in einem Erneuerungsprozess befand und versuchte, sich als Sprache des neuen jüdischen Siedlungsgebiets in Palästina zu etablieren.
Karl J. Lüthi – Hebräisch in der Schweiz.
Buchdruckerei Büchler & Co. Bern, 1926
Der Autor dieses ungewöhnlichen Büchleins, das in einer Auflage von nur 300 Exemplaren gedruckt wurde, war der Schweizer Karl Jakob Lüthi (1876–1958). Er war Bibliothekar, Buchsammler und damals Leiter des Schweizer Gutenberg-Museums. Obwohl er selbst kein Jude war, faszinierte ihn die hebräische Sprache bereits im Kindesalter. 
Als begeisterter Büchersammler, vor allem von Bibeln, wurde er nicht nur Liebhaber, sondern auch Experte der hebräischen Schrift. 

Allgemein bekannt ist, dass das Studium der hebräischen Sprache und Literatur, insbesondere des Alten Testaments, in der Schweiz seit der Reformation eine lange Tradition hat. Lüthi wollte jedoch aufzeigen, dass nicht nur das Studium, sondern auch der Druck hebräischer Bücher und die Entwicklung der hebräischen Druckschrift auf eine Tradition zurückblicken können, auf die die Schweiz stolz sein kann.

Anhand zahlreicher Beispiele, die durch Abbildungen ergänzt werden, zeigt er, dass nicht nur Basel, das in dieser Hinsicht bekannt war und nach wie vor eine führende Rolle einnimmt, sondern auch Zürich, Genf sowie Bern und Neuchâtel eine herausragende Rolle spielten.
Mit sorgfältiger und gründlicher Recherche widerlegte Lüthi alte Mythen – so wurde das erste hebräische Lehr-, Lese- und Wörterbuch beispielsweise nicht in Basel gedruckt – und präsentierte zugleich neue Erkenntnisse: So fand etwa die Reform der hebräischen Quadratschrift in die moderne hebräische Literatur durch den Typografen Josef Kaplan in der Schweiz statt. Mit seinem fachkundigen Wissen erstellte Lüthi eine umfassende Bibliografie der in der Schweiz gedruckten hebräischen Bücher vom 16. Jahrhundert bis zur Zeit des Zionismus, die nach Regionen (Basel, Zürich, Genf, Bern, Lausanne und Neuchâtel) geordnet ist.
(Oded Fluss. Zürich, gesamter Beitrag hier)

Donnerstag, 3. September 2026

Mainzer Minipressen-Messe pausiert 2027

© Börsenblatt / Kai Mühleck
Aufgrund der derzeitigen Haushaltssituation der Stadt Mainz sind alle Bereiche der Stadtverwaltung mit Sparmaßnahmen konfrontiert, die jeweils große Herausforderungen mit sich bringen. Die Verhandlungen über die Maßnahmen zur Konsolidierung des Haushaltes haben im Zusammenspiel mit organisatorischen Gründen ergeben, dass die Mainzer Minipressen-Messe im kommenden Jahr pausieren muss.

Zu unserem Bedauern müssen wir entsprechend mitteilen, dass die 28. Mainzer Minipressen-Messe 2027 nicht stattfinden wird. 
Die Ausschreibung des 24. V. O. Stomps-Preises 2027 ist hiervon ausdrücklich nicht betroffen. Der Bewerbungszeitraum wird wie gewohnt Anfang 2027 starten.

100 Sächsische Grafiken 2026 - Lob des Ungehorsams

Die 16. Grafikbiennale 100 Sächsische Grafiken 2026 steht unter dem Motto „Lob des Ungehorsams“.

Zum diesjährigen Wettbewerb hatten 113 Künstlerinnen und Künstler 304 Arbeiten eingereicht. Von der Jury ausgewählt wurden Werke von 66 Künstlerinnen und Künstlern. Dank großzügiger Spenden können fünf Preise für herausragende Arbeiten vergeben werden. In der Ausstellung wird darüber hinaus ein Publikumspreis vergeben, dessen Trägerin wir zur Finissage bekanntgeben werden.
von Steffen Büchner zur Grafikbiennale eingereichte Arbeiten
Die 16. Biennale sächsischer Druckgrafik lenkt mit ihrem Leitthema den Blick auf aktuelle Herausforderungen für die eigene Urteilsbildung in gesellschaftlichen Prozessen. Mehr denn je sind emanzipierte Haltungen gefragt. 100 Arbeiten geben 100 Perspektiven.
Die druckgrafische Szene in Sachsen entfaltete in den letzten Jahren eine enorme Dynamik, dank der vielen Werkstätten, dem wieder entstehenden Markt für Druckgrafik und den beiden Hochschulen des Landes. Die Ausstellung gibt einen breiten Spiegel des aktuellen Geschehens quer durch die Generationen.

Vernissage und Preisverleihung: 8. September 2026, 19:30 Uhr, Einführung: Mathias Lindner, Jurymitglied
Ausstellung: 8. September - 22. November 2026

Neue Sächsische Galerie
Neue Chemnitzer Kunsthütte e.V.
Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz

Mittwoch, 2. September 2026

Hanif Lehmann Malerei & Grafik

Der im September 2011 in der Überzeugung gegründete Verein Goldbergkunst, dass Kunst und Kultur eine eigene Beiträge zum Leben aller Menschen leisten und die Lebensqualitäten in unserer Region nachhalten verbessen kann, lädt ein zur Ausstellung „Hanif Lehmann Malerei & Grafik“,
Die Galerie ist am Wochenende von von 14 Uhr bis 17 Uhr und nach vorheriger Absprache geöffnet.

Eröffnung 4. September 2026

Galerie Goldbergkunst
Lange Straße 76, 19399 Goldberg

Aktuell von den Bücherkindern Brandenburg

Eben ist der Entwurf zum Bucheinband des diesjährigen Projekts der Bücherkinder Brandenburg eingetroffen, den Henry Günther immer wieder so hochwertig gestaltet.
(Armin Schubert)
Foto: Armin Schubert

Die Bücherlinder Brandenburg werden auf der Rare Books Berlin am Samstag, 19. September 2026 Texte zu Marlene Dietrich, Mascha Kaleko, Margot Friedländer und Christa Wolf lesen.

18. - 20. September 2026
Rare Books Berlin
Kronprinzenpalais, Unter den Linden 3, 10717 Berlin

Erna Friedländer für Gianni Mantero

Das Exlibris des Monats September von Erna Friedlander (1890-1979) macht von Beginn an klar: Stillstand ist keine Option. Die dargestellte Figur steht, dreht oder springt nicht einfach – sie scheint mitten in einem Bewegungsversuch ertappt worden zu sein, als hätte jemand genau im falschen Moment das Licht angemacht und auf den Auslöser gedrückt! Der Linolschnitt ist kantig, kontrastreich und wenig interessiert an anatomischer Korrektheit. Gezielt gesetzte Farbtupfer heitern die Stimmung auf. Hier passiert etwas, man wacht auf als Betrachter und es entweicht ein überraschtes „Nanu“.

