Dienstag, 3. März 2026

Der "Höngger Bericht" von 1489 zum Waldmann-Handel

Das Buch des Monats März der Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft ist die Faksimile-Neuausgabe des "Höngger Bericht" von 1489 zum Waldmann-Handel.

Der Sturz des Zürcher Bürgermeisters Hans Waldmann (1435-1489) im April 1489, dessen Folter und Hinrichtung, gehört zu den dramatischen Höhepunkten der spätmittelalterlichen Zürcher und eidgenössischen Geschichte. Das wichtigste erhalten gebliebene Dokument dazu ist der sogenannte Höngger Bericht. Ein des Schreibens kundiger Mann aus der damaligen Bauerngemeinde Höngg war Augenzeuge und hat in lebendiger Sprache handschriftlich geschildert und auch selbst illustriert, was damals geschah. Der Zürcher Historiker mit Herkunft aus dem Maggiatal Ernst Gagliardi hat den Bericht in seiner Quellensammlung zum Waldmann-Handel 1911 veröffentlicht, und die Eigentümer-Familie hat ihn 1989 in fotografischer Wiedergabe publiziert, samt einem historischen Kommentar und einer Version in modernem Deutsch. Dieser Band ist längst vergriffen.
Jetzt legt die Zunft zur Waag eine neue Ausgabe vor. Die Digitalisierung durch das Zürcher Staatsarchiv hat die Wiedergabe des Originals in nahezu perfekter Qualität erlaubt. Es wird begleitet von der seinerzeitigen Übertragung des ursprünglichen Texts in spätmittelalterlichem Schweizerdeutsch in Druckschrift sowie eine Übersetzung in modernes Deutsch und von einer historischen Einordnung durch den damaligen Eigentümer der Handschrift, den Fraumünster-Pfarrer und Historiker Peter Vogelsanger (1912-1995).

(Philippe Welti, Altzunftmeister der Zunft zur Waag, Zürich)
«Sonderdruck. Der dramatische Sturz des Zürcher Bürgermeisters Hans Waldmann. Der Höngger Bericht eines Zeitzeugen von 1489», 
ISBN 978-3-9525231-4-8

Jahresversammlung 2026 der Maximilianer

Die Jahresversammlung 2026 der Maximilian-Gesellschaft für alte und neue Buchkunst wird im Mai in Hamburg stattfinden. Die Hauptversammlung ist für Freitag, den 29. Mai 2026 im Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe vorgesehen.
Auf dem Programm stehen eine Führung durch Gebäude und Druckwerkstätten Hochschule für Bildende Kunst mit ausgewählten Beispielen der Buchproduktion, ein Empfang bei Christian Hesse Auktionen mit Vorstellung ausgewählter Stücke aus der Mai-Auktion, Präsentation der Sammlung Buchkunst im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, die Jahresversammlung und eine Führung durch die Sondersammlungen der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, sowie ein geselliges Beisammensein zum Abendessen.
Außerhalb des Programms finden in Hamburg zwei Auktionen statt, bei Ketterer Rare Books die Auktion 600 »Wertvolle Bücher« am 18.05.2026, sowie am Samstag, 30. Mai 2026 bei Christian Hesse Auktionen die Auktion 33 mit dem Sonderkatalog »Artist‘s Books of the 20th Century – Estate of a Gentleman, Part 1«.

Das Anmeldeformular kann per Briefpost oder per E-Mail bis zum 9. Mai 2026 erfolgen.

28. / 29.Mai 2026
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Montag, 2. März 2026

Einladung zum Tag der Archive

Mail Art steht jedem offen. Mail Art ist ein eigenes Netzwerk, das sich dem kommerziellen Kunstmarkt entzieht. Als soziales und politisches Medium war Mail Art ein Mittel des Widerstands, vorwiegend in den Diktaturen Lateinamerikas und Osteuropas. Mail Art gibt es etwa seit den 1960er Jahren. Im AAP finden Sie über 13.000 Stücke zur Mail Art.
Wir zeigen Künstlerbriefmarken, Umschläge, Zeitschriften und Literatur zur Mail Art.
Kuratiert von Elias Valentin Biehler.

 7. / 8. März 2026, 11-20 Uhr

AAP Archive Artist Publications
Türkenstraße 60 UG, 80799 München

Führungen in der Historischen Druckwerkstatt

Mitten in Kreuzberg beginnt 1928 die Geschichte unserer Druckwerkstatt. An den Handsatzarbeitsplätzen und einem bis heute funktionsfähigen »Original Heidelberger Tiegel« arbeiteten Otto Schneider und später sein Sohn Gerd für das lebendige Geschäftsleben des Kiezes.

