Freitag, 4. September 2026

Karl J. Lüthi, Hebräisch in der Schweiz

Dass die Schweiz ein mehrsprachiges Land ist, ist bekannt. Weniger bekannt ist jedoch, dass bereits vor 100 Jahren eine weitere, unerwartete Sprache versucht hat, sich hier einen Platz zu erobern. Ein kleines, seltenes Büchlein in der Bibliothek der Israelitischen Cultusgemeinde in Zürich mit dem Titel Hebräisch in der Schweiz, das 1926 in Bern erschien, zeigt, wie wichtig die hebräische Sprache damals für die Schweiz war – und umgekehrt. Dies geschah zu einer Zeit, in der sich das Hebräische noch immer in einem Erneuerungsprozess befand und versuchte, sich als Sprache des neuen jüdischen Siedlungsgebiets in Palästina zu etablieren.
Karl J. Lüthi – Hebräisch in der Schweiz.
Buchdruckerei Büchler & Co. Bern, 1926
Der Autor dieses ungewöhnlichen Büchleins, das in einer Auflage von nur 300 Exemplaren gedruckt wurde, war der Schweizer Karl Jakob Lüthi (1876–1958). Er war Bibliothekar, Buchsammler und damals Leiter des Schweizer Gutenberg-Museums. Obwohl er selbst kein Jude war, faszinierte ihn die hebräische Sprache bereits im Kindesalter. 
Als begeisterter Büchersammler, vor allem von Bibeln, wurde er nicht nur Liebhaber, sondern auch Experte der hebräischen Schrift. 

Allgemein bekannt ist, dass das Studium der hebräischen Sprache und Literatur, insbesondere des Alten Testaments, in der Schweiz seit der Reformation eine lange Tradition hat. Lüthi wollte jedoch aufzeigen, dass nicht nur das Studium, sondern auch der Druck hebräischer Bücher und die Entwicklung der hebräischen Druckschrift auf eine Tradition zurückblicken können, auf die die Schweiz stolz sein kann.

Anhand zahlreicher Beispiele, die durch Abbildungen ergänzt werden, zeigt er, dass nicht nur Basel, das in dieser Hinsicht bekannt war und nach wie vor eine führende Rolle einnimmt, sondern auch Zürich, Genf sowie Bern und Neuchâtel eine herausragende Rolle spielten.
Mit sorgfältiger und gründlicher Recherche widerlegte Lüthi alte Mythen – so wurde das erste hebräische Lehr-, Lese- und Wörterbuch beispielsweise nicht in Basel gedruckt – und präsentierte zugleich neue Erkenntnisse: So fand etwa die Reform der hebräischen Quadratschrift in die moderne hebräische Literatur durch den Typografen Josef Kaplan in der Schweiz statt. Mit seinem fachkundigen Wissen erstellte Lüthi eine umfassende Bibliografie der in der Schweiz gedruckten hebräischen Bücher vom 16. Jahrhundert bis zur Zeit des Zionismus, die nach Regionen (Basel, Zürich, Genf, Bern, Lausanne und Neuchâtel) geordnet ist.
(Oded Fluss. Zürich, gesamter Beitrag hier)

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