Das überrascht nicht, wenn man von Friedländers Nähe zur Laban‑Bewegung weiß, der sie auch angehörte. Rudolf von Labans Lehre stellte Bewegung, Raum, Rhythmus und Körperspannung ins Zentrum. Genau das scheint dieses Exlibris zu testen:
Wie viel Bewegung passt eigentlich auf eine kleine Druckfläche? Die Figur denkt nicht in Posen, sondern in Energie. Arme, Rumpf und Kopf folgen keiner Ordnung, sondern einem inneren Rhythmus. Wer hier Halt sucht, sucht vergeblich – aber ich glaube das war ganz im Sinne der Künstlerin.

Zeitlich entsteht das Exlibris in den 1930er Jahren, also in einem Umfeld, das insgesamt, untertreibend ausgedrückt, eher nervös als entspannt war. Friedlander lebt als jüdische Künstlerin im faschistischen Italien, moderne Kunst steht politisch unter Beobachtung, und die Zukunft ist alles andere als planbar. Ausdruck, Spannung und leichte Unruhe wirken da weniger wie Stilmittel als wie eine realistische Bestandsaufnahme. Dass der Expressionismus hier mitmischt, versteht sich fast von selbst: Verzerrung ist keine Marotte, sondern Methode.

Auftraggeber war Gianni Mantero, ein erfolgreicher Architekt aus Como und passionierter Exlibris‑Sammler. Dass ausgerechnet für ihn ein Motiv entsteht, das so wenig nach mathematischer Ordnung aussieht, hat seinen eigenen Charme. Vielleicht war das Exlibris auch als kleiner Gegenakzent gedacht – ein Stück kontrollierte Unordnung für die private Sammlung, ein Körper in Bewegung zwischen all den ruhenden Akten und ästhetischen Damen. Sicher dürfte dieses Blatt, würden die anderen Exlibris leben, spöttische Blicke auf sich gezogen haben – eine zürnende Athene, eine verbitterte Leda oder eine verächtlich dreinschauende Venus.

Und schließlich der größere kulturelle Skandal: In den 1920er Jahren hatten neue Tanzformen und Bühnenauftritte – man denke an Berlin und an Josephine Baker – den Blick auf den menschlichen Körper kräftig aufgemöbelt. Ob Friedlander konkret daran dachte, bleibt offen. Aber das Exlibris bewegt sich deutlich in einem Klima, in dem der weibliche Körper nicht mehr still, brav, folgsam oder eindeutig sein musste. Dieses Exlibris jedenfalls hält sich nicht zurück – und tanzt gedanklich weiter, selbst wenn das Buch längst geschlossen ist.

(Tomas Ostermann)

Dienstag, 1. September 2026

Herbert Kästner zum 90.

Herbert Kästner, wegweisendes Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft im Kulturbund der DDR und langjähriger Vorsitzender des Leipziger Bibliophilen Abend, feiert heute seinen 90. Geburtstag.
Herbert Kästner in der Forschungsbibliothek auf Schloss Friedenstein, Gotha, Sept. 2023
Über viele Jahre hinweg hat Herbert Kästner mit einem besonderen Engagement und großem Fachwissen für das Buch die bibliophilen Traditionen gepflegt und weiterentwickelt. Er hat damit, nicht nur vor 1989 bei Bücherfreunden in der DDR, sondern schon immer in der gesamten deutschen Bibliophilen-Gemeinschaft und darüber hinaus bleibende Spuren hinterlassen. Neben seinen, für Sammler, Bibliotheken und Antiquare wichtigen Arbeiten sind es insbesondere die in seiner Amtszeit als Vorsitzender der wieder gegründeten Regionalgesellschaft entstandenen Pressendrucke und Jahresgaben des Leipziger Bibliophilen Abend, die bleibende Höhepunkte des buchkünstlerischen Schaffens sind und ein Juwel in den Regalen aller Bücherfreunde, so dass man ohne Übertreibung sagen kann, dass sein Name geradewegs zum Synonym für Bibliophilie wurde.

Theodor Körners erster Brief ...

Bibliophiles des Monats September ist der Faksimile-Druck „Theodor Körners erster Brief vom 26. März 1811 an seine Eltern nach seiner Ankunft in Berlin“.
Damit wurde in diesem Monat eine Schrift gewählt, die den Teilnehmern der Gründungsveranstaltung des Berliner Bibliophilen-Abend am 12. Januar 1905 überreicht wurde und die einen Monat zuvor den Teilnehmern der Generalversammlung der Gesellschaft der Bibliophilen aus Anlass ihrer Generalversammlung in Berlin am Sonntag, dem 18. Dezember 1904 von Ernst Frensdorff, dem späteren Schriftführer des BBA, gewidmet wurde.
Sie erschien 1904 in Berlin und besteht aus 2 broschierten Blättern in Kordelbindung im Format 8° (21 x 13,5 cm).
Dieser Titel ist die erste Gabe des Berliner Bibliophilen-Abend, zu dessen Gründung sich 27 Mitglieder in den Frederichs Weinstuben in der Potsdamer Str. zusammengefunden haben und wird zur internationalen Antiquariatsmesse, der Rare Books Berlin, im Kronprinzenpalais gezeigt.

Montag, 31. August 2026

Sammlermorgen der AIB

Das Kolloquium der Association Internationale des Bibliophiles wird dieses Jahr von Prof. Jacques Berchtold, Pierre Boillat und Dr. Alex Rübel organisiert, die Teilnahme ist Mitgliedern der AIB vorbehalten. Es dauert vom 20.9. – 26.9.26 und findet in Genf statt. Zum Abschluss findet ein Sammlermorgen der AIB statt, zu dem auch die Schweizer Bibliophilen eingeladen sind.
Folgende Schweizer Sammler werden Ihre Schätze zeigen:
  • Nicolas Ducimetière
  • Fondation Barbier-Mueller pour l’étude de la Poésie italienne de la Renaissance (Université de Génève)
  • Collection Diane Barbier-Mueller
  • Einbandsammlung von Hans Burkhardt
  • Struwwelpeter-Sammlung Hasso und Dominique Böhme
  • Sammlung Klaus Wellershoff
  • Sammlung Gertrud und Marcus Benz
Daneben offerieren Schweizer Buchhändler in einem zweiten Raum ihre schönsten Bücher.

Sammlermorgen: 26. September 2026, 9.30 Uhr, Anmeldung erforderlich

Musée national suisse du Château de Prangins
Avenue Général Guiguer 3, 1197 Prangins

7. Aschaffenburger BuchKunstSalon

Messen sind für die Buchkunst weit mehr als reine Verkaufsveranstaltungen. Sie sind wichtige Treffpunkte für Künstlerinnen und Künstler, Sammlerinnen und Sammler, Verlage und alle, die sich für besondere Bücher, Grafik und Druckkunst begeistern. Hier entstehen Kontakte, neue Projekte und nicht selten langjährige Verbindungen.
Aus diesem Gedanken heraus riefen die Künstlerin Susanne Theumer, der Künstler Frank Eißner und Bernhard Hench im Jahr 2020 den Aschaffenburger BuchKunstSalon ins Leben. Seitdem findet er jedes Jahr parallel zur Frankfurter Buchmesse von Freitag bis Sonntag statt. Der BuchKunstSalon setzt bewusst auf persönliche Begegnungen, handwerkliche Qualität, künstlerische Individualität und den direkten Austausch zwischen Kunstschaffenden und Publikum.