Die Führung zeigt, wie bis in die 1980er-Jahre hinein Akzidenzdrucksachen entstanden – von Visitenkarten über Briefbögen bis zu Hochzeitsanzeigen und Preislisten. Und es bleibt nicht beim Zuschauen: Jede Besucherin und jeder Besucher setzt mit dem Winkelhaken den eigenen Namen aus Bleilettern zum Mitnehmen – ganz wie zu Zeiten Johannes Gutenbergs im 15. Jahrhundert.

Prof. i.R. Dr. Anne König, Buchdruckerin und Professorin für Betriebswirtschaftslehre für Druckindustrie und Verlage, gibt Einblicke in die Geschichte der Werkstatt und in die traditionelle Arbeitsweise des Handsatzes und Buchdrucks.

3. März 2026, 16 Uhr
26. März 2026, 16 Uhr
... weitere Termine folgen

FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Adalbertstraße 95A, 10999 Berlin-Kreuzberg

Sonntag, 1. März 2026

Heinrich Heine. Erinnerungen

Bibliophiles des Monats ist eine Erinnerung an Heinrich Heine, dem vor 170 Jahren, am 17. Februar in Paris verstorbenen deutschen Dichter, Schriftsteller und Publizisten, der als letzter Vertreter und Überwinder der Romantik gilt.
Der Reprint des Zentralantiquariats der DDRHeinrich Heine, Erinnerungen von Alfred Meißner“. in Zweiten Auflage 1856 bei Hoffmann u. Campe, Hamburg erschienen, wurde mit einem Nachwort von Bruno Kaiser den Mitgliedern der Pirckheimer-Gesellschaft als Jahresgabe 1972 zu Ehren des 175. Geburtstages von Heine und des 150. Geburtstages von Alfred Meißner überreicht.

Es ist damit die erste Gabe dieser Gesellschaft, die ich als neues Mitglied, 1973 dort eingetreten, zur Begrüßung erhielt. Und das ist auch der Grund, dieses Büchlein hier als mein ganz persönliches "Bibliophiles des Monats" vorzustellen, den heutzutage ist es problemlos und für kleines Geld, sogar als Erstausgabe oder in Ausgaben des frühen 20. Jahrhunderts, zu erstehen.

Exlibris von Guido Balsamo Stella für Walter Fahrenhorst

Dieses 1912 von Guido Balsamo Stella radierte Exlibris erzeugt bei der ersten Betrachtung eine Irritation, die es aufzulösen gilt.

Im Vordergrund befindet sich eine feenhafte, nackte Frauengestalt, die auf dem Waldboden zwischen einigen hohen Tannen kniet und versonnen auf einer Harfe spielt. Gebrochen wird diese romantisch anmutende Szene durch den Blick an den Horizont, wo qualmende Schlote eines Stahlwerks die Idylle stören. Der Blick richtet sich auf einen Industriebau, hinter dem sich hohe Wolken in den Himmel erheben. Zwischen der Harfenspielerin im Wald und der Fabrik befinden sich die Furchen eines frisch gepflügten Feldes, welches diese beiden Welten voneinander trennt.

Balsamo Stella, der in Turin geboren wurde und seine erste künstlerische Ausbildung in Venedig erhielt, kam ab 1909 an der Akademie der Bildenden Künste in München mit Albert Welti, einem Schüler von Arnold Böcklin, in Kontakt. Diese Begegnung war für seinen grafischen Stil stark prägend.
[...]
Das Exlibris führt uns von Augen, dass nur ein Jahrzehnt nach der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert die Industrialisierung in Deutschland unübersehbar war. Insofern ist das Blatt auch ein früher Beweis für die inzwischen erfolgte und überall sichtbare Industrialisierung Deutschlands, von einer landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft zu einer Industrienation geworden ist. 
[...]
Das Blatt zeigt, dass die Exlibris Künstler, die ja eher den Geschmack und die Sehnsucht des Bürgertums nach einer heilen Welt bedienten, die Augen nicht vor der neuen Realität verschlossen. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts tauchten immer häufiger auch Fabriken auf Exlibris auf, und es gibt ja Sammler, die dieses Thema gezielt sammeln. Auch Balsamo Stella griff das Thema der Industrialisierung in seiner freien Grafik auf, was in seinen Exlibris jedoch eher die Ausnahme bleibt. Es ist also in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Exlibris Blatt von Balsamo Stella.

(Siegfried Bresler)

MDE Rundbrief 2025

Der MDE Rundbrief 2025 enthält neben den wie in jedem Jahr vorgestellten aktuellen Bucheinbänden eine vollständige Übersicht über das Morgenstern-Projekt einschließlich der Abbildungen aller entstandenen Einbände.
4.000 Druckbögen wurden aus der Bütte der Papiermühle Homburg gehoben. Es entstanden 44 typografiche Arbeiten von 29 Nachwuchsdesignern.
Nach fast 10.000 Druckdurchgängen auf unterschiedlichen Andruckpressen ... entstanden 22 Einbandfamilien, bestehend aus je einem Kunsteinband und der dazugehörigen einfacheren Kleinserie von 8 Exemplaren.