Der 7. Aschaffenburger BuchKunstSalon zieht vom bisherigen Ort im Café Krèm in die frühere Pumpenfabrik, der nun für kulturelle Zwecke genutzt wird. Auch die Teilnehmer-Liste ist noch ein bisschen illustrer geworden. So kommt Katrin Stangl, die aktuelle Hans-Meid-Preisträgerin aus Köln, und aus Leipzig kommt der Bibliophilen-Abend mit seinen hochwertigen Pressendrucken. Mit The Bear Press, dem Verlag Thomas Reche, der Berliner edition wasser im turm, dem Papierkünstler John Gerard und der Sascha Juritz-Pawel-Pan-Presse ist die Buchkunst bestens vertreten, ebenso wie von Künstlern Urte von Maltzahn-Lietz und Inka Grebner.
Die Büchergilde Gutenberg ist ebenfalls vertreten und zeigt Arbeiten von Peter Zaumseil, Antje Wichtrey, Gerda Lepke, Hans Ticha, Klaus Süß und Klaus Raasch.

9. - 11. Oktober 2026
Pumpenfabrik
Podium 30A, Würzburger Straße 30 A, Aschaffenburg

Sonntag, 30. August 2026

F. K. Waechter und Philip Waechter. Väter und Söhne III

Die Ausstellung "F.K. Waechter und Philip Waechter" vereint das Schaffen zweier Ausnahmekünstler, die sich stilistisch und inhaltlich sehr voneinander unterscheiden. Vereint sind beide Generationen in ihrem Anspruch (junge) Lesende aktiv in das Genre "Buch" einzubeziehen und so im wahrsten Sinne des Wortes zum künstlerischen "Mitdenken" zu animieren.
F.K. Waechter wird am 3. November 1937 in Danzig geboren. Nach seiner Ausbildung zum Grafiker in Hamburg wechselt er nach Frankfurt a.M., wird Chefgrafiker der Zeitschrift "Pardon" und Ende der 1970er Jahre Mitherausgeber des Satiremagazins "Titanic". Spätestens jetzt zählt F.K. Waechter zu einem der Hauptakteure der Neuen Frankfurter Schule und zu einem der eigenwilligsten Komik-Produzenten im deutschsprachigen Raum. 1970 erscheint das Buch Der Anti-Struwwelpeter, das zunächst nicht als Kinderbuch gedacht war, mit der aufkommenden antiautoritären Erziehung aber als neues Buch für Kinder gefeiert wird. Es folgen weitere Kinderbücher, die auf dem etablierten Markt ins Auge stechen, da sie ganz neue Aspekte in die deutsche Bilderbuchlandschaft mit einbringen: den kreativ spielerischen Umgang mit Bildern, der erstmalig auch direkt im Buch umgesetzt werden darf.
Philip Waechter
Wie bei seinem Vater steht auch beim Sohn das Kind im Mittelpunkt des Interesses - und wird ernst genommen. 1968 wird Philip Waechter in Frankfurt a.M. geboren und studiert Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration an der Fachhochschule Mainz. 1995 veröffentlicht er sein erstes Buch und zeichnet und schreibt seither mit großem Erfolg Bilderbücher, Kinderbücher und Comics vor allem für Kinder - aber auch für Erwachsene. 1999 gründet er mit Anke Kuhl, Moni Port und anderen Künstlern die Labor Ateliergemeinschaft, der er bis heute angehört. Inhaltlich wie stilistisch gilt Philip Waechter als Feingeist unter den Illustratoren, dessen Bilder und Texte sich durch einen unterschwelligen Humor und eine große Liebenswürdigkeit der Protagonisten auszeichnen. Das große Glück im Kleinen zu finden - dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch zahlreiche seiner Werke.

Ausstellungseröffnung: 13. September 2026, 15 Uhr, Interview mit Philip Waechter und Benno Hennig von Lange, Literaturhaus Frankfurt, im Anschluss liest Philip Waechter
Ausstellung: F. K. Waechter: 13. September 2026 bis 29. November 2026
Philip Waechter: 13. September 2026 bis Januar 2027

Bilderbuchmuseum Troisdorf
Burgallee 1, 53840 Troisdorf

Der 263. Frankfurter Grafikbrief

Diesmal mit den Beiträgen
  • Eine künstlerische Urgewalt wird 75. Klaus Süß
  • Atelierbesuch bei Gerda Lepke in Gera
  • Der Grafikkalender im Sack für 2024
  • Danke Klaus Raasch. 28. Januar 1960 - 6. Juni 2026
  • Neue Kabinett-Ausstellung Am Salzhaus: Peter Zaumseil
  • Hans-Meid-Preis für Katrin Stangl
  • Der 7. Aschaffenburger Buchkunstsalon. Jetzt in der ehemaligen Pumpenfabrik!
  • Wer hat den Baselitz auf den Kopf gestellt?
Grafikbrief aufrufen durch Klick auf die Abb.

Samstag, 29. August 2026

Reading-Party am Alexanderplatz

Lesen macht Spaß, Lesen verbindet, Lesen öffnet Welten – und Lesen braucht Platz. Am 6. September ist "Lies-ein-Buch-Tag".
Mit einem Flashmob setzen Berliner Öffentlichen Bibliotheken ein Zeichen in den Aktionswochen von BerlinIstKultur, denn Kinder und Erwachsene brauchen gut ausgestattete Bibliotheken und eine neue Bibliothek für alle - Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin braucht ein neues Haus. Aktuell ist sie auf zwei Häuser verteilt, die marode sind und aus allen Nähten platzen. Am Alexanderplatz (im aktuellen Galeria-Gebäude) gibt es Platz. Dort könnte Berlin endlich eine moderne Zentralbibliothek bekommen. Dafür setzen wir ein Zeichen!

14:00 Uhr – Kinder-Lese-Orchester
Alle Kinder lesen gleichzeitig laut aus ihrem Lieblingsbuch und werden zum Lese-Orchester. Moderiert von Tina Kemnitz. Auf alle teilnehmenden Kinder warten kleine und große Überraschungen.

14:30 Uhr – Silent Reading Party
Im Anschluss wird es leise: Eine Stunde gemeinsames, ungestörtes Lesen – in Gemeinschaft und trotzdem jede Person für sich. Wir sorgen für eine gemütliche Atmosphäre. Ein Buch kann man mitbringen oder vor Ort ausleihen.

6. September 2026, 14 Uhr
Alexanderplatz, Brunnen der Völkerfreundschaft

Freitag, 28. August 2026

Treffen der Schweizerische Bibliophilen

Die Schweizerische Bibliophilen besichtigten gestern im Auktionshaus Kornfeld Kunstwerke aus der Privatsammlung von Eberhard W. Kornfeld, die in der September-Auktion zur Auktion kommen.
Vorgestellt wurden neben Kunstwerken auch seltene Kunstbücher aus dessen Sammlung.

Das Auktionshaus Kornfeld in Bern unterhält neu eine Repräsentanz in Zürich.

mini MAXI Print Teil 1 2026

Die Ausstellung Mini Maxi Print Teil 1 Berlin 2026 kehrt mit einer weiteren Ausgabe zurück.
Die Ausstellung erkundet weiterhin die Bandbreite des Mediums Druck und kombiniert intime, kleinformatige Werke mit kühnen, großformatigen Arbeiten. Im Laufe der Jahre hat sie sich zu einer unserer wichtigsten jährlichen Ausstellungen entwickelt, die aufstrebende Talente und etablierte Künstler aus ganz Europa und darüber hinaus zusammenbringt.


Für das Jahr 2026 umfasst die Ausstellung 52 Grafikkünstler und mehrere eingeladene Bildhauer und Keramiker und bietet ein umfassendes Spektrum von Mini bis Maxi.

Eröffnung: 7. Oktober 2026, 19 Uhr
Ausstellung: 7. Oktober - 22. Dezember

GALLERI HEIKE ARNDT DK
Voigtstrasse 12, 10247 Berlin - Friedrichshain

Donnerstag, 27. August 2026

Berliner Buchhandelspreis ab 2027

Einen Monat vor der Berlin-Wahl versucht die SPD (in der Prognose derzeit nur noch bei 13 %) nochmals zu punkten - die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe unter Leitung von Franziska Giffey (SPD) lobt einen neuen Preis für die Berliner Buchbranche aus.

Mit diesem Berliner Buchhandlungspreis werden ab 2027 jährlich unabhängige Buchhandlungen aus Berlin geehrt, die mit ihrem ausgewählten Sortiment, mit ihrem Unternehmenskonzept oder ihrem kulturellen Veranstaltungsprogramm überzeugen. Jährlich sollen sechs unabhängige, inhaber- oder genossenschaftlich geführte Buchhandlungen mit maximal fünf Filialen, die ihren Firmensitz in Berlin haben und deren Jahresumsatz unter 1 Millionen Euro liegt, geehrt werden.

Für die Ausrichtung des ersten Preisjahrgangs 2027 sowie die initiale Vorbereitung in diesem Jahr stellt die Senatsverwaltung insgesamt 125.000 Euro bereit.

(siehe auch Lesen hilft)

Mittwoch, 26. August 2026

Unvergessen: Werner Klemke - Der Mann, der den Büchern der DDR ein Gesicht gab

Heute vor 32 Jahren, am 26. August 1994, starb Werner Klemke, Gründungsmitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, in Berlin. Geboren wurde er am 12. März 1917.
Werner Klemke gehörte zu den Künstlern, die das Erscheinungsbild von Büchern und Zeitschriften in der DDR über Jahrzehnte mitprägten. Er war Grafiker, Buchillustrator und Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Von 1954 bis 1989 gestaltete er die Titelseiten der Zeitschrift „Das Magazin“ und war auch der Schöpfer des berühmten kleinen Magazin-Katers. Für seine Arbeiten erhielt er unter anderem dreimal den Nationalpreis der DDR.
Klemke illustrierte Bücher für Kinder ebenso wie große Werke der Weltliteratur. Boccaccio, Cervantes, Brecht und viele andere bekamen durch seine Feder eine ganz eigene Handschrift. Seine Zeichnungen waren oft leicht, lebendig, manchmal verschmitzt und trotzdem mit erstaunlich wenigen Strichen auf den Punkt gebracht. Man musste nicht erst auf den Namen des Illustrators schauen. Bei vielen seiner Arbeiten wusste man einfach: Das könnte ein Klemke sein.
Und genau an dieser Stelle schließt sich für mich ein ganz persönlicher Kreis.
Wer mein Buch DDR 2.0 - Was wäre, wenn wir geblieben wären? irgendwann zum ersten Mal in der Hand hält, soll nämlich nicht nur eine Geschichte über eine DDR lesen, die niemals verschwunden ist. Ich wollte, dass sich bereits das Buch selbst ein wenig so anfühlt, als wäre es irgendwann um 1970 herum entstanden.
Deshalb habe ich mich bei der gesamten Gestaltung bewusst an dieser Zeit orientiert. Das Papier, die Schrift, die Initialen am Anfang der Kapitel, die kleinen Vignetten und schließlich die insgesamt 40 Zeichnungen im Buch. Diese Illustrationen wurden im Grundstil jener klassischen DDR-Buchgrafik entwickelt, für die Künstler wie Werner Klemke stehen.
Die Bilder, von denen ihr hier einige Beispiele seht, sollen eben nicht aussehen wie moderne Hochglanzillustrationen aus dem Computer. Sie sollen wirken, als hätte ein Zeichner mit Feder und Tusche am Tisch gesessen und anschließend wären sie auf leicht vergilbtem Papier in einem DDR-Verlag gedruckt worden.
Das war für mich von Anfang an wichtig. Ich wollte kein modernes Buch, auf dessen Umschlag zufällig „DDR“ steht. Ich wollte versuchen, ein Buch zu schaffen, bei dem man beim Aufschlagen für einen kurzen Moment denkt: Das könnte seit 50 Jahren in meinem Bücherschrank stehen.
Und vielleicht ist genau das auch eine schöne Form der Erinnerung an Menschen wie Werner Klemke. Nicht indem man ihre Arbeiten einfach kopiert, sondern indem man sich daran erinnert, welche Wärme, welchen Humor und welche unverwechselbare Handschrift solche Zeichnungen einem Buch geben konnten.
Wenn ihr also irgendwann im Dezember mein Buch aufschlagt und euch eine dieser Zeichnungen irgendwie bekannt vorkommt, obwohl ihr sie garantiert noch nie gesehen habt, dann ist genau das beabsichtigt.
Werner Klemke starb heute vor 32 Jahren. Seine Bilder aber stehen noch immer in unzähligen Bücherregalen. Manchmal ziemlich gut versteckt zwischen zwei Buchdeckeln. Und vielleicht ist das für einen Buchillustrator ohnehin die schönste Form von Unsterblichkeit.

Das „DDR 2.0 - Was wäre, wenn wir geblieben wären“ erscheint in der ersten Dezemberwoche 2026 und kann bereits jetzt vorbestellt werden.

(Holger Jacob)

Japan auf Papier

Utamaro, Hokusai, Hiroshige und die Grafik der Moderne

Tōshūsai Sharaku, Der Kabuki-Schauspieler
Iwai Hanshirō IV in der Rolle der Amme
Shigenoi, 1794, © Kupferstich-Kabinett
Foto: Caterina Miksch
Alltag und Mythos, Eleganz und Witz, Fantasie und Naturbeobachtung – der japanische Farbholzschnitt enthält alle Facetten des Lebens. Utamaro entwarf in feinen Linien Frauengestalten, Hokusai hielt das Alltägliche mit scharfem Blick fest, Hiroshige gestaltete in seinen Landschaften mit innovativen Farbkompositionen und Perspektiven. Jedes Werk wurde in Teamwork hergestellt: Künstler, Schnitzer, Drucker und Verleger schufen gemeinsam die Holzschnitte, die je nach Auflage und Auftraggeber kostbare Sammlerstücke oder erschwingliche Drucke für viele sein konnten.

Das Kupferstich-Kabinett sammelt japanische Kunst auf Papier seit fast 300 Jahren – es ist eine der bedeutendsten, aber kaum bekannten Sammlungen Deutschlands. Gemeinsam mit Forschungspartnern aus Japan und der Schweiz wurde ihre Geschichte aufgearbeitet, die Werke digitalisiert und restauriert. Die aktuelle Ausstellung präsentiert eine Auswahl aus diesem Bestand von über 10.000 Objekten – viele der Werke sind hier zum ersten Mal zu sehen.

Die japanischen Arbeiten stehen jenen internationaler Künstlerinnen und Künstler gegenüber, darunter James McNeill Whistler, Henri de Toulouse-Lautrec, Edvard Munch, Emil Orlik und Mary Cassatt: Sie ließen sich durch die japanische Kunst inspirieren – experimentierten mit grafischen Techniken, entdeckten die Ausdruckskraft der Reduktion, erforschten radikale Wege der Bildkomposition. Dieser Dialog hat die Kunst der Moderne nachhaltig geprägt und wirkt bis heute fort.

Ausstellung: 26. Juni - 20. September 2026
Kupferstichkabinett
Residenzschloss Dresden

Dienstag, 25. August 2026

9. Braunschweiger Antiquariatsmarkt

Auch in diesem Jahr erwartet der Braunschweiger Antiquariatsmarkt wieder alle Bibliophilen, Lesefreudigen und Wissbegierigen.
In Kooperation mit dem Braunschweigischen Landesmuseum laden diesmal alle neun Braunschweiger Antiquariate ein. Bereichert wird die Verkaufsausstellung wieder durch drei Stände aus Bargfeld (Hermann Wiedenroth), Hannover (Joachim Wilder) und Hildesheim (Dr. Lothar Hennighaus).
Neu dabei ist die Braunschweiger Buchbinderei Zerbst, die demnächst auf 75 Jahre des Bestehens zurückblickt und bei uns ihr traditionsreiches Handwerk vorstellen wird.
Die Antiquariate präsentieren eine Auswahl aus ihren Schätzen – Raritäten, alte und neuere Bücher, Karten, Graphik und Papierantiquitäten. Angeboten werden unterschiedlichste Druckwerke: Literatur, Erstausgaben, signierte und illustrierte Bücher sowie Widmungsexemplare, Reiseberichte, Wissenschafts- und Geistesgeschichte, Kinderwelten, Orts- und Landeskunde, Natur und Technik, Kunst und Kultur, Geschichte und Politik.

Im gleichen Gebäude sind auch die sehenswerte Dauerausstellung "Ein Teil von uns. Deutsch-jüdische Geschichten aus Niedersachsen" und die Präsentation "Aufbruch im Umbruch. Das Braunschweigische Land 1946 bis 1972" zu betrachten, erarbeitet von der AG Heimatpflege der Braunschweigischen Landschaft e.V.
Leider war aus museumsinternen Gründen nicht zu ändern, dass der Antiquariatsmarkt am gleichen Wochenende wie die Rare Books Berlin und die Vintage Paper Berlin stattfindet.

(Ursula Saile-HaedickeVersandantiquariat Tills Bücherwege)

9. Braunschweiger Antiquariatsmarkt: 19. September 2026, 10 bis 17:30 Uhr
im Dormitorium-Saal des Landesmuseums
Hinter Aegidien, 38100 Braunschweig

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Warum nicht auch „Hesses Herrenunterhosen“ oder den „Habermas-Hüftslip“?
[...] Viele Jahrzehnte lang war der Suhrkamp Verlag eine Institution der Bundesrepublik. Seine Autoren bestimmten immer wieder den öffentlichen Diskurs. Seit geraumer Zeit befindet sich der Verlag im Niedergang. Finanziell sieht es ebenfalls düster aus. Kurzum: Suhrkamp geht es nicht gut. 
[...] um die Schieflage auszugleichen [sollte ...] das Sortiment des Hauses durch buchfremde Produkte erweiter[t werden]. Auf der Webseite des Suhrkamp-Verlags kann man seit einiger Zeit „Michel-Foucault-Badeschlappen“ [...] erwerben. Der Einfall ist genial, wenn auch nicht niveauvoll. 
[...] Landgrebe sollte aus seiner Idee eine neue Reihe entwickeln: „edition suhrkamp körpernah“.
Sie könnte beginnen mit: „Brecht-Bettwäsche – damit auch der gute Mensch von Sezuan irgendwann mal schlafen kann“. Folgen sollten: „Hesses Herrenunterhosen – aus der streng limitierten Reihe ‘Unterm Rad’“, „Peter-Handke-Handtuch – die Angst des Tormanns vor der Nasszelle“, „Adorno-Achselshirt – Minima Moralia, maxima Transpiralia“, „Habermas-Hüftslip – herrschaftsfreier Diskurs, körpernah“, „Allendes Alpakasocken – magischer Realismus gegen kalte Füße“ und „Treichels Turteltäschchen – für diskrete Dichterromanzen auf der Leipziger Buchmesse“.
[...]
(Jacques Schuster, Welt am Sonntag, 23. Aug. 2026)

Montag, 24. August 2026

Restaurierung einer Erasmus-Postille von 1552

Das obere Kapitalband und eine Schließe sowie die gesamte Ecke unten rechts am vorderen Buchenholzdeckel fehlten. Außerdem waren beide Deckel der Länge nach komplett durchgebrochen.
Nach dem sorgfältigen Waschen aller Seiten mussten anschließend noch zahlreiche Papierreparaturen durchgeführt werden.
Glücklicherweise ließen sich die zerbrochenen Buchenholzdeckel mit Tischlerleim fest zusammenkleben. Um die fehlende Ecke zu rekonstruieren, nagelte ich ein gleich dickes Buchenholzbrett an die Unterseite der beschädigten Ecke. Anschließend konnte ich die beschädigte Ecke mit einer Laubsäge in einem Arbeitsgang sauber absägen und gleichzeitig die fehlende Ecke herstellen, die dann an den Deckel geklebt werden konnte. Der geschwungene Verlauf der Verbindung sorgt für eine hohe Verdrehsicherheit der Ecke, obwohl die beiden Holzstücke nicht überall lückenlos aneinanderliegen.
Das fehlende Kapitalband wurde durch ein neues ersetzt, das mit hellbraunem und grünem Garn genäht wurde, um dem Original so ähnlich wie möglich zu sehen.
Da ich keinerlei Erfahrung mit Metallbearbeitung habe, bestand meine größte Herausforderung darin, eine Replik der Schließe anzufertigen. Ich konnte eine Kopie aus einer 1 mm dicken Messingplatte sägen lassen, deren Kanten glatt gefeilt wurden. Mit einem Metallstichel versuchte ich, das Ziermuster so gut wie möglich nachzubilden. Die Ringe um die Nietlöcher wurden durch leichtes Klopfen mit einem Hammer auf eine um das Loch gelegte Mutter geprägt. Nach dem Bräunen mit gekaufter Bräunungsflüssigkeit war das Ergebnis zufriedenstellend.
(Erik Bjerregaard Pedersen)

die Wiederauferstehung des Sherlock Holmes

Thomas Franke, seines Zeichens Pirckheimer, zelebriert wieder einmal mit einem szenischen überkandidelten Vortrag in der Zone Bluesbar Bonn als Fortsetzung des im Mai dortselbst vorgetragenen Berichtes von Dr. Watson über den Tod des Sherlock Holmes stimmspielend die überaus spannende, von Arthur Conan Doyle über die ‚Wiederauferstehung‘ des Sherlock Homes genial geschriebene Kriminalerzählung „Im leeren Haus“.
die legendäre Wiederauferstehung des überaus
berühmten Meisterdetektivs Sherlock Holmes
Um sich selbst und seine schriftstellerischen Intentionen zu retten, hatte Conan Doyle mit dem in der Erzählung „Das letzte Problem“ erzählten Tod des Sherlock Holmes diesen Zyklus 1893 an ein Ende bringen wollen, was ihm jedoch aufgrund der Proteste und Anfeindungen seiner Leserschaft mißlang. Im Jahr 1901 erregte ein Freund (nicht Dr. Watson!) sein Interesse an einer Legende, nach der eine Familie im Dartmoor von einem geheimnisvollen Geisterhund verfolgt wurde. Diese Sage entflammte Doyle, so daß er sich entschloß, daraus einen neuen Roman mit Sherlock Holmes als Protagonisten zu schreiben, der vor Holmes‘ Tod spielen sollte. Der unglaubliche Erfolg des „Der Hund von Baskerville“ und die zu dieser Zeit enorme Summe Geldes, die Doyle von seinem Verleger in Aussicht gestellt bekam, veranlaßte ihn schließlich, Sherlock Holmes‘ Tod literarisch zu revidieren.

6. September 2026, 19 Uhr
Zone Bluesbar Bonn
Maxstraße 2a, 53111 Bonn

Sonntag, 23. August 2026

Rare Books Berlin in „Weltkunst“

Weltkunst # 259, S. 90f, bitte anklicken

DEG-Jahrestreffen 2027

Die Jahrestreffen der Deutschen Exlibris-Gesellschaft wird nach 2017 und 2023 2027 ein drittes Mal in Paderborn stattfinden.
Das Stadtbild der kleine Bischofsstadt mit dem mehr als 1200-jährigen Dom und der übersichtlichen Altstadt mit den zahlreichen Quellen der Pader wird geprägt durch zahlreiche Kirchen, der Kaiserpfalz und vielen alten Stadthäuser.
Den Namen hat die Stadt vom kürzesten Fluss Deutschlands, der Pader, die im Stadtzentrum an Hunderten Stellen aus dem Boden quillt. 
Die Europäische Kommission hat im Februar 2026 die urbane Flusslandschaft Pader in Paderborn mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet. Und die Stadt begeht im Jahr 2027 ihr 1250. Jubiläum mit vielen Veranstaltungen auch während der DEG-Tagung.

6. - 8. Mai 2027
WELCOME Hotel Paderborn
Fürstenweg 13, 33102 Paderborn

Samstag, 22. August 2026

DEFA–Filmplakate von 1946 bis 1990

Anlässlich des 80. Gründungsjubiläums der DEFA findet eine besonderen Plakat-Ausstellung mit ausgewählten Schätzen der DDR-Filmgrafik statt.
Die Schau zeigt Plakaten, die zwischen 1945 und 1990 von mehr als 400 Grafikerinnen und Grafikern geschaffen wurden. Das Filmplakatschaffen in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und in der DDR ist klar: Es gibt das erste Plakat (aus dem Jahr 1945) und das letzte (es entstand 1990). In diesem Zeitraum schufen über 400 nur teilweise bekannte Grafiker rund 6.400 Plakate. Alle Plakate finden sich in dem Buch: Mehr Kunst als Werbung: Das DDR-Filmplakat 1945–1990 von Detlef Helmbold, herausgegeben von der DEFA-Stiftung.
Die feierliche Vernissage findet am 31. August 2026 um 17:00 Uhr statt. Zur Begrüßung sprechen Michaela Klingberg (Kulturforum der Rosa-Luxemburg-Stiftung), Stefanie Eckert (Vorstand der DEFA-Stiftung) sowie der Kurator Paul Werner Wagner. Im Anschluss folgt um 18:00 Uhr ein besonderes Programm-Highlight: Gezeigt wird Egon Günthers DEFA-Klassiker DIE SCHLÜSSEL (1973) mit anschließendem Gespräch zwischen Paul Werner Wagner, der Autorin Helga Schütz und den Hauptdarstellern Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz.

Ausstellungseröffnung & Film: 31. Aug 2026, 17 Uhr, DIE SCHLÜSSEL (Egon Günther, 1973) mit anschließendem Gespräch: Paul Werner Wagner, Helga Schütz, Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz.
Rosa-Luxemburg-Stiftung
Straße der Pariser Kommune 8A

Ausstellung: 1. September - 3. Dezember 2026
Eva-Mamlok-Bibliothek

Miniaturbuchmesse in Berlin

Freitag, 21. August 2026

wie man ein Buch aus dem Regal nimmt

Ein Buch zieht man nicht am Buchrücken aus dem Regal, man schiebt die Bücher daneben nach hinten und das gewünschte Buch wird keinen Schaden nehmen.
Video © Archbishop Marsh's Library

Buch- und Druckkunst-Messe Frauenfeld

Die Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft lädt ein zur Handpresse-Messe HPM im Kulturzentrum Eisenwerk Frauenfeld.
Über 60 Aussteller zeigen Handwerkskunst wie Bleisatz, Handpressendruck, Linolschnitt und Buchbindekunst und Papierdruck, sowie Live-Druckvorführungen an historischen Maschinen. Für Besucher gibt es kostenlose Mitmachaktionen (Setzen, Drucken, Prägen und Falzen), sowie für Familien Letternschatzsuche.
Der Ehrengast 2026 ist die Papier- und Buch-Künstlerin Nadine Werner.

Weitere Informationen unter https://www.buch-und-druckkunst-messe.ch/

6. bis 8. November 2026
Eisenwerk Frauenfeld
Industriestrasse 23, 8500 Frauenfeld

Donnerstag, 20. August 2026

Jahresprogramm 2026/27 der Gesellschaft der Freunde der SUB Hamburg

Das kommende Programm der Gesellschaft der Freunde der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg wird wieder spannend, informativ und abwechslungsreich.
Das Programm kann hier oder durch Klick auf die Titel-Abbildung heruntergeladen werden.

Einblicke in die Schätze der Musiksammlung der Stabi und Ausblicke auf die Akademie der Wissenschaften durch ihren Präsidenten Prof. Dr. Mojib Latif. Ein Besuch in den neuen Räumen der Bibliothek im MIN-Forum und eine Führung über den Jüdischen Friedhof Königstraße in Altona.

Der Rowohlt-Verlag präsentiert uns aktuelle Highlights und historische Schätze aus seinem Programm und gemeinsam wollen wir Immanuel Kant verstehen bei einer Führung durch die Ausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum.

(Markus Trapp)

Mittwoch, 19. August 2026

VÖGEL * FISCH * TÄUME * FARBEN

... lautet der Titeö einer Ausstellung von  Hanneke van der Hoeven und Corn.elius in Gmünd.

Hanneke van der Hoeven (1955) ist Zeichnerin und Schriftstellerin. Ihre Zeichnungen sind von gegensätzlichen und widersprüchlichen Polen geprägt. Abbilden und doch gleichzeitig abstrahieren, anziehen und abweisen. Nicht die reale Darstellung dessen was sie zeichnet steht im Vordergrund, sondern die Befindlichkeit ist das Wesentliche ihres Stils. Nicht das Abbild des Waldes, oder der Vögel sind der Inhalt ihrer Zeichnungen, sondern was fühlt der Wald, was empfindet der Vogel. Die Zeichnungen sind reale aber fiktionale Erzählungen ihrer Motive. Durch ihren rauen, expressionistischen Strich, der zwischen erschaffen und zerstören und wieder erschaffen pendelt, bildet nicht das Sichtbare sondern das Gefühlte ab.
Hanneke van der Hoeven | corn.elius
Corn.elius Brändle, 1956 geboren; 1984 - 1988 Studium Grafik Design FHG Pforzheim; ist Buchkünstler, Drucker und Verleger der »edition wasser im turm.berlin« Er liebt Experimente. Seine Bilder zeichnet er mit dem Sieb, und die Künstlerbücher in kleinen Auflagen im Siebdruck oft in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, Illustratoren und Schrifttellern. „Ich denke meine Bilder immer in Büchern" - mit diesem Bekenntnis bringt com.elius seine Leidenschaft als Künstler auf den Punkt.

Corn.elius Brändle und Hanneke van der Hoeven arbeiten im Bereich des Künstlerbuches schon längere Zeit intensive zusammen und entwickeln viele gemeinsame Projekte. Gegensätze befeuern eine Zusammenarbeit auf hohem künstlerischen und handwerklichem Niveau.

Vernissage: 29. August 2026, 15 Uhr, Laudatio: Richard Pils
Ausstellung: 29. August - 11. Oktober 2026

Eisenberger Fabrik
Litschauerstr. 23, 3950 Gmünd

EinBlick #10: Schön, kostbar, gigantisch

Die Universitätsbibliothek Leipzig präsentiert im EinBlick #10 im Rahmen des Jüdischen Kulturjahres Tacheles, kuratiert von Dr. Christoph Mackert den Leipziger Machsor, eine der berühmtesten hebräischen Handschriften, die sich aus dem Mittelalter erhalten haben. Er enthält die Gebete und Gesänge für die jüdischen Festtage und ist reich mit kostbarer Buchmalerei geschmückt. Aus konservatorischen Gründen ist das gewaltige Manuskript aus dem frühen 14. Jahrhundert üblicherweise im Tresor der Universitätsbibliothek Leipzig unter Verschluss. 
Nun gibt es zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren wieder die Gelegenheit, den Leipziger Machsor zu sehen. Ein besonderes Highlight: Während der Ausstellungszeit wird der Band wöchentlich einmal geblättert!

Vernissage: 10. September 2026, 19 Uhr, es sprechen Dr. Christoph Mackert, Leiter des Handschriftenzentrums der UB Leipzig, und Dr. Jörg Deventer vom Leibnitz Institut für jüdische Geschichte und Kultur Simon Dubnow über jüdisches Kulturerbe der Superlative. Im Fokus stehen unter anderem Fragen von Besitzgeschichte und der für uns bestehenden Verantwortung für jüdisches Kulturgut.
Ausstellung: 11 September –25. Oktober 2026
    
Bibliotheca Albertina
Beethovenstr 6 · 04107 Leipzig

Dienstag, 18. August 2026

Illuminier Buoch, wie man allerley farben bereitten, mischen, schattieren unnd ufftragen soll

Das Buch des Monats August der AG Sammlung Deutscher Drucke der Herzog August Bibliothek ist Boltz, Valentin: Neu herfür gesuchtes Illuminir-Buch/ Künstlich alle Farben zu machen und bereiten/ allen Schreibern/ Mahlern/ Brieffmahlern … dienlich zu wissen/ sampt etlichen neuen zugefügten Kunststücklein/ vormahls im Druck nie außgangen. St. Annaberg. Gedruckt und zu finden bey David Nicolai. 1690.

Das Werk erschien erstmals 1549 in Basel unter dem Titel Illuminier Buoch, wie man allerley farben bereitten, mischen, schattieren unnd ufftragen soll, bevor es schon 1550 in Frankfurt am Main unter einem abweichenden Titel neu aufgelegt wurde.
Titelblatt zu Valentin Boltz: Neu herfür gesuchtes Illuminir-Buch. Annaberg 1690. Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Xb 11450.
In den folgenden Jahrhunderten wurde das Werk vielfach neu aufgelegt. Die Herzog August Bibliothek hat eine bislang unbekannte Ausgabe, erschienen 1690 in St. Annaberg (Oberschlesien), erwerben können, die die späteste Ausgabe im Handpressendruck vor einer Neuausgabe München 1913 darstellt. Das Exemplar ist ohne feste Deckel in Buntpapier mit Steinmarmor-Muster eingebunden, Gebrauchsspuren sind nicht erkennbar. Das zweifarbig gedruckte Titelblatt ziert eine Abbildung, die eine Sammlung verschiedener Werkzeuge zeigt und damit bereits den Zweck des Buches unterstreicht: Eine Anleitung zur Herstellung von Farben.

Als eine Besonderheit des Druckes gilt, dass der Autor Valentin Boltz im Grunde kein Fachmann auf dem Gebiet der Farbherstellung, sondern ein Geistlicher war. Nachdem Boltz 1534 im Dienst des Herzogs Ulrich von Württemberg stand, wurde er 1539 Diakon in Tübingen. Nach mehreren Stationen als Pfarrer in der Schweiz, wurde er ab 1547 Spitalpfarrer in Basel. Neben seiner eigentlichen Tätigkeit wirkte er als Übersetzer und als Autor verschiedener dramatischer Werke, bevor er 1549 sein „Illuminierbuch“ verfasste.

Dabei galt es wohl jedoch als nicht unproblematisch, wenn ausgerechnet jemand Fachfremdes die handwerklichen Methoden der Farbherstellung und die dafür benötigten Zutaten so offen preisgab. So zumindest vermutet dies auch Valentin Boltz im Vorwort seines Buches: „Ich habe kein Zweiffel / es werden etliche mißgünstige Künstler / diß mein einfältige Anleitung in die Illuminirung / sehr bekümmern / als ob ihnen etwas Abbruchs ihrer Nahrung drauß folgen würde“. In seinen Augen würde die Veröffentlichung dieses Wissens dem Handwerk jedoch keinen zu großen Schaden zufügen. In dem Wunsch, die Spezialisten auf dem Gebiet der Farbherstellung mögen es ihm daher nicht zu sehr verübeln, begründet er seine Entscheidung mit dem Verweis auf mögliche Ergänzungen: „Denen und andern geb ich zur Antwort / daß diß nicht angefangen / iemands dadurch zu verderben oder zu verkleinern / sondern erstlich dadurch andere baß erfahren dieser Kunst Illuministen zu reitzen / diß Werck mit ihrem Zusatz täglich zu bessern.

Dieser Wunsch von Valentin Boltz, mit diesem Buch das Wissen über die Farbherstellung weitergeben zu können, scheint sich im Nachhinein durchaus erfüllt zu haben. In den folgenden Jahrhunderten wurde es immer wieder nachgedruckt. In diesem Aspekt stellt das Buch sicherlich eine weitere Besonderheit da: Ausgerechnet das Werk eines fachfremden Autors avancierte anscheinend zu einer grundlegenden Anleitung für die Farbherstellung, die über eine lange Zeit nachgenutzt wurde.

(Jonas Theye, HAB)

Buchmachermarkt in Mosbach

Die Stadt Mosbach wird beim traditionellen Buchmachermarkt zum Schauplatz für Buchbinder, Drucker, Restauratoren und Papierkünstler. Die Aussteller zeigen, was sich alles aus und mit Papier machen lässt.
In Zusammenarbeit mit der Druckwerkstatt Mosbach ist auch der Verein für die Schwarze Kunst wieder dabei.

5. - 6. September 2026

Buchmachermarkt 
Hospitalhof, 74821 Mosbach

Montag, 17. August 2026

ein großes Fest der Bücher

Unsere Berliner Kollegin Elvira Tasbach ist in diesem Jahr nicht nur selbst Ausstellerin – gemeinsam mit Julian Brandis vom Antiquariat Düwal organisiert sie die RARE BOOKS BERLIN im Kronprinzenpalais.
Über 100 Antiquariate und Galerien aus 15 Ländern bringen Highlights aus 500 Jahren Kultur- und Geistesgeschichte nach Berlin: seltene Bücher, wunderschöne Drucke und außergewöhnliche Objekte.
Wir sind begeistert von der Resonanz, die uns schon jetzt erreicht und freuen uns auf eine ganz besondere Messe – und vor allem auf viele spannende Begegnungen mit unseren Besucherinnen und Besuchern!

(Verband Deutscher Antiquare)


RARE BOOKS BERLIN: 18. - 20. September 2026

Kronprinzenpalais
Unter den Linden 3

1 Kommentar(e):
17. August 2026: Abel Doering hat gesagt ...
Der Berliner Bibliophilen Abend wird als Aussteller dabei sein und ist auf der Rare Books Berlin an allen drei Tagen am Stand 60 in der ersten Etage zu finden.

Buch des Monats August

Das Buch des Monats August der Schweizerischen Bibliophilen-Gesellschaft ist der 2024 erschienene Roman "El año en que hablamos con el mar" des 1990 in Santiago de Chile geborenen Schriftstellers Andrés Montero.
"Das Jahr, in dem wir mit dem Meer sprachen“ ist ein Roman über die Wege, die wir wählen, und jene, die wir hinter uns lassen, darüber, was es bedeutet, zu einem Ort zu gehören, und über all das, was die Sprache dem Meer zu sagen versucht.

(Albert von Brunn, Zürich)

Sonntag, 16. August 2026

Giacomo Casanova in Leipzig - 15. Sept

In der Reihe BUCHSTADT LEIPZIG des Leipziger Bibliophilen-Abend sprechen Dr. Ansgar Bach und  Alexandra Bonin über Giacomo Casanova in Leipzig.

Casanova und Leipzig – die Beziehung ist vielfältig: Der alte  war so schlau und erwarb 1821 von Carlo Angiolini, Neffe des großen Lebenskünstlers, das Manuskript der Memoiren Giacomo Casanovas, und es folgten sehr erfolgreiche, zunächst noch zensierte, Übersetzungen. 2010, nach dem Untergang des Verlagshauses F.A. Brockhaus in Leipzig (2008) verkaufte dieses Manuskript an Frankreich.
Ansgar Bach, Herausgeber des von Alexandra Bonin illustrierten Titels „Casanova in Leipzig“ (2015) ist Verleger und Gründer des Verlags kopfundwelt, einem Verlag mit Schwerpunkt Casanova. Bislang sind neben "Casanova und Leipzig", "Giacomo Casanova in Dresden" und "Casanova in Berlin und Potsdam" bei kopfundwelt erschienen.

15. September, 19.30 Uhr

Haus des Buches Leipzig
Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig

Samstag, 15. August 2026

Oh, du Grimmische Welt ...

Im Verlauf der 20. Lesereise durch die Bonner Altstadt trägt Thomas Franke, Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, in einem szenischen Vortrag unter dem Thema "Oh, du Grimmische Welt - Hans Dumm, Bruder Lustig und Fundevogel" einige Märchen der Brüder Grimm vor.
Oft wird von den Leuten die Behauptung weitererzählt, viele Märchen hätten die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm gesammelt, indem sie den Erzählungen alter Bäuerinnen sowie einsiedlerischen Köhlern und Hirten in düsteren Katen und auf stürmischen Bergwiesen lauschten, jedoch stellten sich solche Berichte als dahinphantasierte heraus. Mittlerweile wissen wir, daß die Grimms nicht im Volk kursierende Märchen zusammentrugen, sondern daß die Märchen vor allem von jungen, gebildeten Frauen erzählt wurden und oftmals aus französischen Quellen resultierten. So findet man zum Beispiel einige dieser Märchen wie „Der Blaubart“ ein wenig anders erzählt um 1697 im Märchenbuch des Charles Perrault. Durch die mündliche Weitergabe der Familie Hassenpflug kam es als „Blaubart“ in die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.
In ihren ursprünglichen Versionen, die – oft düster und verstörend – Themen wie Konkurrenz um Schönheit, der nagende Hunger, der unerfüllte Kinderwunsch, untergeschobene oder sich gegenseitig abschlachtende Kinder ausbreitend, sind sie eher Geschichten für Erwachsene denn für Kinder. Allerdings gibt es auch Geschichten über Kindheit, Jugend oder das Heiraten in oft lustigen Formen, bis zu einer Reihe von Zaubermärchen, in denen die Erzählungen zum glücklichen Ende kommen. Bekannte Märchen sind „Rotkäppchen“, „Brüderchen und Schwesterchen“, „Rapunzel“, „Rumpelstilzchen“, „Schneewittchen“, „Hänsel und Gretel“ und viele andere, die sich immer wieder als zeitlose, also auch heute noch aktuelle Parabeln erweisen, weil jede »ächte Poesie niemals ohne Beziehung auf das Leben seyn kann« (Wilhelm und Jacob Grimm in ihrer Vorrede).
Aber spannender werden die unbekannten Texte sein, von denen der Schauspieler Thomas Franke – selbstverständlich neben einigen bekannten Märchen – am heutigen Abend eine Auswahl vortragen wird, wie sie in der Ausgabe letzter Hand von 1857 zu finden sind und nur minimal sprachlich angepaßt wurden. Es wird also gereist, es werden Abenteuer bestanden, man schlägt sich mit Riesen, es wird meisterhaft gestohlen und selbst der eine und der andere Spuk geistert vorbei.

(Thomas Franke)

27. August 2026, 19.30 Uhr
Altstadtbuchhandlung Büchergilde
Breite Straße 47, 53111 Bonn